Auf Lederstrumpfs Spuren

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I. Das Urbild Lederstrumpfs.

Die

James Fenimore Cooper.

Lederstrumpf! ? Ich bin überzeugt, daß der bloße Klang dieses Namens bei Millionen von Deutschen den süßen Traum der Jugend, die Erinnerung an eine Zeit wachrufen wird, wo es zu ihren liebsten Beschäftigungen gehörte, mit Coopers Lederstrumpfgeschichten stundenlang in einem Winkel zu sitzen und von den Thaten ?Wildtöters? und des Häuptlings Chingachgook zu lesen. Wer hätte in jenen Jahren nicht selbst einmal ?die große Schlange? oder Uncas ?den flinken Hirsch? gespielt und dabei vergessen, die Schularbeiten zu erledigen, für welche Versäumnis anderen Tags dem ?flinken Hirsch? Arrest oder wohl gar eine gesalzene Tracht Prügel zudiktiert wurde.

Da wir Menschen uns gern an das erinnern lassen, was in den Tagen der Jugend unsere Herzen bewegte, so darf ich wohl auch hoffen, daß manche Leser der ?Gartenlaube? mir gern in jene Gegenden folgen werden, die einst der Schauplatz der Thaten Lederstrumpfs waren.

?Wie,? so höre ich fragen, ?ist denn Lederstrumpf nicht eine der Phantasie Coopers entsprungene Romanfigur, die in Wirklichkeit nie existierte?? Ich kann diese Frage ebensowohl bejahen wie verneinen, denn Lederstrumpf ist eine erdichtete Figur, aber die sie kennzeichnenden Züge sind einer historischen Persönlichkeit entnommen. Es läßt sich nachweisen, daß James Fenimore Cooper, als er im Jahre 1822 ?die Pioniere oder die Ansiedler an den Ouellen des Susquehannah,? den zuerst erschienenen Teil seiner Lederstrumpfsgeschichten, schrieb, für seinen Nathanael Bumppo eine bestimmte Persönlichkeit als Vorbild benutzte, den als Jäger und Indianerkämpfer, noch mehr aber als ersten Pionier des Staates Kentucky berühmt gewordenen Daniel Boone. Dieser um das Jahr 1735 in Pennsylvanien geborene Mann war einer der ersten jener kühnen, wetterfesten, im Kampf mit Indianern und den Bestien der Urwälder gestählten Vorläufer der Kultur, welche die Gipfel der Alleghanys erstiegen und die Blicke über jene Wildnis hinwegschweifen ließen, durch deren Wälder und Prairien die Flüsse in einem westwärts gerichteten Laufe dem sagenhaften Mississippi zueilten. Büffelherden, die nach Tausenden zählten, weideten damals ungestört auf den berühmten Grasebenen des heutigen Kentucky, die Wälder bargen zahllose Hirsche, Bären, Biber und andere kostbare Pelztiere, und zu gewissen Jahreszeiten verfinsterten sich die Lüfte durch die endlosen Scharen der Wändertauben. Mächtig angezogen durch den Anblick dieser Terra incognita, stieg Boone von den wolkenumzogenen Höhen hernieder, um in den Wäldern am Quellgebiet des Kentucky eine versteckte Blockhütte aufzuschlagen und der Jagd obzuliegen. Boone war von fünf ebenso kühnen Männern begleitet, die aber alle von den Indianern umgebracht wurden oder in Gefangenschaft derselben gerieten. Mehrere Monate verbrachte Boone allein in der unendlichen Wildnis, ward im Jahre 1760 aber ganz unerwartet von feinem Bruder aufgefunden, mit dem er nach seinem früheren Wohnsitz zurückkehrte. Das geschah aber nur, um die Familien der beiden zur Uebersiedlung in die menschenleere Wildnis zu bewegen. Fünf andere Familien sowie vierzig wohlbewaffnete Männer schlossen sich dem Zuge an, der aber, noch ehe er das Ziel erreichte, in harten Kämpfen mit den Indianern sechs Mann, sowie alles Vieh einbüßte. Entmutigt durch diesen schweren Verlust, gab die kleine Karawane die Reise nach Kentucky auf und ließ sich in Südwest-Virginien nieder; Boone hingegen drang später an der Spitze einer neuen Schar abermals bis in die im Herzen von Kentucky gelegene Wildnis vor und gründete im Juni 1775 am Ufer des Kentuckyflusses die aus rohen Blockhütten bestehende, wohlbefestigte Niederlassung Boonesborough. Die Geschichte derselben war während des ersten Jahrzehntes eine fast ununterbrochene Kette der erbittertsten Kämpfe mit den Indianern, die zu verschiedenen Malen in gewaltigen Haufen die Ansiedlung wochenlang belagerten und ihr die schwersten Verluste zufügten.

Die

Daniel Boone.
Nach dem Originalgemälde von Chappel.

Besonders gefahrvoll war die Belagerung, welche Boonesborough im Sommer 1778 zu bestehen hatte, wo während des amerikanischen Befreiungskrieges die Engländer alle unter ihrem Einfluß stehenden Indianerhorden aufboten, um mit Hilfe derselben die freiheitsdurstigen Unterthanen der englischen Kolonien entweder zum Gehorsam zurückzuführen oder gänzlich zu vernichten. Eine derartige, von acht englischen Offizieren befehligte Indianerbande erschien auch vor Boonesborough, um es mit Feuer und Schwert vom Erdboden zu vertilgen. Mehr als 500 Köpfe stark, begannen die Angreifer einen förmlichen, mit

[798] der teuflischsten Hinterlist durchgeführten Belagerungskrieg wider die von Pallisaden umgebene, kaum von einem halben hundert Männer verteidigte Urwaldfestung. Als alle Anstürme und Versuche, sie durch feurige Pfeile in Brand zu setzen, abgeschlagen wurden, versuchten die Belagerer durch einen in der Nacht gegrabenen unterirdischen Gang einzudringen. Boone aber grub mit seinen Tapferen einen Gegengang und pflanzte in demselben eine mit Kugeln und Nägeln vollgepfropfte hölzerne Kanone auf, um die Angreifer bei ihrem Eindringen sofort niederzuschießen. Als aber die Belagerer erkannten, daß ihr Anschlag entdeckt und den Ansiedlern nicht beizukommen sei, entschlossen sie sich endlich zum Abzug, zumal sie bereits 37 Tote und zahlreiche schwer Verwundete zählten. Die Belagerten die mit einem Verlust von nur 2 Toten, sowie mit mehreren Verwundungen davongekommen waren, sammelten nach dem Abzug der Feinde über 125 Pfund Bleikugeln, die aus den Pallisaden und den Wänden der Blockhütten herausgeschnitten wurden.

Noch gefährlicher war ein Angriff, den vier Jahre später eine mehrere hundert Mann starke Indianerbande gegen die in diesem Teil Kentuckys gelegenen Ansiedlungen, besonders gegen Bryan Station ausführten wo sich drei Schwäger Boones niedergelassen hatten. Die Indianer standen unter der Leitung eines Weißen, Simon Girty, der, als Kind von den Senecas geraubt und bei den Shaunies großgewachsen, in sich die ganze Verschlagenheit und Grausamkeit der Rothäute mit den Lastern der Weißen vereinigte. Boone kam mit seinen Leuten den Bedrohten zu Hilfen und es gelang, die Indianer abzuschlagen, In der Hitze der Verfolgung aber fielen die Ansiedler in einen Hinterhalt und verloren gegen 50 Mann.

Die

Boonesborough im Jahre 1777.

Wie gefahrvoll das Leben der Pioniere der Kultur in diesen Landstrichen war, lehrt die Thatsache, daß in Kentucky allein während der Jahre 1783 bis 1790 gegen 1500 Weiße durch Indianer umgebracht wurden. Schließlich aber behaupteten die zähen Hinterwäldler doch das Feld und zwangen, besonders als sie durch Zuzüge aus dem Osten Verstärkung erhielten, die Rothäute zu einer dauernden Aufgabe ihres Gebietes. In den vielen Gefechten erhielt Boone manche Wunde und geriet mehrmals in die Gefangenschaft der Wilden, wußte aber durch List dem drohenden Tode am Marterpfahl stets zu entrinnen.

Weniger gut verstand er es, sich der weißen Spekulanten zu erwehren die nach Vertreibung der Indianer ins Land kamen. Sie brachten ihn und andere der Pioniere durch gefälschte Papiere um Hab? und Gut, so daß Boone im Jahre 1792 voll Mißmut Boonesborough verließ und sich nach den westlich vom Mississippi gelegenen Prairien wandte, die er, den Pelztieren nachgehend, meist allein bis an den oberen Missouri durchstreifte.

Nach Bestehung zahllosen Abenteuer starb der wackere Jäger hochbetagt um Sommer des Jahres 1820 am Femme Osagefluß in Missouri. Seine Ueberreste sollten dem Staat, dessen erster Ansiedler er gewesen war, doch erhalten bleiben, denn als die Bürger der von Deutschen in Kentucky gegründeten Stadt Frankfort im Jahre 1845 einen neuen Friedhof anlegten, meinten sie, daß derselbe nicht schöner eingeweiht werden könne, als wenn man auf ihm die Gebeine des ersten weißen Bewohners von Kentucky zur ewigen Ruhe bette. Dem Plan folgte alsbald die Ausführung, denn noch in demselben Sommer begab sich eine Abordnung der Frankforter nach Missouri. Die Ueberreste Boones wurden in einen neuen Sarg gelegt und nach Frankfort gebracht, wo sie am 20. August auf einem das Thal des Kentucky überschauenden Hügel unter Begehung würdiger Feierlichkeiten aufs neue beigesetzt wurden. Einige Jahre später schmückte man das Grab mit einem Denkmal, auf dessen vier Seiten Begebenheiten aus den Kämpfen Boones mit den Indianern, sowie aus seinem Ansiedler- und Jägerleben dargestellt sind.

Daß die Persönlichkeit Boones dem Schriftsteller James Fenimore Cooper vorschwebte, als er seine berühmten Lederstrumpfromane schrieb, ist nicht bloß aus einer mündlichen Aeußerung Coopers bekannt, sondern geht auch aus der unverkennbaren Aehnlichkeit des Namens Daniel Boone (sprich Buhn) mit Nathanael Bumppo, dem Namen Lederstrumpfs, hervor. Ferner stimmt die Personalbeschreibung, die Cooper in den Romanen ?Die Ansiedler? und ?Die Prairie? von Leberstrumpf entwirft, vollkommen mit einem Porträt Boones überein, welches von dem amerikanischen Maler Chappel gemalt wurde und lange Jahre im Besitz einer Newyorker Verlagsfirma war. Boone ist auf diesem Bilde als ein bereits in hohem Alter befindlicher Mann und in dem Anzug dargestellt, der von den abgehärteten Grenzjägern seiner Zeit allgemein getragen wurde. Derselbe bestand aus einem aus grobem Zeug ober gegerbtem Hirschleder gefertigten Rock, der oft am Nacken und an den Schultern mit Pelzwerk oder aber mit einer Garnierung von 8 bis 10 Centimeter langen, dünnen Lederfransen besetzt war. Die letzteren dienten weniger als Schmuck, sondern ersetzten dem Jäger die häufig benötigten Bindfaden. Ueber den kurzen, grobwollenen Beinkleidern und den derben Strümpfen wurden fast bis an den Leib reichende Ledergamaschen getragen, deren Nähte häufig gleichfalls mit Fransen versehen waren, eine Nachahmung der indianischen Sitte, die ?Leggins? oder Beinkleider mit den Kopfhaaren erschlagener Feinde zu besetzen. Die Füße staken in Mokassins aus weichem Hirschleder, die wie die Gamaschen und der lederne Rock durch eine besondere den Indianern abgelernte Gerbung völlig wasserdicht waren. Die Kopfbedeckung bestand zumeist aus einem mützenartig verarbeiteten Fuchsfell, dessen Schwanz über den Rücken des Jägers hinabhing.

An Waffen führte der Jäger außer einem breiten, haarscharfen Messer, das über der Brust in einer sofort erreichbaren Tasche stak, eine Büchse, sowie ein leichtes Beil, den Tomahawk. Der letztere, ein in den Wäldern unentbehrlicher Gegenstand und im Handgemenge eine äußerst brauchbare Waffe, wurde an einem breiten, die Hüften umspannenden Gurt getragen, an dem auch die Kugeltasche hing. Zur Aufbewahrung des Pulvers diente ein Ochsenhorn, das an einem Riemen befestigt und der rechten Seite des Jägers so angepaßt war, daß es die Bewegungen desselben nicht hinderte und sich auch nicht im Gestrüpp verfangen konnte. Nicht selten waren Waffen und Pulverhorn nach indianischer Weise mit Perlstickereien oder Bemalung geschmückt. Ein wachsamer Hund bildete mitunter den Begleiter des Jägers.

Vergleicht man die Personalbeschreibung, die Cooper in seinen ?Ansiedlern? und in der ?Prairie? von dem alten Lederstrumpf und seinem treuen Hektor entwirft, mit dem von Chappel gemalten Bilde, so ist kaum zu bezweifeln, daß das letztere dem Schriftsteller im Original oder in einer Nachbildung bekannt [799] gewesen ist. Nicht minder scheint ein Nachruf, den der Gouverneur des Staates Missouri, Morehead, den Manen Boones widmete, zur Kenntnis Coopers gekommen zu sein, denn die in dem Nachruf gegebene Charakteristik Boones spiegelt sich aufs deutlichste in der Lederstrumpffigur wieder. ?Ohne eine irgendwie bemerkenswerte Erziehung genossen zu haben,? so sagte der Gouverneur in dem Nachruf, ?hat Boone doch einen Platz unter den ausgezeichnetsten seiner Zeitgenossen eingenommen. Er vereinigte in sich viele hervorragende Eigenschaften Klugheit, Mut, Vorsicht und eine ungewöhnliche physische Kraft. Niemals schrak er vor Gefahren zurück, niemals erlag er den Anstrengungen und Mühen seines gefährlichen Berufs; selten gelang es jemand, ihn zu überrumpeln. Seine Gewohnheiten waren einfach und nicht verletzend, eine gewisse Rauheit ausgenommen, die allen Jägern eigen ist. Seine persönliche Erscheinung bot nichts besonders Hervorragendes, sein Ausdruck war mild und zufrieden. Ein Jäger durch und durch, lebte und starb er in einem Blockhaus, von allen Habseligkeiten seine sichere Büchse als das wertvollste Besitztum preisend.?

Die

Das Grabmal Daniel Boones auf dem Friedhofe zu Frankfort.

Es ist von hohem Interesse, zu sehen, wie Booper diese Personalbeschreibung der Figur des Helden seiner Lederstrumpfromane unterlegte. Nimmt man diese Romane zur Hand, so möchte man zur Vermutung kommen, daß die fünf Abteilungen ?Wildtöter?, ?Der letzte der Mohikaner?, ?Pfadfinder?, ?Die Ansiedler an den Quellen des Susquehannah? und ?Die Prairie? in der hier gegebenen chronologisch richtigen Reihenfolge geschrieben worden seien. Das ist aber nicht der Fall. Von allen Lederstrumpfromanen erschien der vierte, ?Die Ansiedler?, zuerst, und zwar im Jahre 1823. Drei Jahre später, am 4. Februar 1826, folgte Nummer 2 der Serie, ?Der letzte der Mohikaner?, 16 Monate darauf Nummer 5, ?Die Prairie?. Dann verstrichen nicht weniger als 13 Jahre, bevor Cooper mit den beiden Romanen ?Pfadfinder? (1840) und ?Wildtöter? der Serie die Abrundung gab. Entstanden demnach die einzelnen Abschnitte zusammenhangslos und in ganz verschiedenen Zeiträumen, so erscheint es um so bewundernswerter, daß Cooper es trotzdem verstand, der Figur seines Helden ein so einheitliches Gepräge zu verleihen, daß sie wie aus einem Gusse, wie ein völlig abgerundetes Meisterwerk vor uns steht. Im ?Wildtöter? lernen wir diesen Helden als einen vollkommenen Neuling auf dem Kriegspfade kennen. Er hat, in den Wigwams der Delawaren verweilend, sich insbesondere einem jungen Häuptling jenes Stammes, Chingachgook, angeschlossen und findet in Gemeinschaft mit demselben am See ?Glimmerglas? zum erstenmal Gelegenheit, seine Kraft und seine auf vielen Jagdzügen erworbene Geschicklichkeit zu bethätigen. Scharfblick, Aufrichtigkeit und gewinnende Herzensgüte machen die Grundzüge seines Charakters aus, in dem sich die Tugenden der Weißen mit den besseren Eigenschaften der roten Urbewohner Amerikas in der glücklichen Weise mischen.

Im ?Letzten der Mohikaner? und im ?Pfadfinder? steht Lederstrumpf in voller Manneskraft, als kühner, furchtloser Jäger vor uns. Wald und Himmel sind ihm ein offenes Buch. Jeder Laut, der die Stille des Urwalds unterbricht, jeder aus seiner Lage gerückte Stein, jeder geknickte Zweig vermitteln ihm die Kunde über gewisse Vorgänge. Niemals verläßt ihn seine Kaltblütigkeit; aus den gefährlichen Lagen weiß er stets einen Ausweg zu finden.

In den ?Ansiedlern an den Quellen des Susquehannah? erscheint Lederstrumpf als alter Mann, der auf den Hügeln am Glimmerglas sein einsames Blockhaus aufgeschlagen hat. Er, der ein volles Menschenalter vor der Ankunft der ersten Ansiedler die den See umschließenden Wälder durchstreifte und dies endlose Jagdrevier als sein alleiniges Eigentum betrachten durfte, muß nun voll Mißvergnügen sehen, wie die Ansiedler rücksichtslos das Wild zusammenschießen und die Bäume niederschlagen, die er so sehr geliebt. Die Natur, die ihm allezeit eine Freundin und Ernährerin war, gilt diesem Schwarm der Eindringlinge als eine Feindin, die niedergerungen werden müsse. Was Wunder, daß Natty Bumppo mit diesen Menschen nicht zu leben vermag, daß die Luft in ihren Straßen ihn beengt und er gleich dem verjagten Wild hinaus in die Weite zieht, der sinkenden Sonne nach.

Zuletzt zeigt Cooper uns den äußerst betagten Lederstrumpf als einsamen Trapper inmitten der überwältigenden Großartigkeit der westlichen Prairien. Seine körperliche Kraft ist verfallen, der Geist hingegen ist rein und geläutert wie die Luft der ihn umgebenden Steppe. Er ist nicht mehr der leicht erregbare, verdrießlich den Einbruch der Ansiedler wahrnehmende Trapper. Während er nicht aufhört, zu bedauern, hat er aufgehört, anzuschuldigen. Er weiß, daß die majestätische Feierlichkeit der Natur nicht lange ungestört bleiben wird, denn in jedem von Osten her kommenden Windstoß hört er das Knarren der Wagenräder, den Klang der Aexte, das Rauschen niedersinkender Bäume, die den Marsch der unaufhaltsam vordringenden Civilisation verkünden. Er weiß, daß dieselbe nicht aufzuhalten ist, und er hat dabei gelernt, sich in das Unabwendbare mit würdiger Ergebung zu fügen. Er hat keine Wünsche mehr, sondern sieht dem nahen Ende, dem Grab unter dem wehenden Prairiegras mit einer so ruhigen Fassung entgegen, wie der von harter Tagesarbeit ermüdete Arbeiter nach Sonnenuntergang dem besten Freund, dem Schlaf, entgegensieht.

So stellen Coopers Lederstrumpfromane ein völlig abgerundetes Gesamtbild, ein Drama in fünf Aufzügen dar, dessen Held anerkanntermaßen eine der fesselndsten, eigenartigsten und edelsten Schöpfungen der amerikanischen Litteratur ist. Die Lederstrumpfromane begründeten den Weltruf ihres Dichters. Sie wurden nicht nur in fast alle europäischen, sondern sogar auch in verschiedene asiatische Sprachen übersetzt. Die Zahl der in der Originalsprache erscheinenden Ausgaben und Nachdrucke ist eine geradezu überraschende und wächst, seitdem die Romane frei wurden, von Jahr zu Jahr. Auch in Deutschland erlebten sie viele Auflagen in mehr als fünfzehn verschiedenen Uebersetzungen. Besonders die Menge der Bearbeitungen für die Jugend ist erstaunlich.

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Die

Die Lederstrumpfhöhle auf der Hudsoninsel bei Glens Falls.
Nach einer Originalzeichnung von Rudolf Cronau.

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