Arbeit und Handwerk im Talmud

----------



7Arbeit und Handwerk im Talmud

-ie^.W^

AFiU3^25

picture0/

Digitized by L3OOQIC

Vorwort.

Der Talmnd, der die Geistesarbeit der jüdischen Weisen der fünf ersten nachcliristlichen Jahrhunderte in sich schliesst, hat, da sein Inhalt nicht nur religionsgesetzlich ist, sondern das ganze Leben mit allen seinen Ereignissen und Erzeugnissen umfasst, als getreue Wiederspiegelung der Cultur dieser Zeit, grosse Bedeutung für die Alterthums-forschung, und verdient ebensowohl eine eingehende kritische Pflege wie die yerwandten archäologischen und culturhistorischen Gebiete.

Bei dem ungeheuren Material, welches sich im Talmud der Sichtung und Bearbeitung bietet, kann die intensive Kenntniss des Inhalts nur durch Herausgreifen einzelner Stoffe und ihre

? 4 ?

systematische Behandlung wesentlich gefordert werden.

Ueber das von mir gewählte Thema: ?Arbeit nnd Handwerk im Talmnd sind zwar schon einige Arbeiten erschienen; keine yon ihnen behandelt indessen den Stoff erschöpfend.

Während ein Anfsatz von S. Bappaport in Wertheimers ?Jahrbnch für Israeliten (Wien. 1856. Leopold Sommer) S. 40 nnr die Frage behandelt, ?nber das Ansehen, in welchem die Ansübnng eines Handwerks bei den Israeliten zur Zeit der Mischnah-nnd Talmnd-Lehrer gestanden ist, nnd auch hierüber nicht mehr als einen allgemeinen UeberbUck bietet, besprechen die darauf folgenden Skizzen: ?Besitz- und Arbeitsfähigkeit der Israeliten von J. Kohn, und ?Handwerk unter den Juden von G. Wolf, daselbst S. 45, ff., insbesondere Arbeit und Handwerk in der Bibel und berühren den Talmud nur nebenbei, und lassen hier die oft fehlende Quellenangabe sehr vermissen; auch der grösste Theilder Aiükel s. v. ?Ackerbau und ?Handwerk in der Bealencyclopädie für Bibel und Talmud von Hamburger (Neu-Strelitz. Selbstverlag.) beschäftigt sich mit der Bibel und der talmudische Theil dieser Artikel leidet überdies an störender Un-genauigkeit der Citate. (Cfr. Nota 77.) Die einzige eingehende, offenbar auf gründlichen Talmudstudien beruhende Arbeit ist: ?Handwerkerleben

Digitized by VjOOQIC

- 5 ?

zur Zeit Jesu. Fünf Vorträge. Von Franz Delitzsch. (Zweite reyidirte Auflage. Erlangen. A. Deichert. 1875.) Aber auch diese Arbeit, handelt nur yom Handwerk und nicht yon der Arbeit, beschränkt sich übrigens auf die Zeit Jesu und hat auch, ihrer Tendenz einer populären Darstellung entsprechend, auf die Nachweisung der Chronologie bei den meisten angeführten Talmudweisen und vollkommne Anführung der Belegstellen yerzichtet. Es kommt noch hinzu, dass alle diese Arbeiten auf die einzelnen Handwerke und ihre Productionen nicht eingehen.

In der yorliegenden Abhandlung soll nun im ersten Abschnitt gezeigt werden, dass die Arbeit und das Handwerk zur Zeit des Talmuds in der Theorie sowohl, welche in den Sentenzen (1.) zum Ausdruck gelangt, wie in der Praxis, die sich in der Stellung der Frauen (2.) uiid der Gelehrten (3.) zur Arbeit und zum Handwerk kundgiebt, hochgeschätzt und gepflegt wurden, während im zweiten Abschnitt auf das Allgemeine über einzelne Handwerke eingegangen und die höhere oder niedere Stellung (4), sowie die Gliederung und Organisation einzelner Arbeiter- und Handwerkerklassen (5) dargestellt werden soll.

Die Art der Ausübung und die Productionen der einzelnen Gewerke gedenke ich, zugleich mit

? 6 ?

dem Arbeiter- und Handwerker-Recht später besonders zu behandeln.

»OOflgOO*

Erster Abschnitt.

Allgemeines.

h Sentenzen und Sprflehe«

Arbeit und Handwerk finden im Talmud eine eingehende Würdigung. Das zeigt sich zunächst in den auf die Arbeit und das Handwerk bezüglichen Sentenzen und Sprüchen, welche theils dem Wortlaute nach, theils in hagadisch andeutender Weise das Lob der Arbeit enthalten. So giebt uns der Talmud ^) die Lehre, dass der Mensch nur durch Thätigkeit sich die Vorzüge, welche der Schöpfer ihm vor allen andern Geschöpfen verliehen habe, erhalten könne, in folgender Weise: »Rabbi Josua ben Levi sagte: »Als der Heilige, gelobt sei er, zu Adam sprach: »Dornen und Disteln wird sie dir wachsen lassen *)? da entströmten

Vorbemerkung.

Die in Parenthese stehenden Zahlen bedeuten die Blüthezeit Desjenigen, von dem der Ausspruch mitgetheilt ist; es muss aber darauf aufinerksam gemacht werden, dass die meisten Sentenzen alte Yolksprüche waren, und nur Ton den betreffenden Rabbinen bei Gelegenheit dtirt wurden.

1) Pessachim 118 a, Zeile 15, y. o. (220 n. Chr.). <) Genesis m, 18.

? 8 ?

Thränen seinen Augen, und er sprach: »Soll ich denn mit meinem Esel aus einer Krippe essen ?? Als Gott aber hierauf antwortete: »Im Seh weisse Deines Angesichts sollst Du dein Brod essen ^), da war er beruhigt«. ronStan m aitt^) »Liebe die Arbeit« sagt Schemajah. rht2 riDID HDkSd mv ptW min h^ ^ »Das Studium der Lehre, mit welchem keine Arbeit yerbunden ist, geht schliesslich zu Grunde« ist ein Wahlspruch R. Gamliels III.

Selbst die seinem Innern widerstrebende Arbeit soll der Mensch übernehmen, damit er seinen Nebenmenschen nicht

zur Last falle«) Ki3j «ö-n vh tna« Sipn »fW3 »rhx nö3

KnS^D »3 tfh^^n (^R» «ans) ton K31^) »Decke todtes Vieh ab auf öffentlicher Strasse und nimm Lohn und denke nicht: ich bin ein grosser Mann (oder ein Priester) und die Sache ist mir verächtlich«.

Eab Schescheth sagte: ö),Tby3 m nöonottt rüvhün rh)^: »Gross ist die Arbeit, sie erwärmt ihren Herrn«. An anderer

Stelle heisst es: ^^)rrhy2 r» masottt rauhm rhn: »Gross ist die Arbeit^1), denn sie ehrt ihren Meister«.

*) Genesis m, 19.

*) Aboth I, 10. (50 n. Chr.).

«) Aboth II, 2 (191 n. Chr.) Gamliel I (Hasaken) starb 50 n. Chr. (Seder Hadoroth 860, Juchasin 54 b); Gamliel 11, Enkel des Ersten wurde 72 n. Chr. Nasi zu Jamnia; Gamliel m, Sohn des Mischnahredactenrs B. Jehudah (Urenkel des Zweiten) wurde 191 n. Chr. Nasi

«) B. Bathra 110 a Zeile 15, v. u.

) Nach Baschis Lesart daselbst, wie auch Pessachim 113 a Zeile 6, v. u.

?) B. Bathra 110 a Zeile 12, v. u., ein Ausspruch Rabs, der ums Jahr 219 eine Hochschule zu Sura gründete.

») Gittin 67 b, Zeile 9, v. u. Rab Schescheth wirkte an der Hochschule zuNehardea in Gemeinschaft mitNachman ben Jacob (250?^58)1

10) Nedarim 49 b, Zeile 5, y. u. ) tüHhü bedeutet sowohl »Arbeite, als Handwerk.

? 9 ?

Auch die praktische Seite des Handwerks, das selbst bei den schlechtesten Zeitverhältnissen nicht entbehrt werden kann, wird hervorgehoben. So lantet ein Spräch-wort: ^^^hn vh K301« «M«1 -3D3 ?in -ar W »Ist sieben Jahre Hungersnoth, die Thüre des Handwerkers erreicht sie nicht ?.

Rabbi Chijah sagte: 0»»^ »TO inv V^»» rm): Sto^^)

nana «o: iS«i **)n m tn- tr» nß^» rnD o-ottt tn» ?3:1 iStn nrn oSiya fiiMt ^^)tS 3iöi -pr» Sdkh -D70D yr thd ijrrD

fc<3n oSiyb ^S 31Ö1 »Grösser ist der, welcher von seiner Anstrengung sich ernährt, als der Gottesfurchtige; denn bei dem Gottesforchtigen heisst es: »Heil dem Manne, der Gott fiirchtetc; bei dem aber, der sich von seiner Anstrengung ernährt, heisst es: »Wenn Du Deiner Hände Arbeit geniessest, heil Dir und wohl Dir, heil Dir in dieser Welt, wohl Dir für die zukunftige Weite.

Ein anderer Ausspruch lautet: n1M nm minntt^ WD*^) rv»133 n^W n2«Son Ip »Wie die Thora im Bunde (Gottes) gegeben ist, so ist auch die Arbeit im Bunde gegeben, denn es heisst: TOyn Dtt» nttW^^) »Sechs Tage sollst Du arbeitenc oder (nach einer andern Lesart): TttW**) nDiAo HttT D»» Sechs Tagelang soll Arbeitgeschehen*^).?

^^) Sanhedrin 29 a, Zeile 23, v. u., angefahrt als Volksspruch von Raba, Rector zu Pumbeditha (337). Ein arabisches Sprüch-wprt sagt: >Keme Armuth bei Thätigkeit« (Anhang I. zu AHs Sprüchen, 266).

^^) Berachoth 8 a, Zeile 8, v. u., ausgespr. v. Chija b. Arne, Schüler des Abaje (350).

»*) P«alm 112, 1.

15) Dafielbst 128, 2.

1«) Aboth de R. Nathan, 11. Abschn. (125 n.).

«0 Exod. 20, 9.

1«) Daselbst 31, 15.

^) Die zweite Lesart scheint mir die i^chtige zu sein, da es

Digitized by VjOOQIC

- 10 ?

Rabbi Tarfon bemerkt: >6ott hat seine Majestät nicht auf Israel mhen lassen, ehe es eine Arbeit vollbrachte.

>Es heisst: >sie sollen mir ein Heiligthnm errichten, dann werde ich in ihrer Mitte wohnenc. (Andere Sprüche siehe unter: 3. Studium und Arbeit).

2. Arbeit^ Handwerk und die Frauen«

lieber das Verhältniss der Frauen zur Arbeit und zum Handwerk belehren folgende Stellen:

no33öi nDi«i **)rümö rhv:h rmy rrmmü ni3«bo ibtn**) mw ^h no-wn no3t3 rw)y r^tCiW h nysto na m np-aoi nSt^3ö np-30 p«i nSwo p« D-nr ;nD330 «Si ns5i« «Si rum» »S m» vmro^ nan- van» ;no3C3 nny p«i noön iS nyxo p« rSa^ ;ra n« wryS nDi3 n^nw rr»ü iS no^an iS-o« ioi«^ nrr^« n (xcx^scypa)

.Hör -tS n«3ö nSö3W i03C3

»Folgendes sind die Arbeiten, welche die Frau ihrem

Manne zu thun verpflichtet ist: das Mahlen (vorzubereiten

oder mit der Handmühle Gewürze und dergl. zu mahlen

nachGemara undRaschi; siehe Note*^), Backen, Waschen,

an der Stelle Exod. 31, 15 ff. weiter heisst ßf^^y nn3> ^^^ ^ die Arbeit wirklich als im Bunde Gottes inbegriffen bezeichnet ist, da nach agadischer Deutung das Q^y f|t*^3 auch darauf bezogen werden kann.

^) Aboth de B. Nathan, Abschn 11. Rabbi Tarfon war ein Zeitgenosse des B. Elieser ben Asaxjah, wie Gamaliel 11 (75 n.)

«) Exod. 25, 8.

^) Eethub. 59 b, Zeile 13, v. o.; in dieser Miscbnah wird R. Simon ben Gamliel genannt, der 50 n. Chr. Nasi wsu: und 68 n. bei der Zerstörung Jerusalems hingerichtet wurde.

) Raschi i. St. fÜTIIDD: ÜTH^VQ WnW «»niD ?DlliC HTDÖ

? 11 -

Kochen, Säugen ihres Kindes, das Bett machen und Wolle spinnen. Bat sie ihm eine Magd mit (ins Hans) gebracht, 80 brancht sie nicht zu mahlen, nicht zu backen und nicht zu waschen; hat sie ihm zwei mitgebracht, so braucht sie nicht zu kochen und das Kind nicht zu säugen; drei, so brancht sie nicht daö Bett zu machen und Wolle zu spinnen: vier, so kann sie sich auf die Kathedra^^) setzen. R. Elieser aber sagte: Wenn sie sogar hundert Mägde mitgebracht hat, so kann man sie dennoch zu der (leichten) Arbeit des Wollspinnens zwingen, denn der Müssiggang führt zur Unzucht.

wt fnre um pö^n piD-n K^ao ui» di«S imry rri^ no3

»Wodurch ist die Frau die Gehilfin des Mannes? Der Mann bringt Weizen; kann er Weizen essen? er bringt Flachs; kann ersieh mit Flachs bekleiden? Nein. Folglich erleuchtet sie seine Augen und stellt ihn auf seine Füssec, dadurch, dass sie den Weizen geniessbar und den Flachs verwendbar macht. J^){hh:2) wü -Sdi (.ttito) i03t «Ss üt^:n p pnpiS

»Man darf von Frauen Gewänder aus Wolle und Flachs (in Abwesenheit ihres Mannes) kaufenc, wälirend Wolle vom Hirten zu kaufen verboten ist, weil befürchtet wird, er habe sie seinem Herrn gestohlen oder den Schafen abgeschoren. Die Frauen in Judäa pflegten wollene Ge-

nOpn mhp) (nonc« i»t waJbrscheinlich durch nODIO« snixVOK; Tnchter, Mühlenaufsatz zu ersetzen.)

«*) Eine Art von Stühlen (Midr. r. Exod. 43.) ein Stuhl, der mit Armlehnen und Fusstritt versehen ist. (Vergl. auch Sachs, Beitr. II, S. 180).

^) Jebamoth 63 a, 13. Zeile, v. o., angeführt aus der Zeit des B. Jose (180 n.) s. Juchasin S. 42 b.

a«) B. Kamma X, 9.

~ 12 ~

wänder zu verfertigen; die zu Galiläa flachsene, und hatten das Recht, sie zu verkaufen ^^.

Die Handwerke, welche den Umgang mit Frauen noth-wendig machten oder begünstigten, werden nicht empfohlen. Sie sind in den folgenden Talmudstellen näher bezeichnet. ^^)üT:r mJOI« m n» DIK IdS» kS »Man lehre seinen Sohn kein Frauenhandwerk«, d. h. ein Handwerk ^^)twh TWV^l >das für Frauen betrieben wird«.

jn 3^) 1110 tmv ny IpOVtt^ Sa»®). »Jeder der Beschäftigung mit Frauen hat, dessen Neigung (innere Beschaflfen-

*^) Bartenora z. St. und Raschi B. Kamma 118 b (unten) ^ßjt

nii3iöi mnv p)ty }ni a^mi rovhü «m ir ,S-bjn [nK^D nirr3

fc^in Thy2 njnbl »wollene Gewänder in Judäa und flachsene in (xaliläa; das ist die Arbeit der Frauen, die sie selbst verfertigen und mit Wissen ihrer Männer verkaufen.

3») Kidduschin IV, letzte Mischnah.

^^) Baschi z. Kidduschin 82 b, zur Mischnah.

30) Kidduschin 82a, Zeile 7, v. u.

8*) Das Wort -^lo, «^ ist nicht das hebräische ^p, welches sich überall auf »abweichen, ablenken« zurückführen lässt; die Commentatoren haben es auf die verschiedenste Weise zu erklären versucht. Raschi zur angefahrten Stelle sagt: ifl^lö, UI^D Nähe, Gesellschaft, Gewohnheit; Horajoth 13 a, Zeile 2, v. u. zur Stelle JD VWÜ )DÖ D1335?3 bemerkt Raschi ß^^ ^,^^ p^p sei gleich dem onStf itf, der innere Fürst sei der böse Trieb: ebenso Baba mezia 59 b, Zeile 2, v. u. Mussafia bemerkt s. v.: y))^ IDD, »soviel als sein (innerer) Sauerteig, d. h. sein Trieb. Auch wurde es an der zuletzt angefahrten Stelle wie i^i^g erklärt. Ebenso wenig wie alle diese mehr hagadischen Erklärungen scheint mir die Verwandtschaft des Wortes mit dem persischen *fjQ (i. e. convivium, dies festus) zutreffend. Das talmudische tid dürfte vielmehr dem arabischen niitt entsprechen, «pii^ bezeichnet die innere Beschaffenheit, die Charactereigenthümlichkeit eines Dinges (rei internus Status). Diese Erklärung vnirde für alle angefahrten Stellen zutreffen. Was aber die Stelle Sanhedrin 92 b, Zeile 5, v. u. betrifft, wo die meisten Talmudausgaben yyiQ oder wie Raschi

Digitized by VjOOQIC

^ 13 ?

heit) ist schlecht, (Die hierhergehörigen jHandwerke werden unter »4. Die höhere oder niedere Stellung der einzelnen Handwerkec. atifgezähli) (s. auch S. 18, 5). Dieser Ausspruch will sagen, dass der häufige Umgang mit Frauen geßJirvolle Versuchungen herbeiführe. Dass ihm ührigens keine allgemeine Geltung zuerkannt wurde, geht daraus hervor, dass der Talmud folgenden Fall erzählt, der das Gegentheil darthut: nm rtW» y( «rrr 1 *^) m^h -»<dö )rh n33n nim pitt^a -an^ Tim htntn t»2 ?osn«

Stnrn »jn^an nt^np p-i pro ^an iT-noiDi »Rabbi Chaninah

und Rabbi Oschijah waren Schuhmacher im Lande Israel und wohnten in der Strasse der Dirnen, und machten Schuhe (Sandalen) für die Dirnen. Wenn diese nun zu ihnen kamen, betrachteten sie sie (den R. Ch. und R. 0.), sie aber erhoben ihre Augen nicht, um sie (die Dirnen) anzusehen, und ihr Schwur war also: Beim Leben der heiligen Rabbinen des Landes Israel«.

Wenn* demnach dieser Umgang mit Dirnen nicht ge-föhrlich für die Sittlichkeit wurde, wie viel weniger kann der mit ehrbaren Frauen allgemein so betrachtet werden. Es hängt dies eben von der Individualität des Handwerkers ab.

1TD »soiii Ealk« setzen, bo scheint mir Schönhaks Conjector (Hamas-bir, aram.-rabb.-dentflche8 Wörterb. Warschau 1858 s. v. *^ anstatt «j-pD pf;^); zu setzen: ym »D^K (if^t^Tipo^) um so eher richtig zu sein, da im Midr. r. z. Höh. Lied 7, 9 dieselbe Stelle mit r|TTU^D1DV. vorkommt, was durch Auseinanderreissung des ursprünglichen griechischen Wortes, dessen Bedeutung der Commentator oder der Abschreiber nicht wusste, entstanden ist (^/lll = in Zusammensetzungen »halb« und nntt^ = verbrannt), oder nach anderer Lesart DV^-JD p1Öi< = J1i^4npö^i ^^ ^® ^^*®^ Commentatoren auch vergeblich zu erklären suchen (s. Matnoth Eehunnah zu Midr. r. z. St.); auch Midr. Tanchumah z. Genes. 8, 16ff. 3») Pessachim 113 b, Zeile 2, v. o.

Digitized by VjOOQIC

? 14 ?

Delitzsch führt in seiner Abhandlung über das Jüdische Handwerkerleben {S, 46) noch einige Sprüchwörter an, um damit zu beweisen, dass »die Frau zumal mit ihrem Manne zugleich dessen Beruf in Ehren halte und geneigt sei, wenn dieser auch noch so gering ist, sich etwas Grosses zu dünkenc.

Diese Sprüchwörter scheinen aber von Delitzsch falsch aufgefasst worden zu sein, was um so aufPallender ist, da die Abhandlung von grosser Belesenheit im Talmud und gründlichem Yerständniss der citirten Stellen zeugt. Die Anführung und üebersetzung der Sprüchwörter wird genügen, um zu zeigen, dass von einem Stolz der Frau auf den Beruf des Mannes keineswegs die Bede ist.

^^)jrTS5?aa mSini niaro fSiai i^3n Rabbi Simon ben Lakisch sagte (die Frauen sagen): Es ist besser zu zweien, als als Wittwe zu leben. Abaja sagte: Ist der Mann auch nur (so gross) wie eine Ameise, so stellt sie ihren Stuhl in die Mitte der Vornehmen, (um ihnen hiermit zu sagen: ich habe auch einen Mann, so gut wie ihr^*) Rab Papa sagt: Ist der Mann auch ein WoUhechler (ein gering geschätztes Handwerk), so ruft sie ihn an die Schwelle der Thüre und setzt sich zu ihm^^). Rab Aschi sagt:

*) S. die Erklärung aus dem Perflischen in Levys Chald. WB. I., S. 426, Sp. 2 unten.

) Kethuboth 75 a, Zeile 15, v. o. Jebam. 118 b, Zeile 4, v. u. Eidduschin 7 a Zeile 14 v. u. Daselbst 41 a Zeile 14 y. u. B. Eamma lila, Zeile 2 v. o.

3*) Raschi zu Kethub. 75 a.

^^) Mussafia erklärt j^dc3 anf andere Weise; s. s. v. dD3

Digitized by VjOOQIC

? 15 ?

Ist der Mann auch ein Stengel (geschlechtlich unfähig)®) so verlangt sie keinen Deckel*) für ihren Topf, und alle diese (heirathen nur diese geringgeschätzten Männer,) um unsittlich zu leben und hängen es ihren Männern in^%

Es kann hiernach von einer »Gottgeordneten Folge der ehelichen Liebe, welche auch in den kleinsten Verhältnissen sich glücklich fühlt und auch auf das Geringste ihr verklärendes Licht wirft« (Delitzsch, daselbst) oder von einer Schätzung des Handwerks ihres Mannes Seitens der Frau durchaus nicht die Rede sein. Die Stelle spricht nur von schlechten Frauenspersonen, denen zum Deckmantel ihrer ünsittHchkeit auch der geringste Mann gut genug ist. Die Schlussstelle fSiDI u. s. w. kann darüber keinen Zweifel lassen.

3. Studium, Arbeit und Handwerk.

Eine hohe und bedeutende Anerkennung des Handwerks und der Arbeit ist auch durch die Gleichstellung

^ xon)K6q Stengel. Delitzsch (S. 46) übersetzt nach dem Aruch »Feldhüter«; es existirt aber meines Wissens im Talmud nicht eine einzige Stelle, aus welcher bewiesen werden könnte, dass der Feldhüter (welcher übrigens d^i^^ = Pächter und zugleich Hüter (s. Aruch 8. y. Dlltt) heisst, gering geschätzt wurdie; die Uebersetzung des Aruch ist auch schon von Mussafia und Schönhak (im Hamasbir 8. y. 0^3) als irrthümlich bezeichnet. Schönhak will zwar auch die Erklärung Mussafias als unwürdig yerwerfen; es geht indessen aus der Schlussstelle Kethuboth 75 a und Jebamoth 118 b deutlich her-yor, dass Mussafiias Erklärung die allein richtige ist; es ist auch bei dieser Auffassung durchaus nichts Unwürdiges, da das Glänze in talmudischer Blumensprache (wie auch ähnlich anderwärts z. B. Pess, 112 a «pan HS Stt^»aÄ^ fTnp3 Stt^Dfl Sk) ausgedrückt, und der Talmud auch nicht für junge Damen geschrieben ist.

^) Mussafia s. v. db).

38) Raschi z. St. Kethub. 75 a,

? 16 ?

derselben mit der Gelehrsamkeit, ja dmreli die Verbindung des Gedetzesstudiums mit dem Handwerk ausgesprochen. Eine Unterscheidung zwischen Bürgern und Handwerkern, wie diese in Griechenland und Rom bestand, und wie sie noch heute in der, durch die Socialdemokratie verschärften Frage über die Stellung der Vertreter des Capitals und der Intelligenz einerseits und derjenigen der Arbeit andrerseits bei uns besteht, dürfte wohl im Judenthum zur Zeit des Talmuds, wie durch dessen Aussprüche, noch mehr aber durch die Thatsache, dass viele hervorragende Talmudlehrer ein Handwerk betrieben, erwiesen ist, nicht bestanden haben.

Folgende Midraschstelle giebt uns über die Anschauung des Volkes in dieser Hinsicht, wie insbesondere über das in Handwerkerkreisen herrschende Bewusstsein der Gleichheit mit dem Staude der Intelligenz genügenden Aufschlussj:

D^SriTs mivöi pn^tt^ niiiD iDin rrnnTv t^H»:Tü pyDtt^^^) -3«ttt iS TöK nöS ^h id« ^iöd hm: -:« ??»Dr p fsm» »a-iS idk nm rhxtih i» piS ?yrS »2 dik dk idk 7102 d-d-i »aista pDiy WH TS nS«ttt 0« 1« piiin pr vtün^ nrn iian p nw ib idi«

»Simeon (aus dem palästinensischen Dorfe*®) Süchnin, ein Mann des ßaths (ein verständiger Mann,) welcher Gruben, Brunnen, Cisternen und Höhlen grub (und herrichtete) sagte einmal zu Rabbi Jochanan ben Saccai: »ich bin so gross wie Du«. »Warum«, fragte der Rabbi; »Weil ich mich, wie Du mit den Bedürfnissen der Ge-sammtheit beschäftige«, erwiederte Simon; »wenn Jemand zu Dir kommt«, sprach er weiter, »in einer Rechtssache oder mit einer (religiösen) Frage, so sprichst Du zu ihm:

39) Midr. Koheleth zu 4, 17.

*o) Delitzsch, Handwerkerleben S. 29.

? 17 ?

>Trinke von diesem Brunnen, denn seine Wasser sind rein und kalt«, oder wenn Dich eine Frau wegen ihrer (ehelichen) Absonderung befragt, so sagst Du zu ihr: >Bade in jenem Bade, denn seine Wasser reinigen«. (Wenn ich nun diese Brunnen und Bäder nicht hergestellt hätte, so wäre die Ausfahrung Deiner Anordnungen unmöglich; die Handwerker sind darum eben so noth-wendig für die Beobachtung des Gesetzes wie die Gelehrten, und müssen daher mit ihnen auch auf einem Range stehen.)

Was die Verbindung des Studiums mit dem Handwerk und der Arbeit betrifft, so müssen, ausser der Hochschätzung derArbeit, wie sie in den (unter 1.) angeführten Aussprüchen des Talmuds sich kundgiebt, noch folgende Umstände in Betracht gezogen werden. Der Handel war damals unter den Juden noch wenig verbreitet ; die Unbemittelten waren daher zunächst auf die wenigen öffentlichen Aemter^ die besoldet wurden (die Mitglieder der Gerichtshöfe durften keinen Lohn annehmen*^), angewiesen. Dies waren zuforderst die miW ?Ittl*^) eine Art von Polizei- und Executivbeamten, welche insgesammt neunundneunzig Minen (niö)*) aus

^1) Ketbub. 105 a Zeile 13, v. u. r*^2 Vy^ flS IW SöUT >Wer Lohn für das Beclitsprechen nimmt dessen Urtheil ist ungültig.«

*^ Kethub. 104 b, 2. Zeile v. u.; sie heissen auch f^TW ?^H oder ^)^^} ^;|vq weil sie Verordnungen gegen Diebstahl erliessen und Strafe über denselben verhängten.

^^) i^ ^iüne = 100 gewöhnlichen Schekeln = 50 heiligen Schekehi (^npH bptt^) = 43Th]r.l0 Sgr.; der Talmud unterscheidet indessen 3 Minen:

1) Die italische ^ 100 Denaren =: 25 Selaim

2) Die tyrische = gleich der bibL Mine 43 Thlr. 10 Sgr.

3) Die provinzielle Mine = Vs der Zweiten (s. Hamburger^s Bealencydopädie für Bibel und Tahnud L S. 775: Münzen).

2

Digitized by VjOOQIC

? 18 ?

der Tempelkasse bezogen**); dann gab es noch folgende Beamtencategorieeü, die von der Tempelkasse besoldet wurden:

1) pölö nplö*^) die Untersucher der Opferthiere, ob dieselben keine Fehler haben; (die üntersucher der Fehler der erstgeborenen Thiere durften keinen Lohn annehmen).

2) Die Gelehrten, welche die Priester im rituellen Schlachten (ntDTltt^) unterwiesen.

3) Die Gelehrten, welche die Priester im vorschrift-mässigen Hinwegnehmen des Opfertheüs bei Mehlopfern unterwiesen.

4) Die Gelehrten, welche die Durchsicht der Bücher und Schriften besorgten.

5) Die Frauen, welche die Tempelvorhänge verfertigten.

6) Die Familie Garmu für die Zubereitung der Schaubrote.

7) Die Familie Abtinas, welche das Räucherwerk verfertigte.

Es konnten zu diesen Verrichtungen aber, wie das in der Natur der Sache lag, nur wenige Personen verwendet werden; auch waren diese Beamten überhaupt nur in Jerusalem, wo der Tempelgottesdienst die von ihnen versehenen Functionen erheischte, verwendbar. Wenn man noch in Betracht zieht, daös die Mischnah *^) geradezu vor Aemtem warnt und die Arbeit empfiehlt, so mus es ganz natürlich scheinen, dass das Handwerk unter den Talmudlehrern in so hohem Ansehen stand und von ihnen selbst eifrig gepflegt wurde* Der Betrieb eines Hand-

**) Kethub. 105 a Z. 23, v. o.

**) Kethub. 106 a Z. 19, v. u. und Tosephot z. pölÖ **^^*

*«) Aboth I, 10.

Digitized by VjOOQIC

? 19 ?

Werks, das ihr Nahrungszweig war, machte sie sowohl von öffentlichen Kassen, wie von der Privatwohlthatigkeit unabhängig und verlieh ihnen eine höhere Autorität.

Wir finden darnm auch den Ausspruch des R. Garn-liel ben R. Jehudah Hanassi ganz erklärlich: TlöSn »TD*^) {^1K pn ny min. »Schön ist das Studium der Lehre mit einer weltlichen Beschäftigung« und zwar aus zwei Gründen, einmal, weil diese Vereinigung das beste Schutzmittel gegen die Sünde sei, dann aber, weil das Studium ohne Handwerk (das den Lebensunterhalt bieten muss) zur Unmöglichkeit werde. Noch viel entschiedener ist diese Ansicht in folgender Stelle ausgesprochen: »ai*^

möOf? nobö ni3öi« 133 m iöSd ^T»t^ b^ iöi« mirT »Wer

seinen Sohn kein Handwerk lehrt, lehrt ihn Räuberei«, denn derjenige, der nichts zum Leben hat und durch die Arbeit sich nichts zu erwerben vermag, wird schliesslich zum Verbrecher.

Doch nicht alle Talmudlehrer waren der Meinung, dass die Verbindung des Studiums mit dem Handwerk zu empfehlen sei. Diese Frage war vielmehr mehrfach Gegenstand der Discussion.

minn ibd nö» tfh lowr ?dS bn nö ym neow Tn(*^

mn mtn rw2 m nr:sp njwa isnpi TtT^t njwa jmn rrnmn ht^ wn Dtny h^iir^t^ (öd vh» itSv «nn nö min mm rw^ DD3t« ijni D»^ VTöyi iDwtt^ Dnm« n*» Sy ntn^^ fnD«Sö oipö p«? n- Sy n»«^: iw^Sd oipo Sä^ iJin trttny ^Jinr» piw pni

*) Aboth n, 2.

*8) Kidduschin 29 a Z. 20, v. u. und 30 b, Z. 20, v. u.; nach der Ansicht des Rabbi Jehudah hat der Vater seine Pflicht nicht erfüllt, wenn er den Sohn zum Handel erzogen hat.

*») Berachoth 35 b Z. 14, v. o.

2*

Digitized by VjOOQIC

- 20 -

?)ö«Ä^ pr hy rwy: tr » nst^ött^ vh» nv vh) lan neotn ^vcut ?»313 p-i nnSjn Swö«^^ »^is itT^ niin »^n« iö« 721« n« mw la-^ro Kniö03 fsniS «3i inS idk p-a nnSy »Si »m^ p pvö«^

»Die Rabbinen haben gelehrt: Warum heisst es in der Schrift: »Du sollst einsammeln Dein Getreide« ^^)? Die Stelle »Es soll dieses Buch der Lehre nicht aus deinem Munde weichen <^^); hätte man buchstäblich auffassen können, darum steht auch geschrieben: »Du sollst dein Getreide einsammeln«; d. h. du sollst beide Beschäftigungen (Lehre und Arbeit) mit einander verbinden und jede zu ihrer Zeit und in ihrer Weise ausfuhren ; das sind die Worte des Rabbi Jischmael; Rabbi Simon ben Jochai sagte: Wenn es möglich ist, dass man pflügt zur Zeit des Pflügens, säet zur Zeit deä Säens, erntet zur Zeit der Ernte, drischt zur Zeit des Dreschens, worfelt zur Zeit des Windes, was soll dann mit der Thora werden? Nein (so muss es sein); wenn die Israeliten den Willen des Allgegenwärtigen vollführen, wird ihre Arbeit durch Andere geschehen; denn es heisst: »Und es werden Fremde aufstehen und werden eure Schafe weiden« ^^); wönn aber die Israeliten den Willen des Allgegenwärtigen nicht vollführen, 80 wird ihre Arbeit durch sie selbst geschehen, denn die Schrift sagt: »Du sollst dein Getreide einsammeln« aber das nicht allein, sondern die Arbeit Anderer wird sogar durch sie geschehen, denn es heiöst: »und du wirst deinen Feinden dienen«^*).

(Rabbi Simon ben Jochai wollte also, dass, wie in

*o) Deuteron. 11,14. ) Josua 1, 8. *^ Jesaias 61, 5. *8) Deuteron. 28,48.

? 21 ?

Griechenland und Rom, die (schwere, insbesondere die Feld-) Arbeit von Sclaven versehen werde. Indessen wird seine Ansicht im Tahnud nicht gebilligt, denn an derselben Stelle wird weiter gesagt:) Abaja sprach hierauf: »Viele thaten wie Babbi Jischmael, und es ist ihnen gelungen; viele andere wie R. Simon ben Jochai, und es ist ihnen nicht gelungen.

Raba sprach zu den Rabbinen: »Ich bitte Euch darum, dass ihr in den Monaten (der Ernte und der Weinlese,) Nissan und Tischri, nicht vor mir erscheinet (zum Gesetzesstudium), damit Euch die Nahrung nicht während des ganzen Jahres verschlossen^^) sei«.

Auch die Aussprüche des Rabbi Schimeon ben Eleasar und des Rabbi Nehorai haben nur für die persönliche Ansicht dieser <3elehrten, nie aber als allgemeine Grundsatze gegolten«

Der erstere sagte: rf?tt^ pD^nenö jm nwi« onS w s]ijn rrn 70-0 rvtn^)

.niT?ö ^rT\7W «S« ijntn ^ D^iDrtw p »Sahst Du jemals ein Wild oder einen Vogel ein Handwerk treiben, und doch ernähren sie sich ohne Mühe; sie sind doch nur geschaffen, um mir zu dienen; ich aber bin geschaffen, um Gott zu dienen; kann ich daraus nicht mit Recht schliessen, dass ich mich ohne Noth ernähren soll; aber ich h^be schlecht gebändelte.

*^) 8. Levy, Chald. Wörterbuch zu den Targumim s. v. ?pö* auch in den römischen Elementarschulen gab es wegen der Wein-und Olivenemte vier Monate Feiien, und zwar von den Iden des Juni bis zu denen des October (Horat. ep. 2. 2. 197; Mart. 10. 62. S. Lübker Realexicon des class. Alterthums, S. 839.).

w) Kiddudiin IV, 14 und 82 b, Z. 13 v. o. S. Delitzsch. Handwerkerleben S. 22 und 23 und vergl. Vorbemerkung zu diesen Noten.

Digitized by VjOOQIC

? 22 -^

Rabbi Nehorai sagte: rh» -» m TöSö -iw oVipr toöw Sa n« ?»)« rrjö*^^) nun» »Ich lasse alle Handwerke der Welt liegen und lehre meinen Sohn nichts als Thorac.

Es ist allerdings ein edles Unternehmen, das ganze Leben der Wissenschaft zu weihen; doch war dies in damaligen Verhältnissen nur dem Reichen möglich durchzuführen.

Das herrischende Princip des Talmuds ist: Verbindung der Arbeit und des Handwerks mit dem Studium. So wird auch die Stelle Kohel. 9,9 erklärt: oy ^??»n nvn^^

rtbhh TV 13 mm nvhh Trw W3 «^n mm -« m^OT« noS^ musntt. »Geniedse das Leben mit der Frau, die Du liebst; wenn (die Stelle) von einer wirklichen Frau (spricht), so (will sie sagen), wie er (der Vater) verpflichtet ist, seinen Sohn zu verheirathen, so ist er auch verpflichtet, ihn ein Handwerk lernen zu lassen; (spricht sie aber symbolisch) von der Thora, so (will sie sagen), wie er verpflichtet sei, seinen Sohn Thora lernen zu lassen, so sei er auch verpflichtet ihn ein Handwerk lernen zu lassen.«

nsp nmp my diiwd t« nnn« n«^ fWKn oy o^^n n«i^®) vn Dw rmy my fm« mip wn naS ... rrnan oy ruöi» ^h

Y^pn mD3 nD«Sö31 »^?inn. ^>6eniesse das Leben mit der Frau, die Du liebst, es sprach Rabbi (Jehudah hanassi) w^en der heiligen Gemeinschaft: »erwirb Dir ein Handwerk neben der Thora. . . Warum nennt er sie

»«) Kidduschin 82 b, 5 Z. v. u. »0 Daselbst 80 b, 20 Z. v. u. ) Midr. r. z. Kohel. 9, 9.

Digitized by VjOOQIC

? 23 ?

>lieilige Gemeinschaft ?? ? es waren Rabbi Jose ben MeöchuUam und Rabbi Sehimeon ben Menassiah, welche den Tag in drei Theile theilten: ein Drittel für die Thora, ein Drittel für das Gebet nnd ein Drittel für die Arbeit; Einige sagen, dass sie sich im Winter mit der Thora, im Sommer mit der Arbeit beschäftigt hätten.« Rabbi Tsaak ben Elasar nannte ans demselben Grande Rabbi Jehoschnh, Sohn des Rab Time und den Rabbi Burke »die heilige Gemeinschaft«. *^)

Diese Grundsätze blieben aber nicht nur Lehrmeinungen, sondern sie gingen in Fleisch und Blut des Volkes über und wurden selbst von den hervorragendsten Geistesgrössen bethätigt.

(D1D33i«) Abnemos der Weber ?®) richtete eine religiöse Anfrage an Abbah Joseph, den Baumeister 0K33), welcher sich gerade auf dem Balkengerüst {^TO) befand und erklärte, nicht herabkommen zu können, da er Tagelöhner sei.

Schanmiai Scheint auch Baumeister gewesen zu sein, da wir ihn mit der Bauelle (p^n HD«) ^^) treflfen, wie er den Arbeitern den Bau zumisst^*}.

Bar Adah war Feldmesser (rmmtWD)*), der die zu einer Stadt gehörigen Gemarkungen auszumessen hatte, sowie die Felder für Käufer und Verkäufer, für Brüder und Geschäftsgesellschaften, dieihreGüter theilenwollten^*).

Rab Jehudah ermahnt ihn, das Ausmessen nicht zu vernachlässigen ®^), da jeder Zoll Boden zur Pflanzung des Gartensafrans verwendet werden könne.

»») Daselbst.

«0) Midr. r. Exod. XIH, Anf.

«1) Sabbath 31 a Z. 27. v. o.

«^ Rascbi z. St.

«3) Erubin 56 b Z. 12, v. u. riKnilWD von Wo mewen.

M) Raschi 3. Mezia 107 b, Mitte.

«^) B. Mez. 107 b, 12 Z. v. u.

Digitized by VjOOQIC

? 24 ?

Hillel I. (32 V. Chr.) war ebenfalls Arbeiter. Bachja Ibn Paknda (1050 n.) bezeichnet ihn im »Lehrbnch der Herzenspflichtenc (rwisn 1JW, 5. Abschn.) als Holzhauer; ebenso Maimonides (Mischnaheommentar, Aboth, 4) und Eesponsen des R. Isaak ben Schescheth, (ttt*3^i) [Rabbiner zu Saragossa, Valencia und Tortosa 1391] § 153; auch Joseph Caro (1488?1575) im Kessef Mischneh, (Commentar zu Maimonides* Mischneh Thora), Hilchoth Talmud Thora I, 9 u. A. Selbst in der neuesten Zeit ist ffillel als Holzhauer bezeichnet worden (Cahn, Pirke Aboth. Berlin^ Julius Benzian. 1875. S. 42., Hamburger, Real-Encyclo-pädie für Bibel und Talmud I, S. 498.), obwohl sich dafür weder im babylonischen noch im jemsalemischen Talmud der geringste Anhalt findet; es scheint, dass an allen angeführten Stellen Hillel mit Rabbi Akiba verwechselt worden ist, von welchem erzahlt wird, dass er*^) >jeden Tag ein Bändel Holz brachte, desseu Hälfte er verkaufte und sich von dem Erlös ernährte, c Von Hillel I heisst es ?^, dass er als Tagelöhner für einen Traphik (p»Djn») **) täglichen Lohn gearbeitet habe; die Hälffce hiervon gab er als Einlassgeld dem Pfortner des Lehrhauses, mit der anderen ernährte er sich und seine Familie, c

Rabbi Jochanan, Schüler des R. Akiba (138 n.) war Schuhmacher (iSn)0^*) sandalarius); ebenso R. Chanina und

^^) Aboth de R. Nathan, 6 Abschn. Mitte, (vergl. Eappoport, Bikore Haittim, Jahrg. 1827 S. 22 ff.)

«) Joma 35 b, Z. 20, v. o.

ö8) Der p»Djnü Traphik = dem jnnDH Stater (s. Aruch s. v.) wäre 3 Mark (s. Wiesner Schollen z. bab. Tahnud I, 63). Der Traphik in seiner geringen Bedeutung hingegen = 7s Drachme =r 37 Pfennige; es ist wahrscheinlicher, dass es der erste Traphik ist, da Hillel mit den Seinen von 18^/, Pfennigen täglich wohl nicht hätte leben können.

«?) Aboth rV, 14; der Versuch ^^1)0 mit Alexandriner zu über-

Digitized by VjOOQIC

? 25 -

R. Oschijah (s. oben S. 13). Ein Schimeon war -Sip^D^^) Bamnwollenarbeiter oder Buntsticker.

Abba Schani (50 n.) in Jamnia (Jabne), Schüler des R. Jochanan ben Sakkai, vorher Weinhändler in Jernsalem, war Todtengräber^^); in seinem Weinhandel war er so ausserordentsich gewissenhaft, dass er nicht einmal die Neige für sich behalten mochte, weil er glaubte, dass sie den Käufern gehorte. Er sammelte davon 300 Mass und brachte sie den Tempelschatzmeistem in Jerusalem. Obwohl man ihm das Anrecht darauf zusprach, mochte er doch keinen Gebrauch davon machen. Auf seinem Toden-bette konnte er seine Hand ausstrecken und von sich rühmen: »Diese Hand war gewissenhaft beim Messenc (Beza 29 a, Z. 8 v. u.; s. Graetz. Gesch. d. J. IV. 21). Nach einer anderen üeberlieferung soll R. Jochanan (b. Sakkai) Todtengräber gewesen sein^^).

Rabbi Ghana war Geldwechsler (^KilfiD)^*), [vergl. Midr. r. Numeri c. XV zu ,TnnD]. Von R. Jehoschuah ben Chananjah, Mitglied des Sjnhedriums zu Jamuia (Jabne)

iBt schon von Bapaport im Jahrbuch für Israeliten (Wien 1856) S. 40. zurückgewiesen worden.

») Megillah 13 b Z. 18, v. o. Raschi z. St. übersetzt -»^ipD »Baumwollenarbeiter« und pVipD Nidda 17 a Z. 11, v. u. mit »Baumwolle« Levy (Chaldäisches Wörterbuch für die Targumim s. v. K*?p1D) übersetzt ^h)^^ »Flachshändler« und p^jp^o »Fiachsbündel voncpaxfiXoc; »Bündel«; warum p^p^s demnach gerade Flachsbündel sein sollen, ist nicht ersichtlich; die Uebersetzung Easchis könnte ebensowohl richtig sein; was indessen das Wort ^hlpQ betrifft, so ist das die Uebersetzung des hebräischen Dp^- und bedeutet Buntwirker oder Sticker, und dürfte, wie DeHtzsch (Handwerkerleben S. 77) annimmt BiafnoiXLXTJiq zurückzuführen sein; als Beweis hierfür dürfte auch Targ. J. zu Ebtod. 9, 1 gelten. S. auch Aruch s. v. pöSp»D

71) Nidda 24 b, 5 Z. v. u.

7») Daselbst Z. 7 v. u.

3) Chulin 54b, Z. 16, v. o.

? 26 ?

unter dem Präsidium Gamliel II (80?118 n.) wird erzählt ^^): B. Gamliel kam zu B. Jehoschuah, um sich wegen eines Halachahstreites mit ihm auszusöhnen. Als er die schwarzen Wände des Hauses sah, rief er ihm zu: »An den Wänden deines Hauses kann man erkennen, dass Du ein Schmied (DHC) bist«! Jehoschuah . aber erwiederte ihm: »Wehe dem Geschlecht dessen Pfleger Du bist (und^*) wehe dem Schiflfe dessen Steuermann (nn^)iap) ^*) Du bist,) denn Du kennst nicht die Noth der Talmide Chachamim und weisst nicht, wie kümmerlich sie leben.« Rabbi Jehoschuah war bekanntlich auch einer der hervorragendsten Talmudgelehrten und ein bedeutender Astronom (Horajoth 10 a, Z. 7 v. u. fif.) er hatte die Erscheinung eines Kometen, welcher sich alle 70 Jahre zu zeigen pflegte, vorausberechnet.

Von R. Elieser ben Hyrkanos einem hervorragenden Schüler des R. Jochananben Sakkai (80 n.) wird erzählt, dass er Ackerbau getrieben habe^^J.

*) Berachoth 28 a Z. 31, v. o. ^^) eine andere Lesart.

^^) Aboth de R. Nathan, Abschn. 6, Mitte. Hamburger (Real-encyclopädie for Bibel und Talmud, S. 46) zählt auch R. Jischmael als Ackerbauer auf; aus der citirten Stelle Berachoth 35 (b 14 Z. V. 0.) geht dies nicht hervor; wenn es daselbst heisst «»3^3 yi^y^ SnVÖtt^ so ist hierunter zu verstehen, dass sie nach seiner Ansicht handelten (vergl. übrigens S. 32 dieser Abhandlung); auch R. Elieser ben Asarjah wird von Hamburger als Ackerbauer bezeichnet und dafiir Sabbath 54 (ohne nähere Angabe) citirt. Sabbath 54 b, 9Z. V. u. wird zuerst »die Kuh des R. E lieser« und später seine Heerde . erwähnt. Der Besitz von Kühen ist indessen noch kein Beleg dafür, dass R. Elieser Ackerbau getrieben habe; es wäre wünschens-werth, dass mit den talmudischen Citaten etwas kritischer verfahren und nicht ein Inhalt hineingelegt würde, den sie nicht haben (vergl. 8. 28 Ende}; ftir Ab^e führt Hamburger (daselbst) gar

Digitized by VjOOQIC

? 27 --

R« Jischmael bar R. Jose erzählt, dass sein Vater (Jose ben Chalafta, Schüler des R. Simeon ben Jochai iu Tekoa, Galiläa [Grätz, G. d. J. IV. 199.] 140 n.) Gerbereiarbeiter ^^ »rfw^^) gewesen sei. Rab Joseph, Schüler des R. Hunnah (270 n.) war Müller*®). Ein Ben Kamzar war Kalligraph, er konnte mit vier Federn zu gleicher Zeit schreiben®^). Abba, Zeitgenosse und Schüler des Rab Hunna (260 n.) war Chirurg »2). Abaje (280?338) wird als Ackerbauer erwähnt.®). Abba Chelkija, Enkel des bekannten Choni Hamagel {h:yür ?nn) (20 v.) war Tagelöhner und dabei so gewissenhaft, dass er sich während der Arbeit in keinerlei Unterhaltung einliess^). Abbah bar Abbah, auch Abuha di Schemuel, Vater des berühmten Schemuel (Samuel) (geb. 160 n. gest. 257) war Ackerbauer®^). Rabbi Jizchak Napecha, Zeitgenosse des Raba b. Ghana und des R. Chija (ums Jahr 200 n.) war Schmied®®). R. Abin, der wegen der Verfolgungen, welche die Juden in Judäa unter Kaiser Constantius zu erdulden hatten, (337?338) nach Babylon auswanderte®^), war (jn;i}) Zimmermann oder

nur »Gholinc an; wenn man bedenkt, dass Chulin ein Tractat von 284 Folioseiten ist, so muss man über die Genauigkeit dieses Citats erstaunen. (Siehe oben und Note 83).

^8) Sabbath 49 a letzte Zeüe und 49 b erste Zeile.

^) nStt i^t die aramäische Uebersetzung von ^^j^ß abziehen; 8. Targ. Onkel, z. Levit. I, 6. Der fc^nStt ^^ somit der Vorarbeiter de8iD-)^3 ßxjposvqi er enthaarte das Pell und bereitete es zum Gerben vor; die so zubereiteten Felle heissen pnStt.

»«) Gittin 67 b, Z. 10, v. u.

81) Joma 38a, Z. 17, v. o. und 38b, Z. 8. v. o.

82) Taanith 21b, Z. 10, v. u. ««) Chulin 105 a, Z. 30, ff v. o.

8^) Taanith 23 a, Z. 4, v. u. und 23 b Z. 22, v. o.

86) Chulin 105 a, Z. 25, v. u.

88) Kidduschin 59 a, Z. 23, v. o. Jebamoth 40 a, Z. 10, v. u.

87) Vergl Graetz, Geschichte der Juden IV (S. 338.)

Digitized by VjOOQIC

? 28 ?

Tischler®^*), Bar Adah, Zeitgenosse des R. Papa und Abaje (letzterer geb. 280, gest. 338) war Lastträger (nt«Sl3D)®®) und (wie aus derselben Stelle hervorgeht) Viehtreiber.

Rab Ide bar Abin, Schulhaupt zu Sura (432?452), Sohn des obengenannten Tischlers Abin trieb Ackerbau*^).

R. Arne, welche zur Zeit Gamliel IV. lebte (300 n.), beschäftigte sich mit dem Transportiren des Holzes über Flüsse und gibt an, wie das Holz hierzu geschnitten werden muss*®). Ilphe, Zeiigenosse des R. Jochanan bar Napacha (geb. 199 gest. 279 n.), war Geschäftsmann^^). Issorund B. Saphra, Zeitgenossen des Raba (338?352), hatten ein Compagniegeschäft^*). R. Ike war Weinhändler**). B. Elieser (Zeitgenosse des E. Jochanan ben Sakkai (70 n.) war Weinbergsbesitzer®*), ein Elasar Schreiber («tdd)^^), R. Elasar ben Charson Gutsbesitzer^^), R. Elieser ben Asarjah, Schüler des R. Jochanan ben Sakkai, Heerden-

«7a) Sabbath 23 b, Z. 24, v. o. Raschi Targ. Onkeloa zu Exod. 35,35 übersetzt ^j^n °^t ?);)}.

««) B. Mezia 93b, Z. 24, v. u.

^^) EidduBchin 26 a, Z. 15, y. o. S. Graetz, Gesch. d. Juden IV. S. 401.

^ B. Mezia 107 b, Z. 8, v. u.

W) Taanith 21a, Z. 2, v. o. ff (Um das Capitel über die Beschäftigung der Taknudweisen vollständig zu machen, habe ich auch solche Beschäftigungen aufgenommen, die über den eigentlichen Begriff >Arbeit und Ebmdwerk« hinausgehen; einen grossen Theil der Gitate in diesem Abschnitt verdanke ich der Güte des Babbiners Herrn Dr. Levysohn in Stockholm, v^elcher so freundlich war, mir dieselben aus einem von seinem seligen Bruder, Herrn A. Levysohn hinter-lassenen Manuscripte D«11öH1 DH}n mip mitzutheilen; (s. Jeschurum von Kobak, Heft I. Lemberg. 1856 S. 81, hebr. Theil).

»*) B. Mezia 31b Z. 3, v. u.

*ä) Abodah Sarah 65 a, letzte Zeile und 65 b, erste Zeile.

»*) Bosch Haschanah 31 b, Z. 17. v. u.

w) Chulin 55 b, 21 Z. v. u.

9«) Joma 35 b, 19 Z. v. u.

Digitized by VjOOQIC

? 29 -

besitzer*), Amemar, Vorsteher des Lehrhauses zn Nehardea (390?420 n.) war Thonhändler»»), Rab Asse, der zur Zeit der inPalmyra residirenden KaiserinZenobia(267?278) in Safsifa gefangen wurde, war Ackerbauer ^^), Ephraim, Schüler des bekannten R. Simon ben Lakisch (250 n.), Schreiber («IBD)^®®), Bar Chobu verfertigte und verkaufte TefiUin i<^i). Rab Bibe ben Abaje trieb Ackerbau ^^2). ^jj^ Binjamin war Hirt ^^3), R. Bruna Weinhändler ^®*), R. Gidel Weizenhändler ^^^) und Ackerbauer ^®^). Rab Dirne aus Nehardea (zur Zeit Abajes) handelte mit Datteln *^^). Als man einst von R. Hunnah (geb. 212 gest. 297) aus Dio Kart, Nachfolger Rabs in Sura, verlangte, dass er als Richter fungiren sollte, antwortete er: »Sn VTü^ h 13n wn IdS pn-KI «pna h *^^. »Bringet mir einen Mann, der Wasser für mich schöpft an meiner Stelle, so will ich euch Recht sprechen.« Er war arm und bebaute seinen kleinen Acker selbst; oft kehrte er vom Felde mit dem Spaten auf dem Rücken heim; der reichste und wohl-thätigste Mann Chama ben Anilai begegnete ihm einmal so und wollte dem gelehrten Manne aus Verehrung vor seiner Thorakenntniss den Spaten abnehmen, was aber

»7) Sabbath 54 b, Z. 8, v. u. ««) B. Mezia 74 a, Z. 7, v. u.

^) Chulin 105 a, Z. 18, v. u. vergl. Graetz, Gesch. d. Juden IV, 298.

100) B. Mezia 119 a, Z. 4, v. u.

101) B. Mezia 29b, Z. 18, v. o. und Megillah 18b, 4, v. u. 1«») B. Bathra 137 b, 12. u. 13. Z, v. o.

10») Berachoth 40 b, 21, v. o. 104) Abodah sarah 11, b. 8, v. u. 10«) Daselbst. 10«) Kidduschin 59 a, 21, y. o.

107) B^ Bathra 22 a, Z. 22 v. o.

108) Kethub. 105 a, 6 v. u.

Digitized by VjOOQIC

- 30 -

R. Hnnnah nicht zugab ^^^<^). Später wurde R. Htinnah reich, besass viele Heerden *®^) und liess seine Aecker von Anderen bestellen*®^*). Rab Hunnah, Sohn des R. Josua (300?370) ernährte sich vom Ackerbau**®), Hyrkanos, Vater des R. Elieser ben Hyrkanos (70 n.) war Ackerbauer***), R. Ham*nunah, Schulvorsteher in Chatra di Argas, Zeitgenosse des Rabba, Sohn des R. Hunna (309 bis 320) Schuloberhaupt in Sura***») trieb Viehzucht ***), R. S*wid (T^O Ackerbau***); ebenso Mar Sutra***) (um 390 in Sura). R. Chijah bar Abbah war Hauslehrer bei R. Simon ben Lakisch **^) später Steuereinzieher (p^jt rrStt^) des Patriarchen Juda III **^*), von welchem er zu diesem Zweck ins Ausland geschickt wurde. R. Chin^nah bar Schilath (nS-tt^ n3 wrn) war Gerichtsschreiber **ö) , R. Chelkia ben Tobia trieb Ackerbau **^, R. Chija (150-200), Zeitgenosse und berühmter Jünger des Patriarchen Rabbi Jehudah (Hanassi) war Geldwechsler**®) R. Chananel, Zeitgenosse des R. Chassda, war Schreiber**^). R. Chassda, (geb. 217, gest. 309), Jünger RaVs, von Haus aus arm, trieb

^«?») Megülah 28a.

>ö») Sabbath 52a, 19, v. u. und B. Kamma 80a, 6, v. u. w»») Graetz, G. d. J. IV, 315 ff. 110) Hor^oth 10 b, Z. 20 v. o. ff. 1) Aboth d. R. Nathan, 6. Absch. Mitte. 1») Graete IV, 354. 1) Sanhedrin 61a, 24, v. o. 3) Sanhedrin 26 b, 4, v. u. 11^) B. Me2aa lila, 9, v. o. iw) Kethnb. 8 b, 11, v. o.

*») JeruBch. Chagigah I. 8. Nedanm XI Ende. Vergl. Graez, G. d. J. IV, 345.

?) B. Mezia 15 a, 19 v. o. ?) Menachoth 85 b, 11 v. o. 118) B. Khmma 99b, 5 v. u. !»?) Megülah 18b, 7 v. u.

Digitized by VjOOQIC

- 31 ?

Weinbau ^*^), ward dann Bierbrauer, wodurch er so reich ward **^), dass er später (293) aus eigenen Mitteln ein Lehrhaus in Sura erbauen liess^^**). R. Chaninah aus Sepphoris (um 180?260) war Wegebauer (|pnö ***) nSpnö)und Arzt^28)^ Thebuth (niDtD) Vogelfänger («ar-n) ^^% Tobia Arzt^*^), Rab Joschiah Gewürzhändler ^^^, Rab Jehudah Krämer ^^^, Rab Jehudah bar Rab Nachman, unter dem Patriarchen Jehudah II, ein tüchtiger und beliebter Redner, war Ackerbauer **^), R. Jehudah >Hanach tom«, einer von den zehn Märtyrern ^^^) unter Hadriau, war Bäcker, ein anderer R. Jehudah Parfümeur ^^^) (Dfc2)i Jochanan Schreiber i^^) («IDD) und Graveur i^^) (n«pipn) R. Jochanan ben Sakkai (70 n.) trieb Handel (pDJ?) »^öOp)D3) (ats»ay^iaT£Aot), R. Jochanan b. Mathias Ackerbau*), R. Jonathan und R. Abunah waren Schreiber*^^^),

i«o) B. Kama ?2 a, 5 v. o. und 119 a, 20 v. o.

121) Pessachim 113 a, 12 v. u.

121a) Graetz, Gesch. d. J. IV 324 ff.

122) Kethub. 112a, letzte Zeile und Raschi z. St.

128) Joma 49 b, 20 v. u.

1*4) Taanith 10a, 16 v. u., Sabbath 146b, 25 v. u. Aruch s. v H3ttn ^^^ Raschi zu Taanith 10 a; der Sabb. 17 b, 1 Zeile v. o* erwähnte i^^an ^2^ i«t wohl mit jy^^ identisch!

^25) Rosch Haschanah 22 a, 9 v. o.

12«) B. Bathra 22 a, 9 v. o.

^27) B. Mezia 40 a, letzte Zeile und Raschi.

12«) B. Mezia 107 a, 9 v. o. ff.

129) Midr. r, Klagelieder ü, 2.

130) Chulin 55 b, 31 und 32, v. o. 1»*) Sanhedrin IIb, 3 v. o.

») Pessachim 3 b, 3 v. u. und Tossaphot, Anfangswort n«p1pn (von ppn eiiigraben).

183) Rosch haschanah 31b, 5 v. u.

184) B Mezia 83 a (Mischna). 1) Sophrim 12, 4.

Digitized by VjOOQIC

Joseph Vogelfänger^*^, Rab Joseph Ackerbauer**^ »er mischte die Samenarten und säete siec, und Weinbauer, >er hatte einen Weingarten, welchen er zwei Mal umgrub, und er trug Wein, dem man doppelt so viel Wasser beimischen konnte als gewöhnlichem Weine i**). R. Jannai (215 n. Autorität der damaligen Zeit) war Weinpflanzer; es wird erzählt, dass er vierhundert Weinberge bepflanzt habe***). R. Jischmael bar R. Jose (175 n.) trieb Ackerbau; sein Ackeraufseher brachte ihm gewöhnlich zum Sabbath Obst; einmal brachte er es schon am Donnerstag; R. Jischmael nahm es aber nicht an, weil der Aufseher an diesem Tage einen Prozesstermin hatte, bei welchem der Rabbi als Richter fungiren sollte, und er auch den entferntesten Verdacht der Bestechung (durch die frühere Ablieferung der Früchte) fem halten wollte; >ich bin für dich als Richter untaugliche sprach er zudem Aufseher ^*^), R. Cahna war arm, er verfertigte Körbe für Damen ^**), Ein Levi (Zeitgenosse des R. Jischmael ben Rabbi Elieser ben Asarjah) war Schleier - oder Tücher - Verfertiger (no)^**). R. Jischmael fragte den R. Meir. >Was ist Dein Handwerk?« Ich bin Schreiber« (iSsS = libellarius) antwortete dieser; »nimm Dich in Acht mit Deiner Arbeit, sie ist eine göttliche« erwiederte darauf R. Jischmael ^**). Minjome (oder Benjamin) aus Machusa, Zeitgenosse des

136) Sabbath 130 a, 26 v. u.

^ Kidduscbin 39 a, 6 v. u. und B. Bathra 22 b, letzte Zeile, B. Mezia 109 a, 15 v. u.

1»«) Menachoth 87 a, 20 v. o.

189) B. Bathra 14a, 21 v. o. und Jebamoth 93 a, 6 v. u.

1*0) Kethub. I02b, 16 v. u.

1«) Bädduschin 40 a, 8 v. o.

1*») Joma85a, 6 v. u.

1*3) Erubin 13a, 21 v. o.

Digitized by VjOOQIC

? 33 ?

Raba (300 n. war Arzt (iTD«)***), Minjornin Geschirr-händler****) (nach Raschi) oder Restaurateur (nach Aruch s. V. ix^l^ i. e. ??pn}iDÄcxv<Jo;6£uc)i^5), Maremar, (427?432 Schuloberhaupt zu Snra), war Ackerbauer **^); Mare bar Issak (pD*« n3 ?lö) [um 400 n.] war Ackerbauer, er hatte einen Obstgarten («iTDID) **^, in welchen ein Mal Amemar, Mar Sutra und Rab Aschi kamen; der Gartenaufseher brachte ihnen Granatapfel; Mar Sutra wollte jedoch nichts davon geniessen, weil der Besitzer des Gartens nichts davon wisse**®). Mare bar Rachel trieb Viehzucht^*^), Nachum war Schreiber (iSsS) *^^), Nechunjah Cistemen-gräber (pfTtt^ IBin) *^*), Rab Nachman Ackerbauer***), Dessgleichen R. Nachman b. Papa*^^) R. Obadjah Gewürzhändler«), R. Akiba war Hirti**) [vergl. S. 24.], Rab Papa (geb. um 300, gest. 375), Ackerbauer ***) und Bierbrauer**«), R. Chama, Schuloberhaupt zu Nehardea (356 bis 377), war Geschäftsmann**^), Raba bar R. Chanaa

*) Abodah sarah 28 b, 16 und 17 v. o. i*^a) S. Lev/B Neuhebr. W. B., II S/ 452 u. 453. »«) Chulin 49 b, 18 v. u. 1*«) B. Mezia lila, 8 v. o.

^*^) R}rD13= dem persischen büstan, eigentlich Duft- oder Wohlgeruchsort. S. Levys Wörterbuch zu den Targumim s. v.

1^«) B, Mezia 22a, 9 v. u.

^*^) Bechoroth, 3b, 12 v. u.

i«>) Mischnah, Peah H., 6.

1^1) Jebamoth 121b, 15 und 16 v. o. Jerus. Talmud Schekalim V, 1.

^) Sabbath 152b, 14 v. u.

1) Chulin 60b, 28 v. o. *

iw) Kethub 62 b, 3 v. u.

i^^) B. Bathra 26 a, 7 v. u.

^^ B. Mezia 65 a, 6 und 7 v- u.

15) B. Mezia 65a, 3 v. u.

3

Digitized by VjOOQIC

? 34 ?

Ackerbauer *^^), Rab Papa bar Abbah Jäger ^5^), R. Papa Sohn des R. Chanan Schreiber *^^), Kama («np), der oft als Richter fdugirte, war Weinküfer *^^); es wird im Talmud darüber discutirt, ob es ihm gestattet sei, sich von den Prozessparteieu für die Zeitversäumniss entschädigen zu lassen*^*). Bab (geb. um 175 n. gest. 247), auch Abba Areka genannt, war zuerst Ackerbauer *^^), später Bierbrauer*^); als er nach dem Tode seines Vaters Aibu nach Palästina übersiedelte, um sich in der Hochschule ded R. Jehudah I. weiter auszubilden, wurde er Güteraufseher bei seinem Onkel, dem oben (S. 30) erwähnten Geldwechsler R. Chijah*^^); auch war er bei diesem Metur-gemani««), Babbah b. R. Hunnah (297 n.) war Waldbesitzer *^^), Rabba b. B. Ghana aus Kafri (in Babylonien),

1*«) B. Bathra 26 a, 13 v. u.

1*») Chulin 54 a, 20 und 21, v. u.

i«o) B. Bathra 153 a, 12 v. u.

^?^ Kethuboth 105 a, 19 v. u. ff. Raschi zu «»^örn H1DD«

i«2j Der Richter durfte, me bekannt, keinen Lohn für das Rechtsprechen nehmen, da man^ Alles, was zur Bestechung Veranlassung geben oder als solche auch nur entfernt gedeutet werden könnte, beseitigt wissen wollte. Earna Hess sich indessen nicht Lohn geben, sondern nur von beiden Parteien zu gleichen Hälften für die Zeit-yersäumniss entschädigen; dies wurde nicht als verboten erachtet; vergl. die Discussion hierüber Kethub. 105 a und Schulchan Aruch, Choschen Mischpat § 9, Ende; Maimonides, Hilchoth Sanhedrin 23, 5 und Eessef Mischne dazu.

i«3) Kidduschin 59 a, 15 v. o. . 18*) Pessachim 107 a, 10 v. u.

i«6) B. Kamma 99b, 3 v. u. und Raschi.

188) Baschi z. Joma 20b Mitte; der Meturgeman trug das ihm vom vortragenden Lehrer leise mitgejUieüte laut vor und führte es weiter aus. (S. über Rab: Jeschumn v. Eobak. Bamberg 1868 br. Theil) S. 114 ff. y nnbvi von Lewysohn).

7) B. Mezia 107 b, 5 v. u.

Digitized by VjOOQIC

? 35 ?

Jünger E. Jehudahö I. (um 200), Ackerbauer ^®^, dess-gleichen Rabih b. Rah NachmanA69) u^d Rabina O)/ (488 bis 499 Schuloberhaupt zu Sura), Samuel, Zeitgenosse des Rab, (geb. 160 n. gest. 257), der wegen seiner grossen astronomischen Kenntnisse den Beinamen ?wm (Mondkundiger) erhielt und Arzt war^^^) [e!r heilte eine langwierige Krankheit des Patriarchen Jehudah L] **), war Schuloberhaupt in seiner Heimathsstadt Nehardea und trieb Ackerbau ^^). R. Schimeon war Färber ^^^), ein anderer R. Schimeon Ackerbauer ^^*), R. Schimeon Schesuri Cnw) Weber 5)^ Theodos (onin) Arzt^^«), Rab Asche (geb. 352 n. gest. 427), schon als zwanzigjähriger Jüngling Schuloberhaupt zu Sura, war Waldbesitzer ^^ und Holzhändler, er liess das baufällige Sohulhaus zu Sura neu aufbauen; damit der Bau nicht vernachlässigt werde, liess er sein Bett auf dem Bauplatz aufstellen und verweilte Tag und Nacht daselbst, bis die Wasserrinnen eingelegt waren *^^). Rabbi Nechemjah Hakader war Töpfer*^®), Ami war, was sein Beiname Tanuraah besagt, d. h. Oefen-

^®®) Kidduschin 59 a, 14 und 15 v. o. 1«») B. Mezia 107 a, 6 v. o. ff.

170) B. Bathra 5 a, 1 v. o. ff.

171) B. Mezia 85 b, 4 v. u.

171 a) B. Mezia 85 b Ende und 86 a Anfang. »72) B. Kamma 92 a, 1 v. o. 173) Tosephta Chulin X. 1*) Peah n, 6.

1*) Maimonides Einleitung zu Seraim, ^ T^oy, 17«) Sanhedrin 33 a, 25 und 26 v. ö. 1) Nedarim 62b, 9 v. o. 177a) B. Bathra 3b, 16 v. u.

178) Bappapovt in Wertheimers Jahrbuch für Israeliten. Wien 1856. S. 44.

3*

Digitized by VjOOQIC

? 36 ?

verfertiger R. Jehudah, Chajjata, d. h. Schneider, R. Abbahn aus Cäsarea verfertigte Frauenschleier *^^) und war dadurch sehr reich geworden *®^); er sprach sehr gut griechisch und war beim römischen Proconsul sehr angesehen *?*).

Die Ansichtö Josts (Geschichte des Judenthums und seiner Secten. II, 86,) dass Jehuda b. Ilai aus üscha (um 140 n.) Böttcher gewesen sei, ist aus Nedarim 49 b, Ende, nicht zu erweisen; dort heisst es nur, dass er ein Fass (oder einen Krug) [«dSu] ins Lehrhaus getragen habe; darum braucht er aber nicht Böttcher gewesen zu sein; es geht übrigens aus der Stelle hervor, dass er Arbeiter oder Handwerker war.

Viele Erörterungen im Talmud, welche von den eingehendsten technischen^®^) Kenntnissen, wie sie ein Laie unmöglich besitzen kann, zeugen, beweisen ebenfalls zur Genüge, dass bei den Talmudisten Handwerk und Gelehrsamkeit in schönster Harmonie vereinigt war.

Schön ist auch die Gleichstellung des Studiums mit der Handarbeit in einem Wahlspruch der Rabbinen zu Jamnia (Jahne) ausgesprochen. Er lautet: »Ich bin ein Geschöpf Gottes und mein Nebenmensch dessgleichen; meine Arbeit ist in der Stadt, die seinige auf dem Felde; ich stehe früh auf zu meiner Arbeit und er steht früh auf zur seinigen; sowie er sich seiner Arbeit nicht rühmt, so

1») Jeruschalmi Beza I, S. 60 c.

i«o) Sabbath 119a, 13 v. o.

181) Grätz Geach. d. J. IV., 307. 308.

1*2) Moed katan 4a und b. IIa. Gittin 9a, 60b, B.Bathra 73a. S. ferner die in das Gebiet der Mechanik, Technik, Geometrie und Agricultur einschlagenden Tractate: Pea, Demai, Kelaim, Erubin, Eelim^ Oholoth u. s. w.

Digitized by VjOOQIC

- 37 ?

rühme auch ich mich nicht der meinigen, und wemi Du meinst, ich leiste Grosses und er Geringes, so haben wir gelernt: »Es ist derjenige, der wenig leistet, dem gleich, der viel leistet, wenn er nur sein Herz zum Himmel richtet 18«).

1««) Berachoth l7a, 20 v. u.

Digitized by VjOOQIC

Zweiter Absclmitt.

4. Höhere oder niedere Stellung der yerschiedenen Händwerke nnd Arbeiten in der Volksmeinnng.

Es ist selbstrerständlich, dass die Aufstellung feststehender Grundsätze über den Werth oder den ünwerth eines Handwerks oder einer Beschäftigung nicht möglich ist. Derartige Aussprüche werden zu sehr von den Anschauungen der Zeit, welcher sie angehören, beeinflusst, als dass man ihnen eine dauernde Geltung einräumen könnte. Den hierüber im Talmud aufgestellten Regeln dürfte daher nur in so weit Bedeutung beizumessen sein, als sie eine Wiederspiegelung der damaligen Anschauungen und somit einen Beitrag zur Culturgescischte des Alterthums enthalten.

Rabbi Meir (um 140 n.) Jünger des Rabbi Akiba lehrte hierüber^®*): >Man sei bestrebt seinen Sohn ein

<) Kidduschin 82 a, 15 v. o.

Digitized by VjOOQIC

? 39 ?

leichtes und reinliches Handwerk lernen zu lassen; man bete zu Demjenigen, dem die Reichthümer und die Guter angehören, denn bei jedem Handwerk gibt es sowohl Reichthum als auch Armuth; aber weder die Armuth noch der Reichthum haftet an dem Handwerk, es wird vielmehr Alles von der Verdienstlichkeit des Menschen abhängig gemachte Vor folgenden Handwerkern und Arbeiten wird gewarnt *?*):

»Tön Eseltreiber,

bt^ Eameeltreiber,

Mp Kothsammler*®^),

(BD Schiffer,

nyii Hirt,

??}13n Krämer, denn diese Handwerke sind Räuberhandwerke, c An anderer Stelle: ^*^*)>Die Eseltreiber sind meistens Frevler; die Kameel-treiber meistens ehrlich, weil sie viel in die Wüste kommen und sich in der Furcht vor Räubern und wilden Thieren Gottes Schutz empfehlen [Raschi]); die Schiffer sind meistens fromm, (weil sie sich in beständiger Lebensgefahr befinden) ; der beste unter den Aerzten gehört in dieHölle^^^)?, (weil er seine Gesundheit nicht schützt und im Vertrauen auf seine Heilkunst sich Alles gestatten zu können glaubt, weil er femer nicht immer mit der erforderlichen strengen Gewissenhaftigkeit zu Werke geht, und weil er leicht dazu kouunen kann, seiner Wissenschaft; allein die

1) DMelbßt 82 a, 21 v. o.

188) Delitzsch (Handwerkerleben S. 42) übersetzt: Bartscheerer, er liest demnach wahrscheinlich xtp ^^^d dann würde es abschneiden bedeuten. Ich glaabe, dass es -)|p gelesen werden muss und dasselbe bedeutet wie das f^pö in Kethub. VII, 10, s. Aruch s. v. ?m I >IJnrath?.

*^*) Dn»Dn pii p^DDH ünüo pn pböam crjnen pn f^^wn

I86a

186t) Dyp;iS D-KBTOtt^ 31».

Digitized by VjOOQIC

? 40 ? ,

Heilung eines Kranken zuzuschreiben und die Hilfe Oottes zu verkennen, und weil er endlich einen armen Kranken bisweilen w^en der mangelnden Bezahlung mit weniger Aufmerksamkeit behandelt und dadurch vielleicht den Tod herbeifuhrt). Der Ausspruch wird auch dahin gedeutet, dass er nur eine gewisse Klasse der Essäer, die den Namen Gottes zur Heilung missbrauchten, treffen solle *®^). Dass die Aerzte in damaliger Zeit nicht in sehr hoher Achtung gestanden haben können, geht auch daraus hervor, dass die Septuaginta Jesajas 26, 14 und Psalm 88,11 das Wort D^XD*) für D^xpi nimmt und tarpoi übersetzt ^^*). Die LXX lässt demnach den Jesajas sagen: »Aerzte werden nicht auferstehenc, und die Psalmen: »Werden denn Aerzte auferstehen?« An beiden Stellen wurde also den Aerzten die Theilnahme an der jenseitigen Welt abgesprochen. Auch bei den Römern standen die Aerzte nicht in hoher Achtung, die Arzneikunst wurde bis zur Zeit Cäsars, der den Aerzten das Bürgerrecht verlieh ^^^ ^), meistens von freigelassenen Sclaven und Ausländern ausgeübt^**)- Cato warnt vor ihnen als vor Verschwörern ^*^) Später scheint sich das Vorurtheil das wohl aus der Verbindung der ärztlichen Wissenschaft mit der Zauberei entstanden ist, auch bei den Juden verloren zu haben, was

) Literaturblatt der »Jüdischen Presse« 1877. S. 35. Die Annahme, dass unter diesen jy^^ül Essäer zu verstehen sind, wird dadurch unterstützt, dass das talmudische ^«»o^ wohl Arzt und auch Essäer bedeutet, so wie auch dass die Ecro-atot (Philo ed. Mangey n 457. 459) auch ^E^ansuTal (daselbst S. 471)heissen; auch der griechische laT^o/iiolvTiq war Arzt und Wahrsager.

18a) Liter. Blatt der »Jüd. Presse« 1877. S. 35; Notiz jon Dr. Hoffinann.

!«!>) Suet. Caes. 12.

1»«) Plin. n. h. 29, 11. 17.

18«) Cat firagm. S. 77 ed. Jord.

Digitized by VjOOQIC

? 41 ?

daraus erwiesen sein dürfte, dass geachtete Männer, wie Benjamin aus Machuäa (S. 32) und Samuel (S. 35) Mediciner waren.

Vom Fleischer heisst es im Talmud, er sei der Gefährte Amaleks ^^^), weil er es mit der rituellen Zulässig-keit seiner Waare nicht sehr genau nehme, vielleicht auch, weil befürchtet wird, das fortwährende Blutvergiessen könne seinen Character auf nachtheilige Weise beeinflussen. Vor folgenden Handwerken wird gewarnt, weil ihre Ausübung Umgang mit Frauen erfordert:

DWIJt Goldarbeiter,

DpnD Hechler WoUkrämpler,

nmp} Handmühlenmacher,

pSDIl Parfümeure,

D^mJ Weber,

ü^ü Kinderlehrer (oder Schreiber); Friseure, (?)

M31D Wäscher,

jnj Schröpfer und Aderlasser,

jSa Bademeister,

plU Gerber, >Yon diesen wählt man weder einen König noch einen Hohepriester; nicht wegen persönlicher üntüchtigkeit, sondern weil ihr Handwerk nicht in Achtung stehtc i^^). Am schlechtesten von allen wird der Schröpfer und Aderlasser beurtheilt. Er sei stolz darauf, dass man sich ihm zum Aderlassen anvertraue, zu einer Operation, die grosse Geschicklichkeit erfordere, da bei zu grossem Blutverluste Gefahr eintreten könne; auch habe er die hässliche Gewohnheit immer mehrerer Stühle zu bedürfen, einen, auf den er sich setze, einen anderen zum Anlehnen mit den

190) Kidd. 82a, z. 7, v. u. p^öy Stt^ lonw nrn8»tt> ittom.

191) Daselbst.

? 42 ?

Annen n. s. w., er sei ein Geizhids, weil er gewohnlich da, wo man seiner bedürfe, anch zn Tische geJaden nnd darum nicht gewohnt sei, Geld auszugeben, femer sdi er der ünsittliohkeit, des Diebstahls nnd Blutvergiessens verdächtig*»«).

Rabbi (Jehudah I.) sagte: »Es gibt kein Handwerk, das von der Welt schwinden wird; heil aber dem, der bei den Eltern ein schönes und geachtetes Handwerk vor sich gesehen, und wehe dem, der von den Eltern ein verächtliches Handwerk ererbt hat. Gerber und Parfumeure sind nothwendig; wohl dem, der Parfümeur ist, wehe dem der Gerber istc ^®^. Die Gerberei stand w^en des schlechten Geruchs, den sie verbreitet, in schlechtem Ruf. Doch scheint dies nur von den eigentlichen Gerbern Otni3), nicht aber von den Vorarbeitern pyf und wht (s. Nota 79) zu gelten. Die Werkstätte des Gerbers Opona) musste nach sanitätspolizeilicher Vorschrift mindestens 50 Ellen von der Stadt entfernt sein und durfte überhaupt nur auf der Ostseite sich befinden *»*)? Die Gerberei wird auch als Ehescheidungsgrund aufgezählt; die Scheidung ist nach der Ansicht des R. Meir sogar in dem Falle zuläösig, wenn die Frau vor der Hochzeit zwar gewusst hat, dass der Mann Gerber ist, den schlechten Geruch aber später, als ihrer Gesundheit schädlich bezeichnete»^). Wir begegnen

^^ Daselbst und BasckL

W3) Daselbst 82 b, 1 v. u. rnyy^ ni3Ö1« f» pH TÖ1« -31 ^Ti

pona «Sai Dtt^i «Si dSivS itt^B« ^« .noix m3öi«a )n^n m

^) B. Bathra H, 9. D^tJ^-ön T^H p pü-))!!^ nHl^lSI ppITIO

1»*) Kethub. vn, 10. >ys ^p-)^3ni t^ jrsnnS im« poior iS«i

Digitized by VjOOQIC

? 43 ?

ähnlichen Ansichten auch bei anderen alten Völkern; der Hindu sncht so viel als möglich das Leder durch Baumwolle zu ersetzen; die Bearbeitung des Leders ist bei ihm den Parias überlassen *^^). Auch die Araber verachten alle, die ein unreines Gewerbe treiben, wie Fleischer, Gerber, Barbiere, Besdineider u. dgl. ^^^); ebenso waren bei den Römern die lanii (Fleischer) sehr wenig geachtet. (Cicero De off. I. 42). Auch die Weber werden im Talmud gering geschätzt; zweideutige Witze heissen Webergesang ^^®); dennoch werden zwei Weber vom Dünger-haufenthor in Jerusalem als Zeugen in einer religionsgesetzlichen Frage zugelassen ^^^) und auch hierdurch be-* stätigt sich, dass nicht das Handwerk den Mann, sondern der Mann das Handwerk ehrt oder schändet, und dass kein Handwerk so gering ist, dass man sich nicht damit beschäfdgen könne ^®®).

5. Zünfte.

Zünfte, in dem Sinne, wie wir sie hatten d. h. Cor-porationen der einzelnen Gewerke, haben wohl in Judäa nicht bestanden. Indessen geht aus den hierher gehörigen Talmudstellen hervor, dass ein Geist der Zusammengehörigkeit unter den Arbeitern desselben Handwerks geherrscht hat. Einzelne Handwerksverrichtungen, die der Tempel-

^»«) Wie»ner, Scholien zum bab. Talmud. (Prag 1876. Selbstverlag.) 1, S. 187.

197) Niebuhr, Descript. de TArabie. T. I, S. 57 (citirt von Wiesner daselbst).

w«) Sota 43 a.

i«9) Edijoth I, 3.

^00) S. 0. S. 8. TJi ^.^ ttf^öJ.

Digitized by VjOOQIC

- 44 ?

dienst erforderte, waren sogar in einigen Familien erblich geworden. In der Familie Abtinas war die Zubereitung des Eäueherwerks erblich (S. o. S. 18, 6. 7.), in der Familie Garmn die der Schanbrote. Die Tempelverwaltung war aber mit dieser Monopolisirung nicht einverstanden und Hess desshalb Handwerker aus Alexandrien kommen; sie konnten indessen die vorgeschriebenen Zubereitungen nicht so schön zu Stande bringen, wie die beiden Familien; man musste desshalb diese wieder in ihre Aemter einsetzen und ihnen sogar von nun an die doppelte Bezahlung gewähren 2^^). Auf eine zunftartige Organisation der Gewerke lässt sich auch daraus schliessen, dass die Kupferschmiede (d^Wö)*^^) eine besondere Syn^^oge^®^) und einen besonderen

201) Jebamoth 38 a, 28 v. o.

^?^2) Das Wort DD1Ö wird von Aruch und Raschi mit ng^ru ?DIIX »Kupferschmiede« übersetzt. Tosepoth z. Chulin 57 b oben, Anfangs-wort f|»SöO macht schon darauf aufinerksam, dass diese Ueber-setzung für die Stelle Abodah sarah 17 b, 22 v. u. nicht richtig sein kann, auch macht Toseph. an letzterer Stelle hierauf aufinerksam und unterscheidet:

a) D»»D^ö Kupferschmiede, Chulin 56 b, 19 v. u., Succah 51b, 21 V. u. ff., Megillah 26 a, 19 v. o.

b) DD1Ö o<l6r D«»«»Din Weber, Abodah sarah I7b, 22 v. u.

c) DD^Ö oder D«»«Dnö Tarsier (Ortsname), Megillah 13 b, 26 v. o. Wiesner, Scholien z. babyl. Talmud will (H, S. 98. 99.) an sämmt-lichen unter a und b aufgezählten Stellen mit »Weber« übersetzen und iQ^ö von textor ableiten. Hiergegen möchte ich bemerken, dass eine Erklärung des Aruch und Raschids, die allem Anscheine nach aus der talmudischen Zeit überliefert ist, nicht so ohne Weiteres verworfen werden kann, da übrigens auch noch dD1Ö ^^^ ü***y)^ (Succah 51b) nebeneinander stehen, und wenn man auch D»»Tnjmit Wiesner »Wollabkratzer« odor »Apreteure« (von YlJl »kratzen«, »schaben«) übersetzen wollte, so wäre es doch nicht ersichtlich, warum diese Unter-oder Hüfs-Arbeiter der d»»diö von diesen geschieden waren. Was indessen die Abstammung des Wortes be-

Digitized by VjOOQIC

- 45 ?

Friedhof ^^*) in Jerusalem hatten. Es gab unter den Ge-werken Versicherungsgesellschaften. »Die Eselstreiber können unter sich einen Vertrag abschliessen, dass Jeder, dem ein Esel ohne nachweisliche Fahrlässigkeit verloren oder zu Grunde geht, einen anderen Esel von der Gesellschaft erhalte 205^^ ^uf gleiche Weise haben die Schiff-und Nachenbesitzer ihre Geräthschaften untereinander versichert^®^); wenn das Schiff aber in einem Gewässer, das gewöhnlich nicht von Schiffen befahren wird, untergegangen ist, so braucht es nicht ersetzt zu werden ^®^.

In Alexandrien finden wir eine vollkommene Organisation der einzelnen Gewerke. Es heisst darüber im Talmud: »Rabbi Jehudah sagte: Wer die Doppelgallerie (pöDlSoVT = ötn^dot; und er Tod doppelte Säulenhalle) in Alexandrien in

trifft, Bo glaube ich in Bezug auf a) auf die Kupfermünze ^DIÖ (tressis) (Schebuoth 40 a, 2 v. o. B. Mezia 46 a, 6. 7. v. u.) aufmerksam machen zu sollen; vielleicht haben die D*D1& solche Münzen geschlagen; b) dürfte vielleicht vom griechischen Ta^crow (ein Geflechte machen, bei dem die einzelnen Bestandtheile wie beim Weben kreuzweise geflochten werden) abstammen; vergl. auch Schönhak, Wörterbuch I, der es mit dem persischen taras Buntwirkerei in Zusammenhang bringen will; c) ist die Stadt Tarsos, Hauptstadt von Kilikien am Flusse Kydnos (Xen. Anab. 1, 2, 23.). Hiernach dürfte die Ansicht Tosephoths als richtig festzuhalten sein.

303) Megillah 26 a, 19 v. o. und Midr. r. Wajikra, 35. Abschn. 16. Zeile vom Ende ab gezählt.

204) Nasir 52 a.

205) B. Kamma 116b, 9 v. o. fi*. -ö ^Dtt^ ni^lS piöHH p«tt^1

p« Cttn ?nrtt^DD) «??DM in« non iS Tor iiiön ^h i3«-k^

»?«) Daselbst 116 b, 19 v. o. ff. Choschen Mischpat 272. p^gni

ma« mm nrco ^h töj; nroD h m^««^ ü Sdö^ nwnS D-^eon 207) Daselbst. ^3^ pTöVö p« ph)n nirDDH w Dipöb nnc ??«

Digitized by VjOOQIC

? 46 ?

Egypten nicht gesehen hat, der sah nicht die Herrlichkeit Israels. Daselbst war ein grosser Palast (^pS^D3 = ßacrtXtxT]), in welehem sich eine Säulenhalle innerhalb der anderen (VIDDö D^3dS TtSD = crTod) befand . . es befanden sich in diesem Ranme 71 goldene Sessel (nnp = oca^tSpa) . . und eine hölzerne Tribüne in der Mitte anf welcher der Synagogendiener stand nnd mit einem Taschen*^*)- oder Schweiss-tuch winkte, wenn die Gemeinde nach Beendigung eines Segensspruches Amen s^^en sollte; in dieser Synagoge Sassen sie nicht vermischt, sondern in getrennten Abtheilungen: die Goldarbeiter, Silberarbeiter, Schmiede, Kupferschmiede, Weber. Wenn ein Armer hineinkam, erkannte er sogleich seine Handwerksgenossen und wendete sich zu ihnen, und von itnen erhielt er für sich und seine Familie Nahmng?«o9).

208) Delitzsch (Handwerkerleben, S. 38 sagt ? und es scheint dies eine allgemeine Annahme zu sein ? Taschentücher habe es damals nicht gegeben; es ist indessen auiSällend, dass bei einer Nation, die so viel Beinheits- und Reinlichkeitsgesetze besitzt, sich das Bedüriniss eines Schweisstuchs eher fühlbar gemacht haben soll, als das eines Taschentuchs; das sudarium kann ebensowohl Schnupftuch wie Schweisstuch bedeuten, da sudor nicht allein Schweiss, sondern jede Feuchtigkeit bedeutet. S. Kärcher, Lat.-Deutsches Wörterbuch, (Stuttgart, 1842). s. v. sudarium. Die Hebräerinnen, deren übertriebeneu Luxus Jesaias (Cap. HI) so scharf geisselt, dürften wohl das Taschentuch ebenfalls gebraucht haben.

209) Succa 51b, 21, v. u.ff.

o^*:oo?

Digitized by VjOOQIC

? 47 ?

CiMTricuJiuii vitae.

Ich, Seligmann. Meyer, Sohn des Eanfmanns Meyer Meyer, bin zn Reicheisheim, im Odenwald, Grossherzog-thum Hessen, am 12. October 1853 geboren.

Bis zu meinem dreizehnten Lebensjahre besuchte ich die Volks- (Elementar-) Schule daselbst, worauf ich in die, einer Realschule zweiter Ordnung gleichstehende, Unterrichtsanstalt der Israelitischen ßeligionsgesellschaft zu Mainz eintrat und in derselben bis zum Januar 1869 verblieb. Ich besuchte sodann die talmudischen Vorlesungen des Rabbiners, Herrn Dr. Lehmann in Mainz und bereitete mich zum Eintritt in das Gymnasium vor, welches ich zu Wiesbaden bis zum Jahre 1872 besuchte. Im Jahre 1873 wurde ich als Religionslehrer und Prediger nach Wetzlar berufen und bezog gleichzeitig die benachbarte Universität Giessen, wo ich besonders bei Herrn Professor Dr. Köllner christliche Dogmatik, Homiletik und Pädagogik hörte. Im April 1876 bezog ich die Universität Berlin, hörte die philosophischen Vorlesungen des Herrn Professors Dr. Zeller, Hebräisch bei Herrn Dr. Barth und frequentirte die Talmudvorlesungen des Herrn Rabbiners Dr. Hildes-heimer (privatim). Seit dem 1. Januar 1878 bin ich Chefredacteur der »Jüdischen Presse« in Berlin.

Digitized by VjOOQIC

Digitized by VjOOQIC

Digitized by VjOOQIC


Akzeptieren

Diese Website benutzt Google Analytics um seinen Nutzen zu messen. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren