An Adelaiden

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Nach der Aufführung von Händels Alexanderfest in Wien 1812.

Ein Fest der Lieder zieht die frohe Menge
    Zu Tausenden in den geschmückten Saal;
Fast wird des Hauses stolzer Bau zu enge;
    Er war des Eifers kühn versuchte Wahl.
Noch ist es still, noch schweigen die Gesänge,
    Noch schläft das Lied, noch schläft der Töne Strahl,
Da winkt der Meister, die Posaunen schallen,
    Und er erwacht und lodert durch die Hallen.

Und wechselnd in dem Zauberkreis der Töne
    Wallt Kraft und Anmut den verschlungnen Gang;
Jetzt schwelgt das Lied in glanzerfüllter Schöne,
    Dann weht es sanft zu süßem Brautgesang,
Und fleugt es auf, daß es den Einklang kröne,
    Erhebt sich stolz des Chores hehrer Klang
Und will mit den erweckten Harmonieen
    Des Herzens Sehnsucht nach der Heimat ziehen.

Doch plötzlich strömt der Töne Allmacht nieder,
    Ein Meer von Harmonieen bricht hervor.
Was rauscht und stürmt im Wetterflug der Lieder?
    Was schlägt melodisch donnernd an das Ohr?
»Wach auf! Wach auf!« so hallt es zitternd wider,
    In wilder Stimmenbrandung jauchzt der Chor;
Die Macht der Töne sprengt die letzten Schranken,
    Und frei im Raume schwelgen die Gedanken.

Der hohe Saal wird jeder Brust zu enge;
    E i n  Hochgefühl bewegt das ganze Haus,
Und unaufhaltsam bricht die weite Menge
    Jetzt in bacchantischer Entzückung aus.
Seht! Seht! Es übt der Zauber der Gesänge
    Die alte Macht auf alle Herzen aus.
D a s  Volk ist mit der Zeit noch nicht gesunken,
    Das so erweckt wird durch der Schönheit Funken.

Es ist das höchste von des Dichters Rechten,
    Daß er da redet, wo die Menge schweigt.
So laß mich laut den Kranz des Dankes flechten,
    Der heute still aus tausend Herzen steigt!
Die Welt ist voll vom Niedrigen und Schlechten,
    Daß sich das Göttliche uns selten zeigt;
Doch heut sprachs aus melodischen Gestalten
    Und unverkennbar war sein großes Walten.

Den ersten Dank muß ich den Künstlern bringen,
    Die dieses Altars Flammen angesteckt.
Was kann die Kraft nicht und der Mut nicht zwingen,
    Den rastlos keine Mühe abgeschreckt?
So mußte euch der schöne Sieg gelingen,
    Und eine Welt von Liedern ward erweckt,
Und in der Tonkunst nie verblühtem Lenze
    Brach eure Hand sich selbst des Eifers Kränze.

Vor allen ihr, die des Talentes Blüte
    Zu Sternen in der Töne Welt erhob!
Dir, Edler, aber der sich rastlos mühte,
    Vor dessen Eifer jede Furcht zerstob,
Den ganz der Strahl des Göttlichen durchglühte,
    Dir dankt kein Dank, nein, und dich lobt kein Lob;
Doch in die Herzen ist es eingegraben,
    Wozu die Lippen keine Worte haben.

Und einen schönen Tempel sah ich bauen
    Hoch bei der Freude leuchtendem Altar.
Wo der Begeistrung Tränen niedertauen,
    Da trocknet Liebe manches Augenpaar.
Ein Sternenkranz von edlen deutschen Frauen,
    Er macht des Lebens heilge Deutung wahr;
Auf einem Strauß, den ihre Hände pflücken,
    Blüht Menschenwohl und menschliches Entzücken.

Doch manches blieb der ungeprüften Stunde,
    Was ihren Wünschen rauh entgegenstand.
Zum Throne unsers Kaisers kam die Kunde;
    Unaufgefordert reichte er die Hand
Und trat begeistert zu dem schönen Bunde.
    Heil dir, mein Volk! Heil dir, mein Vaterland,
Solange solche Kaiser auf den Thronen
    Und Kunst und Liebe in den Herzen wohnen!


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