Atlas der Syphilis und der venerischen Krankheiten

----------





8Atlas der Syphilis und der venerischen Krankheiten

Alle Rechte,dtü*^sfyief^ ^ ider: Uehersettung itK fremde SpräeHek^^trbehalten. ..

Lieferanten:

Lithographische Tafeln von Ft. Reichhold.

Clich6s der schwarzen Abbildungen von Meisen bach, Riffarth & Co.

Druck des Textes von E. Mühlthaler.

Papier von Otto Heck.

Einbände vQn L. Beer.

Sämmtlich in München.

Vorwort.

indem ich der an mich vor zwei Jahren ergangenen Aufforderung des Herrn Verlegers, einen Adas der venerischen und sjrphilitischen Erkrankungen zusammenzustellen, nachgekommen bin, war es meine Absicht ein weiteren Kreisen zugängliches Buch zu schaffen, da die bisher vorhandenen Bilderwerke durch ihren Umfang und ihren Preis nur eine begrenzte Verbreitung finden konnten. Demgemäss war es notwendig, die häufigsten und praktisch wichtigsten Affektionen auszuwählen, seltenere Erkrankungen, die das Interesse der Fachkreise erregen, beiseite zu lassen. Die Abfassung des Textes war durch gleiche Prinzipien geleitet. Das Krankenmaterial entstammt zum allerg^össten Teile der mir unterstehenden Abteilung im k. k. Rudolfsspitale zu Wien, ausserdem verdanke ich dem Direktor der n. oe. Landes^-findelanstalt Herrn Sanitätsrat Dr. Braun zwei Fälle von hereditärer Sjrphilis, Herrn Primararzt Prof. Dr. Berg--meister zwei Fälle von luetischer Erkrankung des Auges, Herrn Prof. Dr. E. Lang einen Fall von Erkrankung des behaarten Kopfes.

Herr Maler Schmäsan hat überraschend schnell die betreffe Auffassung und Wiedergabe der Krankheits-

formen so schwierigen Anforderungen überwunden und eine Serie von musterhaft zu nennenden Aquarellen geschaffen.

Die Reproduktion der Originalien wurde von der Verlagsbuchhandlung in anerkennenswerter Weise durchgeführt.

Bei der Sichtung der Krankengeschichten, sowie bei der Kontrolle des Materiales hat mich mein Assistent Dr, Gross mit grossem Eifer unterstützt.

Allen den Genannten sage ich meinen besten Dank.

Und so möge denn diese Arbeit in den Kreisen, für die sie bestimmt ist, freundliche Aufnahme finden.

Wien im November 1897.

Dr. |Vlraöek.

Inhaltsverzeichnis.

Seite

Vorwort I

Inhaltsverzeichnis III

Verzeichnis der schwarzen Abbildungen V

Einleitung i

Das primäre Stadium des acqttirierten Syphilis.

Bedingungen der Infection 5

Träger des syphilitischen Contagiums 6

Die ersten nach der Syphilisübertragung auftretenden Erscheinungen 8

Lymphdrüsenschwellungen ii

Phimosis und Paraphimosis ... 12

Das secundäre Stadium der Syphilis.

Prodromalsymptome während der Proruptionsperiode 13

Die syphilitischen Exantheme . , 15

Das makulöse Syphilid 16

Das papulöse Syphilid 17

Das pustulöse SyphiUd 20

Syphilide mit Hauthaemorrhagien ... ......... 22

Pigmentanomalien 23

Die Erkrankungen der behaarten Kopfhaut 24

Die Erkrankungen der Handteller, Fusssohlen, Finger und Zehen 25

Secondär s3rphilitische Erscheinungen an den Genitalien und am Anus 27

Erkrankungen der Mundschleimhaut 30

Das tertiAre (gummöse) Stadium der Syphilis.

Einleitung 33

Die gummöse Syphilis der Haut und des Unterhautzellgewebes . 36 ? ? ? des Bewegungsapparates (Muskel, Knochen,

Die gummöse Syphilis der lymphatischen Apparate 44

? des Verdauungstractus 46

? des Respirationstractus 55

? des Circulationstractus » 57

? des Urogenitalapparates . 60

,» des Sehorganes 64

? des Nervensystems , . . . 67

Die hereditäre Syphilis 72

Behandlung der Syphilis.

Erstlingsformen 81

Lokale Behandlung der sec. und tert. Produkte 84

Allgemeine Behandlung (Mercurielle Behandlung, Jodmittel, Holztränke) . 9^

Die venerischen Geschwürformen.

Complicaüonen: L3rmphangioitis, Adenitis . ? 99

Behandlung der venerischen Geschwüre ^ 105

Die Blennorrhoe.

Blennorrhoe der Genitalien ^ iio

Compltcationen ..?».??...* 114

Condylomata acuminata ...???? 118

Behandlung der Blennorrhoe und der Complicaüonen 120

Verzei ehnis

der

farbigen und schwarzen Abbildungen,

Tab. I. Sklerosis io snleo coronario penis.

? 2. Sklerosis in vegioD^ pubis.

? 3. Sklerosis scroti anteriorit.

? 4. Sklerosis labii maioris dextri,

? 5. Sklerosis ambustiformis et oedema inämratiTum labü maioris

sinistri«

? 6a. Sklerosis exulcerata p>ortionis Taginalis.

? 6b. Sklerosis portkukis Taginalis.

n 7. Skleroses exulcer. No. duo p>ortionis vaginalis.

? 8. Sklerosis h^ inferioris oris.

? 9. Sklerosis angoli oris dextri.

? 10. Sklerosis liagoac,

,, II. Sklerosis. tonsiUae dextrM.

,, 12. Oedeaa iiidaratiTvm syphiUtictiiD.

? 13. Maculae recentes (Roseola) per totnm corpus dispersae.

,, 14. Maculae maiores papulis iatermixtae per tot. corp. dispersae.

? 14a, ^ ^^ (RtokaosichtX

,1 15. Erythems Bguratusi.

n 16. Erythema figuratum (Erytheme cirein^e-Fournier).

? 17. Papulae sypJuUticiM per tot corpus dispersae.

Tab. 19. Aggregiertes kleinpapulöses (lichenoides^ Syphilid vRecidiv-form.)

? 20. Papulo-squamöses Syphilid.

? 21. Syphilis papulosa orbicularis.

? 22/23. Gnippirtes papulöses Syphilid.

? 24. Leukopathia colli (Papulae ad genit.).

? 24a. (Vorderansicht).

? 25. Papulae planae nitentes frontis et faciei.

? 26. Alopecia areolaris syphilitica.

? 26a. Papulae part. capill. capt.

? 27. Pustulae min. faciei.

? 28. Syphilis pustulosa.

n 28a. ? . , n

? 29/29a. Wuchernde Geschwüre (Framboäsia) aus Pusteln an

beiden Waden. ? 30. Psoriaris syphilitica plantaris. ? 31a. Papulae erosae inter digitos pedis. ? 31b. Papulae et Rhagades inter digitos pedis. ? 32. Paronychia syphiltica di^^it. man. utr. ? 33. Papulae luxuriantes:erosae diphteriticae. ,f 34. Papulae luxuriantes. ? 35. Papulae luxuriantes in labiis maioribus in plica genito-crurali»

perinaeo usque ad annm. ? 36. Papulae luxuriantes in labiis maioribus in perinaeo et circa

anum. ti 37. Papulae hypertrophicae et plicae circa anum. ), 38. Papulae annulares inveteratae in centro iam regressae. ? 39. Papulae diphteriticae in mucosa pK>rtionis yaginalis et vaginae. ? 40. Papulae diphth. in mucosa lab. sup. or. et in hucc. sin ? 41a. Infiltratio superficialiter necrotica mucosae et submucosae

labii superioris oris. ,f 41b. Papulae exulceratae et Leukoplakia incipiens lin^ae. ? 42a. Papulae elevatae confluentes in palato duro. ? 42b. Leukoplakia (Psoriasis) linguae. I, 43a. Iritis condylomatosa. ? 43b. Tarsitis g^ummosa oculi sinistri. Trachom. ? 44/45. Framboesia syphilitica. Syphilis praecox.

Tab. 46. 1

^ I Licera gummatosa lab. maiorum commiss, post lab. min.

I d. et vaginae. M 47. J ^

,, 48a. Ulcus gummatosum mainillae sinistrae.

? 48b. Gumma mammae.

,f 49. Rupia syphilitica.

tt 5o/5oa. Ulcera gummatosa serpiginosa.

? 51. Ulcera gummatosa serpiginosa surae d

? 52. Gumma cutis dorsi pedis. Gumma pharyngis.

? 52a. Gummata exulcerata pericranii.

n 53 Gummata gland. lymphat. colli cum destructione cutis.

I* 54/54^* Ulcera gummatosa cutis et glandul. inguinal.

,, 55. Gummatöse, in Nekrose bcgriflfene Erkrankung der Weichteile.

? 56a. Defectus palati moUis ex ulceratione gummatosa.

? 56b. Gumma (hintere Pharynxwand).

,» 57. Glossitis gummatosa.

? 58. Exanthema papulo-pustulosum. Syphilis hereditaria.

? 59. Exanthema papulo-vesico-pustulosum. Lues hereditaria.

? 60a, b u. c. Syphilis hereditaria.

? 61. licera veo. in praeput. et in glande penis.

? 62. Ulcera venerea contagiosa confluentia in cute penis. Adenitis inguinalis dextr.

? 63. Paraphimosis ex ulc. vener. in praep. oedem. inflamm. Adenitis inguinalis bilateralis suppur.

? 64. Lymphangoitis dors. penis suppurans (Bubonulus Nisbethi) cum necros. integum.

? 65. Abscessus gland. Barthol. sinistr.

? 66. Blennorrhoe. ? Cavernitis.

? 67. Condylomata acuminata.

? 68. Condylomata acuminata in sulco coronar. et in lamina interna praeputii inflammati in parte sin. necrotici.

., 69. Condylomata acuminata portionis vaginalis.

? 70. Hämorrhagia subcutanea cutis, penis.

? 71. Mollusca contagiosa (monitifonnia).

Druckfehler.

Erklärung zu Tab. 6a letzte Zeile lies 1881 statt 1861.

St. pr.: Im dorsalen Eichelring eine etwa i cm im Durchmesser messende Sklerose, oberflächlich nekrotisierend mit massig infiltrierter Basis und Umgebung; inguinale Lymphdrüsen deutlich geschwollen; Exanthem am Stamme spärlich hervortretend, blass. Seh. J., aufgenommen am 24. November 1895 gibt an, den letzten Coitus am 4. Oktober ausgeübt zu haben, nach welchem in 4 Wochen die Wunde am Penis entstanden sei. Er ist früher stets gesund gewesen.

Tab. 1.

picture0/

Tab. 2. Sklerosis in regione pubis.

St. pr.: In der Schamgegend ist eine etwa haselnnssgrosse Sklerose

mit vertieftem, zum Teil speckigem, zum Teil von blassen

Granulationen bedektem Grunde, scharfen, derb infiltrierten

Rändern und einer entztlndlich geröteten Umgebung;

Inguinale Lymphdrüsen stärker, axillare und cervicale

massig vergrössert.

M. T., 34jähriger Gasarbeiter, wurde am 7. Juni 1896 aufge-

nonunen. Anfangs Mai fiel dem Patienten ein glühendes Kokesstück

gegen die entblösste Brust; er wollte dasselbe aus der Kleidung heraus-

schUtteln und zog sich hiebei eine Verbrennung in der Schamgegend

zu. 14 Tage darnach hat er einen Beischlaf ausgeübt. Von der Natur

seines Leidens hatte er keine Ahnung. Am 20. Juni entstand am Körper

ein dunkelrotes papulöses Syphilid; lokale Behandlung und 25 Inunk-

tionen bewirkten die Heilung.

^M

e2

picture1/

picture2/

Tab. 3» Sklerosis scroti anterioris.

St. pr.: Am Scrotum, unterhalb des Penoscrotalwinkels befindet sich eine oberflächlich exulccrierte, an der Basis sowohl als auch an den Rändern infiltrierte Ubermandelgrosse Sklerose. Die übrigen Genitalien, sowie auch die Haut des Stammes und der Extremitäten ist mit frischen über linsengrossen Papeln besäet, von denen die älteren bereits an der Oberfläche abschuppen. Nachdem der Kranke mit grauem Pflaster lokal behandelt wurde und 25 Einreibungen gemacht hatte, ist die Sklerose vollständig vernarbt, das Infiltrat an der Basis erweicht und das Exanthem geschwunden. Derselbe wurde nach 32tägiger Behandlung am 2. Dezember entlassen. W. A., 28 Jahre, Postkutscher, aufgenommen am i. November 1895. Patient gibt an, das Geschwür am Scrotum früher nicht beachtet zu haben; erst seit 4 Wochen sei dasselbe deutlicher geworden; sein Hantausschlag sei erst seit 6 Tagen aufgetreten.

Tab. 3.

picture3/

Tab. 4. Sklerosis labii maioris dextri.

Die rechte grosse Schamlippe massig ödematös. An der Aussen-Seite ihres untersten Abschnittes erhebt sich ein stärker geröteter Zweipfennigstückgrosser Knoten von derber Konsistenz, dessen Mitte exulceriert ist, ziemlich stark secerniert und eitrigen Belag zeigt.

K. C, 20 Jahre alt.

Aufgenommen am 16. August 1896.

Erste venerische Erkrankung, angeblich seit 3 Wochen (?) bestehend.

Ausser der oben beschriebenen Sklerose bietet Patientin am Stamme ein makulöses, an den Oberschenkeln und ad nates ein lenticulär-papulüses Syphilid dar. Die inguinalen Lymphdrüsen ebenso die Lymphdrüsen des Halses und der Achselhöhle beiderseits mit erkrankt.

Nach 15 Einreibungen ist die Sklerose vernarbt, das Ödem schwindet, da.s Exanthem blasst ab, die Infiltration an Stelle der Sklerose wird ebenso wie die Schwellung der Drüsen geringer.

JS

a

i

picture4/

Tab. 5. Sklerosis ambustiformis et Oedema indurativum labii maioris sinistri.

St. pr.: Die Unke grosse Schanilippe ist in ihrem ganzen Umfang livid verfärbt, beträchtlich geschwellt, derb anzufühlen. In ihrer Mitte befindet sich ein Geschwtlr mit hämorrhagischem Grunde und leicht erodierten Rändern, so dass es wie eine mit einem glühenden Instrumente erzeugte Wunde aussieht (Sklerosis ambustiformis). Die Leistendrüsen sind beiderseits, namentlich aber links geschwellt, die axillaren und cervicalen Drüsen leicht vergrössert. Die Kranke leidet seit 8 Tagen an Schlaflosigkeit. ? Im weiteren Verlaufe tritt eine Roseola am Stamme auf. IL M., 21 Jahre alt, Kassierin. Aufgenommen am 13. Oktober 1896.

Patientin will das Auftreten ihrer Erkrankung erst vor 8 Tagen bemerkt haben, letzter Coitus vor 7 Wochen.

Unter dem Gebrauche einer Schmierkur schwindet das Exanthem, die Drüsenschwellung nimmt ab, die Sklerose vernarbt und das Oedema indurativum geht bis auf eine elastische Verdichtung der Schamlippe zurück.

Tab. 5.

picture5/

, > Kr r;.!!.: M,:

Tab. 6 a. Sklerosis exulcerata portionis vaginalis.

Die Portio vaginalis im ganzen vergrössert; das Orificium zum Teil narbig eingezogen. An der Vorderlippe, hart am Orificium, befindet sich eine leicht elevierte Sklerose mit diphtheritischem, stellenweise kleine Hamorrhagien zeigendem Grunde. Beim Touchieren lasst sich in der Portio vaginalis deutlich ein knorpelharter Knoten abgrenzen. Die Hinterlippe zeigt eine seichte Erosion.

B. A., 22 Jahre alt.

Patientin hat einmal geboren. Von ihrer Erkrankung hat sie erst seit 3 Wochen Kenntnis, zu welcher Zeit nämlich an der Schamlippe eine der beschriebenen ähnliche Sklerose auftrat. Von der Sklerose an der Portio vaginalis weiss sie nichts. ? Letzter Beischlaf vor 7 Wochen, vorletzter vor i*/2 Jahren.

Im weiteren Verlaufe tritt ein maculo-papulöses Syphilid auf. Lymphdrüsen in inguine, am Halse, in der Achselhöhle vergrössert. Inunktionskur.

Die Sklerose wurde excidiert und mikroskopisch untersucht. (Siehe Vierteljahrschrift für Dermatologie i86i pag. 57 ff).

Tab. 6b. Sklerosis portionis vaginalis.

St. pr.: Scheide blass, weit, Secretion spärlich. Portio vaginalis gross, cylindrisch. An der vorderen Muttermundslippe ein etwa Pfennigsttickgrosses, kreisrundes, scharf umgrenztes Geschwür. Grund eitrig belegt. Umgebung lebhaft gerötet. Drüsen überall tastbar.

P. C, 43 Jahre, Prostituierte.

Aufgenommen 15. April 1896.

Angeblich seit sechs Tagen krank.

Therapie: Weisse Präcipitatsalbe. Vernarbung bis 4. Mai 1896.

Tab. 6.

picture6/

picture7/

Tab. 7. Skleroses exulcer. No. duo portionis vaginalis.

Die Portio vaginalis im ganzen ödematös geschwellt mit mehr-f<ichen narbigen Einziehungen nach früher stattgehabten Entbindungen. Die Vorderlippc, und an korrespondierender Stelle die Hinterlippe, sind Sitz je einer scharf umschriebenen, wallartig umrandeten Sklerose, deren Grund eitrig belegt ist. Die Umgebung beider Sklerosen fühlt sich beim Touchieren sehr hart an. Das Secret ist serös, nicht besonders reichlich.

G. M., 24 Jahre alt.

Patientin hatte von dieser ihrer Affektion keine Kenntnis und begab sich nur wegen der ausserdem vorhandenen Papeln im Vesti-bulum in Behandlung.

Ausser den bisher erwähnten Erscheinungen fanden sich bei der Kranken noch ein leichtes maculöses Exanthem und Drüsenschwellungcn. Sie unterzog sich einer Inunktionskur.

Tab. 7.

picture8/

Tab. 8. Sklerosis labii inferioris oris.

St. pr.: An der Unterlippe, rechts von der Mittellinie ist ein etwa

If5 cm im Durchmesser haltender Substanzverlust, in

der Mitte vertieft, eitrig zerfallen, seine Ränder leicht

aufgeworfen, infiltriert.

Patientin K. M., 21 Jahre, aufgenommen am i. März 1896, kennt

die Ursache dieses, innerhalb 4 Monaten sich stets vergrössemden

Geschwüres nicht. Bei derselben zeigt sich nur noch Schwellung der

submaxillaren Drüsen; auch die cervicalen, axillaren und inguinalen

Lymphdrüsen sind vergrössert; die Genitalien sind intakt.

Heilung nach Anwendung eines grauen Pflasters und 30 Einreibungen.

Tab. 8.

picture9/

bih- sl V r IlrKhlH>W Mui-

picture10/

Tab- S, Sklerosis labii inferioris

St, fr.; An der lntrrlippc, rechts von der Mittellr t^5 cm im Durchmesser haltender Sub der Xfilte rertieft, eitrig zerfallen, seine aa/gevrorfen, infiltriert. PfttienEm K. M., 21 Jahre, aufgenommen ftiii t. Miy^. Äe lr^ache dic^c*. moerhalb 4 Monaten sicli ?tct*. Ge^chwiires lüchl. Bei derselben leigt sich ntrr u^nzh ^nbmaxillarm Dramen; auch die cenricalen, udlncn Lvuipbdftls^n sind vef^l>^5e^t; die Genitalien situi euI UeiKing nAch An^^endting eines granen FfTa^^tcä reibungtn.

picture11/

picture12/

picture13/

picture14/

picture15/

Tab. 9. Sklerosis anguli oris dextri.

N. P., 29 Jahre, Schmied. Aufgenommen 30. Oktober 1895.

Patient bemerkt seit 8 Wochen am rechten Mundwinkel ein Geschwür, das sich seither langsam aber konstant vergrössert hat. Seit 5 Wochen Schwellung der rechten Wange und der gleichseitigen Sub-maxiUargegend. Ursache der Erkrankung ist dem Patienten unbekannt, doch soll bei Beginn seiner Erkrankung in der Schmiede, in der er arbeitete, ein Gehilfe an Chancre gelitten haben. Seit 14 Tagen heftige Kopfschmerzen von nächtlichem Typus.

St. pr.: An der Schleimhaut des rechten Mundwinkels ein ovales, tiber /? cm langes, central vertieftes, speckig belegtes Geschwür. Schwellung der rechten Gesichtshälfte. Die submentalen und submaxillaren Lymphdrüsen enorm vergrössert. Die übrigen Lymphdrüsen sämtlich, jedoch in geringerem Masse beteiligt. Maculo-papulöses Syphilid am Stamme und an den Extremitäten. Heilung nach 25 Einreibungen.

Tab. 9.

picture16/

Tab. lo. Sklerosis linguae.

Fr. Th., 25 Jahre, Hilfsarbeiterin. Aufgenommen 22. Oktober 1896.

Seit einem Mon§ite besteht an der Zunge ein Geschwür unbekannter Provenienz.

St. pr.: Am rechten Zungenrande ein in die Zungensubstanz ein. gesprengter, etwas proroinierender, etwa bohnengrosser, derbej Knoten, der in der Mitte einen flachen, längsovalen Substanzverlust aufweist, welcher mit einem grauweissen Belage bedeckt ist. Die submaxillaren Drüsen rechtersei!s zu einem taubeneigrossen, etwas druckempfindlichen Tumor vergrössert. Cervicale und axillare Drüsen deutlich tastbar. Genitale normal. Vereinzelte Maculae am Stamme

2. November. Zwischen den bestandenen Maculae sind nunmehr auch Papeln hervorgetreten. Kopfschmerzen.

Decursus. Nach 20 Inunktionen hat sich der Zungenknoten vollständig involviert, die sonstigen spec. Erscheinungen sind gleichfalls geschwunden.

28. November geheilt entlassen.

picture17/

W. W., 26 Jahre alt, Dachdeckergehilfe.

Aufgenommen am 29. Juni 1896.

Patient, der bisher stets gesund gewesen sein will, bemerkt seit 13. Mai eine Anschwellung der rechten Mandel, Schlingbewegungen Temrsachten dem Patienten Schmerzen.

St. pr.: Die rechte Tonsille ist über taubeneigross, erreicht fast die Medianlinie und drängt die Arcus palatoglossus und palatopharyngeus weit auseinander. Sie ist betrichtlich infiltriert und mit speckigen, zum Teile nekrotischen (le-schwüren besetzt. Die Schleimhaut der angrenzenden Partien ist gerötet, leicht geschwellt. Die Rötung reicht über die Uvula auf die linke Seite hintiber und nach vorne bis an die vordere Grenze des weichen Gaumens. Unterhalb des rechten Kieferwinkels ein klcin-hühnereigrosser, massig beweglicher, der Glandula sub-maxillaris entsprechender Tumor. Die mittleren cervicalen und die supraclavicularen Drüsen rechts von Bohnen- bis Ilaselnussgrösse, leicht beweglich, nicht empfindlich. Auch die linken mittleren cervicalen, ebenso die axillaren und inguinalen Drüsen sind palpabel, jedoch nicht geschwollen.

I. Juli. Am ganzen Stamm ein Roseolaexanthem. Der nekrotische Belag der Sklerose hat sich bereits abgestossen.

5. Juli. Das Syphilid und die Drüsenschwellungen nehmen zu, die Sklerose granuliert rein.

Therapie: Gargarisma. Bepinseln der Sklerose mit Jodtinktur. 20 Einreibungen.

Tab. 11.

picture18/

I,!l i..iv » l;.rll;..i.l SUu

J. S., 20 Jahre alt, Fleischergehüfe. Behandlungsdauer: 24. Oktober bis 9. Dezember 1890. Vor zwei Monaten acquirierte Patient eine Wunde am unteren Rande des Präputiums. Binnen 8 Tagen Rötung und Schwellung des ganzen Penis. Seit 3 Wochen Anschwellung des Scrotums. Das Präputium, dessen Anschwellung also 7 Wochen besteht, konnte Patient nicht reponieren und kann daher über den weiteren Verlauf der Wunde nichts angeben.

St. pr.: Phimosis praeputii oedematosi. Lymphangoitis et oedema cutis penis totius. Oedema indurativum scroti cum erosio-nibus superficialibus. Lymphadenitis inguinalis bilateralis. Universelle Adenopathie. Heide Tonsillen vergrössert, mit diphtheritischen Papeln besetzt. l*soriasis plantaris. Ein im Rückgang begriffenes papulöses Syphilid am Stamm, l^nge des Penis 13 cm, Umfang desselben ungefähr in der Mitte gemessen 11,5 cm, Umfang des Scrotums von äer Wurzel des Penis bis zum Perineum in sagittaler Richtung 26 cm, Umfang des Scrotums in frontaler Richtung von einer (Jenitocruralfalte zur anderen 30 cm. Die Haut desselben düsterrot gefärbt, heiss, infilt/iert. Sowohl am ?>crotum als auch am Penis die Haut in einzelnen kleinen Lamellen abschilfernd; am Scrotum einzelne Erosionen. Durch die infiltrierte und verdickte Scrotal-haut lassen sich die Hoden nicht genau abtasten. Therapie : Ausspülungen des Vorhautsackes. Burowumschläge. Am 30. Oktober Beginn der Inunktionskur. Während derselben Rückgang der Schwellung und Infiltration der Scrotalhaut und der Haut des Penis. Nach Reposition des Präputiums erscheint an der Innenseite desselben und zwar an der Unterseite der Glans eine seichte erbsengrosse Narbe. Circumcision. Vollständige Rückbildung der Erscheinungen nach 30 Einreibungen.

Tab. 12.

1

picture19/

;

picture20/

i

im, t . . |... ,-,?? 4*1 ^Nn

Tab. 13. Maculae recentes (Roseola) per totum corpus dispersae.

Die Haut des ganzen Körpers ist dicht besät mit Flecken, welche an den abhängigen Partien dunkler, an den oberen Teilen etwas heller rot erscheinen und weder Glanz noch Abschuppung aufweisen. Auf den Fusssohlen und den Handtellern entstehen bräunliche papulöse Efflorescenzen (Psoriasis plantaris et palmaris).

An dem verhärteten Präputium eine vernarbte Sklerose. Die inguinalen, cervicalen und axillaren Lymphdrüsen sind vergrössert.

B. L., 23 Jahre alt, Taglöhner.

Aufgenommen am 4. August 1897.

Patient gibt an, erst vor einem Monate nach der Heilung seines Genitalgeschwüres, ohne einer Allgemeinbehandlung unterzogen worden zu sein, ein Krankenhaus verlassen zu haben. Den Zeitpunkt seiner Ansteckung weiss er nicht genau anzugeben (etwas über 2 Monate).

Nach 30tägiger Behandlung mit Einreibungen wurde Patient geheilt entlassen.

Tab. 13,

picture21/

Tab. 14 u. 14 a. Maculae maiores papulis inter-mixtae per totum corpus dispersae.

H. S., 19 Jahre alt.

Aufgenommen am 27. Jänner 1896.

Die Angaben des Patienten sind höchst ungenau und gipfeln darin dass er etwa 3 Monate krank ist und bisher gegen sein Leiden nichts angewendet hat.

St. pr.: Eine livide, noch infiltrierte Narbe nach dem primären (leschwUr an der äusseren Lamelle des Präputiums. Im Snlcus coron. glandis und um den After nässende Papeln. Über den Stamm und die Extremitäten ein sehr zahlreiches maculöses Syphilid zerstreut, zwischen welchem hier und dort grosse glänzende Papeln aufschiessen, die nicht die lividrote Farbe der Flecke, sondern eine ins Braunrote spielende Farbe zeigen. ? An den Fusssohlen schmutziggelbe Papeln (Psoriasis plantaris). ? Haarausfall mit geringer Desquamation der behaarten Kopfhaut. ? An der Stirne ein maculo-papulöses Syphilid. ? Beide Mandeln vergrössert, mit konfluierenden, speckig belegten (ieschwüren (Papeln) besetzt.

Therapie: Labarraque. Inunktionskur.

Schwarze Tafel: (Tab. 14a) Rückansicht mit dem zahlreichen grossmakulösen Syphilid. ? Farbige Tafel: Rechter Vorderarm mit demselben makulopapulösen Syphilid.

Tab. 14.

picture22/

luh.ViMv 1 rif i.lih.M.1 M,!?

Tab. 14 a.

picture23/

H. J., 42 Jahre alt, Wirt. Aufgenommen 12. Juli 1896.

Infektion vor 1^/2 Jahren. Damals Inunktionskur auf der hiesigen Abteilung. Seither wiederholte Recidiven, namentlich Schleimhaut-papeln, die mit milderen Methoden (interne Darreichung von Quecksilberpräparaten, Jodkalium, Touchierungen mit Chromsäure) angegangen wurden. Angeblich seit 8 Tagen Exanthem. Massiger Potator. Raucher. St. pr.: Am Dorsum penis eine infiltrierte Narbe von Pfennigstttck-grösse. Die zugänglichen Lymphdrtlsen spindelförmig. Am rechten Zungen ran de, etwa in der Mitte desselben eine erbsengrosse, oberflächlich zerfallende papulöse Efflorescenz. Schleimhäute sonst frei. ? An der Haut des Stammes, am ausgeprägtesten an den Seitenteilen desselben, weniger deutlich am Rücken und über den Gesä:»sbacken, femer an den oberen Extremitäten und an deren Streckseiten befindet sich ein durch Konfluenz ringförmiger Efflores-cenzen entstandenes, mit gyrierten Rändern versehenes blassrotes Hautexanthem. Die zierlichen Figuren treten namentlich dann deutlich zutage, wenn Patient längere Zeit mit unbekleidetem Oberkörper verbleibt.

Nächtlich exacerbierende Kopfschmerzen. Psychisches Verhalten intact. Pupillenreaktion, Sehnenreflexe normal.

Therapie: Kali jodati 1 ., ^

,, ,. , . _ > Abends zu nehmen.

Kau bromati aa i ,00 J

Prodpoduretpillen k 0,025, 3 Pillen täglich.

Heilung.

Tab. 15.

picture24/

Tab. i6. Erythema figuratum. (Erytheme circinie - Fournier).

E. B., 26 Jahre alt, Handlungsgehilfe.

Aufgenommen am 21. Dezember 1896.

Die specifische Infektion erfolgte im Februar dieses Jahres. Patient unterzog sich damals einer Injectionskur. Beschwerden beim Schlucken sollen seit 14 Tagen bestehen. Von einem Ausschlage weiss Patient nichts.

St. pr.: Erodirte Papeln an beiden Tonsillen. Rötung und Schwelung der Tonsillen, der Gaumenbögen und hinteren Rachenwand. Universelle Adenopathie. Die Haut des Stammes und der Extremitäten fast gleichmässig besetzt von einem blassroten Exanthem, dessen einzelne Efflorescenzen von Zweipfennigstückgrösse bis Thalergrösse wechseln, ringförmig gestaltet sind und durch Konfluenz benachbarter Ringe zu g^irlandenförmig begrenzten Zeichnungen werden. Die Anordung dieser Figuren entspricht am Rücken, an den seitlichen Thoraxpartien und an der Brust dem Verlaufe der Rippen. Gesicht, Palma manus, Planta pedis frei.

Heilung unter 25 Einreibungen.

picture25/

Tab. 16.

LuIlAii»! V F ReKhhiild Xlun« hn

Tab 17. Papulae syphiliticae per totum corpus dispersae.

L. M., 30 Jahre alt, Arbeiter.

Aufgenommen am 4. Juli 1897.

Patient gibt an, vor etwa 2 Monaten den letzten Coitus ausgeübt zu haben. Darnach bemerkte er eine Wunde an der Vorhaut. Das Auftreten seines Ausschlages nahm er vor 8?10 Tagen wahr. Bisher keine Behandlung.

St. pr.: Die bräunliche Haut des ganzen Körpers ist besit mit linsengrossen kupferfarbigen Knötchen, welche an den Seitenteilen des Thorax, am Abdomen und an den Beugeflächen der Extremitäten dichter angehäuft sind. Die Kuppel der meisten dieser Papeln zeigt bereits eine weiss-liche Verfärbung der Epidermis, welche sich von einzelnen Efflorescenzen durch leises Abkratzen entfernen lässt. Die Lymphdrüsen insgesamt massig vergrössert. Im dorsalen Anteil des Sulcus coronarius eine livide, frisch vernarbte, noch derb infiltrierte Sklerose. Die Schleimhäute, Handteller und Fusssohlen frei. Im Gesichte, und zwar an der Haargrenze wenige Efflorescenzen. Die behaarte Kopfhaut leicht seborrhoisch ohne deutliche papulöse Efflorescenzen,

Therapie: Mundpflege, Bäder, 25 Einreibungen. ? Heilung.

Tab. 17.

picture26/

M. Sm 24 Jahre alt, Wärterin.

Behandlungsdauer: 11. Februar bis 20. März 1897. Die Kranke giebt an, seit 5 Wochen vor dem Spitalseintritte ikterisch zu sein; der Ausschlag soll erst in den letzten 8 Tagen aufgetreten sein. In der letzten Zeit starke Stirnkopfschmerzen, namentlich in der Nacht; auch Halsschmerzen. Letzter Coitus vor 3 Monaten.

St. pr.: Am Labium maius dextrum eine haselnussgrosse Sklerose, oberflächlich geschwtirig zerfallen. Universelle LjTnph-drtisenschwellung. Haut und sichtbare Schleimhäute intensiv gelb verfärbt, besät mit zahllosen milliaren bis linsen-grossen Efflorescenzen; zwischen denselben stehen Überall, namentlich am Rticken und in der Intermamillargegend. zahlreiche mit hämorrhagischen Borken besetzte Pusteln. Psoriasis plantaris recens. Mundschleimhaut intact. Gesichts-ausdruck leidend. Heftige Kopfschmerzen. Therapie: Lokal Labarraque. Mundpflege.

15. Februar: Hochgradige Hinfälligkeit; heftige Kopfschmerzen, namentlich nachts; Temperatur nicht erhöht; weder Leber noch Milz percutorisch oder palpatorisch vergrössert. Inunktionskur. Nach 15 Einreibungen der Icterus vollständig geschwunden, das subjektive Befinden gut, die specifischen Erscheinungen im Rtickgang, an Stelle der Papeln und Pusteln Pigmentationen. Nach 30 Einreibungen wird Patientin am 20. März geheilt entlassen.

m//v

Tab. 18.

Ip!iii.iv l HHhli.it.i Mm. St

Tab. 19, Aggregiertes kleinpapulöses (lichenoides) Syphilid (Recidivform)

S. A., 19 Jahre alt, Näherin.

Aufgenommen 24. Januar 1896.

Die Kranke stand im September und Oktober 1895 wegen Syphilis in Behandlung. Die jetzige Affektion hat sich seit einem Monat entwickelt.

St. pr.: An den beiden grossen Schamlippen und in der Geuito-cruralfalte beiderseits erbsengrosse elevierte Papeln, tjber dem Kreuzbein und an den Nates ein aggregiertes klein-papulöses Syphilid. Die einzelnen Efflorescenzen teils in Schuppung, teils braunrot pigmentiert. Ahnliche Plaques ülier dem Kniegelenk, der Unterbauchgegend und am Nacken. Massiges Jucken an den affizierten Partien.

Heilung nach 20 Einreibungen a 5 g.

Tab. 19.

?%

picture27/

* ^

^ Vr

I

.:^

iSf

picture28/

luh.Vi.o V h Hn.fvl.M.i Mm^fM.

Tab. 20. Papulo-squamöses Syphilid.

T. Jm 34 Jahre alt, Pferdewärter.

Aufgenommen am 27. März 1896.

Ende Juni 1895, angeblich 4 Wochen nach einem Coitus, erkrankte Patient an einem Ulcus penis. Er stand damals in Privatbehandlung und wurde mit gelber Präcipitatsalbe und Sublimatbädem des (Gliedes behandelt. Nach Heilung des Geschwüres Übte Patient wieder den Coitus aus; 3 Wochen darauf bekam er am ganzen Körper einen Ausschlag (nach seinen Schilderungen ein maculöses und papulöses Syphilid). Am 20. August 1895 ^^^^^ ^c ^^^^ ^^ allgemeinen Krankenhause aufnehmen, wo er bis zum 31. Oktober 1895 in Behandlung stand. Er machte damals zuerst 23 Calomel-Einreibungen, hierauf 47 Einreibungen mit grauer Salbe. Am 24. November 1895 Hess sich Patient ins Kudolfspital aufnehmen. Er klagte über Schmerzen im Kopfe, im Epigastrium und im Thorax. Der Kranke war blass, die Haut des Stammes besäet mit erbsengrossen, lividen und bräunlichen Residuen eines involvierten Syphilides; die Epidermis erscheint in feinen Falten über den meisten Efflorescenzen vertieft. Leistendrüsen, Axillardrüsen, Halsdrüsen geschwellt. Beginnende Leucodermia colli. Pharyngitis. Der innere Befund war normal. ? Am II. Dezember zeigte sich an der Stirne eine quaddelförmige Efflorescenz. Am 18. Dezember ist die Quaddel unter ZurUcklassung eines lividen Fleckes verschwunden und erscheint an einer anderen Stelle. Zugleich zeigen sich um den linken Nasenflügel herum mehrere in Kreisform stehende Efflorescenzen, ferner eine Efflorescenz papulöser Form am Hals. Das Zahnfleisch erodiert. Gingivitis. Seborrhoea capitis. Defluvium capillitii. Neuras-thenia universalis. Am 24. Dezember vereinzelte Pustula capitis. .m 2. Januar 1896 fühlte Patient sich vollkommen geheilt und wurde auf seinen Wunsch aus dem Spitale entlassen. ? Am 27. März 1896 liess er sich wieder ins Spital aufnehmen, wo sich bei der Untersuchung folgender Status ergab: Neben den Resten des einst bestandenen Syphilids, welche Patient bei seinem seinerzeitigen Aufenthalte dargeboten, «-ind nun ül)er den ganzen Körper Efflorescenzen

Tab. 20.

picture29/

m

picture30/

?^^a %»

picture31/

^

i^

^£>

picture32/

.5 ^

Uh..V)!av KHr».-hhnl.lMuiHlirti

neu aufgetreten, welche von Linsen- bis über Erbseng^össe central wcissliche, erhabene Schüppchen zeigen, während der Rand hellrot sich darbietet. x einzelnen Stellen ist die centrale Schuppenauflagerung abgefallen und es besteht nur ein etwas über das Hautniveau erhabener, lividroter Plaque. Um eine solche bereits durch stlrkeren Zerfall in der Mitte eine am (irunde hämorrhagische Wund* zeigende Efflorescenz sind kleine miliare Papeln zu einem Haufen angeordnet. Die einzeln stehenden kleinen Knötchen sind nur an der Spitze weisslich verfärbt, ohne Desquamation. Überdies hie und da ,z. B. zu oberst im Bilde) Reste nach vorausgegangenem Syphilid in Form von in zarteste Fältchen gelegte Epidermis von leicht gelblichroter Farbe. In der Nabelgrube nach unten eine erodierte nä.ssendc Papel. Die Haut im ganzen schmutziggelbhch mit unregelmässigen lichter angeordneten Stellen als Residuen der vorausgegangenen Efflorescenzen. Papulae exulcerantes ad scrotum; Papula in mucosa et in labii infer. oris; tonsilla utr.

Therapie: (Gemischte Behandlung, Heilung.

M. E., Magd, 26 Jahre. Aufgenommen i, Oktober 1895,

Die Kranke ist durch Zufall zur Kenntnis ihres syphilitischen Leidens gekommen, indem sie als Inhaftierte vom Polizeiarzte auf ihr Leiden aufmerksam gemacht wurde. Sie selbst hat zwar gewusst, dass sich seit einem Jahre in ihrer Genitalregion, seit circa 5 Monaten auch an den unteren Extremitäten und am Halse verschiedene Efflorescenzen entwickeln, sie legte aber denselben keine Bedeutung bei und hat auch gegen das Leiden nichts angewendet. Sie hat nie geboren, ist regelmässig menstruierend und will den letzten Coitus vor mehr als einem Jahre ausgeübt haben.

St. pr.: In den beiden Genitocruralfurchen und am Rande beider grosser Schamlippen befinden sich wuchernde, zum Teil konfluierende Papeln, ebenso um den After herum. Am .Stamme sind zum Teil pigmentierte Reste eines papulo-serpiginösen Syphilides, zum Theil ein gross-maculösen figurierten Syphilid verbreitet. An den Unterschenkeln ist ein lichenoides, in Gruppen auftretendes Syphilid von bräunlich-gelber Farbe sichtbar. An der Innenfläche beider Oberschenkel befindet sich je ein elliptisches, orbiculäres Syphilid. Die kleinen lichenoiden Papeln mit kupferrotem Halo bilden den Rand, das Centrum ist braun mit einem Stiche ins Graue, die Epidermis daselbst zum Teile im Abschuppen. Nach oben zu sind die kleinen Papycln nicht mehr regelmässig aneinander gereiht, so dass der Rand der ganzen elliptoiden Form wie durchbrochen erscheint. Ausserdem waren alle Drlisengruppen geschwellt; Schleimhäute frei. Auf lokale Behandlung mit Sublimat und grauem Pflaster und 40 Einreibungen ist das Syphilid bis auf Pigmentreste geschwunden und wird die Kranke nach 65 tägiger Behandlung geheilt entlassen.

picture33/

Tab. 22/23. Gruppiertes papulöses Syphilid.

Aufgenommen am 23. Juni 1896.

A. M., 36 Jahre alt, will vor 4 Monaten zuerst einen Ausbruch von Knötchen an den Armen beobachtet haben, diese zerfielen und bildeten seichte Geschwüre, welche vor 6 Wochen abgetrocknet sind. An der Haargrenze im linken Nacken soll die Gruppe erst 6 Wochen bestehen, ebensolange bestehen die Efflorescenzen im linken Augen-brauenbogen.

St. pr.: In dem inneren Anteil des rechten Augenbrauenbogens (Tab. 22) befindet sich eine Gruppe von derben, glänzenden, erbsengrossen und mehreren kleineren, linsengrossen Papeln; in der Mitte zwischen den grösseren eine derbe, randständig infiltrierte Narbe.

Im Nacken (Tab. 23) und zwischen der Haargrenze links ist eine Gruppe von ins Kupferrote spielenden, zum grössten Teile konfluierenden Knötchen, welche auf infiltrierter Basis stehen. Central schuppende Narben, anreihend an die mit Schuppen zum Teil bedeckten, wie in Falten gelegte Infiltrate und peripher am Rande deutlich isoliert stehende Überlinsengrosse Knötchen. Unterhalb dieser Gruppe befindet sich eine zweite mit einer centralen Delle aus einem vereiterten Infiltrate, peripher die Delle umgeben von einem infiltrierten schuppenden Rande, in dessen Umgebung blasse, frische Knötchen auftreten. Ein drittes mit keloider Beschaffenheit, aber in der Mitte deprimiertes, an den Rändern aufgeworfenes Infiltrat, jenem im Centrum der Papeln gleich. Ahnliche solche befinden sich noch an den Extremitäten.

An den Genitalien, und zwar in der Glutealfalte, in der Fortsetzung der rechten grossen Schamlippe, eine Gruppe von stecknadelkopfgrossen, zum Teil nicht erodierten Knötchen. So wie die abgebildeten Gruppen finden sich über den ganzen Körper zerstreut mehr oder weniger

Tab. 22.

picture34/

zahlreiche papulöse Efflorescenzen, zum Teil mit der dellenförmigen centralen Narbe, zum Theil bloss blasse, stecknadelkopfgrosse, linsen- bis erbsengrosse Knoten, welche in der Haut sitzen. Dort, wo die Infiltrate konfluieren, ist die ganze Haut in eine infiltrierte Platte umgewandelt. Die dellenförmigen Narben sind derbe, mit aufgeworfenen, glänzenden, an ein Keloid mahnenden Rändern. Die Drüsengruppen zwar klein, aber hart zu tasten. Patientin mager, nicht anämisch. Selbe war 7 mal gravid; I, reifes Kind, die übrigen VI waren Frühgeburten im 3. oder 4. Monat; seit ca. 4 Jahren regelmässig menstruierend. Patientin war immer gesund, stammt aus einer gesunden Familie und hat keine Kenntnis von ihrem Leiden.

Tab. 23.

picture35/

0

picture36/

/^

Tab. 24 u. 24 a. Leukopathia colli. (Papulae ad

genit.)

A. B., 18 Jahre alt, Magd, war früher nie venerisch krank. ? Anfang Dezember 1895 erkrankte sie mit Brennen beim Urinieren und Bildung mehrerer ?Pusteln an der Aussenfläche der grossen Labien, welche nach mehreren Tagen aufbrachen und wieder zuheilten. Zu gleicher Zeit schmerzhafte Schwellung der rechten Inguinaldrüsen durch mehrere Wochen, die auf Bettruhe und Überschläge zurückging. ? Februar 1896 Schmerzen im Halse mit Unmöglichkeit, feste Speisen zu schlucken durch mehr als 14 Tage. Auf Alaungurgelungen Besserung. Wenige Tage darauf entstand ein rotfleckiges Exanthem am Halse, beiden tllbogenbeugen und beiden Unterschenkeln. ? Seit Knde März sind die Flecken braun. ? Am 23. Mai 1896 begab sie sich in Spitalspflege; bis dahin war nie ein Arzt consultiert worden. ? Letzter Coitus vor 6 Monaten, letzte Menses 29. April. Kein Partus, kein Abortus.

St. pr.: Papulae erosae, Oedem derselben an den grossen und kleinen Schamlippen, besonders des rechteri grossen und kleinen; inguinale Lymphdrüsen beiderseits stark ver-grössert, ad anum eine verheilte Papel. An den unteren Extremitäten ein im Rückgang begriffenes specifisches Exanthem, sehr exquisite Leukopathia colli, beide Tonsillen vergrössert, geschwUrig zerfallen Heilung nach 20 Einreibungen. Schwarze Tafel [Tab. 24 a): Vorderansicht; derselbe Fall.

Tab. 24.

^-f

l.uh.l.> V ^ tvhl.l^vl Mviii..«-!

Tab. 24 a.

picture37/

Tab. 25. Papulae planae nitentes frontis et faciei.

N. M., 26 Jahre alt, Lokomotivführer.

Aufgenommen am 5. Oktober 1896.

Die leicht unregelmässig gerötete Stirnhaut trägt einige papulöse Efflorescenzen, welche kaum über das Niveau der Haut hervorragen. Die schmale Randpartie derselben saturiert gerötet. Von da ab gegen die Mitte der Papeln ist die Epidermis mattglänzend, gespannt, im Centrum bräunlich verfärbt. Ähnliche Efflorescenzen, jedoch weniger regelmässig, an den Nasenflügeln und am Kinn.

Sonstige Erscheinungen: maculo-papulöses Syphilid am Stamme, nässende Papeln am Scrotum und an der Haut des Penis; am Präputium eine vernarbte Sklerose.

picture38/

Tab. 26. Alopecia areolaris syphilitica.

S. H., 25 Jahre, Bindergehilfe.

Aufgenommen 13. April 1896.

Im November 1895 erkrankte Patient an einem Geschwür, im Dezember 1895 war er mit einem Ausschlage in SpitalNbehandlung. Die jetzigen Erscheinungen sollen sich seit 3 Wochen entwickelt haben.

St. pr.: An der Stirne und den behaarten Kopfteilen sind zahlreiche Pusteln zum Teile noch mit Borken bedeckt, zum Teile aber schon abgetrocknet und abgeschuppt. An letzteren btellen fehlen die Haare vollständig, die Basis ist glänzend, narbig, die Haarfolikel nicht sichtbar. Der sonst gut behaarte Kopf zeigt ausser den erwähnten haarlosen Stellen auch noch ziemlich schütteres Haar, nament* lieh am Haarwirbel. Am übrigen Körper sind überdies ein gross-maculöses Syphilid am Stamme, erodierte Papeln um den After und an den Genitalien und allgemeine Drüsenschwellungen vorhanden. Es traten noch Nachschübe von papulo-pustul. Efflorescenzen am behaarten Kopfe auf, so dass dieser Körperteil als am meisten von syphilitischen Efflorescenzen betroffen, angesehen werden muss.

Unter Anwendung von weisser Präcipitatsalbe für den Kopf und 20 Einreibungen a $ gr Heilung.

Tab 26a. Papulae part. capill. capt.

T. A., 33 Jahre alt, Markthelfer.

Behandlungsdauer: 26. Mai bis 25. Juni 1897.

Patient litt bisher an keiner Geschlechtskrankheit. Sein gegenwärtiges Leiden bemerkt er seit 14 Tagen. Letzter Coitus vor 4 Wochen.

St. pr.: Exulcerierte Papeln an der Unterseite des Penis und am Scrotum. Inguinale Lymphdrüsen multipel geschwellt. Papulae elevatae ad anum. Maculo-papulÖses Syphilid am Stamme und an den Extremitäten. Exanthema papulatum pustulis intermixtum cum defectu areolari capillorum. Cervicale und axillare Drüsen geschwellt. Psoriasis palmaris et plantaris. Mund- und Kachenschleimhaut frei.

Therapie: Weisse Präcipitatsalbe. Labarraque. Mundpflege. Inunk-tionskur. Heilung nach 25 Einreibungen.

Tab. 26.

picture39/

jtl;.lM V y Wv^i^iaid^^{vuihn

Tab. 26 a.

picture40/

Tab. 26 a.

picture41/

Tab. 26 a.

picture42/

Tab. 26 a.

picture43/

Tab. 26 a.

picture44/

Tab. 26 a.

picture45/

Tab. 27. Pustulae min. faciei.

E. H., 28 Jahre, Stallbursche.

Aufgenommen am 15. Februar 1896.

Seit 5 Wochen ein Geschwür am Krenulum. In der letzten Woche Anschwellung und Vereiterung der rechtsseitigen Ingninaldrtisen. Inzwischen entwickelte sich an der Basis des Geschwtlres eine typische Induration und am Stamme ein spärliches papulöses Sy;i^ilid, Während der nunmehr eingeleiteten Inunktionskur wurde das Exanthem deutlicher und breitete sich über Rücken, Hals und Gesicht aus. Letztere Efflorescenzen, Stecknadelkopf- bis über erbsengross, stellen derbe Knötchen, mit bräunlich-rotem bis kupferrotem Halo dar. In der Mitte derselben sitzt ein Homkegtl, der nur lose haftet. Hebt man denselben ab, so kommt darunter das mit neugebildeter glänzender Epidermis bedeckte Knötchen zum Vorschein. Einzelne der beschriebenen Knötchen stehen bereits in Gruppen beisammen.

Heilung nach 25 Einreibungen.

Tab. 27.

picture46/

lilifen.lferthoM.»

Tab. 28 a.

picture47/

Tab. 28 u. 2Sa u. b. Syphilis pustulosa.

P. J., Kellner, 33 Jahre alt.

Aufgenommen i. Dezember 1895.

Patient ist zum ersten Mal krank, hat den letzten Beischlaf vor 2 Monaten ausgeführt und bemerkt einen Ausschlag seit 3 Wochen. In der Kindheit hat er öfters an Halsschmerzen gelitten.

^t. pr.: Beide Mandeln vergrössert und zerkltiftet. Die linke mit einem rhagadenartigen Geschwür, an dessen Oberfläche nekrotische Clewebsreste anhaften. Die ünterkieferdrüsen taubeneigross, die mittleren Halsdrüsen bis Haselnussgrösse. Die Axillardrüsen sind ebenfalls gross, dagegen die Cubital-und Leistendrüsen kaum vergrössert. Am Stamme befindet sich ein ausgebreitetes maculöses Syphilid. Im Epigastrium kleine lichenoide Papeln, die bereits gelblich verfärbt sind. An der Streckseite der oberen Extremitäten, hie und da vorne am Thorax und auch am Rücken zahlreiche, schon 4m Abschuppen begriffene Papeln und Pusteln. Am Kücken, in der Kreuzbeingegend, hauptsächlich an den unteren Extremitäten aber sind die Pusteln zahlreicher und grösser, so dass über den Knöcheln der Unterschenkel konfluierende, mit Krusten bedeckte Ekthyma-ähnliche Pusteln vorhanden sind. Die oberen sind in der Peripherie leicht kupferfarbig, an den unteren Extremitäten aber livid und kupferrot verfärbt.

Am behaarten Kopfteil und an den Palmae ebenfalls * papulöse Efflorescenzen. An den Unterschenkeln war um

die acneartigen Pusteln eine ausgebreitete fast konfluierende Entzündung zu konstatieren. Die Epidermis war an den älter betrofienen .Stellen mit flachen, breiten Borken bedeckt und an den konfluierenden Stellen schilferten sich dieselben in breiten Fetzen ab, indem sie über der geröteten Überlage falterig abgehoben war, später grössere Risse bekam und nun abgelöst wurde. Darunter erschien eine neue, el)enfalls entzündete Epidermis.

Der Kranke wurde mit subcutanen Sublimatinjektionen behandelt und nach 5 Wochen geheilt entlassen.

Farbige Tafel: Teil der am liriken Unterschenkel in der schwarzen Tafel (Tab. 28 a u. b) ersichtlichen Ekthynia-Pusteln.

Tab. 28.

?

?«k

picture48/

?

m

4i»

-» t

^..

%m^

#

«

» ^

Tab. 28 b.

picture49/

Fig. 29 u. 29a. Wuchernde Geschwüre (Framboesia) aus Pusteln an beiden Waden.

K. E., 18 Jahre alt Aufgenommen 31. Februar 1896.

Patientin stand im vorigen Jahre mit Blennorrhoea urethrae, vaginae et canalis cervicis hier in Behandlung. Kurze Zeit nach ihrem Spitalsaustritte acquirierte sie eine Sklerose an der linken kleinen Schamlippe, stand durch 6 Wochen in Behandlung und wurde am 10. Februar 1896, nachdem alle specifischen Erscheinungen, bis auf allgemeine DrUsenschwellung, geschwunden waren, entlassen. Bis vor 8 Tagen war Patientin angeblich vollständig gesund. An diesem Tage spürte sie an beiden unteren Extremitäten heftiges Jucken; sie kratzte, worauf Eiterbläschen entstanden sein sollen, die sich weiterhin in Geschwüre umwandelten.

St. pr.: Am rechten Unterschenkel, unterhalb der Wade ein thaler-grosser, aus mehreren kleineren zusammengesetzter Knoten, dessen Centrum eine von einer Kruste bedeckte, speckige Wunde darstellt, während sich seine Peripherie aus 7 bohnengrossen, isolierten, 2 bis 3 mm über das Niveau der Haut erhabenen Knoten bestehend erweist. Die einzelnen Knoten sind an ihrer Oberfläche durchfurcht und an diesen Stellen zumeist der Epidermis beraubt, stellenweise Rhagaden darstellend, während sie an den übrigen Teilen mit leicht angetrockneter Epidermis bedeckt sind. Der Rand des ganzen Knotens ist leicht livid gerötet und, wie alle Teile des Knotens selbst, auf Druck empfindlich. Oberhalb des grossen Knotens befindet sich eine frische Pustel. Eine ähnliche Affektion wie am rechten, befindet sich auch, nur noch ausgebreiteter, am linken Unterschenkel (vide Tafel 29a). Die inguinalen Drüsen typisch geschwellt, nicht schmerzhaft. Die axillaren und cervicalen Drüsen ebenfalls vergrössert. Genitale schlaff. Blennorrhoea urethrae et vaginae. Patientin klagt, dass die Wucherungen an den Unterschenkeln, besonders nachts, schmerzen. Therapie: Inunktionskur. Bürow-Umschläge.

Tab. 29.

picture50/

I.lltLVl«lvtR,K-hh?|,| )i,,?^^^

Tab» 30, Psoriasis syphilitica plantaris.

R. Rm 24 Jahre, Kassierin. Aufgenommen 18. Juni 1896.

Erste Erkrankung. Ausschlag angeblich seit 5 Tagen aufgetreten. Über eine etwa sonst bestehende Erkrankung, beziehungsweise deren Dauer, weiss Patientin nichts anzugeben.

St. pr.: An beiden Fusssohlen, namentlich in der Höhlung der Plantae sind zahlreiche Papeln in Ausbildung begriflFen, welche Stecknadel- bis erbsengross sind. Ihre eigentümlich braunrote Verfärbung sowie das derbere Anfühlen charakterisieren das Verhornen der dickeren Plantar-epidermis. An den grossen Labien beiderseits, am Damme, am After zahlreiche follicuUire Papeln. Universelle Lymphdrttsenschwellung. Blasses papulöses Syphilid am Stamme. Therapie: lokal Labarraque; Mundpflege; Bäder; Inunktionen ^ 5 gr ^S- hydrargyr.

Decursus: Nach 20 Inunktionen sind sämtliche specifischen Erscheinungen geschwunden. Patientin wird am 11. Juli geheilt entlassen.

Tab. 30.

picture51/

?1 Vi.» - h

Tab. 31a. Papulae erosae inter digitos pedis,

T. J., 20 Jahre alt, Magd.

Aufgenommen 25. November 1896.

Patientin gibt an, das erstemal krank zu sein und ihre Genital-affektion erst vor 5 Wochen bemerkt zu haben.

St. pr.: An den Berührungsflächen der dritten, vierten und fünften Zehe macerierte, konfluierende flache Papeln von ungleich tiefem Zerfall des Infiltrates. Die betreffenden Zehen im Zustande einer entzündlichen Schwellung. An beiden Fusssohlen Papeln mit verhornter Epidermis (Psoriasis). Erhabene, zum Teil konfluierende Papeln am Rande der grossen Labien und um den After. Figuriertes maculöses Syphilid am Stamme. Inguinale und Halslymphdrlisen vergrössert. Beide Tonsillen vergrössert und so wie die sie unigebenden Arcus palatoglossi gerötet und mit erodierten Papeln besetzt.

Therapie: Sublimatfussbäder. Einlage von 5^/0 weisser Präcipitat-salbe. Bäder. Mundpflege. Inunktionskur. Heilung nach 30 Tagen.

Tab. 3 1 b. Papulae et Rhagades inter digitos pedis.

P. B., 27 Jahre alt, verheiratete Taglöhnerin.

Aufgenommen 19. November 1895.

Die jetzige Erkrankung will Patientin vor 3* Monaten bemerkt haben. Damals wurde von ihr zwischen der 4. und 5. Zehe eine nässende Stelle wahrgenommen, welche Patientin für ein Hühnerauge hielt. Allmählich traten die übrigen Geschwüre hinzu. Es bildeten sich grosse Substanzverluste, welche schonseit i Monat das Auftreten sehr schmerzhaft, ja fast unmöglich machen. Die Entzündung in der

Tab 31.

picture52/

a

picture53/

l-t! /.^-^v ^ W^hA \r

Peripherie dieser Geschwüre nahm in den letzten 3 Wochen zu, die

Geschwüre selbst wurden rissartig vertieft.

St. pr.: Zerfallende Papeln zwischen der i. und 2. Zehe mit speckigem Belag, grösserem Zerfall und hämorrhagischem Schorf in der Tiefe. Zwischen der 4. und 5. Zehe ebenfalls zerfallende Papeln mit Anschwellung der betreffenden Zehen. Der ganze Vorfuss ebenfalls in entzündlicher Schwellung. Konfluierende Papeln an den ödematösen grossen Schamlippen, einzeln stehende erodierte an den kleinen Schamlippen und um den After. Therapie: Labarraque (Zehen, Genitale). Bäder. Weisse Präcipitat-

salbe (Zehen). Inunktionskur. Heilung nach 27tägiger Behandlung.

Tab. 32. Paronychia syphilitica digit. man. utr.

B. Jm 50 Jahre alt, Hilfsarbeiter.

Aufgenommen am 5. Oktober 1896.

Patient ist seit 21 Monaten syphilitisch krank und war bereits vor I Jahre Gegenstand einer Spitalsbehandlung. Die jetzige Erkrankung begann vor i Monat,

St. pr.: Daumen, Zei^^e- und Mittelfinger der rechten Hand, Zeige-, Mittel- und Ringfinger der linken Hand und grosse Zehe des linken Fusses in verschiedenem Grade erkrankt: Die weniger beteiligten Glieder zeigen nur geringe Rötung und Schwellung der Endphalange und leichte Ulceration um den Nagelfalz; die stärker beteiligten, wie z. B. der Zeigefinger der rechten und der Mittel und Ringfinger der linken Hand sind stark gerötet, die Endphalange, namentlich der Nagelfalz bis zur Fingerbeere geschwollen ; die Nägel rollen sich ein, sind von ihrer Matrix abgehoben. Letztere ist an ihrem Saum und unter dem Nagel in ein granulierendes, eitrig secernierendes Geschwür umgewandelt. Papeln auf der Mundschleimhaut, Papeln um den After herum, am Scrotum und an beiden Vorderarmen. Patient klagt Über beständiges Brennen in den erkrankten Fingerspitzen, welche er ängstlich hütet, um nicht mit denselben anzustossen.

Therapie: Sublimathandbäder. Inunktionskur. Heilung nach 25 Einreibungen. Die Nägel sind braunschwarz verfärbt, spröde, eingerollt.

picture54/

^

fe

Tab. 33. Papulae luxuriantes erosae diphtheriticae.

J. M., 27 Jahre alt, Kutscher.

Aufgenommen am 12. Juni 1897.

Patient war nie zuvor venerisch krank. Sein gegenwärtiges Leiden bemerkt er seit 4 Wochen. Letzter Coitus vor 3 Monaten.

St. pr.: Auf der Eichel, am Rande und inneren Blatte des Präputiums, auf der Haut des Penis und am Scrotum diph-theritische Papeln. Wuchernde Papeln auf dem Mittelfleische, auf beiden Oberschenkeln und auf dem Gesässe. Schuppende Papeln auf beiden Handtellern und Fuss-sohlen. Elevierte, livid verfärbte, mit Krusten bedeckte Papeln auf der Bauchhaut. Inguinale, axillare, cubitale Drüsen geschwellt.

Heilung nach 10 Einreibungen und 10 Sublimatinjektionen (i^/o).

picture55/

Tab. 34. Papulae luxuriantes.

T. A., 17 Jahre alt, Magd. Aufgenommen am 2. Juli 1897.

Erste venerische Erkrankung. Patientin bemerkt die Affektion an ihrem Genitale seit 2 Wochen. (?) Letzter Coitus vor 3 Wochen.

St. pr.: Am Rande der grossen Labien, auf dem Mittelfieische

und um den After wuchernde und elevierte Papeln, von

denen einige central nekrotischen Zerfall und speckigen

Belag aufweisen.

Inguinaldrtisen beiderseits geschwellt, hart. Portio

vaginalis nach links gewendet, unverletzt. Heilung nach 20 Einreibungen.

Tab. 34

picture56/

i V s- r h>),-,!M-(i Mni-r;

Tab. 35. Papulae luxuriantes in labiis maioribus, in plica genito-crurali, perineo usque ad anum.

S. M., 24 Jahre alt, Näherin.

Aufgenommen am 15. Mai 1896.

An den Rändern der grossen 5>chamlippen und an den Analfalten wuchernde, rasch wachsende, entztlndliche Papehi. Ähnliche, jedoch kleinere, um den After und an den inneren Schenkelflächen. Obzwar alle diese Wucherungen feucht sind, sieht man doch nur an einzelnen einen grösseren Zerfall mit eitriger Schmelzung, sodass diese Form mehr durch entzündlichen Charakter und rasches Wachstum ausgezeichnet ist.

Patientin leidet überdies an einem Fluor und ist nebst der Inguinaldrtlsenschwellung mit einer Schleimhautafifektion am Isthmus fauc. behaftet.

Therapie: Labarraque. ? Inunktionskur.

Tab 85.

picture57/

lih.ii>iv ^ h-MMund Mm« Ml

(

Tab. 36. Papulae luxuriantes in labiis maioribus, in perineo et circa anum.

G. A., 20 Jahre.

Aufgenommen am 19. Dezember 1896.

Angeblich seit 14 Tagen krank.

St pr.: Elevierte, zum Teil einzeln stehende, zum Teil konfluierende und oberflächliche erodierte papulöse Efflorescenzen an beiden grossen Schamlippen, welche sich nach abwärts über das Perineum bis gegen den After hinziehen. Die Wucherungen sind stellenweise bis */2 cm über das Niveau der Haut erhaben, von dichter, doch elastischer Konsistenz. Leistendrüsen bedeutend, Drüsen des übrigen Körpers massig vergrössert. Leukopathia colli.

Heilung unter lokaler Applikation von Labarraque und Inunktions-kur (20 Einreibungen).

Tab. 3f).

picture58/

anum.

J. Tm 22 Jahre alt, Arbeiter. Auft,enommen am 18. Juli 1897.

Patient stand bereits zweimal wegen Papeln am Genitale in Behandlung und gebrauchte im ganzen 37 Einreibungen. Die gegenwärtige Erkrankung bemerkt er seit 3 Wochen. Letzter Coitus angeblich im September 1896.

St. pr.: Zahlreiche livid verfärbte, infiltrierte Afterfalten. Anschliessend an diese nussgrosse, derbe, unregelmässig gefaltete, ziemlich trockene syphilitische Wucherungen. In der Analfalte und am Gesässe kleinere, im Niveau der Haut befindliche, nässende Papeln.

Ausserdem zeigt der sehr verwahrloste Kranke ein spät-maculöses Syphilid, allgemeine Drüsenschwellungen und eine SchleimhautafTektion des Rachens. Heilung nach 30 Einreibungen.

Tab. :57.

picture59/

Tab. 38. Papulae annulares inveteratae in centro iam regressae.

T. R., 17 Jahre ah, Bedienerin.

Aufgenommen am 29. Juli 1897.

Patientin gibt an, bereits vor einem Jahr mit einer Genitalerkrankung, welche sie nicht näher zu bezeichnen vermag, in Spitalsbehandlung gestanden zu sein. Ihre jetzige Erkrankung soll seit 2 Monaten bestehen.

St. pr.: Die grossen Labien und die Fortsetzung derselben bis zum After, beide Genitocruralgegenden dicht besetzt mit teils einzeln stehenden, teils konfluierenden papulösen Efflorescenzen. An einzelnen Stellen sind dieselben durch Abheilung im Centrum zu elevierten über Zweipfennigstück-grocsen Ringen geworden, deren centraler Teil eine tief dunkel braunschwarze Pigmentierung aufweist; oder der innere Rand einer solchen ringförmigen Efflorescenz ist oberflächlich geschwürig zerfallen, während das Centrum eine weisslichgraue Übernarbung zeigt. Inguinaldrüsen geschwellt. An der Vorderseite der Unterschenkel eine massig grosse Zahl flacher, erbsengrosser Pigmentflecke, ebenso ad nates und auf der Haut des Rückens. ? In der Regio supraclavicularis dextra eine etwa thalergrosse, annähernd rundliche, grösstenteils blassbräunlich pigmentierte Stelle, welche nur in ihren Randpartien da und dort noch geringe papulöse Elevationen aufweist. ? Cervicale Drüsen massig geschwellt. ? Leukopathia colli. ? Mund-Rachenschleimhaut frei.

Therapie: Mundpflege. ? Bäder. ? Inunktionskur. Nach 25 Einreibungen sieht man an Stelle der ringförmig angeordneten Papeln flache dunkelbraunrote, in ihrer Anordnung den bestandenen specifischen Efflorescenzen entsprechende Pigmentflecke. Inguinaldrüsen geschrumpft.

OD CC

picture60/

Tab. 39. Papulae diphtheriticae in mucosa portionis vaginalis et vaginae.

M. A., 50 Jahre alt, Taglöhnerin.

Die Portio vaginalis nach mehrfachen vorausgegangenen Entbindungen zerklüftet und narbig eingezogen. An der Vorderlippc zwei, an der Ilinterlippe ein und an der hinteren Vaginalwand mehrere speckig belegte, zum Teil schon konfluierende, mit entzündlicher Umgebung versehene Geschwüre. ? Die Kranke hat von den Geschwüren in der Vagina und an der Portio vaginalis keine Kenntnis.

An den Schamlippen einzeln stehende nässende Papeln, ebensolche in beiden Leistengegenden, am Perineum und an beiden inneren Schenkel-flachen. Am Stamme und am Nacken ein pustulöses, mit Papeln untermischtes Syphilid. Inguinale sowie allgemeine Drüsenschwellung.

Die Kranke ist nicht mehr menstruierend und gibt an, seit 14 Tagen nebst Ausfluss die «Geschwüre» beobachtet zu haben. Sie hat 7 Geburten Überstanden; die letzte vor 18 Jahren.

Patientin wurde lokal an den Genitalien mit Sublimat, allgemein mit 9 Einreibungen und 20 Injektionen behandelt. Nach 87tägiger Behandlung wurde sie geheilt entlassen.

Der Fall stammt aus der Zeit der Assistententhätigkeit des Autors an der Klinik Siegmund (1^79/80).

Tab. 39.

picture61/

Tab. 40. Papulae diphth. in mucosa lab. sup. or. et in bucc. sin.

T. A., 33 Jahre alt, Gärber.

Aufgenommen am 12. November 1896.

Patient stand bereits vor einem Jahre wegen S)rphilis in Behandlung. Die (ieschwtire am Scrotum und im Munde traten vor 4 Wochen auf.

St. pr.: An der Schleimhaut der Oberlippe und der Wange in der Nähe des linken Mundwinkels, femer an den Mandeln befinden sich mehrere mit speckigem Belag versehene, im Centrum durch Zerfall bereits vertiefte Papeln. Reste nach Papeln an den Handtellern. Involvierte, kreisförmige Papeln am Penis, Scrotum und um den After. Im Rückgang begriffene, bräunlich pigmentierte Papeln am Stamme und an den Extremitäten. Allgemeine Drüsen Schwellung.

Therapie: Sublimat-Mundwasser. ? Labarraque. ? Inunktionskur. Heilung nach 25 Einreibungen.

Tab. 40.

picture62/

?> t»..-,M.i M

Tab. 41a. Infiltratio superficialiter necrotica mucosae et submucosae labii superioris oris.

K. T., 70 Jahre alt, Gasarbeiter.

Aufgenommen am 11. August 1896.

Patient bemerkte die Geschwulst an der Oberlippe zum erstenmale im Mai vorigen Jahres. Früher will er nie krank gewesen sein. Luetische Infektion nicht zugegeben.

St. pr.: Auf der Oberlippe, und zwar in der Mitte derselben eine etwa ZweimarkstUckgrosse elliptische, in ihrer Längsachse dem Verlaufe der Oberlippe entsprechende Infiltration von knorpelharter Konsistenz. Im linken äusseren Anteile derselben eine etwa 5 mm breite, V^ c^ lange Rhagade. Die submaxillaren Drüsen beiderseits palpabel, die prä-auricularen Drüsen nicht zu tasten. Die Lymphdrüsen an sonstigen Körperstellen wenig beteiligt.

Therapie: Inunktionskur. Heilung nach 20 Einreibungen.

Tab. 41b. Papulae exulceratae et Leukoplakia incipiens linguae.

P. P., 49 Jahre alt, ambulatorisch behandelt.

Patientin gibt an, vor 4 Jahren zum erstenmale das Entstehen von feuerroten, isoliert stehenden Knötchen an der Zunge bemerkt zu haben. Auf verschiedene Behandlungen, darunter mehrfaches Touchieren mit Lapis schwanden diese Efflorescenzen für einige Zeit, um abermals zum Ausbruche zu kommen, so vor einem Jahre. Damals gebrauchte die Kranke 20 Einreibungen, worauf die Erscheinungen sistierten. Vor zwei Monaten entwickelten sich abermals Knötchen und weissliche, konfluierende Substanzverluste an der Zunge.

Tab. 41.

picture63/

picture64/

St. pr.: ZuDge nicht erheblich geschwellt, in ihrem hinteren Anteile die Papillen erhalten, die vordere Hälfte glatt, zumeist mit weisslichem, getrübtem Epithelbelag versehen. Quer über die Zunge zieht ein speckig belegtes, leicht erhabenes Geschwür, welches an beiden Zungenrändern sich verbreitet. Die Zungenspitze links ist gleichfalls Sitz eines erbsengrossen, speckig belegten Geschwüres. Die Geschwüre sind leicht erhaben und von einem scharfen und geröteten Rande umgeben.

Die Submaxillardrüsen alle hart anzufühlen, massig vergrössert.

Schmerzen beim Kauakte. Nach achttägiger Behandlung vernarbte das quergespannte Geschwür von der Mitte aus, um sich in eine wei^sliche epitheliale Verdickung umzuwandeln.

Tab. 42 a. Papulae elevatae confluentes in palato

duro.

R. S., 21 Jahre alt, Prostituierte.

Aufgenommen am 16. November 1896.

Die Kranke ist seit ihren ersten Erkrankung im Jahre 1893 zum neuntenmale wegen Syphilis in Spitalbehandlung. Die meisten Reci-diven betrafen die papulöse Erruption an den Genitalien. Die jetzige Erkrankung beobachte Patientin erst seit 14 Tagen. Am harten (jaumen median in der Excavation hinter den Schneidezähnen beginnend erstreckt sich bis zum weichen Gaumen eine konfluierende Gruppe von brombeerartigen Wucherungen, welche derbelastisch sind, lichter glänzen als die leicht entzündliche Schleimhaut des Gaumens ihrer Umgebung. Der Rand des weichen Gaumens und der Uvula leicht verdickt und unregelmässig verzogen aus einer vorausgegangenen Erkrankung, welche jetzt noch durch ein Infiltrat am Rande des weichen Gaumens und der Uvula gekennzeichnet ist. Hei der Phonation bewegt sich das Gaumensegel nur sehr träge und in unregelmässigen Schwingungen. Als Begleiterscheinungen dieser Munderkrankung sind ferner flache, glänzende, bohnengrosse Papeln an den grossen Schamlippen und typische allgemeine Drüsenschwellung vorhanden.

Therapie: Inunktionskur. Unter derselben involvieren sich die specifischen Infiltrate, die Wucherungen am harten (>aumen flachen sich ab, die Beweglichkeit des Gaumensegels wird nahezu normal.

Tab. 42b. Leukoplakia (Psoriasis) linguae.

C Jm 49 Jahre alt, wegen Emphysema et Catarrh pulm. auf Nr. 12 in Behandlung.

Patient hat verschiedene Krankheiten überstanden. Im Jahre 1872 oder 1873 hat er einen harten Chanker acquiriert, welchem dann Ausschläge auf der Haut und Wunden im Munde gefolgt sind. Mit Aus-

Tab. 42.

picture65/

picture66/

nähme von lokalen Behandlungen und Flussbädern hat Patient gegen sein I-^iden keine Mittel gebraucht.

Lapistouchimngen, Gurgelwässer, Präcipitatsalben waren sonst seine einzigen Mittel, die er angewendet hat.

Patient war starker Raucher, sowohl Cigarren als Pfeife pflegte er als Lastzugsbegleiter Tag und Nacht zu rauchen.

Im Jahre 1891 bemerkte er das erste Mal das Auftreten von wcisslichen Blasen an der Zunge, welche er mit einer Nadel aufgestochen hat, wobei Blut hervorgetreten ist.

Den jetzigen Zustand der Zunge will Patient seit 1^/2 Jahren bereits beobachtet haben. Patient ist mager, aber nicht kachektisch. St. pr.: Die Zunge ist nicht merklich grösser, doch vermag der Kranke dieselbe nur schwer und in geringem Masse hervorzustrecken. Die Oberfläche derselben erscheint weiss, massig verdickt und durch seichte Furchen in unregelmässige Felder geteilt. Die Furchen sind nicht narbige Einziehungen, sondern scheinen den seit jeher bestandenen Falten der Zunge zu entsprechen. Dafür erscheinen die Felder durch die Verdickungen des Epithels und die diesen vorausgegangenen leichten Entzündungen (welche Patient als Blasenbildung bezeichnete) mehr erhaben. Die Zunge fühlt sich nicht hart an und verursacht in dem jetzigen Zustande dem Kranken keine Schmerzen. Feinere Tastempfindung ist verloren gegangen.

Beim Kauen von scharfen Speisen oder spitzen Semmelstücken entstehen leicht Risse, welche jedoch in einigen Tagen von selbst heilen. Das Epithel der Wangenschleimhaut ist den Zahn reihen entsprechend auch getrübt, jedoch nicht so verdickt wie an der Zunge. Drüsen submaxill nicht geschwellt. Sy])hiliserscheinungen nicht nachweisbar.

Tab. 43a. Iritis condylomatosa.

L. P., 23 Jahre alt, Hausknecht. Aufgenommen am 30. November 1896.

Patient will seit fünf Tagen mit Schmerzen in der rechten Schlafengegend, reissenden Schmerzen im. rechten Auge erkrankt sein. Die Lider des erkrankten Auges waren verklebt, Thränensecretion reichlich. Lues negiert.

St. pr.: Ciliarinjektion am rechten Auge ; Cornea, Kammerwasser rein, Pupille auf Atropin nierenförmig erweitert, da nach aussen unten eine spitze Synechie vorhanden ist. Am unteren Pole des äusseren Quadranten ragt eine rötlich gefärbte, tiber hirsekorngrosse Geschwulst in die Pupille vor. Eine livide, pigmentierte, ins Kupferfarbige spielende, etwa bohnengrosse, massig infiltrierte Narbe an der Raphe des Penis, in der Mitte der Pars pendula. Inguinale, axillare, cervicale Drüsen multipel und indolent geschwellt. Ein kleinpustulöses Syphilid in universeller Ausbreitung am Stamme.

Handteller, Fusssohlen, Schleimhaut der Mundhöhle frei. Subconjunctivale Sublimatinjektionen. ? Inunktionskur. ? Heilung.

Tab. 43b. Tarsitis gummosa ocuH sinistri. Trachom.

K. n., 24 Jahre alt.

Aufgenommen am 14. November 1895.

Patientin leidet seit mehreren Jahren an Trachom. Vor 3 Jahren acquirierte sie Syphilis, bekam ein Exanthem am ganzen Körper und machte deshalb eine Inunktionskur durch. Seit einer Woche fühlt Patientin eine Geschwulst unter dem linken oberen Augenlide

Tab. 43.

picture67/

#

picture68/

Lith.V.^lv H»-K-IJK>l.i Muirtr.i

(

St. pr.: Patientin bloss, zart gebaut» Lymphdrüsen allenthalben vergrössert. Nacken und Hals Sitz einer typischen Leu-kopathie. Beide Mandeln vergrössert, zerklüftet. Befund am linken Auge: Conjunctiva des unteren Lides zeigt verschiedene von Trachom herrührende Veränderungen. Bei Betastung des oberen Augenliedes von aussen lässt sich eine mandelgrosse Geschwulst durchfühlen. Conjunctiva tarsi sammtartig, dicht injiciert. Die Conjunctiva des convexen Randes des Tarsus und des Cbergangs-teiles bilden einen sulzigen Wulst, der nach innen zu in die leicht infiltrierte halbmondförmige Falte übergeht. In der Mitte dieses Wulstes befindet sich ein seichter circa Pfenniggrosser Substanzverlust, dessen Grund grauweiss, speckig belegt und dessen Rand ziemlich hart anzufühlen ist.

Therapie : Inunctionskur. ? Kalium jodatum innerlich. Heilung «ach 30 Einreibungen.

Tab. 44 a.

picture69/

picture70/

»o

oe

picture71/

Tab. 46,46a u. 47. Ulcera gummatosa lab. major um, commiss. post, lab. min. d. et vaginae.

W. A., 26 Jahre alt, Magd.

Aufgenommen am 15. Juni 1896.

Sie ist seit dem Jahre 1890 syphilitisch krank und angeblich das drittemal in Spitalbehandlung; die erste Erkrankung im Jahre 1890, die zweite Ende des Jahres 1892. Damals war die Kranke mit schwerem pustulösen Exanthem in Behandlung. Die jetzige Erkrankung datiert erst seit wenigen Wochen, so dass die Kranke 4/« Jahre ohne merkliche Erscheinungen von Syphilis verblieb.

Beide grossen Labien, die Clitoris und auch die kleinen Labien sind hypertrophisch, die Konsistenz derselben nicht erheblich vermehrt. Am Rande des linken grossen Labium befinden sich drei bohnen-grosse, am Rande des rechten (Tab. 46 und 46 a zwei pfennig-grosse kreisförmige Geschwüre, an der hinteren Commissur endlich zwei grössere nur durch eine Spange von einander getrennte Geschwüre. Alle diese Geschwüre sind scharfrandig, an ihrer Basis unregelmässig zerfallen, zumeist speckig belegt. Ähnliche Geschwüre, kleiner, etwa elf an der Zahl, befinden .sich an der äusseren Fläche des rechten kleinen Labiums, im Vestibulum und in der Mitte des Vaginalrohres. Letztere zeigen dieselbe zerfallene Basis, nur erreichen sie die früher erwähnten nicht an Grösse und Tiefe. (Tab. 47.)

An der Vaginalportion und zwar am rechten Winkel des Orificiums ein über bohnengrosses, eiterig belegtes Geschwür. Die Lymphdrüsen in inguine beiderseits palpabel, spindelförmig. Pigmentierte Narben an den Unterschenkeln, da und dort an der Haut des Stammes.

Therapie: Jodoformeinstreuung auf die Geschwüre, 1,5 gr Kai. jodat. pro die. Nach einem Monate waren die meisten Geschwüre vernarbt. Die Schamlippen noch vergrössert. Die Kranke hat sich bedeutend erholt und wurde ihr nunmehr eine Einreibungskur verordnet. Heilung nach 20 Einreibungen.

T.il). 4t).

picture72/

Tab. 47.

picture73/

Tab. 48 a. Ulcus gummatosum mamillae sinistrae.

H. R., 26. Jahre alt, Reisender.

Aufgenommen am 9. Oktober 1896.

Patient leidet seit 6 Monaten an Syphilis und wurde während dieser Zeit fast kontinuierlich merkuriell behandelt. Trotzdem entstanden am ganzen Körper Geschwüre, deren Zahl bis zu 74 anwuchs. Überdies litt Patient an einer Erkrankung des linken Ellbogengelenkes.

St. pr.: Die Mamilla der linken Brustdrüse ist durch ein speckiges Geschwür ersetzt. Der Warzenhof geschwellt und in ein tiefgreifendes Infiltrat umgewandelt. ? Am behaarten Kopfteil mehrere mit Borken bedeckte pustulöse Geschwüre. ? In der rechten Nasenapertur eine Rhagade mit Infiltration der Basis und des Nasenflügels. An der Wurzel des Penis eine breite Narbe nach der Sklerose. Mehrfache noch im Vernarben begriffene CJeschwüre nebst pigmentierten und desquamierenden Narben nach den zahlreichen am ganzen Körper zerstreuten, oben erwähnten Geschwüren. ? Patient ist anämisch, abgemagert und klagt über Mattigkeit und Kopfschmerzen.

Therapie: Decoctum Zittmann. Inunktionskur.

Tab. 48 b. Gumma mammae.

C. R., 41 Jahre alt, Taglöhnerin.

Aufgenommen am 28. Mai 1897.

Seit einem Jahre bemerkt Patientin die Affektion an ihrer linken Brustdrüse, die allmählig grösser wurde und letzten Herbst geschwürig zerfiel. Sonst will Patientin stets gesund gewesen sein. Sie hat vier lebende Kinder geboren, niemals abortiert. Die Kranke hat nie gestillt.

Tab. 48.

mi^

picture74/

picture75/

- >? ?? } :-u- >;.,.] S! ,.,. r,,.

St. pr.: Auf der äusseren Hälfte der linken Mamma Narben älteren und jüngeren Datums, die man als Infiltrate des Gewebes durchtasten kann und die sich quer über die Brustdrüse bis nahezu an deren linken Rand wurstartig hinziehen, lm den After und am Perinaeum, an der hinteren Fläche der grossen Schamlippen Narben mit rotem Halo nach Papeln. Inguinaldrüsen beiderseits multipel geschwellt, ebenso die Cubital- und Axillardrüsen. Mund und Rachen frei.

Therapie: Kali jodati 1,5 gr pro die. (iraues Pflaster.

Tab. 49. Rupia syphilitica.

R. M., 46 Jahre alt, Kellnersgattin. Aufgenommen am 12. Juni 1896.

Patientin will ausser Varicellen im 22. Lebensjahre keine andere Erkrankung durchgemacht haben.

Vor 5?6 Jahien litt Patientin an heftigen Kopfschmerzen, vor 2 Jahren an Ulcus cruris. Patientin hat zweimal geboren, im 24. und 27. Jahre (ausserehelich), Kinder lebten längere Zeit; kein Abortus. Jede venerische Affektion wird geleugnet. Potatrix.

Vor 4 Monaten erstes Auftreten von (JeschwUren an den Armen. ? St. pr.: Patientin stark abgemagert. Am linken Oberarm oberhalb des Ellbogens eine Gruppe von elliptisch angeordneten Infiltraten, welche zumeist von rupiaartigen Borken bedeckt sind. Die Narbe betrifft nur die Haut. Die Peripherie besonders nach oben zeigt zum Teil abschilfernde Epidenni>. An zwei Stellen sind frische, oberflächliche Infiltrate, über welche die Haut in Form von trüben Blasen abgehoben ist.

Am rechten Oberarme bis Über das Ellbogengelenk nach unten eine halbkreisförmige Anordnung von zum Teil bereits vernarbten, zum Teil noch mit nipiaartigen Borken bedeckten, zum Teil ganz frischen, blasenförmigen Efflore-scenzen. Universelle Adenop.ithie.

An der Plica genitocruralis sin. sowie am Rande beider grossen Schamlippen weissliche Narben.

Innere Organe mit Ausnahme eines alten Lungen-spitzenprozosses rechterseits normal.

Nach Ablösung der Borken erscheinen an den betroffenen Stellen runde und ovoide die Haut durchgreifende Geschwüre mit si)eckigem Belag.

Nach 14 Tagen sind die (ieschwtire unter Application von roter Präcipitatsalhe und innerer Darreichung von Jodeisen vernarbt. An Stelle der CieschwOre die Haut etwas gerötet, son«t nichts Abnormes bemerkbar.

Tab, 49.

picture76/

1,1 i-.-. * liri.lOioi.1 Moll..;,

Tab. 50.

picture77/

ni V f y.-vVuii vj.jK vti

von geschichteten Borken bedeckt. An der linken unteren Extremität ii. zw. im unteren Drittel des Unterschenkels Ijefindet sich ein über zweipfennigstückgrosses, scharf begrenztes Geschwür mit eitrig belegtem Grunde. Am inneren Rande des rechten Oberschenkels und zwar über der Gegend des Kniegelenkes ein zweiter Substanzverlust von ähnlichem Charakter.

Mund- und Rachenschleimhaut völlig frei. Therapie: Lokal weisse Präcipitatsalbe (S*/«-); Inunktionen ä 5 gr

Ung. einer. Rasche Involution der bestehenden Hauterscheinungen,

vorzeitige Entlassung auf Andrängen der Patientin.

Tab. 51. Ulcera gummatosa serpiginosa surae d.

P. T., 30 Jahre alt. Aufgenommen am 20. April 1896.

Vor 4 Jahren acquirierte P. von ihrem damals an einem Ausschlage leidenden Manne eine Erkrankung, welche an der linken Tonsille den Anfang nahm. Es entwickelten sich Halsdrüsenschwellungen, später kam Ausschlag und Kopfschmerz hinzu. Seither gebrauchte P. öfter eine Kur wegen verschiedener Erscheinungen, doch nie con-sequent Vor ii Monaten bemerkte sie am linken Unterschenkel Knoten, welche sich bald in Geschwüre umwandelten. Sie hat 7 Kinder geboren, das letzte ausgetragen, doch soll es an einem Ausschlag leiden.

St. pr.: An der rechten Wade befindet sich eine Gruppe von gummatösen Infiltraten und Geschwüren von typisch serpi-ginösem Charakter, in der Mitte dieser Gruppe eine Narbe nach bereits abgeheilten Geschwüren; peripher stehend grössere und kleinere Geschwüre, welche kreisförmig und elliptisch sind, ziemlich scharfe Rander zeigen und an der Basis mit Granulationen und zerfallenden Gewebsresten bedeckt sind. Ähnliche Geschwüre sind über dem buken Kniegelenke. In der rechten Inguinal-gegend und am rechten grossen Labium bestehen noch Reste von Infiltrationen und narbige Stellen nach Pappeln. Am Stamme und den Extremitäten sind. Pigmentreste sichtbar. Inguinaldrüsen nicht bedeutend, dagegen Hals-drUsen typisch vergrössert. Unter lokaler Behandlung mit roter Präcipitatsalbe, innerlicher Darreichung von Jodkali und einer 21 Einreibungen umfassenden Inunktionskur erfolgt die Heilung.

Tab. 51.

picture78/

I,ii,,lv l:-.^|.;.i M.. ...?!

Tab. 52. Gumma cutis dorsi pedis. Gumma pharyngis.

B. M., 37 Jahre alt, verheiratet. Aufgenommen am 19. Dezember 1895.

Soll seit ihrem achten Lebensjahre eine näselnde Sprache haben. Die Anamnese ergibt bezüglich der Ascendenz nichts Bemeilcenswertes; Patientin hat sechs Kinder geboren, die sämtlich in den ersten Lebensjahren an intercurrenten Erkrankungen starben.

St. pr.: Weicher Gaumen und Uvula fehlen vollkommen, wodurch der Nasenrachenraum bis weit hinauf sichtbar wird. Die hintere Rachenwand zeigt eine geschwürige, gelblich belegte Stelle von Zweipfennigstückgrösse.

Am Dorsum des rechten Fusses, den Phalangealge-lenken des 4. und 5. Metatarsus entsprechend, befindet sich ein thalergrosses (ieschwür, au.sgefüllt mit wuchernden Granulationen; die Ränder, sofernc sie noch erhalten sind, sind scharf und liegen frei der Granulationsmasse auf, so dass man mit der Sonde 2?4 mm weit unter den unterminierten Rändern vordringen kann. In die Tiefe greift der Substanzverlust bis auf die Sehnenscheiden. Die Bewegungen der Zehen jedoch sind völlig frei.

Wurde einer chirurgischen Behandlung zugeführt.

Tab. 52 a. Gummata exulcerata pericranü.

K. E., 50 Jahre alt, Pfründnerin.

Die Kranke wurde in den letzten 3 Jahren zu wiederhohen malen mit schweren syphilitischen Erscheinungen auf der Abteilung behandelt.

Tab. 52.

picture79/

t^V,-,vtK?^h,.,,,^?,^^^

Auf dem rechten Scheitelbein befindet sich eine thalergrosse Vertiefung, an derem Grunde der Knochen blossgelegt ist. Die weichen Schädeldecken in der Peripherie des Defektes abgehoben. Eine kleinere, zweipfennigstückgrosse Geschwulst befindet sich am rechten Stirnbein, eine ähnliche dritte am Hinterhaupte. Ein periostales Gumma femer an der rechten Tibia. Die Kranke ist herabgekommen, stark abgemagert, hat Ödeme an den unteren Extremitäten. Sorgfaltige lokale Behandlung, allgemeine roborierende Therapie brachte es nach nahezu 4 monatlicher Behandlung so weit, dass die Gummen sich resorbierten. Dasjenige am Scheitel verheilte in der Weise, dass die Schädeldecken sich anlegten und der Knochen durch Granulation und Narbenbildung verdeckt wurde.

Tab. 52 a.

picture80/

Tab. 53. Gummata gland. lymphat. colli cum destructione cutis.

B. K., 32 Jahre alt, Magd. Aufgenommen am 5. Oktober 1895.

Hereditär lässt sich bei Patientin keine Belastung ermitteln. Sie selbst gibt an, zeitweilig nächtliche Kopfschmerzen verspürt zu haben. Vor zwei Jahren wurde sie an der Klinik für Halskrankheiten und vor einem Jahr an einer chirurgischen Klinik wegen eines Geschwüres an der unteren Extremität behandelt. Sonst hat sie nie eine Allgemeinbehandlung gegen Syphilis durchgemacht, negiert auch, Kenntnis von dieser Erkrankung zu haben.

St. pr.: vom 25. Oktober 1895.

Patientin gut genährt, etwas blass. Innere Organe normal, hat nie entbunden, Menstruation regelmässig.

An den äusseren Schamlippen sowie an dem übrigen Genitale sind keine Veränderungen zu konstatieren. An der Haut des Nackens und der Habgegend eine typische Leukopathie. An der Aussenseite der linken Wade eine circuläre, vertiefte, atrophische Narbe, oberhalb des linken malleolus extcrnus eine etwa 4 cm messende, dem Knochen adhärente Narbe mit unregelmässigem, elliptischem und kreisrundem Rande. Der weiche Gaumen und die uvula defekt, narbig verbildet.

Die Leistendrüsen multipel geschwellt, hart; deutlicher noch ist die Schwellung der Drüsen in beiden Achselhöhlen geringer jener oberhalb der Ellbogengelenke.

Am Halse sind alle Drüsen, namentlich links in der Submaxillar- und Supraclaviculargegend bis Taubeneigrösse geschwellt, hart und derb anzufühlen. Entsprechend einer Submaxillar- und einer Supraclaviculardrüse befindet sich je ein elliptisches i cm langes Geschwür, vollständig durch die Haut greifend, mit steil abfallenden Rändern, das obere

Tab. 53.

picture81/

picture82/

y

LithAn>Tv.KRpKhhold.MurKhfii

(

mit nekrotischem Gewebe im Grunde, das untere eitrig, gelblich weiss belegt. Sonst ist die Haut über den geschwollenen Drllsen verschiebbar.

Die Kranke bekam 1,5 Jodkalium p. d., wurde anfangs lokal mit Jodoform, später mit grauem Pflaster verbunden, die Geschwüre heilten, die Drüsen schrumpften, so dass Patientin mit vollständig abgeflachter Halsgegend nach 38 Tagen geheilt entlassen werden konnte.

Tab. 54 u. 54a. Ulcera gximmatosa cutis et glandul. inguinal.

V. K.. 46 Jahre alt, Schneidergehilfe.

Aufgenommen am 21. Januar 1895 (gestorben am 7. Januar 1896.)

Im Jahre 1892 hatte der Patient einen pustulösen Ausschlag auf

der Haut fast des ganzen Körpers, namentlich aber des Stammes,

gegen welchen er eine weisse Salbe gebraucht hat. Die Natur des

Leidens war ihm unbekannt.

St. pr.: Über den ganzen Körper sind zum Teil pigmentierte» zum Teil atrophische Hautnarben vom erwähnten Ausschlag herrührend sichtbar. An der inneren Fläche des linken Oberschenkels befinden sich fünf zweipfennig- bis zweimarkstückgrosse Geschwüre, welche durch die Haut greifen und mit schwach granulierender, zum Teil eitrig verfilzter Basis versehen sind.

In der Inguinalgegend ist eine grössere, längliche Wunde, ents]>rechend einer oberflächlich gelegenen zerfallenden Lymphdrüse. Die übrigen Lymphdrüsen sind zwar hart, aber unbedeutend angeschwollen. Der blasse, abgemagerte Kranke hält die untere Extremität im Hüft-und Kniegelenke gebeugt. Die Gelenke selbst sind frei. Sein psychischer Zustand ist normal, er selbst wenig intelligent. Auf Darreichung von Jodkali und lokaler

Behandlung mit Jodoform änderten sich die gummatösen Geschwüre nicht und e^ wurden Einreibungen verordnet. 24. März: Nach 30 Einreibungen wurde eine lebhafte Granulation an den Wunden und ein narbiger Saora sichtbar, doch müssen die Einreibungen wegen einer heftigen Gingivitis und einer abnormen Wucherung der Epithelien des Zungenrandes und jener der Wangenschleimhaut den Zahnreihen entsprechend, ausgesetzt werden. Die Geschwüre hat sich trotz sorgsamer Pflege ebensowenig, wie der Allgemeinzustand des torpiden, blassen Kranken verändert, so dass bis Ende September die W^unden sich wenig verkleinert haben.

Anfangs Oktober ist eine Drüse in der rechten Inguinal-Gegend angeschwollen. Die Haut über derselben entzündete sich und zerfiel, wobei s^ich ein blutiges, dünnes Sekret entleerte. Nach 3 Wochen reinigte sich die Wunde soweit, dass nur ein Teil des speckig aussehenden, im Grunde liegenden Drüsenrestes und eine schwache Granulation im Grunde zu sehen war (^colorirte Tab.).

21. Oktober: Von der rechten Inguinalfurche ausgehend breitete sich ein Erisypel bis zur Mitte des Oberschenkels aus; an der linken Kreuzbeingegend beginnender Decubitus.

Unter Burow-Umschlägen, entsprechender Diät und Umlagerung geht die erisypelatöse Röte zurück und doch klagt der Kranke am 24. Oktober über heftige Schmerzen im rechten Hüftgelenke, dessen Gegend gerötet und geschwollen ist. Auch da geht die Rötung und Schwellung in sechs Tagen auf Darreichung von Na. salicyl. und kalte Überschläge zurück. Augenspiegelbefund: Entfärbung der Pupille, beginnende Atrophie.

Der Kranke hatte über bedeutenden Pruritus cutaneu» geklagt. Im Irin ist kein Zucker, geringe Mengen Ki-wciss. Sediment enthält reichlich Leukocyten, Blasen-epithelien, keine renalen Elemente.

Eine Bronchitis über den grösseren Bronchien der ganzen Lunge. I Jas Fieber hält in massigen Grenzen an.

In der Früh Abfall, fast bis zur Norm, abendliche Steigerungen bis 38,5. Der Kranke verfällt immer mehr und muss zur Nahrungsaufnahme aufgerüttelt werden; er erfasst kaum die Ansprache und verfallt immer wieder in einen stupiden Zustand und stirbt am 7. Januar 1896.

Sektionsbefund: Körper klein, hochgradig abgemagert. In der Unken Inguinalgegend die Haut in einem handgrossen Umfang mehrfach zerstört.

Ein Ihnlicher, thalergrosser Substanzverlust in der rechten Schenkel-beuge; an der Hinterseite des linken Oberschenkels eine grössere Narbe, tlber der Muskulatur verschieblich; eine kleinere an der Aussenseite des linken Oberschenkels und Über dem Fibularköpfchen.

Schädeldach dünn, subocciput stark vorspringend. An der Dura mater und weichen Hirnhäuten nichts Abnormes. Die Gehirnober, fläche etwas abgeplattet, Rinde leicht verschmälert. Gehirnsubstanz ödematös. An den Gcfässen der Basis nichts Abnormes.

Beide Lungen gedunsen, substanzarm, überall frei. In den Bronchien der Lnterlappen eitriges Sekret.

Herz klein kontrahiert; subpericardiale Schicht teils fettgelb, teils rötlich gefleckt. Herz fleisch braungelb.

An den Klappen und Gefassen keine Veränderungen.

Leber etwas kleiner, derb gewölbt. Die ganze Oberfläche zeigt die einzelnen Läppchen vorspringend, fettgelb, vom dazwischen liegenden rötlichen Bindci^ewebe abstechend. Dasselbe Bild auf dem Durchschnitt. Am rechten Leberlappen ein erbsengrosser, verkalkter, gelblicher Knoten.

Milz vergrössert, schlaff, Stroma verdichtet, zeigt auf dem I>urchschnitt leichten Wachsglanz.

Beide Nieren stark vergrössert, derb, Kapsel leicht abziehbar. i Jbcrfläche zeigt Wachsglanz mit einzelnen feinen Blutpunkten auf dem I>archschnitt, die Rinde verbreitert, blassgelb scharf, von den fleisch-r<-tltchen Pyramiden abgesetzt, zeigt deutlichen Speckglanz. Nierenbecken ausgedehnt, von einer mit getrübten dunkeln Flocken durchsetzten Flüssigkeit erfüllt; die Schleimhaut mit zahlreichen Blutungen gesprenkelt.

Blase ad maximum ausgedehnt, enthält klaren Harn. Schleimhaut stellenwei^ic lebhaft injiciert.

An der rechten Seite der corona glandis penis eine atrophische Narbe.

Darmschleimhaut am After wulstig verdickt und vorgewölbt.

Über dem Kreuzbein, namentlich nach rechts hin ein ausgedehnter unregelmässig begrenzter Substanzverlust.

Diagnosis: Lues inveterata. Cirrhosis hepatis in sanatione. Amyloidosis renum et lienis. Nephritis subacuta. Atrophia cordis fusca. Atrophia cerebri levioris gradus. Anaemia et marasmus universalis.

Tab

54 n

picture83/

lO

picture84/

Tab. 55. Gummatöse, in Nekrose begriffene Erkrankung der Weichteile.

H A., 29 Jahre alt, Magd.

Aufgenommen am 9. Mai 1896.

Patientin hat als Kind Rachendiphtherie und Blattern überstanden.

Im 8. Lebensjahre litt sie an einer Erkrankung der linken Fibula.

Seit einem Jahre besteht die .ffektion der linken oberen Extremität.

Menses traten erst im 19. Lebensjahre ein, waren immer regelmässig.

Patientin hat im August vorigen Jahres geboren; das schwächliche

Kind starb nach 4 Wochen angeblich an Fraisen.

St. pr.: Patientin ist schwächlich gebaut, abgemagert. Zähne defect. Nase leicht gesattelt. Rachen narbig. Die narbigen Reste des weichen Gaumens an die hintere Rachenwand angezogen. Uvula fehlt.

Eine strahlige Narbe, frei beweglich, über dem Akro-mion und der Clavicula des linken Schultergelenkes. Sie rührt von einer Ulceration her, die Patientin im vorigen Jahre nach ihrer Entbindung durchmachte; kurz darnach entwickelte sich eine Ulceration am linken Oberarme und dauerte 2 Monate. Die restierenden, eingezogenen, strahligen Narben sind direkt am Knochen des Oberarmes angeheftet. Aus derselben Zeit stammt bereits die Steifheit im EUbogengc lenke. Im Anfange dieses Jahres, kaum dass rückwärts der Prozess heilte, entwickelte sich das Geschwür vorne am Oberarm und in weiterer Folge das am oberen Drittel des Vorderarmes und an der Ellbogenbeuge. Der linke Arm wird in gestreckter Stellung gehalten. Hand in starker Pronationsstellung; Beugung im Ellbogengelenk und Supination nur in geringem Grade möglich. Der Radius erscheint vom mittleren Drittel hinauf verdickt und aufgetrieben, desgleichen das untere Ende des Oberarmes. Die Aussenfläche des Oberarms nimmt eine Ulceration ein, in der Länge von 9 cm und in einer Breite von 3 cm. Dieselbe zeigt an ihren Rändern bereits

einen zarten Narbensaum, an welchem sich da und dort Granulationen anschliessen. Der Grund besteht aus nekrotischen Muskelfasern, welche schmutzig graugelblich in der I^ngsrichtung am Grunde liegen und von eitrigen, spärlich secernierenden Vertiefungen an der Peripherie unregelmässig umgeben sind. Ferner erhebt sich nach unten zu gegen die Ellbogenbeuge ein starker Wulst, an dessen äusserer Peripherie ein längsovales Geschwür von etwa 2 cm Durchmesser sitzt. Dieses Geschwtir ist durch eine narbige i /j cm breite Brücke von dem oberen grossen Geschwüre getrennt. Diese Brücke erscheint namentlich nach aussen eingezogen. Am Grunde dieses Geschwürs liegt die nekrotische Haut, bräunlich verfärbt. Das Unterhautzellgewebe ist serös durchfeuchtet und liegt vom Rande bis zur angetrockneten Haut etwa 3?4 cm bloss zutage. Unterhalb dieses Geschwürs, an dem früher erwähnten Wulst, nach aussen liegt, durch eine noch erhaltene Hautbrticke wie in 2 Hälften getheiU, ein 3. Geschwür mit ebenfalls eitrig-serösem Grunde. .Anschliessend an dieses befindet sich im obern Drittel des Vorderarms ein etwa 5 cm langes Geschwür, dessen innere Hälfte, gegen den Radius zu gelegen, von Granulationen bedeckt und zu innerst mit einer Narbe an den Radius angeheftet ist. In der äussern Hälfte des Geschwüres liegt ebenfalls eine im Abstossen begriffene Haut und bräunlich ver-färbtes Unterhautzellgewebe über einer spärliche seröse Exsudation liefernden Unterlage, sodass man diese nekrotischen Partien ebenfalls leicht über ihrer Unterlage verschieben kann. Dieses letztere Geschwür liegt zwischen dem Radius und der Ulna über dem Musculus interosseus und scheint ursprünglich vom Radius ausgegangen zu sein. In der Ellbogenbeuge liegt die früher erwähnte Geschwulst mit den zwei Geschwüren gegen die äussere Leiste zu. Der Radius ist in seinem unteren Drittel durch Periostose aufgetrieben, nach oben zu länglich, unregelmässig verdickt. Die Ulna erscheint weniger afficiert. Hingegen ist das ganze untere Drittel des Oberarmes, fast bis zur Mitte, aufgetrieben und mit Ausnahme des erwähnten

picture85/

Tab. 55

grossen Geschwüres von narbigem Bindegewebe umgeben. Der Knochen selbst ist zum Teil durch Absumption verschmälert, zum Teil durch Auflagerungen verdickt.

An der Aussenseiie der linken Wade ist eine am Knochen adhärente Narbe in der Länge von lo cm, welche von der oben erwähnten Erkrankung der Fibula herrührt. ? Am (Genitale keinerlei Veränderung. Um die Afterfalte alte, weis.sliche, atrophische Narben, wahr-.scheinlich aus der Zeit der Blattern. ? Die Leistendrüsen sowie die Drillen des Übrigen Körpers sind verschrumpft.

Tab. 56 a. Defectus palati mollis ex ulceratione gummatosa.

S. M., 25 Jahre alt.

Patientin hat keine Kenntnis von der Dauer ihres Leidens. Halsschmerzen will sie erst seit 3 Wochen empfinden.

St. pr.: Am Rande der grossen Schamlippen mehrere weissliche, haarlose, areoläre Narben. Ebensolche, jedoch reticulirt ad nat. sin. penes anum und im Vestibulum der Vagina. Ferner narbige Stellen beiderseits an der Innenfläche der kleinen Labien. Die Leistendrüsen spindelförmig, hart. ? Der weiche Gaumen fehlt fast bis zur Ansatzstelle an dem harten Gaumen. Der Rand der Wunde ist mit nekrotischen (iewebsresten bedeckt Diese Ulceration hat auch die Ränder des Arcus palati mitergriffen, so dass die obere und seitliche Begrenzung des Isthmus faucium in den (»e-schwUrsprozess einbezogen ist.

Heilung des Geschwüres unter Gebrauch von 15 Einreibungen und 64 g Jodkali innerlich.

Tab. 56b. Gumma (hintere Pharynxwand).

R. R., 39 Jahre alt, ohne Beschäftigung.

Aufgenommen am 6. Jänner 1896.

Anamnestische Angaben sehr dürftig. Patientin i^t seit 11 Jahren verheiratet, hat angeblich nie conzipiert Seit 3 Jahren merkt sie ein ,,Nasenleiden, das Nasensekret soll einen widerlichen Cieruch ange. nommen haben. Regurgitieren von flüssiger und breiiger Nahrung soll erst seit acht Tagen bestehen und ganz plötzlich aufgetreten sein. Der Gatte der Patientin gibt zu, sich vor 3 Jahren luetisch inficiert zu haben.

St. pr.: Am Genitale keine Reste einer stattgehabten s])ecifischen Infektion nachweisbar. Ad anum eine über erbsengrosse, noch gerötete Narbe. InguinaldrUsen multipel geschwellt.

Tab 56.

picture86/

picture87/

I;v;;,^^v y]-.,^V ??M,.

Der weiche Gaumen zerstört, narbig, die Uvula vollständig fehlend, Narbenstränge, welche an die hintere Pharynxwand ziehen, sich daselbst inserierend. An der rückwärtigen Rachenwand ein längsoval gestellter, etwa 1 */2 cm in der iJlnge, ^ji cm in der Quere messender Substanzverlust, in der Mitte vertieft, zum Teil mit einer angetrockneten schwarzen Borke, gegen den Rand hin verflacht. Nach rechts von diesem Substanzverluste sieht man noch den Zugang zur tuba Eustachii. Die rhinos-kopische und laryngoskopische Untersuchung ergibt keine Veränderungen.

Sprache näselnd, starker Fötor.

Decursus: Inunktionskur, Kai. jodat.

Nach 25 Einreibungen ist das Geschwür an der hinteren Rachenwand völlig gereinigt und übernarbt.

Geheilt entlassen am 11. Februar 1897.

Tab. 57. Glossitis gummatosa.

A. F., 25 Jahre alt, Magd. Aufgenommen am 28. Oktober 1890. Behandlungsdauer: ein Monat.

Zweite Erkrankung. Seit drei Monaten Geschwür an der Zunge. Vor ftlnf Jahren lag Patientin auf der syphilitischen Abteilung im Wiedner Spitale mit einem specifischen Geschwür durch drei Monate.

St. pr.: Defekt des rechten kleinen Labiums. Sonst weder an der Haut noch im Lymphdrüsenapparat irgendwelche Zeichen einer abgelaufenen oder derzeit bestehenden specifischen Erkrankung. Bei halb geöffnetem Mund und stark hervorgestreckter Zunge gewahrt man an der linken Hälfte derselben und zwar in ihrem ganzen hinteren Anteil eine etwa drei bis vier Millimeter über das Niveau des Zungenrückens sich erhebende Geschwulst. Dieselbe fühlt sich sehr derb an und reicht durch die Dicke der Zunge bis an ihre Basis einerseits und bis gegen ihre Mitte andererseits. An ihrer Oberfläche ist die Geschwulst von einem über 3 cm langen Geschwür durchfurcht. In der Mitte der Zunge, bis gegen ihre Spitze zu, sieht man eine aus mehrfachen knotigen Infiltraten bestehende Geschwulst» welche an drei Stellen nekrotisch zerfallen ist. Therapie: Jodkalium. Mundpflege. Einleitung einer Inunktionskur am 17. November. Während derselben resorbiert sich das Infiltrat, das Geschwür heilt ab. Patientin wird nach 15 Einreibungen geheilt entlassen.

picture88/

Tab. 58. Exanthema papulo-pustulosuni. Syph. hered.

(Durch Gute des Direktors der Findelanstalt Dr. Braun zur Verfiiguu^

gestellt.) ^

S. K., aufgenommen am S.Juli 1897, circa 4 Wochen alt, 2600 g schwer, sehr marastisch, mit Bronchitis und Darmkatarrh behaftet. Die blasse faltige Haut ist allenthalben be.sät mit syphilitischen Efflorc-scenzen; an der Stirn und um den Mund sowie am Stamm und den Extremitäten befinden sich blassrot umrandete Papeln, zum Teil Bläschen mit wenig serösem Inhalt und schlaffer, in Zerfall begriffener Epidermis. Starb nach I Tag.

Sektion ergab: Allgemeine Tabescenz, Bronchitis, Lobulär-Pneumonie beiderseits, Milztumor, Ilepatiiis, (iastrointestinal-Katarrh, Osteochondritis luetica an der Knochen-Knor]>elgrenze der Tibien.

Tab. 59. Exanthema papulo-vesico-pustulosum. Lues hereditaria.

An den Unterschenkeln und an der Planta pedis des Säuglings lenticuläre bis über erbsengrosse papulöse Infiltrate und Blfiscben-efflorescenzen mit eitrigem Inhalt und peripherem entzündlichen Halo,

F. J., geboren am 9. Juni 1897.

Aufgenommen in die Landesfindelanstalt am 10. Juni 1897.

Clewicht bei der Aufnahme 3900 g.

Mutter anscheinend gesund.

Am 15. Juni Eruption eines vorwiegend papulösen Exanthems an beiden plantae pedis und palmae manus. Am 16. Juni sind auch die Streckseiten der unteren Extremitäten, Nates und die Haut des Rückens von einem vorwiegend papulösen Ausschlag bedeckt. Zwischen den Papeln erscheinen vesiculöse und pusiulöse Efflorescenzen. Die Nase bleibt frei.

Im weiteren Verlaufe Erscheinungen einer beiderseitigen Lobularpneumonie und eines Gastrointestinalkatarrhs. Bei fortwährender Cjc-wichtsabnahme bis 2700 g Exitus am 26. Juni 1897.

Obduktionsbefund: Lobulärpneumonie in den Unterlappen beider Lungen, Infiltration der lieber, Milztumor, Oastrointestinalkatarrh, keine Osteochondritis nachweisbar.

e2

picture89/

Tab. 6oa/c. Syphilis hereditaria.

(Keratitis parenchymatosa, Syphilis ossium nasi, Hutchinsonsche Zähne.)

K. A., 20 Jahre alt, Knecht.

Aufgenommen am 5. Juni 1897 auf die Augenahteilung des»

Professor Bergmeister.

Derselbe giht an, vor 9 Jahren auf dem rechten Auge krank

gewesen zu sein. Das linke Auge ist erst seit 14 Tagen krank.

Es besteht Lichtscheu und Thränenfluss.

St. pr.: Die Entwickelung des ganzen, sonst normal gebauten Körpers ist trotz der 20 Jahre pueril zu nennen, die Knochenanlage, namenthch der Extremitäten zart, mit stark aufgetriebenen Gelenksenden, die Genitalien pueril, die Schamhaare spärlich entwickelt. Der kompakte dolycho-cephale Schädel ist anscheinend voluminös entwickel* gegenüber der zarten Knochenanlage der Extremitäten. Nasenrücken sattelförmig eingesunken (s. schwarze Taf. 60c). Die Lippen, namentlich die obere, etwas wulstig, hyper-):rophi>ch. Bei Inspektion der Nasenhöhle findet man einen Defekt sowohl am Knorpel- als am Knochenanteil des Vomer, mit der Sonde stösst man auf rauhen Knochen. Bei der Abhebung der Oberlippe gewahrt man die Fortsetzung^ der Nekrose auf den Oberkiefer, sodass eine schmale Spange des Alveolarfortsatzes bis zum Rande nekrotisch ist und vorne von einem wulstigen Rest des ZahnfleischcN und von Granulationen eingeschlossen wird. Die Zähne zei^en sowohl ihrer Anordnung nach, als auch, was die Meisselform und die wie ausgenagt aussehenden Defekte anlangt, den von Hutchinson beschriebenen congenita!-luetischen Charakter. Augenbefund von Professor Bergmeister: Das rechte

Auge divergiert, ist gegenwärtig reizfrei, zeigt im Centrum Spuren

Tab. 60.

picture90/

picture91/

I.l VsV Hf,r>-,,,.t VI,

einer parenchymatösen Trübung. Pupille reagiert prompt. LinkesAuge. Ciliare Reizung, Limbusschwellung am oberen Rande, die angrenzende Cornea matt, gestichelt. Vom oberen Rande schiebt sich unter dem Limbus eine dichte parenchymatöse Trtibung in die Cornea vor.

Therapie: Atropin, Schmierkur, Jodkali. ii. Juni: LinkesAuge abgeblasst, in der oberen Hälfte der Cornea eine leichte Trübung. II. Juli: Geheilt entlassen.

Tab. 60 c.

picture92/

V. E., 26 Jahre alt, Maschinenschlosser.

Aufgenommen am 17. September 1896.

Ist zum erstenmale erkrankt. Den letzten Beischlaf hat der Kranke vor 14 Tagen ausgetibt; seit lo Tagen beobachtete er das Entstehen der Geschwüre. An der linken Seite der inneren Lamelle des Präputiums befinden sich zwei grössere venerische Gcschwtlre mit massig Entzündeter Umgebung, eiterig zerfallenem Rande und stark eiterig secernierender Basis; fünf kleinere linsengrosse Geschwüre unterhalb der grösseren und ein überimpftes an der Glans stellen die jüngere Generation der Autoinoculationsgeschwüre dar. Auf Formalin-Gelatine, Ätzungen mit Karbolsäure reinigten sich die Geschwüre und vernarbten.

picture93/

Tab. 62. Ulcera venerea contagiosa confluentia in cute penis. Adenitis ing^uinalis dextr.

K. J., 29 Jahre alt, Kutscher.

Aufgenommen am 26. November 1896.

Gibt an, zum erstenmale geschlechtskrank zu sein, bemerkt seit 14 Tagen das Entstehen von Geschwüren,letzter Beischlaf vor drei Wochen.

St. pr.: An der Haut des Penis und zwar in der Mitte ein grösseres, durch Konfluenz mehrerer Geschwüre entstandenes venerisches Geschwür, ein kleineres durch eine Brücke von dem ersteren getrennt nach vorne gegen das Präputium. Beide Geschwüre greifen durch die Haut, haben scharf abfallende buchtige Ränder, secemieren reichlich eiterig und zeigen die Tendenz, die Haut unterminierend sich weiter auszubreiten. Die* Umgebung ist gerötet, die Lymphgefässe am Dorsum penis durch Rötung markiert. In der rechten Inguinalgegend eine kindsfaustgrosse Ge schwul>t, welche in der Mitte gerötet und schmerzhaft ist und leicht fluktuiert.

Therapie: Lokal Airolpulver, Operation der Adenitis. Heilung.

picture94/

Tab. 63. Paraphimosis ex ulc. vener. in praep.

oedem. inflamm.

Adenitis inguinalis bilateralis suppur.

S. F., 21 Jahre alt, HaDdschuhmacher. Aufgenommen am 30. Januar 1897.

Letzter Beischlaf vor 7 Wochen. Vor 4 Wochen beobachtete Patient das Entstehen der Geschwüre, vor 2 Wochen das Auftreten der Adenitis.

St. pr.: Präputium entzündlich geschwellt, retrahiert, nicht reponierbar. In der Gegend des Frenulum grössere, eitrig zerfallende venerische Geschwüre; ein kleineres an einer Falte des retrahierten ödematösen Präput. Inguinaldrüsen beiderseits geschwellt, die Haut über denselben gerötet, linkerseits bereits geschwürig zerfallen. Eczema vesiculos regionis pubis ex abusu ung. cineric. Therapie: Kupfergliedbäder, Jodoformpulver (Geschwüre). Operative Entfernung der vereiterten Inguinaldrüsen.

Im weiteren Verlaufe erwies sich das Geschwür am Frenulum als induriert und am Stamme trat ein papulöses Syphilid auf, so dass sich der Kranke noch einer Einreibungskur unterziehen musste.

CO

CO

PS

H

picture95/

Tab. 64. Lymphangoitis dors. penis suppurans (Bubonulus Nisbethi) cum necros. integum.

N. Bm 22 Jahre alt, Schlosser.

AufgeDommen am i. Februar 1897.

Vor 3 Wochen Auftreten der Geschwüre. Die Vorhautverenge-ning und die Geschwulst am Rttcken des Penis besteht seit 8 Tagen. Letzter Beischlaf vor 2 Monaten.

St. pr.: Präputialsack stark entzündlich geschwellt. Aus der verengten Öffnung entleert sich eitriges Sekret Auf dem Rücken des Penis, etwa in der Mitte desselben befindet sich eine nussgrosse, halbkugelig vorspringende Ge> schwulst, welche auf ihrer Höhe, in der Ausdehnung etwa eines Pfennigs eine schwärzlich-braune VerOu-bung zeigt. Die Geschwulst weist Fluctuation auf. Der nekrotische Schorf beginnt sich in der vorderen Partie von der entzündeten Umgebung bereits loszutrennen. Auf Druck sickert durch die Dehiscenz dünnflüssiger Eiter aus der Geschwulst hervor. Die inguinalen Lymphdrüsen beiderseits, namentlich rechts, multipel geschwellt Nach einigen Tagen entleerte sich der Abscess vollständig, die nekrotische Decke wurde abgestossen und es lag nun ein Sttbstanzverlust zutage, dessen oberer, gegen die Schamgegend gelegener Rand fistelartig unterminiert, und dessen Grund eitrig belegt, reichlich secemierend war. J*

Heilung unter Anwendung von Kupferbädem und Jodoformpulver. Beseitigung der Phimose auf operativem Wege.

Tab. 64.

picture96/

.A1..I . t h-FÜml.l Mi.

r«L

Tab. 65. Abscessus gland. Barthol. sin.

L. J., 19 Jahre alt, Prostituierte.

Aufgenommen am 10. März 1896.

Von ihrer Blennorrhoe hatte sie keine Kenntnis. Die schmerzhafte Anschwellung begann vor sechs Tagen. Die linke grosse Scham lippe ist in eine kindsfaustgrosse entzündliche Geschwulst verwandelt, welche im ganzen Umfange gerötet, schmerzhaft ist und gegen die Schamspalte eine livid verdünnte Hautdecke zeigt, unter welcher eine deutliche Fluktuation besteht. Durch diese Schwellung sind die rechte Schamlippe und die linke genitocrur.-Falte verdrängt.

Therapie: Incision des Abscesses.

picture97/

Tab. 66. Blennorrhoe. ? Cavernitis.

J. R., 22 Jahre alt, Zuckerbäcker.

Behandlungsdauer: 12. Februar bis 20. April 1897.

Krankheitsdauer beim Spitalseintritt 8 Tage, letzter Coitus vor 14 Tagen.

Akuter Ilarnröhrentripper.

Im Verlaufe der Spitalsbehandlung treten Erscheinungen auf, welche in einer starken Schwellung an der Unterseite des Penis und Schmerz-haftigkeit daselbst, namentlich auf Druck, bestehen. Dabei erscheint das Glied abgeknickt, wobei die konkave Seite nach oben sieht. Incision rechterseits von der Raphe penis, nachdem daselbst Fluktuation aufgetreten war. Es entleerte sich eine massige Menge rahmigen Eiters.

Drainage. Heilung der Wunde geht gut vor sich.

Patient wird am 20. April geheilt entlassen.

picture98/

Tab. 67. Q)ndylomata acuminata.

G. S., 24 Jahre alt, Magd.

Aufgenommen am 18. August 1896.

Patientin gibt an, seit 5 Monaten an einem Ausflusse zu leiden. Die Wucherungen an dem Genitale sollen seit 2 Monaten bestehen.

St. pr.: Die Labia maiora, das Perinaeum bis zur Afteröffnung und nach aussen die Gegend bis an die Genito-Cruralfalten eingenommen von einer warzig-höckerigen, aus papÜloma-tosen Wucherungen sich zusammensetzenden Geschwulstmasse, welche an ihrer Oberfläche stellenweise macericrt erscheint, stellenweise mit einem grauweissen verdickten Epidermisüberzug versehen ist, endlich insuUr eine lebhaft rote Färbung aufweist. Beim Auseinanderspannen der grossen Labien sieht man die kleinen Labien und das Vestibulum lebhaft gerötet und mit teils einzeln stehenden, teils konfluierenden papiUomatösen Wucherungen besetzt. Hamröhren-Blennorrhoe. Eitrige Secretion aus dem Cervix uteri.

Therapie: Abtragung der Condylome in Chloroformnarkose.

picture99/

Tab. 68. Condylomata acuminata in sulco coronar.

et in lamina intern, praeputii inflammati in parte

sin. necrotici.

(Das Bild wurde nach dem Original von Elfinger aus der Sammlung der Abteilung kopiert.)

Das Präputium ist auf der linken Seite durch Druck nekrotisch geworden und nach Abstossung die Nekrose in der Wunde noch ersichtlich. Die rechte Partie desselben nach rechts ausgewichen und umgestülpt. Aus diesem so erweiterten Präputialsack ist die Eichel und die condylomatösen Wucherungen hervorgetreten. Letztere sind zum Teil mit missfärbigem, grtlnlichem Eiter belegt.

Tab. 68.

picture100/

Tab. 69. Condylomata acuminata an der Portio vaginalis.

Cz. A., 19 Jahre alt, Puella publica. Aufgenommen am 12. Oktober 1896.

Vor einem Monat wurde Patientin aus einem Krankenhaus, wo sie wegen Blennorrhoe, spitzen Condylomen in Behandlung gestanden, entlassen. Angeblich seit 4 Tagen (?) neuerlich Condylome.

St. pr.: Acute Hamröhrenblennorrhoe. Condylome an den Fimbrien. Vaginalportion nach rückwärts gewendet, platt, an l>eiden Muttermundslippen, besonders dicht an der vorderen confluierende spitze Warzen; eitriges Secret aus dem Orificium uteri. Decursus: Abtragung der Condylome mit dem scharfen Löffel nach Vorziehung des Uterus.

Am 22. Dezember 1896 geheilt entlassen.

Tab. G9.

picture101/

l.:il.. i>iv U-y\hM \i..uW

Tab. 70. Hämorrhagia subcutanea cutis penis.

J- J^M 39 Jahre alt, Fabriksarbeiter. BehandluDgsdauer: 9. bis 16. Mai 1892.

Patient hat am 8. Mai unmittelbar nach einer Cohabitation den jetzigen Zustand seines Gliedes bemerkt. Das Weib, mit dem er damals zum ersten Mal den Coitus ausübte, war nach seiner Angabe keine Virgo, doch sehr eng gebaut, und er musste sich bei der immissio ausserordentlich anstrengen. Patient gibt ferner an, an häufigen spontan auftretenden Nasenblutungen zu leiden; auch soll er nach Zahnextractionen und kleinen Schnittwunden immer durch längere Zeit und intensiv bluten. (Haemophili.)

St, pr.: Kräftiger Mann von gesundem Aussehen. An den inneren Organen keinerlei Störungen nachweisbar. Genitale entsprechend entwickelt. Penis leicht ödematös, namentlich im unteren Anteil des Präputiums. An der Wurzel desselben ist die Haut stärker gespannt, dunkelblaurot verfärbt. Eichel von normaler Farbe. Der untere Teil des Präputiums als über walnussgrosser, dunkelblau ver-färbter ödematöser Tumor herabhängend. ? Unter lokalen lmschlägen Resorption des Hautextravasates, wobei dasselbe die bekannten Farbennuancen durchmacht.

Tab. 70.

picture102/

M. W., 22 Jahre alt, Wäscherin.

Aufgenommen am 2. Februar 1897.

Seit 14 Tagen angeblich Ausfluss. ? Harnröhrentripper.

An der Aussenseite beider grosser Labien und von da geradlinig bis auf die Gesässbacken sich fortsetzend eine grosse Anzahl in Reihen angeordneter blassroter Geschwülstchen von Stecknadelkopf-bis nahezu Erbsengrösse, central gedeih, hie und da von einem Haare durchbohrt.

Decursus: Abtragung der Mollusca mit dem scharfen Ixiffel. 23. Februar geheilt entlassen.

Tab. 71.

picture103/

Einleitung.

Die Syphilis, auch Lues venerea genannt, ist eine constitutionelle Erkrankung und wird in die Gruppe der chronischen Infectionskrankhei ten eingereiht.

Allem Anscheine nach handelt es sich bei der Syphilis geradeso wie bei Tuberculose, Rotz etc. ebenfalls um eine durch einen niederen Organismus hervorgerufene Krankheit. Leider ist es bisher nicht gelungen, den Krankheitserreger zu ermitteln.

Die verschiedenen seit langer Zeit zur Ergründung des Contagiums der Syphilis angestellten Versuche hier aufzuzählen, würde unserer kurzen Darstellung der Pathologie nicht entsprechen, daher wir dieselben einfach übergehen wollen. Ebenso wollen wir von Conjuncturen absehen, die aus einer blos theoretischen Annahme eines Mikroorganismus und dessen ioxinen auf die Auffassung und die Darstellung der pathologischen Producte dieser Krankheit gemacht werden müssten.

Die Syphilis wird von einem kranken Individuum auf ein gesundes, nicht an Syphilis leidendes übertragen (acqui-rierte Syphilis). Sie ist somit eine contagiöse Erkrankung, welche sich erst nach der Einimpfung im Organismus weiter entwickelt, denselben durchseucht und an ihm verschiedene Krankheitserscheinungen hervorbringt.

Ausser dieser Verbreitungsart hat die Syphilis die Eigenschaft, dass sie von den Eltern auf die Kinder vererbt werden kann (hereditäre Syphilis).

? 2

Diese beiden Abarten in der Verbreitung der Syphilis haben in ihrem weiteren Verlaufe wesentliche Verschiedenheiten aufzuweisen, so dass sie seit langem getrennt abgehandelt werden. Auch wir wollen in unserem kurzen Abriss der Pathologie dieser Krankheitsfamilie dem allgemeinen Gebrauche folgen und beginnen mit der erworbenen Syphilis. Am Schlüsse werden wir in einem eigenen Capitel die ererbte Syphilis abhandeln.

Unsere Aufgabe ist es, die Krankheitserscheinungen, welche die Syphilis hervorbringt, zu studieren und wenigstens auf diese Art das Wesen dieser Krankheit näher kennen zu lernen.

Die acquirierte Syphilis wird zuweilen mittelbar, meist aber unmittelbar auf einen bisher von ihr freigebliebenen Körper übertragen. Sie bildet an der Einimpfungsstclle einen Herd, von welchem aus das Contagium in den Organimus eindringt. Hierzu ist vor allem eine Vermehrung des Conta-giums an der Angriflfstelle selbst notwendig, dann aber auch dessen Ueberführung durch die Lymph- und Blut-Bahnen in den übrigen Organismus.

Letzteres geschieht allmählig und für die bisherigen Untersuchungsmethoden unergründlich, so dass wir es, bevor nicht anderweitige Krankheitssymptome auftreten, nur mit den localen Erscheinungen an der Ansteckungsstelle und den nächsten Folgeerscheinungen derselben zu thun haben. Dabei ist es jedoch notwendig, sich vorzustellen, dass sich das Contagium ununterbrochen vermehrt und ebenso con-tinuierlich dem Organismus mitteilt. Allmählig treten mehr oder weniger subjective Störungen bei den Kranken auf und bald kommen auch sichtbare und greifbare Veränderungen auf der allgemeinen Decke zum Vorschein, so dass wir in diesen die vollendete Allgemeininfection nach Ablauf von mehreren Wochen nach der Ansteckung deutlich erkennen.

Zum besseren Verständnisse und mehr der Bequemlichkeit halber als dem thatsächlichen Verhalten entsprechend, teilt man die syphilitischen Erscheinungen ein in ein primäres Stadium, welches die nach der Ansteckung.

? 3 -

local entstehenden Anfangserscheinungen umfasst, in ein secundäres Stadium, das mit dem Auftreten der Allgemeinerscheinungen beginnt und in ein tertiäres Stadium, in welchem knotige Formen, sogenannte gumma-töse Neubildungen entstehen. Einzelne Fachmänner haben diese Einteilung mehr mit Rücksicht auf die klinischen Erscheinungen, andere wieder auf die Zeit, in welcher dieselben auftreten, aufgestellt. Thatsächlich entspricht jedoch diese Einteilung der Natur und dem Verlaufe der Krankheit nicht, denn, wenn auch zwischen den jeweiligen Erscheinungen sogenannte Latenz- oder Inlermissions-Perioden vorkommen und der Organismus scheinbar frei von Erscheinungen der nächst folgenden Gruppe ist, so wissen wir, dass das Contagium im Inneren trotzdem fortlebt, sich vermehrt und früher oder später neuerliche Erscheinungen hervorruft. Es wäre daher vielleicht zweckmässiger, die sogenannten primären und secundären Erscheinungen einfach alsirritatives Stadium, wie es bereits Virchowgethan hat, zu bezeichnen und von den später auftretenden gummatösen Neubildungen und Entartungszuständen einzelner Organe, falls solche überhaupt zur Entwicklung gelangen, abzutrennen Es ist uns nicht möglich, im gegebenen Falle nach der Infection Anhaltspunkte dafür zu gewinnen, wieviel Erscheinungen noch im Organismus auftreten werden und wie schwer der Kranke an seinem Leiden in Zukunft zu tragen haben wird. Es berechtigen uns hiezu weder die milden Erscheinungen am Infectionsherde in der primären Periode, noch das Auftreten milder Allgemeinsymptome auf der Haut und den Schleimhäuten in der secundären Periode. Wir können lediglich nach unserer Erfahrung sagen, dass gesunde, kräftige Individuen zur Hoffnung berechtigen, die Krankheit leicht zu überstehen, wogegen geschwächte, von Tuberculose, Malaria und anderen, mitunter auch inter-currenten Krankheiten heimgesuchte Kranke unter gleichen Umständen meist mehr zu erdulden haben werden. Man muss sich daher in der Prognose bei solchen Individuen noch mehr Reserve auferlegen, als man es schon bei sonst Gesunden zu thun genötigt ist. Hier dürfen auch jene In-

? 4 ?

fectionen mit Syphilis nicht unberücksichtigt bleiben, welche noch nicht entwickelte, ja oft im zarten Kindesalter befindliche Individuen betreffen, da gerade diese unter schwereren Erscheinungen welche sich in dem zarten, erst wachsenden Organismus fortentwickeln, mehr zu leiden haben. Es ist also dem Arzte nicht möglich, emem Kranken mit Bestimmtheit vorherzusagen, dass sein Leiden nach so oder so langer Zeit mit diesen oder jenen Erscheinungen ab-schliessen werde. Als Regel gilt, dass die Syphilis mit dem irritativen Stadium oder den sogenannten Secundärerschci-nungen abschliesst. Leider müssen viele Kranke die böse Erfahrung machen, dass trotz angewandter Behandlung und trotz sorgsamster Pflege dennoch gummatöse Neubildungen zur Entwicklung gelangen, welche den Organismus mehr zu schädigen im Stande sind, als die leichteren entzündlich-infiltrativen Erscheinungen der secundären Periode. Trotz vielfacher Bemühungen gewiegter Fachmänner gelang es noch immer nicht, bestimmte Anhaltspunkte zu finden, nach denen wir einen Abschluss der syphilitischen Erkrankung mit Sicherheit constaiieren könnten, oder nach denen wir berechtigt wären, das Auftreten tertiärer Formen zu erwarten. Bevor es uns nicht möglich sein wird, durch neue Untersuchungsmethoden einen Organismus als von Syphilis befreit zu erklären, sind wir darauf angewiesen noch immer gewisse empirische Thatsachen für die Beurteilung, ob die Krankheit abgeschlossen ist oder nicht, heranzuziehen. Solche sind: Der vor der Acquisition der Syphilis meist gesunde» , kräftige Organismus, eine gewisse Regelmässigkeit im Auftreten consecutiver Erscheinungen an demselben, zweck* massige Behandlungsmethoden und endlich das jahrelange Freibleiben von jeder Krankheitserscheinung. Ein Schema dürfte sich für die meisten Fälle folgendermassen zusammenstellen lassen: Vom Tage der Infection bis zu dem Ausbruche secundärer Erscheinungen vergehen etwa acht Wochen, In diese fallen die Entwicklung der Initialsklerose ? innerhalb der ersten drei Wochen ?, die Beteiligung der benachbarten Drüsengruppen, mitunter auch der zuführenden Lymph-gefässe, und subjeclive Störungen, welche einzelne Kranke*

- 5 ?

vor dem Ausbruche des Exanthems mehr oder weniger belästigen. Das Erstlingsexanthem schwindet, und nach etwa drei Monaten, also am Ende des ersten halben Jahres der Krankheit, entwickelt sich zumeist ein Syphilid mit Beteiligung der Schleimhäute. Der weitere Verlauf gestaltet sich dann gewöhnlich so, dass da und dort localisierte Ausschläge auftreten, die auf entsprechende Behandlung zurückgehen. Diese Periode gelangt zumeist nach i ^/g bis 2 Jahren zum Abschluss. Eine Ausnahme von diesem Schema machen die bösartigeren Fälle, welche keine freien Intermissions-pcrioden haben, bei denen tertiäre neben secundären Erscheinungen auftreten und bei denen sich schon frühzeitig nervöse Störungen und Organerkrankungen bemerkbar machen. Dies sind die malignen Formen von Syphilis. Zwischen beiden Verlaufsarten stehen der Zahl nach jene Fälle, in denen sich nach einer von allen Symptomen freien Zeit der Latenz tertiäre destructive Formen entwickeln.

Bedingungen der Infection.

Soll ein Inviduum mit Syphilis inficiert werden können, so müssen gewisse Bedingungen hiefür vorhanden sein. Es muss nämlich erstens das Individuum von Syphilis frei sein, und es müssen sich zweitens epitheliale oder epidermidale Substanzverluste, kurz irgend welche wunde Stellen auf der Oberfläche seines Körpers befinden, in deren Bereich dann die Uebertragung stattfindet.

Die Syphilis macht nämlich den Körper, den sie einmal befallen hat, für lange Zeit gegen eine neuerliche In-fection immun. Allerdings können auch auf ein solches Individuum geschwürige Processe übertragen werden, allein es handelt sich dabei doch nur um eine scheinbare Uebertragung von Syphilis, indem die Erkrankung, die darauf folgt, immer nur eine rein örtliche ist und im Organismus keine weiteren Folgen nach sich zieht.

Der Substanzverlust, der wohl die wichtigste Bedingung fiir das Zustandekommen der syphilitischen Infection abgibt, kann entweder in dem Momente der Uebertragung entstehen

? 6 ?

z. B. beim innigen geschlechtlichen Contact, oder er war bereits vor dem Zeitpunkte, in welchem die Uebertragung stattfand, vorhanden, z. B. eine Erosion nach einem Herpes praeputialis oder labialis. Freilich ist die Möglichkeit einer Uebertragung der Syphilis auch bei völlig unverletztem Gewebe nicht in Abrede zu stellen, nur ist dazu einerseits eine besondere Beschaffenheit des Gewebes notwendig, andererseits muss das betreffende Wundsecret, welches das syphilitische Contagium enthält, lange Zeit hindurch einwirken und eine Gewebsreizung in den Ausführungs^ängen der Drüsen oder auf den feinen Schleimhautfalten (Praeputialsack, Interlabial-furchen) hervorrufen, ehe es die Infection bewerkstelligen kann, wo hingegen von einer wunden Stelle aus schon nach einem sehr kurz dauernden Contact die Uebertragung erfolgt.

Ob die Infection durch directen Contact mit einem syphilitischen Körper (unmittelbare Uebertragung) oder aber durch irgend einen Gegenstand, der mit dem syphilitischen Wundsecret verunreinigt war (mittelbare Uebertragung) erfolgt, ist für den weiteren Verlauf der Erkrankung ganz gleichgiltig.

Träger des syphilitischen Contagiums.

Ein im acuten d. h. vollendet infectiösen Stadium der Syphilis stehendes Individuum kann mit Recht für seine Umgebung als gefährlich bezeichnet werden. Vorwiegend sind es die durch die Syphilis bedingten Geschwüre, in deren Secreten das Contagium am reichlichsten angehäuft ist. Aber auch das Blut und die Lymphe enthalten in diesen Stadien das Contagium. Weniger gilt dies von den normalen Secreten eines solchen Körpers, als da sind: Speichel, Milch und Sperma, obzwar auch diesen auf ihrem Wege im Organismus oder dort, wo sie an die Oberfläche gelangen, also in der Mundhöhle, an der Mamma, und bei klinisch kaum nachweisbaren Erkrankungen des gefässreichen Testikels möglicherweise auch das Contagium beigemengt werden kann. Sowohl Individuen mit acquirierter, als auch

solche mit hereditärer Syphilis, z. B. mit Pemphigus syphiliticus und Papeln behaftete Kinder, sind für den nicht syphilitischen Organismus gefährlich und bleiben es auch viele Jahre hindurch. Neuere Beobachtungen haben dargethan. dass von einzelnen krank gewesenen Stellen, welche den Träger kaum belästigen, noch lange nachher, wenn sie gelegentlich durch Maceration oder auf mechanische Weise wund gemacht werden, abermals die Infection vermittelt werden kann. Hierher gehören alte anale und perianale Infiltrate, alte Zungenaflfectionen und viele andere, sogenannte Praedilectionsstellen der Syphilisproducte, von denen noch später die Kede sein wird.

Es wird im allgemeinen angenommen, dass die tertiär->yphiliiischen Producte, die sogenannten gummatösen Neubildungen, keine Syphilis vermitteln können. Diese Behauptung dürfte jedoch nur mit Reserve aufzunehmen sein. So werden Fälle, bei denen diese tertiären Erscheinungen neben noch bestehenden secundären auftreten, wenn sie auch in die Gruppe der tertiären Formen gehören, jedenfalls das Contagium führen. Immerhin ist eine geringere Infectiosität der gummatösen Processe im Verhältnis zu den secundären nicht zu leugnen und der Umstand, der hierbei am schwersten in die Wagschale fällt, ist wohl der, dass das Gumma erst viel später zerfällt, nachdem das Infiltrat bereits regressive Metamorphosen eingegangen ist, so dass wir es hier dann nur mehr mit einem Gewebsdetritus, in dem das Syphiliscontagium bereits abgeschwächt oder unschädlich gemacht wurde, zu thun haben. Ausserdem sind die gummösen Formen häufig an Stellen localisiert, von denen aus eine Uebertragung unmöglich ist (innere Organe). Auch der Umstand ist nicht zu unterschätzen, dass die Kranken jede innige Berührung mit den gummatösen Geschwüren scheuen, weil sie ihnen Schmerzen verursacht. Die secundären Krankheitsprodukte hingegen, welche oberflächlicher liegen und sehr bald nach ihrem Entstehen auch wieder zerfallen, führen zu reichlich secernierenden Substanzverlusten, und dieses Secret kann viel eher die Ueberimpfung vermitteln, a!s das der gummatösen Geschwüre.

? s ?

Alte, aus guromatösen Schwielen und Gewebsalterationen hervorgegangene Geschwüre sind, gerade so wie die Hyperostosen und Eburneationen an den Knochen als Folgen der daselbst bestandenen Syphilisproducte anzusehen und enthalten kein Contagium mehr.

Haben wir bisher nur vom syphilitischen menschlichen Körper als Träger des Contagiuros gesprochen, so müssen wir jetzt noch hinzufügen, dass auch zahllose Gegenstände, wie Löffel, Gläser, Blasinstrumente, chirur^sche Werkzeuge, Bandagen u. s. w. die Infection vermitteln können, wenn sie vorher mit Wunden Syphilitischer in Berührung gekommen waren und etwas Beeret an ihnen haften blieb Das Antrocknen des S3rphilitischen Secretes an solchen Gegenständen macht das Contagium durchaus nicht unschädlich. Dagegen vermögen hohe Temperatursgrade sowie das Gefrieren nach den bisherigen Erfahrungen die Ueberimpfbarkeit des Con-tagiums zu zerstören.

Die ersten nach der Syphilisübertragung auftretenden Erscheinungen.

Die ersten Erscheinungen, welche nach der Infection sich einstellen, haben durchaus keine charakteristischen Merkmale an sich, aus denen man auf eine wirksame lieber-tragung schliessen könnte. Wir haben es entweder mit bereits vor der suspecten Berühning vorhanden gewesenen Wunden oder mit frischen Verletzungen, die erst zur Zeit der Berührung entstanden sind, oder mit Macerationen von Epithel oder Epidermis an den früher erwähnten Falten oder Drüsenausführungsgängen, am häufigsten der Genitalien, zu thun. Die Kranken kommen zu dieser Zeit nur selten und nur dann zum Arzt, wenn sie sich genauer beobachten und sich dessen bewusst sind, dass die wunde Stelle ge-egentlich einer Berührung mit einem fremden Körper entstanden ist. Der Sache unkundige Individuen und solche, welche durch mittelbare Uebertragung inficiert worden sind, pflegen oft erst recht spät ärztliche Hilfe aufzusuchen, und kommen zuweilen mit schon vorgeschrittenen, ja sogar

am ganzen Körper bereits weit ausgebreiteten secundär-syphi-1 {tischen Symptomen zur Untersuchung. Es ist also der Arzt nach dem früher Gesagten kurz nach stattgehabter Infection selten in der Lage, mehr aussagen zu können, als dass die Erosion oder der Hautriss oder die geplatzten Bläschen (z. B. nach einem Herpes) mehr oder weniger verdächtig sind und wird höchstens durch eine Untersuchung des betreffenden Individuums, von dem die Uebertragung ausgegangen sein könnte, mit etwas mehr Berechtigung er-schliessen können, ob er in der That eine syphilitische Affec-tion vor sich habe oder nicht.

Immer kommt es jedoch auch darauf an, ob es sich um eine Uebertragung von Syphilisproducten allein handelt oder ob gleichzeitig auch ein eitriges Secret von venerisch-contagiösen Geschwüren überimpft wurde. Im erstercn Falle haben wir es mit einem langsam sich entwickelnden Ge-schwürsprocess oder vielmehr mit einem allmählig entstehenden Infiltrationszustande an der befallenen Stelle zu thun, im letzteren Falle dagegen verdeckt das acut verlaufende venerisch-contagiöse Geschwür mit seinem rapiden Zerfall und seiner profusen eitrigen Secretion die Zeichen der Syphilisübertragung so vollständig, dass man zu der Erkenntnis der letzteren erst beim Verheilen oder nach Ablauf des Geschwüres gelangt. Alle hierher gehörigen Wunden, ja auch die venerisch-contagiösen Geschwüre können bei antiseptischer Behandlung und sorgsamer Pflege verheilen. Allein mau darf nicht glauben, dass damit etwa der ganze Krankheitsprocess zum Abschluss gelangt sein muss. Gar oft entwickelt sich erst in der Narbe die Infiltration, die benachbarten Drüsengruppen schwellen an und man hat es mit einer syphilitischen Initialform zu thun, welche im weiteren Verlaufe ftir den Organismus dieselbe Bedeutung hat, wie wenn sie von allem Anfang an als ein lediglich syphilitisches Geschwür bestanden haben würde.

Der gewöhnliche Verlauf aber ist der, dass sich aus dem kleinen, unscheinbaren Substanzverluste allmählig rundliche, an der Oberfläche speckig belegte, wenig Secret liefernde Geschwüre entwickeln, welche dem Kranken

lO ?

keine besonderen Beschwerden verursachen. Im Verlaufe der zweiten, namentlich aber in der dritten Woche entwickelt sich dann an der Basis und in der Peripherie die typische Infiltration, welche knotig-sphärische Form annimmt, derb anzufühlen ist und die sogenannte Induration oder Sklerose darstellt (Tab, i). Der Grad der Infiltration hängt vielfach von der örtlichen Beschaffenheit des Gewebes ab, in dessen Bereich die Uebertragung stattgefunden hat. So finden wir z. B. häufig an der Glans penis und an der Portio vaginalis ])laite, an der Oberfläche erodierte Infiltrate (Erosio superficialis sklerotica). Auf der Körperoberfläche, namentlich dort, wo die Haut lockerer mit der Unterlage verbunden ist. finden wir knotige, über die Umgebung elevierte, derbe Infiltrate, welche an behaarten, drüsenreichen Partien selbst bedeutende Grösse erreichen können (Tab. 2 bis 11). So sahen wir eine solche fast zweimarkstückgrosse Sklerose am Kinn, welche eine Neubildung vortäuschte, und die Zeit ist noch gar nicht so lange vorbei, wo Verwechslungen solcher syphilitischer Sklerosen an Lippen, Brüsten u. a. mit Epitheliomen vorkamen. Sitzen solche Initialaffecte an Stellen, welche der Zeirung häufig unterworfen sind, z. B. an den Mundwinkeln, am Uebergangsteile der Gaumenbögen in die Zunge, an den Mandeln, am After u, s. w., so nehmen sie die Form rissförmiger Geschwüre an, welche häufig durch den raschen Zerfall des Infiltrates die Diagnose einer Sklerose erschweren. Das syphilitische Gewebe im allgemeinen, besonders aber die mächtige Sklerose erleidet durch Druck oder Zerrung einen rapiden gangränösen Zerfall, wobei es zur Elimination der Induration und zur Bildung eines grossen Geschwüres kommt. Ebenso kann auch durch therapeutische Missgriffe, namentlich durch unnützes Aetzen ein Zerfall des Infiltrates und Entstehung grösserer Geschwürsflächen hervorgerufen werden. Von der Stelle der Uebertragung aus dringt das syphilitische Contagium weiter in den Körper ein und zwar geschieht dies auf dem Wege der Lymph- und Blutbahnen. Namentlich sind es die ersteren, welche die grösste Menge des von den peripheren Geweben rückströmenden Gewebs-safies aufnehmen und, indem sie selbst sich aus Capillaren

7.11 immer grösser werdenden Lymphbahnen vereinigen, in lue zunächst benachbarten Drüsen überleiten. Es soll damit ober durchaus nicht in Abrede gestellt werden, dass auch «lie rückläufigen Blutgefässe, die Venen, das Virus von der Sklerose aufnehmen und in den übrigen Organismus überfuhren; für die Lymphgefässe jedoch ist das klinisch imd histologisch erwiesen. Wer Gelegenheit hatte, ein grösseres Material zu beobachten, wird sich mancher Fälle erinnern, wo um die Sklerose herum das Gewebe wie angeschwollen, wenn auch nicht so prall und derb wie die Sklerose selbst, so doch dichter und hart, ödematös anzufühlen war, und wo in weiterer Entfernung, z. B. am dorsum penis beim Sitz der Sklerose am Praeputium, derbe harte Stränge zogen, die sich deutlich bis zu den regionären Lymphdrüsen verfolgen liessen. Diese Veränderung beginnt mit einer capil-lären oder strangartigen, in ihrem Verlaufe oft knotige Anschwellungen zeigenden Lymphangoitis. Liegt letztere gar zu oberflächlich oder sind die knotigen Anschwellungen j;rösser. so entstehen nicht selten Excoriationen an der Oberfläche derselben, ja tiefer Zerfall. Solche exulcerierte Knoten können als mehrfache Uebertragungsslellen des syphilitischen Contagiums imponieren. Eine solche Entzündung der Lymphgefässe infolge von Initialsklerose kann zu einer mächtig aus-jitrbreiteten, die Genitalien in hohem Grade verunstaltenden Schwellung führen, einem Zustand, den man als Oedema indurativum (Tab. 5 u. 12) bezeichnet, der sich als ungemein hartnäckig erweist, meist der allgemeinen Behandlung zu weichen beginnt und mit den Secundärerscheinungen vollständig schwindet. Es ist diese Art indurativen Oedems wohl zu unterscheiden von acuten entzündlichen ödematösen Schwellungen, welche als acuter Process zu jedweder unreinen c:der zerfallenden Wunde hinzutreten können und ab und zu zu Abscedirungen im Verlaufe der Lymphgefässe führen, wie beim venerischen Geschwür (Bubonulus Nisbethii).

Lymphdrüsenschwellungen.

Im weiteren Verlaufe kommt es zu einer bei der Syphilisinfection constant auftretenden Erscheinung, nämlich

12

ZU einer Anschwellung der dem Initialaffecte zunächst gelegenen Lymphdrüsengruppen, also bei Genitalsklerose der inguinalen, bei Mund- und Lippensklerose (Tab. 9 u. 10) der submaxillaren und submentalen u. s. w. Diese Anschwellung ist der äusserlich sichtbare Ausdruck eines massenhaften, kleinzelligen Infiltrates, welches ebenso wie in der Iniiialsklerose selbst und im weiteren Verlaufe in den von ihr abgehenden Lymphgefässen, nun auch in den entsprechenden Lymphdrüsen Platz greift. Sie bleibt bei reinen syphilitischen Geschwüren in der Regel auf einen massigen Grad beschränkt, ohne besondere subjective Beschwerden hervorzurufen. Bei zerfallenden Geschwüren hingegen und ebenso in jenen Fällen, in welchen eine Mischinfection vorliegt, wird ein viel grösserer Reiz auf die Drüsen ausgeübt. Sie schwellen dann viel beträchtlicher an und bilden nicht selten faustgrosse Tumoren, welche an verschiedenen Stellen zerfallen und eine sogenannte strumöse Adenitis darstellen. Häufig geschieht dies auch bei herabgekommenen, mit Scrophulose, Tuberculose etc. behafteten Individuen und bei diesen auch schon bei relativ geringer peripherer Reizung.

Phimosis und Paraphimosis.

Wir wollen hier noch einer häufigen Complication jener Initialformen gedenken, die am männlichen Gliede, namentlich am Praeputium und im sulcus coronarius vorkommen. In solchen Fällen wird nämlich das Praeputium durch die weit um die Sklerose herum sich ausbreitende Infiltratioii häufig vollständig unbeweglich, so dass es starr die Eichel umschliesst (Tab. la). Solche Phimosen kommen auch bei früher locker gewesenen Vorhäuten zur Entwicklung, ganz unabwendbar aber in jenen Fällen, wo schon vordem eine wenn auch nur ganz geringgradige Verengerung bestand. Unter dem dauernd wirkenden Einflüsse des Druckes kommt es nun zu Zerfall, gar nicht so selten sogar zu Gangrän der Sklerose. Schreitet die Gangrän vorwärts, so wird das Praeputium durchlöchert und die Eichel kann durch die auf diese

Weise entstandene Oeffnung hindurchschlüpfen. Wir haben Fälle beobachtet, Vo das Praeputium durch die Gangrän vollständig zerstört war, wo letztere weiter auf die Haut des Penis, ja auch auf die des Scrotums übergegriffen hatte so, dass einerseits die Corpora cavernosa, anderseits die Testikel samt den zuführenden Gefässen, ihrer Decke ent-blösst zutage lagen. Wenn ein solches noch bewegliches, aber schon infiltriertes Praeputium gewaltsam zurückgeschoben wird, so gelingt die Reposition selten (P a r a p h i m o s i s). Das Praeputium wird ödematös geschwellt; der hinter der Eichel befindliche einschnürende Rand wird nekrotisch zerstört. Bleibt dieser Zustand, der die Circulation in der glans und dem retrahierten Praeputium hemmt, länger bestehen, so wird aus diesem Oedcm eine bleibende entzündliche Infiltration, welche das Reponieren des Praeputiums nicht mehr gestattet und es resultiert daraus eine bleibende Verunstaltung des Penis.

Prodromalsymptome während der Proruptions-Periode.

Während sich die localen Symptome mit grösserer oder geringerer Intensität entwickeln, dringt das Contagium von der Stelle der Uebertragung auf dem Wege der Lymph-und Blutbahnen weiter in den Organismus ein, ohne dass man längere Zeit hindurch, meist bis zum 57. Tage nach erfolgter Infection, andere Veränderungen, als die bisher erwähnten wahrnehmen könnte. Allein es verhalten sich durchaus nicht alle Fälle gleich. Eine grosse Anzahl derselben, (wir möchten fast mehr denn die Hälfte als solche bezeichnen), lässt schon zu der Zeit, wo sich die Weuerverbreitung der Krankheit im Körper vollzieht ohne noch durch äusserlich besonders auffallende Veränderungen in Erscheinung zu treten, durch gewisse Symptome auf das Vorhandensein einer schweren Allgemeinerkrankung schliessen.

Es klagen nämlich die Patienten in solchen Fällen viele Tage vor dem Ausbruche des Exanthems über Mattigkeit und Abgeschlagenheit, sind auffallend blass, weisen

? 14 ?

bläuliche Ringe um die Augen auf. kurz sie nehmen ein ausgesprochen krankhaftes Aussehen an. Gleichzeitig treten auf irgend einen Körperteil beschränkte Schmerzen auf: Kopfschmerzen , Intercostalncuralgien, Druckempfindlichkeit des Sternums, namentlich in der Nähe der Ansatzstellen der Rippenknorpel ohne dass man daselbst irgendwelche Schwellungen nachweisen könnte, Schmerzhaftigkeit einzelner Gelenke oder gewisser Muskelgruppen u. a. Letztere bezeichnet man auch als rheumatoide Schmerzen und gar nicht selten gehen sie die Veranlassung zu Verwechslungen mit beginnendem Rheumatismus. Weiter zeigen die Kranken mitunter eine gewisse Unruhe und leichte Erregbarkeit, die sich einerseits darin äussert, dass sie sehr reizbar werden und sich unzufrieden zeigen, andererseits darin, dass bis dahin ganz gesunde Personen nun beim Stiegensteigen und ähnlichen geringfügigen Anstrengungen von heftigen Herzpalpitationen befallen werden. Auch der Schlaf ist bei diesen Patienten zuweilen gestört. Es tritt Schlaflosigkeit entweder ohne jede weitere Veranlassung oder im Gefolge der oben angetührten, sich meist in den Abendstunden steigernden Schmerzen auf und trägt zur Verschlimmerung des Allgemeinzustandes der Kranken bei. Von den angeführten Symptomen kann der Kranke dieses oder jenes allein oder aber mehrere gleichzeitig aufweisen. Bei einzelnen Individuen lässt sich gegen Aben<l eine Temperaturerhöhung um 0,5 bis i® constatieren, bei den meisten aber ist eine Temparatursteigerung überhaupt nicht zu finden (Syphilitisches Fieber).

Nachdem nun die aufgezählten Erscheinungen kürzere oder längere Zeit, meist acht bis zehn Tage anhielten» lassen sie allmählig, oft ohne jede Behandlung nach und es entwickelt sich das Exanthem, mit welchem wir das Gebiet der sogenannten Secundärperiode betreten.

Wir wollen gleich hier, bevor wir uns noch mit den übrigen Krankheiisproducten der secundären Periode der Syphilis beschäftigen, erwähnen, dass man in der Kegel etwa gleichzeitig mit dem ersten Auftreten von Allgemein-erscheinungen an den verschiedensten Körpergegenden ein allmähligcs Anschwellen der tastbaren Drüsen

? 15 -

(allgemeine syphilitische Drüsenanschwellung) beobachtet. Man findet dann die supraclavicularen, cervi-calen, submaxillaren, nuchalen, relroauricularen, ferner die axillaren, cubitalen u. a. Lymphdrüsen entweder insgesamt oder nur gruppenweise massig vergrössert und beträchtlich verhärtet. Grössere Schwellungen finden sich bei scrophu-lösen, anämischen und bei sonstwie heruntergekommenen Individuen.

Ganz nebenbei wollen wir bemerken, dass das Drüsensystem auch in späteren Perioden entweder für sich allein oder im Zusammenhange mit cutanen Geschwürsprocessen eine gar wichtige Rolle spielt. In diese Periode fällt auch die Zunahme der Milzanschwellung, welche jedoch schwer zu constatieren sein dürfte und auch nicht in allen Fällen vorzukommen pflegt. In einem späseren Absatz wollen wir nochmals auf diese pathologischen Veränderungen zurückkommen.

Die syphilitischen Exantheme.

Die syphilitischen Exantheme der Secundärperiode können wir mit Rücksicht auf ihr histologisches Verhalten und den klinischen Verlauf in drei Gruppen sondern, nämlich in maculöse, in papulöse und in pustulöse. Ausserdem treten in ganz seltenen Fällen im Anschluss an die papulösen Exantheme sogenannte squamöse Formen auf, die ihrer sehr frühzeitig in Erscheinung tretenden Tendenz zum oberflächlichen Abschuppen diesen Namen verdanken. (Tab. 20.)

Die syphilitischen Exantheme zeigen gewisse allgemeine Merkmale, die allen in ziemHcher Regelmässigkeit xakommen. Die Efflorescenzen sind gewöhnlich auf beide Körperhälften symmetrisch verteilt und ihre Anordnung hält, was namentlich bei reichlicheren Eruptionen deutlich wird, die Spaltrichtungen der Haut ein. So findet man z. B. am Rucken die einzelnen Reihen, in welchen die Efflorescenzen

? i6 ?

nebeneinander stehen, schief nach beiden Seiten hin abfallend. (Tab. i6.) Weiter zeigen alle syphilitischen Exantheme kreisrunde oder elliptische Form und dies sowohl an den einzelnen Efflorescenzen als auch in den mehr weniger ausgebreiteten Gruppen, die letztere während der vorgeschrittenen Stadien bilden (Tab. 21). Diese Eigenschaft, die man übrigens auch bei anderen Dermatosen findet, könnte sehr wohl in der Verteilung von Gefassen und Nerven in der Haut ihren Grund haben. Endlich muss hervorgehoben werden, dass die Exantheme seltener ein gleichartiges, sondern in den weitaus meisten Fällen ein polymorphes Aussehen darbieten. (Tab. 16.) Man beobachtet dabei entweder ein directes Ueber-gehen einzelner Efflorescenzen aus der einen in die andere Form (z. B. aus der maculösen in die papulöse) oder es entwickeln sich innerhalb einer Gruppe z. B. maculöser Efflorescenzen papulöse, papulöser Formen pustulöse mit verschiedenartigem Charakter. (Tab. 18.)

Das maculöse Syphilid.

Beim maculösen Syphilide müssen wir zwei Formen unterscheiden, die syphilitische Roseola und das grossmaculöse Syphilid.

Die Roseola, der eigentliche Repräsentant des hyperaemischen Stadiums tritt hauptsächlich am Stamme, und zwar in braunroten, linsen- bis erbsengrossen, auf Fingerdruck erblassenden Flecken auf, welche in der Regel das Niveau der Haut nicht überragen und, oft ohne eine Spur zu hinterlassen, binnen wenigen (3?12) Tagen verschwinden können. Subjective Beschwerden fehlen bei ihr vollständig, weshalb gerade diese Form des syphilitischen Exanthems fast in der Regel von den Kranken nicht wahrgenommen wird. (Tab. 13.)

Das grossmaculösp Syphilid tritt später als die Roseola auf und combiniert sich häufig mit papulösen Formen an den Genitalien, am After, im Munde u. a. Seine Farbe ist an der unteren Körperhälfte livid, an der oberen zeigt sie einen deutlichen Stich ins kupferfarbige.

? 17 ?

Die einzelnen Efflorescenzen, die wegen ihrer Grösse im Gegensatze zu denen der Roseola, die schlechtweg Maculae heissen, Maculae maiores genannt werden, nennt man je nach ihrer Form und Anordnung M. m. figuratae, M. m, gyratae, M. m. annulares u. s. w. Diese Formen entstehen entweder durch Confluenz mehrerer nebeneinander stehender Flecke oder dadurch, dass einzelne Efflorescenzen in ihrem Centrum abblassen, während in der Peripherie die Rötung bestehen bleibt oder gar noch zunimmt, so dass dann diese Ringe nur um so deutlicher hervortreten.

Die meisten grossmaculösen Syphilide sind über das Niveau der Haut leicht erhaben und erinnern daher an verschiedene Formen des Erythema exudativum multiforme. Allein durch ihre längere Dauer, durch den Mangel jedweder subjectiver Beschwerden und endlich durch die begleitenden Erscheinungen können sie von diesem leicht unterschieden werden.

Bei den Efflorescenzen des grossmaculösen Syphilids handelt es sich, wie bereits Biesiadecki nachgewiesen hat, nicht um eine blosse Hyperaemie der Haut, sondern auch um eine kleinzellige Infiltration um die Gefässe der betreffenden Stelle, so dass wir hier eigentlich schon die erste Andeutung jener Infiltrationen finden, wie sie für das papu-löse Stadium charakteristisch sind.

Die Roseola schwindet, wie bereits erwähnt, ohne merkliche Veränderungen in der Haut zurückzulassen. Beim grossmaculösen Syphilid dagegen nimmt man, wenn auch in ziemlich seltenen Fällen, nach dem Verschwinden an den Stellen eine leichte, kaum merkliche Abschuppung der Epidermis wahr. Häufiger schwindet nach dem Abblassen der Efflorescenzen an den befallenen Stellen das Pigment, wodurch diese jetzt lichter erscheinen und zur Bildung der Leukopathia cutanea Veranlassung geben. (Tab. 14, 15 u. 16.)

Das papulöse Syphilid.

Der häufigste unter den syphilitischen Ausschlägen der Haut, den sogenannten Syphiliden ist das papulöse. Es tritt

? i8 ?

oft als Erstlingsexanlhem nach der vollzogenen Allgemein-infection des Organismus auf und bleibt als solches entweder bis zum Verschwinden allein oder es kommt vergesellschaftet mit dem maculösen oder pustulösen Syphilid vor. Das Substrat der Papel ist eine ursprünglich in die Papillar-schichte der Haut abgelagerte, kleinzellige Infiltration, welche je nach der Ausbreitung und Anhäufung des angewucherten Gewebes die Grösse und Form der Papeln bestimmt. In seiner Erscheinungsform zeigt es von allen Syphiliden die meisten Varianten. So sehen wir einerseits Knoten von Hirsekorn- bis Bohnengrösse auftreten, während wir andererseits wiederum Papeln von mehr flächenhafter Ausbreitung bis zu Zweipfennigstückgrösse begegnen, welche randständig wachsende, in der Mitte etwas vertiefte Efflorescenzen darstellen. ? In den jüngeren Fällen von Syphilis sind die Papeln über die ganze Hautdecke zerstreut, in den älteren hingegen treten sie als localisierte Formen an den Genitalien^ am After, an den Handtellern, an der Schleimhaut der Mundhöhle u. a. auf. Für die Beurteilung der Schwere des einzelnen Falles ist es von grosser Wichtigkeit Form und Grösse der einzelnen Papeln genau zu berücksichtigen.


Akzeptieren

Diese Website benutzt Google Analytics um seinen Nutzen zu messen. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren