Backup

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Prolog

Ich lebte lange genug, um in den Genuss der Unsterblichkeit zu gelangen; um den Aufstieg der Bitchun Society zu verfolgen; um zehn Sprachen zu lernen; um drei Symphonien zu komponieren; um meinen Kindheitstraum zu verwirklichen und mich in Disney World niederzulassen; um die Arbeit und die Arbeitsplätze sterben zu sehen*.

* Im amerikanischen Internet-Jargon bedeutet bitchun so viel wie spitze, klasse oder hervorragend. In der deutschsprachigen Szene hat sich der Begriff noch nicht eingebürgert. Inspiriert von Cory Doctorows vorliegendem Roman hat sich 2006 eine Bitchun Society im Netz gegründet (http://bitchun.org) ? Anm. d. Übers./d. Red.

Allerdings hätte ich nie gedacht, den Tag zu erleben, an dem Immer-auf-Achse-Dan beschließen sollte, sich bis zum Wärmetod des Universums auf Eis zu legen.

Als ich Dan kennenlernte, irgendwann Ende des 21. Jahrhunderts, befand er sich in der zweiten oder dritten Blüte seiner Jugend. Er war ein feingliedriger Desperado mit tief eingegerbten Falten in den Augenwinkeln und sonnenverbranntem Hals, trug ausgelatschte, aber überaus bequeme Stiefel und wirkte wie etwa fünfundzwanzig. Zu dieser Zeit arbeitete ich an meinem vierten Doktorat, einer Dissertation in Chemie. Er dagegen hatte in seinem Eifer, die Welt zu retten, eine Pause eingelegt, spannte auf dem Campus in Toronto aus und analysierte Speicherauszüge für irgendeinen armen Anthropologie-Studenten. An einem turbulenten, frühlingshaften Freitagabend trieben wir uns beide in der Studentenkaschemme rum, die Eingeweihte nur SK oder Stukka nannten. Ich kämpfte mich mühsam an einen Platz an der zerkratzten Theke heran, indem ich mich jedes Mal ein Stückchen näher schob, wenn der Druck der Leiber etwas nachließ; Dan jedoch thronte bereits auf einem der wenigen Barhocker, umgeben von Zigarettenkippen und vorübergehend verwaisten Plätzen, die offensichtlich belegt waren.

Ich war schon ein ganzes Stück vorgerückt, als er mir den Kopf zuwandte und eine sonnengebleichte Augenbraue hob. »Noch einen Schritt näher, mein Junge, und ich muss das als Annäherungsversuch werten.«

Ich sah ungefähr wie vierzig aus, und es passte mir überhaupt nicht, wenn mich jemand mein Junge nannte. Aber als ich ihm in die Augen blickte, kam ich zu dem Schluss, er müsse in Echtzeit wohl schon so viele Jahre auf dem Buckel haben, dass er mich jederzeit so nennen durfte. Ich wich ein Stück zurück und entschuldigte mich.

Er zündete sich eine Zigarette an und blies dem Barkeeper eine dichte, stinkende Wolke über den Kopf. »Mach dir keine Gedanken. Ich bin wahrscheinlich etwas verwöhnt, was Bewegungsspielraum angeht.«

Ich konnte mich nicht daran erinnern, wann ich auf Bodenhöhe zuletzt jemanden über Bewegungsspielraum hatte reden hören. Aufgrund einer Sterblichkeitsrate, die bei null und einer Geburtenrate, die darüberlag, rückten sich die Menschen zwangsläufig immer näher auf die Pelle, woran auch die Abgänge durch Auswanderung und Kälteschlaf nichts ändern konnten.

»Hast du Weltraumtrips unternommen?«, fragte ich. Seine Augen blickten so wach, dass er dem Kälteschlaf bestimmt nicht eine einzige Sekunde persönlicher Erfahrung geopfert hatte ? so jedenfalls schätzte ich ihn ein.

Er kicherte. »Nein, Sir. Ich doch nicht. Ich muss mich mit einem miesen Machojob rumschlagen, den?s nur auf Bodenhöhe gibt. Weltraumtrips sind doch Kinderkram. Ich brauche Arbeit.« Das Glas in seiner Hand klirrte so, als wollte es seine Aussage bekräftigen.

Es dauerte einen Moment, bis auf meinem Headmount-Display sein Woppel-Stand angezeigt wurde. Ich musste die Größe des Fensters anpassen, denn die Zahl hatte mehr Nullen, als auf mein Standarddisplay passten. Ich versuchte cool zu bleiben, aber er bemerkte wohl, dass meine Augen kurz nach oben zuckten und die Pupillen sich unwillkürlich weiteten. Erst spielte er ein bisschen den Bescheidenen, ließ es dann aber und zeigte ein stolzes Lächeln.

»Ich versuche, nicht allzu viel darauf zu geben. Manche Leute übertreiben es mit ihrer Dankbarkeit.« Offenbar bemerkte er auch das nächste Aufwärtszucken meiner Augen, als ich mir seine Woppel-History ansah. »Hör mal, lass das! Wenn du?s unbedingt wissen willst, werd ich?s dir erzählen. Weißt du, man kann auch gut ohne Hyperlinks leben. Man meint zwar, man würde sie schrecklich vermissen, aber das stimmt gar nicht.«

In diesem Moment machte es klick bei mir. Er war ein Missionar ? einer dieser Exzentriker, die als Abgesandte der Bitchun Society in die finstersten Winkel der Welt geschickt werden, wo die Menschen, aus welchen Gründen auch immer, sterben, verhungern und an petrochemischen Abfällen ersticken wollen. Es ist erstaunlich, dass solche Gemeinschaften mehr als eine Generation überstehen; wer sich an die Regeln der Bitchun Society hält, lebt gewöhnlich länger als deren Kritiker. Die Missionare sind nicht sonderlich erfolgreich ? man muss wirklich sehr überzeugend sein, um zu einer Kultur durchzudringen, die nahezu einem Jahrhundert an Propaganda widerstanden hat ?, aber wenn man ein ganzes Dorf bekehrt, sackt man alles Woppel ein, das dort zu holen ist. Häufiger kommt es allerdings vor, dass Missionare aus einem Backup reanimiert werden, wenn man ein Jahrzehnt lang nichts mehr von ihnen gehört hat. Ich hatte noch keinen aus Fleisch und Blut getroffen.

»Wie viele erfolgreiche Missionen hast du denn schon hinter dir?«, fragte ich.

»Bist mir draufgekommen, wie? Hab gerade meine fünfte in zwanzig Jahren abgeschlossen. Ging um Konterrevolutionäre, die sich im alten Stützpunkt des Weltraum-Verteidigungskommandos auf Cheyenne Mountain verschanzt hatten und eine Generation später immer noch dort ausharrten.« Er fuhr sich mit den Fingerspitzen durch den Backenbart. »Deren Eltern hatten abtauchen müssen, nachdem ihre Ersparnisse aufgebraucht waren, und sie selbst benutzten keine Technik, die über ein einfaches Gewehr hinausging. Davon hatten sie allerdings reichlich.«

Daraufhin erzählte er die faszinierende Geschichte, wie er nach und nach erst die Anerkennung und dann das Vertrauen der Bergbewohner errungen und es schließlich auf ebenso hinterhältige wie wohltätige Weise missbraucht hatte: indem er ihre Gewächshäuser an Freie Energie ankoppelte, die eine oder andere genmanipulierte Getreidesorte einführte, ein paar Tote zum Leben erweckte und den Bergbewohnern die Ideale der Bitchun Society langsam näher brachte, bis sie selbst nicht mehr wussten, warum sie nicht genau das von Anfang an gewollt hatten. Inzwischen hatten die meisten von ihnen den Planeten verlassen, stießen mit Entdeckerfreude, unbegrenzten Energiereserven und unerschöpflichen Ressourcen zu neuen Grenzen vor und überbrückten die langweiligen Phasen der Reise durch Kälteschlaf.

»Wären sie auf dem Planeten geblieben, hätten sie den Schock, glaube ich, nicht überstanden. Weißt du, sie betrachten uns als den Feind und hatten schon alle möglichen Vorkehrungen für den Fall getroffen, dass wir sie angreifen und von dort wegbringen würden: Giftkapseln in hohlen Zähnen, Sprengfallen, geheime Rückzugsorte, Treffpunkte für die Überlebenden. Sie können ihren Hass auf uns einfach nicht überwinden, obwohl wir nicht einmal wissen, dass es sie gibt. Auf anderen Welten können sie sich immer noch einreden, sie führten ein hartes, bodenständiges Leben.« Erneut rieb er sich das Kinn; die harten Handschwielen kratzten über den Backenbart. »Aber was mich angeht, findet das wirkliche raue Leben immer noch hier, auf dieser Erde, statt. Jede der kleinen Enklaven stellt so etwas wie eine Alternativgeschichte der Menschheit dar. Was wäre zum Beispiel, wenn wir die Freie Energie in Anspruch genommen, aber auf die Möglichkeiten des Kälteschlafs verzichtet hätten? Was wäre, wenn wir den Kälteschlaf zwar angewendet hätten, aber nur bei Schwerkranken, nicht bei Leuten, die lediglich der Langeweile auf endlosen Busfahrten entkommen wollen? Oder Hyperlinks nutzen würden, aber auf keine Ad-hoc-kratie und kein Woppel zurückgreifen könnten? Jede dieser Alternativen ist wundervoll und hat ihren eigenen Reiz.«

Da ich die dumme Angewohnheit habe, mich nur um des Streitens willen zu streiten, sagte ich aus dem Bauch heraus: »Wundervoll? Na klar, nichts ist herrlicher als, sagen wir, zu sterben, zu verhungern, zu erfrieren, im eigenen Saft zu schmoren, zu töten, Grausamkeiten, Ignoranz, Schmerz und Elend zu erdulden. Das sind die Dinge, die ich wirklich vermisse.«

Immer-auf-Achse-Dan schnaubte verächtlich. »Meinst du etwa, ein Junkie vermisst es, nüchtern zu sein?«

Ich klopfte auf die Theke. »Hallo! Es gibt keine Junkies mehr!«

Er zündete eine weitere Zigarette an. »Aber du weißt doch wohl, was ein Junkie ist, nicht? Junkies vermissen die Nüchternheit deshalb nicht, weil sie sich gar nicht daran erinnern, wie intensiv sie in diesem Zustand alles ringsum erlebt haben und wie sehr der Schmerz die Freude versüßt hat. Wir können uns nicht mehr daran erinnern, wie es gewesen ist, den eigenen Lebensunterhalt mit Arbeit verdienen zu müssen; sich zu sorgen, mit dem Geld vielleicht nicht auszukommen, zu erkranken oder von einem Bus überfahren zu werden. Wir wissen nicht mehr, wie?s ist, wenn man Risiken eingeht, und wir wissen erst recht nicht, wie?s ist, wenn Risiken sich auszahlen.«

Er hatte nicht ganz unrecht. Hier stand ich, erst zum zweiten oder dritten Mal erwachsen und schon bereit, alles dranzugeben und irgendetwas anderes, ganz egal was, zu tun. Er hatte nicht ganz unrecht ? aber ich wollte es nicht zugeben. »Das behauptest du. Ich behaupte, dass ich schon ein Risiko eingehe, wenn ich in einer Bar ein Gespräch anfange oder mich verliebe ? Und was ist mit Leuten im Kälteschlaf? Ich kenne zwei Leute, die sich gerade für zehntausend Jahre in Kälteschlaf begeben haben! Erzähl mir bloß nicht, dass sie kein Risiko eingehen!« Um die Wahrheit zu sagen, lagen praktisch alle, die ich in meinen rund achtzig Jahren kennengelernt hatte, im Kälteschlaf, waren irgendwo unterwegs oder einfach abgetaucht. Es waren einsame Tage damals.

»Bruder, das läuft auf einen halbherzigen Selbstmord hinaus. So wie?s bei uns zugeht, können diese Leute von Glück sagen, wenn sie nicht einfach abgeschaltet werden, sobald?s Zeit für die Wiederbelebung wird. Falls es dir noch nicht aufgefallen ist: Es wird hier allmählich ziemlich eng.«

Ich grummelte etwas Unverständliches vor mich hin und wischte mir die Stirn mit einer Serviette ab ? an Sommerabenden war es im Stukka elend heiß. »Ja, ja, vor hundert Jahren, bevor Freie Energie zur Verfügung stand, ist es auf der Erde auch schon mal ein bisschen eng geworden. Damals gab?s zu viele Treibhausgase, zu viele Atombomben, mal war?s zu heiß und mal war?s zu kalt. Wir haben?s damals gerichtet, und wir werden?s wieder richten, wenn?s so weit ist. Ich werd noch in zehntausend Jahren hier sein, jede Wette, Mann, aber bis dahin hab ich vor, eine große Ehrenrunde zu drehen.«

Er legte den Kopf schräg und dachte kurz darüber nach. Wäre er einer meiner Kommilitonen gewesen, hätte ich angenommen, er lasse in seinem Kopf eine Suchroutine laufen, um seinen nächsten Geistesblitz mit ein paar Halbwahrheiten zu untermauern. Aber bei ihm war ich mir sicher, dass er wirklich über meine Worte nachdachte, auf die altmodische Art.

»Wäre ich in zehntausend Jahren immer noch hier, müsste ich schon total durchgeknallt sein. Junge, zehntausend Jahre! Vor zehntausend Jahren waren Ziegen der neuste Stand der Technik. Meinst du wirklich, dass du in hundert Jahrhunderten noch etwas sein wirst, das man als Mensch erkennen kann? Also, ich jedenfalls bin nicht daran interessiert, ein Posthumaner zu werden. Ich werde eines Tages aufwachen und mir sagen: ?Na gut, ich glaube, ich hab genug gesehen?, und das wird mein letzter Tag sein.«

Ich hatte geahnt, worauf er hinauswollte, und nicht mehr zugehört, während ich mir meine Antwort zurechtlegte. Ich hätte wohl besser aufpassen sollen. »Aber warum? Warum nicht einfach ein paar Jahrhunderte im Kälteschlaf überbrücken und schauen, ob einen nicht irgendetwas begeistert, und wenn nicht, dann eben noch ein paar Jahrhunderte verschlafen? Warum etwas so Endgültiges

Er beschämte mich, indem er mit ernster Miene darüber nachdachte, so dass ich mir wie ein angesoffener Dummschwätzer vorkam. »Ich nehme an«, sagte er schließlich, »weil es sonst nichts Endgültiges mehr gibt. Mir war immer schon klar, dass ich eines Tages nicht mehr herumziehen, nicht mehr suchen, nicht mehr kämpfen und mit allem fertig sein würde. Es wird der Tag kommen, an dem für mich alles erledigt ist und ich nur noch aufhören kann.«

 

Wegen seiner Desperado-Ausstrahlung und seiner Lebensart nannten sie ihn auf dem Campus den Immer-auf-Achse-Dan. Irgendwie kam es dazu, dass er jedes Gespräch dominierte, das ich während der folgenden sechs Monate führte. Ein paar Mal pingte ich Dans Woppel an und konnte feststellen, dass es unaufhaltsam nach oben kletterte: Zunehmend erwarb er sich die Wertschätzung der Menschen, denen er begegnete.

In derselben Zeit wirtschaftete ich mein Woppel ziemlich in den Keller und brauchte alle Rücklagen von den Symphonien und den ersten drei Doktorarbeiten auf, indem ich im Stukka meinen Verstand versoff, an Bibliotheksterminals herummurkste und Professoren belästigte, bis ich jeden Respekt, den man mir früher entgegenbrachte, verspielt hatte. Nur Dan achtete mich aus irgendeinem Grund noch und lud mich regelmäßig zu einem Bier, einem Essen oder einem Kinobesuch ein.

Ich entwickelte das Gefühl, ich müsse etwas Besonderes sein ? schließlich hatte nicht jeder einen derart extravaganten Kumpel wie Immerauf-Achse-Dan, den legendären Missionar, der die einzigen Orte besucht hatte, auf die die Bitchun Society noch keinen Einfluss ausübte. Ich weiß nicht genau, warum er sich mit mir abgab. Er erwähnte ein paar Mal, dass ihm meine Symphonien gefallen hätten. Außerdem hatte er meine Dissertation in Ergonomie gelesen ? darin hatte ich mich darüber ausgelassen, wie man Techniken zur Publikumslenkung und -überwachung in Themenparks auf städtische Umgebungen übertragen kann ? und mochte meine Ausführungen. Aber ich glaube, letztlich lief es darauf hinaus, dass wir einfach Spaß daran hatten, uns aneinander zu reiben.

Gelegentlich unterhielt ich mich mit ihm über den gewaltigen Teppich der Zukunft, der sich gegenwärtig vor uns ausrollte, über die Gewissheit, dass wir früher oder später auf fremde Intelligenzen stoßen würden, über die unvorstellbaren Möglichkeiten, die sich vor jedem von uns auftaten. Er behauptete oft, eine Person, die sich in Kälteschlaf begebe, lasse damit klar erkennen, dass sich ihr Reservoir an Introspektion und Kreativität erschöpft habe; ohne inneren Kampf könne es keinen echten Sieg geben.

Wir führten anregende Wortgefechte und hätten sie bis in alle Ewigkeit fortsetzen können, ohne dass einer von uns als Sieger daraus hervorgegangen wäre. Ich konnte ihm das Zugeständnis abringen, dass das Woppel-System, die Anhäufung von virtuellem Kapital, das allein auf Reputation beruht, den eigentlichen Sinn des Geldes verwirklicht hatte. In früheren Zeiten hatte man, selbst wenn man pleite war, nicht verhungern müssen, falls man bei seinen Mitmenschen Ansehen genoss; war man dagegen reich, aber verhasst, konnte man sich mit keinem Geld der Welt Sicherheit und Frieden erkaufen. Indem das beziffert wurde, wofür Geld eigentlich stand ? nämlich das persönliche Ansehen, das man bei Freunden und Nachbarn genoss ?, konnte man seinen Erfolg viel genauer einschätzen.

Und dann führte er mich auf einen raffinierten, sorgfältig mit Ködern ausgelegten Abweg, der mir das Eingeständnis entlockte, dass wir zwar irgendwann auf fremde Intelligenzen mit ganz ungewöhnlichen, fantastischen Eigenschaften stoßen könnten, die Welt gegenwärtig jedoch unter einer etwas deprimierenden Gleichförmigkeit litt.

An einem schönen Frühlingstag präsentierte ich meine Abschlussarbeit zwei organischen Menschen und einem Professor, dessen Körper gerade einer Generalüberholung unterzogen wurde und dessen Bewusstsein über eine Freisprech-Verbindung mit dem Computer teilnahm, auf dem er derzeit gespeichert war. Alle drei mochten meine Arbeit. Anschließend zog ich meine Lammfelljacke über und suchte auf den süßlich nach Blumen stinkenden Straßen nach Dan.

Er war nicht aufzutreiben. Der Anthropologie Student, den er mit seinen Kriegsgeschichten malträtiert hatte, sagte, Dan habe am Morgen seine Sachen gepackt und sei in die ummauerte Stadt Tijuana abgereist. Offenbar wolle er sich mit den dort ansässigen Nachkommen eines Zugs von US-Marines beschäftigen, die mit der Bitchun Society nichts zu tun haben wollten.

Und deshalb ging ich nach Disney World.

Als Hommage an Dan absolvierte ich den Flug in Echtzeit, in einer der winzigen Kabinen, die für jene von uns reserviert sind, die sich für einen zweistündigen Flug auf keinen Fall einfrieren und wie Holzbalken aufeinanderstapeln lassen wollen. Ich flog als Einziger in Echtzeit, aber eine Flugbegleiterin servierte mir pflichtschuldig ein Glas Orangensaft mit dem Volumen einer Urinprobe und ein gummiartiges, übel riechendes Käseomelett. Während der Autopilot eine Turbulenz umflog, starrte ich aus dem Fenster auf die schier unendliche Wolkendecke und fragte mich, wann ich Dan wiedersehen würde.


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