Auf des Messers Schneide

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1. Kapitel.

Der tote Tscho.

»Berlin ? Berlin! Alles aussteigen!« ? Der D-Zug Hamburg-Berlin war mit fünfzehn Minuten Verspätung auf dem Lehrter Bahnhof eingetroffen.

Die nicht allzu zahlreichen Reisenden strebten mit ihrem Handgepäck der Sperre zu. Nur in einem Abteil 1. Klasse befanden sich noch zwei Herren, von denen der größere sich jetzt abermals zum Fenster hinauslehnte und den Bahnsteig hinabspähte.

»Aussteigen!« rief ein Schaffner, der den Gang des D-Wagens entlangschritt, durch die Schiebetür in das Abteil der beiden Herren hinein.

»Wo nur Tscho stecken mag?!« sagte Harald ungeduldig zu mir und wandte sich dann an den Schaffner mit den Worten: »Unser Diener saß hinten im Zuge dritter Klasse. Vielleicht ist er eingeschlafen.«

Der Schaffner brummte etwas vor sich hin und ging weiter.

Wir nahmen unsere Reisetaschen und unsere Mäntel und verließen den Wagen, stellten uns draußen vor dem Fenster unseres Abteils auf, wo wir einen großen Pappkarton zurückgelassen hatten, und warteten auf unseren Tscho.

Der Karton war sehr schwer, und wir hatten keine Lust, uns damit zu schleppen.

»Ich werde doch mal nachsehen gehen,« meinte Harald dann. »Die Sache gefällt mir nicht. Auch das Ende des Zuges muß längst von Schaffnern auf vergessene Gepäckstücke revidiert worden sein. Man hätte Tscho also geweckt, wenn er wirklich so fest geschl?«

Das Wort »geschlafen« wurde nicht beendet. Dafür rief Harald in ganz anderem Tone:

»Du ? es muß etwas passiert sein! Dort haben sich jetzt vier Bahnbeamte vor dem einen Wagen versammelt ?«

Er eilte schon davon. ? Ich dachte gar nicht mehr an den Pappkarton mit dem so wertvollen Inhalt und blieb dicht hinter Harst, den offenbar die Sorge um Tscho vorwärtstrieb.

Die vier Bahnbeamten schauten Harald überrascht an, als er sie fragte:

»Hat man einen Toten im Zuge gefunden?«

Ein Stationsassistent antwortete mißtrauisch:

»Ja. Einen Chinesen in europäischer Tracht. Aber ? wie kommen Sie auf diese Frage? Der Mann saß allein in einem Abteil. Wie können Sie wissen, daß ?«

»Mein Name ist Harald Harst,« unterbrach mein Freund ihn hastig. »Der Chinese ist mein Diener. Ihr aufgeregtes Wesen und der Schaffner, der dort wahrscheinlich nach der Polizeiwache läuft, schienen mir darauf hinzudeuten, daß etwas Außergewöhnliches geschehen sein müßte.«

Der Assistent, ein noch junger Mann, fragte jetzt höflich: »Ich habe doch richtig verstanden, mein Herr, ? Sie sind Harald Harst, der Liebhaberdetektiv?«

Harst nickte nur.

»Bitte, wollen Sie dann nicht selbst vielleicht das Abteil betreten?« meinte der Beamte zuvorkommend.

Gleich darauf standen wir an der halb zugeschobenen Tür eines Abteils 3. Klasse. Harst ging allein hinein.

An einer Ecke am Fenster lehnte in sich zusammengesunken unser Tscho. Der graue Ulster, den Harst ihm in Hamburg gekauft hatte, war über die Knie gebreitet; der weiche Filzhut lag fast auf der Nase.

»Er hat eine ganz blutbefleckte Weste ? gerade in der Herzgegend,« sagte der Assistent, der neben mir in der Tür stand.

Harald beugte sich jetzt über den regungslos Dasitzenden, dessen Mund etwas offen war und die gelblichen Zähne sehen ließ.

Wir konnten nicht erkennen, was Harst tat, aber nach einer Weile erklärte er:

»Tscho ist nur ohnmächtig. Der Puls geht freilich sehr schwach. ? Ich werde ihn mit in meine Wohnung nehmen.«

Da erschien auch schon der Kriminalbeamte der Bahnhofswache. Harald hatte sich mit ihm rasch verständigt. Dann wollte ich den großen Pappkarton holen. Leider fand ich ihn nicht. Das Gepäcknetz unseres Abteils war leer.

Als ich Harst dies etwas kleinlaut mitteilte, sagte er nur: »Vielleicht hat ein Schaffner ihn auf dem Bureau abgegeben.«

Während der noch immer bewußtlose Tscho in ein Auto geschafft wurde, stellten wir fest, daß ein älterer Herr von schmächtiger Gestalt mit dem Karton als letzter die Sperre passiert hatte. Der betreffende Schaffner besann sich ganz genau auf den Herrn und den Karton.

Der Kriminalwachtmeister Röbel fragte Harst, was der Karton enthalten hätte.

»Drei antike silberne Kannen, zwei antike Goldreifen und zwei vergoldete Krüge,« erwiderte Harst. »Ich habe die Sachen gestern in Hamburg auf einer Auktion erstanden und 185 000 Mark dafür bezahlt.«

Röbel versprach, sofort alles Nötige zur Verfolgung des Diebes in die Wege zu leiten.

»Ein recht genaues Signalement haben wir ja,« meinte er. »Dieser alte Herr mit der goldenen Brille ist wahrscheinlich ein Gelegenheitsdieb.«

Dann bestiegen und wir das Auto. Tscho hatte man in seinen Ulster gehüllt und halb auf den Rücksitz gelehnt.

»Ich komme dann gegen Abend zu Ihnen, Herr Harst,« sagte Röbel noch und schloß die Tür. Das von einem Kreise von Neugierigen umlauerte Auto fuhr davon. ?

Dann die große Ueberraschung:

Harst sagte ganz gemütlich zu unserem Bewußtlosen: »So, mein gelber Junge, nun kannst Du lebendig werden.«

Tschos Schlitzaugen öffneten sich. Er grinste ein wenig und meinte:

»Hab? ich gut gemacht die Sache, Master Harst?« ? Diese Frage stellte er in einem unglaublichen Sprachenmischmasch ? dreiviertel englisch, ein Achtel deutsch und ein Achtel französisch.

»Tadellos!« lobte Harst.

Unser Auto glitt durch den im ersten Frühlingsgrün prangenden Tiergarten.

»Sache war so,« fuhr unser Tscho fort. »Ich schlafen ein sehr bald in Abteil ganz allein ?«

»Ja, Du hattest Dir auf dem Bahnhof ein Fläschchen Kognak gekauft, mein Sohn.«

»Ganz kleiner Flasche nur, wirklich! Also ? ich schlafen ein. Sehr fest und sehr lange. Bis kurz vor die Bahnhof Berlin. Da ? ich wachen auf von eine sehr viele Schmerz in die Brust und sehen Mann stehen mit Dolch vor mir ? so!«

Er zeigte uns, daß der Mann stoßbereit vor ihm gestanden habe.

»Oh ? Tscho sein schlau,« grinste er wohlgefällig. »Tscho wissen, daß Mann nochmals stoßen, wenn ich nicht sterben. Ich sterben also, Master Harst, und machen dies so ?«

Er lehnte sich in die Ecke zurück, verdrehte die Augen, hob die Arme, ließ sie wieder sinken, holte zweimal keuchend Atem und fiel schlapp in sich zusammen.

»Sehr gut,« lobte Harald wieder.

Tscho nickte, richtete sich auf und erklärte: »Ich haben schon sehen sterben fünf Leute an Messerstiche, Master Harst. Und so, wie ich sterben, war ganz echt. Darum auch die alte Mann mit Dolch nicht mehr zustoßen.«

»Es war ein Dolch, kein Messer?«

»Dolch. Lange Dolch, persische Dolch, nicht Messer.«

»Und der Mann hatte einen grauen Vollbart, trug eine Brille und war sehr klein und schmal in den Schultern.«

Tscho riß den Mund auf. »Woher wissen, Master Harst?! ? Stimmt alles sehr genau: klein, dünn, graue ?«

»Schon gut. ? Und was geschah weiter?«

»Der Mann denken, Tscho sein tot und gehen weg, Tscho aus Angst, daß zurückkommen, weiter tot sein. Nachher Tscho haben gedenkt: besser, Du bleiben tot, damit Mörder können leichter entdeckt werden von Master Harst und somit Polizei nicht so viel fragen ?«

»Ja, und als ich mich dann über Dich beugte,« meinte Harald lächelnd, »da flüstertest Du: »Tscho leben noch. Nur Rippe blutet, weil Dolch an Geld abgleiten ?« ? Das war auch für mich eine ziemliche Ueberraschung, mein Junge! ? Aber gestatte nun mal eine Frage: an was für Geld ist denn die Klinge abgeglitten?«

»Oh ? hab? in Hemd eingenäht indische Goldmünzen,« erklärte Tscho und schlug den Blick zu Boden.

Hm ? das waren fraglos »Ersparnisse«, um die er uns bemogelt hatte!

»So, so, ? also Goldmünzen! Und der Stich hat nur die Haut geritzt?« fragte Harald.

»An Rippe lang ? tiefer Schnitt,« nickte Tscho. »Habe keine Schmerzen nur viel Blut gehen futsch.«

»Na, den Schnitt naht Dir der Hausarzt meiner Mutter bald zusammen,« tröstete Harst. »Ich will Dir nun auch eine kleine Ueberraschung bereiten: der Pappkarton mit den antiken Krügen und Tellern ist von demselben Manne gestohlen worden, der Dich ermorden wollte.«

Jetzt konnte ich mit meiner Weisheit nicht länger zurückhalten und sagte sehr bestimmt:

»Und dieser Mann ist Mistreß Daisy O?Brien! Der persische Dolch verrät sie!«

2. Kapitel.

Der Dieb.

Harald schwieg dazu. Nur Tscho meinte:

»Das sein unmöglich, Master Schraut. War keine verkleidete Weib, war echte Mann ? ganz echte! Handschuhe tragen und haben so ? große Hände! Mistreß O?Brien kleine Hände, ganz kleine.«

»Hm ? Du kannst wirklich gut beobachten, Tscho,« sagte Harald. »Lassen wir das alles jetzt. Blutet Deine Wunde noch?«

»Nicht mehr bluten. Nur brennen. Ich fühlen, Hemd sein angekleben.« ?

Das Auto sauste weiter. Harald hatte sich in seine Ecke zurückgelehnt. Ich merkte, er wollte nicht mehr sprechen.

Wir fuhren den Kurfürstendamm empor. Auch hier hatten die Linden, die den Reitweg einsäumten, ebenfalls schon kleine Blättchen.

Ich schaute zum Fenster hinaus. ? Wieder daheim! Endlich! ? Und über der Freude des Heimatgefühls vergaß ich alles andere. ?

Dann hielt das Auto vor dem Gitter des Vorgartens Blücherstraße 10.

Frau Auguste Harst eilte dem Sohn entgegen, schloß ihn in die Arme. Auch die alte treue Köchin lief herbei.

»Mein Junge ? mein Junge ? mein Einziger!« sagte Frau Auguste immer wieder mit bebender Stimme. Dann drückte sie auch mir die Hand.

»Ich bringe leider einen Patienten mit, liebe Mutter,« meinte Harald etwas zaghaft. »Meinem Diener Tscho ist unterwegs etwas zugestoßen. Man hat ihn im Zuge überfallen ?«

Frau Auguste schüttelte den weißen Kopf so kräftig, daß das seidene Spitzenhäubchen verrutschte.

»Wenn Du doch nur ein einziges Mal so wie andere Leute heimkämst!« seufzte sie kläglich. »Aber Du ? Du bringst immer ?«

Tscho kletterte jetzt heraus.

Und Frau Harst rief: »Himmel ? daß ist ja ein Chinese!«

Tscho grinste freundlich. »Oh, Mistreß, ich eine brave gelbe Junge sein, sagen Master Harst immer.«

Aber selbst diese Selbstempfehlung konnte Frau Harsts Abneigung gegen den Chinesen nicht sofort zerstreuen.

Wir faßten Tscho unter und führten ihn ins Haus. Er war doch recht schwach, und als dann Sanitätsrat Haberland die Wunde sah, meinte er staunend:

»Na ? einen solchen Stich hält auch nur ein Asiate aus, ohne sofort auf der Nase zu liegen.«

Tscho wurde in dem Zimmer neben meinem Schlafzimmer auf der recken Seite des Flurs im Erdgeschoß untergebracht.

Erst gegen drei Uhr nachmittags setzten wir uns dann an den Mittagstisch. Jetzt erzählte Harald auch von dem zweiten Mißgeschick, von dem Diebstahl des Kartons mit den antiken Kunstgegenständen.

»Der Mordanschlag und der Diebstahl,« fügte er erläuternd hinzu, »hängen natürlich eng zusammen. Der Dieb rechnete darauf, daß sich ihm durch den Anschlag auf Tscho Gelegenheit zu einem kühnen Griff nach dem Karton bieten würde. Und ? er hatte sich nicht verrechnet. Nun bin ich 185 000 Mark los. Und hatte mich doch so darauf gefreut, Dich mit den wundervollen Krügen und Tellern an überraschen, liebe Mutter.«

Frau Harst seufzte wieder. »Ich weiß schon, Harald, was jetzt kommt: die Jagd auf den Mordgesellen von Dieb! Dann habe ich gar nichts von Dir ? gar nichts! Dann hast Du nur Gedanken für ?«

In demselben Augenblick betrat die Köchin das Speisezimmer.

»Kriminalwachtmeister Röbel,« meldete sie.

»Soll in meinem Zimmer warten,« sagte Harald kurz. »Wir sind schon beim Nachtisch. Es dauert nicht lange.«

Frau Harst schaute mich vorwurfsvoll an.

»Schraut ? na, habe ich nicht recht gehabt?! Kaum seid ihr beide daheim, ist auch die Polizei schon im Hause!« ?

Röbel nahm die Zigarre mit Dank an. Wir setzten uns.

»Ich bringe gute Nachricht, Herr Harst,« berichtete er stolz. »Wir haben den Kerl bereits!«

Harald rief ungläubig: »Wirklich?! ? Wenn die Sache nur keinen Haken hat!«

»Nicht die Spur, Herr Harst. Natürlich leugnet der Mensch. Aber wir haben den Schaffner von der Sperre bereits dem Diebe gegenübergestellt. ? Ich will jedoch alles im Zusammenhang berichten. Ich hatte sofort die Juweliere und Antiquitätenhändler benachrichtigen lassen. Um 1 Uhr meldete sich der Juwelier Modler vom Kurfürstendamm telephonisch und teilte mit, er habe gegen ½ 1 Uhr von einem alten Herrn die angegebenen Gegenstände gekauft. Der Herr wies sich Modler gegenüber als Doktor Philipp Weng, Privatgelehrter aus, und der Juwelier trug daher kein Bedenken, die kostbaren Stücke zu erwerben. Um ¾ 1 erhielt Modler dann unsere Warnung. Er bekam aber erst nach einer Viertelstunde Anschluß mit dem Präsidium. Ich fuhr sogleich zu ihm und von da mit zwei weiteren Beamten nach der Müllerstraße 191, wo Doktor Weng wohnen sollte. Er haust da in einer allen Baracke ganz allein. Sie werden die Gegend dort oben im Norden Berlins ja kennen, Herr Harst. Es gibt da noch genug unbebaute Parzellen und Gebäude, die über hundert Jahre alt sind. ? Ich traf Weng daheim an. Meine Beamten ließ ich draußen. Der alte Privatgelehrte wurde sehr verlegen, als ich ihm sagte, wer ich sei und weshalb ich käme. Er leugnete alles ab. Ich hatte aber schon vorher nach dem Lehrter Bahnhof telephoniert und den Schaffner herausbestellt. Der sagte denn mit aller Bestimmtheit: »Das ist der Herr, der den Karton trug!« Und da zog Weng andere Seiten auf und gab zu, heute mittag erst aus Hamburg zurückgekehrt zu sein, schwor aber hoch und heilig, den Karton nicht gestohlen zu haben. Ich machte der Sache ein Ende, indem ich ihn mit zu dem Juwelier Modler nahm. Und Modler erklärte: »Er ist?s. Sowohl das Aeußere als auch die heisere, leise Stimme erkenne ich wieder.« ? Nur die Verkäuferin Modlers war im Zweifel, ob Weng derjenige wäre, der die kostbaren Gegenstände an Modler für 110 000 Mark verkauft hatte. Nun ? mir genügten die Beweise vollauf, und jetzt ist Weng im Polizeigefängnis. Kommissar Stettenborn hat ihn bereits vernommen. Weng behauptet, er sei zum Vergnügen in Hamburg gewesen, und dort seien ihm im Hotel Drei Mohren seine Papiere samt der Brieftasche gestohlen worden. ? Davon hatte er mir gegenüber nichts erwähnt. Stettenborn lachte ihn denn auch aus und meinte, Weng solle doch nicht mit so lächerlichen Ausreden wie der von dem großen Unbekannten kommen. ? Das wäre alles, Herr Harst.«

»Ob wir Stettenborn noch im Präsidium antreffen werden?« fragte Harald, indem er den Rest seiner Zigarette in die Aschenschale legte. »Ich möchte mir diesen Doktor Weng nämlich mal ansehen, Herr Röbel! Mein Diener Tscho hat den Mann, der ihn erstechen wollte, genau so beschrieben wie der Schaffner den alten Herrn mit den Karton.«

»Nicht möglich!« rief Röbel. »Das ? das würde ja ?« er überlegte kurz ? »darauf hindeuten, daß Weng den Chinesen zu ermorden beabsichtigte, um Gelegenheit zu dem Diebstahl zu finden. ? Ja, Stettenborn ist noch auf dem Präsidium. Er vernimmt Zeugen in der Sache des Zopfabschneiders der Müllerstraße.« Der chtmeister lächelte. »Klingt wie?n Kintoppstück-Titel, dies »Zopfabschneider der Müllerstraße«, Herr Harst. Ist aber Tatsache. Seit acht Wochen treibt da ein Kerl im Norden Berlins, hauptsächlich in der Müllerstraße, sein Unwesen und schneidet abends kleinen Mädels mit einem Rasiermesser die Zöpfe ab. Stettenborn hat sich heute die vier letzten Opfer dieses Menschen zur Vernehmung bestellt. Ich gehöre mit zum Dezernat des Kommissars und kenne diese Sache ganz genau.«

Harald stand auf. »Fahren wir,« meinte er. »Ich muß diesen Weng sehen. Für Zopfabschneider interessiere ich mich nicht.« ?

Kommissar Stettenborn ließ Weng vorführen. Bis dieser kam, setzte er noch die Vernehmung eines der Mädelchen fort. ? Wir hatten an der Wand auf Stühlen Platz genommen und hörten zu. Das Kind war ein richtiges Großstadtpflänzchen, durchaus nicht befangen und erzählte mit allen Einzelheiten, wie der Mann sie angesprochen, ihr Schokolade gegeben und mit einem Male gesagt habe, ihre Haarschleife sei lose; er wolle sie ihr wieder festbinden. Dann hätte er sehr stark an ihrem Zopf gerissen und sie mit dem Stock bedroht, als sie laut aufschrie. Sie sei eilends davongelaufen und habe erst nachher bemerkt, daß der Zopf glatt abgeschnitten war.

Den Zopfabschneider selbst beschrieb sie als buckligen, kleinen, ärmlich gekleideten Mann mit fast weißem, langem Haar und weißem Spitzbart. ?

Dann wurde Doktor Weng hereingeführt. Das Mädelchen schaute ihn neugierig an und rief plötzlich:

»Ach ne, Herr Doktor, was haben Sie denn berissen?! Dann soll Mutter wohl morjen nich zu Ihnen kommen?«

Weng, der sehr sorgfältig angezogen war und ein frisches, rosiges Gesicht hatte, wurde blutrot vor Verlegenheit.

»Man hält mich für einen Dieb, Minna,« sagte er leise und mit ziemlich heiserer, hoher Stimme. »Deine Mutter soll daheim bleiben, Kind, bis ? bis sich dies hier aufgeklärt hat.«

Die kleine Minna nickte, reichte Weng die Hand und rief in schnippischem Tone Stettenborn zu:

»Sie, Herr Kommissar, der Doktor stiehlt nich. Der is so jut zu alle Menschen ?«

»Geh!« sagte Stettenborn scharf. Und das etwa achtjährige Mädel machte ihm einen frechen Knicks und ballerte die Tür hinter sich ins Schloß. ?

Weng setzte sich auf Stettenborns Aufforderung hin, nachdem dieser ihn unsere Namen genannt hatte.

Seltsam genug: Weng war, als er Harsts Namen hörte, förmlich zurückgeprallt.

Und Stettenborn meinte nun leicht ironisch:

»Es war sehr richtig von Röbel, daß er Ihnen nicht mitteilte, wen Sie bestohlen haben, Herr Doktor Weng. Diese Ueberraschung wollte er mir vorbehalten. Und ? sie ist geglückt. Nicht wahr ? hätten Sie gewußt daß Sie ausgerechnet an dem Eigentum des bekanntesten Liebhaberdetektivs sich vergreifen wollten, dann würden Sie wohl lieber auf den Raub verzichtet haben?«

Weng senke den Kopf und murmelte:

»Ich bin kein Dieb! Ich bestreite alles!«

Harald stand auf und lehnte sich vor den Doktor an Stettenborns Schreibtisch.

»Gestatten Sie, daß ich einige Fragen an Herrn Weng richte,« bat er den Kommissar, der mit einem »Aber gewiß ?!? antwortete.

»Herr Doktor,« begann Harst, »wie ich sehe, haben Sie im Verhältnis zu Ihrer mächtigen Figur recht große Hände. Trugen Sie heute im D-Zuge Hamburg-Berlin Handschuhe?«

»Ich trage Handschuhe nur im Winter,« erklärte Weng leise und ohne aufzublicken.

»Welche Wagenklasse benutzten Sie heute?«

»Dritte Klasse, Nichtraucher. Ich saß im dritten Wagen hinter der Maschine.«

»Allein?«

»Nein. Es waren noch zwei Frauen im Abteil. Ich habe der einen, mit der ich mich unterhalten hatte, den Koffer bis zur Elektrischen getragen.«

»Kennen Sie den Namen der Frau?«

Nein. Aber sie sagte, ihr Mann sei Zahntechniker und sie wohne in der Charlottenstraße.«

Stettenborn mischte sich ein. »Diese Frau hat Doktor Weng auch mir bereits aufgetischt,« meinte er achselzuckend. »Ich werde selbstverständlich feststellen lassen, ob die Sache stimmt. Sie wird aber nicht stimmen.«

Auf einem Regal neben dem Schreibtisch lag ein Berliner Adreßbuch. Harald nahm es, blätterte darin und sagte dann;

»Hier ist Charlottenstraße Nr. 49, vier Treppen ein Zahntechniker Gutschmidt angegeben. Er hat Telephon ? Zentrum 1318. Läuten Sie doch mal an, Herr Stettenborn.«

Der Kommissar bekam sofort Anschluß. Wir hörten gespannt zu.

»Ah ? Sie besinnen sich also auf den Herrn. ? Hatte er einen großen Pappkarton bei sich? ? So ? nur eine Handtasche ?«

Stettenborn machte ein etwas verblüfftes Gesicht und bat:

»Frau Gutschmidt, wollen Sie sofort im Auto herkommen. Ja, Zimmer 201, Kommissar Stettenborn.«

Er legte den Hörer weg. Und Harald sagte sofort:

»Herr Doktor Weng, Sie sind nicht der Dieb. Sie gestatten aber, daß ich Sie nach Ihrer Freilassung mal besuche ?«

Weng benahm sich eher sehr merkwürdig. Er schaute nicht auf. Nein, sein Kopf sank noch tiefer auf die Brust. Dann flüsterte er noch leiser als bisher:

»Ich ? ich will alles gestehen. Ja, ich habe den Karton gestohlen. Ich brachte die Frau bis zur Haltestelle, lief dann zurück auf den Bahnsteig!«

»? ohne Fahrkarte?!« meinte Harst.

»Mit einer Bahnsteigkarte. Und dann nahm ich den Karton aus dem Gepäcknetz.«

Stettenborn sprang auf. »Und vorher, Herr Weng, ? was hatten Sie vorher getan?! Weshalb wußten oder hofften Sie, daß der Karton unbewacht sein würde? Weil Sie eben den Diener des Herrn Harst niedergestochen hatten und auf die allgemeine Verwirrung rechneten, sobald der Diener im Abteil gefunden werden würde!«

Weng blieb stumm. Nur Harald sagte ganz laut:

»Schade!«

Worauf Stettenborn ihn fragend ansah und Harst nun erklärte: »Schade, daß ich mich so getäuscht habe!«

Stettenborn entging der Doppelsinn dieser Bemerkung. Mir entging er nicht. Aber ? was diese Aeußerung sollte, verstand ich trotzdem nicht. ?

Gleich darauf hatte Doktor Weng zu Protokoll gegeben, daß er den Chinesen Tscho habe ermorden wollen und daß er den Karton gestohlen hätte. ? »Die von dem Juwelier erhaltenen 30 000 Mark Anzahlung auf die verkauften Gegenstände habe ich,« gestand er ein, »in meiner Wohnung in einem Geheimfach meines Schreibtisches verborgen, wo ich auch noch anderes Bargeld aufbewahre.« ?

Dann erschien Frau Gutschmidt, erkannte Weng sofort wieder und wurde wieder entlassen.

3. Kapitel.

Auf der Suche nach der Wahrheit.

Als sie gegangen war, ließ Stettenborn auch Doktor Weng wieder abführen.

Weng blickte nicht auf, selbst als Harst mit merkwürdiger Betonung sagte:

»Auf Wiedersehen, Herr Doktor!«

Stumm folgte Weng dem Beamten, der ihn in seine Zelle brachte.

Wir vier ? Stettenborn, Röbel, Harst und ich ? waren allein.

Wachtmeister Röbel, der sich bisher ganz schweigsam verhalten hatte, meinte nun zögernd:

»Herr Kommissar, hier stimmt irgend was nicht. ? Nicht wahr, Herr Harst, Sie glauben doch dasselbe? Weng ist nicht der Dieb.«

»Oho!« lachte Stettenborn kopfschüttelnd. »Wer denn sonst?!«

Harald sagte darauf langsam: »Sie hätten Weng den Mordversuch in anderer Weise vorhalten sollen, Herr Stettenborn. Ich erlaubte mir ein »Schade!« weil Sie leicht hätten feststellen können, daß der Doktor von dem Mordversuch keine Ahnung hatte und daß es somit ?« Da wandte er sich an mich.

»Nun, mein Alter, vollende den Satz ?«

Ich tat es. »? daß es somit zwei Männer gegeben haben muß, die sich sehr ähnlich sahen und die heute denselben D-Zug benutzten. Einer stahl den Karton, nämlich Weng, der andere war der Mann mit dem Dolch und den Handschuhen.«

»So ist?s!« rief Röbel eifrig.

Harst lächelte nur. Und Stettenborn meinte sehr gedehnt: »Hm, dann müssen die beiden gerade Zwillingsbrüder gewesen sein!«

Worauf Harald zerstreut nickte und nach einer Weile zu Stettenborn sagte:

»Ich fürchte, wir sind von der Wahrheit noch meilenweit entfernt. Wir können ihr aber näher kommen, wenn wir ein kleines Experiment wagen.«

»Und das wäre?« fragte Stettenborn neugierig.

»Wir fahren sofort mit Weng nach der Müllerstraße. Und dort tun Sie alles, Herr Stettenborn, was ich vorschlage, ? alles, selbst etwas scheinbar Widersinniges. Wenn Sie mir das versprechen, kläre ich Ihnen diesen Fall innerhalb vierundzwanzig Stunden auf.«

Stettenborn war einverstanden. »Jedem anderen würde ich nicht so ohne weiteres folgen, Herr Harst,« meinte er. »Bei Ihnen laufe ich keine Gefahr, mich in die Nesseln zu setzen.«

Ein Dienstauto brachte uns nach Müllerstraße 191. ? Das einstöckige Häuschen lag in einem verwilderten Garten hinter Fliedersträuchern und einer Dornenhecke. Rechts und links befanden sich Neubauten,

Weng hatte während der Fahrt kein Wort gesprochen. Aber sein Gesicht glänzte vor Schweiß, und seine Hände glitten hin und her. Er gab sich die größte Mühe, seine Aufregung zu unterdrücken. Es gelang ihm aber nicht.

Das Häuschen hatte nur drei Stuben und eine Küche. Die Einrichtung war eigenartig genug. Man glaubte sich eher im Laden eines Raritätenhändlers als in der Wohnung eines Gelehrten zu befinden.

Weng mußte zunächst in seinem Studierzimmer den Schreibtisch und das Geheimfach öffnen. Kaum hatte er einen Blick in dieses geworfen, als er auch schon schrill und heiser ausrief:

»Oh ? ich bin bestohlen! Da ? das Fach ist leer!«

Harald stand dicht hinter Weng.

»Ich denke, Sie widerrufen Ihr Geständnis, Herr Doktor,« sagte er sehr höflich. »Sie können der Dieb nicht sein. Wir haben bereits festgestellt, daß niemand mit einer Bahnsteigkarte nach dem D-Zuge geeilt ist. Ich habe leider jetzt nicht Zeit, die Frage aufzuklären, weshalb Sie sich selbst bezichtigt haben. Auch für den Mordversuch kommen Sie als Täter nicht in Betracht. Ich habe soeben die Taschen Ihres Reisemantels durchsucht. Es befinden sich keine Handschuhe darin. Man sieht es auch Ihren Händen an, daß Sie sich ohne Handschuhe viel in frischer Luft bewegt haben. Dann noch Ihre Ausrede, Sie seien bestohlen worden. Ich behaupte, in diesem Geheimfach haben sich niemals jene 30 000 Mark Anzahlung befunden. Ich werde all diese Fragen später prüfen, wenn ich mit Schraut aus Dänemark zurückgekehrt bin. Ich muß heute abend noch abreisen, was ich sehr bedauere. Ihre Person interessiert mich, Herr Doktor Weng. Ich hoffe, Sie werden mir später freiwillig sagen, aus weitem Grunde Sie uns derart zu täuschen versuchten. ? Noch eine Frage: haben Sie einen Bruder, der Ihnen ähnlich sieht?«

Weng schaute jetzt zum ersten Male Harst voll an.

»Ich stehe ganz allein da,« erklärte er leise, aber im Tone vollster Aufrichtigkeit. Dann wurde er verwirrt, senkte wieder den Kopf und fügte hinzu: »Sie ? Sie täuschen sich, Herr Harst. Ich habe beides begangen, den Mordversuch als auch den Diebstahl. Ich ? ich leide zuweilen an einer Art Geistesgestörtheit. Ich fühle dann den unbezwingbaren Drang, mich als Verbrecher zu betätigen.«

»Wohl möglich,« meinte Harst leichthin. »Für diese beiden Straftaten kommen Sie aber nicht in Betracht.«

Ich beobachtete Kommissar Stettenborn, der mit einem ganz merkwürdigen Gesicht dastand. Ich merkte, wie schwer es ihm wurde, auf diese Anregung Haralds einzugehen und den Haftbefehl gegen Weng vorläufig aufzuheben.

Als Harst ihn jetzt in besonderer Weise anblickte, sagte er daher nur widerstrebend:

»Sie sind frei, Herr Doktor. Ich muß Sie aber bitten, Berlin zunächst nicht zu verlassen. Der Fall bedarf noch dringend der Aufklärung.«

»Ich werde mich jeder Zeit zu Ihrer Verfügung halten,« erwiderte Weng in seiner zaghaften, beinahe schuldbewußten Art.

»Dann können wir gehen,« meinte Stettenborn. »Wachtmeister Röbel hat bei Ihnen ja bereits eine Haussuchung vorgenommen. ? Guten Abend, Herr Doktor.«

Weng verbeugte sich stumm, begleitete uns bis in den Vorgarten und kehrte dann in sein kleines Häuschen zurück.

Inzwischen war es völlig dunkel geworden. Wir bestiegen das Polizeiauto, das auf uns gewartet hatte, und fuhren davon.

Dann sagte Harst: »Bitte, lassen Sie uns beide hier aussteigen, Herr Stettenborn.«

»Was haben Sie vor?« rief Stettenborn etwas gereizt und drückte auf den Ball der Pfeife.

Das Auto fuhr langsamer, hielt an, und Harald entgegnete: »Sie wissen, daß ich meine besonderen Methoden als Detektiv habe, Herr Stettenborn. Ich hoffe, auf diese Weise auch diesmal ans Ziel zu kommen. Es wird Ihnen nicht leid tun, meinen Rat befolgt und die Verhaftung Wengs aufgehoben zu haben. Er ist schuldig ? ohne Frage! Aber man muß es ihm auch beweisen können.«

»Daraus werde der Teufel klug!« rief Stettenborn temperamentvoll. »jetzt sagen Sie wieder, er ist schuldig?! Sie meinen natürlich den Diebstahl!«

»Vielleicht ?«

Wir stiegen aus, und das Auto rollte davon. »Kehrt!« befahl Harald und faßte mich unter. »Aber auf der anderen Seite, mein Alter. Dieser Weng ist ein gerissener Kunde. Man muß vorsichtig sein!«

»Tu mir einen Gefallen und erkläre mir, was dies alles eigentlich bedeutet?!« bat ich eindringlich, »Stettenborn hat ganz recht: aus alledem wird kein Mensch klug!«

»O doch, lieber Alter! So allerlei ahnte ich schon in Stettenborns Dienstzimmer. Als ich dann Wengs Behausung sah, wurde mir der Rest klar, zumal er ja selbst zugab, daß er nicht ? Doch nein, lassen wir das jetzt. Wir werden Weng besuchen, aber heimlich. ? Ah ? hier ist ja noch ein Eisenwarengeschäft offen. Warte, ich kaufe einiges ein. Es könnten Schlösser geöffnet werden müssen, und wir haben von unserm Handwerkszeug nur unsere Pistolen und Taschenlampen mit.« ?

Er war nach fünf Minuten wieder bei mir. Die Straße war jetzt gegen sieben Uhr abends recht belebt. Vor dem Neubau links von des Doktors Grundstück machten wir halt.

»Ein Wächter wird nicht vorhanden sein,« meinte Harald. »Der Neubau enthält noch nichts Wertvolles. Also los ? klettern wir über den Bauzaun.«

Wir paßten eine gute Gelegenheit ab, als niemand in der Nähe war. Dann standen wir vor der Tür des großen, erst bis zur halben Höhe des ersten Stabes aufgeführten Gebäudes.

»Wir haben noch Zeit,« sagte Harst. »Weng wird erst später an die Arbeit gehen. Komm?, suchen wir uns ein Versteck in der Nähe des Häuschens. Bäume und Büsche gibt es ja übergenug in dem verwilderten Garten.«

Wir umschritten den Neubau. Eine hohe Dornenhecke und ein schadhafter Holzzaun begrenzten hier des Doktors Besitz.

Da der Himmel stark bewölkt war, fiel es uns schwer, einen Durchschlupf durch die Dornenhecke zu finden. Gerade als wir über einen Haufen Bauschutt kletterten, sahen wir vor uns undeutlich die Gestalt eines Mannes, der einen dunklen Radmantel trug.

Der Mann hatte uns nicht, bemerkt. Es wehte ein kräftiger Wind, und das Rauschen und Knistern der Dornenhecke übertönte jedes Geräusch. Der Mann verschwand in der Dunkelheit. Er hatte es nicht eilig. Aber seine Bewegungen waren mir doch schleichend und vorsichtig erschienen.

»Ein Wächter ist das nicht gewesen,« flüsterte ich.

»Nein, vielleicht einer von Stettenborns Beamten,« erwiderte Harst.

»Du meinst, er läßt das Haus überwachen?«

»Wenn nicht er, dann Wachtmeister Röbel, mein Alter, was auf dasselbe hinausläuft. Folgen wir dem Menschen.«

Wir hatten ihn bald eingeholt, blieben nun zehn Schritt hinter ihm. Am Ende der Dornenhecke begann ein kleines Laubengebiet. Hier kletterte der Mann durch den Drahtzaun und ging einen Weg zwischen den Lauben entlang.

»Doch kein Beamter!« flüsterte ich.

»Nein. ? Suchen wir ein Loch in der Hecke.«

Wir fanden keins. Harald schnitt dann so viel Zweige weg, daß wir unten am Boden hindurchkriechen konnten.

  1. Kapitel. In Wengs Studierzimmer.

Hier in Wengs Garten war es unter den Bäumen noch dunkler. Wir stießen auf eine Art Fliederlaube, in der ein wackliger Tisch und eine einfache Holzbank standen. Der Eingang der Laube zeigte gerade auf die Hintertür des Häuschens, das mit seinem gelbbraunen Anstrich genau zu erkennen war. Die Entfernung bis dahin betrug etwa fünfzehn Schritt.

Wir setzten uns. ? Die Fenster des Häuschens hatten Holzläden, die außen angebracht waren.

Ich hatte jetzt Zeit, über das bisher Erlebte genau nachzudenken. ? Eins stand für mich fest: Doktor Weng war nicht der, durch dessen Hand Tscho verwundet worden war. Aber: war er der Dieb der kostbaren antiken Gefäße?! ? Ich konnte es nicht recht glauben. Es war ja zu unwahrscheinlich, daß er Frau Gutschmidt erst bis an die Haltestelle der Straßenbahn begleitet und dann mit einer Bahnsteigkarte den Perron wieder betreten hatte. Harald hatte es freilich glatt erfunden, daß der Schaffner an der Sperre nach einem Herrn mit einer Bahnsteigkarte befragt worden war. Aber ich kannte ja die Aussagen des anderen Schaffners, der den Mann mit den Pappkarton als einen der letzten Fahrgäste den Bahnsteig hatte verlassen sehen. Niemals konnte Weng in so kurzer Zeit von der Straßenbahn wieder auf dem Bahnsteig geeilt sein. Nein ? er war der Dieb niemals!

Ich vermochte meine Gedanken nicht länger für mich zu behalten und teilte nun Harst meine letzten Schlüsse leise mit.

»Du bist der Wahrheit einmal ziemlich nahe gewesen,« erwiderte er. »Du übersiehst ganz die Auktion in Hamburg, auf der ich die Sachen kaufte.«

Nun war ich genau so schlau wie bisher. Ich zog es vor zu schweigen. Wenn Harald nicht sprechen wollte, war aus ihm auf keine Weise etwas herauszuholen. Dann wurde ich auch durch Doktor Weng abgelenkt, der plötzlich aus der Hintertür heraustrat und die Läden schloß. Er trug jetzt einen langen Schlafrock und ein Käppchen auf dem grauen Kopf.

Die Hinterfront hatte ebenso wie die Vorderseite vier Fenster. ? Weng schaute sich argwöhnisch um, bevor er wieder ins Haus ging. Wir hörten, wie er laut aufseufzte und irgend etwas vor sich hinmurmelte.

Eine Turmuhr schlug neun.

»Um zehn werden wir einsteigen,« meinte Harald. »Siehst Du dort oben das Dachfenster? Und links die große Linde? Der eine Ast berührt fast den Schornstein.«

Er holte sein Zigarettenetui hervor und hielt es mir hin. »Wir können uns den Genuß gönnen. Weng wird seinen Bau nicht mehr verlassen.«

Gerade als er mir in seinem Hut das Feuerzeug hinhielt, hörten wir aus dem Hause etwas wie einen Schrei.

»Was war das?!« flüsterte ich und blies das Flämmchen aus.

Harst war aufgestanden und hatte den Oberkörper lauschend vorgestreckt. Er antwortete nicht.

Als nichts weiter sich ereignete, wandte er den Kopf und sagte leise: »Es war ein Schrei. Und er kam aus dem Hause. Ob es aber ein Hilferuf war, möchte ich bezweifeln. Jedenfalls muß Weng ihn ausgestoßen haben und zwar in höchster Erregung. Ob diese Erregung Wut, Schreck oder Angst gewesen, werden wir sofort feststellen.«

Wir verließen die Laube und schlichen an der Hauswand entlang nach vorn. Durch eine Ritze des dritten Fensterladens schimmerte Licht. Kaum waren wir dort stehen geblieben, als wir auch schon eine Stimme hörten ? die Doktor Wengs. Er rief kreischend und scheinbar in höchster Wut:

»Den Rest meines Lebens im Gefängnis oder im Zuchthaus vertrauern! Niemals! Ich habe ein Mittel, dem zu entgehen! Ich bin ein Unglücklicher, und die Welt wird nach meinem Tode die Wahrheit erfahren!«

Dann nichts mehr. Kein Laut, nicht das geringste Geräusch. ?

Wir standen und lauschten.

»Ob Weng Besuch hat?« flüsterte ich. »Vielleicht ist jemand bei ihm, dem er sein Herz ausschüttet ?«

»Das glaube ich nicht,« meinte Harald. »Röbel betonte, daß Weng geradezu menschenscheu ist. ? Hinauf auf die Linde! Wir müssen die Einbrecher spielen. Vielleicht ist er schon bei der Arbeit ?«

Er huschte mir voran um die Hausecke.

Bei der Arbeit?! ? Schon einmal hatte Harald eine ähnliche Bemerkung gemacht ? Was hieß das? Was nur?! ?

»Vorwärts ? ich helfe Dir,« sagte Harst, und er hob mich an dem Stamm in die Höhe.

Es war eine gefährliche Kletterei auf dem wagerechten Ast entlang. Das Dachfenster, neueren Datums, hatte einen Eisenrahmen und eine jener Stützen, die innen in einen Zapfen mit ihren Löchern gesteckt werden können und so auch als Verschluß dienen.

Harald hatte das Klappfenster sehr bald geöffnet. Wir kletterten hinein und befanden uns nun auf einem mit Gerümpel angefüllten Bodenraum. Unsere Taschenlampen zeigten uns den Weg. Die beiderseits mit Blech benagelte Bodentür konnte einen Harst nicht lange aufhalten. Das Schloß war gut, aber der zum Dietrich gebogene Eisendraht öffnete es schnell und geräuschlos.

Jetzt zogen wir die Schnürstiefel aus. Die Treppe hatte ein festes Geländer. Wir vermieden die Stufen, die vielleicht knarren konnten, und balancierten nur am Geländer und auf der Treppenwange abwärts.

Unten im Hause wußten wir Bescheid. Es hatte einen durchgehenden Flur. Rechter Hand lag Wengs Studierzimmer und die Bibliothek. ? Harst kniete vor der Tür des Studierzimmers nieder und schaute durch das Schlüsselloch. Die Tür war klein und hatte ein ganz altmodisches, mächtiges Schloß.

Dann winkte er mir und erhob sich. Ich brachte das rechte Auge an das Schlüsselloch. Der Schlüssel steckte, aber der Bart war zur Seite gedreht.

Links stand schräg vor dem Fenster der große Schreibtisch mit altmodischem Aufsatz. Eine elektrische Stehlampe mit grünem Schirm beleuchtete matt den Oberkörper des Doktors, der vor sich auf dem Schreibtisch zahlreiche kleine Pakete von länglicher Form zu liegen hatte.

Harald zog mich jetzt zur Seite und legte die Hand auf den Drücker.

Die Tür trat unverschlossen, ging auf.

Doktor Weng hatte sich nach uns umgedreht und sich in den Schreibsessel zurückkgelehnt.

Wir traten ein. Harald zog die Tür zu und sagte dann:

»Entschuldigen Sie, Herr Doktor. Wir sind auf einem etwas ungewöhnlichen Wege bei Ihnen eingedrungen: Aber ? wir sind daher auch gerade zur rechten Zeit gekommen.«

Ich sah jetzt, daß in dem Kachelofen ein kräftiges Feuer brannte, sah auch, daß die dünnen, länglichen Päckchen sauber auf der Schreibtischplatte aufgereiht waren.

Doktor Weng wies mit einer müden Handbewegung auf zwei Plüschsessel, die neben dem Holztisch standen, rückte seinen Schreibtischstuhl noch mehr herum und wartete, bis wir Platz genommen hatten.

Dann fragte er leise und offenbar ängstlich:

»Sie wünschen?«

5. Kapitel.

Eine alte Bekannte.

Harald setzte sich bequemer, schlug ein Bein über das andere und erwiderte:

»Die Wahrheit wünschen wir, Herr Doktor. Ich selbst kenne sie. Aber ich möchte die Zusammenhänge aus Ihrem Munde bestätigt haben.«

Weng seufzte leise und zuckte die Achseln.

»Ich will Ihnen das Geständnis erleichtern,« meinte Harst. »Zunächst also Hamburg. ? Sie sind Antiquitätensammler. Sie hörten von der groben Auktion in Hamburg und fuhren hin, um vielleicht etwas zu erwerben, wenn es billig war. Denn Sie sind nicht reich. Sie müssen mit dem Pfennig rechnen, zumal Sie gern Notleidende unterstützen. Auf der Auktion geschah dann ein Diebstahl. Ich kaufte mir heute früh in Hamburg eine Morgenzeitung. Und darin stand ein kurzer Artikel über diesen Diebstahl. Schraut und ich waren ja ebenfalls auf der Auktion gewesen. Daher interessierte mich dieses glänzende Gaunerstückchen. Es war ein kleiner, mit Rubinen und Diamanten geschmückter Kelch aus dem 16. Jahrhundert gestohlen worden. Wie ? das wußte niemand. Bei der Auktion waren auch zwei Privatdetektive anwesend, die das Publikum überwachen sollten. Trotzdem war der Kelch verschwunden. Er hatte in einem Kasten mit Sammetfutter gelegen. Auch ich hatte ihn mir angesehen. Er war mir zu teuer. Als der Auktionator ihn zur Versteigerung bringen wollte, waren Schraut und ich schon gegangen. Ich hatte genügend gekauft. ? Der Zeitungsartikel erinnerte mich nun an eine ältere Dame mit Nickelkneifer und altmodischer Mantille, die den Kelch sich sehr eingehend beschaut hatte. Ich habe für das Benehmen der Menschen, die sich aus irgend einem Grunde in einer schlecht verhehlten Aufregung befinden, einen sehr guten Blick. Die alte Dame war erregt, wenn sie sich auch gut in der Gewalt hatte. Während der Auktion dachte ich nichts Arges. Erst als Sie, Herr Doktor, angaben, Ihnen seien Ihre Papiere geraubt und zwar in Ihrem Hotel von einer plötzlich abgereisten alten Dame, erinnerte ich mich an die Zeitungsnotiz und an jene grauhaarige Frau, deren Mantille mir recht geeignet schien, einen kostbaren Kelch darunter verwinden zu lassen.«

Ueber Doktor Wengs frisches Gesicht lief ein Lächeln hin. ? »Weiter bitte,« sagte er mit einem Kopfnicken, das mir recht ironisch vorkam.

»Ich will mich kurz fassen,« fuhr Harald nach einer längeren Pause fort. »Sie gestatten doch, daß ich rauche, Herr Doktor?«

»Nein!« erklang es da aus dem Schreibsessel in sehr schroffem Ton. Und in demselben Augenblick erschien Wengs rechte Hand aus den Schlafrockfalten mit einem kleinen, schwärzlichen Ding, dessen Mündung sich auf Harst richtete. »Legen Sie gefälligst beide die Arme auf die Sessellehnen,« befahl er in noch häßlicherem Kreischton. »Ich bin ein sehr guter Schütze, meine Herren. Und Sie können überzeugt sein: ich drücke ab, wenn Sie nur die Arme bewegen! ? Bitte ? gehorchen Sie!«

Der kleine, schmächtige Doktor war plötzlich ein ganz anderer geworden.

Harald sagte denn auch, indem er Wengs Befehl ausführte: »Sie imponieren mir! Tatsächlich!«

Ich gehorchte ebenfalls.

»Dann darf ich wohl fortfahren,« meinte Harst. »Die Einzelheiten des Mordversuchs und des Diebstahls des Kartons kennen Sie. Daß Doktor Weng nicht der Täter war, ging ja schon daraus hervor, daß er sich dem Juwelier gegenüber durch Papiere auf den Namen Weng auswies. Hätte Weng den Karton gestohlen gehabt, dann wäre er ja geradezu ein Narr gewesen, seine eigenen Papiere dem Juwelier vorzuzeigen.«

»Hm,« krächzte der Doktor jetzt dazwischen, »weshalb sprechen Sie von mir plötzlich in der dritten Person, Herr Harst? Weshalb sagen Sie »er« und nicht »Sie«?«

Weng hatte sich vorgebeugt und starrte Harald gespannt an. In demselben Moment fiel mir etwas anderes auf. Ich sah, daß Harald mit der rechten Fußspitze nach der besponnenen Schnur angelte, die von dem Steckkontakt an der Wand hinter ihm auf dem Teppich entlang nach der Stehlampe auf dem Schreibtisch hinlief.

»Oh ? es ist das eine Eigenart von mir,« erwiderte Harald ganz harmlos. »Ich werde also auch in derselben Art fortfahren. ? Weng war beim Erscheinen der Polizei hier in seinem Hause sehr verlegen, wie der Wachtmeister Röbel betonte. Ich fragte mich nun, weshalb bezichtigt Weng sich selbst, obwohl er doch an diesen beiden Straftaten unbeteiligt ist? ? Und da beobachtete ich in Stettenborns Zimmer die kleine Szene, als Weng eintrat und des kleinen Mädelchens ansichtig wurde. Weng wechselte die Farbe. Man sah ihm an, daß er sich alle Mühe geben mußte, ruhig zu erscheinen. ? Weshalb dieser Schreck? fragte ich mich wieder. ? Nun, Weng wohnt ja hier in der Müllerstraße, und der Zopfabschneider treibt hier sein Unwesen. Vielleicht dachte ich ist Weng gar der Zopfabschneider.«

Der seltsame Doktor machte eine kurze Handbewegung. »Das interessiert mich nicht. Ich will wissen, was aus dem Kelch wurde, den die alte Dame stahl?«

»Oh ? ich vermute, Weng hat gewußt, daß die Frau den Kelch stahl. Und da er sie wohl von Ansehen als seine Zimmernachbarin kannte, wird er in der vergangenen Nacht den Kelch aus ihrem Zimmer geholt haben. Die Frau konnte ja deshalb nicht Lärm schlagen. Aber sie wollte den Kelch zurückhaben, schlich in Wengs Zimmer, fand den Kelch jedoch nicht, nahm dafür aber die Brieftasche mit den Papieren mit und verließ das Hotel!«

»Glänzend!« rief der Doktor wieder halb ironisch. »Was Sie nicht alles heraustüfteln, Herr Harst, ? einfach staunenswert.«

»Mir genügen häufig ganz geringe Anhaltspunkte,« meinte Harald gleichmütig. Aber ich sah, daß er jetzt die grüne elektrische Schnur über dem Fuße liegen und den anderen Fuß darüber gedeckt hatte. »Das Fehlende ergänze ich mir schon. ? Die Frau hat sich dann in aller Frühe Männerkleider besorgt und sich sehr geschickt solche ausgewählt, die denen Doktor Wengs glichen. Durch künstlichen Bart, Perücke, Schminke und Brille verwandelte sie sich vollends in Wengs getreues Ebenbild. Die Frau versteht sich offenbar sehr gut auf derartige Künste. Sie wußte, daß ich kostbare Antiken gekauft hatte. Sie reiste im selben Zuge hier nach Berlin. Außerdem hatte sie auch mit uns, Schraut, Tscho und mir, eine kleine Rechnung wettzumachen. Sie hoffte, daß durch Tschos Ermordung sich ihr in Berlin Gelegenheit zu dem Diebstahl bieten würde. Der Diebstahl gelang. Nur ? Tscho lebt noch. Und so konnte er den Mordgesellen sehr genau beschreiben. ? Die Frau wollte sich aber auch an Weng rächen. Deshalb zeigte sie dessen Papiere vor und dachte, die Polizei würde bei Weng, dem leidenschaftlichen Antiquitätensammler, dann auch den Kelch finden. Dieses Weib ist also ungeheuer raffiniert und gewissenlos. Sie hat dann fraglos beobachtet, wie Weng verhaftet wurde. Und sie besaß die Frechheit, nachher hier einzudringen und nach dem Kelch zu suchen, fand ihn zwar nicht, leerte dafür aber das Geheimfach aus und verschwand. Denn ? und damit komme ich wieder zu der Hauptfrage ? Weng hat die beiden Verbrechen nur deshalb eingestanden, um zu verhüten, daß die Polizei nochmals bei ihm Haussuchung hielt. Ohne Zweifel haben in dem Geheimfach mindestens 30 000 Mark gelegen. Wengs Entsetzen, als er das Geheimfach leer sah, war völlig echt. Er hatte gehofft, daß, wenn die Polizei das Geld beschlagnahmte, nicht weiter bei ihm genauer alles durchsucht würde. Und diese Hoffnung war nun vernichtet. Da kam ich ihm zu Hilfe und erreichte, seine Freilassung. Er blieb hier. Aber ? er blieb nicht lange allein. Ein Mann im Radmantel erschien. Weng war gerade dabei, das zu verbrennen, was ihn schwer bloßstellen konnte, nämlich jene Päckchen dort, in denen die Zöpfe sich befinden, die er in seiner krankhaften Sucht nach derartigem Haarschmuck verkleidet seinen Opfern abgeschnitten hatte. Es waren also einmal die Zöpfe, die ihn eine nochmalige Haussuchung fürchten ließen, dann aber auch der antike Kelch. ? Der Mann im Radmantel war kein anderer als Wengs Doppelgänger, also ? jene Frau, die alle Anlagen zu einer großzügigen Verbrecherin hat. Diese Frau sitzt jetzt dort vor mir im Schreibsessel! Sie hat Weng zu verraten gedroht, falls er ihr nicht den Kelch aushändigt. In seiner Erregung rief er etwas, daß wir draußen hörten. Dann hat das Weib ihn stumm gemacht, wahrscheinlich, weil er den Kelch nicht herausgeben, sondern ihn, von Reue gequält, nach Hamburg zurücksenden wollte.« ?

Ich war jetzt förmlich zur Salzsäule erstarrt. Ich begriff alles: dieses Weib war Daisy O?Brien! Allerdings, dann war ich der Wahrheit wirklich sehr nahe gewesen!

Der falsche Doktor Weng lachte jetzt laut auf. »Sie irren, Herr Harst. ? Sie irren in zwei Punkten. Erstens habe ich Doktor Weng nur geknebelt und gefesselt. Er liegt dort in der Bibliothek. Und zweitens rechnete ich auf Ihr Erscheinen hier. Weng habe ich geschont. Er will den Kelch tatsächlich zurückschicken und war gerade beim Verbrennen seiner Zöpfe, als ?«

Da geschah das, was ich erwartet hatte: Harst hatte mit einem Ruck seiner Füße die Lampe vom Tisch gerissen und warf sich gleichzeitig nach vorn zu Boden.

Als die Lampenglocke auf den Dielen zersplitterte blitzte auch ein Schuß auf.

Es war dunkel um mich her. Ich vernahm ein Poltern. Dann schlug eine Tür knallend zu; dann leuchtete Haralds Taschenlampe auf. Er rüttelte an der Tür zum Bibliothekzimmer. ? Wir rannten in den Flur, in den Garten. Wir kamen zu spät. Daisy O?Brien war durch das eine Fenster entwischt. ?

Als wir Doktor Weng die Fesseln abnahmen, als wir ihn aufrichteten und in einen Sessel setzten, stierte er uns mit leeren Augen an. Er antwortete auf nichts. Die Aufregungen dieses Tages hatten seinen ohnedies schon kranken Geist völlig zerrüttet. ?

Weng ist ein halbes Jahr später in einer Irrenanstalt gestorben. Den Kelch fand Harald in einer Truhe mit doppeltem Boden. Aber ? Daisy O?Brien fanden wir nicht. Sie blieb unsichtbar, und erst der Strandkorb Nr. 121 führte sie uns wieder in den Weg.

Nächster Band:

Strandkorb Nr. 121.


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