Ans bittere Ende Band 2

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Erstes Capitel. Herr Walgrave wird ein Anderer.

Die ganze lange, stille Nacht hindurch und noch lange, nachdem das Licht des traurigen Wintermorgens sich durch die verschlossenen Jalousien hineinstahl, saß Hubert Walgrave allein in dein schmucken, kleinen Zimmer, in welchem seine Geschenke für Grace Redmayne unordentlich umherlagen und in dessen drückender Luft die bunten Treibhausblumen, die zarten Rosen und steifen Camelien, welche sie hatte pflegen sollen, dahinschmachteten.

Sie selbst lag, die Hände auf der Brust gefaltet, oben in dem hübschen, weißdrapirten Schlafzimmer, das für sie bestimmt gewesen, und sah selbst im Tod lieblicher aus, als er es für möglich gehalten. Die beiden Dienstmädchen und ein altes Weib, welches, er wußte nicht woher, kam, hatten ihn hinausgerufen, um sie zu sehen, nachdem sie ihr trauriges Geschäft beendet. Einsam stand er an dem weißen Bett und blickte sie an, ohne Thränen, mit einem Gesicht, das noch starrer als das ihre aussah.

Lange stand er daselbst, kniete nieder und Versuchte zu beten, konnte es aber nicht. Er hatte sich nicht genug in der Gewalt, um seine Gedanken in bestimmte Worte zu kleiden. Er war verwirrt, wie er es noch nie früher gewesen, beugte sich über die kalten Hände und bedeckte dieselben mit leidenschaftlichen Küssen.

»Mein Engel, mein Täubchen, o, komm doch wieder zu mir!« rief er, »ich kann es gar nicht glauben, daß Du todt bist.«

Die furchtbare Kälte, die öde Stille peinigten ihn so, daß er es nicht aushalten konnte. Er wandte sich fort, und ging wieder in das Zimmer im Erdgeschoß, wo er einsam saß, ohne seine Stellung zu ändern, und bis zum Morgen sitzen blieb, in tiefen Gedanken über das, was er gethan.

Jetzt erschien es ihm wie Nichts, jede Hoffnung auf eine Carrière, jede Rücksicht auf die Vorurtheile der Menschen sich aus dem Sinn zu schlagen, um sie zu heirathen, wenn er sie nur hätte in?s Leben zurückrufen können. Wenn er von seiner jetzigen verzweifelten Lage aus, auf sein eigenes Betragen zurückblickte, wunderte er sich, wie ihm überhaupt ein Opfer für Grace Redmayne hätte zu groß erscheinen können.

»Ich habe sie von ganzem Herzen, mit ganzer Seele geliebt,« dachte er, »wie ich nie zuvor Jemand geliebt, und wie ich nie hoffen kann, wieder zu lieben. Was brauchte ich noch weiter Rücksicht zu nehmen? Was kümmert mich der Verlust des Vermögens einer Frau? Bin ich denn wirklich ein so elender Wicht, daß ich ein Vermögen als Aequivalent für ein ihr zugefügtes Unrecht betrachten könnte? Aber mein Gott, wie konnte ich auch daran denken, daß ich sie dadurch tödten würde? Ich wollte ihr ja so treu, so ganz ergeben bleiben, ich wollte ihr das Leben so herrlich gestalten.«

Er blickte auf die herumliegenden Seidenzeuge, die noch auf der Diele so dalagen, wie er sie bei Seite gestoßen, als Grace hingefallen war. Sein Auge fiel auf die Blumen und Kästchen und Fächer und Fläschchen und er brach in ein bitteres Lachen aus.

»Ich hatte die Ansicht, daß Frauen nur für derartiges Zeug Sinn haben,« dachte er, »und doch reichten ein paar herzlose Worte von mir hin, diese zu tödten.«

Er dachte an alle seine Pläne in Bezug auf Grace, die ihm so vernünftig, ja sogar edelsinnig erschienen waren; an dieses nette, kleine Haus in der Vorstadt, in dem nichts fehlen sollte, was zur Annehmlichkeit des Lebens gehört, in welchem er für die Geliebte sogar eine Equipage hatte halten wollen. Von Tag zu Tag hatten seine Einnahmen zugenommen, er sah eine glänzende Laufbahn vor sich und sich in den Stand gesetzt, einen gewissen Aufwand zu treiben.

Und was seine Ehe mit Augusta Vallory betraf, so hätte die nicht aufgegeben, sondern nur auf lange Zeit hinausgeschoben werden sollen. Wenn sie wirklich stattfand, sollte sie wie eine der Heirathen von Fürsten, nur eine Haupt- und Staatsaction sein, die sein Herz für Grace frei ließ.

Aber diese war ja dahin und er fühlte sich schlimmer als ein Mörder.

Am folgenden Tage fand eine Leichenschau statt, was für Hubert Walgrave unaussprechlich schrecklich war. Bis dahin war er jedoch merkwürdig ruhig geworden und benahm sich mit größter Klugheit.

Haus und Dienstboten hatte er unter dem Namen eines Herrn Walsh gemiethet, und dem Leichenbeschauer mitgetheilt, daß die gestern verstorbene junge Dame seine Schwester Grace Walsh sei. Das Hausmädchen hatte es mit angehört, wie er sie beim Vornamen gerufen, als sie Beide den Versuch gemacht, sie wieder zu beleben; es war daher unmöglich, denselben zu verheimlichen. Er selbst war seiner Angabe nach, in die Provinz gegangen, um sie aus einer Pension abzuholen, damit sie ihm seine Haushaltung führe. Sie sei seine einzige Schwester und neunzehn Jahre alt.

Der Fall lag sehr einfach. Man hatte eine Obduction angestellt und die Todesursache war hinlänglich klar.

»Sie hatte einen organischen Herzfehler,« sagte der Arzt, und gab eine technische Erklärung des Falles. »Ohne Zweifel hat die Aufregung, welche ihr die Rückkehr zu ihrem Bruder verursacht, den Ausgang beschleunigt, aber lange hätte sie doch nicht mehr leben können. Irgend ein plötzlicher Schreck würde ihren Tod doch veranlaßt haben.«

»In diesem Falle, läge ja aber gar nichts derartiges vor,« bemerkte der Leichenbeschauer, »an einer vorher besprochenen Zusammenkunft zwischen Bruder und Schwester, sei doch nichts Plötzliches oder Erschreckendes.«

»Das wohl nicht,« lautete die Antwort des Mediciners, »aber große Aufregung, eine fieberhafte Erwartung irgend eines lang erhofften Ereignisses, die Befreiung vom Schulzwange und dergleichen, können dieselbe tödtliche Wirkung haben. Die Verstorbene sei offenbar eine sehr sensitive Natur gewesen. Dafür sprächen verschiedene Symptome.«

»War denn Ihre Schwester gestern sehr aufgeregt?« fragte der Leichenbeschauer.

»Das war sie allerdings; sie war überhaupt ein besonders empfindsames Wesen.«

Auch das Dienstmädchen wurde ausgefragt und bestätigte die Erzählung ihres Herrn. Sie hatten alle Beide geglaubt, die junge Dame habe nur eine Ohnmacht, zumal Herr Walsh geäußert, sie leide an Ohmachtsanfällen.

Damit war der Leichenbeschauer ganz zufriedengestellt. Alles Uebrige wurde mit zartester Berücksichtigung der Empfindungen des Herrn Walsh, der offenbar ein Gentleman war, betrieben. Der Todtenschein lautete: »Herzkrankheit, tödtliche Ohnmacht.«

Es war noch keine Woche nach Grace Redmayne?s Flucht verstrichen, als sie auf dem Kirchhof von Hetheridge in Hertshire, einem der malerischesten und abgelegensten Dörfer des südlichen England zu ihrer letzten Ruhe bestattet wurde.

Herr Walgrave hatte einen förmlichen Abscheu vor großartigen Friedhöfen und der prunkenden Weise, mit welcher man die Todten auf denselben beerdigt. Er suchte sich daher den ländlichen Ort aus, der am meisten den Charakter seiner geliebten Todten entsprechend in mäßiger Entfernung von Highgate lag.

Das war das Ende seines Liebes-Romans. In weiter Ferne zeigte sich zwar eine dunkle drohende Wolke, und viel Unglück, das in der Zukunft ihm aus diesem Trauerspiel erwachsen könne. Er sagte sich aber, daß es möglich sei, dem zu entgehen, wenn ihm das Glück günstig wäre. Für den Augenblick, empfand er nur seinen Verlust und der erschien ihm sehr schmerzlich.

Trotzdem durfte seine Berufsthätigkeit keine Unterbrechung erleiden. Sein großer Prozeß rückte heran und Hubert Walgrave erntete den Lohn seiner angestrengten Arbeit, er hielt dabei eine glänzende Rede und hatte einen bedeutenden Schritt in seiner Carrière vorwärts gethan, als der Prozeß vorüber war. Im Anfang des Dezembers fing das Saisontreiben im Hause von Acropolis-Square wieder an und wurden die Diners, welche Herr Walgrave zu besuchen verpflichtet war, wieder aufgenommen.

Als er sich eines Tages mit Fräulein Vallory nach einer solchen Festlichkeit unterhielt, drückte sie ihr Erstaunen über einen Trauerflor an seinem Hute aus.

»Ich wußte gar nicht, daß Du trauerst,« sagte sie. Du hast mir ja nicht mitgetheilt, daß Dir Jemand gestorben ist.«

»Es lohnte sich kaum, Dich damit zu belästigen, da die Persönlichkeit Dir völlig fremd und überhaupt mit mir nicht nahe verwandt war.«

»Wie kommt es denn aber, daß Du so tief, wie ein Wittwer, der die Absicht hat, sofort wieder zu heirathen, trauerst, denn diese tragen immer die breitesten Crêpe-Streifen.«

»Ist das wirklich der Fall?« fragte Herr Walgrave, mit erzwungenem Lächeln. »Ich habe den Hutmacher beauftragt, mir einen Flor um den Hut zu machen, ohne besondere Bestimmungen über die Breite desselben zu treffen.«

»Aber, erzähle mir doch etwas über den Verstorbenen, Hubert; Du weißt, daß ich an Allem Interesse nehme, das sich auf Dich bezieht. Ist es ein Onkel oder eine Tante?«

»Keins von Beiden, sondern nur eine entfernte Verwandte.«

»Dann aber ist es wirklich thöricht, Hubert, einen solchen Flor zu tragen; Du mußt ihn durchaus umändern lassen.«

»Wenn Du willst, meine Liebe, will ich ihn ganz und gar ablegen; es kommt da ja auf derartige Abzeichen gar nichts an. Meiner Empfindung nach, liegt aber ein gewisser Mangel an Achtung darin, wenn man um eine Person, die man geschätzt hat, nicht trauert.«

»Glaube nur ja nicht, daß ich gegen das Trauern bin. Im Gegentheil halte ich die Vernachlässigung derartiger Sitten für höchst ungehörig. Doch sollte die Trauer in einem gewissen Verhältniß zum Verwandtschaftsgrade stehen. Ist denn Deine Verwandte in London gestorben?«

»Nein, sie starb auf dem Lande.« Der Frage, die er auf Fräulein Vallory?s Lippen schweben sah, kam er durch die Antwort zuvor: »in Shropshire nämlich.« Das sagte er auf gut Glück hin, indem er annahm, daß Shropshire Niemandem bekannt sei.

»Wirklich?« rief Augusta aus, »wir sind zu Bekannten in der Nähe von Bridworth eingeladen; doch bin ich noch nie in Shropshire gewesen. Hat Dir Deine Verwandte Etwas vermocht? Das wäre allerdings Grund genug für Deinen breiten Crêpe.«

»Nein, sie hat mir ganz und gar nichts vermacht. Ich habe dadurch nur eine genauere Bekanntschaft mit dem Tode gemacht. Die bringt Einem bekanntlich ein jeder Todesfall.«

»Gewiß, so etwas ist immer sehr traurig.«

Im Cardimem?schen Prozesse hatte sich Hubert Walgrave so sehr ausgezeichnet, daß er zeitig in dem darauf folgenden Frühling, zur großen Freude seiner Braut, die wirklich stolz auf ihn war, und an seinem Fortkommen innigen Antheil nahm, bedeutend befördert wurde: Er gehörte ja ganz und gar zu ihr. Die Stellung, die sie durch ihr Geld sich verschaffen konnte, genügte ihr nicht ohne die Beihilfe, die ihr eine, durch ihn erworbene Auszeichnung verlieh, denn sie wußte genau, was man für Geld haben könne und was nicht.

Bald nach Herrn Walgrave?s Beförderung fand ein Diner im engsten Familienkreise statt, so daß selbst Weston nicht dazu gebeten war.

»Ich wünsche nämlich ein halbes Stündchen ganz allein mit Ihnen zu sprechen, Walgrave,« sagte Herr Vallory, als Augusta die beiden Herren nach dem Essen allein gelassen, »daher habe ich dafür gesorgt, daß wir heute ganz allein sind; dennoch liebe ich es nicht, Sie zu mir aufs Bureau zu bitten, da das so fürchterlich formell aussieht.«

»Zu jeder Zeit und an jedem Ort freue ich mich, Ihnen zur Disposition zu stehen,« erwiderte Herr Walgrave höflich.

»Ich danke Ihnen, Sie sind sehr gütig. Ich wollte mich aber ganz freundschaftlich mit Ihnen unterhalten, wie Sie sehen, und auf meinem Bureau habe ich nie eine halbe Stunde für mich, in der nicht einer meiner Leute aus- und eingeht, meine Unterschrift für Etwas haben will, oder sich danach erkundigt, ob ich Herrn Smith?s oder Herrn Jones? Besuch anzunehmen gedenke. Die Sache ist die, mein lieber Walgrave, ich bin mit Ihnen sehr zufrieden; mehr als das, Sie haben mich aufs Angenehmste überrascht. Zwar habe ich nie Ihre Talente bezweifeln das glauben Sie mir,« ? dies sagte er mit wichtiger Protektormiene, als ob er fürchtete, daß der Angeredete an der Furcht, nicht richtig von ihm gewürdigt worden zu sein, zur Unzeit hätte zu Grundes gehen können ? »nein, nein, mein Freund, ich habe stets gewußt, daß etwas Tüchtiges an Ihnen sei, aber, was ich nicht wissen konnte, war, daß Sie schon so bald etwas aus sich machen würden. Ich habe nicht erwartet, daß Ihre Talente so rasch Früchte tragen würden.«

»Sie sind sehr gütig,« sagte Herr Walgrave, unverwandt auf seinen Teller blickend. Er ahnte schon, was kommen würde und stärkte sich dazu, seinem Schicksal entgegen zu gehen. Warum sollte er vor dem Geschick, das er einst so eifrig mit allen Geisteskräften erstrebt hatte, jetzt zurückschrecken? Was war es, das sich zwischen ihn und Augusta Vallory drängte? Es war ja nur ein Schatten.

»Nun halte ich Nichts von langen Verlobungen,« fuhr Herr Vallory fort. »Ich bin ein Weltmann, sehe die Sachen von diesem Standpunkte aus an und kann nicht sagen, daß ich je etwas Gutes aus langen Verlobungen habe entstehen sehen. Es kommt vor, daß beide Theile mittlerweile Jemand kennen lernen, der ihnen besser zusagt, daß Keiner von Beiden ehrlich genug ist, um das offen zu gestehen, daß sie die Sache hinziehen, angeblich sich sehr ergeben bleiben und schließlich sich heirathen, ohne eine Spur von Liebe für einander zu empfinden.«

»Es ist ohne Zweifel viel Wahres in dem, was Sie sagen, doch meine ich, daß die Zuneigung, wo sie aufrichtig und durch keine Trennung abgeschwächt ist, durch die Zeit noch inniger wird.«

»Gewiß, wenn die Leute erst verheirathet sind und wissen, daß sie dauernd an einander gefesselt sind. Als Sie um die Hand meiner Tochter baten, und es wohl wußten, daß sie eine junge Dame sei, die eine viel bessere Partie machen konnte, sagte ich Ihnen, ich könne Ihnen meine Einwilligung zur Heirath nicht eher geben, als bis Sie eine bedeutendere Stellung in Ihrem Berufe einnähmen. Das Einkommen war für mich von untergeordneter Bedeutung, da Augusta genug für Euch Beide hat.«

»Ich hoffe aber, daß ich es Ihnen deutlich zu verstehen gegeben, daß ich mich auf eine von meiner Frau abhängige Stellung nicht einlassen könne,« sagte Herr Walgrave heftig.

»Ganz richtig, aber Sie können doch nicht umhin an den Vortheilen des Vermögens Ihrer Frau Theil zu nehmen. Ihre Frau kann sich doch nicht allen Luxus erlauben, während Sie sich einschränken, und Augusta ist kein Mädchen, das sich auf einfache Verhältnisse einzulassen versteht. Sie wird ein Leben erwarten, wie sie es von ihrer frühesten Jugend auf gewöhnt ist, und wird es mit Ihnen theilen wollen, ohne danach zu fragen, wessen Vermögen am meisten zur Unterhaltung des Haushalts beiträgt. Sie hat aber ein Recht, eine hervorragende Stellung ihres Gatten zu beanspruchen, und da ich glaube, daß Sie auf dem besten Wege sind, eine solche einzunehmen, so ertheile ich Ihnen hiermit meine völlige Einwilligung, so bald es Euch Beiden gefällt, zu heirathen.«

Zum Dank für diese Erlaubniß verbeugte sich Herr Walgrave, ohne jedoch in seinem Aeußern ein Entzücken darüber zu verrathen; da sie aber Beide Engländer waren, erwartete Herr Vallory auch gar nichts derartiges.

»Sie sind sehr gut,« sagte Herr Walgrave, »in dieser Sache bin ich Augusta?s Sclave, ist ihr Wille der meinige.«

»So sei es denn; ich überlasse Euch, dies Angelegenheit unter einander abzumachen. Doch giebt es noch einen Punkt, den ich am besten gleich erwähne. Meines verstorbenen Compagnons Harcross letzter Wille ist etwas sonderbar und enthält eine Klausel für den Fall, daß Augusta heirathet. Mein alter Freund war in mancher Beziehung ein Sonderling und hatte eine enorme Verehrung für seinen eigenen Namen. Zwar hat er nie behauptet, daß ein Harcross im Gefolge Wilhelm?s des Eroberers hergekommen oder wohl gar schon zu der Zeit einheimisch gewesen sei. Vielmehr hatte sein Vater selbst sein Glück gemacht und die Harcross? sind ein kräftiges Geschlecht, voll Selbstvertrauen und einer großen Meinung von ihren eigenen Verdiensten.«

Herr Walgrave zog die Augenbrauen etwas in die Höhe und wunderte sich, wohin wohl diese weitläufige Einleitung führen solle.

»Um nun gleich auf den Punkt zu kommen,« fuhr Herr Vallory fort, »hat mein Freund es zur Bedingung seines Testaments gemacht, daß, wer Augusta heirathet, den Namen Harcross annehmen solle. Es entsteht nun die Frage, ob Sie irgend was dagegen haben, Ihren Namen gegen diesen zu vertauschen.«

Hubert Walgrave zuckte die Achseln, und zog die Augenbrauen noch ein klein wenig höher.

»Auf mein Wort, ich sehe eigentlich keinen Grund ein, dagegen zu sein,« sagte er. »Der Vorschlag klingt zwar aus den ersten Blick etwas befremdlich, wie wenn man ersucht würde, sich das Haar zu färben oder etwas Aehnliches zu thun. Ich meine aber, daß was ich mir an Ruf als Walgrave erworben, mir auch als Harcross bleiben wird.«

»Das versteht sich , mein lieber Freund, dafür wollen wir schon sorgen,« antwortete Herr Vallory. »Unter uns Juristen ist kein Name bekannter und geachteter, als der von Harcross. Als Hubert Walgrave können Sie ein sehr tüchtiger Mann sein; als Hubert Harcross aber, wird Ihr Name eng mit einem der ältesten im Juristen-Verzeichniß vorkommenden verknüpft. In Bezug auf Ihren Stand werden Sie, wie ich Sie versichern kann, dadurch durchaus nicht benachtheiligt.«

»Dann bin ich bereit, um die Genehmigung der Namensänderung einzukommen, sobald Sie und Augusta es wünschen. »Hubert Walgrave Harcross,« keine üble Unterschrift für einen Brief an meine Wähler, wenn ich später einmal einen Sitz im Parlament erstrebe. Also mag es Hubert Harcross sein! Was liegt an einem Namen und vor Allem an meinem Namen, daß ich ihn besonders lieb und werth halten sollte?«



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