Böhmerwäldisches Spottbüchlein

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Vom Volksspott

 

»Man muss nicht alles glauben, was die Leute sagen,
man muss aber auch nicht glauben, dass sie ohne Grund sagen.«

Kant

 

In brüderlicher Bosheit hänseln und verspotten einander benachbarte Volksstämme, Landschaften und Örtlichkeiten; die Gepflogenheit ist so alt wie die Menschen selbst und bei allen Völkern des Orients und Okzidents daheim. Die Spottdichtung, an der jung und alt seine Freude hat, ist ein wild wucherndes Gewächs am großen Baume unserer Volksdichtung und wird gemeinhin absichtlich oder unabsichtlich übersehen.

Auf den folgenden Blättern nun werden: Spitznamen, in anderen Landschaften Übernamen genannt, Ortsneckreime, Trutzliedlein, Stichelschwänke und spöttische Redensarten der Volkssprache zusammengetragen, wie sie Gegenden und Bewohnern, Städten, Marktflecken, Dörfern und Einschichten des Böhmerwaldes anhaften, und zu einer lustigen und kurzweiligen Beschreibung von Land und Leuten des Böhmerwaldes zusammengefasst.

Der Volkspott gehört zur Weisheit des Volkes und wird durch Jahrhunderte von Geschlecht zu Geschlecht überliefert. Gelegenheiten, wo sich ein Spott gut anbringen lässt, gibt es genug: unter den Kindern, die aus verschiedenen Dörfern zur Schule wandern, ist der Spott gang und gäbe; Hüterbuben kürzen sich die Zeit, indem sie einander über die Gemeindegrenzen Spottliedlein zusingen. Das heranwachsende Jungvolk, Burschen und Mädchen, sind die treuesten Hüter dieses Volksgutes; an den Kirchenfesten, auf dem Tanzboden, beim Fensterlngehen blüht unter ihnen lustig der Spott, und Händel und Raufereien fangen meist mit Spötteleien an. Wenn Bauern und Bürger aus verschiedenen Gegenden zusammenkommen, sucht in guter Stunde einer dem andern etwas am Zeug zu flicken, und da reibt sich an den Dörfern und Städten der Spott am meisten. Recht oft kann man im Volke hören, wie sich Leute mit dem Spitznamen ihrer Heimat zu erkennen geben.

Gerne hört natürlich niemand seine Heimat verspotten, zumal da manchmal aus alten Nachbarstreitigkeiten der Spott herrührt und die Sache oft nicht gerade schmeichelhaft ist für die, die es angeht. Meist aber wird der Spott von der heiteren Seite aufgefasst und Gleiches mit Gleichem vergolten; denn das enge Zusammenleben und die Abgeschlossenheit von der übrigen Welt selber hat es bei den Leuten mit sich gebracht, dass sie einander auch ein wenig hänseln und necken. Haben doch die Leute überall für die schwachen Seiten ihrer lieben Nebenmenschen ein recht feines Gefühl.

Alles Mögliche muss zum Spott herhalten: von Armut und Not werden wir wohl auf jedem Blatte lesen; die Holzhauer, Waldbauern und Kleinbürger des Böhmerwaldes sind ein armes Volk und es heißt scherzhaft vom Böhmerwald, dass es da nur arme Leute gibt, Bettelleute und Leute, die gar nichts haben. Trotzdem ist Frohsinn und Heiterkeit nirgends so daheim wie im Böhmerwald. Oft ließen Begebenheiten aus früheren Tagen, die geschehen oder auch nicht geschehen sind, sei es eine Schandtat, ein Schabernack oder eine Dummheit, Spitznamen und Stichelgeschichten entstehen. Hie und da hat schon der Ortsname zur Reimspielerei und spöttischen Deutelei herausgefordert. Oder es sind wieder Besonderheiten der Bewohner, die den Nachbarn auffallen und lächerlich vorkommen, Merkwürdigkeiten in Blutmischung und Gehaben, in Gestalt und Tracht, endlich Lebensgewohnheiten und Erwerbsverhältnissen. Auch die Mundart wird gern verspottet, die sich von Dorf zu Dorf ändert; jedes Dorf hält seine Mundart für die schönste, die andern aber für plump und derb. Ein Ziel des Spottes ist fast immer das Kirchenfest, um das sich ja eigentlich das Bauernjahr dreht. Und so werden noch eine Menge andere Dinge verspottet.

Wer sich den Spottüberlieferungen der deutschen Stämme oder bei anderen Völkern ein wenig umgesehen hat, wird bald merken, dass unser Volksspott allenthalben Gegenstücke aufweist. Ein Großteil der volkstümlichen Überlieferungen ist eben Wandergut und bleibt da und dort hängen. An den spotthaften Schnaderhüpfeln oder Trutzliedlein, die überall vorkommen, wird bloß der Ortsname von Gegend zu Gegend geändert. Manches entsteht auch unvermittelt aus denselben Verhältnissen heraus. Immerhin ist beim Volksspott viel noch bodenständig, mehr als bei der übrigen Volksdichtung. Im Böhmerwalde selber tauchen dieselben Necknamen und Stichelschwänke an verschiedenen Orten auf. Für den gemeinen Mann aus dem Volke sind ja im Allgemeinen der Kirchdorfsprengel und die angrenzenden Ortschaften die Welt, in der sich sein ganzes Leben abspielt; hinter der nächsten Stadt, vielleicht noch einem Wallfahrtsorte oder Viehmarkte hört sein Gesichtskreis auf. In so einer abgeschlossenen Welt, die oft von Bergzügen oder von alten Kulturgrenzen eingesäumt ist, ist Sitte und Brauchtum und auch die Volksdichtung eigenartig entwickelt. Darüber hinaus kennt der Mann aus dem Volke seine Heimat wenig, höchstens noch vom Hörensagen; und so ist ihm auch der Volksspott über die engere Heimat hinaus fremd. Nach solchen größeren zusammenhängenden Landschaften des Böhmerwaldes ist auch die Spottdichtung auf den folgenden Blättern dargestellt.

In dem Spottbüchlein ist zusammengetragen, was der Verfasser seit Jahren in Bauernstuben und Wirtshäusern erfahren, was er auf der Landstraße von Bettelleuten, Hausierern, Marktfahrern und Viehhändlern gehört hat, die ja weit umher kommen und das Volk kennen; auch was ihm liebe Freunde und Landsleute aus verschiedenen Gegenden des Böhmerwaldes mitgeteilt haben. In manchen Gegenden ist wohl der Volksspott weniger gang und gäbe. Viel ist auch schon vergessen, dafür wird aber nach Zeit und Gelegenheit immer Neues hinzugedichtet. Oft ist dem Volke selber Sinn und Entstehung eines Namens dunkel, und die Leute dichten und deuteln auch an den Spottnamen herum. Manches mag dem Verfasser freilich nicht zu Ohren gekommen sein; darum, wer etwas weiß, was in dem Büchlein nicht steht, lasse es sich nicht verdrießen und teile es dem Verfasser mit.

Der Volksspott ist als Überlieferung ehrwürdig und sitten- und kulturgeschichtlich nicht unwichtig, weil er Handel und Wandel in alten und jungen Tagen, wenn auch oft ein wenig verzerrt, beleuchtet und Land und Leute fein kennzeichnet. Unser Spottbüchlein soll alte Volksüberlieferungen vor der Vergessenheit bewahren und ein bescheidener Beitrag zur volkskundlichen Darstellung unseres lieben Böhmerwaldes und zur Sitten- und Kulturgeschichte des bayerischen Stammes sein. Es soll aber auch den Landsleuten Freude und Unterhaltung bringen und ein wenig helfen, »dass die alten Bräuche nicht abkommen« und das Volk seine Dichtung vergisst. Daran, dass manches derb ist, wird sich der Freund des Volkes nicht stoßen.

Wäre denn zuletzt noch davon ein Wörtlein zu reden, dass sich etwa ein Landsmann getroffen fühlt, weil auch sein Heimatörtlein mit dem Spottnamen an die große Glocke gehängt wird. Dem sei gesagt, dass nicht aus böser Absicht der Verfasser dieses Spottbüchlein geschrieben hat, sondern aus Liebe zur Heimat und zur Wissenschaft; auch weil er seinem Böhmerwald ein ähnliches Büchlein schenken wollte, wie es unser Mutterstamm, die Bayern, schon seit Jahren in dem »Bayerischen Schelmenbüchlein« haben, auf das sie recht stolz sind. Alle Beleidigten und Kritikaster mögen sich trösten mit dem alten Sprüchlein: »Was sich liebt, das neckt sich« oder an das Wort Goethes denken, dass ja der Spott die Lieben nicht vertreibe, und des Verfassers Gruß annehmen: »Nichts für ungut, Freund und Landsmann!«

Aus dem Arber- und Osserland

Diesseits der Schwarzkoppe im nördlichsten Teile der Neumarker Senke, wo das tschechische Sprachgebiet sich keilförmig bis an die Landesgrenze heran schiebt, beginnt der eigentliche Böhmerwald; der Menschenschlag ist von da an altbayerischen Stammes. Jenseits der Schwarzkoppe im Sudetengau sitzen die Egerländer im weiteren Sinne, die dem oberpfälzischen Sprachstamme angehören. Wohl reicht die oberpfälzische Mundart in vielen Erscheinungen noch weit herunter und geht allmählich in das Donaubayerische über.

Südlich der Schwarzkoppe wird das Wörtchen »ihr« noch gut altbayerisch »ös, dös« ausgesprochen; in den Dörfern nördlich des Berges heißt es schon auf oberpfälzische Art »diaz«. Deswegen werden die angrenzenden Egerländer als »Diazler« verspottet; Josef Rank meint in seinem Buche »Aus dem Böhmerwalde«, die nördlichen Nachbarn wären zu dem Spitznamen »ihres auffallend singenden Dialektes gekommen.

Scherzhaft wird die Gegend nördlich der Schwarzkoppe auch als »Heigatzergegend« bezeichnet; dort wird nämlich der oberpfälzische Zwielaut »ei«, der in der Ossergegend schon in vielen Wörtern auftritt, allgemein gesprochen für die alten Laute ie, üe, langes e und oe, sodass in die Mundart eine Menge dumpfer Zwielaute »ei« hineingekommen und das Volk deshalb von einer »Heigatzergegend« spricht.

Die Deutschen der Grenzorte sprechen im Neumarkter Passgebiete die Mundart des bayerischen Regentales mit den merkwürdigen Zusammenziehungen etlicher Zwielaute zu einfachen Selbstlauten; daher werden die Leute in den Grenzdörfern von ihren Nachbarn mit dem Sprüchlein gehänselt: »Baa, gaih asse, in Has draßt is d Sa draßt, frisst, frisst s Krat as, jog s asse«, Bauer gehe hinaus, im Haus draußen ist die Sau draußen, frisst das Kraut aus, jage sie hinaus.

Der Flecken Deutsch-Kubitzen heißt im Volksspott »Kodersack«, wohl Wergsack; wenn die Leute von Kubitzen paschen gehen, sagt man zu ihnen: »Kemmts mitn Kodersack!«

In Kohlstätten soll es nicht ratsam sein, Kraut zu essen, weil daselbst ein Weib den Mann durch vergiftetes Kraut aus der Welt schaffen wollte.

Der Ort Maxberg wird scherzhaft »Schnapsberg« geheißen, hier sollen die Bauern gerne trinken.

Da sind die Leute von Neumark, die gern als Bürger gelten möchten, aber trotzdem mit Schubkarren fahren; daher nennt sie der Volksspott »Schubkarrenbürger«.

In der nördlichen Ecke der Ossergegend liegt der Ort Hirschau, wo sehr brave und fromme Leute daheim sind. Die Leute von Hirschau sind unschuldig in einen sonderbaren Ruf gekommen. Es laufen im Böhmerwalde hundert Stichelschwänke unter dem Namen »Hirschauerstücklein« um; im oberen Walde mützt man nun alle diese Stücklein dem Orte Hirschau auf. Es sind die altbekannten Wanderschwänke auf Flecklein, denen allerhand kleinlicher Winkelkram, verschmitzte Tölpelhaftigkeit und kindliche Naivität mit Recht oder Unrecht nachgesagt wird. Diese uralten Geschichten sind allen Völkern bekannt. In deutschen Landen werden sie etlichen Dutzend Orten angedichtet; Schilda ist am meisten verschrien, da ein alter Schwankschreiber im Jahre 1587 die Geschichten gesammelt und als »Schildbürgerbuch« den Deutschen schlechthin geschenkt hat, das zu unseren köstlichsten Volksbüchern gehört. Der Bayernstamm hat auch etliche solche Orte, Weilheim und Finsingen sind die bekanntesten. Das Schilda der bayerischen Oberpfalz ist der Ort Hirschau bei Amberg im Oberpfälzischen. Da nun unser Ort denselben Namen trägt und auch noch halb zum oberpfälzischen Sprachgebiet gehört, wurden in der Gegend die altbekannten Schwänklein unserem Hirschau nachgesagt und einige neue sind mit der Zeit hinzugekommen.

Nach der bekannten Geschichte von dem Stiere, den die Hirschauer mit einem Stricke auf ein Dach hinauf gezogen haben, damit er etliche Büschlein Gras fresse, die auf dem Dache wuchsen, und der dabei verreckte, wird die Hirschauer Kirchweih weit und breit als »Bummlkiahwa« oder »Bummelwurscht« bezeichnet; die Oberpfälzer nennen den Zuchtstier nämlich »Bumml«.

Die Hirschauer werden von den herumziehenden Leuten gerne gefrotzelt und »Hirschauerstücklein« von ihnen verlangt. Es gehen nun in der Ossergegend mancherlei Geschichten um, was alles die erbosten Hirschauer solchen Leuten angetan haben; eine sei mitgeteilt: Es ging ein Geselle gegen Hirschau und dachte bei sich, er werde die Hirschauer einmal tüchtig aufziehen. Ein Mühlrad, an dem der Geselle vorbeikam, klapperte langsam: »Juckt dih da Bugl, juckt dih da Bugl?« Unser Geselle wollte also in Hirschau ein Stücklein sehen, die verschmitzten Hirschauer verdroschen ihn tüchtig und bewarfen ihn, da es unterdes geregnet hatte, mit Straßenkot, sodass der Geselle fein verspottet eilends abziehen musste. Als der Geselle an dem Mühlrade wiederum vorbeikam, klapperte es schnell und spöttisch: »Hot dih da Bugl gjuckt, hot dih da Bugl gjuckt?«

Weiter unten im Böhmerwald wissen die Leute nicht, dass es einen Flecken Hirschau in unserer Heimat gibt. Als der Verfasser dieses Spottbüchleins als junger Student allenthalben im Walde die »Hirschauerstücklein« gesammelt und herausgegeben hat, wusste er es selber nicht und die Leute hätten es auch kaum erfahren, wenn nicht drei »Hirschauer« öffentlich einen scherzhaften Steckbrief gegen ihn erlassen hätten. Die Kunde von einem Hirschau ist aber im ganzen Böhmerwalde verbreitet; meist stellt man sich unter den Hirschauern ein Völklein vor, das irgendwo gehaust habe, aber schon ausgestorben sei; in manchen Gegenden wiederum werden gewisse Orte genannt, deren Einwohner die Hirschauer sein sollen, und die alten Geschichten werden nun allesamt von diesen Flecken erzählt. Wir werden auf unserer lustigen Wanderung durch den Böhmerwald etliche solche Örtlichkeiten noch kennen lernen. Überall aber heißt man im Walde einen Menschen, der ein dummes Stücklein ausgeführt hat, einen »Hirschauer«.

Vom benachbarten Silberberg, hoch oben am Hange des Gewinzi gelegen, wird im Volke geredet, dass es die Kühe und die Weiber dort schlecht haben; auch ein Sprichwort geht in der Gegend um: »Besser im Dorf unten ein Inmann als am Silberberg oben ein Bauer.«

Den Donauern ruft man spöttisch zu:

»Donauer Bärn,
lasst senk schern«

Vom Flecken Plöß an der alten Grenze heißt es wegen der schlechten holprigen und schmutzigen Wege:

»Da Herrgott i da Pleiß,
dass sih koana dasteißt.«

Von Glashütten bei Neuern, wo Maurer und ein paar Bauern wohnen, geht das Sprüchlein, das freilich auch etlichen anderen Orten noch nachgesagt wird:

»In Glashüttn wann s läutn,
so läuten s vor Not,
und wann a Bettlmanndl durchs Dorf geht,
so nehmen s ihm s Brot.«

Die Bürger des Städtleins Neuern, kurz »Neidara« im Volksmunde geheißen, werden von den Bauern der Nachbarschaft »Hungerleider« betitelt; eigentlich wird das Wort allen Kleinbürgern des Böhmerwaldes von den Bauern unter die Nase gerieben.

Die Leuten vom nahen Millik werden zur Zeit der Haferernte mit den Worten gestichelt: »Jetzt wird der Hafer zeitig, jetzt kriegt der Hut einen Ruck von hinten.«

Die Deschenitzer sind als »Zwoarer« bekannt, da sie einmal falsches Geld, und zwar »Zweier«, in großen Mengen gemacht haben sollen.

Die nahen Depoldowitzer werden von den Deschentitzern aus »Dörferer Knöpf« ausgespottet. In der Depoldowitzer Kirche steht über dem Eingange in einer Nische ein Standbild des heiligen Isidor, des Kirchenheiligen von Depoldowitz. Der Heilige ist angetan mit einem Mantel, dem die oberen Knöpfe fehlen; unten ist der Mantel zugeknöpft, und der Heilige scheint die Hand schützend über den einzigen Knopf zu halten. Die fehlenden Knöpfe des heiligen Isidor von Depoldowitz sollen sich in Deschenitz befinden. Wenn sich nun ein Depoldowitzer in Deschenitz einfindet, so passt er allemal gut auf seine Knöpfe auf, damit es ihm nicht wie dem Heiligen ergehe. Es sollen schon viele Depoldowitzer zu Deschenitz Knöpfe gelassen haben. Da die Depoldowitzer also um ihre Knöpfe besorgt sind, werden sie von den Deschenitzern scherzhaft »Dörferer Knöpf« betitelt.

Die Leute von Grün werden als »Schinder« oder »Schafdiebe« ausgespottet. Wenn die Grüner oder auch die Eisensteiner Bettelleute bei einem Bauern betteln, da geben sie keine Ruhe, bis sie etwas erhalten; man sagt daher von ihnen, dass sie »onsetzn toan wie d Spanlsteißer«. Ehe das Petroleum aufkam, war ja das Spänestoßen im Böhmerwald gang und gäbe.

Die Bauern von Hammern wurden früher »Waldstiere« oder »Waldwastln« ganannt, da sie reich und begütert sind und der Schlag gegenüber den Bauern in den Vorbergen derber ist; der Bauer wird ja oft auch mit »Wastl«, der Kurzform von Sebastian betitelt.

Die Bauern von Eisenstraß kann man ärgern, wenn man ihnen »Maulaffen« sagt; sie sind ein langsamer und schwerer Schlag, und wenn sie, selten genug, irgendwo hinkommen, gaffen sie alles, wie man sagt, mit offenen Mäulern an.

Von den Leuten von Haidl am Ahornberge berichtet der Volksspott, dass die einen bestimmten Körperteil spitz haben; ein neidiger Bauer muss sich in der Gegend die Redensart gefallen lassen: »Du bist grod so wei a spitzorschata Hoidler.«

Das Wörtchen »etwas« lautet in der untern Gegend des Böhmerwaldes nur »wos«; von Wallern etwa an heißt es »eps« und weiter oben dann »eppas«. Von den Gefildern angefangen wird in der Mundart für »irgendeiner« schon »eppan« gesagt und das Wörtchen gegen das Osserland zu immer häufiger angewendet; »eppa«, gleichbedeutend mit »vielleicht«, kommt im ganzen Böhmerwald vor. Die Leute aus der Ossergegend werden nun von ihren südlichen Nachbarn wegen des häufigen Gebrauches dieser Wörtchen gerne mit dem Satze gehänselt: »Hot da eppa appan eppas ton?« hat dir vielleicht jemand etwas getan?

Aus dem Oberland

Die Bürger der Stadt Schüttenhofen, die heute tschechisch ist, müssen sich »Pistolenscheißer« spotten lassen. Obwohl sie in früheren Zeiten arme Teufel waren, lebten sie doch auf großem Fuße und brachten etliche Dörfer in der Umgebung der Stadt in Besitz; die Bauern sagten deshalb, die Schüttenhofer müssten einen Pistolenscheißer haben. Die Pistolen waren alte Goldmünzen, und der Spitzname bedeutet also so viel wie Dukatenscheißer. Von einer anderen Deutung, die das Volk dem Namen gibt, werden wir noch hören.

Von Petrowitz wird folgende Geschichte erzählt: Wenn die Petrowitzer Kirchweih haben und die Leute aus der Nachbarschaft zeitig in der Frühe ihre Bekannten und Verwandten in Petrowitz aufsuchen, sagen die Petrowitzer immer: »Uje, kommt ihr zeitig daher, haben noch nicht einmal gekocht, müsset schon später kommen!« Kommen dann die Leute ein anderes Mal später auf Besuch, so heißt es allemal: »Ja, könnt ihr denn nicht früher kommen, wie es der Brauch ist, jetzt haben wir schon alles aufgegessen.

Die Albrechtsrieder ärgert man, wenn man von Totenschädeln redet. Einmal hatten Burschen aus der Nachbarschaft einer Dorfschönen in Albrechtsried in der Nacht einen Totenschädel ins Kammerfenster gesetzt, der aus einer großen Rübe geschnitzt war, mit rotem Papier an den Mund und die Augenlöcher und einem brennenden Lichtlein dahinter. Das Mädchen schlug Lärm, und das ganze Dorf lief zusammen, selbst der Pfarrer wurde aufgeweckt und zu dem Totenschädel geholt; seit der Begebenheit ist es nicht ratsam, in Albrechtsried von Totenschädeln zu reden.

Die Leute von Langendorf hören es nicht gerne, wenn man im Wirtshause »Kutteln«, die Gedärme samt Wanst und Magen, verlangt; sie werden nämlich als »Kuttelschlucker« ausgespottet. Ihr Kirchenfest feiern sie zeitig im Frühjahr, und vor Zeiten einmal haben sie, so wird ihnen nachgesgt, ihren Kirchweihgästen nichts als »Kutteln« vorgesetzt. Andere wiederum erzählen, die Langendörfler hätten einmal ein Ross in der Wottawa aufgefangen und die »Kutteln« gegessen.

Von dem Holzhauer- und Flößerdörflein Neu-Langendorf, im Volke »Bojahäusln« genannt, wird ein Rätsel aufgegeben: »Wo werden die Gänse nur auf einer Seite gebraten?« Die Antwort lautet: »Auf den Bojahäuseln, weil auf der anderen Seite keine Häuser sind.« Die Häuser der jüngsten Holzhauersiedlungen des Böhmerwaldes stehen nämlich bloß an einer Straßenseite in einer langen Reihe.

Die Leute von Plattorn heißen die »Gimpel«. Von ihnen, die ganz abgeschlossen von der übrigen Welt leben, werden viele Stücke, die denen der Hirschauer ähnlich sind, erzählt; da soll einer geglaubt haben, die Hasen legten Eier, und auch Haseneier im Walde lange gesucht haben. Als der erste Grieß ins Dörflein kam, versuchten sie ihn anzubauen, damit sie ihn den Schüttenhofern nicht abkaufen müssten. Als rechte Vogelliebhaber hätten sie gern einmal einen Gimpel gehabt. Der alte Frühauf-Schuster von Langendorf gab ihnen für Geld einen Gimpel; als sich aber der vermeintliche Gimpel in seinem Vogelhäuslein badete, ward ein Spatz daraus, denn der Schuster hatte einen Spatzen mit dem Pinsel bunt angestrichen und ihnen gegeben. »Han, bist denn du auch ein Plattorner?« fragt man in der Gegend einen, der sich recht ungeschickt stellt.

Aus dem einsamen und hochgelegenen Kumpatitz ging in früheren Zeiten alt und jung mit Rosenkränzen in die Kirche; nach ihrer Meinung war ein Gebetbuch nicht schicklich. Darum heißen die Kumpatitzer weit und breit »Rosenkränz«.

Von den Oppelitzern geht die Rede, dass sie singen wie die Krummschnäbel aus der Stubenbacher Gegend.

Die Einwohner von Rindlau werden als »Hornkäfer« verspottet. In Bergreichenstein hörten sie einmal von der »spanischen Fliege« reden, die auch bei ihnen oben vorkommen sollte; ein Zirkusmusikant aus dem nahen Nezditz hätte etliche solche Tierlein aus Spanien mitgebracht, und sie wären ihm ausgekommen. Der Apotheker in der Stadt kaufe sie um teueres Geld zusammen. Die Rindlauer machten sich nun auf die Suche und brachten große Mengen Hirschhornkäfer dem Berger Apotheker, der einen Rindlauer nach dem andern mitsamt den Hornkäfern aus dem Laden hinauswarf.

Die Leute von Nezditz und Schimanau hat sich der Teufel ausgenommen, heißt es im Volksmunde. »Du bist auch nicht weit von Nezditz her!« bedeutet so viel wie, zwischen Mein und Dein nicht recht unterscheiden können.

Die Bürger der alten Bergstadt Bergreichenstein, gemeinhin »Berg« genannt, heißen wegen ihrer Vorliege für das Kraut, das bei ihnen gut gedeiht, und mit dem sie auch weit herum handelten, »Krautberger« oder »Krauterer«. An ihrem Kirchtage sollen sie nur Kraut essen, da sie sich kein Fleisch kaufen könnten. Vom »Berg« kamen früher die kleinen Bettelleute mit den Butten in die untere Waldgegend, die man »Berger Rückei« nannte; fragte man in früheren Jahren einen Bettelmann, woher er käme, do war die Antwort: »Vom Berg!«

Die Glashüttenleute von Klostermühl werden »Hüttenkatzen« gehänselt.

Die Einwohner des Bergstädtleins Unterreichenstein, unterhalb Bergreichenstein gelegen, sind die »Kröpf«, und von ihnen sind etliche Spottgeschichtlein im Umlauf.

Zu ihren Kröpfen sollen sie also gekommen sein: Einmal kochten die »Berger« Knödel im Freien, stießen aber den Kessel um und die Knödel kugelten den Berg hinunter nach Unterreichenstein. Die Unterreichensteiner fingen nun einen Knödel nach dem andern auf und verschlangen sie mit Gier. Von den vielen Knödeln, die sie damals aßen, sollen die Unterreichensteiner die Kröpfe bekommen haben. Andere Leute behaupten wiederum, dass sie Gold in den Kröpfen haben. Vor Zeiten wurde nämlich in der Gegend viel Gold gewaschen und gegraben.

Wenn man die Unterreichensteiner ärgert, so soll man nachher schleunig auf einen Berg hinauf rennen, da kämen sie einem weger ihrer Kröpfe nicht nach. Ihren Mist trugen die Unterreichensteiner früher auf einen kleinen Felsen, »s Glawal« genannt, hinauf, was ihnen arge Mühe machte; davon singt ein altes Spottreimlein:

»Ös kropfatn Intareichastoana,
wie scheban enk d Boana a,
wia scheban enk d Kröpf,
wonns as üwas Glawal affischleppfts.«

Der dies Büchlein geschrieben hat, ist vor Jahren einmal von Bergreichenstein nach Unterreichenstein gegangen, und ein geistlicher Herr vom »Berg« (der auch ein rechter Schalk gewesen, heute ist er schon unter der Erde) hat ihn ein Stück begleitet. Als wir an einem Baum mit einem großen Auswuchse vorüber gingen, zeigte der geistliche Herr auf den Baum und sagte: »Das ist der Wegzeiger nach Unterreichenstein!« Kaum waren wir etliche Schritte weiter gegangen, da hörten wir irgendwo einen Schuss krachen; der geistliche Herr redete zu dem Verfasser: »Jetzt ist einem Unterreichensteiner der Kropf aufgesprungen!«

Und nun noch eine Geschichte, wie die Unterreichensteiner zu ihrem Schutzpatrone, dem heiligen Bartholomäus, gekommen sein sollen; das geschah also: Als sie die Kirche gebaut hatten, gingen die Männer, die etwas mitzureden hatten, in die Kirche hinein und rieten hin und her, was sie sich für einen Heiligen erwählen sollten. Indes lugte eine vorwitzige Geiß in die Kirche hinein und meckerte: mäh, mäh, mäh! Das verfielen die Männer auf den heiligen Bartholomäus und erwählten sich ihn zu ihrem Schutzheiligen.

In letzter Zeit, seit die Kröpfe im Aussterben sind, hört man die Unterreichensteiner öfter »Lachsenstecher« hänseln. In der Wottawa, in der Gegend »Ouh« genannt, laichen ab und zu Lachse, und es wurden in der letzten Zeit auch einige da und dort gefangen. Vor einiger Zeit soll einmal ein Unterreichensteiner mit einer Heugabel eine ganze Woche lang auf einen Lachs gepasst haben, um ihn zu erstechen. Davon der Spottname »Lachsstecher«.

Die Einwohner von Hartmanitz heißen »Nebelstecher«, weil sie oft Nebelstangen bei den Dächern herausstecken, um den Nebel zu vertreiben. Einmal sollen Federnjuden nach Hartmanitz gekommen sein, die hielten den Nebel für Federn, stiegen auf die Dächer und wollten mit den Nebelstangen die vermeintlichen Federn zu Boden treiben und glaubten, ein gutes Geschäft zu machen, wird in der Gegend erzählt. Mit der Nebelstange werden die Hartmanitzer im ganzen Böhmerwalde geärgert.

Der Flecken Ober-Teschau heißt im Volksmunde »Scharschleifergmoan«, die Scherenschleifergemeinde; hier sind Scherschleifer daheim, die in der halben Welt herumziehen.

Nach Körnsalz geht man um ein Schmalz, sagt ein altes Reimspiel, auch um »an Dudalin«, Eidotter; nach Unterreichenstein um eine »Ailernwoika« eine Eidechsentunke. Und zu Sankt Günther in Gutwasser gehen die Mädchen um einen Mann.

Die Einwohner von Glaserwald stichelt man »Kreuzelbecker« und von der Entstehung dieses Spitznamens erzählt eine Sage also: Auf dem Hanischberge in der Nähe des Ortes stand ein Kreuz, unter dem in einer Truhe ein Schatz vergraben war. Dieser Schatz konnte nach der Überlieferung nur dann gehoben werden, wenn man das Kreuz mit einer neuen, ungefeilten und ungeschliffenen Hacke »abbeckte«. Die zwölf Glaserwalder Bauern machten sich nun einmal daran, dem Teufel den Schatz zu entreißen. Lange arbeiteten sie mit einer neuen Hacke, bis sie das Kreuz umgeschlagen hatten und den Schatz hoben. Mit der Truhe machten sie sich dann schleunig auf den Weg, da sie den Teufel fürchteten. Die ersten zwei trugen den Schatz, dann ging einer hinter dem andern, der letzte hatte das Kreuz auf dem Buckel. Doch der Teufel kam den Bauern in den Weg und fragte: »Wer hat mir meinen Schatz genommen?« Jeder Bauer antwortete: »Ich nicht, der hinter mir.« Nun hätte der letzte auch so antworten sollen, dann wäre die Macht des Teufels gebrochen gewesen, der aber redete: »Ich allein soll den Schatz genommen haben? Wir sind doch alle zwölf beisammen gewesen!« so hatte der Letzte alle schuldig erklärt, der Teufel bekam dadurch wiederum die Macht über den Schatz und verschwand mit der Truhe. Die Glaserwalder zwölf Bauern hatten also das Nachsehen und heißen seit dieser Zeit die »Kreuzelbecker«.

Die Bauern von Stadeln sind bekannt als die »Wolfsjäger«. Einmal hatte ein Mann einen Wolfshund mit in den Ort gebracht, der in den Wiesen herumlief. Die Stadler Bauern hielten das Tier für einen Wolf, rückten mit ihren Büchsen aus und erschossen den Hund. Durch dieses Stücklein kamen sie zu ihrem Spottnamen »Wolfsjäger«. Auch als »Reichersdorfer« werden die Stadler Bauern häufig geneckt.

Die Leute von Rothsaifen, die etwas auf ihren Ort und auf Fortschritt halten, bekamen von den Nachbarn den Ehrennamen »Klein-Budweiser«, auf den sie nicht wenig stolz sind. Es heißt im Volksmunde auch, nach Rothsaifen geht man um einen Anstand.

Die Ziegenrucker bauen oben auf ihrer Höhe meist Hafer; Korn gedeiht nicht recht. Im Herbste fahren sie die Säcke mit Hafer in die Mühle, damit ihnen der Müller den Hafer zu »Glutsch«, Schrot für das Vieh, vermahle. Die Bauern aus den Nachbardörfern fahren nur Kornsäcke in die Mühlen, den Hafer schroten sie sich selber daheim, da stehen überall an den Bächlein Haferschroten, »Howanstampfer« genannt. Von den Nachbarn werden nun die ärmeren Ziegenrucker »Hafersäcke« geneckt.

Die Bauern von der Waid sind als die »Goaßweidara« bekannt.

Die Leute von Rehberg heißen nach ihrem Viehschlage, dem kleinen und genügsamen Gebirgsvieh, »Steinbeißer« genannt, spöttisch »Werschala«, während die Waldbauern in den umliegenden Dörfern längst schon reinrassiges Simmentaler und Pinzgauer Vieh oder Kreuzungen hatten, fingen die Rehberger erst in der letzten Zeit langsam damit an.

Die Einwohner von Stubenbach hören es nicht gerne, wenn man sie »Krumpschnawln«, Kreuzschnäbel, nennt; in den schier endlosen Wäldern um Stubenbach gibt es nämlich Kreuzschnäbel in Mengen. Ihr Kirchenfest zu Prokopi wird spöttisch die »Krumpschnowlkiawa« genannt.

Die Leute von Großhaid nennt der Volksspott »Hoidara Geier«, weil sie recht zerraufte Leute sind.

Von der Gegend um den Rachel und Antigl heißt es, dass hier die Welt mit Brettern vernagelt ist. Die Innergefilder und auch die Chinitz-Tettauer kann man in die Hitze bringen, wenn man sie »Bloubhödlate« heißt. In früheren Zeiten kam in die Gegend kein Sauschneider, Kastrierer; die Waldbauern da besorgten das Geschäft selber, nahmen zwei Stück »Bohwid«, Hölzer zum Brotbacken, und zerdrückten mit diesen den Stierlein, um Ochsen zu kriegen, die »Hödln«. Diese wurden ganz blau, »bloub« sagen die Bauern, und schrumpften zusammen. Diese Art des Verschneidens war früher allgemein üblich und wird heute noch geübt bei Bauern, denen der Sauschneider zu teuer ist. Den Waldleuten in den Gefilden wird noch manches nachgeredet, was mit dieser Sache zusammenhängt.

Als Kinder haben wir die Innergefilder Weiber also verspottet: »So sitzen die Gefilder Weiber auf der Ofenbank, wenn sie kein Schmalz haben!« und dabei auf die Ofenbank gesetzt, die Füße etwas in die Höhe gehoben und die Hände vorm Knie ineinander geschlungen.

Aus der Waldgegend an der Moldau

Die Gegend stundenweit um die Gefilde herum; das eigentliche Waldgebiet des Böhmerwaldes, ist eine raue und arme Gegend; da ist es neun MonateWinter und drei Monate kalt, reden die Leute; in einem Schnaderhüpfel heißt es von dieser Gegend:

»Vo hint samma vüra
wou d Sunn so schön scheint,
wou Summa und Winta
koa Fensta oleint.«

Die Leute weiter im Lande drin heißen diese Gegend die »Waldgegend« und die Holzhauer und Häusler da, wo der Grund und Boden noch vor wenigen Jahren »bis zan Schoatropfan« dem »Fürsten« gehörte, werden von den Nachbarn »Wuldbinkln« genannt. Scherzhaft wird die Gegend auch die »gute Gegend« geheißen; wenn ein Bursche ein Mädchen aus dieser Gegend weiter unten im Land trifft, grüßt er sie schelmisch: »Grüaß dih Gott, Miazl aus da schön Gegnd!« Nach Aussage böser Leute kommen von den Gefilden die Bettelleute, Hausierer, Pascher, Wildschützen und Diebe.

Die Holzhauer von der Philippshütte, im Volke nach dem Besitzer der alten Glashütte mit Namen Breit die »Broanhüttn genannt, kann man am ärgsten beleidigen, wenn man sie »Pöschlana« heißt; und doch ist der Spottname ganz harmlos und stammt von einer anderen Glasherrenfamilie, die sich Pöschl schrieb. Vielleicht haben die »Kreuzpöschlana« den Namen in Verruf gebracht, die an den bayerischen Abhängen des Dreisesselberges wohnten und deren unwirtliche Heimat in früheren Zeiten eine Strafkolonie für junge Leute war, die sich gegen die Sittlichkeit vergangen hatten.

Die Außergefilder, die in ihrem Orte lange Zeit eine hölzerne Kirche hatten, kann man ärgern, wenn man ihnen sagt, im »Gfeig« hätten sie eine hölzerne Kirche und seien buchene Leute. Oft sagt man ihnen auch die Worte: »In Gfeig homans vei Seiwageid«, im Gefild hätten sie viel Silbergeld, womit man ihre Mundart verspottet. Wie im Oberland fallen auch in den Gefilden die alten Verbindungen el mit il zusammen, wodurch viele dumpfe Zwielaute in die Sprache kommen.

Meist heißen die Außergefilder »Dorschtara«, weil sie in früheren Zeiten gerne unter die Bauern »Dorschtn«, Rüben, betteln gingen.

Von den Gefilden sagt man auch, dass die Bettelleute umkehren und die Mäuse verrecken. Die Spatzen sollen bis Winterberg gehen und die Mäuse ein wenig weiter, bis zum »Dewold« an der Straße von Winterberg nach Außergefild. Die Außergefilder ärgerte es sehr, dass sie immer mit den Spatzen gehänselt wurden, und so haben sie einmal, wie man in den Nachbardörfern erzählt, in der Stadt Winterberg einen Haufen Spatzen gefangen, in einen Sack gesteckt und heimgetragen. Daheim wurden die Spatzen dann ausgelassen. Aber noch am selben Tage sollen die Spatzen davon geflogen sein. Die biederen Außergefilder haben aber ihr Vorhaben nicht so gleich aufgegeben und sind noch einmal nach Winterberg um Spatzen gegangen. Dieses Mal stutzten sie den Vögeln, ehe sie sei in Außergefild ausließen, die Flügel. Die Spatzen aber sollen wiederum ausgerissen sein und zu Fuß den Weg bis Winterberg zurückgelegt haben.

Die Waldhäuser bei Außergefild, etliche armselige Holzhauerhütten im Walde, führen den stolzen Namen »Die sieben Kurfürsten«.

Die Leute von Buchwald werden die »buachan Schlegel« zubenannt. Das Wort bedeutet einen ungehobelten und grobschlächtigen Menschen, dann auch eine Dickschädel, wie es die Bewohner der entlegenen Berggegenden gewöhnlich sind.

Die Holzhauer von Fürstenhut nennt der Volksspott »Erdapflbüawein«, weil dort in der Lusengegend nur noch Erdäpfel gedeihen. Als Kinder haben wir gebetet, wenn Tag für Tag Erdäpfel auf den Tisch kamen: »Erapfi, dir leb ih, Erapfi, dir sterb ih, Erapfi, dein bin ih tout und lewenti, Amen!«

Das Leibsprüchlein der Fürstenhuter Holzhauer, die gerne die Welt durch den Boden des Bierglases betrachten, ist weit und breit bekannt und lautet:

»Manner von Fürstenhuat,
trinkts, wann enk dürsten tuat.«

Die vier Grenzdörfer Fürstenhut, Buchwald, Außergefild und Philippshütte haben einen gemeinsamen Spottreim, der auch in anderen Landschaften bekannt ist:

»Wer duahn Fürstenhut kimmt ohne Trug,
duah s Buachat ohne Lug,
duah s Gfeig ohne Wind
duah d Pöschlanahüttn ohne Kind,
der därf von an Glück redn.«

In der »Seelweckzeit« um Allerheiligen zogen aus diesen Dörfern um den Rachel und Lusen die Leute im »Seelweckbetteln« herum und kamen Tagesreisen weit ins benachbarte Bayern hinein. Um diese Tage soll immer die Philippshütten in früheren Jahren ausgestorben gewesen sein, da jung und alt auf den Beinen war; auch der ganze Fürstenhut soll einmal ausgewandert sein bis auf den Pfarrer, der ohne Schuhe war, und den Lehrer, der keinen Rock hatte, erzählen böse Nachbarn.

Um Scheureck ist die Gegend gar armselig und ein Sprichwort sagt: »Die Scheurecker sind Verrecker.« Die Scheurecker spotten ihrer selber und sagen von ihrem »Obste«, den Beeren der Eberesche, das bei ihnen gedeiht: »Wir müssen warten, bis die Faibam zeitig werden, dann sehen wir was Rotes.«

Zu ungehobelten Leuten sagt man im Walde: »Nach Scheureck geht man ins Manierlernen« und flickt mit der Redensart den Scheureckern eins ins Zeug, die selber ungehobelte Waldmenschen sind. Die Redensart vom Manierlernen ist auf folgende Art entstanden: Zu Scheureck lebte ein Sonderling, Leopold Penzenstadler mit Namen, allgemein nur »Pfeiferseppeipuitl« oder »Pfeiferpuittei« genannt. Er stammte von einem Bauernhause, hatte Geld genug, arbeitete aber sein ganzes Leben lang nichts, sondern lebte alleweil lustig in den Tag hinein. Von den Weiberleuten wollte er nichts wissen und blieb bis zu seinem Tode Junggeselle, bloß wenn er einmal einen Rausch hatte, redete er immer vom Heiraten. Den ganzen lieben Tag ging er als Spaßmacher »in den Häusern« herum oder vertrieb sich sonst mit allerhand Dummheiten die Zeit. Alle Leute, besonders aber die Fürstenhuter, erklärte er für dumm, obwohl er selber in seinem ganzen Leben nicht über die nächsten Dörfer gekommen war. Der »Puittei« war ein großer und fescher Mann mit einem Vollbart, redete immer »herrisch« und in recht gewählten Worten, hielt sich überhaupt für etwas Besseres als die anderen Leute, die ihn »Herrn« titulieren mussten. Seine ständige Redensart war: »Ich bin der Herr Rittmeister von Scheureck, zu mir müsst ihr ins Manierlernen kommen!« vor etlichen Jahren starb er hochbetagt. Seine Reden von »Manierlernen« waren in der Nachbarschaft so bekannt, dass sie als zweifelhaftes Andenken an den »Pfeiferpuittei« den Scheureckern hängen blieben.

Die Häuser Josefstal heißen im Spotte die »Krenhäusln«; die drei Waldbauern hatten früher um ihre Häuser herum Kren in solchen Mengen gebaut, dass sie nicht wussten, wohin mit dem vielen Kren. Man hänselt sie auch »Solmtoler«, weil sie mit allen Salben gerieben sein sollen.

In Lichtbuchet halten sich wohl mancherlei Vögel auf, aber wiederum keine Spatzen; die Nachbarn erzählen, dass es denen dort zu schlecht ist.

Von den Leuten von Kuschwarda erzählen die Wallerer, dass sie recht verhungerte Leute seien. Wenn sie sich mit Erdäpfeln angegessen hätten, gingen sie allemal vor die Haustüren und stocherten sich in den Zähnen herum, damit fremde Leute meinten, die hätten Fleisch gegessen. Die Kuschwardliner wiederum erzählen dieselbe Geschichte von den Wallerern. Auch von den Bergreichensteinern wird der Stichelschwank erzählt, jedoch an Stelle der Erdäpfel Kraut eingesetzt.

Im Walde schneidet man einem Vorlauten die Rede ab mit den Worten: »Kusch!« und fügt nach einer Weile hinzu: »? warda ist ein Marktflecken!«

Viele Böhmerwäldler verlassen ihre Heimat und suchen ihr Brot in der Fremde, da die Heimat sie nicht alle ernähren kann. Von Kuschwarda sind viele Leute als Fabrikarbeiter in Klein-München bei Linz und dort heißen etliche Häuser Neu-Kuschwarda; freilich sagen alle Leute aus dem obern Walde bis gegen Bergreichenstein hinauf, sie stammten aus Kuschwarda. Die Böhmerwäldler werden nun gehänselt, sie möchten doch ihren Pfarrherrn auch noch herunterholen, damit er nicht allein in Kuschwarda sei.

Der Flecken Neu-Hüblern heiß die »Orschhäusln« und der Name ist in der Gegend so gang und gäbe, dass die Leute von Neu-Hüblern ihren Heimatort selber nicht anders nennen als mit diesem Namen. Wahrscheinlich rührt der Name daher, weil die Häuser mit den Misthaufen gegen die neue Straße nach Obermoldau schauen. Das Volk erzählt, ein Weib hätte einmal, als ihr das Wetter nicht passte, einen nackten Körperteil gegen den Himmel gereckt, und von da sei der Name entstanden.

Wegen ihrer Vorliebe für die »Briazlsuppe«, eine Milchsuppe mit eingekochten Mehlklösslein, werden die Waldbauern von Wolfsgrub mit dem Namen »Briazlsuppnmanner« gehänselt.

Die Leute von Schattawa, alte Holzhauer, ärgert das Volk mit dem Spitznamen »Schnappsacklbuam«, weil die Holzhauer in großen Brotsäcken, Schnappsäcke geheißen, immer ihr Essen in die Wälder mitnahmen, wenn sie auf Arbeit gingen.

Als die Holzhauer aus den Kapellenhäusern einmal ihr Dorfglöcklein zum Weihen führten, verloren sie auf dem Wege den Schwengel; sie hören es nicht gerne, wenn man sie fragt, ob sie ihr »Herz« schon gefunden hätten.

Die reichsten Leute der Gegend sind die Bauern von Obermoldau, die deshalb auch die »Großschädlaten« oder die »Großhornaten« heißen. »Was ist das größte Knopfloch?« fragt man die »Wuidlina«, wenn man sie hänseln will. »Das ist die Wuidlina Kirchentür«, lautet die Antwort, »da gehen die größten Knöpfe ein und aus.«

Unter den Fuhrleuten, die in Obermoldau gerne sitzen blieben und von den Gastwirten tüchtig geschnürt wurden, geht ein altes Sprüchlein um:

»Af da Wuida
koust s an Guida,
bleibt ma a weng stehn,
koust s gleih zwen,
is ma a weng wou dabei,
koust s gleih drei.«

Die Leute von Elendbachl stichelt man, indem man ihnen »Ailendsgoama« sagt, Elendsgarben.

Von den Waldbauern vom Filz wird der folgende Stichelschwank erzählt: Die Leute aßen einmal Knödel und hatten nur ein Stücklein Speck. Dieses Speckstücklein banden sie nun an einen Faden und ließen es mit jedem Knödel durchs Maul hinunter, zogen den Speck aber an dem Faden wiederum in die Höhe und verwendeten ihn bei allen Knödeln der Reihe nach.

Die Leute von Mehregarten heißen die »Widen«, Wilden und Groben. In der Neugebäuer Gegend sagt man oft von einem, der dumm ist, »der ist hinterhalb des Hüterstegs her«, der die Grenze gegen Mehregarten bildet.

Die Schwarzhaider sind ein schwerer Schlag und werden deshalb »Ponzara« zubenannt; »Panzen« bedeutet ein unförmiges Fass und wird auch bildlich von Menschen angewendet.

Als »Parasultroger«, Regenschirmträger, werden die Kaltenbacher ausgespottet, die als Hausierer mit ihren Regenschirmen und allen möglichen anderen Sachen im ganzen Böhmerwalde und weit darüber hinaus herumkamen.

Die Einwohner der Michlhütte gelten als rohe Leute, und besonders das Vieh soll es bei ihnen nicht gut haben, sie werden deshalb »Ochsenschinder« geneckt.

Die Leute von Korkushütten sind mit einer spöttischen Deutelei des Ortsnamens die »Goaßhüttler«.

Die Ernstberger heißen »Groussathengstn«, da sie recht häufig in die Wälder gehen und in großen Körben »Groussat« heimtragen, Fichten- und Tannenzweige, die als Streu für das Vieh verwendet werden.

Die Leute von der Kubohütte, die im Volke als »Bogscheidahüttn« bekannter ist, hänselt man die »Keanmoihlanan«, Leute, die aus Kornmehl wären: sie sind nämlich recht langsam und schwerfällig, und man sagt auch spotthaft von ihnen: »Heut amui, morgn amui, sou a keanmoihlana Bogscheidahüttler.«

Die Leute von Salzweg, die ein recht kleiner Menschenschlag sind, müssen es sich gefallen lassen, dass man sie »Liliputaner« spöttisch zubenennt.

Die Bauern von Rabitz hänselt man »Buikala«; der Spottname hängt mit Balg zusammen, dieses Wort bedeutet bildlich breitschultrige und untersetzte Menschen; die Rabitzer sind auch ein kleiner und dicker Schlag.

Die Bürger der Stadt Winterberg sind im ganzen Böhmerwald als »Houseila«, Hasen, und in den umliegenden Dörfern als »Stodtahasein«, Stadthäslein, bekannt und bezeichnen sich selber in der Fremde oft so. Der Name führt wahrscheinlich von der alten Hasenburg her, Sinn und Entstehung ist dunkel, wenn ihn auch das Volk durch etliche einfältige Geschichtlein deutet.

Wenn die Winterberger die benachbarten Bergreichensteiner aufziehen und fragen, ob sie viel Kraut hätten, antworten die Berger: »Ja, wenn uns die Houseila nicht darüber kommen.« Die Bergreichensteiner sollen einmal die Schüttenhofer um Hilfe gebeten haben gegen die »Houseila«, da sie ihnen immer das Kraut auffraßen. Die Schüttenhofer kamen mit langmächtigen Pistolen angerückt und schossen auf die »Houseila«. Da sie aber statt Pulver allerlei Unflat in den Pistolen hatten, geschah den »Houseilan« nichts und geht ihnen bis heute noch recht gut.

Die Winterberger Schlossleute, die in früheren Zeiten den Jungfrauen arg nachgestiegen sein sollen, nennt man noch »Gschloussahengstn«, Schlosshengste.

Die Leute von Stadthaiden, die aus Fladerholz Pfeifen machten und mit den Pfeifen handelten, heißen allgemein »Pfeifafloda«.

Die Glashüttler, die mit besonderer Vorliebe gedünstetes Blut essen, werden von den Nachbarn als »Bluatdistler« geneckt.

Die Gansauer sind durch ein Reimspiel in den Ruf gekommen, Hirschauer zu sein und gelten auch als die Hirschauer der Gegend.

Die Bauern von Wessele werden »Glouharn« gehänselt, da sie unförmige Füße mit Klauen haben sollen.

In früheren Zeiten hat es im Böhmerwald, besonders aber in der Waldgegend an der oberen Moldau unzählige Glashütten gegeben. Diese Glashütten gingen später bis auf einige ein, und es zogen die Holzhauer in den Wald. Die Bauern sahen auf die Glashüttenleute immer von oben herab. Die bildeten, wo sie unter den Bauern wohnten, ein Völklein für sich und bewahrten sich auch ihre eigene Mundart, die den Nachbarn häufig Anlass zum Spotte gab. Die Glashüttenleute reden überall fast gleich, ihre Mundart ist im oberen Walde daheim. Sie waren recht notige Leute, die allerhand zusammenfraßen, was ein Bauer kaum eines Blickes würdigte. Auch sonst nahmen sie das Leben leichter als die Bauern; die sagen daher auch: »Die Hüttenleute und die Zigeuner sind Gevattersleute.« Meist werden die Glashüttenleute »Hüttenschwanz« genannt, Hüttenschwänze. Das Wort »Schwanz« wird gern als zweiter Bestandteil an einen Übernamen angehängt; es war in früheren Zeiten eines der beliebtesten Schimpfwörter unter den Bauern, wohl will man sich hinter der Verblümung alles Mögliche denken konnte. Dasselbe gilt von dem älteren deutschen Worte Schwanz, nämlich »Zagel«, das wir noch etliche Male in Spitznamen begegnen werden. Da der Nebensinn die ursprüngliche Bedeutung des Wortes verdrängte, schwand es aus dem feineren Sprachgebrauche; das Wort Schwanz geht heute denselben Weg.

Auch die »Krumpschnawln« werden die Hüttenleute allgemein ausgespottet, da sie an dem Vogelstellen und Züchten immer eine närrische Freude hatten.

Die Glashüttenleute sind ein recht lustiges Volk, bei dem Singen und Sagen allezeit daheim ist. Heute spielen sie die Herren und morgen sind sie Bettelleute, wie sie ihrer selber spottend singen:

»Die Glashüttenleut
san gar lustig Herrn,
und wann s koa Geld nit hom,
klimper s min Scherm.«

Die Hüttenleute von Adolf bei Winterberg werden »Nazeila« gehänselt. Man ärgert sie, indem man den Zeigefinger gegen den Daumen bewegt und ihnen nachruft: »Pickt haait da Laaim?« Mit diesen Worten verspottet man zugleich die Mundart.

Dasselbe sagt man auch von den Hüttenleuten zu Eleonorenhain bei Wallern.

Die Hüttenleute von Ernstbrunn, weiter unten im Böhmerwald in der Gegend des Chumberges, heißen wegen ihrer Vorliebe für Froschschenkel »Froschschinder«; man bringt sie in die Hitze, wenn man ihnen in ihrer Mundart nachschreit: »Ülla, ülla! a Frusch, raaißts eahm d Haxn aaus!« oder »Juhann! ban Stuck is a Frusch, kuln o!«

Zwischen Dreisesselberg und Libin

Die Dörfer an den Hängen des Flanitztales zwischen dem Schreiner und Kubani auf der einen Seite und dem Schwarzberge auf der anderen Seite heißen im Volke die »Schläge«. Die Bauern da werden als »kroupfate Schläger« ausgespottet, da in der Gegend die Leute mit Kröpfen reich gesegnet sind. Es wird erzählt, dass in Müllerschlag ein Mann lebt, der sieben Kröpfe haben soll. In früheren Jahren wurde aus der Gegend fast kein Bursche wegen der Kröpfe zu den Soldaten genommen; erst als in der letzten Zeit häufiger Soldaten auf Manöver in die Gegend kamen, soll der Menschenschlag ein anderer geworden sein.

Auch »Breinsegln« werden die »Schläger« hie und da noch gehänselt; früher hausierten die ärmeren Leute der Gegend als » Kochetleute« mit »Kochet«, das ist, was man kocht, Gerstbrei, Grieß, »Gruppen« und dergleichen, von Dorf zu Dorf in der Waldgegend an der oberen Moldau herum und kamen bis in die letzten Grenzdörfer, ja bis nach Bayern hinüber. Die »Kochetleute« kauften bei den Bauern das Getreide und zerstampften es in den Haferstampfern zu »Kochet«. Die Krämer führten auf den Dörfern in früheren Zeiten nämlich kein »Kochet«, und so machten die Hausierer im Walde ein gutes Geschäft. Das Leben und Treiben dieser »Kochetleute« hat Josef Meßner schön geschildert. Der zweite Bestandteil des Spitznamens, »Segel«, bedeutet zunächst Beule, »Binkel«, dann auch Kropf.

Die »Schläger« werden auch noch »Mukschn« und noch öfter »Perschen« geneckt. Die eigentlichen »Perschen« sind die Bauern aus der Sablater Pfarre, die im Volksmunde die »Perschei« genannt wird. »Persch« bedeutet zunächst einen großen Ochsen, doch ist diese Bedeutung des Wortes fast ganz verblasst und die Nachbarn stellen sich unter »Perschen« immer die Bauern der Gegend mit ihren besonderen Eigenschaften vor. Die Wallerer nennen eine Gasse ihres Ortes, die gegen die »Perschei« zu liegt, scherzhaft die »Perschengasse«.

Die Sablater selber sind als »Goißburger« bekannt, weil in ihrem Marktflecken früher ein berühmter Geißenmarkt abgehalten wurde. Will man die Sablater ärgern, so sagt man, dass ihnen die Ziegen den Marktplatz ausgetreten hätten; ihr Marktplatz ist nämlich nicht gepflastert. Auch »Zäpfanburger« neckt man die Sablater oft; die Sablater, die nur einen kleinen Wald besitzen, sammeln gern in ihrem Walde und häufiger noch in den anderen Wäldern Tannen- und Föhrenzapfen zum Einheizen; diese heißen daher in der Gegend scherzhaft das »Sablater Bürgerholz«. Wenn einer in der Umgebung mit Zapfen einheizt, kann es oft hören: »Ah, bei euch wird auch mit Sablater Bürgerholz eingeheizt.« Es heißt auch, dass die Sablater Kleinbürger des Sonntags mit dem Zylinder auf dem Kopfe herumgingen, an den Wochentagen aber mit dem Zylinder Tannenzapfen im Walde sammelten!

Besonders werden die Sablater mit ihren Kröpfen aufgezogen und es heißt sogar, dass auch die Ziegen in Sablat Kröpfe haben.

Die Bürger der Stadt Prachatitz feiern am Tage Sankt Peter und Paul das Kirchenfest nach der alten Kirche am Gottesacker, die den Heiligen Peter und Paul geweiht ist. Nach dem Schutzpatron nun werden die Prachatitzer allgemein »Pedala« zubenannt.

Oft werden sie auch »Bombara« gehänselt wegen der weichen Aussprache des Lippenreibelautes, die wohl unter dem Einflusse der tschechischen Sprache entstanden ist. »Wenn ich wäre« heißt im Prachatitzer Dialekt, in der Wortstellung mit Anlehnung an die tschechische Sprache: »Bon ba ih.« Oft zieht man sie mit Sätzen aus ihrer Mundart auf, etwa: »Bort, ih bia dih bixn«, warte, ich werde dich wichsen, oder: »Bon bulkana kemmant, ist Beda nimma beid«, wenn die Wolken kommen, ist das Wetter nicht mehr weit.

Auch als »Nerala« werden die Prachatitzer von ihren Nachbarn besonders den Winterbergern, ausgespottet, da sie das Wörtchen nur »nea« aussprechen, während es im Böhmerwalde »nua« heißt.

Es ist bekannt, dass die alteingesessenen Prachtitzer Bürgerfamilien zum größten Teil aus verschiedenen Gründen abgewirtschaftet haben und um Haus und Hof gekommen sind. Die Wallerer, die auf die Prachatitzer nie gut zu sprechen waren, sagen nun, die Prachatitzer hätten »mit den Mühleian die Häuser vermahlen«, weil sie allezeit sehr gut lebten und viel Kaffee tranken, zu ein Zeit, wo die Wallerer sich nur von Kässuppe, Milchsuppe und Mehlsuppe ernährten und den Kaffee als arge Verschwendung ansahen.

In den umliegenden Dörfern wird auch von den Prachatitzern behauptet, dass sie sich nach einer Geschichte erst am dritten Tage fürchteten.

Der Ort Wolletschlag oben am Schwarzberge heiß im Volksspotte das »Staudenkönigreich«, und die Bauern da sind di »Gstaudarata«, da die Gegend voller Hecken und Stauden ist. Die Wolletschläger haben auch keine Spatzen; in der letzten Zeit sollen sich drei oder vier Spatzen im Orte aufhalten, da ein Bauer ein Ross eingestellt hat.

Die Perletschläger sind als »Rossschleuderer« bekannt. Einmal band ein Bauer, der mit seinen Rössern im Waldschlage arbeitete, das eine Ross an einem umliegenden Waldbaume an und zog mit dem anderen Rosse einen Baum aus dem Haufen. Es dauerte aber nicht lange, da schnellte der Baum mit dem einen Rosse hoch in die Höhe. Also sind die Perletschläger zu ihrem Spitznamen gekommen.

Die Pfefferschläger, hoch über Prachatitz oben, ärgert man, wenn man sie »Moudafresser« nennt. Wenn ein Pfefferschläger Bursche in ein Nachbardorf fensterln geht, hänseln die Mädchen immer die, die es mit dem Pfefferschläger hält: »Dass dir der Moudafresser nicht über den Fensterstock kommt!« Es soll nämlich ein Bursche aus Pfefferschlag beim Fensterln in einem Nachbardorfe einen modrigen Fensterstock zusammengeschlagen haben, was schließlich im Böhmerwald nicht selten vorgekommen ist.

Die Schutzherrin des Pfefferschläger Kirchleins ist die heilige Anna. Der heilige Jakobus ist Kirchenpatron der Stadtkirche zu Prachatitz und trinkt gern, wie erzählt wird. Wenn er kein Geld hat, geht er in die benachbarten Kirchdörfer zu den Heiligen auf Besuch und pumpt sie an. Einmal ist er auch zur heiligen Anna nach Pfefferschlag gekommen und hat so lange in sie hineingeredet, bis er ihr das Geld, das die heilige Anna noch besaß, abgeschwatzt hatte. (Tatsache ist, dass die Stadtkirche dem Bergkirchlein einmal etliche Gulden schuldete.) Über das Geld kann die heilige Anna auch das Kreuz machen. Wenn man einen Pfefferschläger ärgern will, fragt man, ob der heilige Jakob der heiligen Anna das Geld schon zurückgebracht hat.

Vor Pfefferschlag steht auf dem Wege nach Prachatitz eine Kapelle und der Herrgott drin deutet mit der linken Hand gegen Pfefferschlag, als ob er sagen wollte: »Gebet mir mit den Pfefferschlägern Ruhe, von denen habe ich schon genug!« Was ein bekannter Prachatitzer Arzt aufgebracht hat, der heute auch schon tot ist.

Die Nachbarpfarre Oberhaid heißt im Volksmunde die »Wuschei« und die Bauern in den Dörfern herum werden »Wuschen« betitelt. »Wusch« bedeutet zunächst eine große Kopflaus, dann auch grobe und ungeschliffene Menschen. Von der Bedeutung des Wortes gilt dasselbe wie von dem Worte »Persch«. Die Grenze zwischen der »Wuschei« und der »Perschei« bildet das Schwarzbachl, nebenbei bemerkt, die alte Grenze zwischen den ehemaligen Goldenkroner Klostersiedlungen und den alten Herrschaften Prachatitz und Winterberg. Auch die beiden alten Kreise des Böhmerwaldes, der Budweiser und der Prachiner Kreis, grenzten beim Schwarzbachl aneinander. Die Neckereien mögen wohl ein alter Grenzspott sein. Wenn die Oberhaider Bauern die Bauern aus der »Perschei« spöttisch fragen, was die »Perschen« trieben und wie es ihnen gehe, antworten die »Perschen« kurz und bündig: »Wuschen töten!«

Hüben und drüben des Schwarzbachls wird der Vierzeiler gesungen:

»Wann d Perschen nit wan,
hättn d Wuschen koa Fleisch,
wann d Wuschen nit wan,
hättn d Perschen kui Lais.«

Der Ort Oberhaid heißt im Volksspott gewöhnlich die »louckat Hoid«, die nackte Heide, weil im Bereiche der ausgedehnten Ortschaft keine Bäume stehen.

Die Oberhaider ärgert man auch, indem man ihnen sagt, dass sie zwei Kirchtage haben und alle zwei in der Not; an dem einen haben sie kein Futter, an dem andern kein Brot. Die beiden Kirchtage der Oberhaider sind der »Gfüllatkichta« und der »Krautkichta«. Das »Gfüllat« wird auf verschiedene Arten zubereitet; meist werden Rüben- und Krautblätter, auch allerhand Frühlingskräuter, ja sogar Kartoffelblätter, gekocht und geschnitten, und mit saurem Schmetten oder Schmalz übergossen; diese Lieblingsspeise der Bauernleute wird zu Mittag zu den Knödeln oder auch zum Fleisch verzehrt. Einige Tage vor dem »Gfüllatkichta« soll in Oberhaid immer ein Bauer »Gfüllatkräuter« auf einem Wagen im Dorfe herumführen und bei jedem Hause eine Schwinge voll »Gfüllat« abladen, wird in den Nachbardörfern erzählt.

Im Dörflein Jandles sollen sich die letzten Hirschauer aufgehalten haben. Die Bauern aus Jandles nennt man scherzhaft die »siaßn Jandlassa«, die »Süßen«, weil sie sich nicht recht zu reden getrauen, und wenn sie irgendwo hinkommen, sind sie recht schüchtern und leutscheu.

Die »Perschen« halten die Bauern von Magdalena für die Hirschauer.

Die Bauern von Hundsnursch sind weit und breit als die »Frommen« bekannt, weil sie ein großes Stück auf die Geistlichkeit halten.

Die Leute von Brenntenberg heißen die »Spottvögel und die Notvögel«. In der Waldgegend an der Moldau nennt man die Gegend um Brenntenberg den »Musikantenwinkel«, weil hier viele herumziehende Musikanten daheim waren.

Die Fritzhäuser bei Oberhaid jenseits des Flanitzbaches werden »das Amerika« betitelt. Die Flanitz bildet hier oft ein Hochwasser und die »Amerikaner« sind dann von den Nachbarn abgeschnitten. Wenn zu einer solchen Zeit der Postbote etwas in den Häuseln abzugeben hat, so bindet er den Brief in ein Schneuztuch und wirft das Schneuztuch mit einem angebundenen Steine über das Wasser hinüber ins »Amerika« und die »Amerikaner« werfen dem Postboten auf dieselbe Art das Schneuztuch wiederum zurück.

Nun zu den ehrenwerten Bürgern des Städtleins Wallern. Die Wallerer sind ein eigener Menschenschlag. Sie gehen ihre eigenen Wege und kümmern sich wenig um das, was außerhalb ihrer Welt vorgeht. Durch ihr ganzes Wesen zieht sich eine Verschlossenheit gegen alles Fremde und ein zähes Festhalten am Althergebrachten. So hielten es wenigstens die alten Wallerer, heute ist es wohl nicht mehr ganz so. Die Nachbarn deuteten diese Züge als Grobheit, daher ein Sprüchlein sagt:

»Dö groubn Wuller,
dö kroupfatn Sowloter
und dö gspreiztn Plauner,
dö hans ulle banaunder.«

Auch »d Wuller, dö Pruhler« hört man oft reden. Die Guthauser ärgern die Wallerer, die immer zu ihnen »in die Himbeeren« kamen mit den Worten: »D Wuller, dö Pruhler, fressen nix als wia Hullabei.«

Die Wallerer sind aber ein recht fleißiges und arbeitsames Völklein. Einer, der einmal über sie vor vielen, vielen Jahren geschrieben, sagt ihnen nach, dass sie vor der Heuernte etliche Wochen voraus beten und auch ein gewisses Geschäft besorgen, damit sie bei der Arbeit nachher ungestört wären. Von ihrem Fleiße zeugt auch das folgende Sprüchlein:

»Wer sich will in Wallern ernähren,
muss viel flicken und wenig zehren.«

Von den Wallerer Mädchen hört man den Reim; der sie schön kennzeichnet:

»Sauwas Gsichtl,
aus Mal,
Brettl ebn,
ba da Oawit nit fal,
spitze Knia,
dünne Wadl,
sou hant dö Wullerer Madl.«

Weit und breit im Böhmerwalde sind die Wallerer als »Chinesen« ausgeschrien. Wer die Eigenschaften der Wallerer kennt, dem ist dieser Spitzname, der schon alt sein mag, verständlich. Freilich ist der Spitzname weniger unter den Bauern in den umliegenden Dörfern gang und gäbe als in den Nachbarstädten. Der Name soll von der Stadt Prachatitz ausgegangen sein, und die Prachatitzer berichten über die Entstehung also: In Wallern war einmal ein Feuerwehrfest. Ein herumziehender Photograph fand sich ein und nahm die biederen Feuerwehrmänner ab, schlecht und recht, wie es eben in den Tagen unserer Großväter ging. Die Wallerer aber waren mit den fertigen Bildern nicht zufrieden, ließen sie dem Photographen und bezahlten ihm keinen Kreuzer. Der zog traurig nach Prachatitz und sann auf Rache. Und die Prachatitzer hetzten ihn noch mehr auf die Wallerer. Der Mann malte nun den Wallerer Feuerwehrleuten auf den Bildern Augenbrauen und Zöpfe an, schrieb unter die Bilder groß: »Die ersten Böhmerwäldler Bim Bam Bim« und stellte die Bilder in Prachatitz aus.

Die Wallerer erzählen wiederum, dass der Prachatitzer Dichter Josef Meßner ihnen den Namen aufgegeben habe, der in Wallern sehr bekannt war und in den Wirtshäusern viel herumgelumpt haben soll. Einmal hätten ihn die Wallerer arg verprügelt und aus dem Wirtshause hinausgeworfen. Aus Rache habe er sie darauf überall als »Chinesen« ausgeschrien. Tatsächlich hat Josef Meßner in einem Aufsatze in der Prager »Bohemia« im Jahre 1859 die Wallerer »Chinesen des Böhmerwaldes« betitelt.

Die Wallerer haben sich einmal sehr über diesen Spitznamen geärgert und sind den Prachtitzern nie grün. Hie und da hört man, wenn einer nach Wallern geht, die Frage, ob er die »Chinesische Mauer« übersteigen werde. Die Wasserscheide an der Straße nach Prachatitz gilt als die »Chinesische Mauer«. Das Züglein, das zwischen Prachatitz und Wallern verkehrt, heißen die Prachatitzer scherzhaft den »Chineser«.

Wäre schließlich noch zu erwähnen, dass im Orte Wallern selber die Oberörtler »Frauntafte« gehänselt werden, welcher Spottname alt sein mag.

Von dem jungen Holzhauerdörflein Guthausen, dessen Häuser in einer langen Reihe auf einer Seite des Weges stehen, wird dieselbe Rätselgeschichte von der gebratenen Gans wie von den Neu-Langendorfern erzählt. Einem Dummen sagt man gerne: »Nach Guthausen geht man sich um ein Hirn.« Wenn in Böhmisch-Röhren das Sterbeglöcklein läutet, fragen die Leute da: »Wer ist denn gestorben? Sicher in Guthausen ein Kind!« Wenn die Holzhauer in Guthausen das Sterbeglöcklein von Böhmisch-Röhren herüber hören, reden sie: »Wer ist denn gestorben? Sicher hat sich einer auf der Röhrn erhängt!«

Zu Unter-Zassau, das an einem großen Filz liegt, heißen die Mädchen »Mousgoiß«, was so viel wie Schnepfen bedeutet, und die Burschen »Mousdeckln«.

Die Schönberger sind die »Bitltrager«, die Bildleinträger.

Die Weiber des armen Holzhauerdorfes Tusset, gegen den Dreisesselberg zu gelegen, sollen das sonderbare Privilegium haben, dass sie von ihren Männern mit Resonanzholz geprügelt werden müssen. Die hier im Jahre 1855 von dem Holzindustriellen Franz Bienert aus Mader errichtete Resonanzholzfabrik liefert nämlich das »Resonanzholz«, das Weltruf genießt und von allen Klavierfabrikanten verwendet wird. Eine alte Geschichte erzählt, dass die schlauen Holzhauer zu Tusset die Bäume beim Fällen recht langsam zu Boden lassen, darum bleibe auch die »Resonanz« im Holze; die Bauern in der Nachbarschaft ließen die Bäume plump umfallen, sodass es einen großen Lärm mache und die »Resonanz« aus dem Holze entweiche.

Im Mittelalter war der nahe Dreisesselfelsen die Grenzmark dreier Länder. So berichtet auch nach der Sage Adalbert Stifter: »In der uralten Heidenzeit saßen auf dem Berge, zwei Stunden vom Plöckenstein entfernt, drei Könige und bestimmten die Grenzen der drei Lande: Böheim, Bayern und Österreich. Es waren drei Sessel in den Felsen gehauen und jeder saß in seinem eigenen Lande.« Noch Schaller schreibt in seiner Topographie des Königreiches Böhmen: »Hier trifft man drey steinerne Sitze an, deren jeder mit einem Wappen gezeichnet ist und die Grenzscheidung zwischen Böhmen, Oberösterreich und dem Passauer Bisthum anzeiget.« Als dann im Jahre 1765 Österreich einen Teil der Herrschaft Rannariedl an das Hochstift Passau abtrat, wurde die Dreiecksmark die neue Grenzecke. Bis zum Herbste 1938 konnte der Dreisesselwirt hier sich in Bayern niederlassen, den einen Fuß nach Österreich und den andern nach Böhmen stecken:

»Mit oan Fuaß in Österreich,
mitn andan in Böhm,
s Schwargwicht in Bayern,
kann s nur am Dreisesselberg gebn.«

Rund um den Chumberg

Die Gegend um den Chumberg ist eine Waldgegend, in der arme Leute hausen. Gegen das »Böhm« zu und in manchen Tälern sitzen aber reiche Bauern. Das ganze Gebiet ist recht verlassen und von aller Welt abgeschnitten, viel mehr als die Waldgegend an der oberen Moldau. Auf der Seite gegen das Moldautal geht die Waldgegend in das reiche Unterland über.

Die Bauern von Chrobold bei Prachatitz sind die »Hengstn« oder die »Groben«, weil sie mit Vorliebe fremden Leuten öfter in alten und neuen Zeiten unflätigen Schabernack antaten. Seit einiger Zeit werden sie auch »Buttenscheißer« geneckt, weil sie einem durchziehenden Sägenfeiler einen argen Streich gespielt hatten. »Der Mann von Chrobold nimmt alles« lautet ein Sprichwort der Gegend, und die Leute wollen damit sagen, dass die Chrobolder Bauern nicht gerade wählerisch sind.

Die Bauern von Frauental sind als »Bogola« bekannt und die Gegend heißt im Volksspotte die »Bogei«; die Bedeutung des weit verbreiteten Spottnamens ist dem Volke unklar. Des Reimes halber wird auch gesagt: »Die Frauentaler sind Prahler.« An ihrem Kirchtage, dem Philippisonntag, sollen die Bauern von Frauental einen Bettelmann schlachten, da sie um die Zeit sonst noch nichts zu essen haben. Die Gegend, die ganz abseits und vergessen hart an der Grenze liegt, heißt scherzhaft auch die »Göltsgottlucka«.

Die Leute vom nahen Pleschen gelten als die Hirschauer, und die Kunde von ihnen reicht weit. Sie dulden keine Dinge in ihrem Orte, auf denen ein Hirsch abgebildet ist; man kann sie ärgern, wenn man ihnen etwa ein Schnupftabakfläschlein mit einem Hirschen darauf hinhält. Von dem Orte werden die meisten der im Böhmerwald umlaufenden Hirschauerstücklein erzählt.

In den Nachbardörfern gibt es ein Trutzliedlein auf die Pleschener, das auch auf eine Menge anderer Dörfer gesungen wird:

»I da Pleschen wanns läutn,
da schwingt sih da Turm,
und wia lainger dass läutn,
wia dümmer waint d Buam.«

Die Schläger Schulkinder werden von den Kindern der Nachbardörfer also ausgespottet:

»Schläger, Schläger, schlag mih nit,
Kraut und Knödel mag ih nit.«

Die Bauern von Klenowitz heißen die »Prnatschata«; der Sinn des Wortes ist dunkel, vielleicht wollen die Nachbarn durch ein tschechisch klingendes Wort andeuten, dass in Klenowitz alle Haus- und Flurnamen tschechisch sind.

Von den Krzischowitzern heißt es, dass sie in ihrem Orte keine Spatzen haben.

Die Groß-Zmietscher sind die »groben Zmietscher« und die Klein-Zmietscher die »seltsamen Zmietscher«. Die Klein-Zmietscher, die Frühaufsteher sind, zieht man auf, wenn man erzählt, dass einmal ein Bauer früh in der Finsternis statt des Rechens den Weißwedel erwischt hätte und damit aufs Feld gegangen sei.

Sie sollen auch also sparsam sein, dass sie am Sonntag, wenn sie aus der Kirche heimkommen, nicht wie anderswo die Bauern ins Wirtshaus gehen, sondern sich ins »Holz« begeben und Geißelstecken schneiden.

Die Bauern von Dobrusch, die bis spät in die Nacht hinein arbeiten, bringt man in die Hitze, wenn man sie »Nachtkrowler«, Nachtkrabbeler, nennt.

Die Bauern des Dörfleins Kugelwaid, dessen Häuser um eine alte Klosterruine herum, zum Teil sogar in die Ruine hinein gebaut sind, werden von den Nachbarn die »Klosterherren« genannt.

Die Oxbrunner sind die »Zegerscheißer«; der »Zeger« oder eigentlich Zecker ist ein sackähnlicher, aus Bast, Stroh, Binsen und dergleichen geflochtener Korb. Die Siebitzer sind die »Brunnscheißer«, und es werden auch Geschichten über die Entstehung der beiden Spitznamen erzählt.

Die sieben größten Bauern von Przislop werden die »sieben Kurfürsten« oder auch die »sieben Saubären« tituliert.

Die Leute aus der Tischer Gegend werden gerne mit ihrer Mundart gehänselt; es erscheint da der laut »l« nach Selbstlauten als »i«; geht ein »i« bereits voraus, so schmelzen beide zu einem langen »i« zusammen; es überwiegen also unter den Selbstlauten des Dialektes die »i« und das kommt den Nachbarn lächerlich vor. Kommen Tischer Burschen in einen Nachbarort auf eine Tanzunterhaltung, so fordern die einheimischen Burschen die Spielleute immer in der Sprache der Tischer zum Spielen auf und hänseln so die Tischer Burschen: »Spileut, spits af, kousts, wos da wi, hobts jo koan Win nit!« Spielleute, spielet auf, es koste, was es wolle, ihr habt ja keinen Willen.

Die Einwohner von Neuberg und Markus und vielleicht auch von einigen Dörfern, die an den Hängen des Chumberges wohnen, heißen »Chumschlegel« oder auch »Chumschädel«. Wenn einer arm ist, so sagt man in der Tischer Gegend: »Dem geht es so gut wie den Markaser Inleuten, die haben nicht einmal das Futter von den Bauern und müssen für ihre Geißen Laubet brocken gehen.« Wenn die Bauernleute in den Nachbardörfern Karten spielen und es kommt ein »Glumpat«, schlechte Karten, so sagt man: »Jetzt kommen schon wieder die Markaser!«

Die Leute des Dörfleins Markus werden auch »Heuschrecken« zubenannt, da sie mit Vorliebe das folgende Heuschreckenlied singen:

»Oder Heuschreck hin, oder Heuschreck her,
holladio, holladio,
koa olter Heuschreck hupft nimmer mehr,
holladio, dirittitri,
oder wos a echter Heuschreck is,
holladio, holladio,
der hupft in Summer af da Wies,
holladio, dirittitri,
oder wann nauh wieder da Summer kam,
holladio, holladio,
dass der Heuschreck hupfa kannt,
holladio, dirittitri.«

Die Christiansberger hören es nicht gerne, wenn man zu ihnen »Waldesel« sagt. In Christiansberg sollen alle Leute auf einer Seite vom Tabakbeißen geschwollen sein. Die benachbarten Andreasberger erzählen von den Christiansbergern, dass sie das Kraut ein wenig besser schmalzen täten als in Andreasberg.

Am meisten verspottet und verlästert wird im Walde das Bergdörflein Andreasberg, dessen Häuser weit herum am Hange des Chumberges verstreut sind. Es heißt daher im Volksmunde: »Andreasberg ist größer als die Pragerstadt.« Zunächst einmal werden die Andreasberger von den Unterländern »Waldhirschen« betitelt. Dann werden die Andreasberger als »Kuller« ausgespottet; die ersten Ansiedler dieser Berggegend sind nämlich Köhler gewesen, wie man auch noch an den Namen der Gegend merken kann. »Kuller« nennt man in der Volkssprache aber auch Rösser, die im Kopfe nicht recht sind, und so kamen die Leute von Andreasberg in den Ruf, dumme Leute zu sein; es sind aber recht helle und witzige Köpfe unter ihnen. Da gibt es zu Andreasberg je nach der Lage der Häuser »Sunnkuller« und »Winterkuller«. Die besseren Leute um die Kirche herum sind das »Kirhagsindl«. Oft hört man auch von den »ungesalzenen Andreasbergern« reden, man sagt ihnen nämlich nach, dass sie bei einem gewissen Körperteil nicht gesalzen sind.

Die Andreasberger raufen gerne. Man braucht im Wirtshause nur zu sagen: »Einen Wecken her!« und mit dem Messer schnappen, da ärgern sie sich sehr, und die Rauferei geht gleich los. Nach dem Kirchtag zu Mariaheimsuchung sollen immer ganze »Kreuzscharen« zum Bezirksgericht nach Kalsching hinunter ziehen. Ein Richter in Kalsching soll öfter den Ausspruch haben: »Das Bezirksgericht gehört nach Andreasberg und nicht nach Kalsching.«

Ein Ortsteil von Andreasberg, das Neudörfel, heißt die »Schnurstadt«, weil die Häuser in einer Reihe, »nach der Schnur«, gebaut sind; die Leute haben den Namen auch umgedeutet als »Schnauzdörfel« und erzählen, dass den Ort Leute eingebaut haben, die Schnurrbärte trugen. Das Neudörfel heißt auch die »Schinderstadt«, weil dort vor einiger Zeit zwei Burschen umgebracht wurden. Die Leute von Graben sind die »Gromazagln«.

Wie auf die Mädchen anderer Orte singt man auch auf die von Andreasberg:

»D Andreasberger Mainscha
hant hoih affi gmoln,
und hiazt is ihn dö schaina
i d Mistloucka gfolln.«

An ihrem Kirchtage sollen die Leute von Andreasberg »neunerlei Gfüllat und ein Beerenkoch« als Festessen verspeisen, behaupten die Nachbarn.

Die Leute von Pragerstift werden als die »Broitlin«, die Kröten, gehänselt und mit ihrer großen »Broitlin« aufgezogen, die sie an einer Kette in einem Wassertümpel angehängt haben sollen.

Die Bauern von Kriebaum werden »Nasenstülzer« geneckt. Ein eifersüchtiger Bursche soll da seinem Mädchen, die es heimlich noch mit einem anderen hielt, die Nase abgebissen haben. Von den Kriebaumern wird auch die Geschichte vom Bettelmannschlachten zur Kirchtagzeit erählt.

Die Haidler sind bekannt als »Strotter«, das sind Leute, die sich bei der Arbeit gern übereilen. Die Richterhofer nennt das Volk »Wichser«, da sie flinke Leute und Draufgänger sind. Die Spitznamen der beiden letzten Ortschaften scheinen aber auch einen bestimmten Nebensinn noch zu haben.

Die Bürger des Städtleins Kalsching sind als »Goaßbohrer« im ganzen Böhmerwalde bekannt und ausgeschrien.

Der Volksmund erzählt, dass in ihrer Kirche an einer Stelle ein Bohrer, nach anderen eine Geiß in Stein eingemeißelt zu sehen sei. Den Spitznamen scheint der Ort einem Grabsteine zu verdanken, der in einem Wappen einen stehenden Ziegenbock zeigte; es ist wohl das Grabmal des Edlen Johann von Bor auf Ruben, der um die Wende des 14. und 15. Jahrhunderts lebte. Vor etlichen Jahren stand dieser Grabstein noch an der Außenseite der Kirchenmauer.

Das Volk hat sich den Spottnamen durch etliche närrische »Goaßbohrerstücklein« erklärt; es sind Geschichten von der Art, die die Wissenschaft »ätiologische Sagen« nennt und die einen dunklen Namen durch erfundene, meist an den Haaren herbeigezogene Begebenheiten deuten. Einige dieser »Goaßbohrerstücklein« seien mitgeteilt:

Eine alte Ziege soll zu Kalsching einmal zwei Geißlein geworfen haben, einem davon fehlte an einem Körperteile etwas, und da soll der Besitzer des Geißleins mit einem Bohrer schnell nachgeholfen haben.

Oder: Zwei Männer aus Kalsching stahlen einmal in einem Nachbardorfe eine Ziege. Ehe sie die Ziege aus dem Stalle hinausschleppten, machten sie ihr erst den Garaus mit einem großen Bohrer, der gerade zur Stelle war, damit die Geiß keinen Lärm mache und sie verrate.

Eine andere Geschichte: Einmal ging ein Hochwasser über Kalsching dahin, und die Häuslein wankten und schwankten im Wasser. Einem Kalschinger drohte die Wasserflut den Geißstall, der an seinem Gehöfte angebaut war, mitzureißen; da bangte der Mann um seine Geiß, holte schleunig einen mächtigen Bohrer und hub an, vom Innern seines Hauses aus den Geißstall fest zu bohren. Im Eifer aber soll er die Geiß im Stalle mit angebohrt haben, dass ihr der Bohrer in der Wamme stecken blieb.

Auch ein »Geißbohrerlied«, das früher im Umlauf war, erzählt von der Entstehung des Spottnamens:

»Im Böhmerwald da liegt a Markt,
gar brave Leut san drin,
doch glaubts drum nit, dass ih s nur lob,
weil ih geborn durt bin.

Die durtin Leut san weitbekannt,
von jedn werdn s ah gliabt;
doch oans is, wia ih enk gleih sog,
wos sie gar stark betrüabt.

Wou s hingehn mögn in jede Stadt,
wirdn s Goaßbohrer nur gnennt;
ih hob dö Gschicht selbst oft dafohrn,
wia ih nauh wor Student.

Dos hot mih dann recht gwoltig gift,
hot stark mih brocht in Zorn;
hot olls nix gnutzt, Goaßbohrer bleibt,
wer z Kolsching wird geborn.

Drum hob ih in die Büacher gschaut
und selbst ah nohspekliert,
von wo denn nur in oller Welt
der Teuxlsnam herrührt.

A olte Chronik, ganz verstaubt,
af Pergament is gschribn,
dö sogt uns ganz kurz und klor,
wos d Kolschinger hobn triebn.

A Schulerbua hot akrat gwisst,
dass d Gams zwoa Hörndl trogt,
dos hot a ah recht boanfest glaubt,
weil s hot da Lehrer gsogt.

Und wia a oanmol geht in Wold,
do siahgt a durt a Goaß,
do rennt a gschwind af Kolsching zua,
dass ihm es wordn schier hoaß.

A Gams, a Gams, zwoa Hörndl hot s,
gehts gschwind und schauts enk s an,
doch tummelts enk, sonst rennt dos Viah
uns wiederum davon.

Do is holt grennt, wos Füaß hot ghobt,
dass d Gams nur kinntn sehgn,
denn dass a Gams af Kalsching kam,
is nia zuvor nauh gschehgn.

A Zimmermann is a durt gwest,
der hot a Pumpnröhrn bohrt,
der is gschwind mit san Bohrer grennt,
wia a dö Gschicht dafohrt.

Wou is dos Viah? So hot a gschrian,
dos kimmt uns nimmer aus,
ih spiaß s gschwind auf mein Bohrer af,
trogs dann von Haus zu Haus.

Mit oller Gwolt sticht er in d Goaß
dass s gschrian und gmegatzt hot
und olle Leut habn s Maul afgmocht,
wegn saner Höldntot.

Zwain Schneider hobn dö Goaß dann trogn
af Kolsching ganz beglückt,
vor Freud, weil so a guater Fang
sih unverhofft hot gschickt.

A Fremder hot dö Gschicht dafohrn
dass d Gans nur wor a Goaß,
der hot san Bauch vo Lochn gholn
wegn so an schönen Gspoaß.

Er hot dö Gschicht in d Zeitung gebn,
dass d ganze Welt ah woaß;
und Goaßbohrer werdn mia hiazt gnennt,
weil mir hobn anbohrt d Goaß.«

Nach einer Mitteilung unseres Geschichtsforschers Valentin Schmidt aus dem Jahre 1925 ist dieses Lied eine Dichtung des Hohenfurther Zisterziensers und geborenen Kalschingers P. Nepomuk Neubauer, geboren 1858, gestorben am 28. Juni 1920 in Hohenfurth.

Die Kalschinger werden endlich auch noch mit einem älteren und recht unsauberen Namen gehänselt; doch soll nur so viel davon verraten werden, dass man zu Kalsching nicht mit den Zeigefingern gegeneinander fahren darf, und dass die Welser im uralten Oberösterreich einen ähnlichen Spottnamen tragen.

Aus dem Unterland

Das Unterland, wie die Gegend des Moldautales von den Wallerer Auen bis gegen St. Thoma und dann wiederum um Krummau herum im Volke im oberen Walde genannt wird, ist ein fruchtbares Land, und es sitzen da die reichen »Hörndl- und Körndlbauern«. Die Waldleute halten das Unterland für das Paradies. Die Bettelleute, die aus dem Unterlande in die »obere Gegend« zurückkommen, erzählen im Sommer immer als Neuigkeit den Waldleuten, dass sie bei den Bauern im Unterlande schon ein »neues Brot« gegessen haben, wo das Korn in der Waldgegend noch grün steht.

Im Unterlande gibt es wohl viel zu essen, aber auch viel zu arbeiten, wie ein Sprüchlein sagt:

»Interlaund is Schinderland,
durt is wos für d Zähnt,
nauh mehr owa für d Händ.«

Unterhalb von Wallern ändert sich die Mundart deutlich, statt des altbayerischen Einschlages wird der oberösterreichische Einfluss stärker. Da man im Unterlande für oberländisches »rout«, nur »roit« sagt und ebenso in allen anderen Entsprechungen für alles langes o, so werden die Unterländer gerne mit den Wörtern gehänselt: »Zwain roit-oihrat-Oixn« zwei rotohrige Ochsen; gegen die alte oberösterreichische Grenze zu heißt es bei den Bauern dann gar »zwain reot-eohrat-Eorn«.

»Host a Geald, kriagst a Meahl« spottet man die Unterländer Kinder aus, wenn sie nach Wallern einkaufen kommen; das Wort Mehl wird nun nicht mehr »Möhl« ausgesprochen, sondern »Meahl« und alle Entsprechungen von altem öl ebenso.

Die Bauern von Humwald werden als »Zigeuner« verspottet; es heißt nämlich, dass das Dorf von Zigeunern angelegt wurde.

In der Oberplaner Gegend wird in der letzten Zeit der Schnaps aus verschieden großen »Stamperln« getrunken, und die Leute wissen genau, wie groß in den einzelnen Dörfern die »Stamperln« sind. Die Bauern von Perneck nun sollen den Schnaps aus Viertellitergläsern trinken, daher man diese Gläser in der Gegend scherzhaft die »Pernecker Stamperln« nennt.

Zwischen Perneck und Pichlern wird ein kleines Bächlein, das von Deutsch-Haidl herunter kommt, als »Gimplbachl« bezeichnet, und die Gegend in den Wald hinein nennt der Volksspott das »Gimplland«.

Von den Mädchen von Spitzenberg wird gesungen:

»Die Spitzenberger Mainscha
haumt Augn als wia Fainsta
und Köpf als wia Stia,
geht a niada Bua füa.«

Die Bürger von Oberplan sind als die »Schmahlina« im Böhmerwald bekannt. Die einen deuten den Spottnamen und sagen »Schwablina« seien Leute, die immer voll von seltsamen und absonderlichen Einfällen sind; andere meinen, dass das Wort so viel wie feige und verächtliche Menschen bedeutet. Die Bauern in den umliegenden Dörfern erzählen, dass die Oberplaner beim Ochsenkaufen immer also redeten: »Der eine Ochs ist ja recht, aber der andere ist ein Schmahlin«, ein schmächtiger Ochs, und nach dieser Rede hätte man die Oberplaner als »Schmahlina« bezeichnet.

Heute werden die Oberplaner häufiger als »Zigeuner« verspottet; das Volk erzählt, dass sich in dem Orte, als er einmal ausgestorben war, Zigeuner angesiedelt haben. In der Waldgegend werden die Oberplaner gerne »Wetterdiebe« genannt, weil sie den Leuten oben das gute Wetter wegfangen sollen.

Von den Burschen aus der Einschicht Glashütten bei Oberplan berichtet ein Vierzeiler:

»Die Gloshüttla Buama
haumt weiße Leiwl,
dö hant jo sou dumm
wia d Duttnkaiwl.«

Von Hossenreuth heißt es spöttisch, dass da neun Bauern und dreizehn Teppen seien. In der Gegend sagt man, wenn beim Kegelscheiben alle neun Kegel stehen bleiben: »Das ist wie bei den Hossenreuthern, da sind auch neun Bauern und dreizehn Teppen.«

Vom Orte Stuben geht ein Rätsel um: Es gibt eine Stube, die ist so groß, dass im Winter in ihr 44 Öfen geheizt werden und doch kann einer in ihrer Mitte erfrieren. Wenn man einen Mann aus Stuben trifft, sagt man oft scherzhaft: »In Stuben haben sie gut eingeheizt.«

Die Leute von Schwarzbach sind die »Gsoudhousn«. Die Schwarzbacher Fuhrleute kamen mit ihren Fuhren in früheren Zeiten weit und breit herum und ihre Hosen waren immer voll Häcksel oder »Gsoud«, wie das Volk sagt.

Von den Graphitarbeitern der Gegend geht die Sage im Volke, dass jeder zwei Betten habe, ein »Graphitbett« und ein anderes, in das er sich nur am Sonntag lege, wenn er sich gewaschen hat.

Die vierzehn Bauern von Radschin werden als die »vierzehn Nothelfer« gehänselt.

Die Leute von Untermoldau werden »Holzschuhbürger« zubenamst; so heißen wohl die Kleinbürger der meisten Städtlein und Marktflecken des Böhmerwaldes. Von etlichen solchen geht die Rede im Volke, dass die Bürger an ihren Holzschuhen eiserne Reifen, die Stadtväter silberne und der Bürgermeister einen goldenen Reifen trage; auch »Pechzuttln« werden die Bürger von Untermoldau geneckt, was so viel wie Pechzapfen bedeutet.

Von den Dörfern um Untermoldau: Sarau, Geisleiten, Stögenwald, Radschin, Urbachl, Schachl (Fleißheim), Ratschlag und Eggetschlag meldet der Neckreim:

»In Wulda is gulda, (von den Gänsdrecklein, fügen boshafte Leute hinzu)
in Sarau is d Säurei,
in Goasleuchtn is d Goaß af da Leuchtn,
in Stögenwald wirdn d Leut toit,
in Radschin wirdn s ganz hin,
in Urbachl s Ruabndachl,
in Schachl s Dreckschaffl, (die Leute von Schachl sollen sich nicht nach der Mittagsglocke, sondern nach dem vollen Dreckschaffe richten)
in Ratschlag is da Brotsack,
in Eggetschlag der Wecknsack.«

Die Leute von Planles gehen mit dem Spitznamen »Pfaffenzageln« um. Der Name soll auf folgende Art entstanden sein: Ein Pfarrherr ging einmal in der Gegend an einem Flachsfelde vorüber, wo drei Weiber den Har jäteten. Leutselig fragte der Pfarrherr, ob viel Gras im Har sei. »Nicht viel, nur Pfaffenzageln, Lämmerfidln und Hurnpfi haben wir da recht viel da«, gaben die Weiber zur Antwort. Der gute Pfarrherr hörte diese unsauberen Pflanzennamen und meinte, die Weiber hätten ihn ausgespottet; die Weiber dachten wiederum hin und her, warum der Pfarrherr beleidigt tat und weiterging. Der Pfarrherr erzählt nachher die Begebenheit in seinem Dorfe, und die Nachbarn nannten die Leute von Planles nun nur noch »Pfaffenzageln«.

Die Leute von Mutzgern heißen die »Waldbinkeln« und die von Leuten von Emmern nach den vielen Heidelbeeren die »Huidialn«.

Die Bauern von Mugrau, die durch den schwarzen Segen reich und wohlhabend geworden sind, werden die »groißen Mugrauer« zubenannt. Ihr eigentlicher Spitzname lautet »Fingerschlücker«, und zu dem sind sie auf folgende Art gekommen: In einem Streite biss einmal ein Mugrauer einem Bauern aus den Nachbarschaft einen Finger ab; da man den Finger nirgends finden konnte, redete man den Mugrauern nach, dass einer den Finger verschluckt habe.

Der Flecken Schlackern ist im Volksspotte das »Gmousdorf« und Hubene das »Gwürzdorf«.

Südlich einer Linie, die von Kalsching über Stein, Melm, Schwarzbach nach Stögenwald verläuft, ändert sich die Mundart wiederum stärker; es heißt nun nicht mehr »Meahl«, sondern wiederum »Möhl«. Die Mädchen von Melm werden nun wegen ihrer Mundart von den Burschen aus den unteren Dörfern mit den folgenden Reimen geneckt:

»Dianei, wou gehst dainn hin?«
»Af Mealm.«
»Host an schain Kidl aun?«
»An gealm.«
»Wos host dainn in Zeiga?«
»A Geald.«
»Wos wirst da dainn kaffm?«
»A Meahl.«
»Wos wirst dainn bocha?«
»An Zealn.«
»O Dianei, dain waint du d Buam steahln.«
»Ah, ih wia mih schaun mealn
und dö Mistbuam vascheanln,
wia ah nauh wos gealn.
Mei Büawei, du meigst mih gen fouppm, gealt,
du bist owa meiner Seal nauh vül az waing af da Wealt.«

Die Honetschläger sind weit und breit als »Dreifaltigkeitskämpfer« bekannt; sie sollen sich zu Kaiser Josefs Zeiten recht umgetan haben, dass sie ihr der Heiligen Dreifaltigkeit geweihtes Kirchlein bekamen, und auch sonst viel auf ihr Gotteshaus halten. Der Geschichtsforscher Matthias Pangerl, ein gebürtiger Honetschläger, lobt denn auch in dem bekannten Aufsatze »Die Stiftung von Goldenkron« die Honetschläger Kirche über den grünen Klee und berichtet, dass in Honetschlag der Vorbeter nie vergesse, für den Kaiser Josef ein Vaterunser aufzuopfern!

Die Neustift ist der »kloan Himmel« und Plattetschlag der »groiß Himmel« im Volksmunde; und in Höritz ist die »Hölle«, wird meist hinzugefügt.

Die Leute von Ogfolderhaid sind die »oanfoltin Hoider«, obwohl sie recht helle Köpfe sind. Der alte Name Affalterhaid wurde wohl nicht mehr recht verstanden und Affalter, Apfel, als einfältig umgedeutet; in der Chumgegend sagt man meist »oafichti Hoid«; auch die »Spiagelhoider« werden die Leute genannt.

Die Leute vom nahen Reith sind die »Goaßreiter«.
Die Meisetschläger beißen die Nachbarn das »Mäuszeug«.

Die Tussetschläger bringt man in Zorn, wenn man sie »Küahschinder« betitelt; die sollen einmal einer Kuh ein Messer in den Bauch gestochen haben.

Die Bauern von Podwurst werden die »Bluatwürscht« gehänselt.

Die Polletitzer sind als »Haberfläm« bekannt; auch »Hungerleider« werden sie gerne von ihren Nachbarn genannt.

Die Krenauer wiederum werden »Bluatknödeln« geheißen; sie wollten einmal Blutknödel machen, wird erzählt, und schickten deshalb einen Mann mit einer Scheibtruhe nach Kalsching um Blut.

Die Leute von Ruben nennt man im Volksmund »Kletzendürrer«.

Die Bauern von Irresdorf, die kein Wasser in ihrem Orte haben, werden gehänselt, dass sie nicht einmal einen Frosch erhalten können. Die Nachbarn nenne den Ort das »Lettendörfl«.

Die Leute von Neusiedl nennt der Volksmund »Brouckndürrer« oder auch »Brunnscheißer«. Von den Neusiedler Mädchen singt ein Schnadahüpfel:

»In Kalsching is Bezirksgricht,
in Andrasberg is kolt,
und in Neusiedl hant Mainscha,
owa ulle stoanolt.«

Die Quitoschinger sind als »Brüadein«, Brüderlein, bekannt. Über die Entstehung des Spottnamens erzählt das Volk: Als die »Quitoschinger einmal eine Wallfahrt unternahmen und von einem Hügel aus zum letzten Male ihr liebes Heimatdörflein erblicken konnten, soll der Vorbeter ausgerufen haben: »Brüadein, schauts enk noch einmal um, jetzt sehen wir zum letzten Mal unser Vaterland!«

Die Bauern von Respoding werden als »Kouhrüahra«, Kochrührer, verspottet, da sie mit Vorliebe allerlei Arten von Mus, das man im Walde »Koch« nennt, verspeisen. Man nennt sie auch gerne »Hußtassa«; die Männer aus Respoding sollen nämlich früher wie die tschechischen Gänstreibern angezogen gewesen sein.

Die Respodinger gelten auch als die »Hirschauer« der Gegend; das Volk weiß zu berichten: Als die Hirschauer aus ihrer alten Heimat ausgewandert waren, verloren sie auf dem Wege einen Mann nach dem andern; bei Respoding sollen die letzten Hirschauer vom Wagen heruntergefallen sein.

Schestau ist als »Zigeunerdörfl« und Mathstadt als die »Gänsstadt« bekannt.

Weit und breit sind die Leute von Höritz als die »Kröpfe« des Unterlandes verschrien. Wenn man sie »Kropfate« geneckt hat, ist es (wie bei den Unterreichensteinern) ratsam, geberg zu halten; die Höritzer, die den Spöttern nachspringen, rufen einander, wie die Nachbarn behaupten, zu: »Near in eah, d Kröpf af d Seitn«, nur ihnen nach, die Kröpfe auf die Seite! Mit diesen Spottworten werden die Höritzer von ihren Nachbarn auch zum Raufen aufgefordert.

Die Kirchschläger stehen (wie wir bald hören werden) im Rufe, dass sogar die Krähen, die über den Ort fliegen, Federn lassen müssen; zu einem solchen sagte einmal ein Höritzer: »Heut ist über unsern Ort eine Krähe geflogen, die hat meist keine Federn gehabt, die muss über Kirchschlag geflogen sein.« Gleich gab ein Kirchschläger dem Höritzer zurück: »Mich ziemt, es muss ein Kropftauber gewesen sein!«

Man frotzelt die Höritzer auch, in dem man zu »rousseln«, schwer Atem zu schöpfen, anfängt, was sie nicht leiden können. Auch das bekannte Stichelschwänklein auf Orte, die mit Kröpfen gesegnet sind, wird von den Höritzern erzählt: Einmal gingen etliche Leute ohne Kröpfe durch den Ort Höritz. Ein Bürschlein sagte zu seinem Vater, indem er auf die fremden Leute deutete: »Höret, Vater, sind das verkrüppelte Leute.« Der Vater gab dem Bürschlein zur Antwort: »Verspotte nicht andere Leute, sei froh, Bua, dass du gesunde Glieder hast.«

Die Höritzer kann man auch ärgern, wenn man sagt, in Höritz seien 30 Bauern und 59 Ohrwäschlein; ein Bauer soll nämlich bloß ein einziges Ohrwäschlein haben, das andere soll ihm bei einer Rauferei abhanden gekommen sein.

Auch mit dem Passionsspiele, und was drum und dran hängt, werden die Höritzer gerne aufgezogen, und es werden in der Gegend etliche lustige Passionsgeschichtlein erzählt. Wenn ein Mensch recht weiß ist und schlecht aussieht, so sagen auch in den oberen Gegenden noch die Leute, der schaue aus wie der »Heiritzer Toud«. Als in Höritz einmal der »Teufelwirt« gestorben war und das Haus, »die Hölle« genannt, abbrannte, soll einer den Ausspruch getan haben: »Jetzt ist der Teufel gestorben und die Hölle abbrunnen, jetzt möchte ich sterben!«

In Höritz teilten sich nach einer Mitteilung Valentin Schmidts noch zu Ende des vorigen Jahrhunderts die Burschen am Palmsonntag vor und nach der Palmweihe in zwei Parteien nach ihren früheren Herrschaften und riefen einander zu: »Hui Fürst!« und »Hui Prälat!« (wohl auch »Hui Pfaff!«), wobei es oft zu Schlägereien gekommen sein soll.

Von den Dörfern bei Höritz: Pinketschlag, Janketschlag, Petribach und Hossen heißt es:

»Pinketschlag, Janketschlag,
Petribach, Hossen,
kimmt a olts Wei daher,
hot mi vadrossen.«

Die Leute von Tattern nennt der Volksspott die »Mariahilfer«. Der Spottname soll darin seinen Grund haben, dass ein trinkfester Bauer aus dem Dorfe, wenn er toll und voll von Höritz über den Berg nach Hause ging, in seinen Nöten ausrief: »Maria, hilf inwendig und auswendig!«

Die Gegend um Lagau ist die »buckelige »Welt«.

Die Lagauer halten ein großes Stück auf ihren Ort, der vor Zeiten einmal ein Rittersitz gewesen ist, und sagen voll Selbstbewusstsein: »Laga is üwa Linz.«

Die Bauern von Kirchschlag heißen im Volksspotte die »Krauhn«, die Krähen. Durch Kirchschlag darf man mit keiner Krähenfeder im Hute durchgehen, sonst wird man verprügelt. Es gibt in der Gegend ein Sprichwort: »Ein jeder Krauhn, der über Kirchschlag fliegt, muss eine Feder lassen«, womit gesagt werden soll, ungerupft kommt niemand durch Kirchschlag. Auch als »Sauschneider« werden die Kirchschläger ausgespottet. Von der Kirchweih der Kirchschläger geht das Sprüchlein um:

»da Kirtog in Kirchschlog,
o Elend und Not,
in Kreuzmontag koan Fuader,
auf Jakobi koan Brot.«

Kirchschlag, seit 1541 Markt, soll das Marktrecht um eine rote Hose an die von Unterwuldau verkauft haben; nach anderen soll der Pranger den Kirchschlägern einmal von den Unterwuldauern gestohlen worden sein.

Die eigenartige Mundart der Kirchschläger wird gerne also verspottet: »Gehst mit am Ühda af Kükschlog am Küznkühda?« gehst mit am Ertag (Dienstag) nach Kirchschlag zum Kerzenkirchtag.

Die Gegend von Groß-Uretschlag nennt das Volk den »Samt-Ärmel«.

Die Priethaler sind »Prahler«, wohl des Reimes wegen. Statt Priethal wird oft scherzhaft »Brüadeital« gesagt.

Die Bürger der Stadt Krummau hat der Volksspott mit dem Namen »Lolala« oder »Nollein« bedacht, was so viel wie dumme und einfältige Menschen bedeutet. Wegen der vielen Dohlen, die um den Schlossturm herum fliegen, werden die Krummauer auch als »Dahlina« oder »Gahhansln« verspottet.

Ein alter Übername der Krummauer ist auch die Bezeichnung »Eselfresser«. Zur Zeit eines Krieges, wird erzählt, ging ein Packesel, wie sie zur Beförderung von Munition und Proviant verwendet wurden, zu Krummau in ein Haus hinein, aus dem er nie mehr herauskam. Seit der Geschichte heißen die Krummauer scherzhaft die »Eselfresser«.

Die Leute von Losnitz sind die »Gänsdiab«, weil einmal ein Schmiedegesell aus Losnitz sieben Gänse in Krenau stahl und nach Losnitz trug.

Der Ort Subschitz ist wiederum als »Zigeunerdörfl« bekannt.

Endlich den Flecken Zistl bezeichnet der Volksspott als den »Mittelpunkt der Erde« oder als das »End der Welt«.

Aus dem südlichen Walde

Das Volk erzählt: Als unser Herrgott mit dem Sacke auf dem Buckel auf seiner Wanderschaft durch die Hohenfurther Gegend kam, weinte er bitterlich. Da müsste aber unser Herrgott auf seiner Wanderung den Böhmerwald schlecht kennen gelernt haben, denn es gibt im Böhmerwald noch viel, viel armseligere Gegenden als das schöne Land um Hohenfurth herum.

Die Leute von Friedau bei Friedberg gelten als die »Hirschauer« der unteren Gegenden.

Die Friedberger heißen mit dem Spitznamen »Louchweara« oder »Gneaßln«, was so viel wie buchene Leute bedeuten soll. Wegen der vielen Prozesse, die früher in Friedberg geführt wurden, wird der Ort auch »Streithausen« genannt.

Das Gebiet der Friedberger Pfarre wird oft als »Lämmerei« bezeichnet.

Die Heinrichsöder nennt der Volksspott »Lämmerschädeln«, »Tammerln«, Schafe, ? wenn ein Heinrichsöder nach Unterwuldau kommt, wird er hier angeblökt! ? oder »Krügleinscheißer«; ihr Dorf heißt »Schergendörfl«, Scherg bedeutet hier wohl Zigeuner.

Wadetstift wird altväterisch-scherzhaft benannt, »in der moosigen Stift«, weil der Ort am Rande eines ausgedehnten Moores liegt.

Die Leute von Platten nennt der Volksspott die »Nassen«.

Die Reichenauer an der alten oberösterreichischen Grenze, die in früheren Zeiten ein eigenes »Gericht« bildeten, heißen heute spöttisch die »Grichtler«, und die Nachbarn deuten den Namen, weil in der Gegend viel gerauft, gestochen und prozessiert wurde.

Von den armen Webern der Gegend berichtet der Spottreim:

»Oa Widl Gorn,
zwoa Widl Gorn
spinnt ma mei Wei;
oan Loab Brot,
zwen Loab Brot
friss s ma dabei!«

Von den Multerbergern, deren Wiesengründe recht schlecht sind und talab gehen, wird gesungen:

»Wann d Multerberger ausgaingant,
so haingan s tolo,
do rainnen s ihn d Hener
in Scherhüwln o.«

Oder man verspottet sie:

»Ös Multerberger Howagleim,
ös kinnts in enka Hoamat bleibn.«

Die Leute von Reiterschlag, wo die Waldbeeren gut gedeihen, sind die »Hoalbealzeiga«, die Heidelbertaschen.

Con den Leuten von Kapellen singt ein Schnaderhüpfel:

»In Kopalln am Kiachta
wird predingt von Friedn,
und gaingant d Leut aussa,
so wird gleih brav gstrin.«

Wenn man in Kapellen fragt: »Der wievielte ist heute?« so kann man leicht Prügel bekommen und zwar deshalb: Zum Vorsteher von Kapellen kam einmal ein Bauer und verlangte einen Viehpass. Der Vorsteher stellte den Pass aus und fragte zuletzt: »Den wievielten haben wir heute?« Der Bauer gab zur Antwort: »Genau weiß ich s nicht, aber gestern ist, glaub ich, der einunddreißigste Feber gewesen.« »Dann ist heute der zweiunddreißigste«, sagte der Vorsteher und schrieb es also in den Viehpass. Die Geschichte wurde bald bekannt und die Leute von Kapellen werden gerne mit dem zweiunddreißigsten Feber gehänselt.

Die Heuraffler heißen scherzhaft »Maulreißer« oder die »Windmacher«; wenn wo ein Heuraffler auftaucht, so sagt man:

»Stehts um, jetzt geht da Wind,
a Heuraffler kimmt.«

Die Gerbetschläger spottet man »Jouppmflicker«.

Die Schmiedschläger, die viel Flachs bauen, sind die »Werzagln« und die Gegend um Schmiedschlag herum heißt die »Werei«; die Abfälle beim Rüffeln des Flachses nennt man »Werch« und daraus wird Sackleinwand gesponnen.

Die Bürger von Hohenfurth beißen scherzhaft »Strohbettler«, weil einst die Häusler bei den Bauern um Stroh zu betteln pflegten; im Städtchen selber gibt es eine Bratl- und eine Erdäpfelseiten.

Die von Kaltenbrunn sind die »Rebeller«, weil sie sich wiederholt gegen ihre Herrschaft aufgelehnt hatten.

Von Ober- und Unterhaid geht der folgende Spruch:

»Haid oben, Haid unten:
koon Höflichen gfunden,
Haid unten, Haid oben
dort findt ma die Groben!«

Die Unterhaider heißen auch die »Galgenvögel«.

Die Rosenthaler sind wiederum »Prahler« und wir wollen nun das Sprüchlein kennen lernen, das allen »Prahlern« des Böhmerwaldes aufgemützt wird:

»D Roisntoler san Prohler,
gebn d Läus für an Toler
und d Flöh um an Guldn,
und hat douh vuller Schuldn.«

Auch »Kroupfate« werden die Rosenthaler zubenannt; von den Rosenthalern wird auch erzählt, sie hätten ihren Simonimarkt um eine rote Hose den Kaplitzern überlassen.

Das nahe gelegene Dorf Liebesdorf wird scherzhaft (wegen der Diebereien einer einzigen Familie) »Diebsdorf« genannt.

Die Rosenberger werden ihrer Armut halber »Bettelleute« gehänselt und man sagt von ihnen: »Am Morgen im Rathaus, am Nachmittag bei den Bauern (als Bettler!).«

Die Leute von Malsching haben den Hut auf der Seite aufgesetzt; unter ihnen waren früher viel Vieh- und Rosshändler, und von denen her ist viel hoffärtiges Blut zusammen gekommen.

Von Buggaus, wo gescheite Vögel sein sollen, heißt es:

»In Buggaus, da ist es ganz aus,
da treiben neun Bauern ein Schaf aus.«

Die Meinetschläger werden als »Messerwetzer« und »Hödelschneider« verspottet; sie sollen einem Burschen aus der Nachbarschaft, der ihren Mädchen arg nachstellte, auf sonderbare Art die Lust und Möglichkeit zu seinem Treiben unterbunden haben. In den Wirtshäusern zu Meinetschlag ist es nicht ratsam, das Messer zu wetzen.

Die Bauern von Brettern sollen einmal den Pfarrer von Meinetschlag gefragt haben, ob sie am Ostersonntage auf den Feldern arbeiten dürften; und der Pfarrer hat darauf von der Kanzel herab verkündet: »Den Brettern ist das Arbeiten erlaubt!« Die Meinetschläger sagen nun noch heute: »Wenn die Bretter arbeiten, brauchen wir nichts mehr arbeiten.«

Das Dorf Pudageln muss in den unteren Gegenden herhalten, wenn man einen müßigen Frager abfertigen will: »Pudageln!«

Die Bürger des Städtleins Kaplitz führen den Spitznamen »Hochschualer«. Wahrscheinlich geht der Name auf die alte »Landschule zu Kaplitz« zurück, in der unter der Regierung der Kaiserin Maria Theresia zuerst die neue Lehrweise ausgeübt wurde, die der damalige Pfarrer Ferdinand Kindermann entworfen hatte. Viele Schullehrer und Geistliche waren damals nach Kaplitz gekommen, um sich unter der unmittelbaren Leitung Kindermanns mit der neuen Lehrart vertraut zu machen, die nach und nach in ganz Altösterreich eingeführt wurde.

Merkwürdigerweise ist der Spottname auch in Niederösterreich bekannt; in einem älteren Wörterbuche steht zu lesen: »Auf der Hohen Schule in Gablitz studiert haben, ist nur spottweis zu verstehen, weil Gablitz als eine kleine Ortschaft bei Purkerdorf in Niederösterreich keine Hohe Schule besitzt; dies heißt so viel als nicht studiert haben, ein Dummkopf zu sein. Auch die an Fuhrwerken, besonders an Bierwägen gravitätisch einher schreitenden Ochsengespanne heißen scherzweise »Gablitzer Studenten.« Der Übername mag von unserem Kaplitz vielleicht auf den kleinen niederösterreichischen Ort übertragen worden sein und dabei seinen Sinn verloren haben; möglicherweise ist die Übereinstimmung auch zufällig. Von Leuten, die nicht viel Bildung haben, sagt man sonst im Walde, sie seien »in die Baumschule gegangen«.

Auch als »Ladlschupfer« werden die Kaplitzer gerne verspottet, weil viele Kaufleute im Orte sind und die Kaplitzer für den Kaufmannsstand eine gewisse Vorliebe haben. Sprichwörtlich ist auch in den unteren Gegenden der »Kaplitzer Wind«; die Kaplitzer bleiben nicht gerne daheim in ihrem Städtlein; wenn irgendwo in der Nachbarschaft ein Fest ist, da finden sie sich bestimmt ein und machen großes Aufsehen.

Die Deutsch-Beneschauer werden »Stewlhacker« gestichelt, da sie als sparsame Leute in großen Mengen Reisig aus den Wäldern heim bringen und teils zu Streu für das Vieh verhacken, teils als Brennholz verwenden.

Von Heilbrunn wird erzählt: Wenn ein Mädchen nach Heilbrunn hinauf heiratet, so braucht es nur einen Buckelkorb und einen Sack als Aussteuer, weil zu Heilbrunn nur Bettelleute seien!

Wenn man die Leute aus dem nahen Wallfahrtsorte Brünnl im Sommer, wo viel Wallfahrervolk und Sommerfrischler zu ihnen kommen und das Geschäft gut geht, fragt: »Von wo habts denn her?« sagen sie recht hoffärtig und laut: »Von Brünnl!« Fragt man sie aber im Winter, wo niemand zu ihnen kommt und sie sich kümmerlich mit dem Knöpfelmachen das tägliche Brot verdienen müssen, so antworten sie fein trübselig und weinerlich: »Von Brüünnl!«

 


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