Bekannte und unbekannte Historien von Rübezahl

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Kurzer und wahrhaftiger Bericht was im Lande Schlesien auf dem Riesengebürge zu befinden, und was es vor eine Beschaffenheit mit dem Rübezahl habe.

Auf dem Riesengebürge hat es zween Teiche, einen großen und einen kleinen, in beiden findet man die schönsten Forellen und groß; sind gar schwarz und haben, wie ander Forellen, schöne güldene Pünktlein, das Fleisch ist ganz rötlich wie Lachs, drumb werden sie auch Laxfohren genannt; sind gutes Geschmacks. Der kleine Teich ist zu gründen, der große aber nicht. Wie denn einmal der Fürste von der Liegnitz mit dem Schaffgotschen (dessen Schwester der Schaffgotsch gehabt) auf dem Gebürge gewesen und mit einer Fähre auf dem großen Teiche gefahren und gefischet, da hat der Fürst von der Liegnitz einen Türkisring zum Gedächtnus hineingeworfen; sechs Jahr hernach aber hat der Fürste von der Liegnitz den großen Seeteich (welcher etliche Meilen im Umfange hat) fischen lassen und allda gefangen einen so großen Hecht, als bei Menschengedenken nicht so groß gesehen worden; solchen hatten sie dem Fürsten zugebracht, der ihn lassen abtun, da sich dann in dessen Leibe derselbe Türkisring gefunden, worüber sie sich höchlichen verwundert. Sonst wachsen von allerhand schönen Kräutern und Wurzeln auf dem Berge, die Wurzeln auf dem Gebürge aber sind alle zweimal so dicke und groß als die auf der Ebene; insonderheit wächset das giftige Kraut Napellus, mas & foemina häufig dar, das Männlein blühet schön blau, das Weiblein aber gar weißblau; ebenermaßen wachsen auch gar viel von den Johannisbeerlein, als rote, weiße und schwarze, sehr groß und haben einen schönern roten Saft als die zu Lande, es gibt auch der roten eine sonderliche Art, länglicht wie eine Birne, trefflich guten Geschmacks; von Rosen wachsen nur die wilden, aber sehr groß und dicke fette Blätter, purgieren sehr und werden von denen Apothekern fleißig gekauft. Unter dem Berge, gegen Böhmen zu, hat es einen Grund, der wird der Teufelsgrund genannt. Da hat der Geist seinen Garten, darinnen vornehme Kräuter und Wurzeln zu finden, als die rechte Weißwurzel, Mondenkraut, Springwurzel, die weiße Wegwart oder Hindleufte und andere vornehme Sachen mehr; wer aber was davon bekommen soll, der muß solches von dem Geiste erlangen: will er ihme solches mit Gewalt nehmen durch conjurationes oder andere Mittel, so stehet Leib- und Lebensgefahr drauf. Er, der Geist, teilet auch Gutes mitte, und hat manchen wunderlich verehret. Er lässet sich in vieler Gestalt sehen. Er tut niemanden Leides, wenn man ihn nur mit Frieden lässet; tut man ihme was zuwider, und wann das Wetter noch so schön wäre, so wird er bald mit einem Ungewitter aufgezogen kommen, daß man vermeinen sollte, der Jüngste Tag wäre vor der Tür. Es hat im Gebürge unterschiedene Häuser, da Leute drinnen wohnen; Sommerszeit tun die Leute ihr Vieh hinauf. Sie geben schöne Butter, und große Käse werden droben gemachet, alle gutes Geschmacks, und da wird man selten Brot bei den Leuten finden, dann sie trinken Molken und essen die Matten statt des Brots; wenn jemand übers Gebürge reiset und gibt ihnen Brot, so nehmen sie es vor besser an als Geld und verehren ihn mit guter Milch. Der Schnee gehet selten gar weg, das kann man sehen am Laube von denen Blumen und Bäumen, wie es von Jahre zu Jahre drauf fället. Winterszeit sind lange Stangen, länger als die Hopfenstangen gesteckt, wo der Weg gehet; und ehe der Schnee harte wird, so haben sie Räder an die Füße gebunden, da gehen sie drauf, sonsten bleiben sie in dem Schnee stecken.

Was Rübezahl für Taten und Possen gemachet? Von diesem Stücke können nunmehr die folgenden Sachen gelesen werden, in welchen ich zusammengetragen habe, teils was ich gelesen, teils was ich hin und wieder von unterschiedlichen Personen in Diskursen gehöret oder auch geschrieben habe bekommen. Da denn zu merken, daß zweifelsohne viel tausend andere Geschichte mehr von dem Rübezahl ausgeübet sein, welche ich leider nicht erfahren habe.

 

1. Rübezahl ist ein Jägermeister.

Es sollen die nahe anliegende Örter gar ofte bei nächtlichen Zeiten hören, daß gleichsam ein Jäger auf dem Berge jage, da man denn eine eigentliche Stimme, Getöne oder Hornblasen und Geräusche von wilden Tieren, wie recht, vernehmen soll. Hievon aber halten die Anwohner, daß es ein besonderer nächtlicher Geist sei, davon sie sagen, daß der Nachtjäger jage. Ja, es ist dieses Geschrei auch unter den Kindern erschrecklich: aber welche sich gar bald schweigen lassen, wenn man ihnen zurüft: Sei stille! hörest nicht, daß der Nachtjäger jage?

 

2. Rübezahl verbietet zween vornehmen Jägern das Jagen im Gebürge.

Auf eine Zeit wurden zwei vornehme Jäger, die sich in Warmbrunn des Bades bedienet, miteinander einig, das Gebürge durch Jagen und Hetzen zu besuchen, damit sie einiges rares Wildpret möchten ansichtig und habhaft werden, solches als eine sonderbare Rarität mit nacher Hause zu nehmen. Derowegen ließen sie sich ihre zwei besten Winde zum Jagen nachführen und machten sich also getrost auf den Weg nach dem Gebürge zu. Sobald sie nun desselben ein gut Teil zurücke geleget und an einen schönen Wald kamen, ließen sie ihre Pferde an einen Baum binden und einen von ihren Knechten dabei bleiben, gingen drauf in den Wald hinein, bliesen in ihr Hörnlein und wollten mit ihren Winden gleich einen Versuch tun. Plötzlich aber drauf höreten sie den Schall eines Jägers nebst einer großen Hetze anreizender Hunde, woraus sich anfangs unser beide Jäger nicht viel machten, bis ihnen endlich aber doch der Mut entfiel, denn der Schall des herannahenden Treibers und das fürchterliche Lärmen und Getös ward immer größer; darauf kamen einige Hunde und endlich der ganz erhitzte Jäger selbst, welcher gespornet auf ein großes gesatteltes wildes Schwein saß und einen Wurfspieß in der Hand erhabend führte, recht als ob er einen von diesen Fremden damit durch und durch werfen wollte, da ihnen denn ihr Jagen gänzlich verging. Hierauf befragte sie dieser schnaubende Jäger: Woher habt ihr die Freiheit, in meinem Gehege Wild zu jagen? Sie wollten sich höflich exküsieren, daß sie nicht gewußt hätten, daß allhier ein Verbot sei, und daß es einzig und allein aus Pläsier geschehen; allein alle ihre Einwendungen, wie nett und verblümt sie auch solche vorbrachten, ihm zu überreden, daß sie eins versuchen möchten, um nicht gar leer auszugehen, wollten nichts verfangen, sondern mußten sich begnügen, ohne einigen Verzug zu reterieren. Des waren sie inniglich froh, weil sie so ungeschoren und ohne Schaden davongehen, auch ihr Hörnlein samt den Hunden behalten mochten. Sobald sie sich von ihm beurlaubt, liefen sie, was sie laufen konnten, daß sie wieder zu ihren Pferden kamen. Rübezahl ritte ihnen auf dem Fuße nach. Als sie sich wiederumb auf ihre Pferde geschwenket, nahmen sie alle von ihm völlig Abschied und ritten schleunig das Gebürge hinunter, ohne daß sie sich einmal umsahen, ließen jagen, wer da jagen wollte, begehrten nimmermehr, die Ehre zu haben, des Ortes ein Wildpret aufzujagen. Sobald sie herunter und auf eine Ebene waren, hielten sie stille, bis die Knechte mit den Winden herzukamen. Sie belachten ihre Jägerei und ritten, nachdem sie sich ein wenig erholet, wieder zu den Ihrigen. Diese beiden Herren haben es frei gestanden, daß (ob sie gleich niemals vor ein oder zwei Personen gewichen, itzo auch noch des Sinnes gewest wären) sie dennoch bei Rübezahls Ankunft so verwirrt worden wären, daß sie fast nicht gewußt hätten, was sie ihm auf sein Fragen vor Antwort geben sollten; und da er in sein Waldhorn geblasen, welches ihnen gedaucht fürchterlich anzuhören zu sein, wegen des besonderen Getös im Gehölze, wären Hasen, Füchse, Rehe und allerhand fremdes Wild vor und hinter den Hunden, auch um des Jägers Roß gesprungen, die mit ihrem Geheul und Geschrei ein großes Lärmen gemacht, daß sie auch nicht gewußt hätten, wohin sie sich wenden sollten. Wenn nachgehends diese beide Herren zusammenkamen und ihnen eine Lust machen wollten, fragte einer dem andern: Wollen wir bald wieder nach rarem Wildpret reisen?

 

3. Rübezahl schießet ein wild Schwein.

Es soll einmal ein armer Bauer über das Riesengebürge gegangen sein, welcher noch zu brocken noch zu beißen gehabt und ziemlich hungrig gewesen. Zu solchen ist der Rübezahl gekommen, in eines Jägers Gestalt, hat ihn beklaget und endlich zu Gefallen ein wild Schwein geschossen, daß der Hungrige sich davon ernähren und sättigen möcht, welches auch geschehen; indem noch zum Überflusse der Rübezahl das Schwein gekocht und ein Messer zu verzehren darzu gegeben hat, welches hernach lauter Gold geworden. Doch gnug.

 

4. Rübezahl jaget auch im Winter.

Hinten am Gebürge soll ein schlechter Mann wohnen, der zu Sommerszeiten diese Gewohnheit hat, daß er mit feiner Sensen aufs Gebürge gehet, allda das Gras abmähet und darnach an den Klippen in Hucken übereinander leget, bis er im Winter mit einem Schlitten über den gefallenen Schnee füglich hinauffahren könne und alsdenn solches gewordene Heu zu sich herunter bringe. Solchem Manne soll es ofte begegnet sein, daß der gedachte Geist ihn in Gestalt eines Jägermeisters mit einem Pferde unvermutlich angerennet, daß er sich drüber verwundert, woher er kommen möchte oder droben zwischen den unebenen Felsen fortkommen könnte. Ja, es soll der Rübezahl bisweilen ihme so nahe geraten und mit seinem schnaubichten Pferde über den Hals gleichsam geritten sein, daß der Schaum auf den Achseln darvon kleben geblieben, darbei er denn auch gefraget: Was machst du hier? Resp. Ach Herr! ich habe ein bißgen Heu geholet. Und hierauf war er denn immer fortgeritten, der Mann aber hatte sich nicht minder bald herunter nach Hause verfüget.

 

5. Rübezahl hat mit güldenen Kugeln geschossen.

Unlängsten hat es sich zugetragen, daß etliche Tischlergesellen über die Riphaeos gereiset und in der Ferne einen Jäger vernommen haben. Hierneben soll alsobald ein Rehebock zu sie gelaufen und verwundet in dem Wege bei sie niedergefallen sein. Solches Wild haben die Wanderer zu sich genommen, angepackt und sämtlich davongeschleppet. Aber siehe, was geschicht? Wie sie in die nächste Herberge kommen und das Stücke Wild abziehen und zerschneiden, da finden sie drei große güldene Kugeln im Leibe. Doch gnug.

 

6. Rübezahl siehet wie ein Hirsch aus.

Ein Sattlersgeselle erzählete mir in kurz abgewichenen Tagen, daß er in Schlesien von Hörensagen hätte vernommen, wie einsmals etliche Leute einen erschrecklichen großen Hirsch auf dem Riesengebürge gesehen hätten, hinter welchen ein ganz Koppel kleiner Hirschlein hergesprungen wäre. Alle miteinander aber sollen sie gülden Geweihe gehabt haben, das in klaren Sonnenscheine aus der Maßen geglänzet und große Verwunderung auf sich geladen hat. Wie nun solche Leute, die zugegen gewesen, die Vision gehabt, so war einer drunter gewesen, der ein fix Rohr gehabt, damit er unter das Vieh tapfer losgeschossen und, dem Augenscheine nach, ein Stücke soll gefället haben: darnach er auch hingelaufen, solches aufzuheben. Aber wie er zur rechten Stelle kömmt und das Hirschelein gleich bei dem Felle kriegen will, siehe, da verschwindet es für ihm, und erblicket hingegen an der Erde einen großen Beutel voll Geld, drinnen hundert Dukaten mit einem Hirschgepräge, eines Schlages, gestackt. Die er zu sich gesteckt und keinen Menschen was davon gesagt gehabt, ehe er vom Gebürge herunter geraten und an seinen gewünschten Ort geraten gewesen; da er sein großes Glück unterschiedlichen beigebracht.

 

7. Rübezahl verwandelt sich in einen Wolf.

Wie vorweilen in einer Gegend am Gebürge eine Wolfsjagd angestellet ward, da werden die Leute unter andern einen sehr großen Wolf gewahr. Dem stellten sie auch fürnehmlich nach und wandten allen Fleiß drauf, damit sie das grausame Untier vor andern fällen möchten; und indeme läßt sich der Lycaon treffen und gleichsam darnieder schießen. Nach diesem kriegten sie solchen Wolf nebenst andern auf den Wagen, fahren ihn davon und vermeinen eine große Beute dran zu haben. Aber wie sie das Aas kaum auf einen Hof gebracht, da sehen sie, wie es kein Wolf mehr gewesen, sondern eine Gestalt des Satyri oder ein halber Mensch und halber Ziegenbock. Hierüber wird der Fuhrmann bestürzet und berichtet es seinen Oberherren, der ebenmäßig Beliebung bekömmt, das Wild zu schauen. Aber da war es miteinander verschwunden und nicht mehr da.

 

8. Rübezahl duldet keinen Hund auf dem Gebürge.

Dieses soll gar ein gemeines und allen bekanntes Ding sein, daß der Berggeist keinen Hund oben leide, weil er selber der einige Jäger sein will, der das Wild hetzet. Also soll es unlängst geschehen sein (wie ich diese Geschichte von einem glaubwürdigen Pfarrherrn aus der Schlesien mündlich in Leipzig empfangen habe), daß der eigentliche Herr des Orts, nämlich der Herr von Schaffgotsch, seinem Jäger befohlen, er soll doch einen Hund zu sich mit hinaufnehmen, damit er einen Gehülfen bei der Hand hätte, so er ein Wild vermerken möchte: sintemal der Jäger sein Häuslein und Wohnung immer droben hat, aber keine Hunde halten und behalten kann. Was geschicht? Ob der Wildschütze sich gleich wegert und ofte verwendet, daß es vergebens sein würde, weil er ja niemals einen Hund litte, so hat er dennoch Ihrer Gnaden Befehl gehorsamt und einen wackern Windhund zu sich mit hinaufgenommen. Wie er aber droben gewesen, da war ihm ein Mann begegnet, welcher zweifelsohne der Riphäische Satyrus gewesen. Solcher war stockstille gestanden und hatte diesen vorübergehenden Windhund mit starrenden Augen eine lange Weile angesehen, bis der Jäger zu seinem Häuslein gekommen, da er solchen Hund in einem Stall bei sich versperret: aber wie er frühmorgens wiederumb darnach sehen will, da war kein Hund zu sehen noch zu hören gewesen, bis er am Tage ungefähr, indem er sonsten ausgegangen und Wild gesuchet, bald hie, bald da ein Viertel von seinem Hunde am Gebüsche hangen siehet.

 

9. Rübezahl zerschmettert eine Kuhe.

Daß dieses Gespenste seine Wohnstätte wolle sauber und rein vor sich behalten oder aufs wenigste kein unvernünftiges Vieh daselbsten leiden, erscheinet auch aus folgender Historie: Da Anno 1656 von dem Vieh eines Schenken (oder Kretzschmars, wie es die Schlesier nennen), so unter dem Gebürge seine Wohnung hat, im Weiden ungefähr eine Kuhe von den andern abgeirret und allgemählich auf die Felsen hinaufgeklettert, auf die Schneeköppe geraten, woselbsten der Rübezahl sonderlich solle hausieren, da ist der Rübezahl also auf das arme Tier erbittert worden, daß er sie flugs in die Höhe gehoben, vom Berge heruntergestürzet und zu etliche 1000 Stücklein zerworfen hat.

 

10. Rübezahl fängt Fische.

Vor etwan vier Jahren seind ihrer fünfe Leinwebergesellen über das schlesische Gebürge gewandert, da haben sie ungefähr in der Ferne vermerket, wie ein schwarzer Münch nebenst noch andern vier Nonnen bei einem Teiche gestanden sein und teils mit dem Hamen, teils mit den Fischreisen sehr große Fische, fast wie Kälber groß, aus dem Wasser gezogen haben, welche das Gespenste allemal in die Höhe gehalten und die Vorüberreisende zugleich mit angeschrien hat: Kommet, kaufet! sie seind wolfeil! Aber jene Handwerksbursche hatten die Hinterlist bald gemerket, waren ihres Weges fortgegangen und hatten sich nicht irren noch zur höhnischen Gegenantwort verführen lassen. Da ihnen denn auch also nichtes widerfahren ist und der Rübezahl vergeblich sein Menschennetz ausgeworfen hat.

 

11. Rübezahl spielet einen Fischtanz.

Erst angezogener Sattlersgeselle sagte mir auch, daß er auf dem wohlbekannten Gebürge gewesen und droben Lustes halben spazieren gegangen, da er in dem schwarzen Teiche soll mit großer Bestürzung gesehen haben, wie bald ein ungeheurer Hecht, bald ein großer Karpe, bald eine mächtige Forelle, bald ein dicker Weißfisch etc. aus dem Wasser in die Höhe gesprungen und kunterbunte Tänze gemachet habe. Alle Arten Fische aber waren ihm fürgekommen, wie sie ganz güldene Schuppen gehabt hätten und silberne Floßfedern. Nach dem verrichteten Wassertanze da hätte er wahrgenommen, daß der ganze Teich obenwärts voll lauter Fische gestanden; welche untereinander gekribbelt und gewibbelt hätten, daß ihme die Haut bald drüber geschauret und er auch schnelle von solchen Spektakel weggelaufen.

 

12. Rübezahl fährt auf dem Schlitten.

Für gleichsam funfzehn Jahren ist es geschehen, daß ihrer sechs Personen auf dem Riesengebürge gegangen und auf einem Teiche (welcher zwischen hohen Felsen vom gesammleten Regen- und Schneewasser erfüllet geworden) den Rübezahl lustig mit einer Schleifen herumb fahrend gesehen haben, vom hohen Felsen herunter, da doch der Teich ganz nicht zugefroren und kein Eis darauf vorhanden gewesen ist: welches traun possierlich gnug mag zu sehen gewesen sein. Wiewohl den Leuten darbei nicht gar wohl zu Mute gewesen ist, sintemal sie sich eines Unheils besorget haben; welches aber außen geblieben ist, indem sie nichts von der Sache droben geredet noch des Rübezahls gedacht haben: als nur unterwärts, als sie vom Berge herab gewesen, da es sich befunden, daß sie solches Gespenste nicht sämtlich wahrgenommen hatten. Und also siehet man hieraus unter andern Folgerungen, wie der Rübezahl so trefflich glückselig sein müsse, daß er auch ohne Schnee und Eis übers Wasser aufm Schlitten fahren könne und sich nach Gefallen drauf erlustieren möge, zu welcher Zeit es ihm gelüste. Ach, wie wäre das ein gewünschtes Fressen für die lüsterne Schlittenfahrer, denen in manchem Winter der gefallne Schnee und das gefrorne Eis kaum tüchtig gnug zu der beliebten Lust ist. Da sollte der wundersame Rübezahl gar ofte stattlichen Dank verdienen, wenn er entweder rechtmäßigen Schnee darzu machte oder aufs wenigste den Weg zum Schlittenfahren bequemete. Doch gnug hiervon.

 

13. Rübezahl reitet auf einem Wolfe.

Vor drei Jahren sind etliche Sauschneider über das Riesengebürge margieret und haben von ferne einen großen Wolf gesehen, welcher, wie er etwas näher zu sie gekommen, einen jungen Menschen auf sich in die Quer hat sitzen gehabt mit einem langen Spieße und Hahnsfedern auf dem Hute.

 

14. Rübezahl will itzund ein Waldweib vertreiben.

Es gebens die neulichsten Avisen, daß vor wenig Wochen sich auf der Schneekippe ein wunderbarliches Waldweib habe sehen lassen, welches nicht gar groß und sonsten umb und umb mit grünen Moos verposamentieret ist. Hievon gibt man vor, daß es ein neu Gespenste sein soll, welches von einem Teufelsmeister daselbsthin anderswoher soll gebannet sein. Hiemit soll es ohn Unterlaß der Rübezahl annehmen, seinen Ort verteidigen wollen und sich greulich mit der Bestie herumb kampeln. Da soll es wunderliche Sprünge geben, daß es die Leute nicht gnugsam beschreiben können; da sollen sie sich zerschmeißen, indeme der Rübezahl als ein alter Gast seine vorige Residenz alleine beherrschen will, das Hängersweib aber sich auf die Anweisung verlässet, sich auf die geschehene Zueignung berufet und immer saget: Herunter, du alter Hund! packe dich, du verschrumpfelter Abgott! trolle dich, du Gaißmann oder Satyre! Hierauf soll er anheben und sagen: Schweig, du Mutz, oder ich will dir deinen moosichten und moskowitischen Belz zurlausen! Und indem soll er hinter sie her sein, und sie nicht minder wider ihn: da soll es an ein Turnieren gehen, daß alles knistert und knastert. Und also wird es hier einmal wahr, daß ein Teufel sich wider den andern erhebet, sie einander die Kolbe lausen und uneines werden. Doch gnug von diesem Duell.

 

15. Rübezahl überwindet einen unterirdischen König.

Man will ingemein wenig davon halten, daß es auch unter der Erden solle Leute geben, welche ebenmäßig ihre Regimentsarten haben; doch überzeuget folgende Geschichte die Zweifelmütigen und will die Sage mit der Erfahrung bekräftigen. Nämlich, es soll vormaln ein Handwerksbursch über das Gebürge gewandert sein, da es unterwegens sich begeben, daß der Rübezahl in einer unbekannten Gestalt zu ihm gekommen oder auf einen großen Ochsen oder Brümmer zu ihm geritten; davon er balde herunter gestiegen und sie mit einander unversehens bei ein unerhörtes tiefes Erdenloch zu stehen gekommen, welches der Rübezahl vorher ausgegraben gehabt. Hierbei hat er den Reisegesellen mitsamt dem Ochsen stille stehen heißen, sagende: Halt mir hie meinen Brümmer und weiche nicht von dannen! Denn ich habe allhier unter der Erde mit einem grausamen Erdenkönige zu tun, welcher mir eines Teils von meiner Revier unlängsten hat wollen einnehmen, dafür ich ihn jetzt, oder er mich, lohnen will. Unterdessen bleib du allhier behalten; und wenn du vermerkest, daß eine Gans herausfleuget, so ist die Sache bald gut und habe ich gewonnen Spiel: Wirstu aber inne werden, daß eine Eule aus dem Abgrund hervorkommt, so nimm Reißaus und reite mit dem Ochsen immer vor dich weg, so weit als du kannst, denn ich werde alsdenn das Feld verloren haben. Und hierauf hatte der Gesell dem Rübezahl die Hand geben müssen, welcher darnach in den greulichen Abgrund gesprungen ist: daraus er mit Verwunderung ein schreckliches Geschrei gehöret von Trommeln und Trompeten, also, daß dem guten Kerl die Haare zu Berge gestanden; wie er denn auch hierbeineben seines Lebens nicht sicher gewesen, indem der Ochse so tyrannisch ausgesehen, gebrüllet, mit den Hörnern in die Erde gestutzt und mit den Pfoten in das ausgegrabene Erdreich dermaßen gescharret, daß er schier innerhalb zwo Stunden die ganze Grube erfüllet und, wann es noch hätte länger sollen währen, alle Erde zu ihrem vorigen Ort gebracht hätte. Doch war es endlich geschehen, daß die Gans hervorgefladdert gekommen und darauf der blutrünstige Rübezahl erfolget, sprechende: Nun ist die Sache richtig und habe ich meinen Widersacher in tausend Stücken zerhauen. Du aber, weil du mir so lange aufgewartet und meinen Klepper gehalten, so nimm das eine Ochsenhorn zu dir; und indeme hatte er seinem Brümmer das eine Horn aus dem Kopfe gezogen und dem Handwerksgesellen gegeben, welcher damit in Eile weglaufen mußte. Aber merke, daß solches Horn sich eine Stunde oder etliche zu tragen der Mühe noch wohl verlohnet gehabt: weil der Bursche befunden, daß es hin und wieder mit Golde ausgeleget und ein köstlich Trinkgeschirr gewesen, welches vielleicht die alten Teutschen gebrauchet und der Rübezahl von sie geerbet gehabt. Solches hörnern Gefäß soll hernach auf eine vomehme Kunstkammer gekommen sein, da dem Gesellen funzig Reichstaler darvor gegeben worden. Und also hat sich dieses Horntragen noch wohl bezahlet gemacht und der Ochsendienst sich der Mühe ziemlich verlohnet.

 

16. Rübezahl hat einen Kampf mit dem Meerkönige.

Vor Jahren soll ein schlechter Arbeitsmann über das Riesengebürge gegangen sein: da ihm unterwegens der Rübezahl mit einem Pferde begegnet und drumb angesprochen hat, daß er mitgehen, das Roß halten und ihm eine Weile dienen solle. Was hat der Mann tun können? Er hat mitgemußt, und ist der Rübezahl drauf samt ihme und dem Pferde nach dem einen Teiche hingewandert, welcher unerhört tief soll sein und sich nicht gründen läßt, da er ein stillstehendes pechschwarzes Wasser hat. Hiebei hat er (der Rübezahl) jenem Mann sein Pferd zu halten anbefohlen, sprechende: Ihr halt mir mein Roß und bleibt so lange stille damit bestehen, bis auf weiter Bescheid. Nämlich ich habe allhier mit dem Wasserkönige, der drinne regieret, einen heftigen Krieg zu führen: Wirstu nun, nachdem ich eine Weile vorher hineingesprungen gewesen, vermerkend, daß etzliche Blutstropfen heraufwärts brudeln, so gedenke, daß die Sache an meiner Seite gut sei und ich die Oberhand erhalten habe; derentwegen bleib du so lange behalten, bis ich sieghaftig hervorkomme. Wirstu aber sehen, daß etliche Blasen aufstoßen, so ist es unklar; da nimm dieses Roß und reit, so viel und weit du immer kannst, es soll dir nichts widerfahren und du sollst das Pferd behalten. Hierauf war der Rübezahl ins Wasser hineingesprungen; jener aber hatte mittlerweile gedacht, ich will es doch ja sehen, wo es hinaus will und was endlich draus werden möchte. Doch hat es sich eine Weil drauf begeben, daß über die See etliche Blutstropfen waren hervorgeschwommen, drauf nach kurzer Weile der Rübezahl selber herausgesprungen, sehr blutig, erboßet und grimmig ausgesehen, sprechende: Nun ist auch endlich dieser Feind überwunden, und bin ich also ein General und vollkömmlicher Herrscher dieses großen Gebürges. Du aber nimm vor deine Aufwartung diese Pferdsäpfel in deinen Kober und gehe damit deines Weges davon. Und indem hilft er den Kober aufmachen, den Pferdemist miteinander hineinschütten und läßt den Narren mit dem Quarge davonschleichen; welcher aber aus Unbesonnenheit eine Weile hernach den Mist hinweggeworfen und als ein nichtiges und schändliches Ding aus seinem Kober herausgestöbert und damit leer nach Hause gespazieret ist: da er aber eigentlicher befunden, wie er solchen seinen Kober zum andernmal visitieret, daß noch viel gediegen Gold hin und wieder an den Seiten behängen blieben: dadurch er nicht allein ist veranlasset worden, dem Rübezahl für die Freigebigkeit zu danken, sondem auch zugleich den Verlust des verschütteten Pferdemistes zu bedauren. Und wiewohl er wieder umgekehret hat, solche jacturam wieder zu erholen, so ist es doch verhauset gewesen, und ist im geringsten zu nichts wiederumb gekommen.

 

17. Rübezahl läßt seinen Garten nicht berauben.

Einsmalens kommen vier Walloner zu dem Krebse, welcher unter dem Gebürge wohnet, bitten ihn, er wolle mit ihnen in das Gebürge gehen, sie wollten ihm seinen Willen darumb machen. Er fragt sie, was sie in dem Gebürge suchen wollten. Sie sagten, Wurzeln und Edelgesteine wollten sie suchen, unter andern auch die rechte Springwurzel. Hat der Krebs zu ihnen gesagt und sie treulich gewarnet, sie möchten suchen, was sie wollten, aber die Springwurzel sollten sie mit Frieden lassen; denn der Herr des Gebürges solche vor sich hätte, er gebe sie auch keinem nicht, als wem er wollte. Sie antworteten, deswegen wären sie eine weite Reise gezogen, sie wollten es wagen auf ihr Verantworten und Gefahr. Er warnet sie noch einmal treulich, wollen aber nicht folgen; sondern einer unter ihnen nimmt die Hacke, und als er den ersten Hau tut, so fället er stracks darnieder, ist kohlschwarz und ist des gähenden Todes. Die andern drei erschrecken und glauben dem Krebse, der sie gewarnet, gehen mit ihme und suchen andere Edelgesteine und begraben ihren guten Gefährten.

 

18. Rübezahl gehet unbarmherzig umb mit einem widerspenstigen Wurzelmanne.

Es war ein Wurzelmann, der trug allezeit Kräuter und Wurzeln in die Apotheken; derselbe hat den Weg zu des Geistes seinen Wurzelgarten gewußt: es heißet der Teufelsgrund, darinnen hat er seinen Garten und seine sonderliche Kräuter und Wurzeln; dieselben bekommt kein Mensch von ihme, er gebe sie denn gutwillig: will er sie mit Gewalt oder durch conjurationes bekommen, so muß er der Sachen perfekt sein, oder er bricht ihme den Hals oder hat sonsten groß Unglück darvon. Auf eine Zeit bringet dieser Wurzelmann etliche Wurzeln in die Apotheke zu Liegnitz. Zur selben Zeit lieget der Oberste Lyon als ein Commendant in der Stadt: dessen Frau lässet den Wurzelmann zu sich kommen und verspricht ihm ein großes Geld, wenn er ihr würde die rechte Weißwurzel bringen, welche in demselben Garten wüchse. Der Mann gehet hinaus, gräbet; Ronzival kommt zu ihm, fraget, was er grübe? Er saget, er wäre ein arm Mann, hätte viel unerzogene Kinder, er müßte sich von Kräutern und Wurzelsuchen erhalten. Der Geist saget, er hätte solcher Sachen genung im Gebürge, er sollte ihm seinen Garten mit Frieden lassen; doch was er hätte, sollte er behalten, aber nicht mehr wiederkommen. Der Mann bringt der Obristin Lyonin was von dieser Wurzel, welche sie ihme teuer genug bezahlet hat; aber wo er deren mehr könnte haben, sollte er zuschauen. Dieser gehet wieder zum andern Mal hin und gräbet; Ronzival kommt wieder und spricht: Was machst du? Ich habe dirs verboten, du sollest nicht mehr wiederkommen; so siehe, was ich mit dir machen will. Der Mann gehet und bringet der Frau Obristin wieder was, welche sie ihme noch teurer als die ersten bezahlet. Der Mann bekommt ein Herze, gehet zum dritten Mal wieder hin und gräbet. Der Geist kommt und fraget, was er mache, er hätte es ihme verboten, er solle nicht wiederkommen; nimmt ihme die Hacken aus der Hand, dieser holet sie wieder und hacket. Der Geist sagte, er sollte aufhören zu hacken, es wäre Zeit. Dieser hacket immer frisch zu. Er nimmt ihme die Hacke und wirft sie weg. Er will solche wiederholen. Als er nach der Hacke greift, so nimmt ihn der Geist und reißet ihn zu Stücken, und führet sie in der Luft hinweg, daß nichts mehr als ein Belzärmel darvon dar ist, welchen sein Sohn, ein Knabe von 13 oder 14 Jahren, der mit ihme gewesen, zurückgebracht; solchen habe ich mit Augen gesehen.

 

19. Rübezahl gibt Schlangen für Wurzeln.

Es hat einmal ein unbescheidener Wurzelmann den Rübezahl angefahren, er solle ihm, sofern er ein vielwissender Geist wäre, ausbündig gute Wurzeln verschaffen für das Podagra. Hierzu findet sich der Rübezahl nicht faul, saget: Ja, ich will dir gute Mittel darwider schaffen. Und indem übergibt er ihm einen ganzen Arm voll langer schwarzer Wurzeln. Diese nimmt der Mann zu sich und leget sie in einen großen Kober und gehet damit vom Berge herunter, verhoffende: er werde nunmehr ein gewisses remedium wider den Podagrischen Kützel bei sich haben, die Leute kurieren und hübsch Geld verdienen. Aber siehe: wie er seinen Kober aufmachet und einen Bettlägerigen wider das Podagram eine Wurzel liefern wollte, da waren es lauter lebendige Schlangen, welche in großer Furie heraus sprungen und meistenteils dem Wurzelmanne nach seinem Kopf trachteten und tödlich verwundeten. Über solches Spektakel erschrak der Podagricus von Herzen sehr und kriegte, vermittelst dieser Bestürzung, hurtige Füße zum Laufen, sprang in hurtiger Eil aus dem Bette und lief und rief, wie ihn der Teufel schlüge; ja, er kriegte auch hernach sein Lebelang das Podagram nicht wieder. Ei! eine fürtreffliche Kur, drüber der Patiente geneset und der Arzt das Leben einbüßete!

 

20. Rübezahl kann seinen Namen nicht leiden.

Es gehen fast alle Possen und Begebnüsse dahin, daß sie wegen Benennung des unleidlichen Wortes Rübezahl verübet und ins Werk gesetzet werden. Ja alles, was man höret, das dieser Geist schädlich stiftet, solches soll herrühren aus diesem Grunde, daß die teils albere oder unwissende, teils auch fürwitzige Leute den Namen Rübezahl aus dem Munde würklich ergehen und auf dem Berge von sich hören lassen. Es ist mir nicht einmal, sondern vielmal erzählet, daß das versuchende Gespenste unterweilen mit Fleiß sich zu den Wanderern verfüge, solche nur auszuholen oder seinen unangenehmlichen Namen von sie herauszulocken: damit, wenn es geschehen, eine richtige Ursache sei, ein Ungewitter zu erregen oder sonsten ein Schelmstücke zu stiften.

 

21. Rübezahl drehet einem das Genicke umb.

Vor etlichen Jahren soll ein Studiosus Medicinae mit Fleiß auf das Riesengebürge gegangen sein, allda Kräuter und Wurzeln zu sammlen: und indeme er in der Sache begriffen gewesen, siehe, da soll Rübezahl drüber zu Maße gekommen sein, etwa in eines Bauren Gestalt, fragende, was er wolle, Resp. Ich habe mir sagen lassen, daß allhier gute Kräuter anzutreffen sein, welche ich zu meinem Studium dienlich schätze. Weme meinestu aber, daß diese Revier zustehe? Resp. Ich weiß eigentlich nicht. Und mit solchen Worten hat sich jener Studente gar lange entschuldiget, ungeachtet, daß Rübezahl immer drauf gedrungen, zu sagen, weme das Gefilde zukomme; doch ist er endlich drüber weggegangen und hat den Burschen verlassen. Drauf soll dieser Bursch zum andern fürüberreisenden Leuten genahet sein, indeme er herbatum gegangen: diese haben dem Fragenden geantwortet, daß er jo bei Leibe dem Geist, welcher ihn vorher geprüfet, bei seinem eigentlichen Namen nicht nennen sollte, wenn er wieder käme. Was geschicht? Wie dieser kurioser Studiosus noch immer seine Botanik exkolieret, da kömmt der Rübezahl zum andernmal wieder und läßt sich mit folgenden Worten heraus: Nun, wie gehets? Findstu was Guts vor dir? Resp. Ja, ich ertappe allerhand beliebliche Sachen. Weme meinestu aber, daß dieser Platz zu eigen sei? Resp. Ich weiß es eigentlich nicht. Wie er aber immer mehr und mehr drauf gedrungen, da soll endlich sich der Student verschnappet und ungefähr gesaget haben: Die Leute berichten mir, daß derselbe Rübezahl heiße, der ihme dieses Gebürge zuschreibet. Und hiemit hat er ihn bei der Kähle gekriegt und den Hals umgedrehet: wie ihn die vorigen zurückgekehreten Wandersleute kurz hernach tot liegend angetroffen haben. Ach, behüt einen der liebe Gott für dergleichen Fürwitz, daß man dem mißtreuen Geiste nicht zu nahe komme, etwas von seiner Klause hole, ihn zu sehen begehre oder seinen Namen allda über die Zunge fahren lasse! Doch gnug.

 

22. Rübezahl verschafft einigen Soldaten auf ihr Spotten und Fordern ungestümes Wetter.

Im Jahr 1660 ritten einige Soldaten über das Gebürge. Weil sie nun viel von des Rübezahls Betrieb erzählen gehöret, wie die, so ihn geschimpft und herausgefordert, wären abgewürzt worden, konnten sie gleichwohl ihre Possen nicht lassen, meineten, es wäre an der Sache wenig oder gar nichts. Sobald sie ein gut Teil des Gebürges hinüber mit schönen klaren Wetter zurückegeleget hatten, vermeinten sie, gewonnen zu haben, da es nunmehro bergab gehe, fingen drauf aus Fürwitz an, dem Rübezahl zu spotten, und schrieen: Komm hervor, Rübezahl du Eisenfresser! laß deine schöne Künste auf deinem Gebürge sehen, du Lumpenhund, du Schweinhirt! so du vermagst, tue uns was, hast du Kurage! So unvergleichlich angenehmes Wetter es gewesen, soll sich doch in geschwinder Eil ein groß Ungestüm über sie erhoben haben, mit Platzregen vermenget, daß diese vermessene Landsknechte kaum mit dem Leben davon kommen sind, indem es so stark mit Wassergüssen auf sie losgebrauset hat, daß auch die Pferde bis unter die Bäuche im Morast und Wasser zu gehen kamen und hindurch schwimmen mußten, etliche mitsamt den Pferden stürzten, und kamen mit Kummer und Not wieder zusammen. Diese Schnarcher mußten erfahren, daß kein Rübezahlsspötter ungestraft entronnen: wie man denn solche Bestrafung unzählbar von denen nahe am Gebürge wohnenden Leuten gehöret, daß sie für dergleichen Verhöhnung fast allemal vom Ungewitter sein nachdrücklich geplaget worden.

 

23. Rübezahl strafet seinen Lästerer.

Man erzählete mir auch, wie einer mit Namen Michael Hehrhold, der noch itzund am Leben ist und zu Bautzen sich aufhält (welcher auch allhier aus Leipzig seine Frau geheiratet hat etc.), vor Jahren mit andern Burschen aus Schmiedeberg auf dem Gebürge gewesen sei, sich droben lustig gemachet und guter Dinge gewesen, teils weils die Compagni so mit sich gebracht, teils auch, weil das schöne und beständige Wetter nichts anders hat wollen zulassen: drüber obgedachter benannter kurzweiliger Mann so nichtig und verwegen geworden, daß, wie er nunmehr vom Berge ohne Anfechtung herunter gewesen und schier zu Kirsdorf mit den Seinen angelanget, er in diese Worte herausgebrochen: Nun, du Rübezahl, ich habe mein Lebtage viel von dir gehöret, daß du treffliche Possen könnest machen, aber ich habe es noch allbereit von dir nicht erleben können, daß ich auch etwas von dir gesehen hätte; darumb schere dich heraus, du Schelm, du Dieb, du Hundsfutt, und lecke mich hie im Arsche! Drüber er denn seine Hosen vom Fetzer heruntergezogen und den bloßen Hindern zum Berge hinauf geweiset. Aber höre, wie es ihme belohnet wird: kaum hatte er seine Hosen wieder mögen hinaufziehen, da war ein ungeheures Wetter erfolget, mit solchem Donner, Blitzen, Krachen und Platzregen, daß sie nicht anders gedacht haben, es würde der Jüngste Tag kommen; ja, er soll noch Gott mit den übrigen gedanket haben, daß sie dem Ungewitter lebendig entronnen sein und in eine Beherbergung geraten. Das heißet, man soll den Hänger nicht an die Wand malen, er kömmt wohl selber. O, wie vielen hat der Luftfürste also abgegeben, die ihn geäffet haben! Denn niemand ist ungerochen sonderlich davon gekommen, der ihn in seiner Nähe, bei und auf seiner Klause, beschimpfet hat: wie solches häufige Ausgänge gnugsam bezeugen. Doch gnug.

 

24. Rübezahl setzet einem eine lange Nase an.

Im nächsten Dorfe am Gebürge soll vor diesem ein Bauerhache oder Pferdelümmel vielmal auf den Rübezahl geschmälet haben, daß er ihn einmal verführet und auf den Irrweg gebracht gehabt. Über dieses Gefluche soll auf eine Zeit der ungedultige Geist zumaße gekommen sein und den unbescheidenen Rülpsen gefraget haben, ob er denn sein Lebelang nicht mehr zu Rübezahlen zu kommen gedächte: als der sich vielleicht noch weiter rächen würde, dieweil er auf ihn so stänkerte und lästerte? Drauf soll der Ochse gesaget haben: Was schier ich mich umb den Rübezahl; er soll lange warten, ehe er mich wieder habhaft werde oder ich zu ihm nahe. Drauf hat der Rübezahl zur Antwort gegeben: Wie, wenn er denn einmal zu dir käme und deinen Lohn mitbrächte? Und hiemit hat er ihn (den Knecht) an sein Dampfhorn oder des Kopfs Feuermäuer gegriffen und wacker gezerret, bis er einen hübschen großen Nasenpöpel, einer halben Ellen lang, heraus gebrocket und den Flegel damit umb seine Brotfutze geschmieret gehabt, und endlich hiemit verschwunden. Dem Knechte aber soll hernach allezeit gedauchet haben, daß er wahrhaftig so eine lange Nase hätte, daß er drüber fallen möchte, wenn er sie nicht aufhübe.

 

25. Rübezahl macht einer Magd einen Ziegenbart.

Vor wenig Jahren hat eine Magd hart am Berge gegraset, so etwan aus dem nächsten Dorfe gewesen. Indeme sie auf der Wiese ihres Tuns abwartet und das Gras herunter sichelt, so singet sie darzwischen allerhand possierliche Liederlichen vom Rübezahl (ei, ei, wer dieselben auch hätte, der könnte hören, wie sie klingen. Nimm du aber dieses hieraus, daß die Sache vom Rübezahl in Schlesien so gemein sei, daß man Sprichwörter und Reime davon macht etc.). Indem nun also diese Magd in dergleichen Andacht begriffen, siehe, da kömmt der Rübezahl in eines Bauren Gestalt zu sie, fraget, ob sie vom Rübezahl nichts gehöret hätte? Und ob sie ihn gerne sehen möchte? Er wollte ihr ihn gleich zeigen. Drauf soll die Magd gesprochen haben: Nein, ich begehre ihn nicht zu sehen; wer weiß, was er mir zum Schabernacke tun möchte. Und indem greift der Rübezahl ihr an den Kinn und gehet davon. Wie nach diesem die Magd mit ihrer Hucken Gras in das Dorf gegangen, da lachen sie alle Leute aus und fragen, wo sie zum Ziegenbart gekommen wäre. Die verhöhnete Magd greift ihren Kinn in die Quer und in die Länge an und bespiegelt sich bald unten bald oben, teils in ihrem Dreihellers-Spiegel, den ihr der Knecht vergangene Messe gekauft hatte, und findt kein Arschhaar vom Barte an ihre Schnauze, wie lange sie auch damit zukehre gehet, denselben, da sie mit verwirret worden, selber zu schauen. Immittelst bliebe es dennoch aber dabei, daß sie alle Bauerhachen Klaus und Hans etc. aufzogen, daß sie einen stopflichten Ziegenbart hätte. Nämlich, sie hatten eigentlich solchen Bart umb ihre Gosche vermerket, nachdem sie der Rübezahl auf der Wiese gezeichnet und an das Kinn gegriffen hatte: da sie denn auch ihr Lebelang sich also hat mit dem gemachten Bart schleppen müssen, ungeachtet, daß sie nichts davon gewußt hat. Sehet, also hat mancher was und weiß selber nichts drüm. Viele haben Hahnreis Hürner und haben sie ihr Leben lang nicht begrabbelt; viele haben Schwäger und haben sie niemaln also geheißen noch dafür erkannt. Also hat auch diese Magd ihren stutzhaftigen Ziegenbart, ob sie es schon selber nicht glauben noch merken kunnte. Sie ging damit zu Bette, sie stand damit auf. Sie melkete damit (mit der Hand meine ich, doch mit einem Ziegenbarte ausgestaffieret) die Böcke, die Kühe wollt ich sagen. Sie ging damit (mit ihren Pfoten meine ich, doch war der Ziegenbart nicht über drei und sechs Spann davon) zu Markte. Sie ging damit zum Tanze und sprang bald viertel- bald ellenhoch damit herumb, und ob sie ihn schon nicht striche und betappete, so kriegten sie die Knechte dennoch dabei und trieben ihr Gelächter mit sie, bis sie endlich gar zur Närrin ward. Lasset mir das eine barbatam venerem sein und ehrbare Jungfer. Das beste ist hierbei, daß sie ihn nicht durfte putzen lassen und ein übriges Geld auf ein Schermesser wenden. Er nahm nicht ab noch zu, sondern blieb allzeit in einer Größe. Doch gnug von dieser Bart-Ilse; ich begehre nicht ein Haar weiter von sie, sondern will ihren Ziegenbart hinführo ungeschoren lassen.

 

26. Rübezahl bildet einem Eselsohren ein.

Vor eilf Jahren soll ein Häscher aus Schmiedeberg dem Rübezahl verunglimpfet und ihn übel nachgeredet haben. Drauf soll es sich erzeiget han, daß der Galgenschwengel einmal aufs Gebürge gekommen, da ihn der Rübezahl ertappet und seine unnütze Schnauze also eingetrieben hat. Nämlich er soll ihn gefraget haben, ob er von Rübezahl nicht was gehöret hätte; drauf soll der Rübezahl den eilfertigen gribhominem bei der Kartause gekriegt haben, sagende: Halt Bruder, hastu keine Ohren? ich will dir ein paar Horchlöcher machen, daß du es dein Lebtage nicht vergessen sollst. Und wiewohl dieser Gedemütigter keine Veränderungen eigentlich an seinen Ohren verspüret, so ist er doch andern Leuten sein Lebelang nicht anders fürgekommen, als wie er ein paar ungeheure Horchtauben hätte, als aller Hasen Großmutter, und ist auch auf diese Weise unaufhörlich damit gedrillet worden, bis daß er sich auf allerhand Mittler besonnen, damit er das Midaswerk verdecken und unkenntlich machen möchte. Aber es hat nichts darwider wollen helfen: ob er gleich noch so eine große Parücke gebrauchet, einen breiten Hahnreis-Hut zugeleget oder sich sonsten umhüllet gehabt, so sind doch die beiden Ohren über alle Maße auf beiden Seiten über halb Ellenslang herausgestanden oder männiglich vorgekommen, daß es unmöglich gewesen, sich dafür zu verbergen. Doch ist endlich vermerket worden, daß sich das Ding verloren, wenn er seine eiserne Sturmhaube aufgesetzet und darneben den Häschersflegel auf die Schulter genommen. Welches er denn täglich, ja stündlich getan und sich in erklärter Positur immer wie ein gewappneter Stutzers-Monsieur hat sehen lassen.

 

27. Rübezahl nimmt eine Gestalt etlicher Flegel an.

Es hatte vor etlichen Jahren ein unbescheidener Bauer auf den Rübezahl vielmal geschmälet, solchen bezahlte der beleidigte Geist auf folgende Art. Nämlich, wenn der Bauer mit seiner Drescherbursche in die Scheuren gegangen war, das Korn auszuschlagen, da konnte keiner die Flegelklöppel oder Bolzen niederschlagen, sondern sie blieben allzeit in der Höhe und schrieen Hundsfutt. Drüber einer den andern ansahe, und vermeineten, es täte ihnen einer unter ihnen diesen Schabernack; liefen bald zusammen, schmissen und prügelten sich erbärmlich ab, daß sie mehr Blutstropfen aus dem Leibe als Körnlein aus dem Strohe brachten. Immittelst schriee der Rübezahl noch immerfort sein Hundsfutt, und fing in Gestalt der Dreschflegel auf die Bauren loszuprügeln, daß sie wie die närrischen Ochsen aus der Scheuren liefen und froh waren, daß sie nur von den Flegeln erlöset worden: da sonsten im Widerspiele die Flegel lustig sein und triumphieren, daß sie aus ihrer Tribulierer Fäuste entrinnen.

 

28. Rübezahl verwandelt sich in einen Botenspieß.

Es soll einsmals ein Bote den Rübezahl geschabernacket haben, welcher sich auf solche Art gerächet und seine Scharte ausgewetzet hat. Nämlich, wie dieser Bote auf dem Gebürge in eine Herberge eingekehret gewesen und sein Spieß hinter die Türe gesetzet gehabt, siehe, da soll der schnakische Geist denselbigen Spieß weg partieret und sich in ein gleiches verwandelt und dargestellet haben. Wie also der Bote, nach geschehener Ausruhung, abgereiset und sein Spieß hervorgesuchet, auch damit alleweile auf dem Wege gewesen, da gleitet er etlichemal aus, daß der Bote ohn Unterlaß für sich mit der Nase in den ärgsten Dreck fällt und sich wie eine Sau besudelt. Ja also ofte war es geschehen, daß der Kerl seinem Leibe kein Rat gewußt, wie er mit seinem Spieße dran wäre und warumb es so ausgelippert oder in der Erden nicht haften wollte. Er besiehet es in die Quer und in die Länge bald unten bald oben, und findet keine gesuchte Veränderung. Gehet drüber mittlerweile ein wenig weiter fort, budutzt liegt er abermal in Morast: und schreiet ach und weh über seinen Spieß, daß er ihn so verließ und keine Hülfe verhieß. Doch richtete er sich aufs neue empor und kehret den Spieß umb auf der andern Spitze: wie dieses geschehen, da fällt er allemal rücklings in den tiefsten Dreck; und hatte er vorher sich vorne beschmutzet, so bescheißt er sich nunmehr hinterwärts noch ärger und siehet wie ein leibhaftiger Misthammel aus, der dem Hänger aus der Bleiche entlaufen. Drauf nimmt der albere Schöps sein Spieß auf den Nacken wie ein Pikenier, weil es so auf der Erden kein Guts tun wollen, und gehet also wie ein rechter Finkenritter daher; doch lässet der spießbare Rübezahl dennoch seine Hudelei nicht, sondern drücket den Boten, als wenn er etliche doppelte Hocken trüge, und dannenhero von einer Schulter zur andern die verspürete Last hebet, bis er endlich aus Unleidigkeit den ungearten Spieß in des bösen Feindes Namen wegwirft und bloß davon gehet. Aber wie er etwan eine viertel Meile also unbespießet gereiset und sich ungefähr einmal umsiehet, siehe, da lieget sein Spieß bei ihm: drüber er sehr erschricket und nicht weiß, wie er dran ist. Er fasset dennoch endlich getrost zu, hebet den Spieß auf und weiß nicht, wie er sich ferner damit gebärden soll. Daß er ihn an die Erde setzete, hat er keine Lust mehr; daß er ihn auf den Puckel fassete, trug er einen Abscheu: drumb nahm er ihn in die Hand, also daß er ihn mit der Erden parallel trug. Aber, siehe abermal, da wird ihm desselben Seiten Fuß so schwer, daß er ihn nicht aus der Stelle bewegen vermochte; und wiewohl er umwechselte aus einer Hand in die ander, so wollte es doch nicht anders werden, sondern blieb bei der alten Geige. Drauf nahm er es noch auf eine andere Weise mit seinem Spieße vor: nämlich er ritte drauf, wie ein Kind auf den Stecken. Und auf diesem Schlag ging es vonstatten, wie es geschmieret wäre: nämlich er kam eilends fort, fühlete keine Müdigkeit, und dauchte ihme nicht anders, als wenn er ein schnelles Roß oder Beifuß unter sich hätte. Er ritte aber ohne Aufhören also immer fort, bis er vom Gebürge in ein Städtlein kam und den Bürgern ein sonderliches Gelächter erregete. Hatte dieser Bote sich nun also vorhero wacker leiden müssen, so war er dennoch zuletzte wiederumb erquicket worden; und getröstet sich nunmehr eben derselben Erquickung in den andern bevorstehenden Reisen: da er allemal auf sein Spieß zu reiten gesonnen war. Aber vergeblich: denn der Rübezahl hatte seinen Lauf vollendet und seine Lust mit dem Narren gebüßet; drumb er sich aus dem Staube machete und das wahrhaftige Spieß unvermerket wieder zu Wege brachte, welches keine Possen mehr machte, sondern auf die alte Manier wie ein ander Spieß sich mit seinen Herrn verhielte.

 

29. Rübezahl erlöset einen Schuhknecht aus dem Galgen.

Es erzählte mir unlängst ein guter Freund aus Breslau, daß ein klein Städtlein etwa zwo Meilen vom Riesengebürge gelegen sei, daselbsten soll sich ein Schuhknecht bei seinem Meister aufgehalten haben, der in Gewohnheit gehabt, gar ofte nach dem Gebürge hin zu spazieren, wenn er mit seiner Gesellschaft einen guten Montag gemacht gehabt. Nachdem er aber ein lustiger Kopf und verwegener Kumpe gewesen, so soll er sein Vexieren mit dem Rübezahl nicht haben lassen können, sondern soll ihn ohn Unterlaß angefochten, herausgefordert und sonsten verschimpfieret haben. Unter andern Schmähwörtern aber hat er den Berggeist stets zur Verhöhnung einen Rübenschwanz genannt, sagende: Schier dich runter, du Rübenschwanz, und laß sehen, was du vor Künste kannst! Mit diesen und andern losen Worten mehr soll der grobe Gesell den Bergherrscher vielmals geäffet haben, welches denn der Geist allezeit schmerzlich befunden und nach seiner alten Manier stets ein Wetter deswegen erreget hat, dem giftigen Spottvogel auf seinen Kopf zu bezahlen. Aber weil jener Verleumder niemals aufs Gebürge selbsten gekommen, sondern allezeit unten geblieben, da des Rübezahls Gebiete aufgehöret oder sich kaum so weit hinaus erstrecket, so hat er seinem Widersacher wenig abzuhaben vermocht mit solchem erregten Donnerwetter oder Platzregen. Doch ist dennoch der erzörnete Berggott auf eine andere Rache auszuüben oder Hinterlist zu stiften bedacht gewesen, welche er auch auf folgende Art ins Werk gesetzt. Nämlich, wie der Schuhknecht von seinem Meister Abschied nehmen und von hinnen anderswohin wandern wollen und hierzu sich allerdings fertig gemacht, auch mit seinem Felleisen, da er hinein gesteckt, was etwa nur sein Eigenes gewesen -- der Rübezahl aber hat nachdem etliche Sachen aus des Schusters oder Meisters Kasten heimlich genommen, nämlich einen silbernen Becher, etliche silberne Löffel, samt nicht wenigen schönen Schaupfennigen, und hat solches alles unvermerkt in des Reisefertigen Felleisen gepartieret; darmit auch der Schuhknecht auf- und darvongegangen, bis nicht lange hernach, zweifelsohne aus Eingeben des Rächers, der Schuster seinen Raritätenkasten oder Kleinodienkiste eröffnet und einen neuen Schaupfennig zu den vorigen hat tun wollen. Siehe, was der Henker nicht tut: da wird er in großer Bestürzung gewahr, daß seine herrliche Schätze geraubet gewesen, hält drauf Nachfrage im ganzen Hause, ob er möchte hinter den Täter geraten. Wie er seine Hausgenossen aber alle unschuldig befindet, besinnet er sich auf seinen abgeschiedenen Knecht, als wenn der ihme wohl dürfte das Schelmstück gerissen und den Dankhab hinter sich gelassen haben. Eilet derhalben hinter ihm daher und ertappet ihn etwa auf anderthalb Meil Weges vom gedachten Städtgen; packt ihn an, setzt ihn zu Rede und fraget gar scharf von ihme, ob er nicht ungefähr dieses oder jenes Verlornes gesehen oder ungefähr zu sich gesteckt hätte? Der Schuhknecht antwortet gar freudig, er wüßte von solchen bezüchtigten Sachen das Geringste nicht, so hätte er ihm aufrichtig und nicht schelmisch gedienet; wollte er es nicht glauben, so hätte er seinen Ränzel da, denselben wollte er freiwillig aufschließen und alles herauslangen, was drinnen vorhanden wäre. Hierauf nimmt er die Untersuchung für die Hand und fänget an, seinen Reisesack auszuleeren, und bekommt auch unverhofft des Schusters vermissete Sachen in die Hand, drüber er erschrickt, der Schuster aber lustig wird. Was sollte der gute und unschuldige Knecht machen? Er entschuldigte sich aufs Äußerste und beteuerete es, daß er gar nichts von diesem ungefährlichen Diebsstahl wüßte; es müßte diese entfernete Sachen ihm ein anderer aus Rachgier heimlich beigebracht und mit eingeschoben haben, sonsten könnte ers mit Gott beteuren, daß er von solcher Entwendung nichts gewußt habe. Aber der Schuster kriegt ihn bei der Kartause, schleppt ihn fürs Gerichte und läßt ihn vollends nach Hause führen, da er eingesteckt und endlich zum Tode des Galgens verdammet wird; da er dennoch aber immer standhaftig, nach seinem guten Gewissen, darbei verbleibet, daß er unschuldig zu diesem Falle komme, gedenkende, daß er zwar gerne sterben wollte, weil er es vielleicht sonsten an dem lieben Gott möchte verschuldet haben, daß er diesen Gang gehen müßte, aber dieser Diebstahl brächte ihn mit Recht nicht darzu. Was geschicht? Wie itzt der letzte Tag anbricht, da er soll gerichtet werden, da kommt Rübezahl zu ihm ins Gefängnüs, doch in unerkannter Gestalt, und fraget ihn, was er hie mache? Jener antwortet: Was soll ich leider machen? Hier wollen sie mich heute ohne Henkers Dank henken, weil ich soll was gestohlen haben, da ich doch kein Dieb nicht gewesen bin. Drauf der Rübezahl antwortet: Siehe, mein Kerl, diesen Schimpf habe ich dir gemacht, weil du mich ofte mit deiner unnützen Schnauze angetastet und ohn Ursache droben Rübenschwanz angeschrien hast; doch will ich dich hierumb nicht gänzlich verderben lassen, sondern nach erlittener Inkarzerierung gleich itzt erlösen. Drauf hat er ihme die Ketten und Bande abgemacht und sich selbsten hineingeschlossen. Weiter hat er den Schuhknecht auch unsichtig gemacht und aus der Verhaft herausgebracht, auf freien Fuß gestellet, daß es kein Mensch inne geworden. Noch weiter soll er auch dem Schuhknecht befohlen haben, daß er umb eine Weile, nach geschehener Exekution, in der Stadt rumgehen und sich öffentlich zeigen soll, weil er nunmehr sicher und außerhalb aller Gefahr lebete. Und indeme kommt ein Pfaffe ins Gefängnüs zu dem armen verstellten Sünder, nämlich dem Rübezahl, hält an, er soll fleißig beten, sein letztes Stündlein sei nunmehr vorhanden; ja er müßte jetzund zu guter Letzte hier alle seine Sünden bekennen und beichten, drauf wolle er ihm das Abendmahl reichen. Des Rübezahls seine Gegenred aber war immer gewesen diese: Päperle päp. Und so soll er etliche tausendmal gesagt haben, wie ihme der Pfaffe anmuten wollen, daß er müsse Buße tun und andächtig beten. Wie nun aber hieraus nichts anders hat werden wollen als lauter Päperle päp, so sollen die Gerichte dennoch umb reife Zeit den päperlepäpischen Rübezahl zum Tor hinaus geführet und an den lichten Galgen gehängt haben, darzu er dennoch immer sein gewöhnliches und schnakhaftiges Päperle päp gesaget, bis der Diebshenker von der Leiter wieder herunter gewesen, da sie alle miteinander eine große Schütte Stroh am Galgen gesehen und behalten haben. Hierüber soll das Städtlein bis auf den heutigen Tag seine Gerechtigkeit oder Gerichte verloren haben.

 

30. Rübezahl ziehet auf wie ein großer Prinz.

Es sollen einsmals etliche geistliche Personen mit Fleiß und denselben Fürsatz auf das Gebürge gegangen sein, damit sie den Rübezahl sehen möchten; gedachten derenthalben seiner in allen Ehren auf dem Berge. Drauf erhebet sich ein sonderlicher Tumult, weil die Straßen nicht weit oder ferne von seiner Wohnung ist, von vielen Reutern wie Karreten und vielen reisigen Gezeuge, als wie eine ziemliche wohlbestallte Hofstadt hinter sie herkäme, dabei ein Grafe oder Fürste wäre. Wie dieser Aufzug immer näher und näher zu diesen Geistlichen kam und ihnen endlich zur Seiten geriet, da haben sie sich gedemütiget und tief niedergebogen, in Meinung, es sei ein großer Potentat. Aber nachdem dieses Gesichte vorbei gewesen, da soll sich ein großes Gelächter angehoben han. Draus die Pfarrherren geschlossen und vermerket, daß sie betrogen gewesen, und dennoch nunmehr recht sagen könnten, daß sie den Rübezahl gesehen. Doch gnug.

 

31. Rübezahl ladet einen durch die Afterpforte zur Gasterei.

Einsmals ist ein guter Mann mit einem andern, welcher in der Nähe gewohnet, spazieren gegangen in gar heimlichem Wetter; der bittet seinen guten Freund, ob er ihm nicht könnte Rübezahlen weisen, er möchte ihn gerne sehen. Sie gehn ein wenig fort, so sehen sie einen Baum mit einer Zwiesel, inmitten der Zwiesel steht er und weiset ihnen reverenter den Hindersten, und machet ihnen ein Wetter und solche Kälte, daß er umb Gottes willen gebeten, er sollte ihn wieder zurückbringen, er müßte sonst erfrieren.

 

32. Rübezahl dankets einem, der ihn durch die Hintertür zu Gaste ladet.

Einsmals auf dem Naumburger Markte reisen etliche vornehme Kaufleute und haben ihre Söhne, welche zu Leipzig studieren sollten, bei sich; reisen auf Schmiedeberg zu, zu ihren Freunden, lassen auch Hirschbergische Kaufleute nebenst ihren Söhnen, welche auch nach Leipzig zu studieren gezogen, holen und gehen miteinander auf das Gebürge; bleiben über Nacht droben, haben ihre kalte Küche wie auch Bier und Weine mit, welche sie mit sich hinauftragen lassen; nehmen auch Jungfern mit sich, sein lustig und guter Dinge, gedenken des Geistes nicht. Wie sie aber den anderen Tag mit schönem hellen Wetter wieder zurückkommen und unter dem Berge sind, ist ein guter Freund, ein kurzweiliger Mensch, mit ihnen; der ziehet seine Hosen hinab und weiset salv. Hon. den Hindersten hinauf, sagende: Rübenzahl, Rübenzahl, man sagt viel von dir, du könntest Wetter machen; hast du ein Herz, so tue es, oder ich halte dich für ein Hundsfutte und rechten Bärenhäuter. Ehe er das Wort ausredet, da es so schön helle gewesen, so kommt ein Wetter, daß sie nicht anders meinen, der Jüngste Tag käme; sind alle miteinander, Manns- und Weibspersonen, durch und durch naß worden und haben ein gutes Treugetuch zu Hause gesucht.

 

33. Rübezahl tut einem unbescheidenen Zutrinker Bescheid.

Ein schlesischer Student erwähnte gegen mir, daß unlängsten ein paar Kaufdiener aus Breslau über das Gebürge reisen wollen, darzu sie einen Gefährten gedungen haben, nämlich einen Mann von selbigem Gebürge, als der die beste Bahne könnte zeigen und ihnen am richtigsten in Böhmen würde verhelfen; zur Reise aber hatten sie sich mit Proviant versehen und auf ein Interim eine Flasche Bier mit sich genommen. Wie sie aber unterwegens gewesen, hatte ihnen gut gedeuchtet, ein wenig zu speisen und zu trinken, darzu sie sich denn hatten niedergesetzt; drüber einer ungefähr den Rübezahl in der Ferne auf einem Baum sitzen siehet. Dieser nun, wie er ein lustiger Kumpe gewesen war, also hatte er flugs, die Flasche in der Hand habende, gesaget: Es gilt dir, Rübezahl! Drüber ihr Bote war erschrocken und flugs aufs Gesichte niedergefallen, dem Geiste gleichsam eine abbittliche Ehrerzeigung für den ruchlosen Gast zu tun, wie die Leute denn droben also sollen gewohnet sein, wenn sie den erzörneten Berggott versöhnen wollen, als den sie ohne das nicht provozieren, ärgern oder äffen, weil sie seine Ein- und Beiwohner sein. Aber was geschiehet weiter drauf? Wie der Kramersdiener kaum die Flasche niedergesetzt hatte, da war Rübezahl in der Furi herunter gefahren kommen, hatte die Flasche mit sich in die Luft gerissen, solche erstlich zusehens ausgesoffen und hernach herunterwärts auf den Boden geworfen mit solchem Ungestüme, daß sie, ich weiß nicht in wieviel Stücke, zersprungen. Ferner hat er hierauf ein gräßliches Ungewitter erreget, daß sie nicht anders gedacht hatten, als es käme der Jüngste Tag, wie sie denn auch kaum ihr Leben darvon gebracht haben. Das heißt einem unbescheidnen Gaste Bescheid tun.

 

34. Rübezahl zaubert etlichen Küh- und Ochsenköpfe an.

Es soll sich auch auf eine Zeit begeben haben, daß Rübezahl sich in eine verlassene Herberge gemachet und sich wie ein stattlicher Wirt erzeiget, indem es sich begeben, daß unterschiedliche vornehme Leute vorbei gereiset und sich über Nacht allda haben gastieren lassen. Zwar anfänglich, wie die Gäste angekommen, ist wenig Köstliches zu sehen gewesen: aber in kurzer Zeit waren die Tische gedecket und lagen auf Bänken herumb etliche leere Fasse und große Klötzer, darinnen staken Hahnen, wie sie sonsten in den Fassen zu sein pflegen. Noch ferner hat der Rübezahl das eine Fenster in den Saal hübsch wie ein Schrank vermacht; den tat er auf und nahm immer eine Schüssel nach der andern von Essen heraus und satzte sie auf den Tisch: ein Teil war kalt, ein Teil noch ein wenig warm. Und als er dies vorgetragen hatte, meineten die Gäste, es wäre nun alles geschehen: da gehet er abermals hin und bringet noch mehr Gerichte. Da fingen sie erst an, sich zu verwundern, wo das herrliche Essen herkommen möchte und wie er so viel drinnen beherbergen könnte. Aber sie schweigen doch stille und hätten gerne getrunken; fragten, ob nicht was zu trinken vorhanden wäre. Der unerkannte Rübezahl nahm einen Stab, schlug an die Wand. Da kam ein schöner Jüngling heraus, ganz wohl wie ein Teutscher gekleidet und gezieret; der hatte zweene güldene Becher in seiner Hand, darauf stunden des türkischen Kaisers Namen und Wappen: ging hin zu dem einen leeren Fasse und zapfte einen guten spanischen Wein heraus, satzte den auf den Tisch und ließ sie den versuchen. Bald schlug Rübezahl auf eine andre Seite der Wand: da kam herfür eine hübsche Jungfrau, hatte einen ganzen Korb voller schöner kunstreicher, güldener und silberner Trinkgeschirr, darunter vieler Fürsten und Herren Namen und Wappen waren und sonderlich des Königs in Frankreich und Spanien und anderer vornehmen Prälaten, daß sie gnug daran zu sehen hatten. Diese Dame ging hin zu dem dürren Klotz und Stock, zapfte einen guten und köstlichen rheinischen Wein heraus und gab ihn den Gästen. Oben über dem Tische hing ein hölzern Rohr: wenn einer ein wenig Wasser haben wollt, so hielt er sein Geschirr an das Rohr, da lief das Wasser hinein so lange, bis er an das Rohr klopfet; doch wußte niemand, wo das Wasser hinein käme, denn es hing oben an einem Zwirnsfaden. Über das lagen auch noch andere Fasse darbei, aus welchen allen spanische, ungarische und andere Weine gelassen wurden, dergleichen von den Gästen vor diesen niemalen gekostet worden. Nach diesen brachte der Rübezahl noch mehr Speise von seltsamen Vögeln und wunderlichen Fischen, deren in Schlesien nicht gefunden. Und als die Gäste nun fröhlich waren, kamen unterschiedliche andere Geister, in Spielleuten Gestalt, mit einer lustigen Zunft; hatten alte Fiedeln und schrapten drauf etliche Graseliedlein. Bald nahmen sie andre Instrumenta und erzeigten sich fröhlich; ja, sie waren so lustig und fröhlich, daß die merklichen und kurzweiligen Stücklein nicht alle können erzählet werden. Wie sie nun das Mal gehalten hatten, da griff Rübezahl wieder in seinen Schrank und brachte herfür allerlei seltsame Früchte, so in Spanien, Frankreich, Niederland, Arabia, India und Griechenland wachsen, von herrlicher, frischer Würze und andern schönen Gewächsen, so man mit Lust und Lieblichkeit essen und genießen kann: welche zum Teil den Gästen bekannt, zum Teil aber unbekannt gewesen. Auch waren dabei allerlei Blumen und wohlriechende schöne Kräuter, daß sich hoch zu verwundern. Und als sie eine gute Weile fröhlich gewesen waren, fähet einer an unter ihnen und spricht zu Rübezahlen: Herr Wirt! ich bitte freundlich, ihr wollet uns doch auch ein hübsch kurzweilig Bössigen sehen lassen. Der Rübezahl antwortet und saget: es wäre gnug auf diesmal, er (der Gast) hätte neben andern Herrn gnug gesehen; welches sie sämtlich bekannten und sagten, daß der Kurzweil ein großer Überfluß gewesen. Aber er hielt weiter an und wollte nicht nachlassen: bat nur noch umb eins zum Schlaftrunk. Da sprach Rübezahl, es sollte geschehen. Bald hernach in einem Hui bekömmt derselbe einen Ochsenkopf mit großen Hörnern, recht wie ein solch Tier. Die andern Herren fangen an, seiner zu lachen und zu spotten. Dies verdreußt ihn und will sich verantworten mit Schelten: fähet also greulich an zu brüllen und zu brummen wie ein rechter natürlicher Ochse. Bald wollte er einen Becher ins Maul nehmen und trinken, da kunnte er sich auch nicht darzu schicken: die Lappen am Maule waren ihm zu groß; da brachte Rübezahls sein Knecht Wein in einem Fasse, da tät er einen guten Suff. Also hatten die Herren ihre Phantasei mit dem Ochsen und günneten ihme diesen Schalkspossen gar wohl. Unterdessen kömmt das Geschrei an dieses Gastes Ehefrau, indem sie auch nebenst andern Gefährten bei Rübezahl einkehrte und ihrem Manne nachreisete: die erfähret, daß ihr Ehemann einen Ochsenkopf habe. Sie gehet geschwinde hinein und findet es also. Da machte sie sich mit losen Worten an den Rübezahl, fluchte ihm sehr: warumb er ihren Mann also verschimpfet hätte? Rübezahl gab der Frauen gute Worte, hieß sie stille schweigen; also täten auch die andern, aber es war umbsonst. Da zauberte der Rübezahl der Frauen einen Kühekopf auf mit feinen Hörnern. Da ward das Gelächter noch größer, und wollte die Frau viel Windes machen, hub an zu plarren, desgleichen auch der Ochse: da hätte man lustige Gebärden gesehen, wie sie sich stelleten und wie ihnen die Kappen so lustig anstunden. Über solches Wesen schliefen endlich die Gäste miteinander ein und schnarchten die ganze Nacht durch. Wie sie aber endlich frühe gegen den andern Tag erwachten, siehe, da lagen sie in einer Wüsteneien; und nahmen die Begebnüsse des vorigen Tages nicht anders auf als einen Traum. Doch besonnen sich etliche, daß dieser Posse vielleicht ihnen vom Rübezahl widerfähre.

 

35. Rübezahl gastieret katholische Pfaffen.

Diese Geschichte hat mir geschrieben übergeben ein alter und erfahrner Schlesier, deme der großgünstige Leser gewiß und leichtlich einen Glauben beimessen kann und soll, nämlich: Einsmals reisen etliche katholische Priester mit etlichen Studenten in Polen nach Posen zu; wie sie aber auf den Berg kommen, treffen sie ein Wirtshaus an: darinnen waren viel Leute, hatten Spielleute und waren lustig. Weil es aber späte war, so bitten die Herren Geistlichen umb Herberge. Der Wirt saget, sie wären vornehme Leute und geistliche Personen; er wüßte nicht, was er ihnen vor Lager machen sollte; sie müßten mit einem Strapudio vorlieb nehmen. Ja, ja, sagten sie, es wäre alles gut. Er traktieret sie mit Essen und Trinken wohl; bekommen gute Räusche und legen sich aufs Lager, schlafen ein und ruhen alle wohl, fragen aber den Wirt zuvor, was sie schuldig wären: sie wollten früh morgens zeitlich aufsein; ob er auch Branntwein hätte? sie wollten früh vorher einen trinken. Sagt der Wirt, sie sollten früh morgens bezahlen und einen guten Rausch an dem Branntwein mitnehmen; er wäre willens, ihnen einen Gefährten auf ein paar Meilen mitzugeben. Das war den guten Herren lieb, daß sie den Wirt zu einem Gefährten kriegten; schliefen mit Freuden drauf ein. Als sie erwachten, so lagen die guten Herren alle unter einem Galgen: das war ihr Wirtshaus gewesen; was sie nun für Speis und Trank genossen, weiß ich nicht. Gott segne es ihnen!

 

36. Rübezahl spendieret ein gut Trinkgeld für genossene Herberge.

Einsmals reiset der Ronzival aus mit dreißig Pferden und drei Trompetern, hat seine kalte Küche nebenst dem Koche bei sich und kommt zu einem von Adel, lässet ihn umb Herberge bitten: er dürfte ihme nichts geben, er wollte ihm auch keine Ungelegenheit machen. Wie er speiset, so schickt er dem Wirte acht Speisen von seinem Tische oder Tafel; der Wirt aber bedankt sich und will solche nicht annehmen, schickt sie nebenst freundlicher Danksagung wieder. Früh morgens, ehe er wegreiset, so frühstückt er zuvor. Unter andern schickt er dem Wirte wieder etliche Speisen, worunter eine Schüssel verdeckt gewesen und mit lauter Dukaten angefüllet, und lässet sich guter Herberge bedanken.

 

37. Rübezahl erläßt Edelgesteine hinter sich.

Vor der Reformation, da es in Böhmen noch lutherisch und evangelisch gewesen (da es itzund kaum epistolisch, katholisch wollte ich sagen, ist), zu solcher Zeit ist ein Pfarrherr übers Gebürge gegangen samt seinem Küster, in willens, eine Kindtaufe herüberwärts zu verrichten. Indem er aber mit seinem Handlanger wandert, da soll er ungefähr bei der einen Schneeküppe eines Italiäners am Bächlein wahr geworden sein, der viel kleine Steinlein über einen Haufen da heraus gelesen und neben sich hingelegt gehabt. Wie er solchem etwas näher geraten, da war der vermeinte Italiäner eilends davongesprungen und hatte alles im Stiche gelassen, was er gesammelt: der Pfarrherr aber hatte unterdessen etliche Steinlein zu sich in sein Schnupptuch gestecket und war darmit vor die lange Weile weggegangen, hatte sie auch beim Goldschmiede versuchen lassen und befunden, daß es köstliche Edelsteine gewesen, derentwegen er bald drauf eben des Weges gegangen, die übrigen Steine zu suchen; aber da war weder Steingen noch Bächlein zu sehen gewesen, ob er gleich die vorige Stelle betreten; wiewohl dem Pfarrherrn auch vorhero soll Wunder genommen haben, daß er allda ein rinnendes Bächlein ausm Berge vermerket, als der vordessen keinen allda angetroffen, ungeachtet, ob er schon sehr vielmals desselben Weges sich gebrauchet gehabt.

 

38. Rübezahl ist ein Schiefergräber.

Wie einsmals der Freiherr von Schaffgotsch auf der Schneekippe mit den Seinigen gewesen und des Orts vorhero gejaget hatte, da soll ein Page vom Berge heruntergesehen und drunten im Grunde einen Bergmann verspüret haben, welcher einen schönen großen Schiefer vor sich gehabt, den er gleichsam aus dem Berge glücklich herausgebrochen und vollenkommen herausgearbeitet hatte. Solches hat der Diener seinem Herrn angekündiget, welcher begehret, er solle fragen, wie teuer der Schiefer gehalten werde, er selber wolle einen Tisch davon bereiten lassen. Hierauf schreiet der Diener vom Berge herunter: Hört, Bergmann, wie teuer haltet ihr den Schiefer? Mein Herr will ihn behalten. Da hat sich der Rübezahl gestellet, als höre er es nicht: worauf denn jener Diener seine Frage etlichemal wiederholet hat, und es so lange getrieben, bis der Bergmann einmal hinaufgesehen und unmuts gesaget hat: Laß mir deinen Herrn etwas anders tun! Da solches für des Freiherrn Ohren gekommen, soll er gesagt haben: Es ist der rechte. Verstehende, daß es niemand anders sein mußte als das gewöhnliche Gespenste, der Rübezahl. Doch gnug.

 

39. Rübezahl gräbet Rüben.

Es hat mir ein alter Fuhrmann aus Schlesien für wahrhaftig beigebracht, daß er vor zehn Jahren über das Gebürge habe gehen müssen; da ihm unterwegens ein großer Durst angekommen, aber nicht gewußt, wie er denselbigen stillen sollte. Indem er also ziemlich matt gewesen, da siehet er nicht weit von der Straßen einen Mann Feldrüben graben. Zu solchem war er hingangen und hatte umb ein paar dergleichen Rüben fleißig gebeten, die ihm auch nicht waren versaget worden, sondern bald gegeben. Wie nunmehr der Fuhrmann sie habhaft gewesen und sie auch fein saftig befunden, da hat er sein Messer ausgezogen, eine davon geschälet und ganz aufgegessen, wie groß sie auch gewesen; die andern hat er bei sich verwahret gehalten, bis auf weitern Bescheid. Und indem geschiehet es, daß er in ein Wirtshaus unter dem Gebürge einkehret, da er die ander Rübe beim Kopf zu kriegen willens war. Siehe, da zeucht er keine Rübe mehr hervor, sondern in Gestalt einer Rüben ein großes Stück Bergwerk, welches mehrenteils klar Gold gewesen. Das lasset mir einen reichen Rübezahl sein, der lauter Geld zur Verehrung giebet denen, die nicht arglistig, sondern freundlich mit ihm umgehen!

 

40. Rübezahl pflüget.

Es gedachte ebenmäßig der vorige Fuhrmann, daß er gehöret hätte, wie andere Leute über das Riesengebürge gefahren wären und droben einen Bauersmann hätten pflügen gesehen mit drei Ochsen, also daß die Pflugschar sehr tief ins Erdreich gegangen; darüber sich die Leute sehr verwundert hätten, weil es Felsen gewesen. Indem sie nun also bestürzt die neue Art zu pflügen zugesehen, da soll der Ackersmann, oder der verstellete Rübezahl, etliche Steinigen nacheinander mit seinem Stocher auf die Leute zugeworfen haben, bis sie endlich das Gucken nachgelassen und ihres Weges fortgefahren waren. Als diese Leute nun endlich nach Hause gekommen und ihre Sachen herunterräumen, da finden sie unter dem Stroh im Wagenkorbe viel güldene Schlacken, darüber sie sich höchlich verwundern und nunmehr aus Geiz, aber vergeblich wünschen, daß sie dem pflügenden Rübezahl länger hätten mögen zusehen und also reicher geworden wären. Siehe, was der Geiz nicht tut? Indem sie also ohne Nachsinnen wünschen, da verschwindet das meiste unter ihren Händen und behalten kaum ein wenig zur Nachricht und Aufweisung.

 

41. Rübezahl gesellet sich zu einem Müller.

Man höret gar sehr ofte, daß sich der Rübezahl gebären und verstellen solle in solche Gestalt, in welcher die Reisenden, nach Unterschiedlichkeit der Sorten, angetroffen werden. Also soll er sich auch einmal wie ein Müller zu einem andern Müller gesellet haben, ist gleichsam ungefähr auf dem Gebürge zu ihm geraten: hat gefraget, wohin er wolle, und denn auch, ob er ihn zum Gefährten wolle bei sich behalten? Drauf der rechte Müller ein Ja gesprochen und ihme den Gefährten hat belieben lassen. Was geschicht? Indeme sie fortmarschieren, da läßt der Rübezahl seine Nase allgemählich einer Ellen lang wachsen, krieget zwei große Hörner auf dem Kopfe und springet wie ein abscheulicher Satyrus davon: also daß der rechte Müller erschrickt und Gott umb Hülfe anruft, der ihm auch nichts widerfahren lässet.

 

42. Rübezahl verwandelt sich in einen Fleischershund.

Als hab ich mir berichten lassen, daß im vergangenen 1661. Jahre ihrer zween über das Gebürge gegangen, da ihnen unversehens, wie sie des Rübezahls nur in Gedanken erwähnet, ein großer Fleischershund nachgesprungen ist, hin und her gelaufen, bald vor sie eine Ecke weggerannt, bald wieder umgekehret und sich, in vollen Laufe etliche Mal vorbeihüpfend, hinter sie gewandt: also, daß anfänglich die Reisenden nicht anders vermeinet, es werde ein Fleischer darauf erfolgen und sich auf dem Wege zu ihnen gesellen. Aber vergebens ist diese Einbildung gewesen, sintemal kein Mensch darauf erfolgte, der Hund aber dennoch etliche Mal in vollem curir vor sie bei weggesprungen ist und endlich drauf verschwunden: wobei denn alsobald den Reisenden ein Grausen angekommen ist, aber doch weiter gleichwohl nichts begegnet noch erfahren haben; welches freilich nicht würde ausgeblieben sein, soferne sie des hochtrabenden Geistes nur gespottet hätten oder seinen Namen exprimieret. Diese Historie habe ich allhier in Leipzig, flugs nachdem meine erste Edition dieses Rübezahls herausgekommen, von einem glaubwürdigen Bürger gehöret, der mit dem gedachten Reisenden selber daraus geredet.

 

43. Rübezahl verwandelt sich zum Bileamsesel.

Nachdem einsmals ein schnakhaftiger gemeiner Bürger, der sonsten in Kompagnien mit seinen possierlichen Scherzen die Leute hübsch lustig machen gekunnt, im Werke begriffen gewesen, über das Gebürge zu gehen und zwar gar einsam, da hat es sich zugetragen, daß der Rübezahl unterwegens zu ihm genahet, in Gestalt eines andern schlechten Bürgermannes, bei sich habende einen hübschen großen Esel, darauf er geritten. Nachdem sie nun ein Weilchen miteinander gewandert, da hat der Rübezahl den Mitgefährten erfraget, wohin er gedächte? Wie jener nun ein gewissen Ort benannt, darauf er anfänglich zukommen würde, hat der Rübezahl gesprochen: Ei das ist getroffen, und also kann ich vielleicht einen weitern Weg ersparen: nämlich, so Ihr, guter Freund, gebeten sein wollet und mir meinen Esel zu Gefallen damit hinnehmet, und diesen oder jenen (er hatte aber einen gewissen benamet) Manne liefert; ich will Euch zuerst ein paar Groschen zum Trinkgelde geben, zum andern will ich Euch auch erlauben, daß Ihr auf das Lasttier reiten möget und Euren Weg ohne sonderliche Müdigkeit, desto füglicher verrichten. Hierauf hat es jenen beliebet, und war nachdem der unvermerkte Rübezahl durch einen andern Weg abseits gegangen. Wie nun dieser Tropf, deme der Esel anvertrauet geworden, eine Ecke auf das Kreuztierigen geritten und es sich etwas träg erzeiget, da hat ers mit einer Spitzruten geschmissen und etwas weiter angereget; drüber der Esel aus Ungeduld angehoben und mit menschlicher Stimme gesprochen: Schlag, Schelm, schlag! Drüber hat sich der Bereiter entsetzet, und dennoch nach seiner gewöhnlichen Kurzweile gesprochen: Du wirst jo nicht gar der Teufel sein! Und hiermit war er noch etwas fürder gezucket, bis der Esel abermal stutzig geworden und auf dem Wege stehen geblieben. Da hat jener Schnake sich wiederumb seiner Peitsche gebrauchet; drauf der Esel dieses gesaget: Halt inne, Bruder; weißestu nicht, daß dich gleich jetzund in deiner Abwesenheit dein Nachbar zum Hahnrei machet? Hierüber hat sich der Reuter nunmehr recht entsetzet und geschwinde gesprochen: Halt, halt! Nun höre ich erst recht, daß ich mit den Hänger beschissen bin. Du magst deines Weges gehen, und ich will vor mich auch schon die Bahne zu finden wissen. Und indeme wollte er von dem Esel hinunterhutzschen. Aber: Nein! sprach das Bileamspferd: so haben wir nicht gewettet; du mußt mit mir und ich mit dir, wir müssen beide vertrauet beieinander bleiben. Doch wie dem allen, so hatte jener zaghafter Hase sich immer bemühet, vom Esel herunterzukommen; aber er war allezeit inne geworden, daß er gleichsam angebacken wäre und sich durchaus nicht abzwingen möchte, wieviel er gerüttelt, geschüttelt und gezopfet. Mittlerweile aber war der Esel mit dem Aufsitzer, wie das geflügelte Pferd Pegasus mit dem Bellerophontes oder Perseus, über Block, über Stock gesprungen; also daß sie miteinander in einer Eile eine halbe Meile verrichtet. Da es denn geschehen, daß sie an ein seichtes Bächlein geraten, drüber der Weg gegangen. Da war der Esel zwar anfangs noch sichtlich mit hineingegangen, aber weiter hinwärts war er unter ihn verschwunden und zum ziemlichen Stücke schönes Leinwandes oder schlesischen Schiers geworden: drüber der Wanderer aufs neue teils wieder erschrocken, teils auch erfreuet worden; denn es war ihme nunmehr in Gedanken gekommen, daß es Rübezahls Gespüke und Geschicke sein möchte. Hat derohalben das unter sich befundene Pack Leinewand getrost als nunmehr sein eigenes genommen und ist damit nach der ausgestandenen Angst getröstet worden, und hat seinen Weg vollends ohne Irrtum verrichtet. Ja, er hat auch bald darauf gesehen, daß die vormals geschankten Groschen zu Dukaten waren geworden, drüber er noch mehr gejauchzet.

 

44. Rübezahl läßt sein Pferd halten.

Ein Bote von Liebenthal erzählete mir unter andern Schnadrigaken, daß seinem Vater wahrhaftig widerfahren sei, wie er über das Gebürge gereiset, daß allda zu ihm in vollen Sporenstreiche der Rübezahl in eines Monsieurs Gestalt geritten kommen, abgestiegen und dem Reisenden befohlen habe, das Pferd zu halten; da er mit ernsthaftiger Stimme gesaget: Halte mir das Pferd! Auf die praetoriam vocem hat jener flugs Fuß gehalten und dem Befehl gemäß gelebet und das Pferd beim Ziegel gefasset: drüber ist der unerkannte Rübezahl davonmarschieret und, ich weiß nicht wohin, kommen. Mittlerweile hält auf einer Stelle der ertappte Reuterknecht das anvertraute Roß ohn Unterlaß und bemühet sich trefflich, es zu behalten: sintemal es durch zwo ganze Seigerstunden immer gekratzet und mit den Füßen gestampet, also, daß dem Hüter schier bange dabei geworden und seinem Leib keinen Rat gewußt, wie ers enden oder weiter angreifen sollte: sintemal ihm seines eigenen Parts vonnöten gewesen, auf dem Wege fortzugehen und den Lauf zu vollbringen. Auf der andern Seite ist ihm der ernste Befehl auch immer im Kopfe gelegen gewesen, da der Caballier ihm feste eingebunden gehabt, das Pferd zu verwahren; darbei er denn auch endlich auf die Gedanken geraten ist, daß es ihm vielleicht übel ergehen möchte, wenn er das Gaul verwahrloset und nicht wieder überantwortete, leichtlich gedenkende, es möchte ein Ränke darhinterstecken. Wie der Hüter mit diesen und dergleichen Gedanken sich also ängstet, siehe, da kömmt der Rübezahlische Caballier oder Cabballierische Rübezahl gleich hergegangen, sagende: Siehe, hälst du noch da? Drauf jener geantwortet: Ja, Herr, ich durfte ja nicht eher weggehen, als Ihr wiederkamet. Hierauf hat der Rübezahl den geworfenen Pferdemist aufgeraffet und in des Gehorsamenden Schiebesack geschüttet, und solches zwar an etlichen Händen voll, sprechende: Halt auf, halt auf, nimm hin und gehe flugs deiner Wege! Wer war hier froher gewesen, als der nunmehr erlösete und mit Dreck abgelohnete Pferdeknecht? Er hat seinen Kopf zwischen die Ohren und die Füße auf den Nacken genommen und war davongestrichen, nicht feirende, bis er etwa anderthalbe Meile förder geraten: da ihm erstlich sein Quark im Schiebesack verdrießlich vorgekommen; dannenhero er ein wenig stille gestanden und sich gesaubert oder den eingesackten Dreck weggeschüttet und hernach seines Weges förder gewandert ist, bis er zur begehrten Herberge eingekehret, da ihm abermal der besudelte Schubesack im Kopfe gelegen; dannenhero er ihn, wie vor geschehen, herausgezogen und besehen: und indem schüttet er einen Dukaten hervor, drüber er von Herzen froh wird, die angewandte Pferdesmühe wohl belohnet schätzet und des vermeineten Dreckes drüber vergisset; doch darneben auch den erst ausgeschütteten vermisset, bereuende, daß er den Kot nicht miteinander behalten, damit die Ausbeute desto reifer geworden wäre.

 

45. Rübezahl lässet einen Acker pflügen.

Wie der Rübezahl sonsten ingemein die Boten pfleget zu foppen, doch nicht betrieglicher, sondern vielmehr zuträglicher Weise: also hat er auch vor Jahren einem Briefträger getan. Nämlich wie dieser aufm Gebürge gewesen, da war es ihm widerfahren, daß er unversehens und unwissens an den Rübezahl geraten, der daselbsten mit einem Pfluge geackert gehabt, vor dem Pfluge aber einen Esel, ein Pferd, einen Ochsen und einen großen Ziegenbock vorgespannet hat. Dieser kauderwelsche Ackermann hat alsbald den Boten angeredet und gesprochen: Ei Lieber, treibe mir doch ein wenig das Vieh einmal oder zwei das Stücke hinauf und pflüge doch ein wenig vor mir; du sollst es nicht umsonst tun! Ich muß aber notwendig in das nächste Dorf ein wenig hingehen; doch will ich nit lange verziehen, sondern bald wiederkehren. Item sammle mir in währenden Pflügen mit Fleiß alle Kieselsteine auf, so ferne du welche antriffst, und trage sie nur auf einen Ort zusammen! Was hätte der Bote tun wollen? Er hatte schon allbereit halb und halb gesehen, daß er gezwungen gewesen und so sich halten müsse. Derentwegen hat er sich nolens volens des Pfluges angemaßet, und nicht minder die gefundenen Steine gesammlet und allgemählich ein ziemlichen Haufen gemacht: bis endlich der gebietende Herr, der Rübezahl, wiedergekommen. Wie solches geschehen, da war jener abgedanket worden und hatte von Rübezahl dieses Bescheid erhalten, mit folgenden Worten: Nun nun, gar recht! Wie ich sehe, so hastu mir nach Willen gedienet und richtig abgewartet. Siehe da, hastu viel Steine gelesen, so magstu viel mit tragen. Und hiemit stecke mir alle Steine auf deinen Buckel und nimm auch ein wenig Erdreich vom Pflugschare mit; siehe, hie hastu einen Sack darzu! Was sollte der Bote abermal machen? Er mußte der gebietenden Stimme wiederumb gehorsamen; und schüttete alle anwesende und zusammengetragende Feuersteine in den beschenkten Beutel, legte ihn über seinen Buckel und marschierete eine Ecke mit davon. Aber wie er was fürder gekommen, da war ihm das Zeig zu schwer geworden: also daß er gezwungen hatte müssen was auswerfen, damit er die Last erleichterte. Nach diesem war er abermal fürder gegangen und hatte nicht minder auf Verlauf etwan eines Feldweges niedersetzen und was mehres davon tun müssen: indeme es gleichmäßig über alle Maße schwer geworden und nicht hat ohne Ausschüttung aus der Stelle gehen mögen. Wie er also zum andermal die Bürde in etwas abgetragen, da war er bei eine gute viertel Meile ferner gereiset, bis aufs neue das Schelmzeig sich so blutschwer befunden, daß er schier drunter niedergefallen, ungeachtet, daß über die Hälfte schon heraus gewesen. Weil er also die Unmüglichkeit fortzukommen gesehen und noch darneben immer befunden, daß es noch wie vor Steine gewesen, so hat er aus Ungeduld den ganzen Plunder auf den Weg geschüttet und war mit dem leeren Sack davon getrabet, bis er endlich nach Hause drüber geraten: da er seine Not und die Begebnüsse geklaget, gedenkende, daß ihm der Rübezahl zweifelsohne so geäffet habe, von welchen er nicht mehr als etwan nur diesen leeren Sack weggebracht. Und damit hat er ihn hervorgezogen, umgekehret und auf den Tisch geworfen: drüber unverhofft ein ziemlich Stücke Gold in eins vorgehabten Kiesels Gestalt hervorgeporzelt, nebenst sehr vielen kleinen Körnlein gediegen Goldes. Wer war da lustiger und närrischer gewesen als dieser ungedultiger Bote: welcher vor Freuden aufgehüpfet wie ein Rehe, vor Leid aber und Reue des gänzlich ausgeleerten Sackes, mehr aus Geizigkeit als Vergnügsamkeit, geweinet hatte, als der auf diesen Wege viel reicher hätte werden können, wenn er eine Partie Steine im Sacke übrig behalten hätte. Aber, o Narrheit, meinestu alberer Schöps, daß das allergeringste von den übrigen Steinen gleichmäßig hätte mögen in deinem Sack zu Golde plötzlich werden? Ich meines Erachtens halte dafür, daß der Rübezahl selbsten immer mit im Sack gesessen sei und denselben so oft und lange schwer gemacht habe, bis daß endlich alle unnütze Steine haben müssen herausgeschüttet werden: dabei er allemal das deputierliche beste Stücke verwahret und mit Fleiß am Sacke gehalten, damit es jo nicht möchte verschüttet werden, sondern nach geschehener Äffung als ein Geschenke dem Boten verbleiben.

 

46. Rübezahl lässet seinen Stall ausmisten.

Ein geldbegieriger Bauerkauz soll mit Fleiß zum Rübezahl auf seine Residenz gegangen sein, verhoffende, daß er für seine bereitwillige Dienste eine stattliche Verehrung erreichen werde. Was geschicht? Er kömmt in solchen Gedanken in einen Meierhof (welchen der Rübezahl nur präsentieret und auf ein Interim dem Hachen eingebildet gehabt), da er von einem Hofmeister war angeredet worden, daß er ihme doch möchte ein Karrn oder etliche helfen Mist laden und auf den Acker fahren. Würde er es tun, so sollte es sein Schade nicht sein.

Der Dorflimmel verspricht sich, eine Weile Hülfe zu leisten, und gedenket mittlerweile auf seinen großen Nutzen, den er davontragen würde; doch war er auch zugleich getrost an die Arbeit gegangen und hatte in kurzer Zeit einen ziemlichen Misthaufen auf dem Hofe helfen räumen, bis daß drüber der Abend herbeigenahet und seine bestimmte Zeit erschienen, da er hat wollen Abschied wieder nehmen. Da hat der Hofmeister den Misthansen abgedanket und zu Lohn einen großen Tragkorb voll Mist auf den Weg gegeben, ihn vertröstende, daß er damit vorlieb nehmen wolle, bis was Besseres drauf erfolgete. Der Bauerrekel sackt den Kot auf, gehet damit in guter Hoffnung fort und gedenket, daß er einen mächtigen Schatz gehoben habe, derentwegen er denn auch unterwegens absetzet und seine Ausbeute besehen will; aber war es vorher Kühemist gewesen, so war es jetzund wie Pferdemist anzusehen gewesen. Darüber er in etwas erschricket, doch dennoch von seiner Konfidenz nicht gänzlich ablässet, sondern den Quark abermal anpacket und ohngefähr ein Feldwegs weiterläuft, da er aufs neu lüstern wird, sein Reichtum zu beschauen. Aber da wird er innen, daß es Menschenschnud gewesen; drüber er gleichfalls etwas unmuts wird, weil die Sache nach seinem Wunsch noch nicht gut geworden. Doch verbleibt dennoch mehrenteils seine Hoffnung steif und feste, es werde dermaleins besser werden: setzt also seinen Korb wieder zurechte und sackt ihn abermal auf, darbei es ihm aber gar unglücklich ergehet, sintemal er mit einem Fuß ausschlüppert und allen stinkenden Unrat über seine Krause und Faltrock schüttete, daß er wie der Henker ausgesehen und eilends nach dem Wasser gelaufen ist, sich zu reinigen. Aber wie er nunmehr an den Ort hinan kömmt, da er vorher etwan eine Pfütze erblicket, so hat er nichts angetroffen, und war also gezwungen worden, in dem häßlichen Wuste und Unfläterei vom Berge zu laufen und im nächsten Dorfe seine Abbadung zu suchen. Wie es denn auch geschehen, daß er erstlich bei Giersdorf Wasser angetroffen und sich daselbst mit allem Heil hineingestürzet hat und seine Gäcke abgebadet, wie er denn seinen Kober auch nicht darbei vergessen. Nachdem solches vollbracht, war der arme Stümpfer zwar so weit froh, daß er des Gestanks los geworden; aber dieses kränkte ihn von Herzen sehr, daß er vor seine getreue Dienste vom Rübezahl so schändlich belohnet worden. Und gehet hiemit ganz wehemütig zu seinem Losament, vorhabende, ein ander Kleid anzuziehen und das anhabende auszudreugen. Wie er nunmehr hierüber im Werke ist, das Wammes herunter hatte und die knöcherne Hosen jetzt auch gleich vom Steiße ziehen will, siehe, da klinkerten fünf Dukaten aus seinem Hemde, daran er zuvor seine garstige Hände gewischet, wie er auf dem Wege den Quark verschüttet und damit nieder zu Boden geschlagen gewesen. Ei, wer war hie froher und geiziger gewesen als dieser Ochsen- Duallis? Der zwar da gegenwärtig ein ziemliches Stücke bares Geldes unverhofft hat, doch gleichwohl nicht minder den übrigen Verlust des Unflats bedauret, da er eine gute Partei Goldes im Wasser möchte abgespielet haben.

 

47. Rübezahl fällt in eine Grube.

Ein bekannter schlesischer Bote referierte mir, wie etliche Handwerksgesellen des Ortes gereiset wären; da sollen sie ungefähr einen andern Mann abweges nicht weit von sich gehen gesehen haben, welcher schleunig für ihren Augen in eine tiefe Grube gefallen, drinnen er unerhört sehr geschrien, gewinselt und umb Hülfe gerufen hätte. Hierzu waren die gedachten Handwerksgesellen hingelaufen und hätten das Elende was genauer betrachtet, da sie in Anwesenheit von dem Gefallenen gebeten worden, ihn herauszuziehen und eine Belohnung davonzutragen. Was geschicht? Die Bursche lassen sich nicht faul finden, helfen und machen es so gut, als sie immer können, daß sie den versunkenen Mann herausbekommen. Wie es geschehen, da verehret er einem jedweden für die geleistete Treue eine Sandbüchse und gehet einen andern Weg, wie denn auch die Handwerker ihre Straße nachgefolget sein. Indem sie nun aber das Geschenke in den Fäusten gehabt und es für unnützlich erkannt, da haben etliche es für allen Kuckuck weggeworfen; ihrer zweene sind nur so gescheut gewesen, daß sie die empfangene Büchse aufgehoben haben, welche sie auch ihr Lebenlang zu genießen gehabt: Sintemal sie befunden haben, daß lauter Goldkörner herausgefallen sein, wenn sie dran geschüttelt und damit gestreuet haben.

 

48. Rübezahl schläft.

Eben dieser Bote brachte mir bei, daß er selber auf dem Gebürge seine Reise gehabt und am Wege einen schwarzen Mann mit einer unerhörten langen Nasen hätte schlafend liegen gefunden, bei welchem sehr viel Gold auf allen Seiten gelegen gewesen. Und wiewohl er der Sache war begierig gewesen, so hätte er dennoch sich nicht umb alle die Wunder unterstehen wollen, dem Schlafenden etwas zu entfernen; sintemal er des Gebratens gemerkt und sich des gegenwärtigen Rübezahls flugs besorget hat. Derowegen (sagete er) wäre er fortgegangen und hätte sich nicht weiter darnach umgesehen; bis daß es endlich drüber geschehen, daß er in eine Herberge eingekehret; da er die Schuhe ausgezogen, indem er sich hat wollen schlafen legen, und unter solchen zwei Dukaten kleben gefunden hat, die er dem Rübezahl zu Danke aufgehoben, wie er sie ihme vorher aufgehoben und an die Schuhsohlen behalten und befestiget gehabt.

 

49. Rübezahl bettelt.

Noch dieser Bote verständigte mir, daß vor eilf Jahren ein Freiherr über das Gebürge gereiset wäre; da es sich denn unterwegens begeben hätte, daß ein lumpichter Bettler an dieses Herrens Wagen gelaufen und umb einen geringen Zehrpfennig angehalten hätte. Es soll aber zu diesem der Herr gesaget haben: Packe dich! Bistu doch stark genug; gehe und tue guts und arbeite den Leuten umbs Lohn! Da hat der Rübezahl angehoben: Begehre ich es doch nicht umsonst, lieber Herr, daß er mir armen Kerl was mitteilet. Allhier habe ich bei mir einen Sack voll schönes weißes Streusandes, so ich irgendswo geholet habe: nehmet solchen von meiner Hand an und gebet mir doch nur so viel, als Ihr selber freiwillig wollet. Durch dieses Präsent soll sich der Freiherr haben bewegen lassen und dem geldsichtigen Kerl einen Reichstaler für den Sandsack darausgeworfen haben. Was geschicht? Wie der Herr nach seiner Heimat kömmt, offeriert er aus Kurzweil seiner Liebsten das überkommene Säckelein, sprechende: Hie bring ich einen Sack voll Dukaten mit. Darüber sie gelachet und den Sack eröffnet hat, auch befunden, daß, wie ihr Herre aus Possen gesaget, lauter Gold drinnen gewesen. Lasset mir das einen Tausch sein, ein tausend Dukaten umb einen Taler zu kaufen!

 

50. Rübezahl fährt auf der Kutschen.

Es hat mir ein vornehmer Mann des Rats von Greifenberg durch einen glaubwürdigen Leipzischen Bürger erzählen lassen, wie einmal zweene Wandergesellen über das Gebürge gereiset sein, welche in ziemlicher Armut und Bedürftigkeit begriffen gewesen, also, daß sie bald nicht gewußt haben, bei weme sie sich erholen sollten oder einen Zehrpfennig erlangen. Indeme sie also fortgehen und mit dergleichen Gedanken schwanger und traurig sein, siehe: da sehen sie für sich hin eine prächtige Kutsche fahren, wobei etliche Trabanten gewesen und Lakeien hinterher gelaufen. Aus diesem Gesichte nehmen sie ab, daß es ein reicher Herr sein müßte, der vor ihre Bedürftigkeit vielleicht etliche Pfennige in seinem Beutel übrig habe: laufen auch in solchem Sinne alsbald hinzu, heben an zu betteln und ihre Armut vorzubringen. Wie sie solches Begehren sehr demütig und beweglich angebracht hatten, da springet ein vornehmer Herr aus der Kutschen und schneidet einen jedweden mit dem Messer aus den nahe darbei stehenden Gesträuchen einen Stab oder Stock ab, überreichet solchen enzeln, sprechende: damit sollen sie vor diesmal vorlieb nehmen, sie würden schon sich hieran erholen und auf die Beine kommen. Die beiden Kerl nehmen die übergebenen Stäbe an, bedanken sich vor die lange Weile, dürfen das schlecht vermeinte Geschenk nicht ausschlagen, teils vermöge der Ansehnlichkeit des vornehmen Gebers, teils wegen der Obsicht der Trabanten. Inmittelst steiget der herrische Rübezahl wieder auf seine Kutsche und läßt geschwinde drauf fahren. Die beiden Wanderer aber zotteln auch, wiewohl langsam, hinterher; fangen allgemählich an, von ihren empfangenen Stäben zu schwatzen. Ja, einer wird auch endlich unmuts darüber und spricht zum andern: Ei was soll mir der Stock? Solchen hätte ich mir selber allhier können abschneiden, weil kein Mangel dran ist; derselbige Herr hätte uns leicht was Besseres können verehren als nur dieses bißchen Holz. Und indem warf er seinen geringschätzigen Stab aus Ungeduld so weit weg, als er immer konnte. Der ander Mitgesell aber sagte: Ei Bruder, warumb so arg? Ich will meinen Stab behalten; wer weiß, wozu er gut ist? Aufs wenigste will ich ihn zum Gedächtnis verwahren, damit ich sagen kann, daß ich einen Wanderstock von einem vornehmen Herrn in die Hand gegeben bekommen habe. Und immittelst geraten sie vom Gebürge in die nächste Herberge. Da besahe der ander Geselle noch einmal zur Verwunderung seinen verehrten Stock und befand, daß er lauter gediegen Gold war. Wie solches der erste vernahm, wollte er ein Teil dran haben und sagt: Bruder, halb! Der ander sprach: Nein, Narre, warumb hastu deinen Stab nicht behalten? So hättestu ebensoviel gehabt als ich jetzund. Hierüber lief der abgewiesene Kauz wieder zurücke, rennte, daß ihm der Kopf gleichsam brannte, und gedachte, seinen verworfenen Stab auch wieder zu finden. Aber umsonst; da ware Hoffnung und Mühe verloren.

 

51. Rübezahl verehret den Bettlern was.

Unlängsten sollen ihrer drei armer Leute über das Gebürge gegangen sein, aus Böhmen in Schlesien, welche unterwegens den Rübezahl in Gestalt und Aufzuge etwan eines Grafen oder Freiherrens in einer prächtigen Kutsche fahrend angetroffen. Zu solchen haben sie sich miteinander hingemachet, demütig supplizieret und umb eine geringe Verehrung gebeten; darzu sich dann auch gar leichte der verstellete Rübezahl bequemet hat: indem er einen jedweden in Sonderheit eine Gabe in Papier eingewickelt überliefert hat, darbei erinnerde, daß sie solches nicht eröffnen möchten, ehe und bevor sie in die nächste Herberge eingekehret hätten. Aber was geschicht? Und was tut der Vorwitz nicht? Denn einem von diesen Leuten gelüstet, auf dem Wege zu besehen, machts derentwegen auf und -- findet nichts anders als einen Zahlpfennig. Drüber er ergrimmet wird und den Quark für allen Hänger hinweg wirft. Der ander, deme dieses unbewußt, hält etwas ferner mit seiner Eröffnung ein; doch kann er dennoch das Wirtshaus nicht erwarten, ob er schon nahe gewesen, sondern machet ebenmäßig aus Kuriosität sein Geschenke vor dem Dorfe auf und findet -- zwei Groschen im Papier, welches er den andern beiden zeuget. Drauf der letzte spricht: Nun, das ist gut, vielleicht habe ich auch einen Trinkpfennig bekommen; ich wills aber nicht eher besehen, als wenn ich zur Stelle geraten bin -- da er denn in seinem Makulatur zwei Dukaten gehabt. Drüber sich die übrigen betrübet gehabt, daß sie aus Heißhungrigkeit auch ihr Glücke nicht hatten erwarten können, sondern wider des Gebers Gebot das Geschenke zu frühzeitig besichtiget und derentwegen teils wenig, teils gar nichts angetroffen hätten.

 

52. Rübezahl speiset einen Hungrigen.

Unter andern Sachen, die teils hie erzählet sein und auch noch zum Teil folgen werden, hat mir ein wohlmeinender und guttätiger Mensch aus Hirschberg geschrieben, daß auf eine Zeit ein Bettler zum unbewußten Rübezahl gekommen und ihn umb ein Stücke Brot für seinen hungrigen Magen angesprochen. Demselben hat der Rübezahl gesaget: er hätte zwar so eben kein Brot bei sich, dennoch gedächte er ihn noch mit etwas anders zu sättigen; greift derowegen in seinen Schubesack und langt etliche große Wurzeln herfür, die er den Bettler überreichet, mit diesen Worten: Iß hievon etwas, du wirst schon satt werden, und sie werden dir auch wohl schmecken; was du nicht bezwingen kannst, das stecke zu dir und halte es in guter Verwahrung. Der Mensch gehorsamete dieser Vermahnung (nachdem er sich bei dem Rübezahl bedankt hatte, welcher auch alsobald von ihm schied und gleichsam anderswohin ging), ward satt und behielt eine und die ander Wurzel übrig; aus welchen hernachmals in seinen Taschen lauter gediegen Gold ward, welches der Arme für seine Gehorsamkeit erlangete.

 

53. Rübezahl kochet Krüllerbsen.

Es waren einsmals etliche Handwerksbursche müde und hungrig geworden und hatten auf dem Gebürge zu essen gewünschet, so ferne sie es nur hätten können habhaft werden. Und indem sehen sie ein Haus am Wege, darinne kehren sie ein und begehren von dem Hauswirt umb Geld ein Stücke Essen, welches ihnen auch nicht versaget, sondern gar bald dargereichet worden: da sie denn unter andern Brot, Käse und andere geringe essende Waren bekommen, welches sie verzehret und den Bauch damit erfüllet haben. Wie sie nunmehr aber sich wieder haben aufmachen wollen, da sehen sie, daß der Gastgeber beim Feuer ein Topf Erbsen stehen gehabt; zu solchen kriegen sie abermal Beliebung, und bittet ein jedweder umb eine Hand voll Krüllerbsen, die er mit sich auf den Weg nehmen und vernaschen möchte. Solche werden ihnen auch nicht versaget, sondern nach Belieben mitgeteilet: und besackt also ein jeder seine Schiebsäcke mit dergleichen halbgekocheten Erbsen, und gehen hiemit davon. Wie sie eine Weile hernach an die Nascherei gedenken und unterwegen davon schmausen wollen, siehe, da ziehet einer Kühemist, der ander Pferdedreck, der dritte Schweinsquark, der vierte Eselsförze und der fünfte Hundescheiße herfür, und weisen den Quark alle zugleich mit einem Gelächter auf, wünschend, der Wirt möchte für allen Hänger am Galgen hangen, der sie so gehudelt hätte. Und gehen darauf unwillens ihres Weges fort, bis sie in eine andere Herberge einkehren und die Schelmerei dem Hausvater erzählen. Wie solcher es gehöret, und der Sachen läuftig und wohl erfahren gewesen, hat er ungefähr gesaget: Ei, ihr Herren, vielleicht wisset ihr nicht einmal recht, was ihr gehabt und verworfen habet! Darauf fangen sie alle an und lachen den Reformierer aus, sprechende: Was, zum Teufel! meinet ihr denn, daß wir blind gewesen sein? Es war ja lauter Scheißerei, was wir hatten. Und indem langet einer hin und will zum Wahrzeichen seinen besudelten Schiebesack herausziehen, den Wirt zu überzeugen; aber wie er fertig gewesen, da springen zwei unvermutliche Goldgülden auf den Tisch: drüber seine Kameraden lustig werden und gleichermaßen ihre Diebessäcke visitieren und alle Stücklein Gold, einer mehr, der andere weniger, herfürbringen.

 

54. Rübezahl schenket einem Schuldner hundert Reichstaler.

Vor etwan zwölf Jahren (wie ich aus Halle von einem Salzführer erlernet habe) soll ein verwegener Bauer gewesen sein, der in bevorstehende Not seinem Leibe keinen Rat gewußt, wie er ihm getun möchte, daß er etwas Geld zusammenbrächte und sich in begebenen Falle erhielte. Doch soll er endlich, gleichsam aus Desperation, schlüssig geworden sein, auf das Riesengebürge zu wandern und dem guten Rübezahl umb eine Post Geldes anzusprechen: wie er es denn auch ins Werk gesetzet und seinen Weg zu dem reichen Geist hingenommen hat, der ihme alsbald in einer besondern Gestalt erschienen und erfragt soll haben, was sein Anliegen und Begehren wäre? Drauf soll gedachter Bauer geantwortet haben: Ich wollte vom Beherrscher des Riesengebürges freundlich gebeten haben, ob er mir nit wollte etwas Geld fürstrecken, mich in gegenwärtiger Not zu schützen. Resp. Gar wohl, wieviel begehrstu denn? Und wenn willstu es mir wiederbringen? Resp. Großmächtiger Herr, könnt Ihr mir hundert Taler borgen, so will ich Euch solches, als ich ein redlicher Mann bin, übers Jahr allhier wieder zustellen und mich dankbarlich einfinden. Hierauf soll der Rübezahl einen Abtritt genommen haben und umb ein Weilchen wiederumb gekommen sein, einen Beutel mit so vielen Gelde mit sich bringend und dem Bauren zuzählend: da denn der Bauer solches empfangen, von Rübezahlen gegangen und sich an seinen Orte damit hingemachet hat. Ja es auch gebrauchet und zu seinen Nutzen angewandt hat, bis die bestimmte Zeit herangetreten und das Jahr geflossen gewesen, da er andere hundert Taler genommen und zur Abzahlung als ein richtiger Debitor zum riesengebürgischen Creditorem damit hingespazieret ist, bis er etwan an den vorigen Ort wiederumb geraten, da er das Geld vorn Jahre ungefähr empfangen. Allwo der verstellete Rübezahl in eines andern Mannes Gestalt ihme erschienen; derentwegen er denn etwas gestutzet und nicht gänzlich gewußt hat, ob es der Rübezahl selber wäre, wiewohl er dennoch gleichwohl auch nicht allerdinges gezweifelt hat, sondern es ein wenig vermutlich gehalten. Derentwegen er denn sich auf geschehene Befragung (welche etwan gewesen war: Wo willstu hin, Bauer, und bei wem hastu hier was zu tun?) also herausgelassen: Ich wollte zum großmächtigen Regenten des Riesengebürges und ihme die hundert Taler zu rechter Zeit wieder zustellen, welche ich vormalen von ihme habe gelehnet bekommen. Drauf der verstellete Geist also geantwortet: O lieber Bauer, der Rübezahl ist lange tot. Gehe jo mit deinem Gelde wieder nach Hause und behalte es; es ist dir gar wohl gegönnet und wird dich kein Mensche weiter darumb ansprechen. Wer war da lustiger gewesen als der Bauer; der mit Freuden nach seinem Dorfe mit dem unvermutlichen Geschenke wieder weggegangen war? Doch gnug.

 

55. Rübezahl führet ein armes Weib zum großen Schatz.

Folgende Geschicht erzählte mir ein schlesischer Studiosus. Wie nämlich sein armes Weib auf dem Gebürge hätte wollen Wurzeln suchen, da wäre zu ihr der Rübezahl in eines Bauren Gestalt gekommen, hätte sie angeredet und gefraget, was ihr Begehren droben wäre? Drauf das bekümmerte Weib sagt, sie trachtete nach etlichen Wurzeln, die sie Armuts halben in der Apotheken hernach verkaufen wollte. Wohlan, antwortete jener, kommet mit mir, ich will Euch an einen Ort führen, da Ihr in geschwinder Eile eine Menge antreffet. Drauf war sie mitgegangen und war an eine Stelle geraten, da sie ein Loch gesehen voll lauter Dukaten; darvon sie so viel hatte mögen nehmen, so viel sie gewollt, wiewohl es ihre Blödigkeit nicht zugegeben hatte, einen großen Einpaß aus Geizigkeit zu tun.

 

56. Rübezahl verwandelt Blätter in Dukaten.

Es hat mir dieses Stücke selber erzählet Anno 1662 den 6. und 7. Junii in Leipzig ein sehr glaubwürdiger und kunstreicher Apotheker von Hirschberg (nachdem er seine Reise hierdurch hatte, und mich, um vorhabendes Werk zur Vollkommenheit in etwas besser zu befördern, großgünstig auf meinem Losamente in Paulino Collegio, auf Junker Caspar Barthels sel. gewesene Stube, zusprach, und wacker aus der Erfahrung und langwierige Erkundigung diskurrierten), ein fast ältliger Mann und selber aus Schlesien in obgemeldeter Stadt, so nur zwo Meilen von des Rübezahls Residenz gelegen, bärtig, nämlich: es soll vor wenig Jahren eine arme Kräuterfrau samt ihren zweien kleinen Kindern aufs Gebürge gegangen sein, mit sich führende einen Korb, drinnen sie gedacht Wurzeln zu graben und solche hernach zu verhandeln oder an die Apotheker zu bringen; drauf soll sie auch eine große Hucke feiner Wurzeln zuwege gebracht haben, aber sie war drüber aus dem rechten Wege geraten, da sie denn nicht gewußt, wo aus oder ein, bis ihr gleichsam ein Bauersmann erscheinete und ohngefähr (es war aber der Rübezahl gewesen) im Irrtume zu sie kömmt, sprechende: Frau, was sucht Ihr so ängstlich, und wo wollt Ihr hinaus? Sie antwortet: Ach, ich bin ein armes Weib und habe weder zu beißen noch zu brechen, derentwegen bin ich genötigt worden, herauszuwandern und etwas Wurzeln zu graben, umb mich und meine hungerige Kinder zu erhalten; und nun bin ich aus dem Wege geraten und kann mich nicht wieder zurechte finden. Ach herzer Mann, erbarmet Euch doch und führet mich aus dem Gebüsche auf die richtige Straße, daß ich fortkommen kann. Der Rübezahl antwortet: Frau, seid zufrieden, ich will Euch schon den Weg zeigen. Aber was macht Ihr mit den Wurzeln; damit werdet Ihr wenig verdienen, schüttet das Zeug aus und pflücket Euch von diesem Baume so viel Blätter ab, als Ihr wollet, daß der Korb ganz voll werde, das wird Euch besser bekommen. Resp. Ach, wer wollte mir darvor einen Pfennig geben; es ist ja nur gemeines Laub, das nichts tüchtig ist. Resp. Ei Frau, lasset Euch sagen und schüttet Eure lumpen Wurzeln aus und folget mir! Allein, es hat der Rübezahl diese Vermahnung so vielmals vergeblich repetieret, daß er selber fast müde drüber geworden, weil sich die Frau nicht hat wollen einreden lassen, bis er selber zugreifen muß und mit Gewalt die vorigen Wurzeln herausstürzet, dafür aber ein Haufen Laub von einem nahe dabei stehenden Busche hineinstreifet, die Frau damit davonzugehen befiehlet und sie auf den rechten Weg bringet. Drauf die Frau mit ihren Kindern und belaubtem Korbe (zwar wider Willen) eine weite Strecke fortgemarschieret, bis sie abermal schöne Wurzeln im Gehen ansichtig geworden, da sie neue Lust zu graben und selbige mit sich zu nehmen bekömmt, weil ihr war eine Hoffnung in die Achsel gefahren, sie würde hiemit was mehrers erhalten als am nichtigen Laube. Drauf sie den Korb umstürzet und den vermeinten Quark herausgeußt und ihn wiederumb mit Wurzeln besacket, damit sie nach ihrer Behausung, Kirschdorf, gewandert ist, und allda die ausgegrabene Wurzeln von noch anklebender Erde gesaubert, zusammengebunden und vor allen Dingen aus dem Korbe herausgeschüttet hat, drüber sie etwas flinkern siehet, und dannenhero Anlaß nimmt, fleißiger darnach zu sehen, was es gewesen; wie solches geschiehet, siehe, da findet sie etliche Dukaten unten im Korbe stecken, welche übrig geblieben waren von dem Laube, so sie vorher auf dem Gebürge so unbedachtsam und nicht reine herausgeschüttet gehabt, drüber sie teils über die Maßen erfreuet wird, teils auch sich betrübet, daß sie das Laub nicht alles behalten, dannenhero sie denn auch wieder zurücke läuft und Nachsuchung tut, aber vergebens, denn es war alles verschwunden gewesen.

 

57. Rübezahl kann aus Quark Gold künsteln.

Ein Apothekergesell brachte mir bei, daß ein armes Bauernweiblein bei der Schneeküppe vorbeigegangen und aus höchster Bedürftigkeit allda einen Mann umb ein Stück Brot angeredet, der ihr zu gutem Glücke daselbsten begegnet. Jener Mann aber (welcher gewißlich der Rübezahl gewesen) hatte sich in Baurengestalt antreffen lassen und in der Hand einen großen Krug voll süße Milch getragen; der denn die notleidende Frau also getröstet: Seid zufrieden! vielleicht ändert sich Euer Unglück. Haltet Euer Gefäße her, ich will Euch etwas von dieser Milch mitteilen, davon Ihr erstlich Euch laben könnet; das übrige und meiste aber müsset Ihr aufheben, gerinnen lassen und zum Käse machen: den sollt Ihr hernach teuer gnug loswerden. Folgt Ihr meinem Ratschlag und nehmet alles in acht, was ich Euch befohlen habe! Wer war hie lustiger gewesen als das gute Weiblein, welches gehoffet hat, da sonsten schwerlich was Gutes von einem andern wäre zu hoffen gewesen? Es hatte zuförderst ihren Durst geleschet; das übrige war aufgehoben worden, bis es oben zu Molken und unten zur dicken Milch geraten, daraus sie einen Käse formieret, solchen an die Luft getreuget und hernach, in ungezweifelten Vertrauen, einem Reichen hat verkaufen wollen. Aber wie sie damit zu Göhre gehet und den Käse aus ihrem Tüchlein herauswirken will, damit sie ihn füglicher dem Reichen liefere: siehe, da war es ein großer Klumpe Gold, welchen sie nunmehr selber behalten und ihr Glücke damit verbessert hat.

 

58. Rübezahl machet Dukaten aus Mistkäfer.

Ein Wurzelmann soll einst ungefähr ein trefflichen Haufen Käfer im Kühemist angetroffen haben, so viel er sein Lebelang noch nicht beieinander gesehen. Weil er aber einen großen Kober bei sich gehabt, soll er solche Käfer daselbsten hineingescharret haben, damit er sie seinem Apotheker mitbringen können; weil er vorher etwan einmal ungefähr gehöret gehabt, daß man Wasser aus solchem Ungeziefer destilliere, welches sehr köstlich wider die Schwindsucht sei. Und also war er mit den Dreckkrebsen fortgewandert, die anfangs ein grausam Wesen im Kober gemachet hatten, wie er ihn auf seinem Buckel gehabt; endlich aber war das Zeug immer stiller und stiller geworden, daß er nichts mehr gehöret, da es doch vorher sehr gerauschet gehabt. Derentwegen er sich denn verwundert, wie er nunmehr nach Hause gekommen, den Kober eröffnet hat, da er im geringsten keinen Käfer mehr angetroffen, sondern lauter Steinkohlen und zwanzig Dukaten drunter, welche er ohn einige Destillation zu seiner Schwindsucht gebraucht, indeme er dieselben in wenig Wochen verschwendet und durchgebracht hat.

 

59. Rübezahl verehret einem Säufer eine Sparbüchse.

Ein exzellenter Säufer überkam einsmals zum guten Rate, daß er doch eine Sparbüchse zulegen möchte und darein nur täglich einen Dreier werfen: so werde er des Jahrs über aufs wenigste etliche Gülden vor seine Kinder sammlen. Hierauf gehet er zum Töpfer und kauft eine dergleichen Büchse: die ihme denn vom Rübezahl verlassen worden, als welcher sich vor einem Töpfer ausgegeben. Weiter sammlet auch der Durchbringer alle Tage einen Dreier, damit er dermaleins seinen Kindern ein tägliches Patrimonium verlassen möchte. Deren er zweene gehabt, und endlich sind zu heiraten kommen; da der noch lebende Vater die Sparbüchse entzwei geschlagen und ihnen das Geld geteilet. Er soll aber befunden haben, daß aus einen jedweden Dreier ein Goldgülden worden; wie denn die Büchse auch nach rechter Beschauung lauter Gold gewesen. Und auf solche Art hat der Vater dennoch seinen Kindern ein Großes zugewandt, ungeachtet, ob er schon alles versoffen.

 

60. Rübezahl schenket einem Kerl einen hurtigen Stab.

Ein guter ehrlicher Mann soll einsmals eine Bestia und dickhäutigen Balg zum Weibe gehabt haben, damit er durchaus nicht können zurechte kommen oder sie besser machen; ungeachtet, ob er sie gleich wie ein Tanzpferd herumb geprügelt und wie ein Stemmshorn schuriegelt hat, so hat es doch nichts wollen helfen, sondern ist das Übel immer ärger geworden. Drauf er denn soll nach den Rübezahl gespazieret sein und umb eine Weiberwurzel gebeten haben: welche dergleichen Kraft hätte, daß, wenn er sie damit berührete, sie ihme Folge leistete. Hierauf hatte der Rübezahl eine lange Wurzel aus der Erden hervorgezogen, welche einem Stabe oder Krabatschen nicht unähnlich gesehen; weiter hat er diese dem bedürftigen Manne gegeben, darneben berichtende, er soll seine Frau nur wacker stark damit anrühren: sie werde gerne folgen, wohin er sie nur haben wolle. Wohlan, der erfreuete Kerls nimmt das Geschenke verlieb, gehet damit zu seiner trotzigten Frauen ins Haus; welche ihn denn flugs anfähret, wie die Sau den Bettelsack. Hierauf aber kriegt der Mann sein Noli me tangere hervor und rühret sie gewaltsam an allen Ort und Enden des Leibes an, daß sie Ach und Wehe geschrien. Darneben es aber geschehen, wenn der Mann zwischen die Schläge gefraget, ob sie ihme nun folgen wollte, so war allezeit ein Dukate aus dem Stocke herausgefallen, welchen das Weib aber nur gesehen und zu sich unvermerkt hat aufnehmen können; derentwegen sie aber ihrem Manne nicht schmeidiger, sondern boshaftiger geworden, ihn immer veranlasset, daß er mit der Wünschelruten sie mehrmals möchte berühren, darbei sie denn ohn Unterlaß geschrien: Ich will nicht! Doch hat sie sich nur dieser Wörter darumb gebrauchet, damit sie dem Manne dergleichen mehr Wörter möchte herauslocken und er sprechen müßte. Weib, willt du folgen! alldieweil sie vermerket, daß es bei solcher Stimme lauter Dukaten für sie geregnet, darnach sie immer mehr Beliebung gekriegt und des Goldes nicht hat können satt werden; ungeachtet, ob sie schon greulich drüber war zuquetscht worden, ja endlich gar, nach Verlaufung eines Jahres Fristes (drinnen sie alle Tage sich einmal oder vier hatte herdurchpritschen lassen, nur umb des Gewünnstes willen, für Schmerzen gestorben: da denn der Mann erstlich hinter seinen Schatz gekommen, nachdem die alte Katze war tot gewesen.

 

61. Rübezahl schüttelt Äpfel ab.

Anno 1620 sein zwei Drechslergesellen über das Riesengebürge gegangen und haben allda nicht weit vom Wege einen vermeinten Bauersmann angetroffen, der gleichsam zwischen viel Apfelbäumen gestanden und davon häufig Obst abgeschüttelt hat. Zu solchen sein sie nahe hinangetreten und haben ihm ein paar Schock Äpfel abgekauft und zu sich gesteckt. Wie sie nun aber ihres Weges fortgegangen und bald vor Hunger etliche Äpfel haben anbeißen wollen: siehe, da sind es Kieselsteine gewesen. Wie sie nunmehr diesen Possen sind inne geworden, da haben sie sich flugs wieder zurückegewandt und sind zu den vorigen Bäumen gegangen: da sie aber keine Äpfelbäume mehr, sondern nur andere gemeine unfruchtbare Waldstauden an vorigen Orte getroffen haben, in welcher eine der Rübezahl gesessen und die anwesende Narren greulich ausgelachet hat: drüber die betrogene Äpfelkäufer von neuen weggegangen sein, ihr Geld verloren geschätzet und die übrigen Steine an die Erde geschüttet haben; worunter aber ein jedweder ein fein Stück gediegenes Gold gefunden hat, welches ihnen der wohlmeinende Geist verehret hat, weil sie ihn aus Unmut nicht verspottet hatten, sondern den gedachten Schaden mit Geduld ertragen.

 

62. Rübezahl streuet Geld aus.

Vor drei Jahren sind drei Schmiedesknechte aus Böhmen in Schlesien gezogen, denen ist auf dem Gebürge dieses widerfahren: Nämlich, wie sie also fortgegangen und ungefähr für sich niederschauen, da sahen sie bald Groschen, bald Dukaten, bald andere Münze liegen. Wie oft sie aber darnach greifen, so ofte bekommen sie einen Scherben oder sonsten ein rundes dünnes Steinichen in die Finger; bis daß es zweien unter ihnen endlich verdreußt und sich nicht ferner bücken mehr wollen, sondern das verblendete Tun mit Fleiß vorbeigehen. Dieses aber will der dritte nicht nachahmen, sondern so ofte es seinen Augen wie ein Stücke Geld vorgekommen, so ofte hat er ohne Unterlaß darnach gegriffen und vor die lange Weile zu sich gestackt, bis er endlich den Schübesack davon erfüllet und sich über den gesammleten Gries oder Steinwerk wacker von seinen Kumpanen hat aushöhnen lassen. Doch wie er nunmehr zur Herberge gekommen und von seinen Reisegefährten ist angeredet worden, daß er doch seinen Schatz aufweisen möchte, den er unterwegs erworben, siehe, da zeucht er unverdrossen abermal und fast allemal ein dünnes Steinichen heraus, wie er solchen vorher zu sich gestecket hat; aber zuletzt finden sich nicht wenige große Stücke gediegen Goldes: damit er seine gehabte Mühe wacker bezahlet bekommen und welches des erlittenen Auslachens sich stattlich verlohnet hat. Wiewohl die Mitgesellen, aus Abgunst, geschleinde ihr Lachen eingestellet.

 

63. Rübezahl verschüttet ein Hufeisen.

Vor etlichen Jahren sollen etwan vier Zimmerknechte über das Riesengebürge gezogen sein, welche kurz vor sich her einen wackeren Caballier reitend gesehen, hinter welchen sie auch flugs dreingegangen sein. Darbei soll es sich bald begeben haben, daß der gedachte Reuter (der Rübezahl war es aber gewesen) ein Hufeisen verloren oder von des Pferdes Fuße fallen lassen. Solches soll vor die lange Weil der eine Bursch aufgenommen haben, zu sich gestecket und verwahret gehalten, gedenkende, daß er noch leichte eine Kanne Bier irgendwo darvor bekommen möchte. Aber er hat die Sache höher hinausgebracht. Denn wie er nunmehr durstig gewesen und kein Geld zu zahlen gehabt, da hat er sein Hufeisen hervorgesucht und den Kretschmar, welcher es benötigt gewesen, übergeben wollen; aber da wird er gewahr, daß es nicht mehr eisern, sondern lauter Gold gewesen. Drüber er von Herzen erfreuet geworden und wacker angefangen zu lachen, nach dem alten Sprichwort: Du lachest, als wenn du ein Hufeisen gefunden hättest. Hat es also sonsten Wichtigkeit, bei Erfindung der Hufeisen zu lachen, so hat es sich traun der Mühe allhier wacker verlohnet; sintemal er ohne sonderliche Bemühunge einen großen Schatz gehoben.

 

64. Rübezahl macht dauer- und sauerhaftige Schuhe.

Es soll für ungefähr dreißig Jahren ein bedürfter Handwerksgeselle über das Gebürge gereiset sein, der vom Riesenkönige (denn also will der Rübezahl von etlichen titulieret sein) ein paar Schuhe zur Verehrung haben bekommen, die ihm der mildreiche Geist mit dieser Bedingung geschenket, daß er sie zwar tragen sollte, doch hernach nicht wegwerfen, wenn sie würden alt geworden sein; er möchte sie auch wohl so lange tragen, bis er alles weg gegangen und auf die Brandsohlen gekommen wäre. Dieses nimmt der begabte Kerl in acht und gebraucht sich der geschenkten Schuhe etliche Jahr, bis daß er sie gar überdrüssig zu tragen wird; sintemal sie ihme teils zu klein geworden, teils auch zu ungestalt vorgekommen, weil man umb selbe Zeit eine andere Modi gehabt, die weit anders ausgesehen als die seine. Aus diesen Ursachen war er veranlasset worden, die Schuhe zu zerschneiden: da hat er zwischen dem Leder unter die Hacken so viel Dukaten gefunden, als er sie Jahre getragen. Drüber er traurig geworden und sein albers Vornehmen betrauret, daß er die Schuhe nicht länger behalten und mehr Jahr getragen habe: weil er hier auf einen großen Schatz dermaleins hätte erlangen mögen, der ihm aber nunmehr ausgeblieben wäre, weil er aus Hoffart seine altväterische und Rübezahlische Schuhe zerschnitten, ehe er sie noch auf die Brandsohlen gebracht. Das heißet:

Schu non mutabis, donec plurale videbis
Das ist:
Du sollt die Schuh so lang mit Baste binden,
Bis du ein neues Paar wirst wiederfinden.

 

65. Rübezahl verehret einem Schüler ein Buch.

Vor Jahren soll ein reisender Studente oder fahrender Schüler über das Riesengebürge alleine für sich aus Böhmen in Schlesien gewandelt haben; da er unterwegens gar schwermütig geworden, wie er seine angefangene studia möchte fortsetzen oder Mittel, Bücher zu kaufen und collegia zu halten, überkommen. Indeme er sich also mit diesen Gedanken schleppet: siehe, da kömmt gleich der Rübezahl in Gestalt eines reichen Kaufmanns nebenst einem aufwartenden Diener zu ihm getreten, lässet sich in Diskurs ein und vernimmt hiermit die Kleinmütigkeit des Burschen, welcher sich völlig mit kläglichen Worten gegen ihm herausläßt und seine Not bester Maßen fürbringet. Was geschicht? Wie jener Studiosus seine Armut weitläuftig gnug entdecket hatte und sonderlich eine Begierde zu einem gewissen Buche verstanden gehabt, da spricht der Rübezahl: er solle nur zufrieden sein, sintemal er solches Buch gleich bei sich hätte, welches er ihme hiemit verehrete. Und indeme hat er gleichsam ein Quartbuch aus seines Dieners Ränzel herfürgelanget, spendieret und durch einen andern Weg von ihm geschieden. Der Studente aber hat solch Buch mit großem Danksagen aufgenommen und ist damit heraus nach Rostock gezogen; da er erstlich soll inne geworden sein, daß erhaltenes Buch eine Kräuter- oder Gewürzschachtel gewesen, welche voll lauter Dukaten gelegen, damit er etliche Jahr auf die Akademie sich unterhalten und endlichen Doctorem soll promovieret haben.

 

66. Rübezahl verehret einem Studenten einen Stab.

Vor etwan achtzehn Jahren sollen ein paar arme Studenten über das Gebürge ihre Reise verrichtet haben und endlich im Gehen zu einem fließenden Wasserbach geraten sein, darüber es ihnen unmüglich gedauchte zu kommen, weil er ziemlich breit und fast tief geschienen. Indeme sie sich nun also bekümmern und in die Köpfe kratzen, da geriet der Rübezahl zu sie in eines Wanderers Gestalt und verehret ihnen einen hübschen Stock, sprechende, daß sie mit solchem ohne Mühe über alle Wasser könnten kommen. Diesen Stecken und Stab nehmen sie an und tun gleich einen Versuch: siehe, da kommen sie ohn alle Gefahr in geschwinder Eil über das Wasser, nachdem sie nur den Stab hineingesetzt. Hierüber werden sie froh und halten das Holzgeschenke sehr hoch, geraten aber drüber endlich in eine Herberge; da sie solchen Tröster hinter der Tür zur Verwahrung stellen und den andern Tag, wie sie abscheiden, aus Unbedachtsamkeit vergessen. Wie sie nun den folgenden Morgen fürder ziehen, da geraten sie abermal an einen Sumpf, welchen Rübezahl ihnen zum Possen gemachet hatte; aber da war Not vorhanden, wie sie allhier hinüberkommen möchten. Sie versuchens, wie sie wollen, und praktizierens auf allerhand Art, so kömmt es ihnen je länger je unmüglich vor, also daß sie notwendig bei eine Meile Wegs wiederumb zurücke müssen laufen und den vergessenen Stock holen. Wie sie den erlanget und drauf zum Wasser gekommen, sind sie ohn allen Schaden mit schlechter Bemühung hinüberkommen, und haben drauf den Stab je länger je lieber gehabt. Bis sie von neuen in ein ander Wirtshaus einkehren und den folgenden Tag für solchen Stock ein gülden spanisch Rohr ertappen. Drüber sie noch mehr lustig werden, das Kleinod teilen und sich mit dem Wert eine lange Zeit durch ihre vorgenommene Reise behelfen, glücklich fortkommen und ihre Wallfahrt verrichten.

 

67. Rübezahl bosselt mit etlichen Studenten.

Ferner hat es sich auch zugetragen auf diesem Berge, daß ungefähr etliche arme Studenten darüber gegangen, deren drei gewesen und des Rübezahls unter sich gedacht haben. Da soll sich dieser Geist flugs zu sie gefunden haben, doch in Gestalt eines Weidemanns, der sie mit Gewalt gezwungen, daß sie mit ihm die Kegel schieben müssen. Drüber sich die Studenten, weil sie den Handel vermerket, sehr geweigert und gewidert haben; aber nichts desto weniger haben sie endlich ihren Willen müssen drein geben und mitspielen: da er (der Rübezahl) aus Freiwilligkeit das Geld für sie auf dem Kegelplatze zugesetzet und sie miteinander lustig darumb gekugelt haben. Wie sie nun solches eine ziemliche Zeit getrieben und es schier hat mittagen wollen, da soll er sie vermahnet haben, eilends von dem Berge zu gehen, damit sie nicht etwan ein Unglück nehmen. Hat darneben zur Danksagung, daß sie mit ihm gespielet, einem jedweden einen Kegel mitgegeben. Darauf sich die Bursche fortgemachet, aber weil der Weg von dem Berge sehr weit war und die Kegel in ihren Ranzen begunnten über alle Maße sehr schwer zu werden und sie unter solcher Last sich nicht getrauten, mit der vorhabenden Reise fertig zu werden, da haben sie zweene Kegel wegwerfen müssen und nur den dritten behalten; welcher hernach, wie sie ihn in der folgenden Nachtherberge besichtiget, ein klares Gold gewesen. Drüber die andern flugs zurückegelaufen und die andern beiden auch gedacht wiederzufinden, welches aber nicht geschehen. Doch gnug.

 


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