Briefe an Vasanta

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Kapitel 3 des Buches: Briefe an Vasanta

1930 – 1937

(85)

H(eidelberg)., 3. 1. 1930

Liebes Soll-Ich –

Du sollst-nicht zu viel Schlafmittel nehmen. Vorsicht!

Und Du sollst – anliegende Inschrift gegen den désespoir umtauschen. Man kanns auch so ausdrücken!

Glückauf ins neue Jahr!

Wunderbare Zeiten – wunderbare Töne wünscht

Sf. M.

 

(86)

(Heidelberg), 8. 1. 1930

Liebes Soll-Ich –

Ehre, wem Ehre gebührt!

Nun ist der ollen ersten Preußischen Königin (also einer Anfängerin im Königtum!) die Ehre zu teil geworden, daß Du junge Republikanerin auf ihrem Cembalo spielst! Allerhand!

Und jetzt gehts also also los!

Der Tropfen hat die steinernen Stadtväter ausgehölt! Sie liegen Dir zu Füßen! Sind »gefangen genommen«! Ich hätte mich auch gern gefangen nehmen lassen (oder bin ichs nicht längst? ...).

Aber überanstrenge Dich nicht mit Üben und spiele kühn los: Kein Mensch bemerkt etwaige Noten am Boden (und die Gottheit ist verschwiegen).

Wieder unerhört! Die schönen Frühlingsblumen! Du sollst –n-i–.

Dank für die Sylvester-Güsse!

Jetzt heißt es bald: Kein Tag ohne Konzert!

Cembalo-Grüße!
Sfaira M.

 

(87)

Heidelberg, 10. 2. 1930

Liebes Soll-Ich –

Unerhört!! Heute nur herzlichsten Dank! Die schönen Blumen! Und das Stück aus Deiner durch den Donner und Blitz der Appassionata-Mondschein-Waldstein S. – zertrümmerten Flügel-Decke!! Eine wunderbare Reliquie!

Hier bekommt sie einen sehr würdigen Ruhe-Platz angewiesen. – Auf zum Gesang, solange das Zeug hält!!

Herzlich Dein
Sfaira M.

N.B. Auch das Tuch und die Duft-Gewässer sind angekommen!

 

(88)

Heidelberg, 19. 2. 1930

Liebes Soll-Ich –

das ist wohl eine schwermütige Zeit für Dich, da Dein alter Lehrer und Meister Conrad Ansorge sich in die unsichtbaren Ton-Welten zurückgezogen hat. Ich habe ihn nur selten hören können, aber es war immer ein Fest. Vor einigen Jahren noch sandte er mir eine handschriftliche Lied-Komposition (zu dem Text: »Sie wandeln durch des Gartens Grün«). Mir näher als diese Kinder-Verse stehen die Worte:

»Mich zu empfangen –
dann: ich weiß:
lässest du brausen die ungeheuren Orgeln deines
Ton-Himmels.« (ATAIR)

– Vielleicht kannst Du einliegende Einladung für die Akademie-Vorlesung für Dich oder Andere verwenden? –

Herzliche Grüße, liebes Soll-Ich –

Dein Sfaira M.

 

(89)

(Heidelberg), 24. 3. 1930

Liebes Soll-Ich –

Ich staune! mit weit geöffneten bewundernden Augen! Nun bist Du ins Zeitalter der Taten eingetreten! Schon der mächtige Schwung nach ISLAND ließ Vieles ahnen! Nun aber: Drucksachen! Programme! Schallplatten! An den Plakat-Säulen! –

Wäre ich jetzt in Berlin! Da gäbs herrliche Dinge zu hören – und auch was zu sehen! Deine Kunst, die man so selten bekommt! Leider »gehts« nicht, das Kommen. Schon eine sehr saftige Erkältung legt mich still. – Aber alle schönsten Wünsche eilen zu Dir in den Meistersaal, liebes Soll-Ich! Auf Platz Saal links Reihe 4 Nr. 38 wird mein »Geist« sitzen (schau einmal verstohlen hin!) Vielen Dank für Deinen schönen Brief! Ob der Schmerz, oder ob die Freude die eigentlich schöpfrischen Zustände seien, darüber bin ich nicht im geringsten Zweifel: unter uns gesagt (»sagt es Niemand, als dem Weisen«): es ist »der freudige Schmerz« und »die schmerzliche Freude«. –

Über Dein Problem der Innung-Benennung bin ich »nachdenkend.« –

Herzlichst Dein
Sfaira M.

Soeben kamen die Karten aus dem »Musikheim«!

 

(90)

(Monte Carlo), 7. 5. 1930

Gruß aus dem »Spiel der Welt« –

Sf. M.

Wunderbare Klippen sind hier, liebes Soll-Ich –

 

(91)

Heidelberg, 1. 6. 1930

Liebes Soll-Ich –

herzlichen Frühling – Sommer: 1.ten Juni-Gruß! Heidelberg

Sfaira M.

Im Lande, an der »Arbeit«

 

(92)

(Heidelberg, 12. 6. 1930)

Grüße
der Herrin auf Tola-Hof!
Ihrer Musik-Zelle –
Ihrer Wasser-Quelle –
Ihrer Feuer-Stelle –
Dem Dach –
Dem Garten –
den sanften Wiesen –
Dem Dornbusch –
allen guten Büschen –
der ganzen Insel –
dem Morgen-Stern –
Jupiter und Venus

Sfaira-M.

– Der einst wiederkehrt –

(Am Rande:) Den Feuersteinen!

Dem Sand!

 

(93)

Heidelberg, 19. 7. 1930

Liebes Soll-Ich –

ich Undankbarer habe Dir noch nicht für die prachtvollen »Insel«-Bilder gedankt. Die prachtvollen Kühe – und hinter ihnen das geheimnisvoll-verborgene Haus. Alle 8 Bilder sind richtig und gleichstündig angekommen. Und jetzt auch des Pfarrgartens Sommer-Früchte! Wunderbar reif und süß und duftend! Auch einige Käferlein haben die Gelegenheit wahrgenommen, mitzureisen als blinde Passagiere; sind hier gut aufgenommen worden; haben vom Soll-Ich berichtet.

Die herzlichsten Sommer-Grüße – Du bleibst jetzt doch nicht in Charlottenburg? –

Dein Sfaira-M.
(der in großen Arbeiten steckt)

 

(94)

(Heidelberg, 6. 9. 1930)

Dank, liebes Soll-Ich,

für den Wunder-Strauß von der Insel – und für das eingetroffene Insel-Lied!

Und in der 1ten Hälfte des Oktober muß in der Bismarckstr. 9 ein großer Liederabend stattfinden mit den Kompositionen von »L. K.«. Die Sängerin ist sofort in Marsch zu setzen.

» Du sollst«! (Auf nach dem »Pariser Platz« 4) –

Das geheimnisvolle Schreiben kommt demnächst wieder zu Dir zurück.

Herzlichst Dein
Sfaira M.

 

(95)

Heidelberg, 28. 9. 1930

Liebes Soll-Ich –

Dem nun in den intimen Instrumenten-Kreis eingerückten Cembalo: Willkommen! Mögen die großen schwarzen Ungetüme es gnädig anschauen! –

»Instrumente« sind hier weniger; dagegen habe ich ein großes lebendiges Personal eingestellt (während sonst überall » abgebaut« wird!). Aigla hatte das Bedürfnis, ihren Tempel auch zu beziehen. Der Einzug erfolgte dieses Frühjahr, und die ganze Installation etc. ist jetzt fertig. Vor dem Tempel herrscht natürlich reges Leben. Dabei sorgt »Sagemund«, der Sänger am Tempel, für Gesangs-Piecen. Seine Zuhörer sind allerdings meist nur »Hirten« (»ungebildetes« Volk).

Anbei der Anfang eines seiner Gesänge.

Wir sind im Herbst! Auf, und hinein!

Dein Sfaira-Sagemund

 

(96)

(Heidelberg, 1. 10. 1930)

Liebes Soll-Ich –

schönsten Gruß! Und weißt Du auch, daß wir wieder ein Jahr jünger geworden sind; und daß deshalb in der nächsten Woche der »Pariser Platz« ruft? Und daß Dir – wenn Alles stimmt – am Sonntag nachmittag dem 11. X. ein Überfall droht?

Endlich schöner Herbst!

Dein Sfaira M.

 

(97)

Berlin SW, 14. 10. 1930 Hotel Alemannia, Anhaltstraße 10

Liebes Soll-Ich!

Also hier. Im kriegerischen Berlin. Und wie ich hoffe, geht es Dir gut. Ich denke mir, daß Du jedenfalls kommenden Sonntag Deine Freiheit hast; dann käme ich »wie sonst« zu Dir. Musik! Melodien! –

Mittwoch, Donnerstag und Freitag kann ich nicht, oder nur unsicher (Du wohl auch nicht). Schreib mir ein «Wort, wie es am schönsten wäre.

Herzlichst in Eile
Dein Sfaira Mörkjaer

»Akademie« bereits ziemlich hinter mir.

 

(98)

(Berlin, 17. 10. 1930)

Liebes Soll-Ich –

Nachts mein Hotel-Zimmer betretend – es leuchtet ein Blumen-Strauß!!! Von wem könnte er sein – als vom Soll-Ich! – Vielen Dank! –

Samstag kann ich leider nicht, da ich schon vor Tagen mit Freunden eine Verabredung getroffen habe, die sich nicht mehr rückgängig machen läßt.

Also Sonntag komme ich. Da um 12 Uhr im Opernhaus u. d. Linden das Conzert von Klemperer (einschließlich Beethoven, Eleonore III, Eroica etc.) wiederholt wird, komme ich wohl gegen 2 Uhr zu Dir (vorausgesetzt, daß die Plätze nicht schon alle fort sind [populäre Preise!]).

Überarbeite Dich nicht, liebes Soll-Ich!

Die herzlichsten Grüße, auf Wiedersehen!
Dein Sfaira M.

 

(99)

(Heidelberg, 29. 10. 1930)

Heute nur die herzlichsten Grüße und Wünsche, liebes Soll-Ich. Und reiß Dich bald los und siehe Dir mal den umseitig abgebildeten Palast an: Berlin Vorderasiatisches Museum.

Dein Sfaira M.

»Vieles sah ich, über die Erde wandelnd«

 

(100)

(Heidelberg), 20. 11. 1930

Oh liebes Soll-Ich –

Noch habe ich für den mit Blumen und Bild und Deinen trunkenen babylonischen Gemüts-Ergüssen beladenen Seeadler noch nicht gedankt – da landet schon ein zweiter Seeadler, der die Düfte Arabiens und den Trank Indiens heranflügelt.

Mein Schmerz: Daß »die Andern« Deine Clavichord und Cembalo-Klänge einschlürfen, und ich nur davon träumen kann. Jetzt ist Groß-Saison bei Dir! Konzert auf Konzert! Da merkst Du nichts von dem trüben Nebel-Regen, der auf die Seele herabsickert. November!! –

Aber die Zeit wird auch damit fertig – sie rast! –

Für gelegentliche Untergrundbahnlektüre lege ich Dir etwas bei. Sei herzlich gegrüßt

Dein Sfaira-Chiaro (klar)
oder ist Mörk[jaer] unentrinnbar??

Wären – wir – jetzt auf der »Insel« –
– und es wäre – Sommer –!! –
(Dornbusch!!) –

 

(101)

Heidelberg, 5. 1. 1931

Liebes Soll-Ich (Vasanta)

Dank für das Gedicht, zu dem die Lichtbilder Dich begeistert haben. Ja: der Körper, die Erscheinung ist eine geheimnisvolle Sache: das ist » Salas y Gomez« (vgl. die »Schöpfung« Nr. 75). Um ein für Propaganda brauchbares Lichtbild zu erhalten, mußt Du aber zu einem wirklich fähigen Photografen gehen, da hilft »Freundeshand« nicht. Sieh Dir die Photografen-Kästen unter den Linden zwischen Wilhelm-Str. und Friedrichstraße an. Lauter Künstler-Bilder! (etwa gegenüber von Hotel Bristol!) Alle gut! Die anliegend zurückkommenden (die eine »am Clavichord« behalte ich ... oder brauchst Du sie zurück?) geben dem, der sich die »Musike« dazudenken kann, natürlich auch etwas. Aber sie genügen schon technisch nicht. In Berlin giebt es Photografen, die speziell Aufnahmen für Künstler machen, und die wissen, auf was es da ankommt. Für Reproduktionen, wobei die Firma genannt wird, bekommst Du sie gewiß umsonst geliefert. – Es muß eben ausprobiert werden. – Den Moment der Musik-Ekstase kann (und soll man!!) man nicht lichtbildern, das werden sonst spiritistische Medien! –

Liebes Soll-Ich, großen Dank nun auch für das »Meer-Wunder« von AD. Solches »Meer-Wunder« findet sich sogar manchmal auf trockenem Lande!! –

Vorwärts ins neue Jahr!! – Mit Cembalo-Klängen!! –

Herzlich Dein Sfaira

»Tag, Tag, du über stürzenden Wolken« –

Hölderlin, »der blinde Sänger«

 

(102)

Heidelberg, 16. 1. 1932

Liebes Soll-Ich:

Heil dem Ton-Film! Aber soviel steht fest: wir (d. h. das Publikum) wollen nicht bloß ein anonymes Cembalo hören, sondern wir wollen die Cembalo-Spielerei leibhaftig (und nicht bloß im Scherenschnitt ) auftreten sehen! Also Soll-Ich als Film-Star!

Wann ist die Premiere?

Du: sollst! – – –

Wir – wollen – sehen!!

A. M.

 

(103)

(Heidelberg, 31. Januar 1931)

Liebes Soll-Ich –

Eintritt für Dämonen
strengstens verboten!
Nur
GENIEN
haben Zutritt!
Besteigen von Stühlen, Leitern,
Tischen, Kommoden –
Umhängen von Spiegeln, Bildern
ebenfalls persönlich verboten!
Sperre für das Jahr 1931!
Jede Veränderung muß beantragt
und genehmigt werden.
Die Exekutive wird in die
Hände zuverlässiger Handwerker
gelegt.
Zuwiderhandelnde Dämonen
sind verurteilt, in aeternum
Schallplatten von Richard Tauber
anzuhören.

Gegeben
nach den Vorkommnissen
im Januar 1931

Sf.

 

(104)

(Heidelberg, 11. 6. 1931)

Liebes Soll-Ich –

für was Alles an Blühendem und Schmeckendem und Mundendem habe ich Undankbarer Dir noch nachträglich zu danken! Nun zu Deinen Insel-Karten: Der Traum-Genius hier harrt seiner Ablösung und Er-Lösung durch den Traum-Genius dort sehnsüchtig: weil es dort doch viel tönender und herrlicher ist. Dort: Die Mozart-Seele! Hier: das Chaos!!! – Ich schreibe dies, weil der dortseits avisierte diesseits bisher nicht eingetroffen ist. (Sollte er es mit der Angst bekommen haben??)

Sfaira-Grüße!

 

(105)

H(eidelberg), 23. 6. 1931

Liebes Soll-Ich –

»o Kind« – »o Mädchen« – (»o Knabe«) oder wie soll man variieren angesichts Deiner ungeheueren Nachrichten, die ich bei Sommer-Beginn vorfand! Nun werden bald Hunderttausende allabendlich in Deinen Musikwellen untertauchen! Ich hoffe, auch was davon zu bekommen, wenn ich eine Musik-Zapf-Stelle erreiche. Die »Präsidenten« liegen Dir nun zu Füßen! – – –

Eine schönes Album kam an mit der geheimnisvollen Insel. Und auf der Treppe des Hauses kauernd eine sinnende Gestalt, deren rechtes Bein in einem Verband steckt!! ...

– Wann war es, ohhh Kind??!!! –

Heute ging der Traum-Genius frohlockend auf die Heimreise: in Begleitung einer Dame, die musiziert.

Schönste Sommer-Grüße!

Dein Sfaira M.

Ganz geheimnisvoll Dein jetzt angekommener Brief v. 7. April! –

 

(106)

H(eidelberg), 7. 7. 1931

Liebes Soll-Ich –

Giebt es einen Dichter, bei dem mehr »gelagert« wird? Ich glaube nicht. Auf dem Himalaja – am Meer – auf dem Meer – und wo noch? – Drum nehm ich Deine rein-geistigen Triumph-Lager-Stühle (regendicht!) mit Wonne an. Aber rein-geistig müssen sie bleiben, und sie sind ja in Deinem Brief lein bereits angekommen, und sind schon aufgestellt. Und herzlichsten Dank! – Aber sonst in der »Realität« um Gottes Willen nichts senden! Wollte ich mich real in meinem Garten lagern, so hätte das nur die Folge, daß andere Mietsbewohner mit großer Nachkommenschaft auch dieses Recht in Anspruch nähmen – und welchen Anblick hätte ich dann vor meinem Fenster – statt dem jetzt so herrlich verschlossenen Garten! – (Zum realen Lagern stehen mir hier die herrlichsten Hoch-Wälder zur Verfügung!) –

Deine 4 Konzerte (15., 20., 22., 27. Juli, nachmittags 17½-18 Uhr, deutsche Welle) werden von mir im Musiksaal einer ganz nahe gelegenen großen Musikalienhandlung, mitangehört werden. Also ich bin unter Deinen unsichtbaren Hörern verborgen!! Die Tageszeiten (vgl. oben –) stimmen doch?

Es wird wunderbar werden! Glückauf!

Dein Sfaira M.

 

(107)

H(eidelberg), 15. 7. 1931

Liebes Soll-Ich

17½ Ich sitze . Der Dr. Just redet leider die kostbare Zeit hinweg. (Ziemlich viel Nebengeräusche!) » Silberschwan«.

17.50 Ich sitze noch immer. Manchmal sehr eindrucksvoller Gesang. Aber vom Cembalo höre ich nichts!

17.55 ganz leis dringt Cembalo durch ( geisterhaft). Es schlägt 18.00 Uhr. Die Gamben hört man noch. Cembalo fast nicht. Eben Schluß. Dowland (3 Gamben und Cembalo).

18.05 Ich erhebe mich!

Gruß Sfaira

 

(108)

(Heidelberg), 25. 8. 1931 6.30 Abends

Liebes Soll-Ich –

ich erschien, kann aber nicht hören, weil Berliner Sender ohne Übernahme auf Deutsche Welle nicht zu bekommen ist. Dagegen schallt hier Rosenkavalier München – ich ziehe aber ab –

traurig – Sfaira M.

 

(109)

(Heidelberg), 30. 8. 1931

Liebes Soll-Ich,

Hab Dank für all die guten Gaben! Bevor der Sommer ganz verrinnt, will ich mich aufraffen und einmal die Donau hinunterfahren (nicht bis ins schwarze Meer – sondern nur bis zu der Beethoven-Stadt!) Wann kommt der Amazonen-Strom zu mir? Und Deine Insel: Kommt sie nicht zu Dir? Schönstes!

Dein Sf.

 

(110)

Drei einzelne Zettel

16. 10. 1931

Hab Dank, liebe Vasanta! ...

Gute Nacht ...

D. Sfaira M.

16. 10. 1931, 6.25 abends

»Noch der Duft einer Rose ...«

Sfaira Mörk.

16. 10. 1931

Eine einsame Höhe grüßt!

Sf. M.

 

(111)

(Heidelberg, 11. 12. 1931)

Oh liebes Soll-Ich–

Der Lichter-Kranz! Nachbild des hochoben aufgehängten Sternen-Kranzes! – Hab Dank!

Ja: die Namen sind herrlich. Aber mein »Liebe-Paar« ist schon längst polizeilich gemeldet (bei der hohen Dichtungs-Polizei) als » Leukanor und Luona«. (Völlig eigene Bildungen: nach erlauschten Ur-Ideen – –)

Sei gegrüßt!
Dein Sfaira

»Große Pläne?« – »über weite Wasser«? – »Über den Wassern zu singen«? (Schubert?)

 

(112)

(Heidelberg, 27. 12. 1931)

Weihnachtsgrüße, liebes Soll-Ich,

und schönsten Dank für grünen Tannen-Wald und Kerzen-Brand! Und alles Andere! – Die Zeit rast dahin, sollten aber die Federn, die zwischen dem hellen Sonne-Morgen im Stadtpark Schöneberg und heute zu Dir flogen, sich verflogen haben – oder gar nur gedachte Federn gewesen sein?? Jedenfalls wurde oft zu den Konzerten hineingedacht = hineingehört, und Cembalo und Clavichord vernommen. Und auch mit dem großen »Flügel« wurde mitgefühlt, der in seiner vollsten Kraft »zur Ruhe gesetzt« wurde. »Denk es, o Seele!«

Übrigens werden vielleicht demnächst zwei Deiner Opera aus dem Schöneberger Stadtpark »auf eine breitere Basis« gestellt werden (hoffentlich wirst Du dann nicht erschrecken! .–). Also einige »Federn«! Und hoffentlich ist die »Zauberflöte«, die ich einige Tage vor Weihnachten an Dich losließ, bei Dir gelandet (eine veritable, keine »gedachte«).

Schönste Grüße, liebe Vasanta!

Dein Sfaira M.

Damals: Brieflein ins Hotel, bekam ich nachgesandt.

Wie mag es Dir sonst gehen: Essen – und Heizen – und »die Zeiten« – –??

 

(113)

(Heidelberg), 31. 12. 1931

Glück ins neue Jahr! Ton-Glück!

Alles angekommen – Porträts (!), Schnitt (Vasanta), der Park (wenn »alle Saiten reißen« – beginnt Lichtbilderei! –) Noch der Duft einer Rose!

Herzlich Dein Sf.

Bald mehr.

 

(114)

Heidelberg, 16. 2. 1932

»Wenn ich es genau bedenke, war für mich die Dichtung das Mittel, um mich auf eine höhere Stufe des Geister Reiches zu erheben« –

A. M.

O liebes Soll-Ich – Deine Blumen – Deine Veilchen! – Dein Lied! – Heute nur –

Sfaira Mörk.

Vielleicht vernahmst Du etwas aus den Äther-Wellen –? –

Sf.

Dein Veilchensträußchen hängt unter dem Isländischen Moos –

 

(115)

Heidelberg, 29. 2. 1932

Liebes Soll-Ich?

Bist Du in Indien? Oder gibts dort eine zweite Vasanta?

Akazien-Blüten wehen herab vom Himalaya mit Deiner Schrift!!

Granatblüten von Delhi!!

??!!?!!! Sfaira
der Erstaunte!

 

(116)

[Drei Postkarten]

Heidelberg, 10. 5. 1932

Oh liebes Soll-Ich –

nun bist Du also wieder aus Indien zurückgekehrt – Deine
Vasanta-Blumen aus Delhi ruhen hier unter Glas, und bei ihnen
an einem Band ein schöner Türkis!

und vor ihnen stehen Deine buntherrlichen frischen Blüten
aus Deutschland – Narziß! Enzian! Tulpe! –
draußen aber ist den ganzen Tag tiefe Dämmerung –

der Ofen brennt – bald nahen die Eisheiligen heran –
und Soll-Ich fährt nach Tola-Hof (entfliehend dem Film-) –
So grüße die Insel! Die Feuer-Steine! Das Haus! Den Wind!
Den Sand! Den Busch!

Dein Sfaira sehr: Mörk.

 

(117)

Heidelberg, 2. 6. 1932

Oh liebes Soll-Ich – ein paar Tage war ich verreist – leider die »Deutsche Welle« versäumt! Und Dein Paket! Un – er – hört! – Du – sollst – n – i – (cht) – 5 Tage gelegen! – Hochlandweg! – Das wunderbare Muschelkästchen!

In Eile Sfaira M.

Das Jahr eilt!

 

(118)

(Heidelberg), 2. 6. 32

Oh Welt!
Die Nelken! ...
Das neue Cembalo!
Deine »Noten«! ...
Heil und Dank!

Sf. M.

»In den kurzen Tagen meines Gesanges ...«

 

(119)

Heidelberg, 16. 7. 1932

Oh liebes Soll-Ich

wie freute ich mich, daß Du so glückliche Stunden hattest, und daß Du mir Kunde davon gabst, und Deine Blumen. Aber daß noch viele andere glückliche Stunden da sind, dafür sorgen die Glück-Helfer Mozart, Händel, Beeth[oven] und andere, mit denen Du verbündet bist. – Du erwähnst Atair S. 59-79 ... Das ist jetzt genau 10 Jahre her, daß ich dieses Gedicht schrieb. Ich fürchte, ich dürfte heute nicht wagen Ähnliches zu machen, ohne mich in Stücke zu sprengen. Deshalb liebe ich es besonders (und scheue es). Von seinem Gehalt werden vielleicht Einige eine Ahnung haben (obgleich nichts zeitgemäßer ist als dies Gedicht!). Ob aber seine Rhythmik überhaupt Jemand heute erfühlen kann? Ein paar Musik-Seelen. Benndorf hat ja in seinem neuen Buch (ein Wunder an Treue zur Sache, vielleicht hast Du einmal Zeit, hineinzusehen) (»Mombert. Geist und Werk.« Dresden 1932 Wolfg[ang] Jeß 368 S.) – gerade dieses Gedicht zu analysieren versucht (S. 206-211).

– Wie gefiel Dir die Zusammenstellung der »Selbstbildnisse« im Insel-Schiff? War das nicht »Morkjär«?? –

Noch habe ich für Deine schönen Rosen zu danken, die gerade anlangten, als ich für einige Tage hinausging. Nun aber ist »Afrika« schon vorüber. Es ist mittleres »Norwegen« (kühl).

Heil dem neuen Cembalo mit seinen Wunder-Klängen!

Es empfiehlt sich ihm, und dem Hammer-Klavier, und allen anderen Konkurrenten

Dein Sfaira M(?)

Solltest Du gar nicht an Deinen Sommer-Meer-Sitz gelangen können? Der Rabe! – Der Sand – das Gras – die Muschel!

12. und 19. VIII. 6 Uhr Deutsche Welle ist »vorgemerkt!«

 

(120)

Titisee, 8. 8. 1932

Liebes Soll-Ich –

»wer um den See wandert sein ewiges Menschen-Jahr« –

Grüße! (»Feder«)
Sfaira Mörkj.

 

(121)

Heidelberg, 23. 8. 1932

Oh liebes Soll-Ich –

Wieder zurück – und nun fand ich die wunderbaren Worte zu den Cembalo-Klängen, die ich – gebrochen und aus weiter Ferne – im Schwarzwald in Dorfwirtshäusern vernahm.

Du mußt sie mir noch einmal vorspielen. Wunderbare Seelen-Töne: »Ach, ich möchte still versinken« – – – »Endlos endlos Die Wasser meines Kummers« Schwermütiger Klang einer Seele-Verwandten des späten Brentano –

Oh liebes Soll-Ich – »anbei« das Nest eines Singvogels, das ich vor einiger Zeit in der Nähe meiner Wohnung von einem nächtlichen Sturm vom Baum herabgeschleudert fand – genau so, wie es jetzt ist. Sieh einmal, was Alles da drinnen sich befindet. Die Fäden usw.! – Wenn Du also manchmal so einen Faden fortwehen läßt, wird mancher Sänger Dir dankbar sein. Deine Sendung von Wohlgerüchen! Blumen!! –

Möge doch der 1. September Dir die Fahrt nach der Insel bringen. Du – sollst – inselwärts!! –

Grüße! Dank!
Dein Sfaira Mörkj.

Seit heute Nacht ganz kühl, aber schönste Sonne!

Endlich wieder ein – Sommer!

Deine Energie! Wie Du das Alles durchhältst! (aber davon darf man wohl nicht reden ...)

 

(122)

(Heidelberg), 22. 11. 1932

Liebes S-Ich –

Das Päcklein –! –! – – –

Unerhört! – aber es ist angekommen –

Angekommen – aber es ist unerhört! –

DU SOLLST NICHT

Schönsten Dank und Gruß

SF.

Es wird »Frühling« – ist das nicht – Vasanta?

 

(123)

Heidelberg, 28. 12. 1932

Oh liebes Soll-Ich: Alles angekommen (obwohl der direkte Schienenstrang noch fehlt). Aber unerhört – aber angekommen. Die ewige Nacht-Lampe, sehr praktisch zur Verscheuchung der Dämonen! – Und der Trompeter mit des Knaben Wunderhorn hat geblasen! Wolfgang Amadée lächelt! Die Worte des XVI saec. tönen schwermütig – obwohl man nicht weiß, ob im großen Himmelsgarten gerade »Ruhe« zu finden ist: die giebts nur in der Sehnsucht des Menschen. Droben regiert der ewige Kreislauf. »Draußen ist der Gesang aller Sänger der Welt.«

Und nun ist Soll-Ich in Sinnen versunken – über die nächste Zukunft – was hat das zu bedeuten? Ich hoffe es im Januar zu erfahren. Die Zeit rückt näher. Was wird alles mit einem getan (am 15. 1. wird es wahrscheinlich gar noch zum Rundfunk kommen; noch nicht sicher; ich schreibe noch). Teile mir bitte mit, wenn Du Einladung zum 16. 1. (Akademie) erhalten hast. Ich möchte es »kontrollieren«.

Nun geht »das Jahr« zu Ende.

Sei herzlich gegrüßt, liebe Vasanta, von
Sfaira M.

Auch Ambrosia angekommen! Die Rose! Unerhört!

 

(124)

Heidelberg, 6. 1. 1933

Liebes Soll-Ich!

Dank für Brief. Unterdessen wirst Du Einladungskarten zum 16. 1. erhalten haben. Ich habe natürlich Deine Schwester benannt, ebenso Frl. Slottko, und Frau Thoms-Paetow. Die Karten lauten auf jeweils 2 Personen. Man schreibt mir: Wer von Nicht-Geladenen kommen will, braucht nur im Bureau der Akademie anzurufen. »Willige« werden auch »ganz ohne« Karten hineingelassen. (Der Saal faßt circa 240 Personen.) Hoffentlich!! geht es bei mir »ohne Erkältung« ab! Immer ein großes Wagnis mit der »Stimme«! Deine Cembalos sind immer bereit. – Der Rundfunkvortrag soll bereits auf Donnerstag den 19ten abends 6 Uhr, verlegt sein. Ich habe noch nichts direkt gehört.

Morgen 745
Soll-Ich
in den Lüften!

Herzlichst Sf. M.

NB.: Du kannst evtl. auch von mir 1-2 Karten erhalten!

 

(125)

Heidelberg, 12. 1. 1933

Liebes S-Ich –

Nun werden die »Einladungen« (Pariser Platz) angekommen sein. (Wer will, kommt auch »ohne« hinein, – natürlich »gratis«!) Der Rundfunk-Vortrag (Deutschland-Sender) findet erst statt: Donnerstag den 19ten, abends 6-6.25. (Vorher Max Fischer – –)

Auf Wiedersehen!
Dein Sf. M.

 

(126)

Berlin, 15. 1. 1933

Liebes Soll-Ich!

Angekommen in Berlin – und bereits umgezogen (in meinem alten Retiro versagte die Heizung (mangels Kohle!). Also morgen abend soll es sein. Ich lege Dir noch eine Einladung bei, für den Fall Du sie verwenden kannst. Heute und morgen muß ich ganz Ruhe halten. Dann aber bald auf Wiedersehn! Ich bin jedenfalls die ganze Woche in Berlin. Hoffentlich versagt meine »Stimme« nicht!

Herzlich Dein Sfaira M.

NB. Man kommt auch »ohne Alles« in die »Akademie« hinein! Staatsgebäude, Jedermann gehörig! Alles »gratis«! – – –

 

(127)

München, 25. 1. 1933

Heil dem Tag! (27. 1.!!)

Heil der Mozart-Musik-Seele!

Morgen gehts für kurz in das Schnee-Gebirge –

dann von Heidelberg aus ein substanzieller Gruß.

Oh liebes Soll-Ich: Alles Gute und Schöne!

Dein Sfaira M.

 

(128)

Heidelberg, 9. 2. 1933

Oh liebes Soll-Ich –

Wie Dir danken? –

Du – sollst – nicht!! –

Der goldene Mimosen-Wald, der vor mir steht! –

Das stille Veilchen!

Die Spezereien aller Zonen!

Der Kuchen-Berg!

Alles – » unerhört«! –
Aber das Freudigste ist: Daß Du wieder in Deiner Behausung fest verankert bist. Dein Ausbruchsversuch ist gescheitert; was zu hoffen war.

Nach einigen wunderbar strahlenden Sonnen-Tagen im bayerischen Hochland kam ich gut zurück und traf noch manches Deiner Kärtlein aus den Januar-Tagen an. Es ist schade, daß der sog. »Reichssender« (Deutsche Welle) sowohl in Bayern als in der Schweiz, als in Karlsruhe etc. so gut wie unhörbar ist! Wellenlänge! – Jedenfalls war mein Vortrag unhörbar.

Gut ist er glaub ich hörbar im Norden und Osten.

Es ist so warm wie im April.

Ich habe nichts dagegen und harre des Frühlings.

Schönster Vormittag des 22. Januar!

Endlich – der Gesang!

Von Herzen Dein Sfaira M.

 

(129)

(Postkarte mit Ansicht von Heidelberg [Luftaufnahme])

(Heidelberg), 12. 4. 1933

Hier, liebes Soll-Ich, komm ich in meinem Haus (und in der Gesellschaft noch anderer Häuser) angeflogen, noch rechtzeitig, und höre zu! Glück der Töne! Frühlingsgrüße!

In Eile Sfaira

Die Sonne kommt über den Berg! Schwerin kam an! Glückwünsche dem Komponisten!

 

(130)

Nervi, 1. 5. 1933

Das Wort.
Liebes-Geflüster. Helden-Sage.
Alles, was ich in den Welten wage,
ist nur das Wort.
Aber mächtig wächst sein Echo fort.
Schon tönen es alle Meer-Wogen.
Ihm lauschen Götter auf ihren Sterne-Bogen.

Gruß von Sfaira-M!

 

(131)

Heidelberg, 15. 5. 1933

»Montag Nacht 1-1/2 spiele ich wieder über den Atlant
mit meinem kleinsten Saitenspiel«
Soll-Ichs wundersames Gedicht,
zauberhaft-diktatorisch!!
Es lauscht: Sfaira der Alte, zurückgekehrt!

Umstehende Worte werden demnächst in eine Dichtung eingefügt!

 

(132)

Heidelberg, 29. 6. 1933

Oh liebes Soll-Ich –

Welch ein Brief –

Du sollst nicht! – Du darfst nicht! –

Die Treppe – hinunter –

darf – nicht – wieder – sein –

Ja, seit Monaten bin ich wieder völlig – »drinnen« – in der Dichtung – das sind solche Wort-Ballungen, daß einem die Brief-Feder in der Hand zerbricht – ich schreib Dir nächstens mal was davon ab –

Es stimmt, was Beethoven sagte:

»Mir ist, ich hätte noch keine Zeile geschrieben« –

Es stimmt!

Heute
Glückauf, die Treppe hinauf!
Dein Sfaira M.

 

(133)

Heidelberg, 29. 12. 1933

Oh liebes Soll-Ich –

Moos aus uraltem Erlenwald ist bei mir der ganze Erlenwald! –
und ein Blatt aus alten Tagen –
und die Klagen! – und Chartres! – und
die dunkle Rose! –

Licht-sehnsüchtig ins neue Jahr!

Dein Sfaira Mörk.

 

(134)

Heidelberg, 9. 2. 1934

Unerhört! unerhört –«
liebes Soll-Ich!

Noch habe ich Dir für die Nacht-Violen (Mondveilchen, Lunaria) nicht gedankt und die Mozart-Musik – da rücken schon griechische und asiatische Tempel von Dir zu mir heran, und gelbe und rote Blüten flattern über die Wolken-Bläue herab – Unerhört!! – Und bald erwarte ich nun den neuen Wohnungs-Situationsplan, und wo die »Instrumente« stehen resp. lagern. Eines erwarte ich aber ziemlich umgehend: nämlich Beantwortung der Frage, ob Du selber das herrliche Buch über javanische Plastik und Architektur von Karl With in Deiner Wohnung besitzest (ich muß das aus ganz besonderen Gründen wissen!). Nun wirds doch bald Frühling?! Ich sehne mich sehr danach, weil ich dann mit Vollkraft mich in »Arbeiten« stürzen will, die ich ohne Unterstützung des Frühlings gar nicht anzufassen wage.

Es ist »grausig-herrlich« ...

Für heute, oh liebes Soll-Ich
Dein Sfaira M.

 

(135)

Nervi, 1. 5. 1934

»... Alles ward mir Gesang, ward alles Sage.
Alle Küsten berollen meine Geist-Wogen;
ich besitze, wie die Meere besitzen.
Selber bin ich nun Meer, bin Gesang, und Sage.
Zeiten, Räume reichen einander mich weiter,
nicht kann ich entrinnen, nicht stille stehn.
Ich gehöre den ewig-werdenden Welten ...«

Sfaira der Alte

 

(136)

Heidelberg, 28. 5. 1934

Oh liebes Soll-Ich!

Unerhört: die wunderbaren Früchte der Tropen, die Du im Werra-Tal pflücktest! Und der Kuchen, der soeben an einer Thee-Orgie teilnimmt! Völlig frisch! Blumen! – Und die Narzissen des Pfarrgartens in Braach kamen in verewigtem Zustand in meinen Besitz: äonisiert! – –

Gruß und Heil! Dank! liebes Soll-Ich!
Dein Sfaira M.

 

(137)

Heidelberg, 10. 7. 1934

Oh liebes Soll-Ich!

Der Herrin auf Tola-Hof – Heil! Wie freue ich mich, daß du endlich wieder einmal bei Dir eingekehrt bist! Bei der Treppe! beim Rosenstrauch! Bei der Wiese! Bei den Feuersteinen! Bei – Allem! – Wäre nur der Weg dorthin nicht so weit – weit –: dann ... Wunderbare Frühlings- und Sommer-Tage!

Heute morgen las ich nach 5 Jahren wieder einmal »Aiglas Herabkunft« ...

Ich war ganz überrascht, als ich auf folgende Worte stieß:

(Ein gewisser »Thaumas« spricht sie)

»was ganz Ich bin:
des Ewigkeit-Schatzes der Elemente
im Sekunde-Hammerschlag auf diamantenem Berggipfel wunderbar ineinandergeglühtes Glück«:

– Das ist völlig jetzt in » Sfaira dem Alten« Gestalt geworden! In vielen vielen Versen! –

Dem Rosenstrauch Dank für seine Gabe!

Und spende ihm in Sfairas Namen einen Guß »heilig-nüchternen Wassers«!

Oh liebes Soll-Ich auf Deiner Insel!

Schönstes! – Sind die Natur-Menschen noch dort? Denn Geist: den gibts doch heute nicht mehr?

Ist die Spieldose noch dort? Eben lasse ich die, die Du mir schenktest, spielen ...

Gruß an Meer und Sand und Muschel! An die Vögel! – An die Musik-Zelle!! –

Dein Sfaira M.

 

(138)

H(eidelberg), 9. 2. 1935

Über dem grünen Pontos hoch am Himmel / schwebt jetzt das goldene Vließ: die Leuchte Sonne. / Meerwärts in der Tiefe heitert das Reich / freier Albatrosse, kreisender Seeadler. / Unterm Himmel hin über Land und Meer / reisen auf uralten Straßen die Völker der Zug-Vögel. / Hier stehn ihre luftigen Sänger-Hallen. / Unten im ewigen Braus kristallener Wogen / tauchend und springend folgen gesellige Scharen / munterer Delfine der Erscheinung des Herrschers; / hundert hingleitende Rücken erschimmern im Licht. / Aber zahllos regt sich ein Gewimmel / drunten zuunterst in dunkler Tiefe der See. /

Aus Gesang X (» Ins Morgenland«) Sf. d. Alte auf dem schwarzen Meer (reisend auf einem Delfin)

A. M.
für Soll-Ich

 

(139)

(Heidelberg), 5. 6. 1935

Oh liebes Soll-Ich!
Dein Korallenbaum!!
Deine Rosen von Delhi!!
Herzliche Pfingstgrüße!

Sfaira Mörk.

 

(140)

(Heidelberg), Pfingst-Sonntag 1935

Oh liebes Soll-Ich!

Deine Rosen vom »Weißen-See«!! Und Hiddensee!; Die Jasmin-Blüten vom Tola-Hof! Und welche Nachrichten!

Sofort stürzte ich mich auf den Pharus-Plan von Berlin und konstatierte, daß, wenn man die Kreuzung von Linden und Friedrichstraße als Zentrum Berlins nimmt, die neue Wohnung ungefähr gleich weit wie das »Knie« ist! Verbindung Autobus und Tram zum Alexanderplatz! Dort »Untergrund«! Alle guten Geister werden jetzt zum Weißensee kommandiert.

»Wer um den See wandert
sein ewiges Menschenjahr«

(so fängt »Atair« an)

Gruß an Deine Weiden, Deine Schwäne, Deine Pappeln! Du hast sicher schon von allem energisch Besitz genommen!

Die schönsten Pfingstsonntag-Grüße, liebes Soll-Ich –

Dein Sfaira M.

 

(141)

(Heidelberg, 7. 8. 1935)

»Es dürfte schwer sein, eine Stelle auf dem Erdenrund ausfindig zu machen, welche nicht schon wiederholt über und unter dem Meere war.«

(Kerner v. Marilaun, Pflanzenleben II 599)

Welch ein wunderbarer Trost für jede Lebensstunde!

Sf. d. A.

 

(142)

(Zwei Ansichtskarten, eine Notiz)

Heidelberg, 15. 12. 1935

Oh liebes Soll-Ich –

Deine Blumen – Dein See! –

Noch in diesem Jahr beginnt endlich der Druck, dann erhältst Du etwas –

Grüße! Sfaira

Mein »Gegenüber«, der mir in die Fenster schaut –

Sfaira M.

Kerner von Marilaun: († 1898)

Pflanzenleben

Leipzig, Bibliografisches Institut. 1891

2 Bde. ( illustriert) (antiquarisch sehr billig zu haben. Hervorragendstes Werk!)

 

(143)

Heidelberg, 27. 12. 1935

Oh liebes Soll-Ich –

Du sollst aber doch nicht – Die Eilboten!!

Du willst halt bei der Reichspost ein Mahn-(Denk-)Mal bekommen –

Siena! – Borneo! – und die Kräuter aus China – den Tropen! – Die Flötenspielerin im Fenster! –

Jetzt gehts endlich baldigst mit dem Buchdruck los – und hoffentlich bekommst Du dann etwas »Compaktes« –

– Heraus aus den Mappen! –

Herzlich, liebes »Soll-Ich am Weißensee«

Dein Sfaira M.

 

(144)

(Zwei Ansichtskarten in Briefumschlag)

(Heidelberg, Poststempel 12. 2. 1936)

Oh liebes Soll-Ich:

Unerhört! Dein Eilboten mit Blumen, exotischen Kräutern, Himmelsbrot, Gewebe Indiens!! Du »sollst nicht!« – –

Dein Konzert! «Wie freute ich mich, daß Du wieder spielst! –

Mit Beginn des Frühlings hoffe ich Dir auch was an der »Orgel« ( meiner) vorspielen zu können. Dank!!!

Dein Sf. M.

O liebes Soll-Ich!

Schönste All-Grüße!
Heil der Insel!
Heil Meer und Haus!
Grüße Pappel, Clavichord, Musikzelle – und verschlossenes Gemach!

Dein Sf. M.

Gruß dem Singvogel! Der Seele!

 

(145)

H(eidelberg), 1. 6. 1936

Liebes Soll-Ich –

Gruß!

»Neben mir öffnet purpurene Glocken eine gigantische Blume« – (»Held«)

– bald (endlich!!!) kommt das neue Buch –

Kannst Du jetzt nicht nach der »Insel«?

Ins »Pfarrhaus«?

Dein Sf. M.

 

(146)

(Heidelberg), 3. 7. 1936

Oh liebes Soll-Ich –

Deine wunderbare Meeres-Edelstein-Sammlung!

Da sitzt man erschüttert davor! Was ist alle Kunst vor der Schönheit des Spiels des ewigen Natur-Kindes!!! Jedes Steinchen – einst Gebirge! – glückseligt im Jahrtausend-tausend-Spiel, bis es selig vergangen ist –

Und Alles in der Meer- Musik!! – da können Mozart und Genossen »einpacken«!!

Gruß der Insel!

Gruß Tola-Hof!

Gruß der Musik-Zelle!

Gruß Gras und Wind und Vogel und Blume!

Gruß dem Soll-Ich!!!

Sf. d. A.

Gruß dem Wasser-Hahn! Gruß dem Tee-Kessel!

Viele glückliche Tage!!! – (Gedenken!!! – – –)

 

(147)

H(eidelberg), 29. 12. 1936

Oh liebes Soll-Ich –

Deine Boten! – Deine Eil-Boten!!!

Aber – Du – sollst – nicht!! –

Aber ankamen die stillen Moose – der stille Mond-Stein!!

Unerhört – die Ruinen von Persepolis!!!

Anbei kommt Tola-Hof zurück. Ich finde den Holzschnitt schön. Ich glaube, man kann ihn als Druck-Stock verwenden. Aber bitte nicht für mich ein zweites Exemplar fertigen lassen. Ich hab das Haus so wunderbar geistig vor mir, mit den Düften und Winden und Sommer und Musik und Meer – und – und – Soll-Ich, – – daß jedes Abbild davor verblaßt. Auch ist es in meinem Alter Zeit, die irdischen »Gegenstände« zu vermindern, nicht zu vermehren – – – –

Herzensgrüße ins neue Jahr, das mich wohl wieder nach dem Norden bringen mag

Dein Sf. M.

Die »Conchilien« sind ein Gruß des indischen Ozeans; die Zettel mit Handschrift meines Großvaters (mütterl. seits) –

 

(148)

Heidelberg, 16. 2. 1937

Oh liebes Soll-Ich –

Deine Blumen! Und Deine Früchte! Und Deine Musik! die geheimnisvolle schwarze Schall-Platte mit den herrlichen Gesängen! Ich suche mir baldigst einen Drehapparat dazu (je mehr die Zeit künstlerisch verarmt, um so höher steigt ihre Technik). Und das islamische Miniaturen-Buch! Unerhört! Ich kannte natürlich seinen Inhalt schon lange, aber es ist schön, es zu besitzen. Kennst Du die Sarre-sche Sammlung in den verschiedenen Berliner Museen?

– Liebes Soll-Ich: Du sollst nicht!

– »Seit 1897 mit Bewußtsein« – das heißt etwas. Damals erschien zum ersten Mal »die Schöpfung«. Ich fand dieser Tage wieder Dokumente aus jener herrlichen Zeit der rasenden Presse und der tobenden Schreie nach Irrenhaus und Staatsanwalt (fast uni sono! Einzig »die Zeit« [Hermann Bahr] ganz bejahend!). Aber jener Zustand schien mir doch viel fruchtbarer als der heutige der freundlich lobenden Beschaulichkeit. Jene Wut gebar auch die stärksten Begeisterungen. Heute?? – –(Abgesehen von organisierter Taub-Stummheit)

– Bald in den Frühling! –

– Da hilft Dir Dein Garten und Deine See!

Herzlichst Pir Sfaira

Pir heißt persisch »der Alte«

»Das klinget so lieblich, das klinget so schön« ... (von Metz bis Memel: uni sono).

 

(149)

Postkarte (Foto vom Lago Maggiore)

(Lago Maggiore), 30. 8. 1937

Gruß von einem klaren See und von

Sfaira d. A.
und von Mozart

 

(150)

(Heidelberg, 17. 9. 1937)

Oh lbs Soll-Ich!

Dank!!! Haideblume und Edelstein!! Gruß an Alle! Pappel, Busch, Wiese, Haus, Wasserhahn, Tür, Dach, Vogel, Feuerstein, Sand, Musikzelle! Oh liebes Soll-Ich, wie lange ist das her!! – –

Herzlich Sf. d. A.

 

(151)

(Heidelberg), 29. 11. 1937

Oh liebes Soll-Ich –

Dank! – Ich habe gleich den Plan von Berlin genommen. Klopstock 53. Du bist in der Nähe der Spree und des Tiergartens und der Hoch-Untergrundbahn. –

Schreib einmal. Und wo mögen die »Flügel« und die Saiteninstrumente der alten Zeit stehen? –? –

Anliegend ein paar Worte, die auf meinem Schreibtisch stehen (die »einsame Stimme« aus »Aeon der Weltgesuchten«).

Singe die Dir vor! –

Schreib einmal »Näheres«!

Dein Sf. M.

Unterrichtest Du wieder in der schönen Kunst? – Schreib –

 

(152)

(Heidelberg), Weihnachten 1937

Oh liebes Soll-Ich –

voriges Jahr hast Du mich mit dem gleichen herrlichen Traum-Bilder-Buch beschenkt. Ich bin überzeugt: Du besitzest es selbst nicht, darum empfange es nun auch von mir!

Schönstes! Sfaira d. A.

»Von Osten goldne Winde wehn,
nach Osten Störche, rosig eine Schar« –

(Schöpfung Nr. 26)

 

(153)

H(eidelberg), 28. 12. 1937

Oh l. Soll-Ich –:

Unerhört! Unersehen! Reichspost-Geleis-Beschluß!! – Alles angekommen: Göttin!!! – Advent und Hirten!! – Friedrich!!! Tannen! Götter-Brot!! Eukalyptus! Die Göttin aus der jetzt ausgegrabenen Stadt Sabratha (70 Kilom[eter] westlich von Tripolis) – Unerhört!! – Dank!! Und Sylvestergrüße!

Dein Sf. Mörk.

 

(154)

Nach 1937

(Aus einem der späteren, von der Post geöffneten Briefe:)

... Aber das Traum-Weinen kenne ich gut – das sind die unfaßbaren Gedichte! –


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