D' Ahnl

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Kapitel 1 des Buches: D' Ahnl

Franz Stelzhamer

D Áhnl

Gedicht in oberderennsscher Volksmundart


Vorbemerkung Stelzhamers aus der bei Cotta erschienenen Ausgabe:

Ein paar Worte mehr muß ich dem Schlußgedicht »DÁhnl« voranschicken. Es ist dieses Gedicht unter allen meinen Gedichten das einzige, das aus einer Absicht entstanden ist und hätte den Zweck: das östreichische Volk von der ihm von seinen eigenen Kindern angedichteten Zartfühligkeit, dem ständigen Belächlungsgrund unserer übrigen deutschen Brüder, in etwas freizumachen. Um diese meine Absicht leichter zu erreichen, wählte ich den ewig und einzig großen Moment von junger Liebe und Ehlichung zweier Leutchen aus der lieben einfachen Landbewohnerschaft.

Ich habe gelegentlich schon zweimal gegen besagte Andichtung geeifert, aber es schien mir das noch immer nicht genug, wenigstens nicht eindringlich, nicht nachdrücklich genug, und ich entschloß mich, in dem Gedicht »DÁhnl« nebst aller andern Kraft auch die ungeschwächte Herzkräftigkeit meines lieben östreichisch-deutschen Volkes breitestens darzulegen. Ob ich es gekonnt und ob das Gedicht nebstdem auch genug Unterhaltliches und Annehmliches für den Leser enthalte, weiß ich nicht, aber ich wünsch es von Herzen.

Das Volk, in allem der Natur noch nahe, ist es auch in der Liebe und gibt, wenn es einmal liebt, sich gleich ganz ohne einseitigen Vorbehalt. Da ist dann auch nicht viel sentimentales Seufzen vonnöten.

Sentimentalität wächst nur in der Verkornmenheit der städtischen Sitten, in städtischem Müßiggang, wie aus dem Romangeleier überhitzter Poeten. Die kräftige Waldund Feldluft, harte Arbeit, rauhe Kost und Entbehrung aller Art lassen das überweichliche Wiegen und Wogen der an sich schönen, durchaus nicht verdammlichen menschlichen Sensualität nicht gedeihen und aufkommen. Überdies hat das Landvolk so gut wie der Städter auch seine Aristokratie in den Meierhofbesitzern und Groß- oder sogenannten Herrenbauern, zu der sich der Plebejer – Kleinbauer, Söldner, Häusler, Löhner, Inwohner, Knecht – kaum mit seinem Gedanken, geschweige denn mit weiteren Wünschen und Begehren emportraut, hm, und setzt es in der eigenen Schichte eine Herzbeklemmung, so gilt der allzeit trostreiche Spruch:

Án anderne Muadá
Hat ár á schens Kind!

Eine seltene zeitweilige Ausnahme ist eben dieselbe.
Ein Dialekt – oder sogenannter moderner Volksdichter je sentimentaler, desto unwahrer – das gelte dem städtischen Leser zur Richtschnur. Der Volksmann braucht sie nicht von mir, der trägt sie in sich und verschließt vor weichteigigem Zeug hartnäckig sein Herz. Aber er verschließt es auch vor anderem: Maurus Lindermaier z. B., dervortreffliche, drang nur in die studierte Schichte, das eigentliche Volk ließ er unberührt. Er war nur mit seiner Sprache im Volk geblieben, mit seiner Denkungsart, mit seiner Empfindungsweise war er daraus gewichen, er hatte sich nach damaliger Zeit emanzipiert und – war nicht mehr der Seinige. – Unsere Neueren – der Leser hat seine Richtschnur, darum genug!...

Franz Stelzhamer
Stuttgart, September 1854



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