Aus dem Pendnameh Attars

----------



Kapitel 1 des Buches: Aus dem Pendnameh Attars

Ferid-ettin Mohammed bin Ibrahim Attar Nischapuri

Aus dem Pendnameh Attars

*

Lob des Herrn der Gesandten

Der Welten Herr schloß ab das Botentum,
Als Letzter kam er, ward der Ersten Ruhm.
Er kam, neun Himmel dienten ihm als Stufen,
Prophet und Heilger seine Hilf anrufen.
Es war Erbarmen seines Kommens Grund,
Sein Tempel ward das ganze Erdenrund.
Sein Finger spaltete den Mond entzwei,
Ihm dienten Abu bekr und Omar treu.
War jener in der Höhle ihm Begleiter,
War dieser Heeresfürst der Glaubensstreiter.
Othman und Ali waren ihm gesellt,
Drum wurden sie auch Herrscher dieser Welt.
Der war ein Born der Mild in Tat und Worte,
Und dieser in des Wissens Stadt die Pforte.
Der beste Mensch der Wahrheit Licht, besaß
Als wackre Ohme Hamzah und Abbas.
Sei hundert Preis und Gruß dem Gottgesandten,
Auch allseits seinen Freunden und Verwandten.

*

Lob der vorzüglichsten Imame des Glaubens

Sein die Imame all, die unverdrossen
Mit Fleiß gewirkt, von Gottes Gnad umflossen.
Abu-Hanifah voller Reinheit war,
Er war die Leuchte für der Glaubgen Schar.
Es hafte Gottes Gnad an seiner Seele,
Und seinen Schülern Freude nimmer fehle.
Abu-Jusuf sein Freund hienieden war,
Auch mit Mohammed Gott zufrieden war.
Auch Malik und Sohar und Schafeï –
Dem Glauben jeder neuen Glanz verlieh.
Ihr Geist im Paradiese hochbeglückt sei,
Die Glaubensburg durch ihr Verdienst geschmückt sei.

*

Über den Kampf gegen die Leidenschaft

Verständig ist, wem Dank die Brust durchdringt,
Und wer zugleich die eigne Lust bezwingt.
Mein Sohn, wer siegreich seinem Zorn gebeut,
Hat von den Fesseln sich der Welt befreit.
Den acht als einen Toren schlimmster Art,
Der, ganz in Lust und Leidenschaft vernarrt,
Zugleich noch wähnt in seines Geistes Nacht,
Von Gott sei ihm Verzeihung zugedacht.
Ist, Söhnchen, auch Entsagung schwer zu tragen,
Doch schönres gibt es nimmer als entsagen.
Wer der rebellschen Seele Meister ward,
Ein Glied im Kreis gepriesner Geister ward.
Mit Strenge tritt der bösen Lust entgegen,
Laß sie sich nicht zu deinem Schaden regen.
Wer wünschet, daß sein glück stets Dauer hab,
Kehrt von der Welt den Blick mit Schauer ab.
Die Menschen acht als tief vom Schlaf umfangen,
Erwacht erst sind, die aus der Welt gegangen.
Dem Kränker laß Verzeihung angedeihn,
Verfolg ihn nicht, dann wird Gott dir verzeihn.

*

Der Menschenquäler nimmer Gottes Freund ist,
Solch Tun mit frommem Sinne nie vereint ist.
Wer rauhgesinnt ein Menschenherz verletzte,
Dem eignen Sein den schlimmsten Streich versetzte.
Wer nicht von Grausamkeit sein Herz befreit,
Dem ist als Strafe ewger Schmerz bereit.
Mit Härte, Sohn, schänd Herz und Hände nicht,
Den Blick vom Gott der Gnade wende nicht.
Nie kränke Eines Herz mit Hand und Munde,
Wenn doch, brennt dir in eigner Brust die Wunde.
Willst du, mein Sohn, einst in der Welt geehrt sein,
Muß dir auch jedes Ruf und Name wert sein.
Fehlt dir zum Guten Kraft, doch Böses meide,
Nicht Qualen lad auf dich zu ewgem Leide.
Vor Tadel andrer halt die Zung im Band,
In Bande sonst gerät dir Fuß und Hand.
Wes Zunge noch der Schmähsucht nicht entwöhnt ist,
Der mit dem Strafgericht noch nicht versöhnt ist.

*

Die Vorteile des Schweigens

Suchst, Bruder, du den Herrn aus Herzensgrund,
Auf sein Geheiß nur öffne deinen Mund.
Hast du den Ewgen, der nicht stirbt, erkannt,
Durch Schweigens Siegel sei dein Mund gebannt.
Mein Sohn, dein Ohr dem Rat, der Mahnung neige;
Ist dirs ums ewge Heil zu tun, so schweige.
Wer an Geschwätz und Reden seine Lust hat,
Krank ist das Herz, das er in seiner Brust hat.
Der Kluge hat sich Schweigens Art erkoren,
Vergessen des Gebots ist Art des Toren.
Not ists, von Lüg und Lästrung rein sich halten,
Verkehrt, mit Gier an Schwätzerein sich halten.
Was nicht gereicht zu Gottes Preise, sprich nicht,
Von Gottes Wort in Schwätzer Weise sprich nicht.
Wer sich ins Netz der Phrasenbreite gibt,
Was er besitzt, dahin als Beute gibt.
Das Herz im Leibe stirbt vor Phrasendrange,
Ob Adens Perlen gleich die Rede prange.
Wer Redegier zu seines Sinnens Grund macht,
Der seines Herzens Schönheit blutig wund macht.
Die Zunge laß im Munde sein gefangen,
Und auf Geschöpfe setze kein Verlangen.
Wer seine eignen Fehler deutlich sieht,
In dessen Geist stets neue Kraft erblüht.

*

Über das Lob der Gläubigen und über den reinen Wandel

Willst Du, o Freund, ein wahrer Gläubger sein,
Vier Dinge halte von vier Dingen rein.
Zuerst das Herz von Neide halte frei,
Und dann erst zähle Dich den Gläubgen bei.
Vor Lüg und Lästerwort die Zunge wahre,
Damit der Glaube Mindrung nicht erfahre.
Bleibt rein von Heuchelei Dein Tun und Treiben,
Wird Deines Glaubens Leuchte leuchtend bleiben.
Hältst rein den Leib du von verbotner Speise,
Wirst du ein Gläubger sein. Glück auf die Reise!
Wer diese Regeln hält, wird hochgeehrt,
Wer sie nicht hält, des Glaub ist wenig wert.
Wer seinen Leib nicht von Verbotnem rein hält,
Des Geist auch nicht den Weg zum Himmel einhält.
Das Handeln, das mit Heuchelei im Bunde,
Ist wertlos wie ein Bild auf Mattengrunde.
Wer in dem Tun aufrichtig nicht und wahr ist,
Der nicht aus der erwählten Diener Schar ist.
Wer, was er tut, um Gottes willen tut,
Auf dessen Tun der Glanz des Himmels ruht.

*

Über das Fundament des Glaubens

Mein Freund, sechs Dinge sind des Glaubens Grund;
Wenn du es wünschest, tu ich dir sie kund.
Sieh, Festigkeit, Furcht, Hoffnung, das sind drei,
Dann kommt Vertrauen, Liebe, fromme Scheu.
Wer Festigkeit besitzt in Licht und Wahrheit,
Der hat den Glauben und die Geistesklarheit.
Wer Gottesfurcht nicht in der Seele nährt,
Mein Sohn, des Glaub ist schwach und unbewährt.
Blieb deiner Taten Buch nicht rein von Sünden,
Laß nicht die Hoffnung auf die Gnade schwinden.
Um den, der das Vertraun auf Gott verlor,
Brech deiner Mitleidstränen Strom hervor.
Wem Gottesliebe nicht im Herzen wohnt,
Des Mühen wird nicht durch Erfolg belohnt.
Ein Teil des Glaubens auch die fromme Scheu ist,
Wer schamlos, der von Satans Kumpanei ist.
Sei, treuer Knecht, ergeben Gott dem Herrn,
Damit du bleibest seiner Strafe fern.
Wenn du bist glaubenstreu und tugendsam,
Vor Gott und den Geschöpfen hege Scham.

*

Über die Führung der Könige

In dieser Welt, mein Freund, vier Eigenschaften
Mit Schimpf und Schaden Könige behaften.
Lacht vor der Welt der Fürst mit Heftigkeit,
Gewinnt sein Ansehn schwerlich Kräftigkeit.
Sodann Gemeinschaft pflegen mit Geringen
Wird auch dem König nur Mißachtung bringen.
Wenn er mit Fraun sich früh und spät befaßt,
Gar bald der Glanz der Majestät erblaßt.
Wer einer Welt mit Ruhm gebeut und Macht,
Der sei auf Milde jederzeit bedacht.
Recht und Gerechtigkeit ist Königs Sache,
Daß er durch Recht die Völker glücklich mache.
Gehn aus von Tyrannei des Königs Taten,
So nützen ihm nicht Rosse noch Soldaten.
Ist als leutselig und gerecht bekannt
Der König, so hat auch sein Reich Bestand.
Ist freigebig der Sultan seinem Heere,
So weiht es hundert Leben seiner Ehre.

*

Über die Ursachen des Wohlbefindens

Wenn du dir Wohlbehagen willst erringen,
Kannst du, o Freund, es finden in vier Dingen.
Im Hause Sicherheit, genügend Gut,
Gesundheit und dazu ein heitrer Mut.
Wenn Sicherheit und Gut du nach Begehr hast,
Für dein Behagen darin du Gewähr hast.
Bist heiter von Gemüt du und gesund,
Was brauchst du weiter auf dem Erdenrund!
Die böse Neigung aus der Seele winde,
Daß du nicht fallest in der Weltlust Schlünde.
Mit Füßen tritt die Leidenschaft der Seele,
Gib nicht durch Nachsicht neue Kraft der Seele.
Gelüst und Satan dich vom Pfade lenken,
Um in den Höllenpfuhl dich zu versenken.
Kastei die Seel und immer klein sie halte.
So viel du kannst, von Flecken rein sie halte.
Wer reichlich Nahrung seinem bösen Blut gibt,
Der ihm zum Sündigen stets neuen Mut gibt.
Den Gaumen halte fern von Leckerein,
Daß du nicht gehst in Sünd und Strafe ein.
Füll nicht mit Speis und Trank den Magen voll,
Der Mensch nicht viehisch sich betragen soll.
Iß wenig, ists auch grade Fastentag nicht,
Iß mäßig, bist doch vom Vierfüßlerschlag nicht.
Der du im Schlaf liegst, bis der Tag erwacht,
Zünd eine Kerz an für die Grabesnacht.
Nur Speis und Schlaf, das ist der Herden Art,
Des Schläfrigen kein Seligwerden harrt.
Sohn, willst du sanft im Grabe ruhn, steh auf,
Von selbst und gern, wie Weise tun, steh auf.
Sünd ists, das Herz an diese Welt zu binden,
Recht ists, sich ihren Banden zu entwinden.
Was fesselst an die Welt du deinen Sinn?
Du sollst ja doch nicht ewig wohnen drin.
Entsagender, mit äußerm Schmuck nicht prahle,
Damit dein Innres wie der Vollmond strahle.
Erstrebe Zierrat und Geschmeide nicht,
Und späh nach Goldgeweb und Seide nicht.
Laß solch Gelüste, Gottes treuer Knecht sei,
So lang du lebst, dein Kleid gering und schlecht sei.
Den wollnen Kittel häng um Arm und Brust dir.
Und der Entsagung Trunk sei Lab und Lust dir.
Trägst du die wollne Kutte auf dem Leibe,
Sieh, daß das Herz auch frei von Hochmut bleibe.
Bist auf des Jenseits Anteil du bedacht,
So geh, wirf ab der Prunkgewänder Pracht.
Laß leere Sorg, und eitlem Hang entsage,
Der trägen Ruh, dem Müßiggang entsage.
Ein feines Kleid um deine Schultern tu nicht,
Auf weichem Teppich suche deine Ruh nicht.
Als Sufi nur in Wolle stecke dich,
Mit Gottes Eigenschaften decke dich.
Als Bett ein Strohsack soll des Frommen Ziel sein,
Am Ende wird ein Ziegel doch sein Pfühl sein.

*

Über die Demut und die Gesellschaft der Derwische

Hast du Verstand und Einsicht frommer Lehre,
Sei Derwisch und mit Derwischen verkehre.
Mit andern Leuten Umgang pflege nicht,
Und gegen jene Schmähsucht hege nicht.
Wer sie liebt, schließt sich auf das Himmelstor,
Doch ihren Feinden steht der Fluch bevor.
Ein einfach Wollgewand des Derwisch Kleid ist,
Vom Weltgelüst sein Sinn und Trachten weit ist.
Wer nicht den Fuß aufs Haupt setzt der Begier,
Wie findet der den Weg zur Himmelstür?
Nicht Saal und Hain des Frommen Herz entzückt,
Sein Herz wird nur von Sorg und Schmerz gedrückt,
Magst deinen Prachtbau bis zum Himmel fügen,
Zuletzt wirst du doch unterm Staube liegen.
Mag immer Rustams Heldenkraft dein Schatz sein,
Doch gleich Bahram wird einst das Grab dein Platz sein.
Mein Sohn, ums Jenseit hege leichten Sinn nicht,
Den Tand der Welt erachte als Gewinn nicht.
Das Ungemach sollst mit Geduld du tragen,
Im Glück sollst Dank für Gottes Huld du sagen.

*

Über das Unglück

Das Unglück schreibt sich von vier Dingen her.
Unwissenheit und Trägheit drücken sehr;
Vereinsamtsein, Nichtsnutzigkeit – so sehen
Das Unglück aus vier Quellen wir entstehen.
Wer Frömmigkeit zu seinem Teil erwählt,
Der wird zur Schar, die hat das Heil, gezählt.
Wer nur an Wortgeschwätze sich entzückt,
In des Verderbens Netze sich verstrickt.
Wer einen Fußtritt gab den Herzgelüsten,
Kann gegen Sinnlichkeit zum Kampf sich rüsten.
Wem Schlaf und Essen in der Welt genügt,
Am Jüngsten Tag dem Feuer der erliegt.
Wend ab den Blick von irdischem Verlangen,
An Gottes Throne laß dein Auge hangen.
Die Weltlust ist auf Täuschung hingerichtet,
Auf jeden Ruhm des Frommen Sinn verzichtet.
Gebot, Verbot des Herrn ist dir bewußt;
Geh nicht den Pfad unreiner Sinnenlust.
Gebot, Verbot – aus Gottes Wort vernimm es;
Es ist die Welt kein Freudenort; vernimm es.
Wer will von seiner Sinnenlust befreit sein,
Muß seine Lebenszeit mit ihr im Streit sein.

*

Über Sinnenzähmung und Weltentsagung

Mein Sohn, strebst du zu wahrer Größ empor,
Verschließe vor dir selbst der Ruhe Tor.
Wer schloß das Tor der Ruhe unverdrossen,
Dem wird das Tor des ewgen Heils erschlossen.
Wer etwas andres als den Herrn erstrebt,
Gibts Einen, der in größerm Irrtum lebt?
Mein Bruder, Macht und hohen Rang verachte,
Der Himmelswohnung wert zu werden trachte.
Erniedrigt wird, wer Rang und Höhe sucht,
Wohl dem, mein Sohn, der Gottes Nähe sucht.
Die Ruhmsucht zieht dich hin zur Niedrigkeit,
Dich zu der Selbstverehrung Widrigkeit.
Die Sinneslust wird schwächer durch Bekämpfung,
Dies ist der törichten Begierde Dämpfung.
Wenn nur dein Herz im Gottbewußtsein wach ist,
Zugleich die herrschende Begierde schwach ist.
Wem festes Gottvertraun beschieden ist,
Mit einem Bissen der zufrieden ist.
Begnüg dich täglich mit dem Tagesbrot,
Hast du es nicht, dann bittend klag es Gott.

*

Über die Bekämpfung der Leidenschaft

Die Leidenschaft nur durch drei Waffen kann
Getötet werden; Teurer, denke dran
Des Schweigens Dolch, des Fastens Schwertesblitz,
Der Einsamkeit, des Wachens Lanze spitz.
Wer diese Waffen nicht hat in Bereitschaft,
Der seiner Seele nimmer Seligkeit schafft.
Sooft dein Herz an Gott den Herrn nicht denkt,
Ein böser Dew als Freund sich an dich drängt.
Dem Weltkind scheint die Welt ein Bildersaal,
Sie bietet Hochgenüsse ohne Zahl.
Wer hier in Golds und Silbers Banden ist,
Der sicher dort in Not und Schanden ist.
Vom wem der Blick dem Jenseit zugelenkt wird,
Dem einst von Gott der Ehre viel geschenkt wird.
Das Gut der Welt ist der Gemeinen Teil,
Das Glück des Jenseit ist der Reinen Teil.
Der Teufel, Bruder, ist dein Widerpart,
Der, daß das Feuer dich ergreife, harrt.
Der Tor, der ganz sein Herz der Welt gegeben,
Wie trägt er seinen Teil am ewgen Leben?
Mein Sohn, ergib dem Denken an den Herrn dich,
Von Menschen halt, wie von Gespenstern fern dich.

*

Über das Preisen Gottes des Erhabenen

Gedenke, Sohn, zu jeder Zeit des Herrn,
Kennst Recht du und Gerechtigkeit des Herrn.
Laß früh und spät sich dein Gebet ergießen,
In Stumpfheit laß die Tage nicht verfließen.
Der Gottgedank ist Geistes Lab und Lust,
Ein Pflaster ist er für die wunde Brust.
War das Gebet der Freund der Seele dir,
Wie blieb ersehnt die Pracht der Säle dir?
Sobald du von dem Herrn der Güte läßst,
Hält dich als Freund der »Gott behüte!« fest.
Gib acht, daß Gottes Lob du oft verkündest,
Damit du Ruhm in beiden Welten findest.
Zum Lob gehört vor Allem Innigkeit,
Wie hätt es sonst die Wahrheit im Geleit?
Drei Weisen gibts, durch Lob den Herrn zu ehren;
Du zähle dieses Wort nicht zu den leeren.
Die Menge kennt das Lob nur mit dem Munde,
Den Edlern kommt es aus des Herzens Grunde,
Geheimnis ist das Lob der Auserkornen.
Wer gar nicht lobt, gehört zu den Verlornen.
Ihn nennen und nicht preisen, Ketzerei ist;
Auch tut es Not, daß Ehrfurcht stets dabei ist.
Bestimmt ist jedes Glied zu Gottes Preise,
Und jedes Glied hat seine eigne Weise.
Dem Schwachen helfen, ist der Hände Preis,
Des Fußes, pilgern zu der Freunde Kreis,
Des Auges, weinen vor dem Herrn der Stärke,
Desgleichen, schaun auf seine Wunderwerke.
Lobpreis des Ohrs ist, hören Gottes Wort;
Preis ihn, wenn dus vermagst, so immerfort.
Des Herzens Preis ist, nach dem Herrn sich bangen;
Müh dich, zu dieser Sehnsucht zu gelangen.
Der, der aus Torheit immer steckt in Sünden,
Wie soll der Lust am Lobe Gottes finden?
Durch Lesen des Koran die Zunge preist;
Wem dieses fehlt, arm ist der und verwaist.
Sag immer Dank für Gottes Gnadenfülle,
Damit er dich in seine Gnade hülle.
Hab auf der Zunge stets das Lob des Herrn,
So bleibest du der ewgen Marter fern.
Die Lippe rühre nur zu Schöpfers Preise,
Denn solches Tun ist aller Reinen Weise.

*

Vier Dinge, die Geschenke Gottes sind

Vier Tugenden sind des Erbarmers Gaben,
Mögst du sie immer im Gedächtnis haben.
Erst, dem Gebot des Herrn gehorsam sein,
Sodann, mit Lust die Eltern stets erfreun.
Was ist das dritte? Mit dem Satan streiten;
Zuletzt, Bedrängten Hilf in Not bereiten.

*

Vier Dinge, die das Leben verlängern

Vier Dinge machen lang den Lebenspfad,
Drum hör, o teure Seele, meinen Rat.
Zuerst, das Ohr an holdem Klang ergetzen,
Das Aug an mondgleich holder Schönheit letzen,
Und drittens, Sicherheit für Gut und Leben;
Das Alles wird dem Leben Dauer geben.
Wem endlich, was er unternimmt, gelingt,
Der sicher es zu hohem Alter bringt.

*

Fünf Dinge, die das Leben verkürzen

Fünf Dinge, Freund, verkürzen unsre Jahre,
Vernimm sie und im Herzen sie bewahre.
Das erste ist, im Alter Mangel sehn,
Im Ausland leben, langen Schmerz bestehn.
Bleibt Blick und Herz den Toten zugewendet,
So wird das Leben vor der Zeit geendet.
Das fünfte ist, vor Feinden keine Ruh.
Das Alles führt dem Leben Nachteil zu.
Der, der vor Feinden lebt in Schmerz und Bangen,
Wird Sicherheit nie für sein Herz erlangen.
Gott fürcht allein, und nicht der Feinde Macht,
Er ists, der aller Orten für dich wacht.

*

Fünf Dinge, die das Ansehn schmälern

Mein Sohn, fünf böse Eigenschaften meide,
Damit nicht Ehr und Ansehn drunter leide.
Zuerst sollst du vor niemand Lügen sprechen,
Denn Lügen werden den Erfolg dir schwächen.
Wer mit Gelehrtern ist auf Streit erpicht,
Der schadet seinem Ansehn, zweifle nicht.
Wer sich vor Menschen nicht beträgt gebührlich,
Wenn der sein Ansehn schmälert, ists natürlich.
Den Leichtsinn meid, hast du gefunden Sinn,
Durch Leichtsinn geht gar leicht die Ehre hin.
Mein Sohn, nicht mit gelehrtern Männern streite,
Dein Ansehn gib der Dummheit nicht als Beute.
Soll dir dein Ansehn unbestritten sein,
So mußt du stets von guten Sitten sein.
Wer Leichtsinn macht zur Regel für sein Treiben,
Bei dem wird Ehr und Ansehn nimmer bleiben.
Sprich zu den Menschen kein unwahres Wort,
Sonst fließt dein Ansehn gleich dem Strome fort.
Von Streitsucht halt dich rein und von Kabale,
Daß dein Gesicht stets rein und helle strahle.
Wenn du willst, daß mit dir man spreche zart,
So sprich auch du zu keinem Menschen hart.
Damit du dir nicht Kummer machst und Leid,
So sieh auf keines andern Glück mit Neid.

*

Fünf Dinge, die das Ansehn mehren

Fünf Dinge sind es, die das Ansehn mehren,
Ich nenne sie dir, Freund, du sollst sie hören.
Wenn, was dir obliegt, selber du vollziehst,
Dein Ansehn sicher du sich mehren siehst.
Durch Wohltun Ehr und Ansehn sehr vermehrt wird,
Des Unverständgen Geiz in Fluch verkehrt wird.
Des Wohltuns sei beflissen, bist du reich,
Durch Wohltun deine Ehre wächst zugleich.
Wer seinen Nächsten schont und ihm verzeiht,
Des Ansehn steten Wachstums sich erfreut.
Weih der Geduld dich und der Treue ganz,
So strahlt dein Antlitz hundertfachen Glanz.
Willst dein Geheimnis du dem Feind entrücken,
Darfst du es nicht den Weg zum Freunde schicken.
Damit dich vor den Menschen Scham nicht plage,
Was du nicht hingelegt, davon nicht trage.
Des Schleiers andrer, Bruder, schone mild,
Dann schont des Schleiers man, der dich umhüllt.
Dem Herzgelüst anpasse nicht dein Treiben,
Dir würde nur die Last der Reue bleiben.
Erkenne andrer Wert an, edler Mann,
Alsdann erkennt auch deinen Wert man an.
Solange Zorn auf deiner Zunge weilt,
Halt an die Hand und tu nichts übereilt.
Wer in der Welt sich Achtung nicht erworben,
Den acht als lebend nicht, acht als gestorben.
Wer von Genügsamkeit nicht Ahnung hat,
Den macht auch der Besitz der Welt nicht satt.
Wenn über deinen Feind du Sieg gewannst,
Beschäm ihn nicht, verzeih ihm, wenn du kannst.
Vor Gott soll immerdar dich Furcht umfangen,
Doch hoff auch seine Gnade zu erlangen.
Bescheiden sei und stets von feiner Sitte,
Verkehre gern in braver Männer Mitte.
Geduld erstreb und sei von Rauheit frei,
Damit dein Nam in hohen Ehren sei.
Arzneigleich sind die Weisen, Leben spendend,
Die Toren sind wie Gift, Verderben sendend.
Durch Arzenei gewinnt man Schmerzerlösung,
Wie aber findet man durch Gift Genesung?
Geduld und Mild und Wissen sind Herzbalsam,
Geiz, Haß und Neid sind Gift, das tötet allsam.
Der höchste Tatenruhm ist, Arme laben;
Das heißt, sein Haus für Freunde offenhaben.
Ob du gelehrt gleich seist und tugendreich,
Dich selbst doch achte kaum dem Toren gleich.

*

Vermischte Lehren

Was Unbequemes bringt das Leben, Sohn,
Da ist verwerflicher Gesinnung Lohn.
Wem es gebricht an jedem guten Streben,
Tot acht ihn, er verdient nicht mehr das Leben.
Wer dir die Fehler sagt ins Angesicht,
Zeigt dir den Weg aus Finsternis zum Licht.
Wer aber auf den rechten Weg dich führt,
Dem Dank zu bringen sicher dir gebührt.
Den Weisen gilt ein Herz, das gut und treu,
Als Festkleid; mehr noch achte fromme Scheu.
Vor Zweien halt dein Innres nicht verschlossen,
Vor klugem Arzt, vor treuem Herzgenossen.
Vermeide, wo du kannst, Umgang mit Frauen,
Geheimnis darfst du ihnen nie vertrauen.
Was nach Gesetzes Wort steht übel an,
Damit befaß dich nicht, o kluger Mann.
Was Gott mit des Verbotes Bann versehn,
Das flieh, dann wirst du hoch in Achtung stehn.
Da Gott dir öffnet des Bedarfes Tor,
Sei offnen Sinns, wirf ab der Sorgen Flor.
Sei frischen Blicks und heitrer Redeweise,
Daß man als edel deinen Namen preise.
Laß von der Angst vorm Tode, Lustanbeter!
Er kommt zur Zeit, nicht früher und nicht später.
Das Herz von Trug und Falschheit halte rein,
Laß frei von Groll stets deine Seele sein.
Vertrau nicht allzuviel auf eigne Werke,
Hoff auf die Gnade nur des Herrn der Stärke.
Der Herzensgüte kommt nichts andres gleich,
Wer herzensgut, der ist an Freunden reich.
Nehmt immer zu an Demut, teure Knaben,
Das ist der Schmuck des Manns von hohen Gaben.
Wer lebt gefesselt in der Lüste Joch,
Sei er auch frei, er ist ein Sklave doch.
Siehst du den Taugenichts in Macht und Ehre,
Nie Stillung deiner Not von ihm begehre;
Den Fuß auf seine Schwelle setze nicht,
Siehst du ihn, bitte nie ihn um Bericht.
Befasse nie dich mit dem Tun des Toren,
Befiehl ihm, nur nie schmeichle seinen Ohren.

*

Daß man sich vor zweierlei Leuten hüten müsse

Sieh, daß du vor zwei Leuten dich bewahrest,
Damit du nicht im Leben Leid erfahrest:
Vor einem Feind, der stets auf Streit erpicht,
Vor einem Freund, dem fehlt das Geisteslicht.
Von Feindes Nähe selber bleibe fern,
Den dummen Freund halt dir vom Leibe fern.
Mein Sohn, laß niemand harte Worte hören,
Tust dus, so wird man dir den Rücken kehren.
Weißt du, wes Seelengröß am höchsten prangt?
Der Recht gewährt und selbst kein Recht verlangt.
Wenn Arme du mit sanftem Wort bescheidest,
Ists mehr, als wenn du sie in Seide kleidest.
Den Zorn verbeißen ist des Edlen Weise,
Zwar herb, ists süßer doch als Zuckerspeise.
Wer sich nicht weiß in andrer Sinn zu fügen,
Wird bitter um sein Leben sich betrügen.
Wen, wenn er Böses tat, die Scham nicht beugt,
Der ist, mein Lieber, ehrbar nicht erzeugt.
Damit du sicher seist vor Tadelglossen,
Such immer dir Rechtschaffne als Genossen.

*

Über die Glücklichen

Wer an drei Dinge sich gewöhnen wird,
Wohlstand und Glück mit sich versöhnen wird.
Wer Gutes übt und keinen Dank begehrt,
Wird würdig durch der Gnad Empfang geehrt.
Wenn dir auch sind die Fehler andrer kund,
Doch öffne nicht zum Tadel deinen Mund.
Wen du auf falschem Wege siehst, mein Sohn,
Den leit auf rechten Pfad; es folgt der Lohn.
Was dich beschwert, laß keinen Menschen drücken,
Wirf deine Last nicht auf des andern Rücken.

*

Über das Heil

Willst du, o Bruder, wahres Heil erringen,
So wende dein Gesicht nicht von drei Dingen.
Schau auf den Ausspruch göttlicher Befehle;
Gott zu gefallen such mit Herz und Seele;
Und drittens, halte fern dich von Gewalt.
Wer das hält, ist ein Mensch von Reingehalt.
Wer Wissen hat und Einsicht und Verstand,
Der öffnet nur nach Gottes Rat die Hand.
Almosen, das befleckt von Heuchelschein,
Wie kanns ein Werk nach Gottes Willen sein?
Ist deine Tat nicht rein wie lautres Gold,
Wie falschem Gelde der Wardein ihr grollt.
Wenn du im Leben reich zu sein begehrest,
Sieh, daß du nicht die Brust mit Wünschen nährest.

*

Vier Dinge, die zu Gottes Gnadengaben gehören

Vier Dinge sind des Schöpfers Gnadengaben,
Gib acht, willst du von mir Belehrung haben.
Eins, auf der Zunge nur wahrhaftger Laut;
Dann, treu bewahren das, was anvertraut.
Wohltätger Sinn ist gottverliehnes Glück,
Desgleichen, zu beherrschen seinen Blick.
Kannst dus, so halte dich von Wuchrern fern,
Denn bitter feind sind diese Gott dem Herrn.
Wem die vier Tugenden der Herr gegeben,
Der wird ein wahrhaft Gläubiger im Leben.
Wer dein Geheimnis auskramt vor der Welt,
Dem eitlen Toren sei nicht zugesellt.
Wer Zoll und Zehnten zu entrichten säumet,
Wer sorglos des Gebetes Zeit versäumet,
Vor solchen sei ja wohl auf deiner Hut,
Sonst geht es nimmer in der Welt dir gut.

*

Vier Eigenschaften, von denen man lassen soll

Sieh, daß vier Fehler du mit Sorgfalt meidest,
Damit du nicht unendlich Qualen leidest.
Ist dir erwünscht des Lebens Freudenhorn,
Sei stets auf deiner Hut vor jähem Zorn.
Will sich die Welt nicht deinem Sinn bequemen,
Mußt du auf andrer Sinn schon Rücksicht nehmen.
Setz, Bruder, kein Vertraun auf Schicksals Treue,
Gedenke dieses Worts, das ich dir weihe.
Es nützt dir nichts, dem Schicksal auszuweichen,
Was kommt, laß zur Befriedgung dir gereichen.
Laß ohne Schmerz, was nicht zur Tat gediehn;
Des Herzens Ohr sei diesem Rat geliehn.
Wer mit den Freunden lebt in Einigkeit,
Erlangt, was er erstrebt mit Schleunigkeit.

*

Über die Treulosigkeit der Welt

Weißt du, wer in der Welt geachtet wird?
Der ists den keine Fährlichkeit beirrt.
Das Glück hat selten Einem Wort gehalten,
Gewalt nur übts, weiß nichts von Liebeswarten.
Wer sich zur Zeit der Sorge dir verband,
Zur Zeit der Freude reich ihm gern die Hand.
An wem zur Zeit des Glücks du treu gehangen,
Von dem wirst du im Unglück Hilf empfangen.
Wenn Gott der Herr dir Gut und Reichtum spendet,
Sei nicht dein Blick den Freunden abgewendet.
Wer sich zum Freunde dir im Leide macht,
Dem bleibe treu, wenn dir die Freude lacht.

*

Über die Beschaulichkeit

Ergib dich der Beschaulichkeit, mein Sohn,
Die Gotterkenntnis wird alsdann dein Lohn.
Wer mit dem Geistesaug den Herrn erkannt hat,
Weiß, daß im Nichtsein erst sein Sein Bestand hat.
Der lebt nicht wirklich, der nicht gottverklärt ist,
Ein solcher, Gott zu nahen, nimmer wert ist.
Wer teilhaft nicht verklärten Lebens ward,
Der Wunscherfüllung der vergebens harrt.
Kennst deine Seele du als lustbegehrend,
so kennst du Gott den Herrn als huldgewährend.
Nur der ist wissend, welcher Gott erkennt;
Wer nicht, verdient nicht, daß man Mensch ihn nennt.
Wer eingeweiht, wird Lieb und Treue halten,
Stets rein ist des Geweihten Tun und Walten.
Wen Gott begnadigt mit der Weihe Schatz,
In dessen Brust hat Gott allein nur Platz.
Nichts gilt geweihtem Sinn der Erde Glück,
Nicht auf sich selbst einmal wirft er den Blick.
Die Weihe ist, in Ihm vom Sein befreit sein;
Wie kann, wer nicht sich selbst aufgibt, geweiht sein?
Um hier und dort ist nicht von fern bekümmert
Der Wissende, nur um den Herrn bekümmert.
Nur Gott zu schauen sein Verlangen ist,
Weil ganz in Ihm er aufgegangen ist.
Wem ist die Welt vergleichbar? Hör es, Freund:
Sie gleicht dem Traum, der uns im Schlaf erscheint.
Erwachst du aus dem Traum, so wirst du finden:
Des Traumes Bilder dir wie Nichts verschwinden,
Gleich wie der Lebende, der ging und starb,
Nichts mitnimmt, was er in der Welt erwarb;
Das gute Werk nur, das er hier vollbracht,
Begleitet ihn, wenn er die Reise macht.
Sieh diese Welt an wie ein schönes Weib:
Vor ihres Mannes Blick schmückt sie den Leib,
In ihren Armen hätschelt sie den Gatten,
Zeigt Schmeichelei und Trug ihm ohn Ermatten,
Doch kaum sieht sie, daß ihn der Schlaf ereilt,
So tötet sie ihn sicher unverweilt.
Dir ziemts, der stets du lebst in Zucht und Ehren,
von solcher Gauklerin dich abzukehren.

*

Über die Entsagung

Sei fest in der Entsagung, lieber Sohn,
Nur dann trägst hohe Achtung du davon.
Stark wird der Bau des Glaubens durch Entsagung,
Zerstört jedoch wird er durch Lusterjagung.
Wer der Entsagung Wesen will erfassen,
Muß Gott nur nahn und alles andre lassen.
Nur aus Entsagung Heil zu Tage kommt,
Wer sie verschmäht, in schnöde Lage kommt.
Wer selbst erwarb sich der Entsagung Segen,
Der ruht und rührt sich nur um Gottes wegen.
Wen neben Gotteslieb ein Wunsch noch quält,
Der heuchelt Liebe, da Entsagung fehlt.
Was Gottesfurcht sei? Meiden, was nur leise
Verbotnem gleicht, in Kleidung, Trank und Speise.
Was, sei es gleich erlaubt, doch ist entbehrlich,
Dem Frommen gilts als Sünd und sehr gefährlich.
Ist bei Entsagung Tun und Wissen groß,
Sei doch das Herz auch rein und fleckenlos.
Hat, Frommer, dich ein Fehltritt übereilt,
Bereu und bitt um Gnade unverweilt.
Die Sünd als bares Geld zum Vorschein kommt,
Darum der Buß auch keine Stundung frommt.
Mit Reue zögern ist ne Sünde mehr,
Für Lebensdauer hast du nicht Gewähr.

*

Merkmale des Gottesfürchtigen

Drei Zeichen zeigen dir den wahren Frommen;
Wie wollt er in Verkehr mit Bösen kommen?
Drum fern von böser Freunde Rat du bleibe,
Damit er nicht zu böser Tat dich treibe.
Sein Mund hat Lügen sprechen nie gelernt,
Vom Pfad der Lüge ist er weit entfernt.
Mit Maß genießt er das Erlaubte, Reine,
Damit Verbotnes ihm erwünscht nicht scheine.

*

Die Merkmale der Paradieseserben

Wer sich drei Eigenschaften will erwerben,
Wird sicher eingehn zu den Himmelserben.
Für Wohltat Dankbarkeit, Geduld im Schmerz
Macht glänzend einem Spiegel gleich dein Herz.
Wer bittet um Vergebung seiner Sünden,
Gewiß schützt Gott ihn vor der Hölle Schlünden.
Wer fürchtet seinen Gott, wird mit Bereuung
Für seine Sünde bitten um Verzeihung.
Wer immerfort auf Sündenpfade geht,
Kanns sein, daß der zum Reich der Gnade geht?
Bitt um Vergebung spät und früh, mein Sohn,
Die Schlechten und Verworfnen flieh, mein Sohn.

*

Über das Almosengeben

Tust Gutes du, mit eignen Händen gib,
Dein Gut, der Armen Not zu enden, gib.
Ein Dirhem, selbst zur Wehr der Not gegeben,
Eilt mehr, als hundert nach dem Tod gegeben.
Ein Dattelkern, den selbst du reichst dem Müden,
Eilt mehr als Beutel Goldes, wenn du verschieden.
Was du geschenkt hast, fordre nie zurück,
Und schmachtete vor Hunger auch dein Blick.
Schenkt seinem Sohn ein Vater kleine Gaben,
Wird er sie jemals wollen wieder haben?
Mein Sohn, an Gut und Gold nicht Freude zeige,
Und was du einem hingabst, davon schweige.
Die Lust der Welt nur Sorg und Schauer ist,
Das Ende ihrer Feste Trauer ist.
Korans Befehl beherzge: »freu dich nicht!«
Ein Peinhaus ist die Welt; ihr weih dich nicht.
Gott hat zu Freunden nicht die Lustverehrer,
So sagten mir einst meine Jugendlehrer.
Freust du der Größe Gottes dich, ists recht,
Doch haschen nach der Lust der Welt ist schlecht.
Wohl dem, der sich in Sorg und Schmerzen übt!
Gib dem dein Herz hin, der die Herzen liebt.

*

Über die religiöse Armut und den Verkehr mit den Derwischen

Weißt du, mein Sohn, was fromme Armut heißt?
Ich sag es dir, wenn du es noch nicht weißt.
Besitzlos unterm Kittel scheint er zwar,
Doch stellt er sich als reich dem Volke dar.
Ihn hungert, doch als war er satt, so spricht er,
Den Feinden selbst erweiset Freundespflicht er.
Obgleich er mager ist, gering und schwach,
Im Dienst der Pflicht doch steht er keinem nach.
Da voll sein Herz ist, wenn die Hand auch leer,
Erscheint im Ebenmaß er umsomehr.
Mein Sohn, halt immer dich an geistig Arme,
Damit der Herr sich liebend dein erbarme.
Wer jene ehrt als die Genossen sein,
Dem wird die Himmelsburg erschlossen sein.

*

Schluß des Buches

Wer diese Mahnungsworte treu behält,
Den segnet Gott hier und in jener Welt;
Wer aber von sich stößt den guten Rat,
Der bleibet fern von Gottes Gnadenpfad.
Laß, Herr! Uns alle deine Gnade finden,
Vergib uns allen alle unsre Sünden.
Schwach sind wir, haben manch Vergehn verübt,
Und außer dir ist nicht, der uns vergibt.
Erhöhst, verstößst du uns, wir sind dir Knechte,
Was immer sei dein Spruch, uns ists der rechte.

Sei Gottes Gnade dessen Lohn und Preis,
Der dieses Buch studiert mit rechtem Fleiß.


Akzeptieren

Diese Website benutzt Google Analytics um seinen Nutzen zu messen. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren