Aus der Gewerbswelt

----------



Der Glaspalast in Sydenham.

(1853)

Im grünen Hydepark zu London stand im Jahre 1851 ein ungeheurer Palast von Eisen und Glas, in dem die Industrie ein großes Fest feierte. Aus allen Enden und Orten der Welt kamen ihre Unterthanen herbei und breiteten die reichen Erzeugnisse ihres Kunstfleißes vor den staunenden Augen aus.

Die hohe Königin von England, an der Hand ihres Gemahls, des Prinzen Albert, umgeben von den Großen ihres Reichs weihte diese Ausstellung ein.

Die

Man sprach in der ganzen Welt von nichts Anderm, als von der großen Industrieausstellung in London und von dem wunderbaren Krystallpalast mit seinen hunderttausend Säulen, seinem hohen Glasbogendach, unter dem die höchsten Ulmen grünten, und von seinem langen Mittelgange, dessen Ende sich in blaue Ferne verlor ? ?.

Dieser Krystallpalast ist verschwunden! Man findet seine Stelle nicht mehr. Die Dandy?s und die ritterlichen Engländerinnen auf ihren schönen Pferden und hübschen Jokay?s hinterdrein, jagen über den Plan, wo er stand. Die Schafe grasen darauf, Hunde und Jungen treiben sich darauf umher. Es ist wieder der alte Hydepark!

Aber der Krystallpalast ist nur in Hydepark untergegangen, um wie ein Phönix ? nicht aus seiner Asche, sondern in seinen Säulen, Trägern, mit seinem gläsernen Dache ? in Sydenham wieder verschönert aufzustehen.

Man baut fleißig und bald wird man von seiner Vollendung hören! Sydenham ist ein Ort, der sich etwa 6 englische Meilen (11/4 deutsche) von London aus an dem höchsten Punkte des Gehölzes von Dulwich hinzieht. Dort baut man auf einem Raum von 3000 Fuß auf seiner längsten Seite, und einem Gebiete von 300 engl. Ackern den Krystallpalast wieder auf und umgibt ihn mit den reizendsten Parkanlagen. Dies geschieht durch Vermittlung einer Aktiengesellschaft, die damit den Zweck verfolgt, eine Halle für Erfindungen, zur Ausstellung von Modellen und gehenden Maschinen, einen Völkerbazar oder eine Weltmesse zu verwirklichen. Daneben wird in einem großartigen, bewunderungswürdigen Maßstabe Belehrung mit Unterhaltung zu verbinden gesucht, und zu dem Ende dem Glaspalaste eine Einrichtung gegeben, wie sie nur eines Dichters Phantasie zu erträumen, Umsicht und Erfahrung zusammenzustellen, die Schöpferkraft des Gelehrten und des Künstlers zu beleben und auszuschmücken vermag. ?

In einem folgenden Artikel werden wir, mit einem Grundriß des Gebäudes in der Hand, über jene Einrichtung ausführlichere Nachweisungen geben, während wir uns heute beschränken, oben im Bilde den mittleren, gegen den Garten gekehrten Theil der Façade zu versinnlichen.

Die Bodenfläche des Bauplatzes, wie die des ganzen Raumes ist gegen den Garten abfallend ? die Höhe wird durch den Palast bekrönt. ? Die Abdachung dieser Höhe beträgt 200 Fuß. Auf diesem anmuthigen Hange wird der Park angelegt. In Folge der ziemlich schroffen Abdachung ist nun an der, dem Parke zugewendeten Façade ein Erdgeschoß neu hinzugekommen. Ohnstreitig wird dadurch das Gebäude selbst verschönert. Es wird höher im Verhältniß zur Länge. Diese beträgt nur noch 1650 Fuß, daher 240 weniger als der Palast in Hydepark. Dahingegen ist das mittlere Querschiff, das man auf unserem Bilde sieht, um 44 Fuß höher als der Transept: demnach 194 Fuß hoch. Die Weite ist 170 Fuß. Die Seitenquerschiffe, je eins zu jeder Seite des mittleren Querschiffs, erhalten eine Höhe von 150 Fuß bei einer Tiefe von 72 Fuß. Mit einem Blicke läßt sich das Gebäude übersehen, was mit dem in Hydepark, aus dem es sich entpuppt hat, nicht der Fall war, demnach die Gesammtwirkung geschwächt wurde.

Die geschilderten Querschiffe treten über die Hauptlinie des ganzen Gebäudes heraus. Dort, wo deren Dächer das Dach des Hauptschiffs durchschneiden, treten thurmartige Aufbaue hinzu. Dadurch entsteht eine bewegtere Gliederung der ganzen Baustellung.

Anstatt des flachen Furchen-Glasdachs des früheren Längeschiffs erhält das neue Länge- oder Hauptschiff ein Bogendach von Glas, dessen spiegelnde Scheiben in Verbindung mit denen der senkrechten Fenster in Sonne, blauer Luft und frischem Grün einen zauberischen Anblick gewähren werden.

Nach Mitteilung von Friedrich Förster in Wien sind die mit dem Innern des Gebäudes getroffenen Veränderungen von wesentlicher Bedeutung. Der künstlerische Eindruck wird durch ihre Gesammtwirkung ungemein verstärkt werden. Beim älteren Baue wechselten blos Säulen und Streben gleichförmig ab, und standen da in schnurgrader Fronte wie ein Regiment Soldaten. Dem neuen Plane ist hingegen die Anordnung zu Grunde gelegt worden: daß in Abständen von 72 Fuß ein paar 24 Fuß von einander entfernte Säulen um 8 Fuß in das Hauptschiff vortreten. Von diesen Säulen gehen gebogene eiserne Streben mit Gitterwerk gegen die Längenbalken des Dachs, so daß Pfeilergruppen gebildet werden, wie sie im Spitzbogenbau vorkommen. Thürme an den Enden des Gebäudes werden innerlich mit Wendeltreppen versehen. Von den Zinnen herab wird man des herrlichsten Anblicks auf den Park, die reiche Umgegend und London genießen. 40 Acker von der Parkfläche zunächst vor dem Palast werden im italienischen Geschmack angelegt, und geht weiter entfernt dann die Anlage in den englischen Garten- oder eigentlichen Parkstyl über. Die königl. Gärten in Versailles unweit Paris, werden von dem Sydenham- Volksgarten in Schatten gestellt werden. Die Springbrunnen werden zusammengenommen nahezu fünfmal so groß als die von Versailles. Dieselben erhalten ihr Wasser unmittelbar aus den Behältern zu beiden Seiten des Hauptgebäudes auf Thürmen 256 Fuß hoch. Dampfmaschinen von fast 1000 Pferdekräften heben die Wasser. Diese bilden zuerst glitzernde Sturzbäche und schäumende Ergüsse; vereinigen sich dann, um hohe Wasserfälle zu bilden, deren Gewässer in hohen Strahlen wieder emporsprudeln und endlich in zwei ungeheuren 180fachen Wassergarben, deren mittelster Büschel bis 200 Fuß Höhe getrieben wird, man könnte fast behaupten sich bis in die Wolken verlieren.

So sind wir denn bereit in?s Innere des Palastes zu treten, was in unserem nächsten Artikel geschehen soll. ?

In unserm Artikel von voriger Woche haben wir das Aeußere des riesigen Krystallpalastes von Sydenham vor Augen geführt und beschrieben. Treten wir jetzt in dessen Inneres! Davon aber eine Ansicht zu geben, das läßt sich bei unserem beschränkten Raum nicht thun. Wir gebrauchten dazu wenigstens ein Mammouthformat! Selbst das recht leidliche Maß der illustrirten Zeitung möchte dazu nicht ausreichen. Inzwischen trauen wir unseren Lesern und vornehmlich unseren Leserinnen so viel Phantasie zu, daß sie, selbst mit verbundenen Augen, an das Schöne und Herrliche erblicken werden, was zwar bis jetzt noch nicht in der Wirklichkeit im Krystallpalast vorhanden ist, doch von uns mit einigen raschen Federstrichen angedeutet werden soll. ?

Das hohe kuppelartig überglaste Querschiff öffnet sich uns wie eine unter dem Himmels-Dome offene Kirche, wenn wir von der Seite des Gartens aus (von der wir mit unserm ersten Artikel eine Ansicht gegeben haben) in die Halle treten.

Diese Riesenhalle, so wie auch der große Mittelgang, der ihn durchkreuzt, mit den Seitengängen und Hallen: sie alle sind mit einer Fülle von Bäumen, Sträuchern, Blumen, Pflanzen ausgeschmückt, geordnet nach den verschiedenen Zonen. Dazwischen befinden sich lebende Vögel in Käfigen, und andere Thiere, ausgestopfte, als wenn sie lebend wären, nach dem Verfahren des königlichen Conservators Plouquet in Stuttgart. Auch die Insekten und Würmer fehlen nicht. Ausgestopfte Fische scheinen wundersam im Wasser zu schwimmen, in Folge einer neuen Methode, die das Leben nachäfft. Die Schmetterlinge wiegen sich auf den Blumen, farbenprangende Käfer, statt wie es bei uns geschieht, aufgespießt an der Wand zu hängen, sitzen auf seltsamen Cactus und Orchideen. Und, damit die Täuschung recht lebendig sei, sieht man ringsum auch Gegenstände aus der unbelebten Natur und der schaffenden Arbeit des Menschen in derselben. ?Es sollen ? wie man schreibt, nämlich nicht blos die mannigfachsten Formationen der Erdkruste verschiedener Länder, sondern auch die geologischen Schichtungen einzelner besonderer Punkte zur Veranschaulichung gebracht werden. Man wird sorgfältig gearbeitete Modelle zur Verdeutlichung der Arbeiten in Bergwerken, zur Erläuterung von Vulkanen und Erdbeben, und zur Beleuchtung der praktischen Bedeutung der Erdkunde in Bezug auf Anlage von Brunnen, Wasserleitungen, Schächten u. s. w. aufstellen.? ?

Aber auch die Veranschaulichung des Menschen als Bewohner der Erde fehlt nicht. Man sieht plastische Bildwerke der verschiedenen Menschenfamilien in ihrer Pracht und in ihrer Lebensweise mit ihrem Haus- und Ackergeräthe, ihren Waffen, Wohnungen und Gefährt.

Hierzu tritt nun noch die alte und neue Kunst mit den Schöpfungen des Gewerbfleißes.

Alle diese Wunder, die den Geist erheitern und bilden, umringen uns in diesem Palast: man könnte wohl sagen in dieser Welthalle! ?

In der Mitte des Querschiffs steigt eine krystallne Wassersäule empor. Links und rechts an den Enden des Mittelganges führen Brücken über Teiche mit lebenden Fischen und seltenen Wassergewächsen. Vom Eismeere steigen wir hinab in die gemäßigte Zone und gelangen über den afrikanischen Wüstensand in die Gegenden des ewigen Frühlings und in die Goldregionen von Australien. So reisen wir elektrisch-telegraphisch. Aber auch wie Mohamed, der in einer Secunde Schlafs Jahrtausende durchlebte, durchwandern wir die Zeitalter sogar die vorweltlichen Perioden und kaum daß wir uns von der Stelle bewegen. Die Mammouth?s, Mastodonten, Megatherier und Saurier und wie die colossalen Gebilde der Urtiere alle genannt werden, stehen um uns. Daneben steckt ?die Nadel der Cleopatra? (ein schöner Obelisk aus Aegypten) und nicht weit davon im Hofe zu Ninive sind die 3000jährigen Halbhochbilder der schöngelockten Assyrier und ihres politischen und häuslichen Lebens aufgestellt. Von Ninive und Nimrud kommen wir nach dem alten Aegypten mit den räthselhaften Sphinxen, Hieroglyphen, Mumien, Apis, Isis und Osiris, ganz anders als wir sie in der Zauberflöte zu sehen gewohnt sind. Von da gelangen wir nach Griechenland, beschauen uns das Parthenon und die Wunderwerke des Phidias. Wir durchschreiten nun das alte Rom, das (nach Schiller) jetzt ?mit allem seinen Glanze nur ein Grab ist der Vergangenheit? und erholen uns vom Taumel der Jahrtausende in der Erfrischungshalle der Alhambra, dem Löwenhof, der in Sydenham erhalten wird, während er in Spanien verfällt. Mit frischen Kräften ausgerüstet, durchschreiten wir gegenüber die mit der Kunst des Mittelalters und der Renaissance geschmückten Hallen. Durch blühende Gebüsche winden wir uns allmälig zu den herrlichen Seidenstoffen und Schals hindurch, die sich links vom Querschiff befinden. Von dort gehen wir zu den nützlichen Wollen-, Baumwollen- und Leinenwaaren über, betreten dann auf der nördlichen Seite die Schauräume für die unendliche Mannigfaltigkeit der Stück- und Kurzwaaren und flüchten uns zuletzt, geblendet von dem, wenn auch falschen doch schönen Glanz der Birminghamer Waaren, angegriffen von dem Gepränge der Waffen und Stahlarbeiten aus Sheffield, entzückt aber ermüdet vom Anblicke der Teppiche, Tapeten, Spitzen, Schleier, Hauben, Hüte und Blumen, bei denen sich unsere holden Begleiterinnen ein wenig zu lange aufhielten, in das Compluvium der pompejanischen Erfrischungshalle.

Hier schwärmen wir einige Minuten von Rosen bekränzten Festessen und Gelagen und begeben uns, des Genusses voll, nicht des Genossenen ? denn dieses ist sehr nüchtern gewesen, kraft des Verbots, geistige Getränke zu verabreichen ? nämlich des Genusses geistiger Speise voll, durch das Tablinum von Seristyl und das Triclinium zur Treppe, die auf die Gallerien führt. Abgespannt, wie wir sind, wagen wir inzwischen nicht, unsere Begleiter auf dem kühnen Pfade unserer Phantasie zu nöthigen, uns weiter zu folgen und sich alle die auf den Gallerieräumen ausgebreiteten kleinen und großen Unendlichkeiten des Kunst- und Gewerbfleißes zu beschauen. Dort liegen sie zur Schau ausgebreitet in immerwährender Ausstellung, wahrscheinlich aber bei stetem Wechsel, um nicht zu veralten und nicht zu langweilen.

Unsere Wanderung in Gedanken durch den Krystallpalast von Sydenham ist zu Ende.

Wie lange es noch dauern wird, bis jener Palast wirklich in Besitz aller seiner Schätze ist und durchwandert werden kann, ist jetzt noch nicht zu bestimmen, noch viel weniger aber, ob wir ihn je einmal durchwandern werden. ?

Wir lassen uns inzwischen an der Phantasie genügen, denn:

?Was sich nie und nirgend hat begeben,
Das allein veraltet nie!? ?

Kiel und Stahl.

(1853)

Der Gänsekiel und die Feder von Stahl liegen schon seit längerer Zeit mit einander in Fehde. Aber es scheint als würde der härtere Stahl über den schmiegsamen Kiel den Sieg davon tragen. Das Schreibgeräth war von jeher eine Waffe, die tiefere Wunden schlug als das Schwerdt, schon zu alten Zeiten als man noch mit dem Schilfrohre und dem Stylus schrieb. Nun aber, da die Feder aus Stahl zugespitzt ist, wird sie fähig nicht allein das Gemüth zu verletzen, die Seele zu verwunden, sondern auch den Körper zu tödten. Hat man nicht gelesen wie Aufständische neuester Zeit in Ermangelung von Blei, mit Stahlfedern ihre Gewehre geladen und damit blutige Schrift geschrieben haben ?? Wie kann sich dagegen der weiche Gänsekiel vertheidigen ?? Aber auch er hat eine Zeit des Glanzes durchlebt, und noch heute besitzt er seine Verehrer, zu denen auch der Schreiber dieses Artikels gehört. ?

Der harte, scharfe, schwer beugsame Stahl wird nie ganz den biegsamen Kiel ersetzen, dessen Weichwerden beim Schreiben man leichtlich Abhilfe verschaffen kann, wenn man etwa zehn bis zwanzig Kiele zugleich in Gebrauch nimmt, die abgeschriebene Feder hinlegt, eine neue ergreift und die gebrauchten Federn erst dann wieder zuspitzt, wenn sie hart geworden sind. ?

Man erzählt sich, daß, aus Dankbarkeit, als deutsche Gänse das Kapitol gerettet hatten, die Römer mit den Flügelfedern dieser Gänse zu schreiben anfingen. Das ist aber nur eine patriotische Fabel! Wahr ist nur, daß der Dichter Adelhelmus, der erste Sachse, der in lateinischer Sprache schrieb, etwa um?s Jahr 700 ein Gedicht auf die Schreibfeder gemacht hat; und solches, vom verstorbenen Dr. Emil Vogel in Leipzig übersetzt, lautet also:

?Mich erzeugte dereinst die lichtweiß glänzende Kropfgans,
?Die aus dem Sumpfe das Naß zum weit aufschnappenden Hals bringt;
?Drum streb? ich aufs Neu? entgegen schimmernden Fluren,
?Dunkelblau laß? ich die Spur in dem leuchtenden Wege zurücke;
?Schwärzliche Windungen trägt das also durchackerte Glanzfeld!?

Mit Interesse entnimmt man aus diesen Versen, daß schon im Jahr 700 blaue Dinte Mode gewesen sein muß grade wie jetzt, und daß diese Dinte später schwarz wurde. ?

Den steigenden Verbrauch der Stahlfedern hat man nicht nur der zunehmenden Schreibseligkeit (man glaubte nach Erfindung der Buchdruckerkunst, daß es nun ganz und gar mit dem Schreiben aus sein würde) sondern eben so sehr der Bequemlichkeitsliebe und der Unbeholfenheit der Mehrzahl der Schreibenden zuzuschreiben. Denn es ist gar so bequem, wenn die alte Feder nicht mehr schreiben will, anstatt zu spitzen, wie es beim Gänsekiel geschehen muß, eine neue Feder in den Halter zu stecken; und da man heutigen Tags ein ganzes Groß (144 Stück) Stahlfedern für 3 Ngr. erhalten kann, so ist die Ausgabe auch nicht bedeutend. ?

Die Fabrikation der stählernen Schreibfedern ist in England entstanden und Birmingham ist dort der einzige Ort, wo sie betrieben wird, ja! man kann wohl sagen: es ist der einzige Ort in der Welt, wo jene Fabrikation zu einer Bedeutenheit betrieben wird.

Die Stahlfeder ist keine Erfindung der Engländer, denn schon zu Ende des vorigen Jahrhunderts hat man Stahlfedern in Bestecken gesehen. ?

1820 verkaufte ein alter Schreibmeister selbst gemachte Stahlfedern in Leipzig das Stück für 10 gute Groschen als Seltenheit. ?

Sie würden heute noch eine Seltenheit in Deutschland sein, wenn man sich nicht in England der Sache angenommen hätte. ? Dort verschwendete man von jeher in Gänsekielen. Man hat berechnet, daß unter zehn gebrauchten Kielfedern nur eine einzige wieder zugespitzt wurde. ?

Die Schreiberei der großen Bankhäuser der Kompagnien und Behörden in England verlangte Unmassen von Kielen, die nach einmaligem Gebrauch von Krämern aufgekauft und wieder verkauft wurden. Ein Haus in London ließ jährlich etwa 6 Millionen Stück Kiele zu Federn schneiden. ? Gegen eine solche Verwüstung ihres Gefieders vermochten die Gänse nicht mehr aufzukommen. ? Man griff mehr zum Stahl.

Die

Gillot in Birmingham war der erste der (1828) Durchschlagmaschinen und Pressen einrichtete, um Stahlfedern im Großen zugleich billig und gut zu fabriziren. Er bewirkte dies durch Dünnwalzen des Stahlblechs, Herausschneiden der Feder, noch platt, aus dem Stahlblech mit Hilfe einer kleinen Maschine, wie man sie auf unserem Bilde, bewegt von Frauenhand, erblickt;

dann Rändern der Federn und Spalten derselben mittels Stempeln und Messerchen; und das Alles mittels Pressen, ähnlich der auf unserem Bilde. ? Daß außer diesen Hauptbehandlungen die Federn noch gehärtet und geschliffen werden müssen, versteht sich von selbst. ? Zuweilen werden sie durch Einfluß von Hitze blau oder gelb angelassen, mit allerlei Formen, Zeichnungen und Worten beprägt. Man giebt ihnen einen Lack und packt sie sauber und zierlich ein. Das Aussehen verkauft ja die Waare! Man hat in neuerer Zeit Federn angeblich aus merkwürdigen Compositionen ausgeboten. Dieselben sollen elastischer sein als Stahl und von der Dinte nicht so angegriffen werden. ? Sie sind aber eben nur aus Stahl. Alles Andere ist Humbug. ?

Die neuen Goldfedern, angeblich mit Demant-Iridium und Rhodiumspitzen, welche nie stumpf werden sollen, schreiben aber so hart, daß man bei Vielschreiben sicherlich einen Krampf in den Finger bekommt. Ein Wechselaccept, ein Liebesbriefchen läßt sich allenfalls ohne Gefahr damit schreiben, falls sonst keine Gefahr mit dieser Art Schreiberei verbunden ist. Trotz aller Versuche die Stahlfeder wieder aus dem Felde zu schlagen mittels Federn aus Elfenbein, Schildkröt, Glas u. s. w., liegt sie noch mit eingelegter Lanze siegreich in den Schranken, die, mit ihr, nur noch die ehrwürdige Gänsefeder behauptet: eine ?Feder mit Seele?, während die Stahlfeder ein kaltes seelenloses Wesen ist. ? Aber sie ist bis jetzt siegreich und gewinnt von Tag zu Tag mehr Raum. England verbraucht gegenwärtig über 350,000 Pfund Stahl für seine Schreibfederfabrication, woraus etwa 500 Millionen Stück gefertigt werden. Etwa 2000 Hände werden dabei beschäftigt.

Auf der großen Londoner Ausstellung sah man kleine Stahlfedern zur Benutzung für die jungen Elfchen ? gäb? es dergleichen ? welche auf die zarten blauen Vergißmeinnichtblättchen mit Gold aus Käferflügeln Reime schreiben; und dann wieder lag daneben eine wahrhaft schreckliche Stahlfeder von 31/2 Fuß Länge und 5 Pfund Schwere, woraus über 1 Million gewöhnliche Federn gemacht werden können. ?

Geist und Gas.

(1853)

Das Wort Gas, wodurch eine Luftart bezeichnet wird, ist uns von England überkommen, woselbst man unser deutsches Wort ?Geist? zu Gas umformte. Der deutsche Geist muß sich manches gefallen lassen. Die alte Chemie bediente sich des Wortes Geist für etwas Belebendes, Kräftigendes, Luftförmiges: so Salzgeist, Hirschhorngeist, Holzgeist; daher der Uebertrag von Geist in Gas. Unsere Landwirthe und Händler ziehen aber den Ausdruck Spiritus dem Ausdruck Branntweingeist vor, welcher letzterer allerdings nicht besonders angeschrieben steht, während ersterer eine bedeutende Grundlage großen landwirtschaftlichen Betriebs in manchen Gegenden Deutschlands bildet. Doch dies beiher! Unsere heutige Aufgabe ist Gas, und zwar Leuchtgas, Steinkohlengas, welches gewiß Keinem von unseren Lesern unbekannt sein dürfte; daher wir auf eine nähere Beschreibung desselben hier nicht weiter eingehen. Das Steinkohlengas bringt man gewöhnlich nur in Verbindung mit der Gasbeleuchtung. Und bis vor nicht langer Zeit ist es auch dessen vornehmster Beruf gewesen, an der Stelle von Kerzen und Lampen die Nacht in einen künstlichen Tag zu verwandeln. Neuerdings hat man sich aber noch andere Dienste vom Steinkohlengas verschafft. Man gebraucht dasselbe nämlich bei der Eisenfabrikation; zum Absengen der feinen Fäserchen von Geweben, um diese dadurch glätter zu machen; zum Erhitzen von Stempeln behufs der Einbrennung von Vertiefungen in Holzformen, in welche Reliefmuster gegossen werden; zum Erwärmen von Bügeleisen und Buchbinderfilaten. Der wichtigste Gebrauch nach jenem für Beleuchtungszwecke ist aber unstreitig zur Heizung von Kesseln und Oefen und zum Kochen und Braten von Speisen. Die Techniker behaupten: ?daß die Handlichkeit der Gasanwendung in den meisten Fällen ? nämlich an Orten, wo die Materialien zur

Die

Gaskochofen von Sharp.

Gaserzeugung nicht zu theuer kosten ? eine raschere, zweckmäßigere und gleichmäßigere Erhitzung der Pfannen, Kessel u. s. w. gestattet, als dies mit Koks oder Kohle bewirkt werden kann. In England hängt man selbst größere Kessel in einem mit Gas erhitzten Raume auf. Das Gas strömt aus Brennern heraus und wird durch Hähne, je nachdem man mehr oder minder Hitze bedarf, regulirt. Man sieht auf den ersten Blick, daß dadurch manche Ungelegenheit, die bei festem Brennstoff vorkommt, beseitigt wird. Wie reinlich ist dabei Alles zu handhaben! Wie leicht kann das Anbrennen und Ueberhitzen vermieden werden! Wie schnell kann man die Hitze auf ein Geringstes mäßigen, und sie eben so rasch wieder bis zu einem hohen Grad anwachsen lassen! Alle diese Vortheile sind Ursache gewesen, daß das Steinkohlengas für Fabrik- und häusliche Zwecke in England von Tage zu Tage mehr in Aufnahme kommt. Man macht Anwendung davon bei vielen Pfannen und Kesselfeuerungen, in Badeanstalten und Waschhäusern. Im Themsetunnel ? erzählt ein Reisender ? findet eine allerliebste Benutzung der Gasflammen statt. In einer der Arkaden jenes Tunnels werden nämlich die Besucher des merkwürdigen Bauwerks mit Musikstücken aus einer Orgel unterhalten, welche von einer kleinen Dampfmaschine in Bewegung gesetzt wird, deren Kessel man durch 9 Gasflammen heizt. Aber nun erst die Anwendung der Gasküchen, von der wir eine getreue Abbildung geben. In sehr vielen guten Gasthäusern Londons bedient man sich ihrer bereits. Eine der schönsten gasbeheizten Küchen befand sich in der Speisehalle des Kristallpalastes und erregte die Aufmerksamkeit vieler sachverständiger Besucher. Unser Bild veranschaulicht recht deutlich die Entrichtung des Gaskochofens von Sharp. Unsere wirthlichen Leserinnen werden bei dessen aufmerksamer Betrachtung bezüglich seiner Wirkungsart gewiß leicht in?s Klare kommen. Unten brennen die Gasflammen, die von den Röhren links gespeist und mit den Hähnen regulirt werden. In dem Innern des Eisencylinders, der Trommel, braten Hammelkeulen, Schweinsrippen und Kalbsstoß. Obendrüber werden Pasteten gebacken. Zu oberst auf einer Art Herd befinden sich die Kasserolen und Töpfe zum Kochen und Schmoren, für Gemüse und Fisch. In der Mitte hoch steht ein Behälter mit heißem Wasser. Die an der Seite stehenden Gefäße werden von siedendem Wasser heiß gemacht. Dieses wird von den Gasflammen in einem Raume zwischen dem inneren und äußeren Eisencylinder, in dem die Gasflammen brennen, fortwährend kochend erhalten. Kleine Töpfe sind auf die größeren gesetzt, und ihr Inhalt hält sich warm. ? Dieser von uns vorgeführte Gasofen ist für große Wirthschaften berechnet; aber es lassen sich leicht kleinere für beschränktere Haushaltungen construiren. ?

In Berlin hat ein Ingenieur Elsner sehr gelungene Versuche mit der Gasfeuerung gemacht. Derselbe hat sich eine Kochmaschine, eine durch Gas gespeiste Lampe, eine Vorrichtung auf der man Plätteisen heiß macht, und eine Bratmaschine für Gasbeheizung eingerichtet. Nach Elsner?s Versuchen wird ein Beefsteak in 21/2 bis 3 Minuten durch 1 Kubikfuß, Kaffee für 6?8 Personen in 4 Minuten durch 2 Kubikfuß, und eine 12pfündige Kalbskeule in 20?25 Minuten durch 12 Kubikfuß Gas hergestellt. Wir haben daher nur dafür zu sorgen, daß es uns nicht an Gas fehlt; aber daran fehlt es eben noch an vielen Orten in Deutschland!

Die Wunder der Gutta Pertscha.

(1853)

Gutta Pertscha, malayisch Gutta Pertsha, englisch ?Gutta Percha? geschrieben, weil die Engländer den Laut ?tscha? nicht anders in Buchstaben zu bezeichnen vermögen, ist der ausgetrocknete Milchsaft eines Baumes in Ostindien, dem der Botaniker Hooker den Namen Isonandra Guttabeigelegt hat. Gutta bedeutet nicht etwa Tropfen, sondern malayisch: Baumsaft. Dieser getrocknete Saft, ein biegsames Harz, in seinen chemischen Eigenschaften dem Kautschuk (Gummi elasticum) sehr verwandt, ist bei uns erst seit etwa 10 Jahren bekannt und kam uns über London zu, wohin er einige Jahre früher von einem Dr. Montgommery aus Singapore gebracht worden war als eine Substanz, deren sich die Malayen zur Anfertigung von Messer- und Dolchgriffen bedienten. Die große Aufmerksamkeit, mit der das neue Harz bei seinem Bekanntwerden in der wissenschaftlichen und gewerblichen Welt aufgenommen wurde, verdankt es seinen merkwürdigen Eigenschaften: in Folge der Einwirkung einer nicht den Siedepunkt übersteigenden Wärme weich und bildsam zu werden, in welchem Zustande es sich bilden und zusammenkleben läßt wie Wachs, ohne daß die Verbindung, wenn die Substanz nach dem Erkalten wieder hart und lederartig biegsam geworden ist, sich wieder trennt, sondern so fest hält, wie je zuvor; und gleicherweise die Form, welche ihr, der Substanz, im erwärmten Zustande gegeben wurde, unveränderlich bleibt nach dem Erkalten. Jedermann sah sofort die hohe Wichtigkeit dieser Eigenschaften für Formgebung und bildnerische Zwecke ein; und da es sich ferner ergab, daß die Gutta Pertscha von Wasser, verdünntem Alkohol, von Säuren und Alkalien gewisser Stärke, von Oelen nicht angegriffen wird, so konnte es nicht fehlen, daß der Gebrauch und die Verwendung jenes Stoffes von Tag zu Tag bis jetzt zunahm, und es zu befürchten steht, daß der Rohstoff endlich mangeln werde, wenn man nicht schonender mit den Bäumen verfährt, welche ihn liefern. Wir können uns hier nicht lange bei den Verfahrungsarten aufhalten: die rohe, holzartig aussehende Gutta Pertscha zu reinigen, was durch mechanische Zertheilung im kalten Zustande, darauf folgendes Auswaschen und Kneten in der Wärme und mit Wasser, und endlich durch Ziehen, Strecken und Auswalzen geschieht. In Folge dieser Behandlung erscheint die Gutta Pertscha rein, glatt, lederartig, geschmeidig, in plattendünnen, papierähnlichen Blättern, Röhren, Fäden, und findet in dieser Gestalt Benutzung, man kann wohl sagen, zu den fast zahllosen Zwecken, wozu man auch Leder und Papier und biegsame wasserdichte Röhren benutzt. Als mehr und minder dicke Platten verwendet man sie u. A. zum Besohlen von allerlei Schuhzeug, um dessen Einführung in unserer Stadt sich Herr Bandagist Schramm viele Verdienste erworben hat. Schon sehr viele Leute verstehen die Kunst und legen sich Sohlen unter, welche namentlich wegen ihrer Haltbarkeit und Wasserdichte in nassem Wetter treffliche Dienste leisten. Ferner preßt und prägt man allerhand

Die

Gutta Pertscha als Schallröhre.

Zierrathen und verzierte Geräthe aus den Platten, welche verschiedenartig gefärbt werden können und unverwüstlich sind, falls man sie nur nicht der Hitze aussetzt. In Rieme zerschnitten treiben die Platten Scheiben an Wellen zum Bewegen von Maschinenwerken und Mühlen. Man benutzt sie zur Anfertigung von Feuereimern, die nicht wie andere, siebartig auslaufen, wenn sie gebraucht werden sollen, und zu Schläuchen und Leitungsröhren für Flüssigkeiten, denen ähnliche von anderem Material kaum an die Seite gestellt werden können. So trefflich wie Flüssigkeiten leiten jene Gutta-Pertscha-Röhren auch den Schall, so daß man sie jetzt allgemein als lange Sprachrohre in Schächten, Schiffen, in Fabriken, Gasthäusern u. s. w. gebraucht. Eine menschenfreundliche Verwendung dieser Art sieht man auf unserem Bilde, wo durch eine Röhrenleitung von Gutta Pertscha von der Kanzel aus bis zum Kirchenstuhl Schwerhörigen das Anhören der Predigt möglich gemacht wird. Die Röhre erweitert sich oben an der Kanzel als Schallloch; im Kirchenstuhl aber theilt sie sich nach Bedürfniß in mehrere Zweige, an deren Enden sich Hörröhren befinden, deren Mündungen in die Ohren gesteckt werden. Als Ueberzug schützen Gutta Pertscha-Röhren Metalldrähte bis zu einem gewissen Grade gegen Einwirkung der Feuchtigkeit; und wenn man sie gegenwärtig weniger als Ueberzug von unter der Erde liegenden Landtelegraphendrähten benutzt, weil diese, als nicht zweckmäßig, aufgegeben worden sind, dort wo man oberirdische Drähte anbringen kann, so ist doch ihre Verwendung als Decke über unter Wasser befindlichen Telegraphendrähten fast unabweislich.

Die dünn ausgewalzte Gutta Pertscha ist zur Verpackung, zum luftdichten Verschluß von Flaschen und Büchsen, zum Buchbinden, zum Druck; in diesem Falle muß sie weiß gebleicht werden; zur Fertigung von feinen Stiefeln und Schuhen, in welchem Falle sie einer Färbung bedarf, trefflich anwendbar.

Mit großem Geschick wird sie, zumal in einigen Werkstätten Englands und Amerika?s, grade wie Kautschukkitt, aufgelöst, als Leim benutzt, um die Bogen der Bücher zu vereinigen, statt des Heftens und Nähens und der weiteren Bearbeitung des Rückens. Man legt die Bogen wie gewöhnlich zusammen, schlägt sie, fährt mit einer Raspel über den Rücken und trägt eine oder mehrere Schichten einer Gutta Pertschalösung auf. Zu mehrerer Sicherheit kann man auch einen, mit jener Lösung bestrichenen Kattunstreifen dem Rücken auflegen. Diese Art Heftung möchte jener deutschen vorzuziehen sein, wozu gar kein Faden, sondern nur Tischlerleim gebraucht wird. In Form von Cylindern und starken Platten, runden Scheiben eignet sich unser bildsames Material ungemein gut, behufs Fertigung von Walzen in Druckmaschinen, von Preßcylindern in Flachsspinnmaschinen, welche den Faden naß ausspinnen, für Kolbenliderungen in Kunstsätzen oder Pumpen u. s. w. Ist dasselbe aber zu stärkeren oder dünneren Fäden ausgezogen, so kann es als Ersatz für Taue und Stricke behufs einer Fülle von Zwecken dienen. Den Hausfrauen sind solche starke Pertschafäden als Wäschleinen zu empfehlen. Nichts Besseres zum Binden für Kunstgärtner als jene dünnen Pertschafäden, deren Schmiegsamkeit und Festigkeit erstaunenerregend ist. Netzwerk daraus ist unverwüstlich, was für Jäger und Fischer von Belang ist.

Die Wundarzneikunst benutzt ferner in vielen Fällen mit großem Vortheil die Gutta Pertscha bei Anfertigung von künstlichen Gliedmaßen und allerlei Binden. Eine Lösung jenes Harzes in Chloroform giebt nach Dr. Rapp in Bamberg ein besseres Wundpflaster als Collodium. Man bereitet es aus 1 Theil Gutta Pertscha und 8?9 Theilen Chloroform und kann die daraus entstehende dickliche Flüssigkeit mit einem Pinsel grade wie Collodium auftragen.

Endlich ? um mit unsern Beispielen für Anwendung der Gutta Pertscha zum Abschlusse zu kommen, dient es den Zahnkünstlern zur Herstellung der Basis zu künstlichen Gebissen und eingesetzten Zähnen, wodurch es ihnen gelingt, eben so bequem als täuschend der Natur ähnlich, noch blühenden Lippen durch Kunst jene Perlenreihen wieder zu verschaffen, deren Verlust in zeitiger Jugend so viele Menschen betrauern müssen.

Vor den ?Wundern der Gutta Pertscha? ziehen wir für diesmal den Vorhang; vielleicht finden wir Veranlassung, ihn später wieder einmal aufzurollen.

Die Mähmaschine.

(1853)

Fast mehr noch als in den gewerblichen Künsten sind im landwirthschaftlichen Betriebe in neuerer Zeit vervollkommnete Werkzeuge, welche man Maschinen nennt, zum Theil vorgeschlagen, zum Theil auch wirklich ausgeführt und hier und da in die praktische Landwirthschaft eingeführt worden. Dies erklärt sich theilweise daraus, daß die Gewerbskunst sich schon seit längerer Zeit mit den Maschinen befreundet hat, während die Landwirthschaft länger ihr Fach handwerksmäßig betrieb und jetzt erst anfängt, dasselbe zu der Kunst zu erheben: dem Acker den höchstmöglichsten Ertrag mit den möglich geringsten Kosten abzugewinnen. Sie wird andererseits in manchen Gegenden, wo Handel und Gewerbe in Blüthe stehen, genöthigt, sich nach verstärkten Arbeitskräften umzusehen. Denn einmal verlangt eine zahlreich gewerbliche Bevölkerung recht viel landwirthschaftliche Produkte, dann aber auch nimmt sie stets neue Arbeiter in sich auf, die dem Ackerbau entzogen werden und in sehr seltenen Fällen wieder zu ihm zurückkehren.

Die Landwirthschaft findet jene verstärkten Arbeitskräfte in den Maschinen, bei denen weniger Menschenhände, sondern mehr Pferdefüße gebraucht werden, deren man schon entrathen zu können wähnte in Hinblick auf Eisenbahnen und Dampfwägen. Seit diese aber eingeführt sind, haben sich die Pferde vermehrt.

So vermehrt sich auch die Menschenarbeit durch die Maschinen, und Knechte und Mägde brauchen nicht zu fürchten, überflüssig zu werden, weil Pferde dreschen und mähen. Warum sollen sie dies nicht eben so gut thun, als pflügen und eggen? Umsomehr da man jetzt schon den Dampf an den Pflug, und an das Grabscheit spannt, wovon wir später einmal erzählen wollen. Von Allem zugleich können wir hier nicht reden! Bleiben wir heute vor der Hand beim Mähen stehen.

Jedes Kind weiß, daß man seit uralter Zeit sich dazu der Sichel und der Sense bedient. Das älteste Werkzeug ist die Sichel. Man hat Abbildungen davon auf den ältesten Denkmälern des Menschengeschlechts gefunden. Die Sense ist von neuerer Erfindung. Die Alten stellten sich den Tod nicht als scheußliches Gerippe mit der Hippe oder Sense vor, sondern als ein die Fackel kehrender Genius. - Die Sense ist wirksamer wie die Sichel, aber letztere wird aus Anhänglichkeit an dem überkommenden Alten von manchen ländlichen Bevölkerungen noch vorgezogen. Daher darf es Niemanden verwunderlich vorkommen, wenn nach tausend Jahren ? lebt er so lange ? die alten Sensen noch arbeiten neben dampfgetriebenen Mähmaschinen, welche so mit Dresch-, Mühl- und Backmaschinen verbunden sind, daß das frische Brot am letzten Ende herauskommt.

Die

Mähmaschine von Tolemache.

Indem wir den spätern Jahrgängen der Gartenlaube die Illustrirung dieser merkwürdigen Maschinenkomposition vorbehalten, welche uns allerdings schon im Geiste vorschwebt, beschränken wir uns heute darauf, unsern wißbegierigen Lesern die bis jetzt erreichte Sprosse auf der Leiter jener großen kommenden Erfindung in einem hübschen landschaftlichen Bilde vor Augen zu legen. Die in demselben arbeitend dargestellte Maschine ist die ?Tolemach-Mähmaschine,? so genannt nach ihrem Erfinder. Sie wird von dem berühmten Erbauer landwirthschaftlicher Geräthe Richard Garrett gebaut. Berühmter noch als diese Maschine ist die Mähmaschine des Amerikaners M?Cormick, die zur Zeit der Weltausstellung in England auf dem Felde so große Triumphe feierte, damals als der große englische Landwirth Mechi, der Kunst zu Ehren, ein schönes, noch grünes Weizenfeld von der Maschine mit großem Behagen abmähen ließ, an welchem Grünfutter sich seine herrlichen Kühe später gütlich thaten.

Aber die von der amerikanischen Mähmaschine errungenen Siege spornten andere rastlose Erfinder an, sich in den heißen Kampf der Konkurrenz zu stürzen und immer bessere Maschinen zu erfinden, wenigstens glaubt jeder Erfinder dies. Wer wie ich den ganzen Tag über mit technischen, gewerblichen Belangen und Büchern, alten und neuen sich beschäftigt, dem kommt manche Erfindung vor Augen, die, nebenbei gesagt, oft nichts weiter ist als ein alter Freund in einem neuen Rock. So habe ich denn auch schon viele Mähmaschinenbauarten gezählt, u. A. von Mason, Atkin, Gumpertz, Wray, Harkes Hussey in England und Amerika. Mit Verbesserungen haben sich beschäftigt die Deutschen: Th. Weiß und Dr. Hamm. Es wird sich dermaleinst finden, welche Bauart und Verbesserung die beste ist, wenn der Streit der Techniker aufgehört hat und die Oekonomen einerlei Meinung geworden sind. Für den sich in diesen Streit und in den Zwiespalt der Meinungen nicht mischenden Leser, der sich so zu sagen nur kulturhistorisch über den Stand der Technik in der Landwirthschaft unterrichten will, dürfte die Ansicht unseres ausgezeichneten Bildes genügen, aus dem er, wie wir offen bekennen müssen, über das Prinzip der Maschine inzwischen nicht so recht klar werden möchte, wenn wir seiner Einbildungskraft nicht durch einige Andeutungen zu Hülfe kämen.

Die Erfindung an Maschinen zum Mähen taumelte sehr lange in der Irre umher, indem sie sich die Bewegung der Sense oder der Sichel ? man dachte entfernt an jene antiken Kampfwagen mit sichelartigen Schwertern an den Achsen ? zum Vorbild nahm, bis ein scharfdenkender Geist endlich begriff, daß man ein Kornfeld mit schwankenden Halmen nur abmähen kann, wie man einen Bart rasirt, nämlich mit ziehendem Schnitte. Weil man nun aber nicht gut im Stande ist, eine Riesensense für ein Kornfeld zu schmieden, welche mit Pferdekraft zu regieren wäre, so ersann man eine Finger- oder Kammvorrichtung, die gegen das stehende Getreide anzuschieben ist und die Halme zwischen den Zähnen des Kammes festklemmt. So festgehalten, vermochte nun entweder ein sich schnell unter dem Kamm gegen die Halme bewegendes Sägeblatt dieselben abzusägen, oder hin- und hergehende Messer waren im Stande, sie glatt abzuschneiden. So wie diese Vorrichtung in der Richtung der Furchen von seitlich angespannten Pferden fortgezogen wird, setzt sie durch eben diese Bewegung Räderwerk in Umtrieb und bringt die Schneidvorrichtung zum Angriff. Die geschnittenen Halme sinken zurück auf eine Tafel oder ein Führtuch, und werden von Arbeitern zusammengerafft und in Garben gebunden. Wie geschildert ist das Urprinzip aller Mähmaschinen. Anstatt des sägenartigen Schneiders wenden Andere scheerenähnlich zusammentretende Schneiden an; wieder Andere greifen zu runden Scheiben mit scharfen Rändern, während die Kühnsten ordentliche, scharfe, platte Stahlkrallen konstruiren, welche die Halme zugleich packen und abschneiden. Atkins, der neueste Erfinder, läßt die Köpfe sich zersinnen, um die zweckmäßigste Zusammenstellung von Schneiden für den eigentlichen Schnitt des Getreides zu finden. Er hingegen schafft einen künstlichen Arm, welcher, so wie die Halme fallen, sie in Garben zusammengreift und zur Seite legt, wo sie dann von einem Arbeiter gebunden und ihrer mehrere in Puppen zusammengestellt werden können.

Das große Rad, welches sich zwischen dem Gestelle (siehe Zeichnung) bewegt, läuft aus der Furche und setzt, während es sich durch den Zug des Pferdes dreht, das seitliche Triebrad in Thätigkeit, und dieses wieder bringt den Schneidapparat in Arbeit. In Amerika, wo die Arbeit der Menschenhand theuer ist, die Arbeit des Menschengeistes aber zur Zeit noch nicht sehr lebhaft gefragt ist, wenn sie sich nicht unmittelbar auf ?Money making? bezieht, gehen viele Mähmaschinen, und verbreitert sich von Tage zu Tage mehr. In England, wo der freie Kornhandel einerseits und die Abnahme landwirthschaftlicher Arbeiter in Folge der Anziehungskraft von Amerika und Australien andererseits den Landbau bedrängt, macht die Maschine sich bereits auch Raum. In Deutschland besinnen wir uns noch. Wir Deutsche sind ein nachdenkliches Volk, und besitzen ungemein viele Anlage zum ? Abwarten.

Die Brütmaschine des Cantelo.

(1853)

Man hat in alten Büchern und neuen Reisebeschreibungen von der künstlichen Ausbrütung des Geflügels in China und Aegypten gelesen. Die Einen erzählen uns von der wunderbaren Gewandtheit der Chinesen, junge Enten in?s Dasein zu rufen, und fabeln zugleich von einer Entengattung, die alle ihre Eier in ein Nest unter dem Wasser lege, und hinabtauche, um darauf zu brüten. Andere sprechen von den ägyptischen Mammellen oder Brütöfen, wissen aber nichts Anderes davon, als was sie sich von Anderen haben verdollmetschen lassen. Sie vermuthen dahingegen sehr stark, daß jenes ägyptische Brütverfahren als Familiengeheimniß Jahrtausende lang bewahrt worden sei, und deuten entfernt darauf hin, daß die Hühnereier wie die Straußeneier in der Sonne ausgebrütet würden. Letztere werden aber in der That eben so gut von der Straußhenne ausgebrütet, wie ein Hühnerei von der Henne. Nur Eier von kaltblütigen Thieren, wie von Fischen und Amphibien, kriechen in Folge der Einwirkung von Luft und Licht aus. - Cantelo, ein praktischer Naturforscher in England, hat sich die Vorgänge bei der natürlichen Ausbrütung der Eier des Geflügels zu einem langjährigen Studium gemacht, und dessen Ergebnisse zur Aufstellung eines Verfahrens und Zusammenstellung eines Geräths behufs der Ausbrütung durch künstlich erzeugte Wärme benutzt. Er zeigte ein solches Geräth, eine Brütmaschine, unter dem Namen ?Hydro-Incubator? zur Zeit der Ausstellung in London auf Leicester Square, und ich habe selbst damals die Maschine im Gange gesehen. Cantelo empfiehlt die Ausbrütung von Geflügel aller Art, zahmen und wilden, als ein gewerbliches Geschäft; und dem Vernehmen nach, wenn auch bis diesen Augenblick noch nicht unzweifelhaft glaubwürdige Berichte darüber vorliegen, sollen in der Gegend von London, in Paris und in Wien Apparate in Thätigkeit sein. Theophil Weiß in Prag baut, Zeitungsnachrichten zufolge, ebenfalls Brütmaschinen. Auf eine desfallsige Anfrage bin ich aber ohne alle Antwort geblieben, was eben nicht sehr zu Gunsten der Sache zu sprechen scheint. Das soll mich inzwischen nicht abhalten, hier einige Worte über das Verfahren der künstlichen Brütung zu sagen, da Cantelo?s Bericht darüber und seine Anweisung dazu, welche in der deutschen Gewerbezeitung, I. Heft 1853 in größter Ausdehnung zu lesen ist, von einem, die Natur durchdringenden Geiste zeugt und die Thatsächlichkeit jener Brütung außer aller Frage stellt. Ich kann hier nicht, als meiner Aufgabe zu weit ab liegend, auf naturwissenschaftliche Bemerkungen eingehen, auch nicht die Geheimnisse des Hühnerhofs und der Hühnerzucht zu enthüllen unternehmen, sondern ich will mich auf Festhaltung des technischen Gesichtspunktes beschränken, und daher einfach beschreiben, was ich in London sah. ? Mehrere ähnliche Apparate wie derjenige ist, den wir in unserer Abbildung veranschaulichen, befanden sich in einem geräumigen Zimmer aufgestellt. Die Apparate waren von Tischhöhe und hatten große Aehnlichkeit mit einer langen Kommode. Zu beiden Seiten aber wird man die auszubrütenden Eier bemerken. Sie liegen unter wasserdicht eingekitteten Glasplatten, über welche fortwährend warmes Wasser hinwegläuft. Dieses Wasser wird in stets gleicher Temperatur durch eine Heizvorrichtung gehalten, deren obere Bedeckung in Form eines Topfes man in der Mitte des Apparats bemerken wird. Jene Wasser-Heizvorrichtung kann man sich wie einen mittels Spirituslampe warm gehaltenen Theekessel, oder wie einen durch glühende Holzkohlen beheizten Samavar (russischer Theekessel) vorstellen. Eine zu regelnde Gasflamme leistet gleiche Dienste. Die Eier liegen auf einem Springfederkissen, so daß kleine und große Eier nicht mehr und nicht weniger von der Glasplatte gedrückt werden. Auch können sie, in einer Schublade liegend, zum Behufe der Untersuchung und zur Entfernung der ausgekrochenen Küchlein, hervorgezogen werden. Diese finden ihren warmen, mit weichem Molton ausgefütterten Platz zunächst oben rund um den Heizcylinder. Dann werden sie in die untern Fächer eingesetzt, durch welche Warmwasserröhren geführt sind, unter die sie kriechen, um sich zu wärmen, grade wie unter die Flügel der Glucke. So werden die kleinen Hühnchen nach und nach herangezogen und vorne auf der Klappe, wie man auf unserem Bilde sieht, gefüttert. Ebenso war es in Wirklichkeit. Ich sah mehrere Eier, aus denen die Küchlein auszukriechen im Begriff standen. Schon etwas erwachsenere Hühnchen liefen in der Stube umher. Die schöne Einrichtung der Brütmaschine von Cantelo liegt darin, daß sie von oben brütet, wie die Henne, und den Küchlein Wärme und Behaglichkeit gewährt, als befände es sich unter den Flügeln der Mutter.

Höchst unterrichtend sind Cantelo?s Mittheilungen über die Entwickelung des Hühnchens im Ei. Er sagt: ?Viele Leute halten hartnäckig an der Meinung fest, daß die Brüthenne zu bestimmter Zeit die Eierschale zerbricht, um dem Küchlein herauszuhelfen; ja Einige gehen sogar so weit, dies gesehen haben zu wollen. Aber Alles ist Täuschung! Die Natur hat das Küchlein selbst mit einem passenden Werkzeug versehen, sich aus der Schale loszumachen. Und wenn nur der kleinste Theil der Eierschale durch eine äußere Gewalt zerbrochen wird ? selbst dann, wenn sich das Küchlein schon ein Loch durchgearbeitet hat, wird sich dasselbe meistens verbluten, da die ganze innere Fläche der Schale mit zarten Aederchen und Blutgefäßen bedeckt ist, welche dazu dienen, dem noch unentwickelten Thiere Nahrung zuzuführen.

Die

Brütmaschine von Cantelo

Hat das Küchlein die Schale durchbrochen, so liegt es etwa 12 Stunden lang ruhig, um Stärke aus der Luft zu ziehen und die Lungen an?s Athemholen zu gewöhnen. So wie es kräftiger wird, treten die seither außenliegenden Organe, die Eingeweide, in den Leib des Thieres, das Aderngewebe, womit die innere Fläche der Eierschale bedeckt war, findet seinen Platz im Hühnchen. Sobald diese Schale nun rein ist, macht das kleine Thierchen eine Wendung, während der Kopf unter dem rechten Flügel gebogen, der Schnabel auf den Rücken gelegt ist und die Füße vorgestreckt sind. Diese leichte kreisförmige Wendung hat zur Folge, daß eine kleine scharfe Spitze des Schnabels nach und nach die Schale zerschneidet. Wenn dies auf drei Viertel der Länge des Eis rundum geschehen ist, zerbricht auch der übrige Theil; das Ende der Schale öffnet sich wie der Deckel einer Büchse und das Küchlein schlüpft endlich heraus. In wenig Stunden ist es im Stande, zu stehen und zu laufen. Das übergebliebene Dotter und Eiweiß, was nicht zu seiner Bildung verwendet wurde, dient zu seiner Nahrung, bis es sich selbst helfen kann.

Das Ausbrüten des zahmen und wilden Geflügels durch künstliche Wärme kann in gewissen Fällen naturhistorisch und auch gewerbswirthlich von Nutzen sein. Kaum glaube ich aber, daß es im landwirthschaftlichen Betriebe Vortheile gewähren würde, obgleich Viele der Ansicht sind, daß, umsichtig geleitet, die Federviehzucht viel einzubringen vermöge. Mir hat es immer geschienen, als ob Hühner, Enten und Gänse so nebenher auf den Gütern mit aufgezogen würden und sich ihr Futter im Hof und Garten selbst suchen müßten. Wenn man daher nicht wie in London 20 Neugroschen für ein junges Huhn oder ein Hähnchen erhalten kann, so ist wohl kein Geschäft zu machen. Sollen wir hier aber 20 Neugroschen für ein Backhändel geben, dann würde Niemand Geld haben, selbst ?alte Henne mit Allerlei? zu bezahlen.

Leben und Weben und der ? Druck.

(1853)

Leben und ? Weben, so wie der Mann da in unserem Holzschnitt, ist eine große Kunst: nämlich nicht sowohl letzteres als ersteres. Denn der Mann webt einfachen glatten Kattun, von dem der Dampf mit der Webmaschine in derselben Zeit zehnmal mehr und zugleich besser macht als des Mannes fleißige Hand. Ja! es ist gewiß eine Kunst zu leben bei solchem Weben; und doch weben noch viele Tausende in unserem Vaterlande jenen glatten Kattun und leben noch; freilich so gut wie es nun eben geht. Sollen wir daher nicht die Maschine willkommen heißen, die dem Menschen die mühselige Arbeit abnimmt, bei der er ohnehin nichts mehr verdient und er gezwungen wird, irgend ein anderes Fach zu ergreifen, dessen Betreibung ihn besser lohnt? Denn bei allem mechanischen Fleiß hängt dem Menschen die geistige Trägheit doch stark an, und das alte morsche Werkzeug muß erst ganz zu Grunde gehen, ehe er sich entschließt, das neue bessere in die Hand zu nehmen, weil dessen Behandlung ein bischen Willenskraft und geistige Anstrengung kostet. Es giebt Weber in einigen Gegenden von Deutschland, die auf erbärmlichen Stühlen Kattun weben und nicht die Hälfte des Lohns verdienen, den ihre nicht geschickteren Brüder verdienen, weil diese in verbesserten Stühlen arbeiten. Und dies Mißverhältniß bestand schon vor zehn Jahren und besteht noch heute. Wir werden in einem späteren Artikel von der ?Musik der Weberei? sprechen, und wie sie mit Farbentönen spielt und herrliche Kompositionen vor Augen führt. Dahin muß auch der Weber blicken und aus seinem alten Marterholz Blumen blühen, Gewinde und Ranken sich entfalten lassen, die, mit der Natur wetteifernd, erzeugt sind unter der Sonne der Kunst. Einfach und schlicht ausgedrückt will dies sagen: daß der Weber gemusterte Gewebe, bunte Waare, glänzende, schmiegsame, weiche Mischgewebe machen muß. Und dies vermag er, wenn er auf seinen einfachen Handstuhl jene wunderbare Vorrichtung stellt, der ein Mann seinen Namen gegeben hat, zu dem Napoleon einst sagte: Und Ihr wollt das thun, was Gott selbst nicht vermag: nämlich einen Knoten in einen Faden knüpfen, der an seinen beiden Enden festgehalten wird? Dieser Mann war der Franzose Jacquard, durch dessen Vorrichtung zum Musterweben ? die Jacquardmaschine ?

Die

viele, viele tausend Arbeiter, welche vor deren Erfindung die Musterlitzen zogen (sogenannte Ziehjungen), in Noth und Elend zu gerathen wähnten, während sie im Gegentheil in der Wirklichkeit bald mehr verdienten und Herren der Arbeit wurden, während sie früher deren Sklaven gewesen waren. Sie spielten nun mit den Mustern in den Geweben. Mit ihrem Weberschiffchen schrieben sie das Testament Ludwigs XVI. schwarz auf weiß und zeichneten Gemälde auf ihre Werften, so daß die Gobelins nach und nach viel von ihrer Merkwürdigkeit verloren, da der Fuß des Webers mit einem einzigen Tritt in seinem Stuhle etwas Aehnliches zu schaffen vermochte. Die persischen Schals, deren Anfertigungszeit nach Jahren berechnet wird, stellten die Schals der Jacquardweber in Bezug auf Schönheit und Fülle der Muster weit in den Schatten, so daß gegenwärtig eine gewisse Unvollkommenheit in Farbenformen und Figuren das Erkennungszeichen der ächten Kaschmirschals ist, weil man selbst die Verknüpfung der Fäden auf der Kehrseite nachzuahmen weiß. ?

Nun aber fragen wir zurück. Wie kann nur ein Mensch glatten Kattun, etwa zu 12 Pfennige die Elle fertigen mögen, während ihm die Mittel gegeben sind, köstliche Zeuge ?zu flechten und zu weben mit himmlischen Rosen ins irdische Leben?? ? Noch einmal: es ist die Gewohnheit, der Mangel an Anregung zu etwas Besserem; es ist die trübsinnige Unterwerfung unter eine vermeintlich unabänderliche Nothwendigkeit, es ist endlich Mangel an anderer Arbeit, was ihn nöthigt, bei der alten Arbeit zu bleiben. Freilich müssen wir nun aber nicht glauben, daß die Kunstweberei keine Mitbewerbung in anderen Fächern hätte. Sie begegnet deren mehreren. Die gefährlichste ist aber die der Zeugdruckerei. Diese übt oftmals einen sehr beengenden Druck auf die Musterweberei aus: denn sie ist im Stande, mit noch leichterer Mühe als es die Weberei mit Hülfe der Jacquardmaschine vermag, die herrlichsten Gebilde in den mannigfaltigsten, glänzendsten Farben auf die Oberfläche der Zeuge zu zaubern. Freilich macht sie es zuweilen zu schön und umhängt die zarte Gestalt einer Jungfrau mit Blumengewinden und Sträußen, daß sie aussieht wie ein bekränztes Opferlamm. Aber in ihren bescheidenen, und künstlerisch schönsten Mustern ist die Druckerei groß und mächtig geworden, und hat nicht allein die Kunst, sondern Chemie und Mechanik in ihren Sold genommen. Wieder sind es Maschinen gewesen, welche der Zeugdruckerei eine Entfaltung gegeben haben, die zwar nicht der der Buchdruckerei gleich kommt, aber doch so hoch getrieben ist, daß eine einzige Fabrik in Manchester im Stande wäre, das Bedürfniß der ganzen Welt an gedruckten Kattunkleidern zu befriedigen, während der Lesehunger der Welt wohl nicht von einer Buchdruckerei gestillt werden möchte. Wir lassen in

Die

unserem Bilde einen Blick auf eine jener mächtigen Zeugdruckmaschinen fallen, die, ohne Stillstand, Stück um Stück bis mit 16 Farben auf einmal bedrucken; Zeuge, deren Musterpracht die Ballsäle und Promenaden mit wandelnden Blumenbeeten bedeckt, so gefährlich für die Augen und Herzen der Männerwelt. ? Es ist bemerkenswerth, daß die Männer gedruckte Zeuge verschmähen, und den Druck allenfalls nur auf Weste und Kravatte dulden. Dahingegen huldigen sie der Kunstweberei und befördert sie durch Annahme kunstvoll gearbeiteter Rock-, Westen- und Beinkleiderstoffe. Die Kunstweberei ist dankbar dafür, und hat dies noch neulich von Frankreich aus dargethan durch Hervorbringung eines Pantalonzeugs, auf dem sich Adam und Eva unter dem Apfelbaum die Hände reichen. (Thatsächlich.)

Die Zeugdruckerei hinwiederum ist die Patronin des glatten Kattuns, dem sie emporhilft und in anständige Gesellschaft bringt; aber sie dankt es dem Handweber nicht, daß er so wohlfeil arbeitet. Lieber greift sie zur Maschinenwaare, die da viel schöner ist. Ihrer Meinung ist auch die Fabrikation einfach gefärbter Baumwollzeuge und das riesige Geschäft in dichten, weißen Waaren, mit denen England die Welt umspannt und im eigentlichsten Wortverstande die ganze Erde umspannen könnte, so daß sie, etwa vom Monde aus, anzusehen sein würde, wie ein Plum-Pudding.

So glauben wir denn nachgewiesen zu haben, daß Leben schwerer ist als Weben und der Druck groß ist.

Die thüringische Gewerbeausstellung auf Schloß Friedenstein in Gotha.

(1853)

I.

Der Glaspalast in London war ein stolzes Gebäude, der seine kristallene Wölbung hoch über die Gipfel der Bäume im Hydepark ausstreckte; aber es war doch kein Schloß Friedenstein, das seine Zinnen dem herrlichen Thüringer Wald entgegenstreckt! Die Aussicht im Glaspalaste war bewältigend, der große Mittelgang verlor sich in grauen Duft. Hohe Waldbäume standen im Transept. Aber was ist diese beschränkte Aussicht gegen den Blick von den Fenstern des Friedensteins auf die sich von der Höhe in?s Thal hinabziehende Stadt, auf den Park mit seinem Wald von ehrwürdigen Tannen, Buchen und Eichen, auf das blaue Gebirge, das sich in so reizenden Umrissen am nahen Horizonte erhebt.

Hier auf diesem weitschauenden Schlosse breitete im August und September dieses Jahres die Industrie Thüringens ihr Festgewand aus und von den Höhen und Thälern brachte man Beiträge ihrer Kunst und ihres Fleißes zu der Feier.

Schon längst ist der Friedenstein eine Schatzkammer von Leistungen der Wissenschaft und Kunst, seit der Zeit, als Herzog Ernst der Fromme in der Mitte des 17. Jahrhunderts ihn auf der Stelle der früheren Burg Grimmenstein erbaute; jene alte Veste, welche in Folge der Grumbach?schen Händel 1566?1567, nach der Landfriedensordnung ?als eine Herberge der Landfriedensbrecher, Mörder und Straßenräuber? geschleift wurde.

Der Friedenstein wuchs aus den Trümmern hervor. Die Künste des Friedens fanden dort von nun an eine bleibende Freistätte. Wichtige und seltene Sammlungen von Büchern, Schriften, alten Münzen, merkwürdigen Erzeugnissen des Gewerb- und Kunstfleißes entfernter Länder und früherer Zeiten, Alterthümer, Antiken, Kupferstiche und Gemälde, Naturalien sind dort aufgestellt und der Beschauung und Durchforschung gewidmet.

Gab es einen würdigern Platz für die Festfeier der Thüringischen Industrie? Eine Versammlung von fast tausend Gewerbtreibenden, welche dort ihre Leistungen in schönen Proben entfalteten, bejaht diese Frage. Das war gewiß ein schönerer Anblick, als wenn ehemals auf dem finstern Grimmenstein tausend Ritter ihre Banner entfalteten; und die melodischen Klänge der trefflichen Musikinstrumente im großen Saale wurden gewiß von den durch die Räume Lustwandelnden lieber gehört, als in jener blutigen Zeit die Kriegstrompeten von den Thürmen. Die Errungenschaften des Friedens vereinten sich auf dem Schlosse. Die alte Kunst gab der neueren die Hand, bewillkommnete sie und zog sich dann wieder in selbstbeschauliche Ruhe zurück. Sie überließ der in frischester Jugend blühenden Urenkelin die schönsten Räume, wo das beste Licht auf ihre Reize fiel.

Ehe wir aber der jungen Industrie, die sich wie eine Braut an ihrem Hochzeitstage geschmückt hatte, einige schmeichelhafte Worte sagen ? wer möchte nicht gern gefallen! ? wollen wir einen Blick hinauswerfen auf das Land umher, das wir theils mit leiblichem, theils mit geistigem Auge von den zahlreichen Fenstern des Friedensteins aus vor uns liegen sehen. Unter uns gegen Norden liegt die rege Stadt mit ihren von der Hand eines wackern Baumeisters im edlen Style aufgeführten Gebäuden, u. a. Theater, Marstall, und namentlich jene herrlichen Sitze der beiden Banken, welche, vom ehrwürdigen E. W. Arnoldi zu dauerndem Ruhme von Gotha gestiftet, manche Thräne getrocknet, viel Unheil wieder gut gemacht haben. Diese Banken hätten ihre Jahresberichte ausstellen können, um die höchste Anerkennung zu finden. Ihr Einfluß auf die Industrie tritt zwar nicht unmittelbar hervor, aber er ist nichtsdestoweniger gedeihlich vorhanden. Weiter nach Norden schweift unser Blick nach Langensalza, dessen ursprüngliche zurückgehenden Webereizweige durch umsichtige Fabrikanten wieder neu und frisch belebt wurden, dann nach der alten Reichsstadt Mühlhausen am Fuße des Eichsfeldes, nach Bleicherode, nach Nordhausen und Sondershausen, wo man sich überall rührt, um auf absterbende Stämme neue Triebe zu pfropfen. Namentlich ist dies für das Eichsfeld zu wünschen, wo eine schlechtlohnende Hand- und Hausindustrie sich mühsam das Leben fristet; von wo aus im Verein mit Genossen des Rhön und einiger Orte des Thüringer Waldes zu Zeiten viele Männer ihre Hütten verlassen, um in mehr begünstigten Gegenden des Vaterlands Arbeit und besseren Lohn zu suchen. Gewerbsbildung und muthige Unternehmungslust müssen sich die Hände reichen zur Verbesserung der Zustände. Glücklicher ist die Aue, wo sich die goldenen Aehren in der Sonne wiegen.

Die

Schloß Friedenstein.

Wir stellen uns nun an ein anderes Fenster und schauen nach Eisenach und Umgegend, der Wiege unserer deutschen Kammgarnmaschinenspinnerei. Christian Weiß in Langensalza führte dieselbe ein. Dort blickt Ruhla aus seinem Bergkessel heraus mit Cigarrenspitzen und Pfeifenköpfen, womit es die Raucher erfreut; aber zugleich zieht es die Augen der Künstler auf sich durch die reizenden Köpfe seiner Jungfrauen mit ihren feurigen Augen und schwarzen Flechten, um welche turbanartig ein Tuch gewunden ist, als wären die Trägerinnen die Ur-Urenkelinnen jener schönen Orientalin, welche den Grafen Ernst von Gleichen aus der Gefangenschaft der Ungläubigen in sein Schloß ohnweit Gotha begleitete, dessen Ruinen mit zwei andern Ueberresten alter Burgen auf hohem Bergkegel vereint die drei Gleichen genannt werden. Dort auf dem Schlosse Gleichen stand noch vor wenig Jahren die große breite Bettsponde des Grafen. Ob sie aber so schön geschnitzt war wie das berühmte Bett im Londoner Glaspalast, das der Kaiser von Oestreich der Königin Victoria schenkte, wissen wir nicht. Vom Grafen Gleichen, seinem merkwürdigen Abenteuer und häuslichem Leben steht eine hübsche Geschichte in Musäus? Volksmärchen. Aber wir schließen das Schloßfenster nach West, öffnen es nach Ost und schauen mitten hinein in die blaugrüne Bergwand des Thüringer Waldes, durch den man einen Tunnel von 6000 Fuß Länge brechen will, um vom Bahnhof von Gotha aus das Werrathal unweit Schmalkalden zu erreichen. Dort sehen wir das reizende Reinhardsbrunn, das wurst- und spielzeugreiche Waltershausen. Wir hören im Geiste die unermüdlichen Hämmer der Eisenwaarenarbeiter in Brotterode, Schmalkalden, Mehlis und das Schnauben der Glas- und Porzellanöfen in Tambach und Dietharz, in Ohrdruf und Elgersburg, in weiterer Ferne das Schlagen der Weberschiffchen in den Barchentstühlen von Suhl, untermischt mit Probeschüssen aus den dortigen vortrefflichen Gewehren, herausfordernd beantwortet von denen in Zella und Schmalkalden. Wir blicken tief in das Coburger Land hinein, dessen rege Gewerbsthätigkeit wir nur spärlich auf der Ausstellung vertreten sahen, und weiter nach Sonnenberg und Gräfenthal, von deren Kinder beglückenden Spielwaaren und Glasbläsereien gar Nichts auf dem Friedenstein zu sehen war. Deswegen schlagen wir auch das Fenster zu, nachdem wir noch einen Blick auf das reizende, baumumkränzte Arnstadt, auf das an Gewerbsblüthen reiche Remda, auf Saalfeld geworfen haben. Nun öffnen wir den Flügel nach Osten nach dem bewehrten Erfurt, wo trotzdem die friedliche Gewerbthätigkeit manche herrliche Frucht treibt neben der allervortrefflichsten Brunnenkresse. Mit Wehmuth aber gedenken wir des Aufhörens eines bedeutenden Fabrikgeschäfts dort, das der ganzen Gegend zur Ehre und zum Vortheil gereichte. Weimar, Jena, Blankenhain pflegen mit Glück keimende und bereits schon längere Zeit sprossende Gewerbszweige. Die überall beliebten Schals und Jübchen von Apolda waren zu stolz, um sich auf dem Friedenstein zu zeigen. Aber Gera, Altenburg, Schmölln waren stolz, daß sie ihre ausgezeichneten Waaren zeigen konnten. Wer hatte nicht von den Thibets in Gera und Schmölln, von den Altenburger Garnen und sonstigen vorzüglichen Gewerbsartikeln gehört? Noch einen Blick werfen wir, bei Leipzig vorbei, auf Halle, wo neben der Gelehrsamkeit auch in manchen Fächern der Kunstfleiß wohnt. Endlich bleibt das Auge, zurückkehrend, auf Sömmerda ruhen, dort wo die Betriebsamkeit und das Talent eines Mannes die Welt mit seinem Werk, der Zündnadelflinte, erfüllte. Möge sie allen Feinden Deutschlands ein Schrecken sein! Als wir diesen herzlichen Wunsch dachten, fühlten wir einen leisen Schlag auf die Schulter. ?Wollen Sie nicht die Güte haben, das Fenster zuzumachen? es zieht den Damen,? flüsterte eine freundliche Stimme. Noch einen Blick rings umher! Auf der Leipziger Messe sehen wir uns wieder! Das Fenster flog zu.

II.

Wir haben in unserm Artikel in Nummer 39 einen Blick im Geiste aus den Fenstern des Schlosses Friedenstein in Gotha auf das herrliche Thüringen rings umher geworfen und einige leichte Andeutungen über dessen Gewerbsentwicklung gegeben. Heute wollen wir die inneren Räume des Schlosses rasch durchwandern und uns die ausgestellten Leistungen der thüringischen Gewerbsthätigkeit im Fluge betrachten. Denn es fehlt uns an Raum zu Mehrerem, wie es überhaupt trotz Kristallpalästen an Raum fehlt, die volle reiche Industrie in allen ihren unendlichen Verzweigungen und Kundgebungen in einer bestimmten übersichtlichen Begränzung zur Anschauung zu bringen. Man hat zu dem Ende Industrie- oder Gewerbausstellungen in?s Leben gerufen. Aber selbst die größte Ausstellung, welche noch je dagewesen ist, nämlich in London, ließ noch sehr viel zu wünschen übrig. Für den Kundigen hatte sie große Lücken. Mögen sich daher alle Unternehmer kleinerer Gewerbausstellungen über mangelhafte Vertretung mancher Gewerbszweige in ihrem Bereich trösten, wie wir uns trösten müssen, daß wir nur wenige Worte über die Ausstellung selbst sagen können, während wir viele Bogen darüber schreiben möchten.

Die erste thüringische Gewerbeausstellung in Gotha, abgehalten in den Monaten August und September dieses Jahres, ist als das erste Unternehmen seiner Art und trotz der Schwierigkeiten, die sich seiner Ausführung entgegenstellten, und der kleinen Mängel, als gelungen zu bezeichnen. Jene Schwierigkeiten lagen zum Theil in der Neuheit des Unternehmens und in den verschiedenen politischen Gränzen Thüringens, wodurch die Auffindung eines Mittelpunktes für die Aufstellung erschwert wurde. Die Mängel fanden statt, wie mehr und minder bei allen Ausstellungen, in der Vertretung mehrer wichtigen Gewerbszweige. ?

Wenn es Coburg-Gotha gelang ? begünstigt durch die Schwerkraft der ersten Idee, durch herrliche Räumlichkeiten, dargeboten durch herzogliche Hochsinnigkeit, durch aufopfernde Hingebung der Ausstellungskommission und besonders ihres Präsidenten des Regierungsassessors Müller ? in Gotha, die Blüthe der Leistungen thüringischen Kunst- und Gewerbfleißes auf dem Schlosse Friedenstein zu entfalten, so muß auf?s Lebhafteste anerkannt werden, daß die hohen Regierungen der mit in die Ausstellung hereingezogenen Gebietstheile Thüringens und einiger angränzenden Länder das Unternehmen thatkräftig förderten. Wäre dies nicht geschehen, so hätte nicht im Entferntesten ein Ergebniß erreicht werden können, wie es erreicht worden ist, indem fast Tausend Aussteller erschienen sind.

Die Länder, welche sich an der thüringischen Ausstellung mehr oder minder beteiligten, sind: die königl. preußischen Regierungsbezirke Erfurt und Merseburg bis zur Saale und Elster, jedoch Halle mit eingeschlossen, der kurfürstlich hessische Kreis Schmalkalden, das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach, die Herzogthümer Sachsen-Coburg-Gotha, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Altenburg, die Fürstenthümer Schwarzburg-Sondershausen und Schwarzburg-Rudolstadt, endlich die Fürstenthümer Reuß.

Wir wollen anderen Blättern die streng statistische Richtung der Aussteller nach Land und Gewerbsfächern überlassen. Auch wollen wir uns nicht vertiefen in die Aufzählung der 24 Waarenklassen, in welche die Ausstellung systematisch getheilt war.

Nichts, geliebte Leser, ist für einen gewerblichen Schriftsteller langweiliger, als das Aufzählen von Waaren, ohne sie vorzeigen, verbildlichen, oder wenigstens doch genau beschreiben zu können.

Solche Aufzählung ist aber noch viel langweiliger zu hören. Waaren muß man sehen, anfassen, in Fällen sogar riechen und schmecken können. Da aber in der Regel in den Gewerbausstellungen überall angeschrieben steht, daß man die ausgestellten Gegenstände nicht berühren dürfe, des Probirens ganz und gar zu geschweigen, so haben für den raschen Besucher solche Gegenstände vorzugsweise Bedeutung, welche sich durch Form und Farbe bemerklich machen.

Umgekehrt ist es mit dem, der eine Ausstellung in Worten schildern soll. Er kann die Pracht der Farben nicht malen, die schönen Muster und Formen nicht hinstellen und ausprägen. Das Alles muß gesehen werden. Was aber ein gewerblicher Schriftsteller vermag, das ist: unterrichten von den Quellen der Erzeugnisse, erzählen von den Bevölkerungen, die sich nähren gut oder böse von der Arbeit, die da prangt und prunkt in reichen Sälen und auf vollen Tischen. ? Hinweisen kann er ferner auf Vorzüge und Mängel ganzer Gewerbsbetriebe. während er sich wohl zu hüten hat, den einzelnen Gewerbsmann oder Fabrikanten öffentlich zu tadeln, denn dieser ist kein Künstler auf den Bretern. Ihn tadeln die Käufer, oder vielmehr seine Waare, wenn sie es verdient, und sind nicht gewohnt ihn zu schmeicheln, wenn sie wirklich kaufen wollen. Denn bekanntlich lobt nur derjenige die Waare, der sie nicht zu kaufen Lust hat.

Nein! wohlwollender Leser, der Du schon so viele Rücksicht gegen einen etwas ernst beginnenden gewerblichen Aufsatz geübt und bis hierher gelesen hast, nicht will ich Deine Geduld mit Herrechnung von allerlei Waarennamen länger auf die Probe stellen, oder etwa gar bei einer holden Leserin den Wunsch nach dem Besitze herrlicher Zeuge und Geräthe durch begeisterte Schilderung anregen, ohne ihn befriedigen zu können. Freilich muß zugestanden werden, daß bei der Schilderung weniger Gefahr ist, als beim Anschauen der Sache selbst. Diese Gefahr wünschte aber der Aussteller herbeizuführen. Sein Wunsch ist zum Ankauf seiner Waare zu verführen. Er ist bereit, in jedem Augenblicke alle Wünsche zu befriedigen, natürlich gegen Entschädigung; ohne die aber auch der Kunstfleiß, und die Kunst, ja selbst die Wissenschaft nichts vollbringen können. Denn ? wir wollen leben, wir wollen behaglich leben, wir wollen rühmlich leben. Eine Gewerbeausstellung ruft uns diese Lebenswünsche in tausend und aber tausend Ausdrucksweisen zu! ? Es kommt nicht darauf an, ob die Ausstellung groß oder klein ist: überall sehen wir Waaren für den nothwendigsten Lebensbedarf, Gegenstände für den verfeinerten Lebensgenuß und endlich Geräthe, Werkzeuge, Waffen und Instrumente, dem Dienst der Kunst und Wissenschaft gewidmet, wodurch man Ansehen und Ruhm gewinnt. Die gewerbliche Schaustellung in Gotha war, unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, nicht minder belehrend und anregend als die Weltausstellung in London und für den eifrigen Freund deutscher Industrie jedenfalls erfreulicher. Denn er fühlte sich hier nicht so beengt von der überschwenglichen Fülle englischer und französischer Waaren, die sich alle Mühe geben, um mit ihnen ihre Freunde in Deutschland, die vaterländische Industrie zu überwuchern.

In etwa 30 Räumen im zweiten und dritten Stockwerk und im Erdgeschoß des Schlosses waren die verschiedenen eingesandten Gewerbsgegenstände begünstigt von dem trefflich einfallenden Licht der Korridorfenster ausgestellt. Nach Ersteigung von 3 Treppen trat man zuerst in ein Zimmer, angefüllt mit den Erzeugnissen der Gerberei, Sattlerei und Riemerei; und in den Stuben neben an breiteten sich die Luxusleder, die Tischler- und Tapezierarbeiten aus, worunter sich die Altenburger Geschirre, das Geraische Schuhmacherleder, Halle?sche Sättel, Mühlhausener bunte Leder und Erfurter Möbel und Pergamente auszeichneten. Die Luxus-Korbwaaren wetteifern mit denen von Berlin und Leipzig. Ueberrascht ist man von der Wohlfeilheit der kleinen Korbwaarenartikel, wie sie von der Bevölkerung von Kleinschmalkalden und Umgegend gefertigt werden.

Die nun folgende Gallerie breitet die Rohstoffe, welche zur Weiterverarbeitung, zur Verzierung und zur Nahrung dienen vor uns aus. Thüringen besitzt schönen Braunstein, Kobalt und Spießglanzerz, außer trefflichen Eisenerzen und werthvollen sonstigen Mineralien, welche noch einer größeren Verwerthung fähig sind, wenn mehr Kapitalien, Maschinen und Kohlen dem Gewerbfleiße zugeführt werden, als es bis jetzt noch der Fall ist. Schwerspath und Flußspath sind belangreiche Erzeugnisse der Gruben. Wo das Innere der Erde reich ist, fehlt es nicht an Chemikalien, an Farben, Cementen, Salzen und Säuren etc. Von allem Diesem sah man hübsche Muster. Ferner von den altberühmten Thüringen Handelssämereien, von dem sich frisch kräftig entwickelnden Flachsbau nach belgischem Verfahren, von Kartoffelfabrikaten aus Langensalza, Stärkewaaren aus Halle, Graupen aus Erfurt, Leim aus Mühlhausen. Die bedeutende Wurstfabrikation zu Gotha und Waltershausen war wenigstens vertreten. Mit ihr der thüringische Wein, der mir nicht so gut schmeckt, als das Helle kräftige Thüringer Bier. Die unvermeidlichen Cigarren hatten ebenfalls in Havannakisten Platz genommen.

Durch die Erfrischungshalle, deren gute und billige Bewirthung rühmlich anzuerkennen ist, begab man sich ins zweite Geschoß hinunter und begegnete dort zunächst den wissenschaftlichen Instrumenten, in denen Erfurt, Jena, Halle den Vortritt nahmen. Hier sah man u. A. die trefflichen Karten und Werke, so wie die galvanoplastischen Platten der geographischen Anstalt in Gotha. Hier lassen die bedeutendsten Kupferstecher Deutschlands ihre Platten galvanoplastiren. Ein Reliefglobus von seltener Größe aus Schmalkalden erregte gerechte Bewunderung. Die ausgestellten Blech- und Holzblasinstrumente aus mehreren Orten ermuntern die Musikinstrumenten-Fabrikation des sächsischen Voigtlandes zum Fortschritt, wie die starke Fabrikation von Pianofortes in Gotha, Saalfeld, Erfurt, Zeitz, Weimar die Leipziger zur ? Aufmerksamkeit auffordert. Sie hatten sich neben den Waffen hingestellt, jenem uralten Gewerbe von Suhl, in früheren Zeiten, die Rüstkammer von Deutschland. Zu wahren hat sich dasselbe jetzt gegen das In- und Ausland. Zella und Schmalkalden liefern aus Fabriken vorzügliche Waaren. In Sömmerda strecken sich die Zündnadelflinten entgegen. Zwei ähnliche Fabriken legt der preußische Staat im Norden und Osten an. Außerdem concurrirt Lüttich.

Eine schöne Fabrikation Thüringens ist die des glatten, gemalten und vergoldeten Porzellans. Sie hatte sich aus Gotha, Elgersburg, Ohrdruf, Plaue bei Arnstadt, Pösneck, in den nun folgenden Zimmern ausgebreitet. Mit ihrer Vertretung konnte man zufrieden sein. Bezeichnend ? auch hier ? ist die Zunahme von Terra-Cotta-Waaren, farbige Thonwaaren mit mannichfaltiger Verzierung und Glasur, in Deutschland als freies Gewerbe. Der innungsmäßigen Töpferei bleibt das allerschlechteste Geschirr, wenn sie sich nicht in einzelnen ihrer Genossen erhebt.

Die Thonwaaren von Erfurt, Kahla, Eisenach, zeigten offenbaren Fortschritt auch im Geschmack. Groß ist hier noch das Feld der Bearbeitung.

Neben den Porzellan- und Irdenwaaren sah man die Gläser schwach vertreten. Hübsches Tafelglas, ordinäres Hohlglas, aber Nichts von Kristallglas mit Schliff und Verzierung! Hat Thüringen darauf verzichtet, mit Böhmen, Schlesien, selbst Baiern zu wetteifern? Selbst die Glasperlen und Glasbläsereien des Thüringer Waldes hatten sich versteckt gehalten. Warum? Weil sie sich auf dem Augustusplatz in Leipzig ausbreiten? ?

Man kann es nicht gut begreifen, warum die Glasfabrikation in Thüringen sich in so enge Schranken hält? Fortschritt ankündigend zeigten sich die Tafelglaswaaren von Dietharz, die Hohlglaswaaren von Gehlberg.

III.

Mit dem Gold und mit dem Glanz der Porzellane wetteiferte der Lack, die Farbe und die Vergoldung jener Luxuspapiere, derer wir jetzt gar nicht mehr entrathen können zur Verzierung von Kästchen und Karten, süßen Briefchen und heißen Neujahrswünschen. Kleider machen Leute, und Appretur und Accomodage machen die Waare verkäuflich heute. Dies weiß man in Thüringen so gut als in Amerika. Daher sahen wir auch dort viel schönes Papier aller Art aus Neudietendorf und Gera, aus Heiligenstadt und der berühmten Papierfabrik Flinsch in Blankenberg. Die Buchbinder und Futteralarbeiter schwelgen ordentlich in Musterpapier und leichtem Leder und jede Gewerbe-Ausstellung zeigt sauberere Schachteln, Dosen, Kästchen, Gedenkbücher und Stammbücher ? Vornehme sagen Albums. Die gewichtigen Handelsbücher, Geldtaschen, vulgo Portemonnaies, die Damen- und Cigarrentaschen spielen immer eine große Rolle dabei. Die Fabrikation der Stahlbügel, derer man zu solchen Taschen bedarf, hat, zumal in Solingen, eine riesenhafte Ausdehnung gewonnen. Erfreulich ist es, daß sie nun auch in Ruhla sammt den Taschen fabrikmäßig und recht hübsch gemacht werden.

Neben den Luxuspapieren, den vortrefflichen Fischbeinen, Siegellacken und edlen Gänsekielen (Federposen) von Lilliendahl in Neudietendorf, erhohen sich schäkerhaft und schäferhaft die bunten Nipptisch-Porzellanfiguren von Schierholz in Arnstadt, Eberlein in Pößneck und Kling in Ohrdruf. Alles dran ist reizender Zopfstyl! Doch irren wir nicht, so haben wir auch Eisele und Beisele, Müller und Schulze, Breetenborn und Nudelmüller gesehen. Die Fabrikation der Figürchen, der Pfeifenköpfe, Cigarrenspitzen, Waschkinder und Puppenköpfe, der Arme und Beine von Porzellan ist auf dem Thüringer Wald jetzt sehr in der Woge.

Wir scheiden nun von der zweiten Gallerie und wenden uns links in die dritte Abtheilung zu den Gespinnsten und Geweben nebst den Bekleidungsgegenständen aller Art. Verträglich gruppiren sich ihnen gegenüber in den Fensternischen die Stahl- und Metallwaaren, die Bein-. Horn- und Holzwaaren. Die Bürsten- und Pinselmacher sind unzertrennliche Gefährten auf allen Gewerbeausstellungen. Aber die Haarkräusler sträuben sich jederzeit mit ihnen zusammen zu halten, obgleich sie auch in Haaren arbeiten, und flüchten sich lieber unter die Obhut der künstlichen Blumen, Federn und Putzwaaren, dort wo die Duftsalben, Haaröle und Riechwasser Platz genommen haben. Schade, daß diese ihre Büchsen und Gläser stets zugebunden halten. Sie sollten sich öffnen und ihren Duft ausströmen lassen vor den Nasen.

Die Gespinnste werden von den gewöhnlichen Besuchern der Ausstellungen in der Regel übersehen. Sie sehen auch gar so unscheinbar aus in ihren graupapiernen Bündeln, aus denen sie mit den Köpfen widerwillig hervorgucken, als ob sie wüßten, daß man sie nicht beachte. Und doch verdient kein Fabrikat bezüglich seiner gewerblichen Bedeutung und der Schwierigkeiten seiner Herstellung wegen eine höhere Beachtung als das Garn neben dem Eisen. Denn Eisen und Garn sind jene großen Manufakturartikel, oder wie man sich auszudrücken pflegt, das ?Brod der Industrie,? zu dessen Gunsten England große Flotten segeln läßt und sich vor Constantinopel legt. Die große Spinne England umgarnt die Welt und bombardirt die deutschen Fabrikplätze mit Twistballen und Ganzeisen. Thüringen ist berühmt wegen seines feinen Kammgarns, dessen Spinnerei zuerst dort eingeführt wurde. Aus jenem Garne werden die herrlichen, farbenreichen deutschen Kammgarngewebe gefertigt in Gera, Greiz, Schmölln, Meuselwitz und mehreren Orten des Königreichs Sachsen, welche man mit französischen Namen zu belegen die ? Bescheidenheit hat, wie z. B. Atlas de Laine, Satin broché, Satin moiré en soie, Islymode, Satin italien, quarré, rayé Jaconné, Thibet, Cachemir, Bêge croisé, Coràme, Robes à Bayadère, Shawls façonnés, Mousselin, Armures etc. Mit allen diesen ächt deutschen Kammgarngeweben waren die Wände der dritten Gallerie in Gotha glänzend behängt. Neben der Weberei der glatten zum Theil glänzenden Kammgarne blüht auch die Weberei der rauhen Streichgarne ohne Glanz, wie sie zu Rock- und Beinkleiderzeugen verwendet werden und die Eigenschaft haben, sich im Gewebe mehr oder weniger dicht zusammenwalken zu lassen. Mit den Niederlanden, den Ersten in jenen Artikeln, wetteifert das Haus Gräser in Langensalza, sowie Mühlhausen durch Müller und durch Lutteroth rühmlich vertreten, sich in der Fabrikation von leicht gewalkten bunten Wollstoffen für Mäntel, Frauenkleider und in Flanellen auszeichnet. In Tuchen machen u. a. Jena, Schmalkalden bedeutende Fortschritte. Hier war auch Raum für die wichtige Strumpfzeugmanufaktur von Apolda gelassen. Leider war diese, wie wir bereits beklagt haben, nicht erschienen.

Die Thüringer Weberei baumwollener Waaren, so wie der Mischgewebe, steht gegen Sachsen sehr zurück, doch ist die Kraft dazu vorhanden. Nur langsam entwickelt sich auch die Leinweberei, um den Ansprüchen der Neuzeit vollkommen zu genügen. Auch sie verschuldet es mit der ganzen deutschen Leinwandmanufaktur vereint, daß England und Irland uns fast ganz aus den Schranken des großen Welthandels verdrängt haben. Doch lassen wir heute diese ernsten Betrachtungen und erfreuen uns an den Beweisen manchen Fortschrittes, den wir an den Stahlwaaren von Zella, Schmalkalden und Mehlis wahrnehmen. Diese Orte mit ihrer Umgebung, u. a. Steinbach, Brotterode, Asbach, Oberschönau. Seligenthal liefern vielleicht die wohlfeilste preiswürdigste Stahl- und Eisenwaare in der ganzen Welt. Man muß unter diesen Umständen dann schon in Bezug auf die Qualität ein Auge zudrücken. In jenen Orten an der südlichen Abdachung des Thüringer Waldes regieren die Ahlen- und Zweckenschmiede, die Messerschmiede und Zangenschmiede, die Zeug-, Bohr- und Waffenschmiede, die Nagelschmiede und Schnallenschmiede, die Striegel- und Spicknadelmacher. Ueberall herrscht ein reges Leben. Form und Aeußeres der Stahl- und Eisenwaaren vervollkommnen sich. Wir haben Sachen gesehen, deren sich der feinste Galanterieladen nicht zu schämen hat. Ganz besonders aber haben wir uns gefreut einer Fabrik von Stahlfedern (der einzigen im Zollverein) von Fack in Schmalkalden zu begegnen, dessen Erzeugniß dem englischen nichts nachgiebt. Er begründete sein Unternehmen nachdem er sich selbst von den Arbeitsweisen in England unterrichtet hatte, mit Hülfe eines englischen Werkführers. Dieser aber wurde ihm durch englische Intrigue wieder entführt, in der Hoffnung, daß die deutsche Fabrik nun wieder eingehen werde. Das ist aber gottlob nicht der Fall gewesen, sondern sie dehnt sich immer weiter aus.

Die Thüringer Industrie hat Talent und Neigung für die sogenannten Kurzwaaren, für die Artikel der sogenannten Tabletterie und Quincallerie. Allerliebste Kleinigkeiten und zuweilen Nichtsnützigkeiten können wir allenfalls mit ihren ursprünglichen französischen Namen bezeichnen. Elfenbein, Perlamutt und Meerschaumschnitzereien, Kämme und Körbchen von Horn und Fischbein, wohlriechende Seifen in allerlei Formen, lackirte Dosen und muschelnverzierte Kästen, Hamburger Zuckerbilder und jene Fülle der Fruchtbonbons, wie sie jetzt unsere Kinderchen so lüstern machen, Honigkuchen und Chocolade, Brochen, Ringe und Nadeln in bunter Mannigfaltigkeit waren von einer Menge Orten her ausgestellt. Wo, wie in Thüringen, des Kinderspielzeugs so mancherlei gefertigt wird, kann es nicht fehlen, daß man für allerlei Damenspielzeug sorgt. Nun gut, wenn es keine Männerherzen sind! ? Damenschuhe und Stiefelchen von Gotha und Erfurt sind fast am ganzen Rhein, sogar überm Rhein und über See berühmt. Hunderte von Mädchen beschäftigen sich in diesen Städten mit der Schuhmacherarbeit, so weit es ihnen von der hochmögenden Innung gestattet wird. Denn die fleißige und geschickte Frauenhand wird von den gestrengen Meistern der Frauenschneider und Damenschuster sehr unliebsam angesehen, wenn sie sich beigehen läßt, Arbeiten zum Behufe weiblicher Bekleidung zu machen, für die sie doch so recht eigentlich geschaffen ist. Dahingegen hat die Frauenarbeit die Handschuhe so ziemlich allein in Beschlag genommen.

Wir hätten in den oberen Räumen der Ausstellung nun noch gern eine hübsche Auswahl von allerlei Damenputz, Stickerei, Pelzwaaren, Kleider und Mäntel, Borden und Bänder, Knöpfchen und Schnuren betrachtet, aber wir müssen uns beschränken auf die weitverbreitete Manufaktur der Zwirn- und Leinenhemdeknöpfe in Ohrdruf und Waltershausen, sowie auf die in große Ferne vertreibende Fabrikation von hanfenen Schlauchwaaren von Burbach in Gotha, Schaft in Waltershausen hinzuweisen. Thüringischen Spritzenschläuchen und Feuereimern begegnet man überall. Ueber den geräumigen Schloßhof, auf dem ein zweiter Glaspalast stehen könnte, wandeln wir hinweg in die Hallen, wo die Maschinen landwirthschaftlicher Geräthe, Wagen und größere Gegenstände der Kunst-Eisengießerei ausgestellt sind. Hier bemerken wir mit Vergnügen die Leistungen der Maschinenfabrik, der Eisengießerei und Kesselschmiede von Moritz Jahr in Gera, so auch der Maschinenwerkstatt von J. Quera und Comp. in Erfurt. Die Industrie Thüringens wartet mit Verlangen auf Maschinenunterstützung, wenn Einzelne dies auch noch nicht recht zugestehen wollen und sich eher der Maschinen erwehren möchten.

Der Thüringischen Landwirthschaft wird von Eduard Wolf in Gotha eine Reihefolge vortrefflicher Acker- und Hofgeräthe geboten, welche eine Zierde der Ausstellung waren. Es ist nöthig, daß wir auf diese und ähnliche Dinge der Ausstellung hinweisen, weil sie gemeiniglich von der großen Zahl der Lustwandelnden in den Ausstellungsräumen übersehen werden, deren Augen mehr auf Gegenstände des Luxus und des unmittelbaren Gebrauchs fallen.

Am Ausgange stehend werfen wir noch einmal den Blick auf jene hohen Räume denkend zurück, in welchen der deutsche Kunst- und Gewerbfleiß in den Thüringischen Marken so gastfreundlich aufgenommen wurde und dann schauen wir auf das herrliche wald- und bergreiche Gelände rings umher, in dem so viele rüstige Männer, so viele liebe Menschen wohnen.

Lebt wohl! in München nächsten Jahres, will?s Gott, sehen wir uns wieder!

Die Nähmaschine

(1853)

Sehr viel hört man jetzt von der ?amerikanischen Nähmaschine? reden. Während der eben geschlossenen Leipziger Messe sahen wir Abbildungen von ihr auf den Aushängeschildern eines Berliner Kleiderhändlers und einer Bude auf dem Roßplatze, in der allerlei Automate und sonstige Merkwürdigkeiten zur Schau gestellt waren. Dort versicherte man mit gewohnter Ruhmredigkeit, daß die mit der Maschine genähten Kleider viel besser und wohlfeiler seien, als die mit der Hand genähten, und hier lockte man durch lauten Ausruf und durch Schilderungen der Wunderwirkung der Maschine die Künstler und Künstlerinnen von der Nadel an, sich die gefährliche Nebenbuhlerin in der Nähe zu betrachten. In Berlin selbst sucht man, zum Theil wohl nur auf ängstliche Gemüther behufs der Verminderung von Nählöhnen zu wirken, die Nähmaschine recht in den Vordergrund zu stellen. Es befindet sich dort unter Anderem ein glänzend gaserleuchteter Laden mit großem Schaufenster, in dem ein sauber gekleideter Schneidergeselle vor den Augen der Vorübergehenden mit bewunderungswürdiger Gewandtheit und Geschwindigkeit Hosenbeine und Rockärmel von der Maschine zusammennähen läßt. Ein Beweis unserer ruhigen und vernünftigen Zeit ist es, daß alle diese offenen Kundgebungen von Leistungen einer Maschine, welche droht, die Nähnadel aus der arbeitenden Hand zu nehmen, mit so viel guter Laune betrachtet wird. Es ist dies ein Zeugniß von gesundem Sinn, der zu begreifen scheint, daß ein verbessertes Werkzeug, und nichts weiter ist die Nähmaschine, endlich doch der arbeitenden Hand ? und ohne diese ist die Nähmaschine nichts ? zu Gute kommen muß.

Aber man wird fragen: was denn eigentlich an der Sache sei? Ob sie nicht vielleicht lediglich ihren Ursprung in amerikanischem Puff, in Wind und Schwindel habe? Wir fühlen uns verpflichtet, unserer Auffassung der Sache nach, die letzte Frage zu verneinen und die Nähmaschine als eine sinnreiche mechanische Zusammenstellung und ein in vielen Fällen nützliches Werkzeug zum Nähen zu erklären. In der verbesserten Gestalt, namentlich wie sie unser geschickter und denkender Mechaniker Herr Christian Hoffmann in Leipzig jetzt ausgeführt hat, macht sie bei guter Behandlung und unter günstigen Umständen bis 500 Stiche einer schönen festen Steppnaht in allerlei Zeuge, und, je nachdem die Einrichtung getroffen wird, in feinem und starkem Stoff, enge und weite Stiche mit Seide, leinenem und baumwollenem Zwirn. Man kann gerade und in Bogen nähen. Bei guter Führung ist das Aussehen der Naht auf beiden Seiten gleich. Dahingegen kann man nicht überwendlich nähen, demnach auch nicht säumen. Gewiß wird nun aus diesen wenigen Andeutungen über die Fähigkeit der Maschine jeder denkende Kleidermacher, jede aufmerksame Näherin, selbst einen Schluß ziehen können, in wie weit die Maschine die einfache Nähnadel zu ersetzen vermag. Wir wollen hier nicht vorgreifen, sondern zu einer Beschreibung der Maschine übergehen, so weit sie sich ohne Bezugsnahme auf genaue Werkzeichnungen eben geben läßt.

Das Nachdenken der Erfinder hat sich schon seit längerer Zeit angestrengt, ein Verfahren zu ersinnen, die einfache Arbeit des Zusammennähens von Zeuglagen durch Maschinen rascher als mit der Hand verrichten zu lassen. Zum Vorschein kamen die Ergebnisse dieses Strebens zumeist auf der Londoner Ausstellung. Dort zeigte ein gewisser Mathee, wie man mittelst einiger Räder und einer Nadel die zwei Enden von Zeugen sehr schnell zusammenriegeln könne. Der Franzose Senechal nähte dort grobe Leinwand zu Säcken, indem er die in der Mitte geöhrte Nadel mit Hülfe von Zangen hin und her durch das dichte Zeug führte. Er mochte dadurch wohl das Nähen erleichtern, nicht aber sehr beschleunigen. Durch eine Art Kettenstich mit der Häkelnadel nähte Magnin von Villefranche auf mechanische Weise, während Judkins von Manchester, Blodget von Neuyork und Morey von Boston in Nordamerika Nähmaschinen ausgestellt hatten, deren Prinzip ganz dem ähnlich ist, wie es jetzt in unserer amerikanischen Nähmaschine unter dem Namen der Singer?schen zu Tage liegt. Diese Maschine ist zuerst von Herrn G. A. Müller, Direktor der deutschen Bekleidungsakademie in Dresden, aus Amerika in Deutschland eingeführt und Jedem frei und offen gezeigt, auch in allen ihren Einzelnheiten in der deutschen Gewerbezeitung 1853, Heft 4 veröffentlicht worden, so daß Jeder sie frei nachbauen und benutzen kann, wenn er es sonst in seinem Interesse findet. Diese Nähmaschine ist nicht groß. Sie hat vollkommen Platz auf einem Nähtischchen, und kann dieses so eingerichtet werden, daß die Maschine mit dem Fuße wie ein Spinnrad in

Die

Die Nähmaschine

Bewegung zu setzen ist, während das zu nähende Zeug mit den Händen unter die Nadel geführt wird. Diese arbeitet senkrecht, sticht aber nicht ganz durch, sondern nur so weit hinunter, daß ihr, durch ein Oehr etwas unterhalb der Spitze gezogener Faden unterhalb des Zeugs eine Schleife bildet. Durch diese Schleife drängt sich dann ein kleiner Schützen, in welchem sich eine Spule mit Nähfaden befindet. Wird nun die Nadel wieder zurückgezogen, so zieht zu gleicher Zeit der Nadelfaden den Schützenfaden mit in?s Zeug hinein, so daß jeder Stich gleich zwei in einander gehängten Fadenschleifen ist. Nach jedem Stich wird das Zeug durch eine Klinkvorrichtung um eine Stichweite vorgeschoben, während es zwischen einem feilenartig aufgehauenen Rad und einem Stahlfinger gehalten wird. Aus dieser Beschreibung des Spiels der Nadel ergiebt sich von selbst: daß die Nadel aus demselben Stichloche, durch welche sie in das Zeug gegangen, auch wieder herauskommt und nicht wie gewöhnlich einen Stich weiter. Der Schützen geht, während die Nadel in die Höhe steigt, wieder an seinen alten Platz zurück, um, wenn die Nadel auf?s Neue durchsticht, sofort wieder durch die Schlinge zu fahren. Dieses Spiel wiederholt sich fortwährend. Es ist eine Art ?Nahtweben?. Welche Mechanismen nun aber in Thätigkeit sind, um sowohl Nadel als Schützen sammt Fäden, jene auf und nieder, diesen hin und her, zu bewegen, darüber geben wir gern in unseren technischen Schriften und daheim in unserer schriftstellerischen Werkstatt Auskunft. Die Gartenlaube aber ? wäre wohl dazu geeignet, wenn wir neben einer holden Fragerin säßen und ihr die Finger mit der Nadel führten, um zu zeigen, wie so wunderbar sich die Maschinenglieder bewegen, und um groß zu thun mit unserer Kenntniß von den Stichen, als z. B. Steppstich oder Hinterstich, Vorstich und Saumstich, Knopflochstich und Hexenstich, Kettenstich und Kreuzstich, Plattstich und Spitzenstich, Gobelinstich und Hohlstich, überwendlicher und geheimer Stich u. s. w. u. s. w.

Wenn wir nun aber in?s Gedächtniß zurückrufen, daß unsere deutsch-amerikanische Nähmaschine ? denn wir haben den guten Glauben, daß sie ursprünglich eine deutsche, später ausgewanderte Erfindung ist ? nur einen Stich, nämlich den Steppstich, und diesen nicht einmal ganz kunst- oder nadelgerecht zu machen versteht, so wird man uns gewiß beistimmen, daß den fleißigen Fingern noch eine Menge Nadelstiche übrig bleiben, und nur ein einziger nicht möglich sei, wie das spanische Sprüchwort, jedenfalls mit Unrecht, behauptet:

Zwischen des Weibes Ja und Nein
Geht kein Nadelstich hinein! ?

Die wollenen Lumpen.

(1854)

?Nur die Lumpe sind bescheiten.? 
Goethe. 

Lumpen sind allerdings eine bescheidene Waare. Es sind die Ueberbleibsel unserer Gewänder und Kleidungsstücke, unserer Bett- und Möbelüberzüge, unserer Decken und Teppiche, unserer Segel und Netze, unserer Stricke und Emballage. Das endliche Loos aller unserer schönen leinenen, baumwollenen, wollenen und seidenen Stoffe ist: zu Lumpen zu werden. Die Spitzenhaube und das Züchtlingshemd, Bettlerkittel und Königsmantel: als Lumpen werden sie sich alle gleich und müssen es sich gefallen lassen, sortirt zu werden, nicht nach dem gewesenen Zeugwerthe, sondern nach dem jetzigen Lumpenwerthe: in Schwarz aus wollenen Lappen u. s. w., Filtrir zu Löschpapier; Pack, grobe aus Säcken und dergleichen, auch Schrenz genannt; Concept, Adler, Kanzlei und Post aus mehr oder minder feinen baumwollenen und leinenen Zeugen. Die theuren Wollenstoffe und die kostbaren stolzen Seidenzeuge sind die werthlosesten Lumpen, weil man aus ihnen nicht das schöne weiße Papier machen kann: den Träger unserer Gedanken, den Vermittler unserer Empfindungen, den Trost aller verkannten Dichter, die Hülfe bedrängter Schuldner und die, wenn auch oft trügerische Hoffnung lange hingehaltener Gläubiger, das Spielzeug der Börse und die Stütze der Finanzwirthschaft.

So bescheiden nun auch die Lumpen sind, so anmaßlich werden sie, wenn sie sich in Papier verwandelt haben. Das bescheidenste Linnen wird das alleranmaßlichste Velinpapier, während der Frack der feinen Gesellschaft sich als ? Löschpapier in derselben nicht mehr sehen lassen kann.

Unsere nachdenkenden Leser werden es daher sehr begreiflich finden, daß Lumpen oder Hadern, wie man sie auch wohl nennt, einen höchst wichtigen Handelsartikel ausmachen, der, wie alle Papierfabrikanten klagen, von Tage zu Tage verhältnißmäßig theurer und seltener wird, weil die Papierfabrikation überall doch noch rascher fortschreitet als die ? Zerrissenheit. In einigen Ländern bestehen Ausfuhrverbote von Lumpen, während man fertige Zeuge willig herein läßt, so daß es fast den Anschein gewinnen könnte, als müsse die Erzeugung von Lumpen gute Rechnung geben.

Wir haben gesehen, daß die Lumpen gleichsam als abgestorbene Zeuge zu betrachten sind, die sich in der Form von Papier wieder beleben. Dieses geht in Makulatur, in Spähnen und in mancher andern Form wieder zu Grunde in den Holländern der Papierfabriken und stellt so ein anschauliches Bild des Kreislaufs der Materie, der steten Verjüngung des Stoffs auf! Eine Fabrikation der neueren Zeit giebt zu dieser Behauptung einen neuen Beleg. Jeder, der über den Lumpenartikel nicht so ganz leicht hinweg denkt, wird sich fragen, wo denn die vielen wollenen Lumpen, die, wie unschwer einzusehen ist, nur in sehr geringer Menge für ganz gemeine Papiersorten verwendet werden, endlich hinkommen? Die Antwort darauf ist, daß sie endlich, nach mancherlei Schicksalen, über deren Schilderung wir hinweggehen wollen, so weit herunterkommen, daß sie ? wenigstens vor noch nicht langer Zeit, und zum Theil auch noch jetzt ? als Dünger aufs Feld gefahren werden müssen.

Jene neue Fabrikation hat sich nun inzwischen jener armen alten Lumpen angenommen, vorausgesetzt, daß sie aus ungewalkten Zeugen herrühren, daher u. A. von Strumpfzeugen, Merino?s, Thibets, Flanellen u. s. w., und vorzugsweise nimmt sie auf Stoffe aus Kammgarn Rücksicht. Jene gutsortirten, wollenen Lumpen nimmt nun die Fabrikation, wäscht sie zuförderst rein aus und bringt sie, zuweilen gleich unter Wasser, in eine Maschine mit rasch umlaufenden sägenartigen Blättern.

Diese zupfen, zerren und reißen endlich die Fäden auseinander, so daß dieselben sich wieder in ihre ursprünglichen Wollfasern auflösen.

Hat die schlaue Fabrikation es so weit gebracht, so bringt sie jene neuausgezupften Wollfasern mit ein bischen frischer Wolle vermischt, in die Wollkratze. In derselben entsteht nun eine zarte, lockere Wollwatte und aus dieser wird endlich aus den bekannten Spinnmaschinen mit ungemeiner Geschwindigkeit ein neuer Faden gesponnen. Die weitere Verarbeitung jenes Fadens auf dem Webstuhle zu allerhand Zeugen, erklärt sich von selbst. Augenscheinlich ist ferner, daß in Folge der Vermischung der verschiedenen Farben in den wollenen Lampen ? es wäre denn, man sortirte sie vorher nach der Farbe ? eine Melirung entsteht, die in der Regel die Eselsfarbe oder, wenn man lieber will, die Mausfarbe besitzt. Auch sind die aun der Lumpenwolle (franz. Chiffons de laine engl. Shoddy wool) gefertigten Zeuge nicht so haltbar und können nicht so fein gemacht werden, als die aus friscker guter Wolle gefertigten. Jedoch, sie sind wohlfeiler; und was thut nicht ein guter Hausvater oder eine gute Hausfrau in dieser theuren Zeit, wo es so viele Ausgaben giebt, um nur etwas recht wohlfeil zu erhalten!

Kaum bleibt ein Zweifel, daß gewisse Waaren aus England, wo die Fabrikation aus Lumpenwolle schon eine geraume Zeit lang betrieben worden ist, lumpenwollig nach Deutschland eingeführt werden. So lesen wir u. A. in einem ganz neuen Geschäftsberichte aus Leeds: ?Eine der vortheilhaftesten und am schwunghaftesten betriebene Fabrikation in der Umgegend von Leeds, ist in Batley und Nachbarschaft angesiedelt. Sie besteht in der Wiederverarbeitung von Wolllumpen in Vermischung mit etwas neuer Wolle. Man fertigt allerlei Stoffe, wesentlich für Männertracht daraus. Die melirten Witneys (ein Beinkleiderstoff) sind darin ein sehr gangbarer Artikel.? In Sachsen haben sich zu verschiedenen Zeiten mehrere Unternehmer ebenfalls angelegen sein lassen, beregte Fabrikation einzuführen. Da dieselben aber nur die Lumpenwolle erzeugten, nicht zugleich aber fertige Waare machten, so fanden sie Schwierigkeiten, denen gegenüber sie die Fabrikation wieder einstellten. Unseres Wissens giebt es jetzt im nördlichen Deutschland nur in Borna und in Ruhla zwei Fabriken, welche die Lumpenwolle auf Filzwaare verarbeiten; dahingegen besteht in Baden eine bedeutende Fabrik, welche dem Vernehmen nach dreihundert Arbeiter beschäftigt, und jene Wiederbelebung alter Wollstoffe, die ?Phönix-Wollerzeugung? in großem Maßstabe und mit aller Vorsorge betreibt. Zumal fehlt es nicht an Reinigungsanstalten, Wasch- und Badehäusern für die Arbeiter.

Unserentheils können wir vom gewerblichen Gesichtspunkte jene Fabrikation nicht als bedenklich betrachten, vorausgesetzt, daß die Waare dafür verkauft wird, was sie ist; und daß dies auch geschehe, irgend eine Sicherheit gegeben sei. Man erlasse uns hier Vorschläge dazu! Daß sich aber eine Fabrikation vor dem öffentlichen Verdachte hütet: Lumpenwolle zu verarbeiten, muß Jedermann billigen. Welche Wunden sind der deutschen Leinwandmanufaktur dadurch geschlagen worden, daß man Baumwolle unter die Leinwand mischte und es nicht sagte!

Die Vernichtung haben wir also besiegt in der Wolle. Es handelt sich jetzt um die Seide. Trotz unserem Geschick stehen wir darin den Chinesen nach. Diese kleben einzelne Lappen mit dem Firniß Sit-si wieder zu ganzen Stücken zusammen und bedrucken sie dann auf?s Neue.


Akzeptieren

Diese Website benutzt Google Analytics um seinen Nutzen zu messen. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren