100 Anekdoten

----------






Agnoszierung[1]

?Herr Kommissar?, meldete der Wachmann, ?im Mühlteich is de verunglückte Leiche von ene ortsfremde Frauensperson gefunden worn. Ausweislich von Visitenkarten hieß se Bertha Knetschke. Se trug enen Hut mit rote, jriene un gelbe Federn, en Schackett von lila Wollzeuch mit blaue Punkte und orangejelbe Streifens . . . . .?

?Genug. Verständigen Sie sofort die Berliner Polizeidirektion!?

Die Huldigung

Fehértemplom in Südungarn ist die Heimatstadt eines großen, großen Staatsmannes. Als sein sechzigster Geburtstag herannaht, tauchen mannigfache Vorschläge auf, wie das Stadtkind am besten zu ehren wäre ? aber da eine überaus starke Minorität im Gemeinderat der Politik Seiner Exzellenz abhold ist, wird man über eine loyale Depesche schwer hinausgehen können. Selbst zu dieser Depesche behält sich die Opposition ein Amendement vor ? und endlich, nach langwierigen Debatten, kommt folgende Kompromißfassung zustand:

?Genehmigen Eure Exzellenz die tiefergebensten Glückwünsche Ihrer in Liebe und Verehrung zugetanen Heimatstadt. Die hervorragenden Verdienste Eurer Exzellenz, die Ihren Namen weit über unsre Grenzen berühmt gemacht haben, erfüllen uns alle mit Stolz und Ergebenheit. Wir erwarten aber bestimmt, daß Eure Exzellenz Ihre vaterlandsverräterische Tätigkeit nunmehr einstellen werden.?

Hohe Politik

Eines Tages erwachte der österreichische Minister des Äußern aus einem aufregenden Traum und ließ den Sekretär holen.

?Herr Powondra?, sprach er, ?mir fällt auf, daß schon seit Wochen kein Kurier aus Neapel eingetroffen ist. Sagen Sie einmal: was ists eigentlich mit dem Königreich beider Sizilien??

Die vierte Dimension

Im Schloß Möhren, einer Pappenheimschen Besitzung, geht ein furchtbarer Spuk um. Jeden Freitag um Mitternacht galoppiert der alte Pappenheim auf feuerschnaubendem Schimmel durch den obern Korridor.

Aber noch nie hat ein menschliches Auge ihn erblickt, kein sterbliches Ohr das Gepolter vernommen.

Das eben macht den Spuk so entsetzlich.

Die Großstadt

In Berlin W., Ulmenstraße, spielte sich jüngst ein Unfall ab, der schreckliche Folgen hätte haben können, wenn die Beteiligten ihre Geistesgegenwart verloren hätten.

Ein Droschkengaul war scheu geworden und rannte quer durch das neugebaute Haus Nr. 60 in die benachbarte Maaßenstraße.

Infolge der heftigen Erschütterung fiel im vierten Stockwerk des beschädigten Hauses der Rentier Kuleicke vom Stuhl und störte die Leute zwei Treppen tiefer beim Mittagessen, indem er sich auf die Suppenterrine setzte.

Zum Glück war der Hauswirt besonnen genug, sofort auf den Dachboden zu eilen und helfend einzugreifen.

Denn ? wäre auch noch die schwere Hypothek eingestürzt, die auf Nr. 60 steht, ? die Hausbewohner hätten ihr Leben unter den Trümmern lassen müssen.

Revidiert

Friedrich der Große wollte den Park von Sanssouci vergrößern, doch der Nachbar, ein Müller, gab seinen Grund und Boden für den vom König gebotenen Preis nicht her.

Erstaunt und empört rief der Große Fritz:

?Narr, der du bist! Wer wird dir mehr für deine elende Windmühle zahlen, als ich, dein Herr, der König von Preußen??

Und der Müller fest und bescheiden: ?Il y a des juifs à Berlin?.[2]

Der Graf von Habsburg

Die Habsburger waren nicht immer klerikal.

Rudolf, der Ahnherr des Hauses, hatte sein Pferd einem Priester geborgt.

Als der Priester am nächsten Tag das Pferd wiederbrachte, da sagte der Graf:

?Nö ? ein Pferd, wo mal ein Priester draufgesessen hat, das reite ich nicht wieder.?

Amerika

In manchen Staaten der Union ist das Ehescheidungswesen ungemein fein organisiert.

Nach Dakota, zum Beispiel, braucht man nur zu depeschieren:

?Ankomme 7 Uhr 30 morgens. Mister and Mistreß Smith.?

Pünktlich um 7 Uhr 30 erscheint ein Standesbeamter auf dem Bahnsteig und übergibt Herrn und Frau Smith je eine Heiratsurkunde. Bei Herrn Smith ist der Name der zweiten Frau, bei Mistreß Smith der Name des zweiten Mannes offengelassen. Man kann ihn sofort hineinschreiben, der Beamte hat einen Tintenstift mit.

Ein Mißverständnis

?Kinder züchtigen . . . . .?, sprach Frau Berneis, . . . . . ?manchmal läßt sichs ja nicht umgehen. Gefährlich bleibts immer. Hauptsache ist, daß mans mit kaltem Blute tut.?

Fünf Minuten später stand der kleine Berneis mit den Stiefeln auf dem Plüschsopha. Wie eine Furie stürzte die Mama auf ihn los.

Der Kleine erbleichte, duckte sich vor der drohend erhobenen Mutterhand und schrie:

?Mama bitte: nur nicht mit kaltem Blut.?

Der Hund

Ritschel sah zum Erbarmen aus. ?Mensch,? rief ich, ?was ist denn mit dir? Bis! du unter die Stachelwalze geraten??

?Nein ? weißt, gestern komm ich spät nach Haus ? mein Hund erkennt mich nicht und springt mir ins Gesicht . . . . .?

?Hör mal, Freunderl ? von dem Hund tät ich mich scheiden lassen.?

Die Freuden des Lebens

In Gleichenberg lebte einmal ein alter Apotheker, der pflegte zu sagen:

?Zwischen zwanzig und vierzig freute ich mich am meisten über ein schönes Weib.

Zwischen vierzig und sechzig über einen guten Stuhl. Und seitdem freue ich mich am meisten, wenn mein Blasenkrampf manchmal nachlaßt.?

Die Gutgesinnten

Der erste Gemeinderat von Grammat-Neukirchen hat einen Pferdeknecht, den Bladen Seppl, der schlaft niemals so süß und tief wie beim Mistfahren.

Eines Tages fuhr der Blade Seppl wieder Mist, da kam ein Auto aus Wien, ließ die Huppe erschallen ? und der Blade Seppl brach im Verlauf von mehreren, rasch aufeinanderfolgenden Begebenheiten das Nasenbein.

Großer Tumult, Senat und Volk von Grammat-Neukirchen sammeln sich um die Autler.

Denen ist der Vorfall offenbar äußerst peinlich.

Man bestürmt sie um eine Legitimation ? sie antworten mit beschwichtigenden winken.

Endlich ? es bleibt wirklich nichts übrig ? nehmen die Autler den erzürnten Bürgermeister bei Seite und stellen sich vor: Der erste und der zweite Kammerdiener Ihrer kaiserlichen Hoheit, der Erzherzogin Kunigunde.

?Euer Gnaden?, sagt der Bürgermeister, ?ich bitte um gnädige Verzeihung für unsern unglücklichen Marktstecken; ? und was der Knecht ist ? der wird streng bestraft werden.?

Die Folgen

Meine Cousine, die Gertrud, war von Kind auf die eiternde Wunde am Körper unsrer Familie.

Mit vierzehn Jahren wußte sie durch indezente Gesten die Aufmerksamkeit eines Majors, der gegenüber wohnte, auf sich zu lenken und ließ sich von ihm zum Kaffee einladen.

Mit fünfzehn Jahren hatte sie ihr erstes Verhältnis, mit siebzehn ein Kind. Dann sank sie immer tiefer in den Pfuhl der Sünde.

Jetzt ist sie dreißig Jahre alt und besitzt zwei Villen in Baden und ein dreistöckiges Haus in Wien.

Der verlorene Sohn

Fritz Megedow machte seiner Mutter, Exzellenz von Megedow, viel, viel Sorge.

Er verließ das Vaterhaus und trieb sich jahrelang, Gott weiß wo, umher.

Sogar in Argentinien soll er gewesen sein ? direkt als Arbeiter.

In Paris war er jahrelang Koofmich und in London Agent.

Kurz, scheußlich.

Jetzt ist er endlich zurück und hat ein Fräulein Veilchenstein geheiratet.

Man kann, Hott sei Dank, wieder mit ihm verkehren ? er lebt vom Geld seiner Frau.

Der Sprachlehrer

Vor dem Strafgericht von Cadiz sollte jüngst ein deutscher Gymnasiallehrer Zeugenschaft ablegen.

Ein Dolmetsch für Deutsch war nicht aufzutreiben ? man fragte den Zeugen, ob er sonst noch eine Sprache beherrsche.

Er sagte: ?Ich bin Lehrer für Französisch.?

Also holte man einen Franzosen. Der Gymnasiallehrer schilderte nun den Hergang, dessen Zeuge er gewesen war ? redete und redete . . . Der Dolmetsch hörte zu und begann zu schwitzen und schwitzte endlich Bäche.

?Herr Richter,? preßte er hervor, ?ich fühle, der Herr spricht eine Art Französisch ? aber ? ich weiß nicht, was es ist ? ich verstehe kein Wort.?

Da holte man eine Gouvernante herbei. Die verstand das Französisch des deutschen Kollegen herrlich ? sie hatte es auch aus dem Plötz[3] gelernt.

Der Laureat

In Wien beriet jüngst ein Komitee über die Verleihung eines literarischen Preises.

?Wissen S?, meine Herren,? sprach der Vorsitzende, ?kan jungen Düchter geben mir den Preis nöt ? denn wer waaß, was ?r no amal gegen die Regürung schreiben wird ? daß er uns am End blamürt. Sondern dem Hofrat Hasenmichel geben mir den Preis für seine ?Vaterländischen Gedichte?. Der is halb blöd, der wird sei Überzeugung sicher nimmer ändern.?

Die zärtlichen Verwandten

Der alte Strakosch war mit einem wunderhübschen Mädchen, seiner Tochter, nach Berlin gekommen und stieg im Hotel Seidenberg ab. Erster Stock.

Tags darauf kam der junge Strakosch mit seiner Schwester an und mietete sich ahnungslos im Hotel Seidenberg ein. Beletage.

Am nächsten Mittag begegneten die vier einander.

Vater und Sohn erkannten sich sofort.

Die beiden Damen mußte man gegenseitig vorstellen.

Bilanz

Als der Hofrat Rossipal auf dem Sterbebett lag, sprach er:

?Kinder, ich fühle, daß mein letztes Stündlein geschlagen hat, es geht zu Ende.

Aber ich scheide in dem Bewußtsein, nicht umsonst gelebt zu haben: Nackt bin ich auf die Welt gekommen ? in Hofratsuniform und mit der Zivilverdienstmedaille zweiter Klasse am Bande des Hubert-Salvatorordens verlaß ich sie.?

Wissenschaft

Solange sich Professor Kandeldorfer darauf beschränkte, sein philosophisches System mit Hilfe des alten Wortschatzes vorzutragen, kümmerte sich keine Katze um ihn.

Er fühlte das und änderte eines Tages seine Taktik.

Er nannte nun, was bisher Materie geheißen hatte ?die Quantitative?; Bewegung ? ?Ferment?; Absicht ? ?Logos?; Wille ? ?Exaltation?; Verstand und Vernunft zusammengenommen ? ?die psychische Vitalität.?

Heute ist Professor Kandeldorfer Mitglied der Akademie der Wissenschaften, Ehrendoktor der Universitäten Oxford, Lissabon und Tiflis und wird demnächst gegen einen gleichwertigen amerikanischen Gelehrten ausgetauscht werden.

Der Segen des Alkohols

?Pasting,? seggt John Tollin, ?Se hebben dor sihr schön gegen den Alkoholgenuß spraken ? äwer dat lett sick nich bestriden, dat de Alkoholgenuß ock sin goden Folgen hett.

Ick harr do enen Matrosen up mine ?Florida?, Bob Janson, en utpicht Luder, weeten Se, de drünk sin Pint up enen Tog ? dree morgens, twee an?n Middag un dree abends. En verfluchte Listung, weeten Se, een Imperial Gallon Rum an eenen Dag.

Da förd nu mine ?Florida? in ene Balje up ? Uennerwaterleck ? un hurrah, alle Mann int Boot. Bloot min leewe Bob Jansen nich, dee wär to besapen, dat hee nich kunn.

Un wat meenen Se, wat dor geschüht, Pasting?

De Bargungsdamper kümmt un freut sick all up een Drüttel von de Ladung, wil de Besatzung, weeten Se, all weg is.

Un as nu allens schön verstäut is, da fallt min leewe Bob Janson ut sin Koje int koole Waater un waackt up un will mit sine Retters gahn.

Un dat Strandamt, weeten Se, hett seggt: Dat is keen Bergung na Artikel twintig ? dat is en ganz gewöhnliche Hülplistung na Paragraf sößundörtig, denn de Kahn weer doch vun de Besatzung nich verlaaten ? un ick bün, dör Bob Jansons Pinten, mit dörtig Pund Hülpslohn davunkamen.?

Der freundliche alte Herr

Unlängst wurde ich in Kissingen einem freundlichen alten Herrn vorgestellt und mußte ihm notgedrungen ein paar Worte sagen.

?Sind Sie schon lange hier?? fragte ich.

?Das möcht sich mir wollen. Ich bin von Hälfte Mai.?

?Und bleiben Sie den ganzen Sommer über??

?Bis in Juli.?

?Dann fahren Sie wohl nach Rußland zurück??

?Da möchten wir uns gut haben,? sagte er, ?ich bin ich Professor von Daitsch af Prage Obergymnasium.?

Der Arzt

Ob Sanzeno war vom Monte Roen ein Tourist abgestürzt und wurde, arg zerschlagen, von barmherzigen Leuten nach Amblar gebracht. Nun hieß es, einen Arzt requirieren. Aber woher?

Zum Glück erinnerte sich jemand, daß gestern abend im Hotel von Cavareno ein Arzt aus Dresden abgestiegen war, und den holte man.

?Tja . . . . .? sagte er, nachdem er den Verunglückten besichtigt hatte, ?? tja . . . wissen Se, ein Zeugnis über Ihren Unfall will ich Ihnen gerne ausstellen. Aber helfen gann ich Ihnen nich. Ich bin nämlich ä geenichlicher Gerichtsarzt.?

Der gute Ruf

Auf dem Weg nach Rügen kamen wir in Berlin an, dort gedachten wir eine Nacht zu bleiben.

Ich wollte unser Gepäck beheben, da zeigte es sich, daß meine Frau den Aufgabeschein verloren hatte. Wir hielten uns nicht weiter auf und fuhren ohne Gepäck ins Hotel.

?Nee,? sagte der Portier, ?Paare ohne Gepäck dürfen wa nich uffnehmen.? Ich schlug Lärm und verlangte nach dem Wirt.

Er kam, ließ sich den Fall vortragen und zuckte die Achseln.

?Ick muß den juten Ruf von meenem Etablissemang wahren,? sprach er. ?So spät am Abend könn wa keen Zimmer jeben ? an Paare, die wo nich wenichstens ennen Hutkarton mithaben.?

Die Brautnacht

Wir soupierten bei Pupp in Karlsbad, da erblickte ich im andern Saal ein Pärchen, das mir bekannt vorkam.

?Weißt du denn nicht ??? sagte meine Frau, ?? das ist doch Doktor Teimer aus Dresden ? die hatten heute morgen Hochzeit.?

?Ah ? richtig.?

Und wir gingen schlafen.

In der Nacht polterte jemand an unsre Tür. ? Das war Doktor Teimer, ungeheuer erregt, und verlangte, meine Frau zu sprechen.

?Um Himmels willen, Gnädigste,? rief er, ?klären Sie meine Anna auf ? sie heult und will zu ihren Eltern.?

Die Berufskrankheit

In Venedig lernten wir ein nettes Ehepaar aus Deutschland kennen ? aber die Frau war vom Reisen keineswegs entzückt. Sie wollte bald wieder heimkehren.

?Et is so peinlich,? sagte sie, ?mit meinem Mann. Er war doch ehemals maitre d?hôtel[4] ? und wenn nu jemand an t Jlas kloppt, springt er unwillkürlich uff un rennt hin.?

Die Beschwerde

Prinz Theobald von Mazedonien hat seine Umgebung schon so manchesmal in Schrecken versetzt: er stottert nämlich, und dadurch ergeben sich die unangenehmsten Mißverständnisse.

Unlängst war der Prinz nach Paris unterwegs. In Preßburg ging er auf den Stationsvorstand los, der in Gala dastand, und sagte:

?I?i?i?ch be?be?be?schw, i?i? i? ch be?be?be?sch?sch?sch? were . . . . .?

Der Beamte erbleichte.

Aber Seine Hoheit setzte leutselig fort: ?Ich beschwöre Sie, wo ist das Klosett??

Der Kurarzt

Als ich nach Karlsbad kam, konsultierte ich Dr. Thurner wegen meines Darmleidens. Er verordnete mir zwanzig Mühlbrunnen.

Ich klagte ihm auch über meine Nieren. ?Zwanzig Mühlbrunnen,? sagte er wieder.

Ich wollte weggehen und fand meinen Regenschirm nicht.

?Fehlt Ihnen noch etwas?? fragte Dr. Thurner ein wenig ungeduldig.

?Der Schi? ? ?

?Trinken Sie noch zwanzig Mühlbrunnen.?

Ein Vorzug des Berufes

Ich schritt mit Dr. Teindl, dem Redakteur der ?Täglichen Rundschau?, über die Karlsbader Esplanade.

Da sagte Dr. Teindl plötzlich: ?Pardon, einen Augenblick ??

? ? bitte, ich schließe mich an.?

Und wir bogen ab.

Als wir fertig waren, zahlte ich meinen Obolus.

Dr. Teindl aber zückte seine Brieftasche und legitimierte sich als Herr von der Presse.

Industrie

In Ischl lernte ich einen Herrn Wernicke aus Berlin kennen, einen feinen Beobachter und offenen Kopf.

?De janzen Alpen,? sagte er mir eines Tages, ?is der reene Mumpitz. Ene jrandiose Fremdenneppanstalt. Sehn Se, zum Bleistift, det Mächen da mit det Edelweiß. ? Na, überhaupt det Edelweiß. Haben Sie so wat schon mal wachsen sehn? Ick nich. Un ick kann Ihn bloß sagen ? ick, Wernicke aus Berlin: ene Blume Edelweiß jibt et jar nich un hat et ooch nie jejeben. En jeder intelljente Mensch muß et uff ?n ersten Blick raushaben, det det Zeuch jar keene Möchlichkeit von ene Blume is, un mein Fremd, wat der könichlich sächsche Amtsrichter Dill is, hat et mir bestäticht: Edelweiß is de jesetzlich injetragene Wortmarke for enen Industrieartikel ? et wird in ene Fabrik in Plauen mit Maschinen aus dinnen Filz jestanzt un den Touristen in de Alpen als Blume anjedreht.?

Noblesse oblige[5]

Der Großherzog von Weihburg-Dilligen ist ein ebenso hochherziger wie sparsamer Souverän.

Als unlängst der pensionierte Oberhofsilberbeschließer Gerstel seinen hundertsten Geburtstag feierte, schlug der Minister vor: die Pension Gerstels um hundert Mark zu erhöhen.

?Nein,? sprach Seine Hoheit, ?hundert Mark wäre ignobel. Wir erhöhen die Pension um tausend Mark ? dann trifft den alten Mann vor Freude der Schlag, und wir brauchen überhaupt nichts zu zahlen.?

Die Gründung

In Berlin war wieder einmal ein Theater gebaut worden.

Wermes, der kundige Thebaner, verschaffte sich und mir Billetts zur Eröffnungsvorstellung.

?Amice,?[6] sagte Wermes nach dem zweiten Akt, ?ich proponiere: wir gehen. Sonst kommen unsre Überzieher in die Konkursmasse.?

Der Wagen

In Esseg war einmal feudaler Ball ? Kirchenbau mit entblößten Rückenwirbeln und einer angenehm parfümierten Herzogin im Komitee.

Zwei Jünglinge, die den Rummel einige Zeit betrachtet hatten, sprachen zu einander: ?weißt du was? Gehen wir lieber zur Lustigen Kreatur!? ? Und holten die Garderobe.

Es regnete in Strömen. Aber zum Glück war ein Wagen da, ein halbgedeckter. ?He, Kutscher!?

Der Mann rührte sich nicht. Die Jünglinge ehrten seinen Schlaf, setzten sich unters Dach, ergriffen die Zügel und kutschierten los.

Nun stand der Wagen vor der Lustigen Kreatur, und alle, die das Lokal verließen, fanden den Regen infernalisch und weckten den Kutscher.

Er antwortete regelmäßig: ?I kann nöt. I wart auf ?n Herrn Kanonikus Krauthappel.?

Die Affäre war dem Herrn Kanonikus, als er davon erfuhr, sehr unangenehm.

Musik

So oft ich ein Konzert besuchte, fiel mir ein alter Herr mit schönem, eisgrauem Haar auf. Er saß regelmäßig in einer der vordern Reihen, und vom ersten Bogenstrich an, vom ersten Tastenschlag hielt er, bis der Schlußakkord verklang, mit gesenkten Blicken still.

Unlängst lernte ich ihn zufällig kennen. ?Sie lieben wohl die Musik über alles?? fragte ich ihn.

?Nöh. Nicht im geringsten. Ich bin überhaupt nicht musikalisch.?

?Aber Sie fehlen doch in keinem Konzert ???

?Jaa ? weil ich Referent der Wiener Nachrichten bin.?

Der Hausspruch

Vor zwei Jahren, auf dem Ball der Posonia, lernte meine Cousine einen Kandidaten der Theologie kennen, und die Sache artete in eine Verlobung aus.

Im Herbst darauf sollte geheiratet werden. Etsch ? der Kerl versoff sich, schwänzte die Prüfung, verführte die Cousine, ließ sie sitzen und verschwand.

Ehe er ging, schenkte er ihr noch einen gestickten Hausspruch:

?Gott segne deinen Eingang und Ausgang.?

Der Onkel

Eines Tages mußte mein Onkel eine Dreschmaschine kaufen, da fuhr er nach Wien und nahm mich mit.

Es war gerade Fasching, ich sechzehn Jahre alt. Warte, dachte ich mir, jetzt sollst du Wien kennen lernen!

Als wir ins Hotel kamen, sprach ich zum lieben Onkel:

?Onkel Eduard, du nimmst jedenfalls ein Zimmer im ersten Stock ? aber für mich, siehst du, tuts auch eins im vierten. Denn mir macht das Treppensteigen nichts.?

Onkelchen wars zufrieden.

Um acht Uhr stellte ich mich todschläfrig und sagte ?Gute Nacht.?

Stieg hinauf, kleidete mich um, stieg herab und fragte den Portier:

?Wo ist das nächste Nachtcafé??

Als ich das Café betrat, war noch niemand da als Onkel Eduard.

Das Duell

Auf der letzten Redoute kriegte Doktor Groß Händel mit einem Studenten; tags darauf waren die Sekundanten da und drohten mit Pistolen.

?Meine Herren,? sagte Doktor Groß, ?vor vierzehn Tagen hätt ichs noch getan.

Aber seither ist meine Tante gestorben.

Und von einem so schönen Vermögen weg?

? Nein.?

Frau Lewi

Ewers und ich veranstalteten einmal in Berlin einen Wohltätigkeitsabend. Da brauchten wir vor allem Leute, die uns Billetts abnehmen.

?Keine Sorge,? sagte Ewers. ?wir schreiben der alten Lewi, Kommerzienwitwe, die kauft sicher zwölf Stück.?

?Gut. Aber man muß den Leuten für ihr Geld doch auch was bieten.?

?Keine Sorge. Schreib einfach der Carmencitta. Nenn sie eine südliche Zaubergestalt und bitt sie, einen ihrer berückenden Fandangos zu tanzen.?

Ich schrieb.

Carmencitta antwortete eisig kühl; sie könne unmöglich kommen und sende anbei drei Mark für unsre Kasse.

Der andre Brief, von Frau Lewi, lautete: ?Meine Herren! Ich bin einundsiebzig Jahre alt. Deklamieren will ich in Gottes Namen gern, weil es zu Gunsten der Armen ist. Aber einen Fandango ? das können Sie nicht von mir verlangen.?

Familiensinn

Ich hatte zehn Mark auf ?Hroswitha? riskiert ? eine elende Stute, die immer noch versagt hat.

Aber diesmal sollte Johnny sie steuern. Johnny ? da wirds schon gehen.

Am Abend erzählt man mir im Cafe, Johnny würde nicht starten.

?Um des Himmels willen, Johnny, ist das wahr??

?Ja. Ich hab Urlaub genommen in Familienangelegenheiten ? mein Bruder wird gehenkt.?

Der Dichter

?Was bist du denn so verstimmt?? fragte ich ihn.

?Ach ? denk dir nur: da schreib ich ein Drama über den Einfall Cortez? in Mexiko ? mit dem Kämmerer Montezumas als Hauptperson ? und nun weiß ich keinen Titel für das Stück.?

Ich riet:

?Nenn es doch einfach nach diesem Kämmerer.?

?Das geht nicht. Der heißt ja Axtixcazintacatecatl.?

Hilfe in der Not

Der Haselbauernazl fährt Kraut über Land ? da spürt er auf einmal einen Mordsdurst, hält seinen Schimmel an und kehrt im Wirtshaus ein.

Durchs Fenster sieht er, wie ein Lausbub dem Schimmel draußen einen Zündschwamm ins Ohr steckt ? der Schimmel rennt wie verrückt davon.

Der Nazl, nicht faul, schlägt Feuer, schiebt sich auch in jedes Ohr einen Schwamm und rennt nach.

Richtig hat er den Schimmel bei der Maut erwischt.

Die Dame

Unlängst ging ich von einer länglichen Vereinssitzung nach Haus und bemerkte eine einsame, schlanke Dame knapp vor mir.

Natürlich hängte ich mich in sie ein.

Da fiel ein Schein der Gaslaterne auf sie, und ich ließ sie erschreckt wieder los.

?Da,? sagte sie wehmütig, ?mir tuts auch sehr leid, daß ich schon so alt bin.?

Die Medaille

Auf einer mitteldeutschen Hofbühne hatte ein Tenor gastiert, der sollte nun die Ehrenmedaille für Kunst und Wissenschaft erhalten.

Aber welche? Die silberne oder die goldene? ? das war die große Frage.

Der Intendant stimmte für die goldene, denn der Tenor war ein berühmter Tenor.

Der Oberhofmarschall für die silberne.

?Denn,? sagte er, ?traditionell bekommen nur Künstler, die ganz umsonst gastieren, die goldene. Der Tenor aber hat sich die Reisespesen ersetzen lassen.?

Er bekam die silberne Medaille.

Am nächsten Tag erschien er zur Abschiedsaudienz; mit der . . . . . goldenen.

?????

?Ich Hab sie mir auf eigene Kosten vergolden lassen,? erklärte er bescheiden.

Die Tante

Wir Kinder liebten unter allen Verwandten am meisten unsern Onkel Balthasar. Er war ein wunderschöner alter Herr, weiß wie ein Lamm, und hatte kobaltblaue Augen.

Mit Tante Bertha war er immerzu in Krieg. Sie sparte gern mit dem Petroleum, und er wollte vier Lampen brennen haben ? eine im Flur, zwei im Schreibzimmer und eine im Salon. Darüber grämte sie sich jeden Abend, vierzig Jahre.

Eines Abends, Tante Bertha war vor Zorn weggegangen, saßen wir bei Onkel Balthasar und seinen Lampen.

?Eh,? hatte er eben gesagt, ?bei euerm Vater hab ich einmal einen Gansbraten ge . . . . .?

Und blieb mit offenen Augen still. Da kam eine Fliege, setzte sich ihm auf die Pupille und spazierte ungeniert im Kreis herum.

Wir rüttelten ihn ? er war mausetot.

Husch liefen wir um die Tante. wir fanden sie am andern Ende der Stadt und sagten ihrs.

?Kinder,? rief sie, ?ich kann nicht, mir ists in die Glieder gefahren. Rennt ihr geschwind nach Haus und löscht die Lampen aus.?

Die staatlichen Gewalten

In Gumbinnen wollten sie einmal den Biberpelz aufführen.

?Nee,? sagte der Polizeigewaltige, ?en Stück, wo drin en Amtsrichter lächerlich jemacht wird, könn wa nich erlooben. Sie haben die Wahl, Herr Theaterdirektor: entweder Se machen aus Wehrhahn ?n bürgerlichen Referendar: denn könn Se det Stück vor jeladene Gäste jeben. Wollen Se aber ?ne öffentliche, richtige Aufführung haben, denn müssen Se Wehrhahn schon als jüdischen Rechtspraktikanten spielen lassen.?

Die Traurede

Als Lütkes heirateten ? Herrgott, war das eine Traurede!

?Aejje die Brautlojte in den haajligen Stand der Aeije treten ?? ? fing sie an und stoß eine deutsche Meile fort, unaufhaltsam. Immerzu von der Braut, die der Pastor getaaauft, erzooogen und konfirmiiiert hatte.

Dann eine kleine Abschweifung zum Bräutigam.

?Ond non, liebe Christen,? sprach er, ?kehren wir zorüück zo der so oft berührten Braaut . . . . .?

Der sorgende Erzeuger

Die Fürstin Mollstorff läßt die Tochter ihres Portiers erziehen ? das Mädel soll Kammerjungfer werden.

Eines Tages kommt der Portier mit einer Bitte.

?Eure Durchlaucht,? sagt er, ?wann S? halt die Gnad hätten und taten mei Tini aa Franzöisch lerna lassen.?

?Aber, lieber Johann, Französisch braucht sie doch nicht??

?O ja, Durchlaucht. Segen S?, Durchlaucht, ewig kann s? net Kammerjungfer bleiben ? aamal muß s? zu was besserm kommen. Un wann s? a Mätres werden will, brauchts Französisch.?

Blau

Unlängst war ich im Oldenburger Hoftheater, und nach der Vorstellung fragte mich der Intendant, wie es mir gefallen habe.

?Ausgezeichnet. Nur eins fällt mir ? natürlich angenehm ? auf: Ihr Chor erscheint im ersten, zweiten, dritten und vierten Akt blau.?

?Ja, sehen sie,? sprach der Intendant, ?unser Kostümzeichner war früher Marinemaler, da hat er so viel Ultramarin übrig. Das Publikum muß sich schon ein wenig gedulden.?

Die Pistolen

Vor sieben Wochen schrieb mir Herr von Zakrzinski: er bitte dringend um meine Pistolen, es handle sich um eine Ehrenangelegenheit.

Ich wollte nicht ? aber: konnte ich anders? ? Ich schickte ihm die Pistolen. Heute bin ich dem Kerl endlich begegnet. ?Na, Herr von Zakrzinski? Wie steht die gewisse Angelegenheit??

?Panje ? ausgetrjaggen. Ljääängst ausgetrjaggen. Unjsr Geggnr tott.?

?Um Himmelswillen ? !??

?Er chatt sichj geknjiffen. Morrallisch tott,?

?Und meine Pistolen??

?Behalte ichj zu Anjdenken an Totten.?

Das Gymnasium

Wir fanden uns nach zehn fahren zusammen, wir Abiturienten vom Piaristengymnasium. So wills ein alter Brauch.

Empfang, Festkommers; am nächsten Morgen Messe und Besuch der Schulräume.

Im Lehrerzimmer legte uns der Direktor das Goldene Buch der Mutteranstalt vor.

Wir sollten einen klassischen Spruch einschreiben und unsre Namen.

Man einigte sich auf:

?Wir lernen nicht für die Schule, sondern fürs Leben.?

Aber keiner konnt es ins Lateinische übersetzen.

Der Meister

Ein Verleger in Wien plante einen sensationell illustrierten Faust. Er wandte sich an Meister Pfisterer von der Sezession.

?Ja, hm? sagte Pfisterer, ?kann i auswendi wissen, ob i ?n Faust illustrieren kann? Da müßt i eahm zerscht gelesen ham.?

Die Bekehrung

Als ich in Bosnien diente, wollte mich der Hodja Hadji Hafis Selim zum Islam bekehren.

?Anders,? sagte er, ?wirst du nicht in den Himmel kommen, Effendüm. Es führt eine Brücke dahin, schmal wie eine Messerschneide und bogenförmig. Fünfhundert Jahre gehst du hinan, fünfhundert darüber, fünfhundert hinab ? dann erst bist du im Paradies.?

?Hodja,wann ist Muhammed gestorben??

?Nach eurer Zeitrechnung: 632.?

?Hör mal ? dann ist er ja selbst noch gar nicht drüben??

Das Hofmuseum

Eines Tages erhob sich der alte Rubens aus dem Grab und ging den Rubenssaal des Hofmuseums besehen.

?Ganz hübsch,? sagte er. ?Aber sagen Sie, Herr Musealdirektor: wer hat all das Zeug gemalt??

Die Aufklärung

Wenn im Mai der Schnee auf den Bergen schmilzt, setzt sich der Fremdenstrom in Bewegung, und die jungen Damen aus Hannover erscheinen in den Alpen.

Erstaunt sehen sie das Lenztreiben auf dem Bauernhof mit an ? besonders gewisse Vorgänge in der Tierwelt erwecken die Neugier.

Und die Bäuerin, von naiven Fragerinnen bestürmt, errötet vor Verlegenheit.

Bäuerin, du mußt nicht verlegen sein.

Es gibt ein Buch, das dir aus der Klemme hilft. Ein Lizenziat der Theologie hat es verfaßt unter dem Titel:

?Wie sag ichs meinen Sommergästen??

Justiz

Nuttinger war von Kind auf verrückt ? später, als die Familie zu Geld kam, nannte mans eine Nervenkrise und steckte ihn ins Sanatorium.

Darin stak er lange.

Eines Tages brach er aus, ging Unter den Linden spazieren und schrie, er wäre der Dalai-Lama.

Daraus erwuchsen der Familie zahlreiche Unannehmlichkeiten, denn das Amtsgericht III in Berlin verurteilte den Nuttinger wegen unrechtmäßiger Beilegung eines Amtscharakters.

Medizin

Wir sind auf dem besten Weg zur Bekämpfung des Krebses ? eine Freudenkunde, die nur darum nicht überrascht, weil wir von unsern Ärzten nichts geringeres erwartet haben.

Professor Tilow-Berlin hat bei hundert Patienten den Krebs künstlich erzeugt, und es ist ihm nach jahrelangen Bemühungen gelungen, mit dem aus den hundert infizierten Patienten gewonnenen Serum ein Kaninchen zu heilen.

Naturheilkunde

Als mir die Ärzte allesamt nicht zu helfen wußten, ging ich mit meinem Beinleiden zu Kühne nach Leipzig.

Kühne in Leipzig ist ein wahrhafter Heilkünstler, Naturheilkünstler, und diagnostiziert aus den Augen.

Er sah mir in die Augen und sprach:

?Entzündung des linken Kniegelenks.?

Und gab mir Kräuter. Und sagte, ich sollte nach einer Woche wiederkommen.

Ich kam wieder, zeigte ihm mein Bein, da sagte Kühne:

?Kurzsichtig rechts ? vier Dioptrien.?

Und gab mir wieder Kräuter.

Ein wahrer Künstler, ein Naturheilkünstler. Schade, daß ich die beiden Kräuter verwechselte. Ich wurde kurzbeinig rechts und bekam eine Entzündung des linken Auges.

Salon

Wir waren bei Frau Ramlow geladen, der massiven Witwe: Melichar, der Grobian ? Riesebein und ich. Und ein halbdutzend Damen.

Frau Ramlow hatte es auf Melichar abgesehen. Er sollte sich doch nicht gar so auffallend um die Generalin bemühen, sagte sie.

?Ich, Gnädigste? Um die Generalin? Die Generalin ist doch zwanzig Jahre älter als Sie. Sie sind 27 und die Generalin 57.?

?Das sind doch nicht zwanzig Jahre Unterschied??

?Na, Sie sind doch auch nicht 27 und die Generalin nicht 57.?

Emmy

Na, eine schöne Bescherung! Eines Tages, als Mama die Kinderchen kämmt . . . da haben sie aus der Dorfschule was mitgebracht . . .

Mama wettert, das Kindermädchen ist verzweifelt, die Köchin bereitet ein Bad, Papa ist um Salbe in die Apotheke gelaufen.

Abseits und unbeachtet aber steht die allerjüngste, Emmy, und weint zum Herzzerbrechen.

?Warum weinst du denn?? fragt die Mama gereizt.

Und die Kleine heult:

?Emmy möchte a?a? auch ein Läuschen.?

Die Bonbons

Ich habe einen Vetter, der ist niederträchtig geizig.

Unlängst sitze ich mit ihm in der Kneipe, da kommt ein Hausierer und bietet uns Schokoladebonbons an. Ausgerechnet Schokoladebonbons.

?Was kostet ein Päckchen?? fragt mein Vetter.

?Zwanzig Pfennig.?

?Hm. Ja. ? Ich wer doch aber nicht zwanzig Pfennig für eine Katz im Sack geben??

?Sie können ja versuchen, gnädiger Herr. Ausgezeichnete Bonbons.? Mein Vetter versuchte.

?Die Bonbons sind gut,? sagte er.

?Aber ich wer doch nicht zwanzig Pfennig für ein aufgebrochenes Päckchen geben, wo noch dazu ein Stück fehlt??

Wahlrecht

In Steirisch-Mutzenbach war unlängst Wahlversammlung ? mit Brachialagitation für und gegen die Deutsche Volkspartei.

Zimmermann, ein heißer Fanatiker, brach den Türrahmen aus und schlug zwei National-Slowenen auf die Schädel, bis der Türrahmen in Splitter ging.

Das ließ sich der Wirt nicht gefallen, ein Agrarier ? packte einen Sozialdemokraten und rammte mit ihm die Deutsche Volkspartei.

?Oes werds mer nöt mei Haus demölieren,? schrie er, ?ös Volksbetrüager.?

Die Christlichsozialen haben ein Wahlkompromiß mit Zimmermann ? sie eilten ihm zu Hilfe.

Da holten die Frei-Alldeutschen eine Wagenwinde und schraubten dem armen Zimmermann das Kleinhirn ab.

Seitdem agitiert er für die Klerikalen.

Die Schule

Ich spielte mit meiner kleinen Nichte Aufhängen.

Sehr amüsant: Sie schreibt den Anfangs- und Endbuchstaben eines Wortes auf und strichelt die Mitte aus. Nun muß ich raten.

So oft ich fehl rate, zeichnet sie einen Strich zu meinem Galgen, wenn ich endlich hänge, habe ich verloren.

Sie hatte ?K---------a? aufgeschrieben ? ich zerbrach mir vergebens den Kopf und hing schon ? ausgenommen die Ohren.

?Das wirst du nie erraten, Onkel. Das ist ein prachtvolles Wort.?

?Weißt du was, Mädi? Sag es mir ? ich geb dir zehn Kreuzer.?

Sie ? zögernd:

?Es ist Kamtschatka.?

Donnerwetter! Kamtschatka. Was die Kinder heutzutag schon in der ersten Volksschule lernen ?!

?Wann hast du denn das gelernt, Mädi??

?In der Religionsstunde.?

?In der Reli.... in der Religionsstunde? ??

?Ja. Wenn wir nicht antworten können, sagt der hochwürdige Herr immer: ?Ich geb dir eine Ohrfeige, daß du bis Kamtschatka fliegst.?

Wien

In einem Vorort von Wien.

Ein Automobil fährt durch.

Zwei Bürger stehen am weg und blicken ihm sinnend nach.

Da sagt der eine:

?Werd aa wieder abkummen.?

Mein Freund Nuber

Ich hatte einen Freund, den ältern Nuber, der pflegte nicht viel Federlesens mit Weibern zu machen.

Eines Tages lernte er Frau Katz kennen, die ihren Namen vollauf verdiente, und machte ihr einen Vorschlag.

?Was??? schrie sie pantherwild ?

?Sie frecher Mensch! wie können Sie sich das mir gegenüber erlauben? Meinen Sie, ich bin die Frau Schöller??

?Ich danke,? antwortete er leise. Und ging.

Nämlich: zu Frau Schöller. Die war noch viel empörter.

?Unverschämter Kerl! Wer sind Sie denn? Wie dürfen Sie so was wagen??

?Entschuldigen Sie,? sprach Nuber, ?Frau Katz hat mir ausdrücklich gesagt: bei Ihnen darf ich.?

Mein Freund Nollinger

Mein Freund Hollinger war Witwer und hatte eine Bonne für sein Kind.

Die Bonne war kokett wie ein Stieglitz, ausgelassen und auffallend.

Der Hollinger ist ein guter Kerl ? er tat nichts dagegen.

Da kam seine Tante und sagte ihm: ?Mein Lieber, das geht nicht ? du mußt die Bonne entlassen. Jeder Mensch meint, du hättest ein Verhältnis mit ihr.?

Hollinger ist sehr schwer von Entschlüssen.

Er sagte, er wolle sichs überlegen.

Überlegte sichs drei Tage, und am vierten sing er das Verhältnis an.

Das Schuhbesteck

Eine Freundin meiner Frau ist in Paris gewesen und hat uns was mitgebracht. Es steckt in einem Juchtenetui, die Firma eines Juweliers darauf ? was mag es sein?

Ein Schuhlöffel und ein Stiefelknöpfer mit phänomenalen Silbergriffen.

Als sich meine Frau drei Fingernägel damit gebrochen hat, beschließen wir, das Ding weiterzuschenken. Am besten Hutterers ? denen sind wir ohnehin was schuldig.

Hutterers laden uns dafür zum Mittagessen.

In der Salatschüssel prangt ? das Schuhbesteck.

Der Direktor

?Herr Direktor,? sagte das Fräulein, ?ich bitte um ein Engagement an Ihrem Theater. Ich habe noch nie gespielt, aber ich verfüge über wunderbare Toiletten. Ich beanspruche auch keine Gage, denn ich habe ? im Vertrauen gesagt ? einen viele Millionen schweren Verehrer.?

?Fräulein,? sprach der Direktor, ?ich kann Sie nicht engagieren, denn ich bin komplett. Aber ?? ? er schritt auf und ab und überlegte ? ?? Wissen Sie was? Ich bitte um Ihre Hand.?

Maniküre

Wir saßen auf der Terrasse des Kurhotels.

Die Salome aus Frankfurt betrachtete ihre Hände und sprach:

?Mä verwildert af ?n Land. Ich wer müssen zu ener Manikür nach München.?

Und der Professor aus Münster:

?Sachen Se cheehrte Frau: chlauben Se denn wirklich an das Wahrsaachen aus der Hand??

Der gerettete Abend

?Sehn Sie?, erzählte mir der Herr Redakteur, ?mit der dichterischen Inspiration is das so ne Sache. Man muß da en wenig nachzuhelfen wissen. Ich, zum Beispiel, arbeite nur bei Nacht. Aber wenn mir um neun Uhr nicht gleich was einfällt ? ich geb den Abend noch lange nicht verloren. Nehmen wir den Fall mit gestern: Ich setz mich um neun hin ? nichts. Da nehme ich den ersten Kognak. ? Nichts. ? Ich nehme den zweiten Kognak. ? Nichts. ? Ich nehm den dritten, den vierten Kognak. Endlich um Mitternacht ? der Abend war gerettet.?

?Da ist Ihnen was geglückt??

?Nö, aber fünfzehn prachtvolle Kognaks hatte ich getrunken.?

Egon

Frau Bamberger ? 35 Jahre alt, geschieden, israelitisch ? stand uns beim Tennis so im Weg, daß wir beschlossen, ihr einen Kavalier zu suchen. Ich nahm meinen Neffen vor und sprach zu ihm:

?Egon, du bist nahezu akademischer Bürger. Ich werde dich mit einer scharmanten Dame bekannt machen.?

Er ist eine verschlossene Natur und durch den Verkehr mit sich selbst etwas scheu.

?Was soll ich mit ihr?? fragte er unmutig.

?Du sollst ihr den Hof machen, sie wird dir sehr dankbar sein.?

Frau Bamberger nahm den jungen Mann mit sichtlichem Behagen in Empfang und schwenkte mit ihm in die Kirchholzanlagen ab.

Ich war neugierig. Brennend neugierig. Die Bekanntschaft mit der Frau ? das mußte doch ein historisches Erlebnis für Egon sein.

?Na,? fragte ich ihn am Abend, ?was sagst du zu Frau Bamberger??

?Deutsch gut. Französisch befriedigend. Englisch minus kaum genügend.?

Die Kuhglocken

Es war in Berchtesgaden ? da fragte mich ein Herr Kulicke:

?Wissen Se nich, wo man hier recht schöne bemalte Kuhjlocken kooft? Aber wissen Sie: en gros.?[7]

?Herr,? stöhnte ich, ?wozu brauchen Sie bemalte Kuhglocken en gros??

?I ? nu, ick bin doch zu Haus in Berlin Kunsthändler.?

Moritzl

Als ich noch ein junger Knabe war, sprach ich einst mit Moritz Bermann über ein Thema, das uns beide sehr interessierte.

Da sagte Moritz Bermann:

?Von meiner Mutter kann ich mir das nicht denken. Aber von meinem Vater glaub ichs gern ? das sieht ihm ähnlich.?

Das Telegramm

?Disziplin, nur Disziplin!? pflegte Herr von Belling auf Bellinghausen zu sagen. ?Meine Leute haben nischt zu denken un zu deuteln, sondern blind meine Befehle auszuführen.?

Eines Tages depeschierte er von Berlin aus seinem Inspektor:

?Ankomme morgen 6 Uhr 17. Leichten Wagen zur Bahn.?

Punkt 6 Uhr standen 17 Leichenwagen am Bahnhof.

Die Bank

Die Unionbank in Petersburg hat eine eigene Polizei eingerichtet, um sich vor Überfällen durch Expropriatoren zu schützen.

In einer schlaflosen Nacht fiel dem Direktor ein: ob denn die Bankpolizei auch etwas tauge?

Und er beschloß, sie auf die Probe zu stellen.

Er verkleidete sich und stürzte, eine Browningpistole in der Hand, in den Hauptkassenraum.

Die Polizei taugte nichts. Sie sah müßig zu, wie der verkleidete Direktor zwei Millionen Rubel davontrug.

Seither fehlt jede Spur von ihm.

Suum cuique[8]

Die Österreichische Nordwestbahn macht subtile Unterschiede zwischen der ersten, zweiten und dritten Klasse.

In der I. Klasse steht:

W. C. ? Pour messieurs.[9] ? Für Damen.

II. Klasse:

Klosett. ? Für Herren. ? Für Frauen.

III. Klasse:

Abort. ? Für Männer. ? Für Weiber.

Ein Ausweg

Herr Ignaz Cohn aus Preßburg war auf Besuch in Budapest.

Bei dieser Gelegenheit bestellte er in einer Druckerei hundert Visitkarten, holte sie am nächsten Tag ab, bezahlte sechzig Kreuzer und fuhr nach Haus.

Da erst gewahrte er zu seinem Schrecken, daß die Visitkarten auf Attila Mikoschfalwy lauteten.

Sechzig Kreuzer verlieren??

Herr Ignaz Cohn machte ein Gesuch, zahlte fünfzig Kreuzer und heißt jetzt Attila Mikoschfalwy.

Gynäkologie

Auf der gynäkologischen Klinik ist ein merkwürdiger Fall passiert.

Der Assistent Doktor Steingruber hatte einer Wöchnerin eben die Bauchdecke geöffnet, als eine feine Kinderstimme aus der Wunde hervorwimmerte:

?Onkel! Gnade für ein Waisenkind!?

Der schöne Jüngling

Vor der Sixtinischen Madonna im Dresdner Kabinett sitzt ein schöner Jüngling mit halbgeschlossenen Lidern und träumt.

Täglich, sowie die Tore geöffnet werden, erscheint er ? und bleibt bis zum Abend.

Sommer und Winter, obs draußen stürmt und regnet, lärmt oder jubelt ? seit Jahren schon kommt der Jüngling, setzt sich der Madonna gegenüber und sitzt mit halbgeschlossenen Lidern da.

Er ist nämlich der Galeriediener.

Gesellschaft

Wir sprechen von Somnambulismus.[10]

Da sagt die schöne Frau:

?Sie haben recht, mir haben diese Modernen auch nie gefallen.?

Einen Augenblick ist es still. Die Meute der neidischen Weiber möchte vor Vergnügen winseln.

Ich wage eine mitleidige Einwendung:

?Pardon ? Gnädigste haben uns mißverstanden . . . . .?

Und die schöne Frau indigniert, errötend und achselzuckend:

?Ich bitte, dem Reinen ist alles rein.?[11]

Kunst

Wir fahren auf einem Bodenseedampfer.

Plötzlich die Berliner Geheimrätin:

?Sagen Sie ? nicht wahr? ? Böcklin, das war doch wohl ein sehr großer Maler??

?Gewiß.?

?Na ? wenn er aber ein sehr großer Maler war ? sagen Sie ? warum hat er dann sone Sachen gemalt??

Rußland

Der Großfürst Nikolaj sollte eine Fahrt auf der Wolga machen.

Große Verlegenheit: wo einen zuverlässigen Kapitän hernehmen?

Man mietete einen Engländer.

Der Engländer ließ die Kessel heizen ? die Siederohre platzten, der Dampfer geriet in Brand.

Mann wollte löschen ? die Feuerspritze funktionierte nicht.

Man setzte das Rettungsboot aus ? es lief voll Wasser.

Man packte den Großfürsten in einen Rettungsring ? der Ring versank.

Man warf ihm ein Tau vom Ufer zu ? das Tau riß.

Nikolaj ging unter.

Zum Glück war er auch kein richtiger Großfürst, sondern ein Hochstapler.

Handel

Ich besuchte meinen Onkel in seinem Parfümerieladen.

Da trat eine elegante Dame ein, kaufte einen Flakon zu zehn Mark und stahl ? ich sah es deutlich ? noch fünf andre Fläschchen.

?Onkel, . . . . .? begann ich erregt, als sie gegangen war.

Er winkte ab.

?Laß man,? sagte er. ?250 Prozent sinn ooch en janz en scheener Reinjewinn.?

Die Visitkarte

Demeter Jopatz ist um drei Zoll gewachsen, seit er Tramwaydirektor ist. Mit den meisten Menschen redet er überhaupt nicht mehr, und die wenigen, die er noch einer Anrede würdigt, schnauzt er französisch an.

Er hat sich auch neue Visitkarten drucken lassen:

?Démétriuz Yopâse

Directeur des chemins de fer de

Topchidère à Belgrade et retour.?[12]

Die Schwester

Elsbeth, ein Backfisch mit feurigen Augen, hört, daß die ältere Schwester einen Freier abgewiesen hat.

?So ne Gans!? sagt sie. ?wenn um mich einer anhalten käm ? ich kniff ihn vor Freude ins Bein.?

?Eine hübsche Episode,?

schreibt der Berliner Lokalanzeiger, ?wird aus Bayreuth berichtet. Eine vornehm gekleidete Dame begehrte dort von einem Straßenhändler eine Ansichtskarte mit Richard Wagners Grab. ? ?Hab i nöt? war die Antwort. ? ?wissen Sie denn, wer ich bin?? fragte lächelnd die Dame. ? Der naive Kartenmann schaute mit großen Augen. ?Sie werden halt a Künstlerin sein.? ? ?woraus schließen Sie das?? fragte sie wieder. ? ?weil S? halt so an großen Huat aufham.? ? Mit hellem lachen entfernte sich die Dame, nachdem sie die drei Groschen, die sie herauserhalten, dem Mann wieder in die Hand gedrückt hatte. Daran erkannte der erblaßte Kartenhändler, daß er es mit einem Mitglied des königlichen Hauses zu tun gehabt hatte, und wollte in die Knie sinken. Jedoch zu spät! Prinzessin Mathilde ? denn niemand geringerer war die edle Spenderin gewesen ? war schon verschwunden.?

Der Kellner

Jüngst frühstückte ich mit meiner Frau auf der Halenseer Terrasse.

Wir schrieben auch eine Ansichtskarte ? ich ging sie zur Post bestellen ? da, als ich wiederkam, fand ich meine Frau nicht vor. Sie hatte den Platz gewechselt.

Der Kellner sagte mir leise:

?Das gnädige Verhältnis befindet sich weiter vorn.?

Das Denkmal

Die Drosedower, biedere Pommern, wollten dem Kaiser Friedrich ein Denkmal errichten und bezogen auch eins ? von Moritz Köpenicker & Sohn in Plagwitz-Leipzig ? zwei Meter hoch, edelste Bronze und garantiert unverwüstlich.

Aber leider kriegten sie nicht die Bewilligung zur Aufstellung, denn Kaiser Friedrich war zu Fuß.

Die Verlegenheit war groß.

Da sprach Willem Strehlow, der Kirchenälteste:

?Wißt ?r wat?? sprach er ? ?wenn wa ?n Kaiser Friedrich nich uffstellen dürfen ? nu, denn schnallen wa ihm ?n Dejen ab und lassen ihm vom Klempner ?n Hut machen ? denn is et der Turnvater Jahn.?

Der Wißbegierige

Mein Freund Buhmann, der Privatdozent, sollte in Wiener Neustadt Vortrag halten. ?Topographie von Frankreich.?

Der Arrangeur hatte ihm zwar gesagt:

Der Besuch wird schwach. Aber so schwach hatte Buhmann sich ihn doch nicht gedacht: als er in den Saal trat, war ein einziger Herr da.

Buhmann faßte sich und fragte den Herrn nach Stamm und Art. Er war ein junger Graf.

?Und Herr Graf interessieren sich in freien Stunden für Wissenschaften??

?Naa,? sagte er. ?Grad nur für nackerte Phatagraphien.?

Die Stiftungskneipe

Die Landsmannschaft Herzynia feiert ihr Jubiläum.

Beim Festkommers hat der älteste Alte Herr den Vorsitz übernommen und gebietet Silentium.

Alles schweigt ehrfürchtig und gespannt.

Aber der alte Herr rührt sich nicht.

Zehn Minuten vergehen in peinlicher Stille ? man sieht einander befremdet an.

Endlich wagt einer der Festteilnehmer, dem Präsidenten zuzuraunen:

?Bitte, so heben Sie doch wenigstens das Silentium auf, wenn Sie nichts zu sagen haben.?

?Ich möchte ja,? sagte der alte Herr verzweifelt, ?aber ich habe vergessen, wie das Gegenteil von Silentium heißt.?

Die Heilsarmee

Die Heilsarmee hält Gottesdienst auf freiem Feld, mitten im Bergwerk.

Miß Young ist verzückt.

?Andächtige,? ruft sie ? ?gestern noch schlief ich in den Armen des Satans. Heute ruhe ich am Busen des Engels . . . . .?

Paddy, der besoffene Ire:

?Und für morgen ? seid Ihr da noch frei, Jungfer ? ??

Erziehung

Herr Kandidat Schwämmlein, der Erzieher des jungen Grafen, erteilt auch dem vierzehnjährigen Komteßchen Literaturunterricht.

Einstens sucht er die stillste Klause des Schlosses auf.

Er findet sie unverschlossen.

Als er aber öffnet, sitzt Komteßchen drin und haucht errötend:

?Pardon.?

?Komtesse,? lehrt der Herr Kandidat, ?in diesem Falle habe ich Pardon zu sagen.

Sie antworten nur: ?Ich bitte, Herr Kandidat.?

Sprichts und schließt die Tür.

Unsre Tante

Unsre Tante hat unglaubliche Taschen. wenn sie ihr Portemonnaie hervorholen will, muß sie ihre ganze Hinterfront durch stöbern.

Eines Tages verlangte das Söhnchen fünf Pfennige von ihr für Schokolade ? Tantchen aber mochte vor der großen Gesellschaft nicht auf die Suche nach ihrer Tasche gehen.

?Später, Kind,? sagte sie. ?Ich habe jetzt kein Geld.?

Darauf der Kleine:

?Du hast schon, Mama ? greif nur in ?n Popo.?

Der Bräutigam in der Kolonie

Willem Reibetanz hatte eine Farm bei Windhuk und wollte gern auch eine Frau.

Er gab ein Inserat im Hamburger Echo auf.

Es kam zu einem Briefwechsel mit Lina und Käthe Tiedemann. Zuerst zum Spaß und dann im Ernst. Eines Tages reiste Tina zu ihrem Bräutigam nach Windhuk ab.

Lange warteten die Eitern auf eine Hochzeitskunde.

Endlich kam ein Kabel:

?Lina ankam gestorbenem zustande verweigere annahme sendet kaethe.?

Der Gasthof

In Salzburg machte sich jüngst ein Mann verdächtig, weil er mit einer jungen Dame reiste. Man dachte, er wäre ein Mädchenhändler.

Er hatte keine Legitimation bei sich, behauptete aber, einen Gasthof in Berlin zu besitzen.

Die Salzburger Polizei erkundigte sich telegraphisch nach der Natur dieses Gasthofes.

Nachmittag traf aus Berlin folgende Auskunft ein:

?Angefragtes Restaurant hochanständig, in selbem verkehren Israeliten und Offiziere.?

Der Pudel

Die alte Baronin Mohrenfeld ist verrückt eifersüchtig.

Sie schläft, da der Baron endgültig auf ihre Gesellschaft verzichtet hat, im Vorzimmer seines Schlafgemachs ? natürlich mit ihrem geliebten Pudel, dem Bruno.

Da hört sie eines Nachts leise Schritte. ?Bruno, bist du dä?? fragt sie schlaftrunken.

?Jä, Mämä,? antwortet eine Stimme. Und die Baronin legt sich beruhigt aufs andre Ohr.

Die Großstadt

Angermeyers haben eine sonderbare Köchin, die Leni. Sie ist links zwölf Jahre jünger als rechts ? und hinten größer als vorn.

Eines Sonntags bittet sie um Urlaub, sie wolle, sagt sie, tanzen gehen.

?Sie . . .? . . . . . tanzen?? fragt Frau Angermeyer verblüfft.

?Oh, gnä Frau, in der Stadt trefft sich auf a jeds Madel . . . . .,? ruft Leni mit glühenden Wangen.

Der Diener

?Küss die Hand, Euer Gnaden, an schön gun Morgen wünsch ich,? sagte der Diener des seligen Barons Mundy und machte ein ungemein freundliches Gesicht dazu.

Das fiel dem Baron Mundy auf.

?Was hast denn, Johann?? fragte er ? noch halb verschlafen.

?Euer Gnaden ? heut sans grod fünfundzwanzig Jahr, daß ich die Ehre hab, bei Euer Gnaden zu dienen . . . . .,? meldete Johann. Er erwartete ein größeres Geldgeschenk.

Baron Mundy aber wurde vor Zorn blaß.

?Seit du bei mir bist, du Schurk, siehst du mich alle Tag nach rechts aus dem Bett steigen, und alle Tag stellst du mir die Pantoffel nach links. Ich hab bis heute kein Wort gesagt, ich hab sehen wollen, ob du endlich von selber draufkommen wirst. Und das geht jetzt schon, sagst du, fünfundzwanzig Jahre so??

Sprachs und krachte dem getreuen Johann den Stiefelzieher an den Kopf.

Der Delinquent

In Preßburg sollte ein Mann hingerichtet werden, und nach der Verkündigung des Urteils bekam er das Henkermahl aufgetischt: Kalbsbraten mit Salat, Bier und Schweinshaxen mit Sauerkraut.

Freundlich lud er den Seelsorger ein, am Mahl teilzunehmen.

?Die Regeln meines Ordens verbieten mir ein so üppiges Essen,? sprach der Franziskaner.

Da schlug der arme Sünder mit der Faust auf den Tisch und rief:

?Hab i s endlich do no derzu gebracht, daß mi d Pfaffen um mei Essen beneiden.?

Ostpreußen

Jüngst war ich bei Herrn von Mollnow zu Besuch.

Ein herrlicher Besitz, dieses Mollnow, seit Urzeiten im Besitz der Familie.

Als es Abend war, tranken wir noch zwei, drei Pullen, dann hieß es schlafen gehen.

Ich bin gewohnt, im Bett zu lesen.

?Können Sie mir was gescheites geben?? fragte ich.

Herr von Mollnow, der gastfreundliche, stand auf und rief, daß es weithin durchs Haus scholl:

?Det Buch! Det Buch! He, Mine, Trine, Line ? wo is det Buch??

Man suchte stundenlang.

Aber man fand kein Buch, trotzdem sich Herr von Mollnow bestimmt erinnerte, eins gehabt zu haben.

Die Operette

Der Theaterkapellmeister hatte eine Operette komponiert.

Die Partitur war fertig und lag hochaufgeschichtet auf dem Schreibtisch.

Da geschah es, daß Mimi, das Äffchen der Frau Kapellmeisterin, auskam, auf den Tisch kletterte und die Partitur in Atome zerriß.

Kapellmeisters kamen heim und sahen die Bescherung.

Er wollte Mimi erdrosseln.

Die Kapellmeisterin aber legte ihm begütigend die Hand auf die Schulter und sagte:

?Geh, Franzi! Sei net gach! Es wird dir schon wieder was einfallen.?

Anstand

Jüngst war ein Abend bei Kalbes.

Sehr nobles Haus das. Es pflegte da ein Graf mitzukälbern, der singt, wenn man ihn aufzieht.

?Ach, Graf, geben Sie uns was zum besten!? hieß es plötzlich.

?Ach, ja, bitte, singen Sie doch, Sie singen so schön.?

?Gut ? Auf Flügeln des Gesanges,? sagte der Graf.

Der junge Herr Kalbe sollte ihn begleiten.

?Los, Herr Kalbe, präludieren Sie!?

?Unter keinen Umständen, Herr Graf,? erwiderte der junge Mann bescheiden, ?Sie haben den Vortritt.?


Akzeptieren

Diese Website benutzt Google Analytics um seinen Nutzen zu messen. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren