Bübü vom Montparnasse - Ein Roman mit zwanzig Holzschnitten von Frans Masereel

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I

Der Boulevard Sebastopol war am Tage nach dem vierzehnten Juli noch lebendig. Halb zehn Uhr abends. Die Bogenlampen, schreiend weiß zwischen den Baumreihen, überschneiden die Schatten oder sind im Blattwerk verloren. Die Warenhäuser sind geschlossen: ?Pygmalion?, die ?Lämmlein?, der ?Holländische Hof?, ?Zur billigsten Quelle der Welt?, und ihre finstern Fassaden, die soeben den Bürgersteig erhellten, verdunkeln ihn jetzt gleichsam. Die hohen vergoldeten Aufschriften, die an den Balkonen in der Sonne glänzten, im ersten Stock, im zweiten und in den andern, verlieren sich in dem Schwarz mit ihren Buchstaben aus gelbem Holz und scheinen am Abend auszuruhen wie der Großhandel. Blumen und Federn, Ausverkäufe, Lebensmittel, Stoffe haben auf dem Boulevard Sebastopol ihre Rolläden heruntergelassen und sind verstummt.

Zu dieser Stunde betrachten die Fußgänger nicht mehr die Schaufenster. Das Nachtleben beginnt, mit andern Zwecken. Die Wagen haben Laternen: die Fiaker strahlende Lichter wie zwei vergnügte Augen und die Tramways ein rotes oder grünes Feuer, und sie heulen wie eine erregte Menschenmenge. Sie folgen einander, kreuzen sich, stampfen und rollen. Am Horizont gegen die großen Boulevards erhellt die Luft sich stark, erhebt sich zum Himmel und ist wie von leuchtendem Geist belebt. Das Ziel ist nicht hier, auf dem Boulevard Sebastopol, wo die Warenhäuser geschlossen sind. Die Wagen eilen. Die nach den großen Boulevards wollen, fahren in das Licht hinein und hasten dahin wie Menschen, die ein Schauspiel anzieht.

Der Boulevard Sebastopol lebt ganz und gar auf dem Bürgersteig. Auf dem breiten Steig, in der blauen Luft einer Sommernacht, verbringt Paris und verlängert am Tage nach dem vierzehnten Juli einen Überrest des Festes. Die Bogenlampen, das Laub der Bäume, die Wagen, die rollen, und die ganze Erregung der Fußgänger wirken zusammen so scharf und schwer wie Rausch und Ermüdung. Es ist das übliche Schauspiel aller Abende, aber es gibt Straßenecken oder Häuserfronten, die noch die Erinnerung an die gestrigen Tänze bewahren. Es gibt gewisse Geräusche oder gewisse Schreie, die an die Lieder der Betrunkenen denken lassen. Es gibt Laternen oder Fahnen, die in den Fenstern zurückgeblieben sind und eine Fortsetzung der Fröhlichkeit zu fordern scheinen. Man errät, was in den Seelen vorgeht. Die einen, die sich gestern vergnügt haben, blicken noch nach einem Vergnügen aus, dem sie sich hingeben könnten. Denn die Menschen, die einmal die Freude kennen gelernt haben, rufen sie ewig herbei. Die andern, die arm sind, die häßlich sind und die ängstlich sind, ergehen sich zwischen den Überresten des Festes und suchen in den Winkeln nach übriggelassenen Brosamen. Denn die Menschen, die niemals die Freude kennen gelernt haben, sind gequält und suchen sie immerfort, bis sie davon müde geworden sind, leer ausgegangen zu sein.

Die Luft scheint sich um sie zu regen. Gutgekleidete junge Leute kommen zu zweit oder zu dritt und gehen von hinnen. Sie haben neue Kragen, elegante und einfache Krawatten mit glitzernder Nadel und eilen dem Lichte zu, Geld in den Taschen. Handelsangestellte plaudern unter ihnen: ?Wir haben bis Mitternacht getanzt. Sie hat allerhand mit sich machen lassen. Ich habe sie in ein Hotel in der Rue Quincampoix gebracht. Wie hat sie darauf Lust gehabt!? Zwei Freunde heften ihre Schritte an zwei kleine Frauen, die, als sie von ihnen angeredet werden, sich mit ersticktem Lachen anschauen. Junge Leute mit phosphoreszierenden Augen blicken die Frau an, so oft ein Paar vorübergeht. Dicke Männer rauchen eine Zigarre mit Genugtuung und denken: ?Ich bin ein mächtiger Beamter mit zwölftausend Francs Jahresgehalt.? Paare gehen vorüber. Eine elegante junge Frau am Arm eines eleganten jungen Herrn: sie ist glücklich darüber, reich auszusehen; er ist glücklich, beneidet zu werden. Ein weniger elegantes junges Mädchen mit ihrem Geliebten, der zu ihr spricht, indem er an die Liebe denkt. Andre Paare endlich, Ehemann und Frau, blicken jeder auf seine Seite, wechseln nur dann und wann ein Wort: ihr Geist und ihr Leib sind aneinander gewöhnt.

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Sie gingen vorüber. Waren die einen entschwunden, sah man wieder andre. Geschäftsleute schritten auf der Straße so weit auf und ab, als die Auslage ihrer Läden breit war. Ein junger Mann preßte den Arm einer Frau und folgte ihr unterwürfig. Man glaubte, er würde ihr bis ans Ende der Welt folgen. Die Eitelkeit, die Heiterkeit, das Wohlleben spazierten im Licht. Die Luft ward davon erhitzt. Ach, was hatte die Müdigkeit von gestern zu sagen! Warme Wellen kamen bei der Erinnerung an die Orgie, und die Herzen zogen sich vor Verlangen zusammen. Paris war wie ein müder Hund, der weiter seiner Hündin nachläuft.

Die öffentlichen Mädchen übten ihr Gewerbe aus. Da ist die kleine Gabrielle, die zwei Jahre mit Robert lebte, dem Mörder der Constance. Ihr Liebhaber ist soeben ins Zuchthaus gekommen. Da ist die kleine Jeanne, die siebzehn Jahre sein soll. Seit einem Monat geht sie auf dem Boulevard Sebastopol. Sie hat auf ihrem Antlitz nur ein wenig Reispuder, und ihre Augen glänzen von den ersten Feuern der Lust. Viele Leute halten sie nicht für eine Prostituierte. Da sind Mädchen mit bloßem Haar und Mädchen mit Hut. Die einen haben den schweren Gang von Kühen und sprechen die Männer schamlos an. Andre zieren sich, zwinkern mit den Augen und bereiten ihr Lächeln vor. An der Ecke der Rue Rambuteau hat sich eine Gruppe gebildet. Sie reden alle zugleich. Man sieht die feuchten Markthallen zur Linken, man denkt an Abfälle von Kohl. Man möchte sagen: Frösche, die an einem Sumpfe quaken.

Die Geheimen der Sittenpolizei gehen zu zweien. Es ist leicht, sie an ihrem Blick, an ihren unsaubern Kleidern und ihrem schweren Gang zu erkennen. Sie sind unsauber wie ihr Beruf. Sie schreiten hölzern wie Leute, die ein Amt ausüben. Sie messen die Frauen vom Kopf bis zu den Zehen mit festem Auge. Der Blick der Vorübergehenden schaut, der der Geheimen überwacht. Geschmückt mit einer Militärmedaille, schreitet ein dicker Brauner, dessen starker Bart den Mund hervorhebt, dahin mit ausladenden Schultern. Die öffentlichen Mädchen gehen steif, ohne den Kopf zu wenden, mit ihrer Seele eines Sklaven, der weiß, daß der Stärkere recht behält.

Die Rufe der Camelots. Sobald ein Schutzmann sich entfernt, taucht ein Camelot auf. Die Mütze auf dem Kopf, das Gesicht erregt, den Bart farblos, schreien sie voll Glut, denn ihre Leidenschaften sind heftig, und sie wollen ihr Essen und Trinken verdienen. Jener dort, vielleicht keine achtzehn Jahre alt, die Mütze bis an die Ohren gezogen, in Röhrenstiefeln, umkreist eine Schar von Neugierigen, indem er seine Stiefel hebt. Er verkauft um zwei Sous ein Heft mit durchscheinenden Bildern und hält sie mit Taschenspielergebärden den Leuten vor die Augen: ?Und wenn Sie einen Schutzmann anrücken sehen, meine Herren und Damen, so machen Sie mich aufmerksam, nur damit ich ihm entgegenspazieren kann.? Die Polizei verfolgt sie wie die öffentlichen Mädchen, deren Herzauserwählte sie sind.

 

Pierre Hardy, der den ganzen Tag in seiner Kanzlei gearbeitet hatte, erging sich unter den Passanten des Boulevards Sebastopol. Ein junger Mann von zwanzig Jahren, erst seit sechs Monaten in Paris, schreitet unsicher durch das Pariser Schauspiel. Die Wagen, die rollen, die grellen Lichter, die Menge in den Straßen, der Luxus und der Lärm bilden eine babylonische Verwirrung, die bestürzt und einen Wirbel allzuvieler Gedanken auf einmal entfesselt. Alle Provinzler haben dieses Unbehagen gefühlt und sind darüber linkisch und traurig geworden. Ich versichere Ihnen, daß die hübschen Dorfburschen, die zu Hause auf den Tanzböden prächtig aussehen, auf den Boulevards eine trübselige Figur machen.

Ein Mensch, der geht, trägt alle Dinge seines Lebens und bewegt sie in seinem Kopfe. Ein Schauspiel weckt sie, ein andres löscht sie aus. Unser Körper hat alle unsre Erinnerungen bewahrt, wir vermengen sie mit unsern Wünschen. Wir durchlaufen die Gegenwart mit unserm Gepäck, wir gehen und haben es in jedem Augenblick bei uns.

Hier die Gedanken, die Pierre Hardy diesen Abend spazieren führte:

In das Haus eines Städtchens im Osten, wo seine Eltern Holzhandel treiben, kehrt Pierre Hardy gern in Gedanken zurück, denn er ist zwanzig Jahre und lebt erst seit dem Monat Januar in Paris. Es ist ein Haus auf einer Anhöhe, ein wenig abseits von der Stadt und von einem Garten umgeben. Dort ist gut sein an den Sommerabenden, wenn eine Brise die Dämmerung durchweht und man sich im Garten niederläßt, um die Nacht einzuatmen. Die Sterne ziehen die Gedanken an; es wetterleuchtet ein paarmal, ?Entladungen der Hitze?, und man lebt, die ersten Zigaretten rauchend, friedlich unter den Seinen. Alle Einzelheiten sind reizend. Wenn es zu heiß ist, trinkt man am Abend, statt Suppe zu essen, Milch; das erfrischt bis ins Herz hinein. Oft kamen seine ältere verheiratete Schwester und seine kleine Nichte auf eine Woche zu Besuch. Man kochte ein wenig mehr, war ein wenig heiterer. Die jüngere Schwester spielte die Mama der kleinen Juliette. Sie ging mit ihr aus und kaufte ihr Näschereien. Nichts fehlte ihnen. Alle Mitglieder dieser Familie fühlten klar, daß sie ein Ganzes in der glücklichen Natur bildeten.

Er dachte noch an seine drei Jahre Fachschule. Er hatte Brücken und Maschinen von verwickeltem Aussehen zeichnen gelernt und säuberliche und bewunderungswürdige Tuschzeichnungen mit Farbe decken. Seine Eltern hatten sich in ihr Zimmer eine schöne Zeichnung einrahmen lassen, die einen Bahnhof zwischen zwei Hügeln darstellte. Er hatte die Schule mit Nummer 2 verlassen, mit einem Diplom und einer vergoldeten Medaille.

Er konnte als Zeichner mit hundertfünfzig Francs monatlich in eine Eisenbahngesellschaft eintreten. Er bedauerte, nicht in die Ingenieur- Fachschule eingetreten zu sein, wie seine Professoren ihm geraten hatten. Seine Eltern hätten sich dies Opfer auferlegt und er hätte rasch den Grad eines Bureauleiters erlangt.

Auf dem Boulevard Sebastopol, dessen elektrische Bogenlampen schnurgerade liefen, erging er sich unter Tausenden von Fußgängern. Die Lichter durchdrangen das Laubwerk der Bäume und fielen mit den Schatten der Zweige auf den Bürgersteig. Es schien ihm, als wären die Lichter glänzender und die Menge noch zahlreicher. Die jungen Leute aus der Provinz glauben sich verloren inmitten der hunderttausend Menschen. Er kannte niemand und ging immerzu, und neue Passanten schritten vorüber, alle einander ähnlich in ihrer Gleichgültigkeit, und sahen ihn nicht einmal an. Ihr Lärm umringte ihn wie das Tosen einer Vielheit, an der er nicht teil hatte. Er sah sich in der Menge, die wirbelte und gestikulierte und heiter war wie manches Lachen, das er im Vorübergehen erschallen hörte, und strahlend wie mancher Frauenblick, den er auffing.

Er versuchte sich an etwas festzuklammern, um nicht zu versinken. Er hatte das Bedürfnis, in sich selbst hinabzusteigen und dort, während all dies ringsum geschah, irgend eine Freude zu finden, um mitten in der allgemeinen Fröhlichkeit nicht verloren zu sein.

Er wollte einen Damm aufrichten gegen die steigende Flut und schreien: ?Ich bin auch da. Mit Stein und Zement stemme ich mich euch entgegen und halte euch auf, wenn ihr auf mich einbrüllt!?

Er bewohnte in einem Hotel der Rue de l?Arbre-Sec ein Zimmer im fünften Stock. Diese Hotelzimmer sind stets unsauber, weil allzu viele Mieter darin gelebt haben. Das Bett, der Spiegelschrank, die beiden Stühle und der Tisch auf Rädchen füllen sie. So klein sind sie, daß diese vier Möbel sie übervoll zu machen scheinen. Hier lebt man für fünfundzwanzig Francs im Monat ein Leben ohne Würde. Die Bettmatratzen sind schmutzig, die Fenstervorhänge sind grau wie ein Armeleutetag. Der Kellner hat einen Hauptschlüssel, der ihm erlaubt, jeden Augenblick in dein Zimmer einzutreten. Deine Nachbarn wechseln alle vierzehn Tage und du hörst sie durch die Scheidewand. Die einen sind Trinkerpaare, die sich streiten, die andern riechen nach Prostitution, und sind manche ordentlich, so flößen sie doch kein Vertrauen ein. Die armen Mieter in den Hotels haben kein Daheim. Pierre Hardy konnte nicht sagen: ?Ich habe eine Zuflucht, wo ich unter Dingen bin, die mich anheimeln, wenn ich traurig werde?.

Die einzige Zuflucht war ihm sein Freund Louis Buisson, dem er sich seit dem ersten Tage anschloß. Louis Buisson war fünfundzwanzig Jahre alt und arbeitete als Zeichner in demselben Büro wie Pierre Hardy. Dieses Männchen von 1 Meter 35 Höhe war wegen seines kleinen Wuchses vom Militärdienst zurückgewiesen worden. Darum genoß er nicht viel Achtung bei seinen Kameraden, die ihn für einen guten Burschen hielten, dessen Bedeutung aber nur 1 Meter 35 maß. Ehemals hatte er beabsichtigt, die polytechnische Hochschule zu besuchen, und Mathematik studiert, was ihn daran gewöhnt hatte, alles zu analysieren, und bis zu zwanzig Jahren war er in einem Provinzgymnasium gewesen, was ihn daran gewöhnt hatte, zu dulden. Der Zusammenbruch seiner schönen Zukunftsträume machte ihn bescheiden. Er dachte: ?Ich verdiene hundertachtzig Francs monatlich. Ich bin wie ein Mann aus dem Volke und arbeite, um das Brot zu verdienen, das ich esse.? Am Abend beschäftigte er sich mit Literatur und Philosophie, nachdem er auf der Straße spazieren gegangen war und die jungen Frauen betrachtet hatte. Er sagte: ?Sie laufen allem nach, was glänzt, den reichen jungen Leuten und den schönen jungen Leuten. Die reichen jungen Leute erziehen die Frauen zum Luxus, und die schönen jungen Leute, von denen sie betrogen werden, lehren sie, daß die Liebe nur ein simples Vergnügen sei. Sie kehren später zu uns zurück. Sie richten uns durch Toiletten und Theater zugrunde und haben nicht mehr Glut genug, um unsre Geliebten und unsre Gefährtinnen zu werden. Ich für meine Person korrespondiere mit einer kleinen Bonne. Da sie schlicht und arbeitsam ist, werden wir uns heiraten. Ich will wie ein Mann aus dem Volke leben, mit einem Weibe aus dem Volke. Im übrigen hasse ich die Reichen, die uns unsre Freuden stehlen.?

Er besaß seine Möbel und wohnte am Quai du Louvre in einem Zimmer im fünften Stock. Pierre Hardy erstattete ihm Bericht von allen seinen Stimmungen und allen seinen Abenteuern, und Louis Buisson legte ihm gleiche Geständnisse ab. Solch eine Freundschaft gibt uns Lebensmut, indem sie unsre Freuden verlängert und uns in unserm Kummer tröstet. Man sagt sich: Das werde ich Louis erzählen, der mir sagen wird: ?Mein lieber Freund, wir leiden, weil wir arm und schüchtern sind und hauptsächlich, weil wir ein reines Herz haben?. Sie waren durch einen kleinen Unterschied in der Erziehung voneinander getrennt. Pierre Hardy wohnte in der Rue de l?Arbre-Sec, die eine Pariser Straße ist. Louis Buisson wohnte am Quai du Louvre, wo die Luft viel freier ist.

Aber es gibt Abende, an denen die Freundschaft nicht genügt. Die Worte und der gewöhnliche Anblick der Freundschaft beruhigen uns. Wir haben aber auch das Bedürfnis, uns zu ermüden. Pierre Hardy empfand inmitten der Flut ein wenig Freude, die ihm sein Freund bereitete, und er betrachtete die Menge, indem er dachte: ?Ihr habt keinen Freund wie Louis Buisson.? Aber das tröstete ihn nicht, und der ganze Lärm des Boulevards sprach: ?Besser ist, eine Frau zu haben.? Er dachte noch: ?Ich bereite mich auf die Prüfung für Brücken- und Straßenbau vor, ich werde gewiß zum Bureauchef ernannt werden. So viele Männer, die da mit Frauen am Arm vorübergehen, werden kleine Angestellte bleiben!? Aber die ganze Menge schrie ihm im Vorübergehen zu: ?Was macht das! Wir haben Frauen und lachen.? Er antwortete: ?Ich habe einen Vater und eine Mutter, die mich mehr lieben, als euch eure Frauen!? ?Was macht das!? sprach die Menge. ?Du bist allein und langweilst dich. Wir haben Frauen und lachen.?

So wurde er gezwungen, zu verstehen, daß die ganze Festfreude wertvoller sei als sein einsames Dasein. Er konnte dem Lichterglanz und der entfesselten Lust nichts entgegensetzen. Louis Buisson, der von zwei oder drei Philosophischen Grundsätzen passioniert war, schöpfte daraus Kraft genug, den Menschen ins Gesicht zu sehen. Übrigens suchte er darin irgendwelche weitere Grundsätze zu entdecken. Pierre Hardy war zwanzig Jahre alt und fand sich mit tausend Wünschen ganz allein mitten in einem sehr verführerischen Paris.

Und oft hatten seine Wünsche ihn geleitet. An manchen Abenden, wenn er bis elf Uhr gearbeitet, schloß er seine Bücher und fühlte sich traurig mit all ihrer Wissenschaft. Alle Diplome wogen das Glück nicht auf, zu leben. Zwei oder drei Bilder von Frauen, die ihm begegnet waren, tauchten in seiner Phantasie auf, und er hing ihnen zunächst nach, um sich zu entspannen. Dann flammte das ganze Feuer seiner zwanzig Jahre empor, alle seine Sinne empfanden, was eine vorüberschreitende Frau in sich schließt. Da richtete er sich auf, die Kehle trocken und das Herz zusammengepreßt, löschte die Lampe aus und ging auf die Straße hinunter.

Er schritt aus. Prostituierte tänzelten an den Straßenecken in ihren ärmlichen Röcken und mit ihren fragenden Augen: er beachtete sie gar nicht. Er schritt dahin, wie die Hoffnung schreitet. Irgendeine Frau mit geschnürter Taille ging vor ihm her, da verlangsamte er den Schritt, um sie besser zu sehen. Darauf lächelte sie ihm zu. Da beschleunigte er den Schritt, um ihr rascher zu entfliehen, und weil schon eine andre Frau mit geschnürter Taille . . . Er schritt dahin wie die Hoffnung schreitet, von Frau zu Frau. Er wollte die einen nicht, weil sie zu leicht zu haben waren. Er wagte nicht, die andern anzusprechen, weil sie nicht den Eindruck machten, als wären sie leicht zu haben. Er schritt dahin, wie die Hoffnung schreitet, von Frau zu Frau, bis ihm keine Hoffnung mehr blieb.

Manchmal überholte ihn eine verspätete junge Arbeiterin, die schnell ging, um nach Hause zu kommen. Sie hatte einen schwarzen Rock, eine schlichte Bluse und einen schmucklosen Hut. Es war ein junges Mädchen, das wie ein junger Mann arbeitet und an die Liebe denkt. Pierre Hardy sagte sich dies naiv und folgte ihr, folgte ihr sehr schnell. Er prüfte sie, schätzte in Gedanken die Menge Glück ab, die sie spenden könnte. Wenn er neben ihr war, sagte er sich: ?Ich will sie nicht jetzt ansprechen, denn wir sind in einer zu belebten Straße?. Er folgte ihr Schritt für Schritt, alle seine Gedanken aufrührend, und folgte ihr mit großen Schritten, wie man ein Ideal verfolgt. Er wäre ihr sehr weit in die Nacht gefolgt, denn sie war ihm das Licht. Alle seine Abenteuer nahmen den gleichen Ausgang. Unerwartet läutete das junge Mädchen an einer Haustür. Sie war zu Hause. Er sah sie ein letztesmal an und setzte seinen Weg fort, indem er an morgen dachte und an alle die morgen, an denen er dem Glück nicht begegnen sollte, das er soeben hatte entfliehen lassen.

Und am Ende fühlte er noch, ermüdet von dem Marsch, das alte Verlangen, das ihn vorwärtstrieb. Um Ruhe zu haben, nahm er die erste, die daherkam, und in einem Hotel auf einem Bett um vierzig Sous ergoß er sich in ein Mädchen, das schmutzig war wie ein öffentlicher Ausguß.

Am Abend des fünfzehnten Juli war der Boulevard Sebastopol viel lebendiger. Die einen schlenderten paarweise und schienen ihre Liebe auszuführen. Junge Leute sagten: ?Sie hatte feste kleine Brüste. Ich möchte sie doch wiederfinden.? Paris war unterwegs mit Wagen, die rollen, mit Liedern der Betrunkenen und mit so vielen Straßenmädchen, daß unter ihnen auch ein paar verführerische waren. Die Bogenlampen umgaben sich mit einem Hof und bildeten, eine hinter der andern die Luft zwischen den Häusern erhellend, einen großen leuchtenden Kanal, der die Dächer säumte, bis zum Himmel stieg und ihm sein Feuer zuwarf. Diese Atmosphäre badete einen in zartem Fluidum, in einem elektrischen durchdringenden Bade. Dann verwandelten warme Winde, der Atem einer Sommernacht, Paris gleichsam in ein brüllendes Tier, das, schweißbedeckt und mit wahnsinnigen Augen, solange keucht, bis es ohnmächtig wird. Ein Schrei antwortete dem andern, ein Fußgänger weckte das Verlangen des andern, die Lichter entzündeten ihn wie einen Strohhalm, jedes Leben schwoll auf dem Boulevard an und schrie wie das brünstige Tier bis in die Tiefe der vergehenden Herzen.

Und Pierre Hardy erinnerte sich, wie er den Frauen nachgelaufen war. Er schämte sich der Erinnerung unter den Lichtern zwischen Tausenden von Passanten, aber er zürnte ihnen so, wie ein Mann großen Gedanken zürnt, die ihn locken. Vor seinen Augen schritt das Weib mit seinem Geschlecht, seinem offenen Geschlecht, wie Louis Buisson sagte. Pierre Hardy war nichts mehr. Das entfesselte Paris trug ihn, nahm ihn auf seine großen Fluten und entführte ihn, Pierre Hardy, den Sohn eines Holzhändlers, Freund Louis Buissons, den künftigen Brücken- und Straßenbaumeister, trug ihn zwischen den beiden verlorenen Ufern und entführte ihn bis ans Ende der Welt.

 

An der Ecke der Rue Greneta gab es eine Ansammlung um vier Sänger herum. Es war noch nicht zehn Uhr, und sie sangen an der letzten Straßenecke vielleicht ihr letztes Lied. Der Vater kratzte eine Geige aus rotem Holz, deren neue und kreischende Stimme nur ein Lärm war, und blickte auf den Kreis von Gaffern mit Augen, in denen man Funken und Blut laufen sah. Die Mutter, mit einem Bauch, geweitet von Geburten, mit den hängenden Brüsten eines abgenutzten Tieres, hatte in ihrem zerstörten Gesicht zwei Augen so blau wie zwei beschmutzte Blumen. Sie sang mit der spitzen Stimme eines keifenden Weibes. Und die beiden kleinen Kinder, die jeden Abend sangen, zitterten auf ihren Beinchen. Das eine von ihnen rollte die Augen wie ein böses Tier; es ähnelte dem Vater; es war so erschöpft, daß es hätte beißen mögen. Aber das kleinere, gelbhäutige, mit blauen Augen, hätte wie die Mutter auf den Rücken fallen und schlafen mögen. Paris hatte sie in seine zermalmende Hand genommen, und alle vier, die guten und die bösen, waren sie zermalmt worden.

?Erinnerst du dich noch, Lison,

In deinem Stübchen

Warf ich die Kleider rasch davon

Wie du, mein Liebchen.?

Mütter mit ihren Töchtern hörten zu. Drei kleine Arbeiterinnen, die das Lied sich gekauft hatten, folgten den Worten. Passanten waren müßig stehen geblieben, andre warfen einen Blick hin und gingen weiter. Es gab nicht viele Leute um die Sänger, weil es zuviele Lieder gab. Pierre Hardy machte Halt. Man schaut es sich an, weil man etwas anschauen muß. Ebenso mehrere öffentliche Mädchen, denn sie wissen, daß die Ansammlungen ausgezeichnete Gelegenheiten bieten. Und die ungelenke Stimme der roten Geige, über den drei andern Stimmen gleichgültig schwebend, mechanisch, ohne Feinheit:

?Du sagtest: ?Lieb, ich zeige Dir

Sehr lustige Dinge,

Doch leg in meine Büchse hier

Paar Silberlinge?.?

?Zu kaufen für zwei Sous!? Pierre Hardy erwarb das Lied. Er las es ohne viel Aufmerksamkeit, als eine kleine Frau neben ihm, die mitgelesen hatte, sagte: ?Das ist nicht richtig, das Lied?. Er sah sie an und bemerkte, daß das junge Weib schwarzes gescheiteltes Haar und ein hübsches Gesicht hatte.

Er war davon gerührt: ?Und wie ist es richtig??

Sie antwortete: ?Richtig lautet das Lied:

Erinnerst du dich noch, Lison,

Ein Sonntag war es . . .?

Ihm war?s völlig gleichgültig, aber eine junge Frau mit gescheiteltem Haar macht uns vieles interessant. Da hörte Pierre nicht mehr die Sänger. Er sagte zu ihr: ?Sie müssen schön singen, Fräulein.?

Sie antwortete: ?Nicht jetzt, denn ich bin heiser.?

Es wurde zehn Uhr und die unglückselige Stimme der roten Geige schrie noch, bis ihr zu schreien verwehrt wurde. Sie verließen die Schar der Neugierigen, und da die junge Frau nicht schüchtern schien, bot er ihr ein Glas Bier an. Er hatte große Angst, daß sie nicht annehmen würde.

So begegnete Pierre am Abend des fünfzehnten Juli Berthe. Er lächelte über ihre Hübschheit und ihr gescheiteltes Haar.

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II

Um halb eins, als Berthe Méténier in ihr Zimmer in der Rue Malebranche zurückkehrte, lag ihr Liebhaber Maurice schon im Bett. Aus Pflichtbewußtsein öffnete er halb ein Auge und erkannte sie. Sie entkleidete sich. Die Kerze brannte auf dem Nachttisch, sie näherte sich ihr, um einen kleinen Pickel zu sehen, der sie oberhalb des Knies juckte. Dann steckte sie die Hand in den linken Strumpf, wo sie das Geld aufzubewahren gewohnt war, zog die hundert Sous von Pierre heraus und legte sie neben die Kerze. Diesmal öffnete Maurice beide Augen:

?Das ist alles, was du seit acht Uhr verdient hast??

Sie erwiderte:

?Ach ja, geh doch selbst und schau, ob es leicht ist.?

Er drehte sich zur Wand, indem er die Achseln zuckte. Er dachte: ?Zu blöd, ein Weib zu haben, das seine Arbeit nicht versteht.?

Sie legte sich nieder, nachdem sie die Kerze ausgelöscht hatte. Maurice war nicht ganz so unzufrieden, denn er hatte sich eine Kleinigkeit dazu verdient. In der Weinstube hatte ihn sein Freund Paul mit einem jungen Mann erwartet, der auf eine Kartenpartie einging und jeden von ihnen dreißig Sous gewinnen ließ. Noch fehlten drei Tage bis zum Wochenende. Berthe hatte Zeit, die sieben Francs für die Zimmermiete zu verdienen. Sie konnten morgen also sechs Francs fünfzig ausgeben.

Er war nicht müde. Er drehte sich daher zu Berthe um und legte den Arm um ihre Schulter. Sie küßte ihn mitten auf den Mund. Es ist zwischen Mann und Frau gesund und gut, sich eine Viertelstunde vor dem Schlaf zu vergnügen. Sie tat alles, die Wonne mit ihm auszukosten. Alles ging gut. Sie wusch sich nie, wenn es mit ihrem Mann war.

Dann sagte sie:

?Du glaubst, es geht, wie man will. Heute abend wird mehr als eine keine hundert Sous nach Hause bringen. Ich hab einen getroffen, der zuerst nur drei Francs geben wollte, und dann war er mit fünf Francs einverstanden, unter der Bedingung, daß ich eine Stunde bei ihm bin. Mir ist es lieber so. Man schafft sich seine Kundschaft, und dann sind es bessere Leute.?

Maurice antwortete nicht. Sie fuhr fort:

?Oh! ja, ich weiß, du denkst an meine Schwester Blanche, weil sie fünfzehn Francs verdient. Und nachher amüsiert sie sich mit kleinen Jungens und arbeitet drei Tage nicht wieder.?

Maurice antwortete nichts.

?Ich könnte auch solche haben, die vierzig Sous zahlen. Die bieten sich mir genug an. Und dann müßte ich die ganze Nacht herumlaufen wie Blanche, um etwas zusammenzubringen. Ich komme dir jetzt schon zu spät nach Hause.?

Sie hatte ein großes Bedürfnis nach Anerkennung. Die Schwache brauchte einen Halt; die Sanfte brauchte gute Worte. Sie hätte lange geplaudert. Er wußte, daß man sich in Geldsachen immer anspruchsvoll zeigen muß. Die Frauen würden nicht mehr arbeiten, wenn die Männer sie anhören wollten. Er antwortete:

?Laß mich in Ruh! Ich will schlafen.?

Maurice Bélu wurde geboren und lebte im Viertel Plaisance, wo seine Mutter ein kleines Geschäft hatte. Bis zum Alter von sechzehn Jahren war er in der Schule geblieben, weil es besser ist, etwas mehr Unterricht zu genießen, und weil es nicht eilt, die Kinder in die Lehre zu schicken, wo sie schlechte Gewohnheiten annehmen. Er empfing eine sorgfältige Erziehung, verließ die Schule mit einfachem Abgangszeugnis und verkehrte mit Jungen seines Alters, die ihm den Beinamen Bübü gaben. Er lernte Kunsttischlerei bei einem Meister des Faubourg Saint-Antoine. Man nannte ihn dort Maurice. Eines Tages, als er die Werkstatt verließ, rief einer seiner früheren Schulkameraden, der ihn sah: ?Halt, da ist Bübü!? Das ging nun nicht verloren, weil nichts verloren geht. Maurice wurde wieder Bübü.

Er war ein kleiner Kerl, dessen Rumpf kräftig auf strammen Beinen ruhte. Er schlug sich auf die Brust mit den Worten: ?Klein, aber feste!? Und sein Kopf war knochig, und seine beiden eigensinnigen und etwas duckmäuserischen Augen verbargen sich hinter Backenknochen. Er hatte vor allem zwei gewölbte Kiefer, die ihre ganze Anatomie zeigten, wenn sie die Nahrung zermalmten, wobei Knochen und Nerven und Muskeln krachten. Das will nicht besagen, daß er riesigen Appetit hatte, sondern einfach, daß er zuzubeißen verstand.

In der Zeit, da ihn die Mutter aus Furcht vor den schlechten Gewohnheiten, die man in der Lehre annimmt, in die Schule geschickt hatte, machte Bübü eine Reihe von Bekanntschaften. Die einen waren Lehrlinge, die jeden Abend in allen Straßen herumstrichen und lachten. Die andern waren etwas, dem man gern auf der Straße begegnet: die kleinen Mädchen von vierzehn, fünfzehn und sechzehn Jahren. Es sind die Töchter von nicht zu strengen Eltern, die die Jugend in Freiheit erziehen. Sie wünschen sich vielerlei, und die sie erblicken, haben die Kühnheit, ihnen noch mehr anzubieten. Du, Rue de Vanves, und auch ihr, Festungsgräben, ihr habt an schönen mondlosen Abenden Bübü vorüberstreifen sehen. Er lernte die Straße kennen, wie sie für die Herumstreicher ist, mit ihren Schaufenstern, an denen man seine Gewandtheit üben kann, und mit ihren Abenteuern. Er lernte etwas Nützlicheres: er lernte mit Frauen umgehen.

Was eintreffen sollte, traf eines Tages ein, als Bübü, damals neunzehn Jahre alt, die Bekanntschaft eines dicken Mädchens aus der Rue de la Gaîté machte. Da sie nachts arbeitete, mußte Bübü über den Tag frei verfügen, um sich seiner Liebe widmen zu können. Rasch entschlossen, wie Bübü war, teilte er in der Werkstatt mit, daß er die Kunsttischlerei aufgebe, um Möbelpacker zu werden. Er teilte das stolz mit, denn man neckte ihn wegen seines schmächtigen Wuchses, und nun sollte allen bewiesen werden, daß Bübü stark war wie ein Möbelpacker.

Er war mit seinem neuen Beruf, in dem der Tag gut bezahlt wird, man freie Zeit in Überfluß hat und ein anstelliger Mensch sich einen Nebenerwerb schaffen kann, zufrieden. Er kaufte zum Beispiel niemals Schuhe. Seine Kenntnis der Frauen nahm im Verkehr mit der dicken Hortense zu. Seine Mutter billigte nicht immer sein Tun, aber Bübü, dessen Überzeugung stark war, fand feste Worte, die sie abmuckten, und er zeigte ihr zwei- oder dreimal, daß er ein Mann der Tat war und Widerspruch nicht liebte. Er verharrte auf seinem Weg, ließ Hortense im Stich, dann erreichte er seine Volljährigkeit. Wegen eines Fußleidens wurde er vom Militärdienst befreit.

So bereitete sich Maurice Bélu vor. In Wirklichkeit waren seine Zukunftsideen unbestimmt, doch wußte er, daß man Geld und ein Weib braucht. Diese zwei Mächte des gegenwärtigen Lebens bestimmen unser zukünftiges Leben. Er ließ sich eine Summe von fünftausend Francs auszahlen, die ihm vom väterlichen Erbe zukam. Mit dem Weibe versorgte er sich selbst.

 

Der vierzehnte Juli kam. Hochglücklicher Tag, an dem die Weinstuben voll Fahnen sind, an dem die sozialistisch-revolutionären Komitees ihre Siege feiern. Am Abend sind die Tanzsäle mit Lampions umkränzt, die Trompeten tönen kupfern und die Kaffeehaustische bedecken dank besonderer behördlicher Erlaubnis die Straße. Das Volk läßt am Jahrestag der Befreiung seine Töchter in Freiheit tanzen.

Berthe Méténier, kleine Blumenarbeiterin von siebzehn Jahren, schaute in Begleitung Marthes, ihrer älteren Schwester, und Blanches, ihrer jüngeren Schwester, dem Ball in der Rue de Vanves zu. Das schwarze Haar rings um ihr Gesicht gab ihr ein blasses Aussehen, aber ihre Augen lebten voll Sanftmut. Maurice forderte sie zum erstenmal zum Tanz auf, dann tanzten sie ein zweites Mal und darauf ein drittes Mal.

Sie tanzten bewunderungswürdig alle beide, sie waren fast gleich groß, er war sehr wohlerzogen, sie war sehr sanft. Er lud sie ein, etwas zu sich zu nehmen, aber sie lehnte ab, weil sie mit ihren zwei Schwestern da sei. Er ließ sich die ältere Schwester Marthe zeigen und trat auf sie zu, indem er den Hut lüpfte:

?Verzeihung, Fräulein, aber da Sie Mutterpflichten erfüllen, will ich eine Bitte an Sie richten. Wollen Sie mir erlauben, daß ich Ihrem Fräulein Schwester ein Glas Limonade anbiete, und mir das Vergnügen bereiten, auch etwas zu nehmen??

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Marthe wußte, daß man nicht Gefahr läuft, wenn man die Einladung eines wohlerzogenen Mannes annimmt. Man setzte sich, man plauderte. Er war Kunsttischler und konnte täglich sieben bis acht Francs verdienen.

Marthe war Wäscherin und arbeitete in einer Anstalt, wo Blanche in die Lehre ging.

Wie sie ihm sagte, wollte man, daß Blanche für die andern waschen könne. Sie hatten vier Brüder. Zwei sollten sich hier irgendwo herumtreiben.

Ihr Vater war Witwer. Er malte Neubauten aus, litt oft an Bleikoliken und war nicht immer bequem. Man erzählte viele Einzelheiten. Die ausgelassene Blanche war dabei glücklich und lachte, indem sie ihre Himbeerlimonade trank.

Maurice verabredete ein Stelldichein mit Berthe für morgen. Sie kam, konnte aber nicht lange bleiben, aus Angst vor dem Vater.

Sie spazierten plaudernd und küßten sich zweimal in einer dunklen Straße.

Beim zweiten Stelldichein bot ihr Maurice einen Doubléring mit einem rosa Brillanten an.

Beim dritten Stelldichein spazierten sie Arm in Arm, und sie willigte ein, mit ihm in ein Café in der Avenue du Maine zu gehen. Maurice beeilte sich nicht, denn er wünschte keine flüchtigen Liebschaften mehr.

Berthe war wie die jungen Vorstadtmädchen, die schon oft Gelegenheit hatten, sich aber nicht hineinstürzten, weil sich ihnen morgen eine bessere bieten würde. Sie kam zum vierten Stelldichein nicht. Maurice paßte ihr am nächsten Tage auf und forderte von ihr eine Erklärung, klipp und klar. Ihr Vater hatte sie verhindert, auszugehen. Er antwortete:

?Fräulein, Sie haben es mir versprochen. Bei den Beziehungen, die zwischen uns bestehen, haben Sie nicht das Recht gehabt, Ihr Versprechen nicht zu halten. Mich würde keine menschliche Macht verhindern, zu Ihnen zu gehen, wenn ich es zugesagt habe.?

Sie senkte den Kopf mit der hilflosen Miene der süßen armen Kinder, die nichts zu sagen wissen, weil sie fürchten, Kummer zu bereiten.

Die kleine Lerche war schon gefangen.

Maurice schien ein beredter und beherzter junger Kavalier zu sein, wie ihn junge Mädchen ersehnen, und seine aufrichtigen Erklärungen zeugten für die Tiefe seiner Aufrichtigkeit. An manchen Dingen, die er aussprach, und andern, die er nicht aussprach, merkte man, daß er Geheimnis und Abenteuer barg. Auch das war verführerisch. Die sanfte und sich hingebende Berthe gab sich, als Maurice sie bei der Hand faßte, sanft hin. Sie gewöhnten sich daran, einander täglich zu sehen. Er ging unter den Fenstern auf und ab, indem er auf besondre Weise pfiff: fü-o-fi, fü-o-fi. Sie hörte es im tiefsten Herzen wie eine Stimme, die sie schon lang zu hören erhofft hatte. Sie kam hinunter gelaufen.

Der Vater erfuhr schließlich alles:

?Ich kenne ihn. Ein sauberer Tischler! Den ganzen Tag bummelt er im Viertel herum. Ich möchte gern wissen, wann er arbeitet. Mir scheint, es steckt wenig Gutes in ihm.?

Er regte sich nicht weiter auf, denn als Vater von sieben Kindern hatte er viel Unglück gehabt, und er hatte erfahren, daß das Leben stärker ist als unser Wille.

Er wußte, daß die Pariser Mädchen zwischen all den Versuchungen schwanken, und ihre Väter, ihre armen Väter, ihnen nichts bieten können, sie davor zu bewahren. Er wußte, daß wir Pfuscher und Hunde sind, und daß unser Teil nur das Unglück bleibt, in einer Welt, wo das Unglück verflucht ist. Nach dem Unglück kommt noch ein Unglück, und man kann nur knurrend den Kopf senken.

Er dachte:

?Übrigens ist es ihre Sache. Ich habe sie gewarnt. Wenn es ihre Bestimmung ist, kann ich dagegen nichts tun.?

Die kleine Berthe verließ eines Abende das Vaterhaus, um mit Maurice zusammenzuleben. Ihre Schwester Marthe war gerade in andern Umständen. Die gassenbübische Blanche hatte ihrer Herrin hundert Sous gestohlen.

Maurice und Berthe lebten in einem Hotel in der Rue de l?Ouest. Ein Zimmer für dreißig Francs, im dritten Stockwerk auf die Straße, mit blauen Tapeten und zwei Lehnstühlen dünkte sie schön wie eine Wohnung, in der man alle Bequemlichkeiten hat. Berthe blieb weiter in ihrem Beruf als Kunstblumenarbeiterin tätig. Maurice griff seine fünftausend Francs an. Sie brachte jede Woche fünfundzwanzig Francs und Maurice legte Geld genug dazu, daß sie nichts zu entbehren brauchten. Jeden Abend tranken sie ihren Kaffee in der Bar. Darauf gingen sie ins Cafékonzert oder auf den Ball im Moulin de la Vierge oder ins Montparnassetheater. Die Beziehungen und die Gedanken Berthes erweiterten sich. Sie lernte die Freunde Maurices und ihre Frauen kennen. Die Freunde Maurices arbeiteten nicht viel, denn ihre Frauen arbeiteten für sie, und außerdem kannten sie die Welt hinlänglich, um Arbeit nicht nötig zu haben. Sie sah in ihrem täglichen Leben die Zuhälter und die Spitzbuben und verstand, daß sie nicht die Arbeit liebten, weil es sich mehr lohnt, das Vergnügen zu lieben.

Sie blickten auf die vorüberziehenden Menschen und lachten darüber, die Ellbogen auf dem Tisch zu haben, während sie die andern vorüberziehen sahen. Berthe lernte die Geschichte ihrer Freundinnen kennen. Es gab unverhoffte Glücksfälle für die Frauen, wenn sie an einem Abend zwanzig oder fünfundzwanzig Francs verdienten. Am Morgen lachten sie erst recht, zunächst über das Geld, und dann in Gedanken an jene, die für eine Frau zwanzig oder fünfundzwanzig Francs bezahlen. Es gab unverhoffte Glücksfälle für die Männer, wenn ihre Unternehmungen gelangen. Der lange Jules brachte einmal von seiner Expedition einen Ballen schwarzer Seide mit. Die Frauen aller Freunde erhielten ihren Anteil. Berthes Kleid kam ihm schöner vor, weil sie es sich nicht auf dem gewöhnlichen Wege verschafft hatte. Es geschah, daß er darüber auf der Straße lachen mußte, wie zu einem guten Spaß. Der lange Jules mußte acht Monate in der Santé absitzen, wegen Einbruchsdiebstahls. Er kannte die Welt und worauf sie hinausläuft. Er wußte, daß am Ende der Welt sich das Gefängnis befand, und rechnete damit. Er handelte fest nach seinem Willen. Er verstand ein Schloß aufzubrechen und konnte glatt einen Menschen töten. Die Frauen umgaben ihn mit Liebe wie Vögel, die Sonne und Kraft besingen. Er war einer von jenen, die niemand bezwingen kann, denn ihr Leben, außerordentlicher und schöner, schließt die Liebe zur Gefahr in sich.

Berthe sah all dies, als sie vom Vater fortging, alles war von der Liebe für Maurice überglänzt. Der erste Mann der jungen Mädchen von siebzehn Jahren pflegt ihr Schicksal zu sein. Wenn sie den Omnibus bestieg, um zur Arbeit zu fahren, schloß sie die Augen, weil sie ein wenig müde war, und sah im Geiste Maurice mit seinen Freuden. Er sagte zu ihr: ?Ich will von der Tischlerei nichts wissen und nicht mehr Möbelpacker sein?, dann empfand sie, daß er über alle Berufe erhaben war. Er sprach von seiner Mutter, deren Gedanken über zwei Sous für Pfeffer und vier Sous für Kaffee nicht hinausgingen; er sprach so, weil er selbst einen offenen Kopf hatte. Er sagte zu Berthe: ?Wie du bei deinem Vater warst und dich angeödet und für deine Brüder geschuftet hast?, da war sie ihm dankbar dafür, daß er sie befreit hatte.

Nach einem Monat schlug er sie, aber nicht aus Bösartigkeit. Das war so: Maurice, der von entschlossenem Charakter war, teilte die menschlichen Erfahrungen allzu genau ein. Wie Kaiser Karl der Große legte er die Ideen, die ihm nicht gefielen, auf die eine Seite, und die Ideen, die ihm gefielen, auf die andere. Er dachte: ?Hier ist der Irrtum, aber dort ist die Wahrheit.? Wie Kaiser Karl der Große hatte er kein Gefühl für Abstufungen. Er verstand zum Beispiel niemals, daß man sich das Gesicht wusch, ohne sich vorher die Hände zu waschen. Er sagte zu Berthe: ?Du greifst mit schmutzigen Händen in dein Gesicht, das ist eine komische Art, sich zu waschen.?

Einmal bereitete sie ihm Eier auf der Pfanne zu. Sie tat Salz und Pfeffer sofort hinein, nachdem sie die Eier zerbrochen hatte. Maurice wußte, daß sie hineingehören, wenn die Eier schon gebacken sind. Sie sagte mit scharfer Stimme: ?Laß mich doch machen, wie ich?s will.? Maurice, der ein Mann der Tat war, glaubte an die Notwendigkeit körperlicher Züchtigung. Er haute sie durch, in der Überzeugung, daß Hiebe in ihr das Empfinden für Wahrheit festigen würden.

Er schlug sie ein andermal, weil sie ihn geärgert hatte, weil er in Zorn oder weil sie hartnäckig war. Die arme Berthe empfing, sanft wie sie war, diese Strafen unter Tränen. Sie bedauerte, ihren Vater verlassen zu haben. Etwas später sah sie, daß alle Freunde Maurices ihre Frauen auch schlugen, und verstand, daß es auf dieser Welt ein lenkendes Gesetz gibt, das Gesetz des Stärkern. Sie fühlte, was der Ausdruck bedeutet: ?mein Mann?. Ein ?Mann? ist eine Regierung, die uns schlägt, um uns zu zeigen, daß sie der Herr ist, die uns aber im Augenblick der Gefahr zu schützen wüßte.

Maurice glaubte, daß die Intelligenz der Energie entspricht und daß infolgedessen seine Frau nicht intelligent sei, da sie sanft war. Er sagte es niemand. Ganz im Gegenteil, vor den Freunden gefiel er sich darin, Berthe zu manch einem etwas lebhaften Wort zu reizen, um den Anschein zu erwecken, als sei sie schwer zu beherrschen. Man dachte: er ist klein, aber fest. Er liebte sie dennoch sehr. Er liebte sie, weil sie hübsch war. Abends, wenn sie von der Arbeit heimkam, hörte er sie die Treppe hinaufsteigen. Er erkannte ihre eiligen Schrittchen und glaubte zu sehen, wie sie sich ein bißchen hin- und herdrehte, um schneller zu gehen. Er liebte die lächelnden und sanften Augen, die alle seine Wünsche erfüllten. Und die roten, etwas weichen Lippen, die sich fest an die seinen saugten. Und das lange schwarze Haar, und den Scheitel und den Knoten über dem Nacken, der ihr ein Aussehen gab, verschieden von dem anderer. Und ihre besondere Sinnlichkeit, wenn sie ihren Körper gegen den seinen drängte, und wie sie sich schmiegte, damit er sie durchdringen könne. Er liebte an ihr, was sie von all den Frauen unterschied, die er gekannt hatte, weil sie süßer war, weil sie feiner war und weil sie sein Weib war, das er als Jungfrau besessen hatte. Er liebte sie, weil sie wohlerzogen war, weil sie ehrenhaft war und weil man ihr das ansah, und aus all den Gründen, warum die Bürger ihre Frauen lieben. Denn Maurice hatte bürgerliche Begriffe. Nicht ungestraft wird man dreiundzwanzig Jahre, ohne mit dem Strafgesetz in Berührung zu kommen.

 

Die Zeit verging. Zwei Jahre vergingen, und die fünftausend Francs Maurices vergingen auch. Unser Geschick erfüllt sich nicht in einem Tag, wenn unsre fünftausend Francs nach zwei Jahren gemeinsamen Lebens erschöpft sind; es entscheidet sich bei jeder unsrer Gebärden und bei jeder unsrer Zusammenkünfte. Seit langem wußte Berthe, daß die Straßenmädchen ganz einfach das gleiche taten wie die andern Frauen. Maurice hätte sie anders lieber gehabt. Trotzdem fügte er sich und litt nicht viel. Er hatte Sinn für Besitz, aber in der Art der Besitzer, die ihr Gut vermieten. Berthe sträubte sich nicht, als eines Abends Maurice zu ihr sagte: ?Mein Weibchen, wenn dir jemand auf dem Heimweg aus der Werkstatt einen Antrag macht, geh mit, das wird uns immer etwas Geld einbringen.?

Und dann ist der Dämon dabei, der anfangs ein lachendes Gesicht zeigt. In der ersten Zeit verdiente Berthe zehn oder zwanzig Francs nur für ?einen Augenblick?, denn Maurice wollte nicht, daß sie nicht ausschlief. Sie fanden ihren alten Geldüberfluß wieder, der Beruf war nicht hart für sie, die immer gegen zehn Uhr zurückkehrte, und nicht mehr für ihn, der nicht zu lang auf sie zu warten brauchte.

Etwas später gab sie die Werkstatt auf, da sie nicht mehr zehn Stunden arbeiten wollte, um vier Francs zu verdienen. Sie ging jeden Abend gegen acht Uhr aus und schritt über den Boulevard Sebastopol und die großen Boulevards.

So wurde Berthe Méténier Straßenmädchen und Maurice wurde ein Individuum ohne Beschäftigung. Er war intelligent, er lebte in Paris, wo die Vergnügungen den Vorübergehenden anbrüllen; er hatte anfangs gearbeitet, dann hatte er begriffen, daß die Arbeiter, die sich abrackern und leiden, die Dummen sind. Er wurde Zuhälter, weil er in einer Gesellschaft voll Reicher lebte, die stark sind und die Berufe bestimmen. Sie wollen mit ihrem Gelde Frauen haben. Da muß es wohl Zuhälter geben, die sie ihnen verschaffen.

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III

Pierre Hardy fühlte sich am Tage nach der Begegnung mit Berthe ein wenig beruhigt. Die kleine Frau, die er für fünf Francs eine ganze Stunde gehabt hatte, war schmiegsam und gefällig wie die Frauen sein sollen, die man nicht bezahlt. Seit langem hatte er, da er arm war, ein Verhältnis zwischen der Freude und ihrem Preis hergestellt. Er wußte, daß die Frauen begehrlich sind und daß sie im Handumdrehen den Tagesverdienst eines Mannes verzehren. Als Sohn sparsamer Eltern taten ihm, wenn er nicht immer Willensstärke genug hatte, um sich eines Vergnügens zu berauben, wenigstens die Kosten leid. Aber wenn er an den Körper Berthes dachte und an den elektrisierenden Druck ihrer Arme, als sie ineinander aufgegangen, da war diese Erinnerung so gut wie etwas von jener Wollust, die man mit zwanzig Jahren erhofft. Da wir in einer Welt leben, wo die Freuden bezahlt werden, hielt Pierre diese Freude für fünf Francs wert. Er gab ihr ein Stelldichein für die nächste Woche. Achteinhalb Uhr abends an der Ecke des Pont Neuf und des Quai du Louvre.

Pierre war der Erste beim Stelldichein. Er sah sie bald kommen. Sie hatte eine weiße Matrosenmütze auf dem Kopf, und ihr schwarzes Haar mit dem dicken Knoten ließ ihr Antlitz wie etwas Weißes und unerwartet Zartes hervortreten. Pierre empfand eine Art Stolz darüber. Er hätte mit ihr Arm in Arm spazierengehen wollen, damit ihnen ein Freund begegnete.

?Meine liebe kleine Freundin, ich bin glücklich, daß du gekommen bist.?

Sie hatte das Lächeln eines armen Hürchens, jenes Lächeln, das sie für diejenigen haben, die bezahlen. Sie antwortete:

?Wirklich??

Der Abend war mild und bewegt. Längs der Seine war ein wenig Wind, der wie Wasser floß und die Blätter zu haschen schien. Die Schatten, leicht gewiegt über den Fußgängern, sprachen zu den Seelen und liehen ihnen das leichte Wiegen. Man gewann alles lieb, weil es beruhigte. Die Seine, der Himmel und die Wagen glänzten schlicht, und die Linie der Quais schien mit ihren Bäumen eine Allee zu sein, in der man sich ergeht und allein ist.

?Wir wollen einen kleinen Spaziergang machen.?

?Wenn du willst, ich habe keine Eile.?

Sie gingen über den Quai de la Megisserie. Pierre sagte:

?Ich habe dich mit deinen kleinen Schritten kommen sehen. Du bewegst deine Beine unter dem Rock, drehst dich ein wenig hin und her, lächelst und siehst sehr süß aus. Man fühlt, daß du einen guten Charakter hast. Ich würde dich deshalb unter allen Frauen wiedererkennen, und es ist doch zum zweitenmal, daß wir uns sehen. Aber mir ist, als würde ich dich lang kennen.?

?Das ist nett, was du mir da sagst?, erwiderte sie. ?Wir gehen auch lieber mit Leuten, die wir schon gesehen haben.?

Sie schritten Arm in Arm, redeten einander in die Augen blickend, und Pierre dachte sich daß sie wie zwei Liebende aussahen. Dieses zarte und schmiegsame Frauchen glich den Frauen, denen man auf der Straße mit Männern begegnet, die ihre Taille umfangen. Wenn der Abend sinkt und sie gehen draußen, überkommt ein großes Verlangen die Welt. Herr, sende uns solche kleine Frauen wie Berthe, daß wir sie küssen und daß ihre zwanzig Jahre in unsern Küssen sich lösen. Pierre dachte nicht mehr daran, daß dies Vergnügen ihn fünf Francs kosten sollte.


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