Brehms Tierleben. Säugetiere. Band 10: Vielhufer - Flossenfüßler

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Zwölfte Ordnung: Die Vielhufer ( Multungula). Rüsseltiere. Tapire. Nashörner. Flußpferde.

Ein verfallendes Geschlecht, die letzten Stammhalter einer vormals zahlreichen Abteilung der Säugetiere, treten vor uns in den Vielhufern. Sie erscheinen uns als lebende Zeugen früherer Schöpfungsabschnitte, als auf uns überkommene vergangener Erdentage. Die Riesen aus anderen Ordnungen, die neben ihnen in der Vorzeit lebten, sind längst gestrichen aus dem Buche der Lebendigen, nur sie gleichen noch den gewaltigen Geschöpfen, die einstmals unsere Erde bevölkerten. Jetzt stehen sie allein, fast jeder vereinzelt, weit getrennt von den übrigen, die wir mit ihnen zu einer Ordnung rechnen, weil die Verbindungsglieder ausgestorben, die Lücken zwischen ihnen bedeutende geworden sind. Aus diesem Grunde stimmen die Forscher hinsichtlich der Begrenzung der Ordnung nicht miteinander überein; einzelne wenigstens wollen die Zusammengehörigkeit der Vielhufer nicht anerkennen und reihen sie nicht weniger als vier verschiedenen Ordnungen ein, indem sie diese mit den Einhufern, jene mit den Wiederkäuern vereinigen und zwei Familien zu besonderen Ordnungen erheben. Obwohl ich die Gewichtigkeit der hierzu bestimmenden Gründe nicht verkennen oder unterschätzen will, habe ich mich doch nicht entschließen können, dem gegebenen Beispiel zu folgen, es vielmehr für zweckmäßiger erachtet, die dem größeren Teile meiner Leser bekanntere und verständlichere Zusammenfassung der vielhufigen Säugetiere nicht zu zersplittern, zumal ich der neuerlichen, auf die Deutung Owens begründeten Auffassung im nachstehenden Rechnung tragen werde.

Die Vielhufer, gegenwärtig die einzigen Riesen unter den Landsäugetieren, kennzeichnen sich durch plumpen, massigen Leibesbau. Die Glieder sind kurz und dick, die Füße drei- bis fünfzehig; jede Zehe wird von einem besonderen Huf umschlossen. Bei mehreren Arten verlängert sich der Antlitzteil, bei einigen streckt sich die Nase in auffallender Länge als Rüssel hervor. Der Hals ist kurz, vom Leib kaum abgesetzt; der Schwanz erreicht selten das Fersengelenk; die Ohren schwanken in weiten Grenzen; die Augen sind durchschnittlich klein, gleichsam verkümmert. Eine dicke, oft nur mit wenigen, seltener mit dicht stehenden Borsten bedeckte, auf große Stellen hin fast gänzlich kahle Haut umhüllt den Leib; nur eine einzige Familie erinnert hinsichtlich ihrer Bekleidung noch an die pelzbekleideten Vielhufer der Vorwelt. Der innere Leibesbau steht mit der Massenhaftigkeit der Tiere im Einklang. Alle Knochen sind schwer, kurz und massig. Das Gebiß ist sehr verschieden. Gewöhnlich finden sich alle drei Zahnarten; ausnahmsweise aber fehlen wenigstens teilweise die Schneide- oder Eckzähne. Die Backenzähne zeichnen sich durch ihre Falten und Höcker aus. Der Magen ist ziemlich einfach, bei einigen jedoch in zwei Abteilungen geschieden. Der Darmschlauch mißt gewöhnlich die zehnfache Länge des Leibes.

Die Vielhufer bevölkerten unsere Erde zuerst in der Tertiärzeit; der größte Teil aller damals lebenden verschwand aber bereits vor der Diluvialzeit und wurde durch andere Arten und Sippen der Ordnung ersetzt, von denen einige auf unsere Tage herübergekommen sind. Vormals bewohnten sie die ganze Oberfläche der Erde; gegenwärtig leben sie nur in warmen Ländern, zumeist in feuchten, schattigen Wäldern, hauptsächlich in den Urwaldungen unter den Wendekreisen. Sie ähneln sich vielfach, unterscheiden sich aber noch weit mehr, so daß wir jedenfalls wohltun, das Allgemeine so kurz als möglich zu behandeln und dafür alsbald zur ausführlichen Betrachtung der hauptsächlichsten Familien überzugehen.

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Die höchste Stelle unter den Vielhufern gebührt den Rüsseltieren ( Proboscidea). Von den vielen Arten dieser Familie, die unsere Erde bevölkerten, sind nur noch zwei oder vielleicht drei auf unsere Zeiten gekommen; aber gerade sie sind es, die die Jetztwelt so recht ersichtlich mit der Vorwelt verbinden; denn ihrer Familie gehörten die Riesen an, deren wohlerhaltene Leichname das Eis Sibiriens durch Hunderttausende von Jahren uns aufbewahrte. Es erleichtert das Verständnis der Abteilung, wenn wir zunächst einen Blick auf diese ausgestorbenen Arten werfen.

siehe

Mammut ( Elephas primigenius)

Die Grabstätten der ausgestorbenen Rüsseltiere, insbesondere des Mammut ( Elephas primigenius), das ich im Sinne habe, liegen im Lande der Ostjaken, Tungusen, Samojeden und Buräten, in der Nachbarschaft der Flüsse Ob, Jenissei und Lena, zwischen dem 58. Grade nördlicher Breite und dem Eismeere. Beim Auftauen sandiger Strecken geschieht es, daß Haufen ungeheurer Zähne zum Vorschein kommen, zwischen denen Massen von großen Knochen zerstreut liegen. Manchmal sitzen die Zähne noch fest in den Kiefern; ja, man hat solche gefunden, die noch mit Fleisch, mit Haut und Haar umgeben, die noch blutig waren. »Die Einwohner nennen das Tier Mammut und sagen, es sei ungeheuer groß, drei bis vier Meter hoch, habe einen langen und breiten Kopf und Füße wie die des Bären; es lebe und hause unter der Erde, ziehe den gewaltigen Kopf bei seinen unterirdischen Wanderungen bald zurück und strecke ihn bald wieder vor, hierdurch die Wege sich bahnend, die es mit den Zähnen gebrochen; es suche seine Nahrung im Schlamm, müsse aber sterben, wenn es auf Sandboden gerate, weil es aus diesem die Füße nicht mehr herausziehen könne, verende auch, sobald es an die Luft komme.« So schreibt Ides, der auf einer Gesandtschaftsreise nach China im Jahre 1692 von den Knochenlagern sprechen hörte. Pallas gibt Ende des vorigen Jahrhunderts umständliche Berichte von diesen Knochen; den größten Fund aber machte der Reisende Adams am Ausflusse der Lena. Er hatte erfahren, daß man ein Mammut mit Haut und Haar gefunden habe, begab sich deshalb sofort auf die Wanderung, um diese kostbaren Überbleibsel zu retten, verband sich mit dem Häuptling der Tungusen, der das Tier entdeckt hatte, und reiste auf Renntierschlitten an Ort und Stelle. Der Tunguse hatte das Tier eigentlich schon im Jahre 1799 aufgefunden, von der Ausbeutung desselben jedoch abgesehen, weil einige alte Leute erzählten, daß ihre Väter auf derselben Halbinsel einmal ein ähnliches Ungeheuer entdeckt hätten, das das Verderben über die ganze Familie des Entdeckers gebracht habe, indem sie ausgestorben sei. Diese Nachricht erschreckte den Tungusen so, daß er krank wurde; die ungeheuren Stoßzähne des Tieres aber reizten seine Habsucht, und er beschloß, sich derselben zu bemächtigen. Im März 1804 sägte er beide Zähne ab und vertauschte sie gegen Waren von geringem Wert.

Als Adams zwei Jahre später seine Untersuchungsreise ausführte, traf er das Tier zwar noch auf derselben Stelle, aber sehr verstümmelt. Die Jakuten hatten das Fleisch abgerissen und ihre Hunde damit gefüttert; Eisbären, Wölfe, Vielfraße und Füchse von dem Vorweltstiere sich genährt. Nur das Gerippe, mit Ausnahme eines Vorderfußes, war noch vorhanden. In dem mit einer trockenen Haut bedeckten Kopf waren die Augen und das Hirn sowie ein mit borstenartigem Haar bedecktes Ohr noch gut erhalten. An den Füßen konnte man noch die Sohlen erkennen; auch von der Leibeshaut war noch Dreiviertel übrig. Sie erschien dunkelgrau; die Wollhaare auf ihr waren rötlich, die Borsten dazwischen schwarz und dicker als Roßhaare. Die längsten Haare, die Adams sah, standen auf dem Halse und maßen siebzig Zentimeter. Aber auch den übrigen Körper deckte ein dichtes Kleid, ein deutlicher Beweis, daß das Mammut für das Leben in kalten Gegenden ausgerüstet war. Die Stoßzähne dieses vorweltlichen Elefanten sind viel mehr gekrümmt und daher auch weit länger als bei den lebenden; es gibt solche, die Dreiviertel eines Kreises vorstellen; Adams hat einen gesehen, der gegen sieben Meter lang war.

Adams sammelte, was er zusammenbringen konnte. Zehn Leute waren kaum imstande, die abgeschälte Haut von der Stelle zu bringen; die auf dem Boden zusammengelesenen Haare wogen mehr als siebzehn Kilogramm. Dies alles wurde nach Petersburg geschickt, und wenn auch auf dem langen Wege von zwölfhundert Meilen die kostbaren Schätze so litten, daß an der Haut selbst kein Haar mehr zu sehen ist, so steht doch die Tatsache, dank der Untersuchung und Bemühung des wackeren Reisenden, unzweifelhaft fest. Der Fund dieses Tieres hat die Gelehrten Neuerdings hat ein deutscher Forscher, E. W. Pfizenmayer, der um die Auffindung und Erforschung weiterer Mammutreste sich die größten Verdienste erworben hat, seine Erfahrungen und Erlebnisse in einem Buche niedergelegt. »Mammutleichen und Urwaldmenschen in Nordostsibirien«, Leipzig. F. A. Brockhaus. 1926. Unser Mammutbild ist eine auf den Forschungen des genannten Gelehrten beruhende Rekonstruktion und uns in überaus dankenswerter Weise von ihm zur Verfügung gestellt. Herausgeber. naturgemäß lebhaft beschäftigt.

 

Ungefähr um die gleiche Zeit, in der das Mammut auf der Erde lebte, fanden sich auch die Mastodonten oder Zitzentiere ( Mastodon), von denen bereits zehn bis zwölf Arten in Europa, Nord- und Südamerika sowie in Indien ausgegraben wurden. Zumal in Amerika hat man viele Überbleibsel dieser Tiere entdeckt und eine Art, das Ohiotier ( Mastodon giganteus), ziemlich vollständig kennengelernt. Barton erzählt, daß 1761 von Indianern fünf Mammutsgerippe aufgefunden wurden, an deren Köpfen, nach dem Berichte der Entdecker, »lange Nasen mit einem Maul unter denselben sich befanden«, und Kalm gedenkt eines andern Gerippes, an dem man ebenfalls den Rüssel noch unterscheiden konnte. Alle Arten dieser Familie ähnelten unserm Elefanten. Die einen waren kleiner, die andern größer. In der Neuzeit hat man in sehr verschiedenen Gegenden Amerikas ähnliche Knochen entdeckt und somit über die vorzeitliche Verbreitung unserer Ordnung Gewißheit erhalten.

Unsere Elefanten, die einzigen gegenwärtig noch lebenden Vertreter der gleichnamigen Familie ( Elephantina) oder Unterordnung, kennzeichnen der lange, bewegliche Rüssel und die Zähne, namentlich die Stoßzähne, die man als umgebildete Schneidezähne betrachtet. Der Rumpf ist kurz und dick, der Hals sehr kurz, der Kopf rund, durch Höhlen in dem oberen Schädelknochen aufgetrieben; die ziemlich hohen, säulenartigen Beine haben entweder fünf oder vorn vier, hinten drei, bis auf die in einer Reihe nebeneinander liegenden Hufe verbundene Zehen und flache hornartige Sohlen.

Das wichtigste Glied des Elefanten ist der Rüssel, eine Verlängerung der Nase, ausgezeichnet durch seine Beweglichkeit, Empfindlichkeit und vor allem durch den fingerartigen Fortsatz an seinem Ende. Er ist zugleich Geruchs-, Tast- und Greifwerkzeug. Ring- und Längsmuskeln, nach Cuvier etwa vierzigtausend einzelne Bündel, setzen ihn zusammen und befähigen ihn nicht allein zu jeder Wendung, sondern auch zur Streckung und Zusammenziehung. Dem Munde ersetzt er die fehlende Oberlippe, dem Tiere selbst ermöglicht er das Leben. Der Leibesbau erlaubt dem Elefanten nicht, den Kopf bis zur Erde herabzubringen, und es würde dem Dickhäuter deshalb schwer werden, sich zu ernähren, würde nicht jenes sonderbare Werkzeug ihm zur Lippe, zum Finger, zur Hand und zum Arme zugleich. Dieser Rüssel heftet sich an der platten Gesichtsfläche des Schädels, auf den Stirnbeinen, dem Oberkiefer, dem Nasenbein und dem Zwischenkiefer an, ist oben gerundet, unten verflacht, und verdünnt sich allmählich von der Wurzel zur Spitze.

Alle übrigen Glieder und selbst die Sinneswerkzeuge des Elefanten erscheinen weniger beachtenswert. Die Augen sind klein und von blödem, aber gutmütigem Ausdruck, die Ohren dagegen sehr groß, Lederlappen vergleichbar. Die Zehen werden so innig von der allgemeinen Körperhaut umschlossen, daß eine Bewegung unter sich unmöglich ist. Jede einzelne wird von einem zwar kleinen, aber starken, breiten und platten, nagelartigen Hufe bedeckt, der nur eben die Zehenspitze umhüllt. Nicht selten kommt es vor, daß einer der Hufe fehlt, weil er abgestoßen und durch das schnelle Nachwachsen der übrigen vollends verdrängt wurde. Der mittellange, ziemlich gerundete Schwanz reicht bis an das Beugegelenk und endet mit einem aus sehr dichten, groben, drahtähnlichen Borsten bestehenden Büschel.

Sehr merkwürdig ist das Gebiß. Der Elefant trägt im Oberkiefer zwei außerordentlich entwickelte Stoßzähne, aber weder Schneidezähne noch Eckzähne, sondern bloß noch einen einzigen gewaltigen Backenzahn in jedem Kiefer. Dieser Zahn besteht aus einer ziemlich bedeutenden Anzahl einzelner Schmelzplatten, die miteinander verbunden sind. Wenn er sich durch das Kauen so weit abgenutzt hat, daß er nicht mehr vollständig seine Dienste tut, bildet sich hinter ihm ein neuer Zahn, der allmählich weiter nach vorn rückt und vor dem Ausfallen des letzten Stummels in Tätigkeit tritt. Man hat beobachtet, daß dieser Zahnwechsel sechsmal vor sich geht, und darf deshalb von vierundzwanzig Backenzähnen sprechen, die das Tier während seines Lebens besitzt. Die Stoßzähne haben ein ununterbrochenes Wachstum und können daher eine ungeheure Länge, sowie ein Gewicht von fünfundsiebzig bis neunzig Kilogramm erreichen.

siehe

Indischer Elefant ( Elephas indicus)

Der Elefant ( Elephas indicus), den wir als Urbild seiner Sippe, Familie und Unterordnung zu betrachten pflegen, ist ein mächtiges, plumpes, vierschrötiges Tier mit massigem, breitstirnigem Haupte, kurzem Halse, gewaltigem Leibe und säulenartigen Beinen. Sein Kopf, der fast senkrecht gehalten wird, trägt wesentlich dazu bei, den überwältigenden Eindruck, den das riesige Tier auf den Beschauer ausübt, zu erhöhen. Gewaltig in seinen Verhältnissen, erscheint derselbe bei aller Einfachheit der Formen reich gegliedert. Er ist hoch, kurz und breit, seine Gesichtslinie fast gerade, der Scheitel gekrönt durch zwei erhabene, auch nach vorn stark sich herauswölbende Kuppeln, die den höchsten Punkt des Tieres bilden und vorn am Grunde durch eine wulstige Leiste verbunden werden. Letztere setzt sich jederseits in Gestalt eines unter stumpfem Winkel nach den Augenrändern laufenden Grates fort und umschließt dreieckige Vertiefungen, aus denen die Nasenwurzel oder Ansatzstelle des Rüssels deutlich hervortritt. Zwischen den dicken Augenrändern, Jochbeinen, Stirnhügeln und Ohrwurzeln liegen muldenförmige Einsenkungen. Hinter dem Stirnrande, etwas über dem Jochfortsatze des Oberkieferbeines, befindet sich eine von vorn und oben nach hinten und unten gerichtete, etwa fünf Zentimeter lange, schmale, durch ihre flachen Ränder fast geschlossene Drüsenöffnung, aus der zeitweilig, zumal während der Brunst, eine übelriechende, die Backen dunkel färbende Absonderung aussickert. Hoch oben am Kopfe sitzt das mittelgroße, verschoben viereckige, nach unten in eine etwas verlängerte Spitze ausgezogene Ohr, dessen Oberrand vorn und an der Innenseite umgekrempt ist und dessen schlaff herabhängende Spitze sich nach hinten biegt. Das kleine, geschlitzte, sehr bewegliche, jedoch unschöne Auge liegt ziemlich tief in der Höhle, wird durch dicke, mit starken, schwarzen Wimpern besetzte Lider geschützt und von vielen Hautfalten ringförmig umgeben; sein Stern ist sehr klein und rund, die Iris kaffeebraun, der Augapfel dicht um die Iris herum weißlich, übrigens aber kastanienbräunlich gefärbt. Die faltenreichen Winkel des weit gespaltenen Maules, dessen bewegliche, meist jedoch tief herabhängende Unterlippe in einer langen Spitze hervortritt, liegen nicht weit unter und hinter dem Auge, in einer tiefen Grube, die durch die sehr starken Kaumuskeln und die Wurzel der Stoßzähne gebildet wird. Zwischen den Augen, nach oben bis zur Stirn reichend, befindet sich die Ansatzstelle des an der Wurzel halbkugeligen, fast walzenförmigen, weil bis gegen die Spitze hin nur wenig und gleichmäßig an Dicke abnehmenden Rüssels, der ausgestreckt bis auf den Boden herabreicht und daher regelmäßig eingerollt getragen werden muß. Sein vorderer Teil ist drehrund, jede seiner Seiten etwas gedrückt, der hintere Teil, der jederseits durch eine vorspringende Leiste begrenzt wird, im oberen Viertel der Länge flach, im übrigen Verlaufe mehr und mehr ausgehöhlt, vor dem Ende mit einem dicken, hinten knollig aufgetriebenen Wulstringe umgeben, vorn mit dem ausgezeichneten Greifwerkzeuge, einem deutlich abgesetzten, kegeligen, fingerartigen Haken, ausgerüstet und an dem abgestutzten Ende selbst in Gestalt einer becherförmigen Höhlung eingebuchtet, in deren Tiefe die Nasenlöcher liegen. Die vorderen drei Seiten des ungemein dehnbaren und allseitig beweglichen Rüssels sind mit ringförmigen, dicht nebeneinanderliegenden, nach der Spitze zu noch mehr sich zusammendrängenden und verfeinernden Querfalten bedeckt, die in den Seitenleisten endigen, wogegen die hintere Seite seine Längsfalten und Querkerben zeigt. Die gewaltigen Stoßzähne treten mit starker Wölbung aus dem Oberkiefer hervor. Der Hals ist kurz, nach dem Kopfe zu gehoben, von diesem deutlich abgesetzt. Der Widerrist macht sich wenig bemerklich, weil die Rückenlinie vom Halse an gleichmäßig bis zu dem ungefähr in der Rückenmitte gelegenen, wenig hinter dem Kopfe zurückbleibenden höchsten Punkte ansteigt, um von hier aus bis zur Wurzel des Schwanzes steil abzufallen. Die Bauchlinie senkt sich von der Brust, die die beiden Saugwarzen trägt, wenig nach hinten. Der Schwanz ist hoch angesetzt, drehrund und mit Querfalten bedeckt, verjüngt sich wenig nach der Spitze zu und hängt senkrecht bis etwas unter das Knie herab. Die Vorderbeine sind vom Schultergelenk an frei und erscheinen besonders aus dem Grunde merklich höher als die hinteren, weil die Achselhöhlen zwischen dem Oberarm und den Brustknochen erheblich sich eintiefen; ihre von Hautfalten kreisförmig umgebenen Ellenbogen treten stark, die Handgelenke schwach hervor; die an der Vorderfläche sehr eingezogene Mittelhand läßt den fünfhufigen, kissenförmigen, nach allen Seiten verbreiterten, glattsohligen Fuß besonders groß erscheinen. Die Hinterbeine stecken fast bis zu den Knien herab in einer mit den Bauchteilen verbundenen häutigen Umhüllung; ihre Knie sind deutlich bemerkbar, indem sich die Beine unmittelbar unter ihnen auffallend verschwächen und erst dann wieder bis zu der sehr tief sitzenden Ferse stetig verstärken; der Fuß verbreitert sich von hier aus rasch nach vorn und hinten, so daß seine Sohle eirund wird. Die Haut ist in bestimmten Richtungen fein gefaltet, in anderen, die die Falten meist kreuzen, geritzt, weshalb ihre Oberfläche eigentümlich netzartig gerieft erscheint; nur an der Brust verdicken sich diese Falten zu losen, beweglichen, wammenartigen Wülsten. Infolge des gedachten Faltennetzes vermißt man kaum das fast gänzlich fehlende Haarkleid, das eigentlich nur durch sehr einzeln am Körper, etwas dichter rings um die Augen, an den Lippen, am Unterkiefer, auf dem Kinn und dem Hinterrücken stehende Haare angedeutet und einzig und allein an der Schwanzspitze zu einer zweizeiligen dünnen Quaste entwickelt ist. Die einzelnen Haare haben braune oder schwarze, die der Lippen weißliche, die nackten Hautstellen fahlgraue Färbung, die jedoch am Rüssel, Unterhals, der Brust und dem Bauch in Fleischrötlich übergeht und hier durch eine dichte, tropfenartige, dunkle Fleckung gezeichnet wird. Die Hufe sind Hornfarben.

Die Maße des Elefanten werden gewöhnlich überschätzt. Es beträgt bei sehr großen Männchen die Gesamtlänge von der Rüssel- bis zur Schwanzspitze ungefähr 7 Meter, wovon etwa 2,25 Meter auf den Rüssel und 1,4 Meter auf den Schwanz kommen, und die Höhe am Widerrist 3,5 bis höchstens 4 Meter; größere Stücke dürften kaum gefunden werden. Das Gewicht soll zwischen drei- und viertausend Kilogramm schwanken.

Als Vaterland des Elefanten haben wir Vorder- und Hinterindien zu bezeichnen. In vielen Gegenden dieser riesigen Reiche bereits ausgerottet, lebt er innerhalb des angegebenen Verbreitungsgebietes noch in allen größeren und zusammenhängenden Waldungen, im Gebirge wie in der Ebene. Ob die auf Ceylon, Sumatra und Borneo hausenden Elefanten mit denen des Festlandes gleichartig sind, wie man bisher ziemlich allgemein angenommen, oder ob sie in der Tat eine besondere Art ( Elephas sumatranus) bilden, wie der ältere Schlegel, gestützt auf Vergleichungen des Gerippes der festländischen und Inselelefanten, uns versichert, lassen wir einstweilen noch unentschieden.

Dagegen kann es keinem Zweifel unterliegen, daß der Afrika bewohnende Elefant von dem indischen unterschieden werden muß. Derselbe, der Fihl der Araber ( Elephas africanus), amharisch »Zohen«, tigrisch »Harmas«, äthiopisch »Negiê« genannt, von den Denkeli »Decken«, den Somali »Merodeh«, den Gallavölkern »Arbâ«, den Belen »Dsansa«, den Betschuanen »Ylo« und »Dzo« geheißen, fast in jedem andern Lande Afrikas also mit einem besonderen Namen belegt, übertrifft seinen indischen Verwandten wahrscheinlich an Größe, steht jedoch insofern hinter ihm zurück, als er auf den Beschauer bei weitem nicht den majestätischen Eindruck ausübt wie die indische Art. Seine Erscheinung ist unschöner, der Leib kürzer, aber höher gestellt als bei dem Verwandten; auch sein flacher Kopf mit dem dünnen Rüssel und den ungeheuren Ohren, seine ausdruckslos geschwungene Rückenlinie, seine schmale Brust und seine häßlichen Beine bilden eine Vereinigung von Merkmalen, die ihn bestimmt von jenem unterscheiden. Am Kopfe, der nur selten erhoben, sondern meist gesenkt und vorgestreckt wird, tritt, von den Nasenbeinen angefangen, die Stirn zurück, bildet eine nur wenig hervortretende Spitze und fällt über die Scheitelbeine nach dem Hinterhaupt wiederum flach ab. Alle Leisten und Gruben des Kopfes sind verflacht; die Augenränder treten wenig hervor, und das Auge füllt seine Höhle fast gänzlich aus; der Unterkiefer ist verhältnismäßig schwach, und die Kaumuskeln machen sich wenig bemerkbar; der Rüssel setzt sich flach an die Stirn an und verschmächtigt sich, ohne eine kräftige Wurzel zu zeigen, bald unverhältnismäßig. Hierdurch gewinnt die Gesichtslinie ein höchst bezeichnendes Ansehen und eine gewisse Ähnlichkeit mit der eines Raubvogels. Die größte Breite des Kopfes liegt zwischen den Jochbeinen, und Stirn und Unterkiefer treten weit zurück, wogegen bei der indischen Art Schläfe, Jochbeine und Kaumuskeln annähernd dieselbe Breite des Kopfes bedingen. Der Rüssel ist vorn rund, seitlich etwas zusammengedrückt und hinten flach, nicht aber eingemuldet, wird von breiten, nach der Spitze zu dichter stehenden und sich verschmälernden Faltenringen umgeben, von denen jeder untere aus dem oberen hervorgewachsen zu sein scheint, und hat, den Ringen entsprechend, stark geschnürte, in der Mitte jedoch sehr erhabene Randleisten, deren Begrenzungslinie deutlich zackig ist. Die Rüsselmündung ist nur schwach umwulstet. Dem sehr breiten, kaum den Namen verdienenden Finger entspricht ein ähnlicher, vorgezogener Teil des Hinterrandes der Mündung; beide können mit ihren Rändern sich fest aneinanderlegen und den Rüssel so verschließen, daß die sichtbar bleibende Öffnung nur ein quergestellter Schlitz zu sein scheint. Die Nasenscheidewand tritt tief zurück, und die länglichen, aufrechtstehenden Nasenlöcher liegen daher ebenfalls in einer becherförmigen Aushöhlung. Die kurze, rundliche Unterlippe hängt nicht, sondern wird gewöhnlich angezogen. Die Augen sind klein und geschlitzt; die Iris hat hellrötlich gelbbraune Färbung. Hoch oben am Kopfe sitzen auf mächtigen Wurzeln die riesigen Ohren, die nicht allein den ganzen Hinterkopf überdecken, sondern noch über das Schulterblatt wegreichen. Sie haben fünf Ecken, von denen eine, die untere, in eine lange, weit unter die Kehle reichende Spitze ausgezogen ist, und eine zweite vordere obere den Nacken, dem sie aufliegt, überragt und von den entsprechenden des andern Ohres bedeckt wird. Von der ersten Ecke an bis zur dritten, hinter dem Schulterblatt liegenden, ist der Ohrrand nach innen, d. h. der Vorderseite der Ohrmuschel, umgeschlagen, wogegen der übrige Teil des Ohres wie ein Stück steifer, schwachgerollter Pappe oder wie Sohlenleder auf der Schulter liegt. Das ganze Ohr ist ungemein flach, nach hinten, der Schulterform entsprechend, gebogen und zeigt nur dicht vor der Gehöröffnung eine kleine, seichte Mulde zum Auffangen des Schalles; den Gehörgang schützen Knorpel und einige Hautfalten zur Genüge. Vom Kopfe aus erhebt sich der dünne Hals zum Widerrist, der zwischen den Ohren liegt; hinter diesen ist der Rücken sattelartig eingesenkt, steigt aber von der Mitte an ziemlich steil empor, die Schulterhöhe merklich überbietend, und fällt sodann noch steiler nach dem tief angesetzten, senkrecht herabhängenden, bis zu den Kniekehlen reichenden, dünnen und glatten Schwanze ab. Die Brust liegt hoch zwischen den Vorderbeinen, so daß die Linie des gerundeten, vollen Bauches nach hinten zu erheblich sich senkt. Die Vorderbeine, deren Ellenbogen als Spitze etwas hervortreten, verjüngen sich bis zur Mittelhand und gehen sodann, allseitig sich verbreiternd und über die Mittelhand hinausreichend, in die kissenartigen, fast rundsohligen Füße über, die vier Hufe haben. An den Hinterbeinen, deren Oberschenkel bis ans Knie sich verstärken und länglich viereckige Keulen darstellen, sind die Unterschenkel auffallend dünn, verbreitern sich stark nach der Ferse zu und stehen auf eirundsohligen, vorn und hinten vorgezogenen, plumpen Füßen, die drei Hufe haben. Die Falten und Risse der netzartig eingerieften Haut zeigen ein gröberes Gepräge als bei dem indischen Elefanten. Mit Ausnahme eines schwachen Haarkammes auf Hals und Widerrist dünnstehender, bis fünfzehn Zentimeter langer, schwarzbrauner Haare, die von Brust und Bauch herabhängen, und einzelner, die in der Umgebung der Augen und an der Unterlippe sich finden, fehlt die Behaarung gänzlich. Die Färbung der Haut, ein kräftiges Schieferblaugrau, wird durch anhaftenden Schmutz und Staub getrübt und in ein mißfarbenes Fahlbraun umgewandelt.

Bei einem von Kirk in den Sambesiländern erlegten männlichen Fihl betrug die Länge von der Spitze des Rüssels bis zum Scheitel 2,75 Meter, die Länge der gebogenen Linie von hier bis zur Ansatzstelle des Schwanzes 4,2 Meter, die Schwanzlänge 1,3 Meter, die Gesamtlänge also rund 8 Meter, bei 3,14 Meter Schulterhöhe. Und doch hatte jeder Stoßzahn erst ein Gewicht von 15 Kilogramm, das Tier demnach noch keineswegs ein hohes Alter erreicht.

Das Verbreitungsgebiet des Fihl umfaßt noch gegenwärtig ganz Innerafrika, soweit es durch den alljährlich regelmäßig fallenden Regen das Wüstengepräge verloren hat und entweder bewaldet oder doch mit hohen Gräsern bedeckt ist. Ob das Tier jemals in den Atlasländern gelebt hat, wie Wagner zu glauben scheint, dürfte fraglich sein. Im Kapland ist es erst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ausgerottet worden; im Süden wie im Norden Afrikas wird es von Jahr zu Jahr weiter zurückgedrängt, beziehentlich in stetig zunehmenden Gebieten vernichtet; nur im Westen wie im Osten kommt es noch in unmittelbarer Nähe der Küste vor.

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Afrikanischer Elefant ( Elephas africanus) und Indischer Elefant ( E. indicus)

Beide Elefantenarten waren den Alten wohlbekannt und wurden schon in früher Zeit oft lebend nach Europa gebracht. »Die alten Ägypter«, fügt Dümichen hier ein, »kannten nicht bloß die afrikanische Art, sondern auch den Elefanten des fernen Indien und schätzten beide hoch. Die so wertvollen Stoßzähne dieser Riesen der Tierwelt bildeten zu allen Zeiten des ägyptischen Reiches einen Hauptbestandteil des jährlichen Tributs, den die Bewohner »des elenden Kusch« und die noch südlicher wohnenden Neger wie die unter ägyptischer Oberhoheit stehenden Völker Asiens an den Pharao zu entrichten hatten. Auf der die Assuâner Kataraktenlandschaft am nördlichen Ende, nach der ägyptischen Seite hin, abschließenden Insel, heute Gesiret Assuân genannt, erhob sich zur Zeit des alten Ägypten die Metropolis des ersten oberägyptischen Gaues, die, gleich der Insel, auf der sie stand, bei Griechen und Römern den Namen Elephantine führte, was nur eine treue Wiedergabe des Namens ist, den Stadt und Insel bereits im alten Ägypten trugen, des Namens »Elefanteninsel, Elfenbeinstadt«. So wurden Insel und Stadt genannt, weil ehedem an jener Stelle, wie heute in dem gegenüberliegenden Assuân, der Stapelplatz war für das aus dem Süden kommende Elfenbein, das bereits in den ältesten Zeiten des Pharaonenreiches von den in Kunst und Handwerk so geschickten ägyptischen Meistern zu allerlei Schmuckgegenständen und verschiedenen Gerätschaften, die praktischen Zwecken des Lebens dienten, verarbeitet wurde. Der Name des Elefanten wird in der Hieroglyphenschrift durch ein Silbenzeichen gegeben, das die Aussprache »Ab« hatte; je nach dem hinter dieses Wort nun tretenden Bestimmungsbilde bezeichnet »Ab«, außer dem Elefanten selbst, auch die Stoßzähne desselben, das Elfenbein, und ebenso die Insel oder Stadt des Elfenbeins, Elephantine. Zur Bezeichnung der letzteren tritt in den Inschriften zuweilen sogar mit Fortlassung des Silbenzeichens »Ab« nur das Bild des Elefanten auf. In bezug auf die Kenntnis, die die alten Ägypter von dem asiatischen Elefanten hatten, ist von besonderer Wichtigkeit eine von Ebers in einem oberägyptischen Grabe, und zwar in Qurnah, auf der Westseite von Theben, aufgefundene Inschrift. Das Grab stammt, wie aus den darin vorkommenden Königsnamen hervorgeht, aus dem siebzehnten Jahrhundert v. Chr., und der Verstorbene, namens Amenemheb, der die Ehre hatte, den Heldenkönig Thutmosis den Dritten auf seinen asiatischen Kriegszügen zu begleiten, berichtet nur an der Wand seines Grabes über einige hervorragende Erlebnisse aus diesem Feldzuge. So heißt es: »Ich schaute abermals da eine Tat der Vollkommenheit, ausgeführt von dem Herrscher Ägyptens im Lande Ninive, woselbst er auf der Jagd erlegte hundertundzwanzig Elefanten, wegen ihres Elfenbeins.« Über die Liebhaberei der ägyptischen Könige für gefährliche Jagden wird uns in den Inschriften vielfach Bericht erstattet. Wie bei den alten Ägyptern waren auch bei andern Völkern des Altertums der Name des Elefanten und die Bezeichnung des Elfenbeins gleichlautend. Erst Herodot meint unter dem Namen » Elephas« wirklich das Tier. Ktesias, der Leibarzt von Artaxerxes von Nemon, war der erste Grieche, der einen Elefanten nach eigener Anschauung beschrieb. Er sah einen lebenden in Babylon, wohin derselbe aus Indien gekommen sein mochte; er war es auch, der zuerst das Märchen verbreitete, daß der Elefant keine Gelenke in den Beinen habe, weder sich legen noch aufstehen könne und deshalb stehend schlafen müsse. Darius ist geschichtlich der erste, der die Elefanten in der Schlacht, und zwar gegen Alexander den Großen, verwendete. Von den durch letzteren erbeuteten Elefanten bekam Aristoteles einige zu Gesicht und konnte nunmehr das Tier ziemlich genau beschreiben. Von dieser Zeit an kommen die Elefanten oft in der Geschichte vor. Fast dreihundert Jahre nacheinander werden sie selbst in Europa in den endlosen Kriegen verwendet, die die verschiedenen Völker um die Weltherrschaft führen, bis die Römer endlich siegreich aus den Kämpfen hervorgehen. Neben den indischen Elefanten aber wurden auch afrikanische gebraucht, und namentlich die Karthager verstanden es, diese Tiere, die man später für unzähmbar erklären wollte, zum Kriege abzurichten und in derselben Weise zu verwenden wie die indischen.

Die Römer brauchten ihre Elefanten hauptsächlich zu den Kampfspielen, und schon ihnen sollen wir die Schuld zuzuschreiben haben, daß die Tiere im Norden des Atlas ausgerottet wurden. Wie weit die afrikanischen Elefanten abgerichtet wurden, mag daraus hervorgehen, daß die römischen Schauspieler sie gelehrt hatten, Buchstaben mit einem Griffel zu zeichnen, auf einem schräg gespannten Seil auf und ab zu gehen, zu viert auf einer Sänfte einen Fünften zu tragen, der den Kranken vorstellte, nach dem Takt zu tanzen, von einer prächtig besetzten Tafel aus Gold- und Silbergeschirr mit aller Beobachtung der feinen Sitte und des Anstandes zu speisen usw. Soviel Gelegenheit aber auch die Alten hatten, Elefanten im Leben zu beobachten, so wenig zuverlässig sind die Beschreibungen, die auf uns gekommen sind. Sonderbarerweise haben sich gewisse Märchen und Fabeln hartnäckig erhalten, und eigentlich kennen wir erst seit der allerneuesten Zeit die riesigen Dickhäuter wirklich. Gegenwärtig liegt eine Reihe vortrefflicher Beobachtungen über beide Arten vor, und es läßt sich somit ein eingehendes und richtiges Lebensbild der Tiere zeichnen.

In den angegebenen Ländern findet man den Elefanten in jeder größeren Waldung. Je reicher eine solche an Wasser ist, je mehr sie dadurch zum eigentlichen Urwald wird, um so häufiger tritt er auf. Allein man würde sich irren, wenn man glauben wollte, daß er einzig und allein in derartigen Wäldern gefunden werde. Es ist behauptet worden, daß der Riese unter den Säugetieren die Kühle und die Höhe scheue, wogegen gewissenhafte Beobachtungen dies aufs bestimmteste widerlegen. Auf Ceylon sind gerade die hügeligen und bergigen Gegenden seine Lieblingsplätze. »In Uvah,« sagt Tennent, »wo die Hochebenen oft mit Reif überzogen sind, finden sich die Elefanten noch in Höhen von mehr als zweitausend Meter über dem Meere in Herden, während der Jäger in den Dschungeln der Tiefe vergeblich nach ihnen suchen wird. Keine Höhe scheint ihnen zu luftig oder zu frostig zu sein, vorausgesetzt nur, daß sie Wasser im Überfluß enthalte. Der gewöhnlichen Meinung entgegen, meidet der Elefant das Sonnenlicht soviel als möglich und bringt deshalb den Tag in den dichtesten Gehegen des Waldes zu, während er gerade die kühle, dunkle Nacht zu seinen Ausflügen erwählt. Er ist, wie fast alle Dickhäuter, mehr Nacht- als Tagtier; denn obgleich er bei Tage ab und zu weidet, bildet doch die stille, ruhige Nacht die eigentliche Zeit, in der er sich des Lebens freut. Wenn der Wanderer zufällig oder der Jäger auf vorsichtigem Schleichgange bei Tage einer Herde nahe kommt, sieht er sie in der größten Ruhe und Gemütlichkeit beieinander stehen. Ihre ganze Erscheinung ist geeignet, alle die Erzählungen von ihrer Bosheit, Wildheit und Rachsucht zu widerlegen. Im Schatten des Waldes hat die Herde sich in den verschiedenartigsten Stellungen gelagert und aufgestellt. Einige brechen mit dem Rüssel Blätter und Zweige von den Bäumen, andere fächeln sich mit Blättern, die sie abbrechen, und einige liegen und schlafen, während die Jungen spiellustig unter der Herde umherlaufen; das anmutigste Bild der Unschuld, wie die Alten das der Friedfertigkeit und des Ernstes sind. Dabei bemerkt man, daß jeder Elefant, wie die zahmen auch tun, sich in einer sonderbaren Bewegung befindet. Einige wiegen ihr Haupt einförmig in einem Kreis oder in Bogen von der rechten zur linken Seite, andere schwingen einen ihrer Füße vor- und rückwärts, andere schlagen ihre Ohren an das Haupt oder bewegen sie hin und her, andere heben oder senken in gleichen Zeiträumen ihre Vorderbeine auf und nieder. Mehrere Reisebeschreiber haben geglaubt, daß die sonderbaren Bewegungen, die man auch alle an den Gefangenen beobachten kann, nur eine Folge von der langen Seereise wären; sie haben aber niemals Elefanten in der Wildnis gesehen. Sobald eine Herde von Menschen überrascht wird oder sie auch nur wittert, entflieht die ganze Gesellschaft furchtsam in die Tiefe des Waldes, und zwar gewöhnlich auf einem der von ihr gebahnten Pfade.«

Für den Fihl gilt hinsichtlich des Aufenthaltes wie beziehentlich des Auftretens dasselbe. In den Bogosländern habe ich die Losung der Elefanten noch in Höhen von zweitausend Meter unbedingter Höhe gefunden und von den Eingeborenen erfahren, daß in den benachbarten Hamasén die Tiere regelmäßig auf den höchsten Bergen, also bis zu dreitausend Meter über dem Meer, vorkommen. Van der Decken fand bei seiner Besteigung des Kilimandscharo noch in einer Höhe von fast dreitausend Meter über dem Meere Spuren unserer Dickhäuter.

Weder im Hoch- oder Mittelgebirge noch in der Ebene hält der Elefant unter allen Umständen am Walde fest, ändert vielmehr seinen Aufenthalt nicht allein entsprechend der Örtlichkeit, sondern auch gemäß der obwaltenden Umstände. So begegnet man dem Fihl in einem großen, vielleicht im größten Teil Afrikas monatelang nur in der freien Steppe, vorausgesetzt, daß hier Bäume wenigstens nicht gänzlich fehlen, oder aber trifft ihn in Sümpfen an, deren Röhricht die höchste Pflanze der Umgegend ist. Eine Bedingung muß der von ihm gewählte Aufenthaltsort stets erfüllen: an Wasser darf es nicht fehlen. Von einem Regenstrom zum andern, von diesem Sumpf oder Pfuhl zum nächsten führen die Wechsel, und jede Lache unterwegs bildet einen Ort der Ruhe, der Erquickung, weil sie stets benutzt wird, die Haut durch Bäder oder wenigstens durch Überspritzen zu nässen, zu säubern und von Kerbtieren zu reinigen. »Nicht nur vormittags und mit Einbruch der Dunkelheit«, sagt Heuglin, »am lichten Nachmittag selbst haben wir in einzeln gelegenen Plätzen Elefanten angetroffen, die dort, oft tief im Wasser stehend oder sogar liegend, beschäftigt waren, letzteres trübe und kotig zu machen und sich damit anzuspritzen.«

So häufig die Elefanten im Innern Afrikas auch sind, so schwierig ist es zuweilen, ihren augenblicklichen Aufenthalt ausfindig zu machen, da sie ein sehr unstetes Leben führen. In hellen Mondscheinnächten hört man, wie der letztgenannte Berichterstatter ebenfalls bemerkt, einen Trupp scheinbar in nächster Nähe, muß aber schon vor Tagesgrauen zur Stelle sein, wenn man ihn noch antreffen will, weil die Tiere, nachdem sie sich gesättigt haben, in der Regel einen andern Teil ihres Gebietes aufsuchen und so rasch sich bewegen, daß sie heute hier, morgen zweihundert Kilometer weiter sein können. Bei solchen Ortsveränderungen folgen sie regelmäßig bestimmten Wechseln oder bahnen sich neue, gleichviel ob sie ihren Weg durch Wälder oder Sümpfe, über steile Höhen oder durch enge Schluchten nehmen müssen. Bodenhindernisse scheint es für sie überhaupt nicht zu geben; sie durchschwimmen, wie Heuglin treffend schildert, Ströme und Seen, arbeiten sich ohne Mühe durch den dicksten Urwald, an steilen, steinigen und felsigen Höhen hinan, auf festem Boden oft förmliche Straßen herstellend, weil sie bei ihren Zügen nicht allein geschlossene Gesellschaften bilden, sondern sich auch in lange Reihen zu ordnen pflegen, die dann verhältnismäßig schmale Wechsel hinterlassen. Solche Straßen bemerkte ich in allen dichteren Waldungen Innerafrikas, die noch von ihnen bewohnt werden. Die Wege laufen gewöhnlich von der Höhe zum Wasser herab; doch findet man auch Pfade, die die übrigen durchkreuzen. In allen größeren Urwaldungen zu beiden Seiten des oberen Blauen Nils konnte ich nur auf diesen Wegen in den Urwald eindringen; dort waren die Elefanten geradezu als Straßenbauer anzusehen. Das leitende Mitglied einer Herde geht ruhig durch den Wald, unbekümmert um das Unterholz, das es unter seinen breiten Füßen zusammentritt, unbekümmert auch um die Äste, die von stärkeren Bäumen herabhängen; denn diese werden einfach mit dem Rüssel abgebrochen und bis auf die stärkeren Teile verspeist. Auf freien, sandigen oder auch staubigen Flächen des Waldes scheint die Elefantenherde gewöhnlich Rast zu halten und ein Staubbad zu nehmen, wie die Hühner es tun. Ich beobachtete an solchen Orten tiefe, der Größe des Elefanten entsprechende Kessel, die wahrscheinlich mit Hilfe der Stoßzähne ausgewühlt worden waren und deutlich zeigten, daß die gewaltigen Tiere sich hier gepaddelt hatten. In der freien Steppe dürften sie, laut Schweinfurth, mit Vorliebe die schmalen Wege begehen, die der Mensch im Hochgrase gebahnt hat, obgleich sie kaum zur Aufnahme eines Vierteils ihrer Körperbreite ausreichen; im Gebirge dagegen legen sie sich, ebenso wie im Walde, Pfade an, und zwar mit einer Klugheit, die selbst menschliche Straßenbauer in Erstaunen setzt. Tennent erfuhr von englischen Baumeistern, daß die Elefanten, wenn sie Gebirge überschreiten, stets die günstigsten und tiefsten Sättel auszuwählen und alle Regeln zur Überwindung bedeutender Steilungen aufs geschickteste zu benutzen verstehen. Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß solche Wege selbst über Gebirge verlaufen, in denen gewöhnliche Pferde unbesiegbare Hindernisse finden würden. Genau das gleiche gilt für die Bogosländer. Hier haben die Elefanten immer die günstigsten Pässe des Gebirges, die weit und breit zu finden sind, zu ihren Wegen sich ausgesucht und diese mit wunderbarer Klugheit benutzt. Im Mensagebirge durchkreuzen die Elefantenwege nur da das Haupttal, wo von beiden Seiten her Quertäler einmünden, steigen von jenem aus in diesen so hoch als möglich aufwärts und erheben sich dann im Zickzack vollends bis zum Kamm, von wo aus der Weg in umgekehrter Weise nach unten führt.

Der Elefant ist nur scheinbar plump, in Wirklichkeit sehr geschickt. Für gewöhnlich geht er einen ruhigen, gleichmäßigen Paß, wie das Kamel und die Giraffe; dieser ruhige Gang aber kann so beschleunigt werden, daß ein Reiter Mühe hat, dem trabenden Elefanten nachzukommen. Anderseits versteht dieser es, so leise durch den Wald zu schleichen, daß man ihn kaum noch gehen hört. »Anfangs«, sagt Tennent, »stürzt eine wilde Herde mit lautem Geräusch durch das Unterholz; bald aber sinkt der Lärm zur vollständigen Geräuschlosigkeit herab, so daß ein Neuling glauben muß, die flüchtenden Riesen hätten nur wenige Schritte getan und sich dann ruhig wieder aufgestellt.« Beim Überschreiten sehr bedeutender Steilungen wird der Elefant geradezu zum kletternden Tier. An einem Gefangenen, den ich pflegte, habe ich mit wahrem Vergnügen gesehen, wie geschickt er es anfängt, schroffe Gehänge zu überwinden. Er biegt zunächst sehr klug seine Vorderläufe in den Handgelenken ein, erniedrigt also den Vorderleib und bringt den Schwerpunkt nach vorn, dann rutscht er auf den eingeknickten Beinen vorwärts, während er hinten mit gerade ausgestreckten Beinen geht. Bergauf also fördert die Wanderung noch ziemlich gut, bergab dagegen hat das schwere Tier selbstverständlich wegen seines ungeheuren Gewichts größere Schwierigkeiten zu überwinden. Wollte der Elefant in seiner gewöhnlichen Weise fortgehen, so würde er unbedingt das Gleichgewicht verlieren, nach vorn sich überschlagen und solchen Sturz vielleicht mit seinem Leben bezahlen. Das kluge Tier tut dies jedoch nicht, kniet vielmehr am Rande des Abhangs nieder, so daß seine Brust auf den Boden zu liegen kommt, und schiebt nun seine Vorderbeine höchst bedächtig vor sich her, bis sie irgendwo wieder Halt gewonnen haben, zieht hierauf die Hinterbeine nach und gelangt so, gleitend und rutschend, nach und nach in die Tiefe hinab. Zuweilen kommt es übrigens doch vor, daß der Elefant auf seinen nächtlichen Wanderungen einen schweren Fall tut. Im oberen Mensatale sah ich hiervon unverkennbare Spuren. Eine starke Herde war beim Übergang des Haupttales längs einer Bergwand hingegangen und dabei auf einen schmalen Weg geraten, den das Regenwasser hier und da unterwaschen hatte. Ein teilweise überragender Stein war von einem Elefanten betreten und dadurch zur Tiefe herabgestürzt worden, hatte aber auch zugleich das schwere Tier aus dem Gleichgewicht gebracht und nach sich gezogen. Dieses mußte einen gewaltigen Purzelbaum geschossen haben; denn Gras und Büsche waren in einer Breite, die der Länge eines Elefanten etwa entsprach, auf mindestens sechzehn Meter nach unten niedergebrochen und teilweise ausgerissen. Ein stärkeres und dichteres Gebüsch hatte den Rollenden endlich aufgehalten; denn von dort aus führte die Fährte wieder zum Hauptwege empor. Einige Kreuzschmerzen mochte das gute Tier wohl davon getragen haben, ernstlichen Schaden aber hatte es nicht erlitten.

Der alte Glaube, daß der Elefant sich nicht niederlegen könne, wird von jedem, den wir in Tierschaubuden sehen, aufs gründlichste widerlegt. Allerdings schläft unser Dickhäuter nicht immer im Liegen, sondern oft auch im Stehen; wenn er es sich aber bequem machen will, läßt er sich mit derselben Leichtigkeit, mit der er sich anderweitig bewegt, nieder oder erhebt sich vom Lager. Nicht minder leicht schwimmt der ungeschlachte Gesell, er wirft sich daher mit wahrer Wollust in das Wasser und versenkt sich nach Belieben in die Tiefe desselben. Falls es ihm gefällt, schwimmt er in gerader Richtung über die breitesten Ströme, und manchmal lagert er sich förmlich unter Wasser, wobei er dann einzig und allein die Spitze seines Rüssels über die Oberfläche emporstreckt.

Die wunderbarsten Bewegungen, deren der Elefant überhaupt fähig ist, führt er mit seinem Rüssel aus. Dieses vorzügliche Werkzeug erscheint ebenso ausgezeichnet wegen seiner gewaltigen Kraft als wegen der Mannigfaltigkeit der Biegungen und Drehungen, deren es fähig ist, oder der Geschicklichkeit, mit der es etwas angreifen kann. Mit dem fingerartigen Fortsatze am Ende erfaßt der Elefant die kleinsten Dinge, leichte Silbermünzen oder Papierschnitzel zum Beispiel, mit ihm bricht er aber auch starke Bäume um. Man kann wohl sagen, daß der Rüssel zu jeder Arbeit und in jeder Richtung verwendet werden kann; denn es würde geradezu unmöglich sein, alles aufzuzählen, was das Tier mit seiner langen Nase auszuführen imstande ist.

Nächst dem Rüssel benutzt der Elefant auch die Zähne zu mancherlei Arbeiten. Er hebt mit ihnen Lasten auf, wälzt Steine um, wühlt Löcher und gebraucht sie endlich wohl auch als Waffen zur Abwehr oder zum Angriff, schont sie übrigens soviel als möglich, denn in ihnen liegt seine wahre Stärke nicht! Mercer sandte an Tennent die Spitze eines Elefantenzahns von zwölf Zentimeter im Durchmesser und zwölf Kilogramm Gewicht, die im Kampf von einem andern Elefanten abgeschlagen worden war. Eingeborene hatten ein eigentümliches Geräusch gehört, waren dem Schalle nachgegangen und an zwei kämpfende Elefanten gekommen, einen Zahntragenden und ein Weibchen ohne Zahn, das jenem mit einem Rüsselschlage den halben Zahn abbrach.

Alle höheren Fähigkeiten des Elefanten stehen im Einklang mit den bereits erwähnten Begabungen. Das Gesicht scheint nicht besonders entwickelt zu sein; wenigstens hegen alle Jäger die Meinung, daß das Gesichtsfeld des Tieres ein sehr beschränktes ist. Um so besser aber sind Geruch und Gehör ausgebildet, und Geschmack und Gefühl, wie man an Gefangenen sich leicht überzeugen kann, wenigstens verhältnismäßig sein. Von dem scharfen Gehör des Tieres wissen alle Jäger zu berichten. Der geringste Laut ist hinreichend, um einen Elefanten aufmerksam zu machen; das Brechen eines kleinen Zweiges genügt, um seine Behaglichkeit zu unterbrechen. Der Geruch ist fast ebenso scharf wie bei den Wiederkäuern; jeder geübte Jäger vermeidet es sorgfältig, weidenden Elefanten mit dem Winde sich zu nähern. Im Rüssel hat auch der Tastsinn seinen bevorzugten Sitz, und zumal der fingerförmige Fortsatz an der Spitze desselben wetteifert an Feinheit der Empfindung mit dem geübten Finger eines Blinden.

Die geistigen Fähigkeiten der Elefanten werden von allen, die mit den Tieren zu tun haben, in ihrem vollen Wert anerkannt. Scharfer, überlegender Verstand läßt sich nicht verkennen. Der Blick verrät allerdings wenig von hervorragenden geistigen Eigenschaften, wohl aber nur deshalb, weil das verhältnismäßig kleine Auge der gewaltigen Leibesmasse gegenüber kaum zur Geltung kommt. Jede Beobachtung lehrt bald erkennen, welch ein ausgezeichnet kluges Geschöpf man in dem Elefanten vor sich hat. Wie Heuglin mitteilt, erkennen alle Neger den hohen Verstand des Tieres willig an und schätzen ihn so hoch, daß sie den Glauben hegen, ursprünglich von diesem Riesen abzustammen, ebenso, wie viele Muselmanen des Sudan in ihm den Urvater des Menschengeschlechtes erblicken wollen und aus diesem Grunde sein Fleisch nicht genießen. Im Umgang mit dem Menschen entwickelt sich der Verstand unseres Dickhäuters zuletzt zu einer wahrhaft bewunderungswürdigen Höhe. Der Elefant steht den klügsten Säugetieren, einem Affen, Hunde oder Pferde, ziemlich gleich. Er überlegt, bevor er handelt, verbessert und vervollkommnet sich mehr und mehr, ist für Lehre empfänglicher als jedes andere Tier und erwirbt sich mit der Zeit einen wahren Schatz von Kenntnissen. Für diese Behauptung ließen sich aus den vielen Geschichten, die von Elefanten erzählt wurden, die nötigen Beweise leicht finden. Zwei Belege mögen genügen. Raxava, ein Kaffeepflanzer, erzählte Tennent, daß er mehr als einmal beobachtet habe, wie die wilden Elefanten bei Gewittern plötzlich die Wälder verließen und sich fern von allen Bäumen auf freie Wiesenflächen lagerten, solange die Blitze leuchteten und der Donner noch rollte! Diese einzige Angabe spricht besser als die ausführlichste Geschichte für einen sehr scharfen Verstand; sie zeigt uns den Elefanten, wie er sich benimmt, wenn er einzig und allein auf sich selbst angewiesen ist. In der Gefangenschaft, im Umgang mit dem Menschen, tritt die hohe Begabung des Tieres noch schärfer hervor. »Eines Abends«, sagt Tennent, »ritt ich in der Nähe von Kandy durch den Wald. Plötzlich stutzte mein Pferd über ein Geräusch, das aus dem ziemlich dichten Wald herübertönte und in einer Wiederholung von dumpfen, wie » urmf, urmf« klingenden Lauten bestand. Dieses Geräusch erklärte sich beim Näherkommen. Es rührte von einem zahmen Elefanten her, der eben mit harter Arbeit beschäftigt und ganz auf sich selbst angewiesen, d. h. ohne Führer war. Er bemühte sich nach Kräften, einen schweren Balken, den er über seine Zähne gelegt hatte und wegen des engen Weges nicht gut fortbringen konnte, wegzutragen. Die Enge des Pfades zwang ihn, um überhaupt durchzukommen, sein Haupt beständig bald nach dieser, bald nach jener Seite zu kehren, und diese Anstrengung erpreßte ihm die beschriebenen mißwilligen Töne. Als das kluge Tier uns erblickte, erhob es sein Haupt, besah uns einen Augenblick, warf plötzlich den Balken weg und schob sich rückwärts gegen das Unterholz, um uns den Weg frei zu machen. Mein Pferd zögerte. Der Elefant bemerkte dies, drückte sich noch tiefer in das Dickicht und wiederholte sein »Urmf«, aber entschieden in viel milderem Tone, offenbar in der Absicht, uns zu ermutigen. Noch zitterte mein Pferd. Ich war viel zu neugierig auf das Beginnen der beiden klugen Geschöpfe, als daß ich mich eingemengt hätte. Der Elefant wich weiter und weiter zurück und wartete ungeduldig auf unseren Vorüberzug. Endlich betrat mein Pferd den Weg, zitternd vor Furcht. Wir kamen vorüber, und augenblicklich trat der Elefant aus dem Dickicht hervor, erhob seine Last von neuem und setzte seinen mühseligen Weg fort wie vorher.«

Der wildlebende Elefant bekundet mehr Einfalt als Klugheit. Seine Geistesfähigkeiten erheben sich kaum zur List, weil die reiche Natur, die ihn umgibt und ernährt, ihn der Notwendigkeit überhebt, seinen Verstand anzustrengen. Anfänglich will es dem Beobachter scheinen, als wäre er das stumpfsinnigste aller Geschöpfe. Das Gemessene und die Bedachtsamkeit seines Auftretens, die Ruhe und Harmlosigkeit seines Wesens werden verkannt oder unterschätzt, und erst, wenn üble Erfahrungen ihn mißtrauisch gemacht haben, Gefahr und Not, die ihm bisher fremd waren, durch den Menschen über ihn verhängt wurden, offenbart er seine herrlichen Geistesgaben. Es ist falsch, wenn von ihm behauptet wird, daß er ein reizbares Tier sei. Sein Wesen ist mild und ruhig. Er lebt mit jedem Geschöpf in Freundschaft und Frieden. Ungereizt greift er niemals an, weicht im Gegenteil allen Tieren, selbst kleinen, ängstlich aus. »Der ärgste Feind des Elefanten«, sagt Tennent, »ist ? die Fliege.« »Eine Maus«, behauptet Cuvier, »entsetzt den zahmen Elefanten, daß er zittert.« Alle die so schön ausgedachten Erzählungen von Kämpfen zwischen Elefant und Nashorn oder Elefant, Löwe und Tiger müssen unerbittlich in das Reich der Fabeln geworfen werden. Jedes Raubtier hütet sich, den Elefanten anzugreifen, und dieser gibt keinem Geschöpf Veranlassung zum Zorn oder zur Rachsucht. Einzelne Tiere, namentlich einzelne Vögel, leben in besonderer Freundschaft mit ihm. Im Innern Afrikas folgt seinen Herden regelmäßig ein Wildschwein nach, im Süden des Erdteils begleiten jene die Madenhacker, in Nordostafrika die kleinen Kuhreiher, in Indien ähnliche gutmütige Vögel, die das große Säugetier beständig von Ungeziefer zu reinigen suchen. Insbesondere der Kuhreiher gehört wesentlich zum Bilde des afrikanischen Elefanten. Schwerlich kann man sich einen hübscheren Anblick denken als einen der gewaltigen, dunklen, ruhig dahinschreitenden Riesen, auf dem ein ganzes Dutzend der anmutigen, blendend weißen Vögel sitzt oder umherwandelt, der eine ruhend, der andere sich putzend, der dritte alle Falten der Haut untersuchend und hier und dort jagend, ein Kerbtier oder einen Egel, den sich der Dickhäuter bei seinem nächtlichen Bade geholt, aufnehmend. Ebenso verträglich und friedlich würde der Elefant auch mit dem Menschen leben, verdiente dieser das Vertrauen des edlen Geschöpfes. Noch heutigestags geschieht es, wie Heuglin angibt, im Innern Afrikas, zumal in Gegenden, wo Elefanten wenig Verfolgung erleiden, daß diese einen Menschen, der sich zufällig mitten unter ihnen befindet, kaum zu beachten scheinen, und ebenso trifft man, nach Kirks Versicherung, in Südafrika zuweilen auf zahlreiche Herden, die bei Annäherung des Menschen nicht entfliehen; die Erfahrung eines Tages aber genügt, um sie für immer mißtrauisch zu machen. Ängstlich meiden sie dann die Nähe des Erzfeindes aller Tiere und seine Niederlassungen, ja sogar die nur zeitweilig von ihm begangenen Pfade, und wandern deshalb Gegenden zu, die ihnen Sicherheit, Frieden und Ruhe gewähren. »Bei dem hohen Alter, das sie erreichen,« meint Schweinfurth, »mag es wohl kein bejahrtes Stück mehr geben, das nicht öfter in seinem Leben von Menschen angegriffen wurde.« Solche Erfahrungen lassen die ängstliche Scheu der Tiere begreiflich erscheinen und erklären es, daß der Elefant sofort flüchtet, wenn er die Nähe seines furchtbaren Feindes auch nur ahnt. Wittert einer Unrat, so hebt er, laut Heuglin, den Rüssel hoch, windet und legt, indem er den Kopf seitlich umbiegt oder hoch ausrichtet, ein Ohr zurück, um sich genau zu überzeugen, woher Gefahr naht, stößt, sobald er diese erkannt, einen Warnungslaut aus und gibt damit das Zeichen zur Flucht, auf der alle Glieder des Rudels ihm folgen.

Jede Elefantenherde ist eine große Familie und umgekehrt, jede Familie bildet ihre eigene Herde. Die Anzahl solcher Gesellschaft kann sehr verschieden sein; denn die Herde kann von zehn, fünfzehn, zwanzig Stück anwachsen bis auf Hunderte. Anderson sah am Ngamisee eine Herde, die fünfzig, Barth am Tschad eine solche von sechsundneunzig, Wahlberg im Kafferland eine andere von zweihundert Stück. Einzelne Reisende sprechen von vier- und fünf-, ja sogar achthundert Elefanten, die sie zusammen gesehen haben. So versichert Heuglin, einem Trupp begegnet zu sein, dessen Anzahl seiner Schätzung nach mindestens auf fünfhundert zu veranschlagen war, und ebenso behauptet Kirk, am Sambesi einmal eine Herde von achthundert Stück angetroffen zu haben, die in einer indianischen Reihe sich bewegte und einen über eine englische Meile langen Zug bildete. In den von mir durchreisten Ländern zählen die Herden zehn, zwanzig bis höchstens fünfzig Stück.

Die Familie bildet einen geschlossenen Verband unter sich. Kein anderer Elefant findet Zutritt, und derjenige, der so unglücklich war, durch irgendwelchen Zufall von einer Herde getrennt zu werden, vielleicht übrigzubleiben oder aus der Gefangenschaft zu entfliehen, ist gezwungen, ein Einsiedlerleben zu führen. Er mag weiden in der Nähe der Herde, dieselben Trink- und Badeplätze besuchen, der Familie nachziehen, wohin sie will; immer muß er in einer gewissen Entfernung sich halten, und niemals wird er in den eigentlichen Familienkreis aufgenommen. Wagt er sich einzudrängen, so gibt es Schläge und Stöße von allen Seiten; selbst das harmloseste Elefantenweibchen schlägt mit seinem Rüssel auf ihn los. Solche Elefanten werden von den Indern Gundâs oder, falls sie sich bösartig zeigen, Rogues genannt. Sie sind vorzugsweise gefürchtet. Während die Herde ruhig und still ihres Weges geht, dem Menschen immer ausweicht und nur im äußersten Notfall an ihm sich vergreift, während sie sogar sein Besitztum achtet, kennen die Rogues derartige Rücksichten nicht; das einsame, unnatürliche Leben hat sie erbittert und wütend gemacht. Auf sie werden in Indien besondere Jagden angestellt, und niemand hat mit einem Rogues Mitleid; man mag ihn nicht einmal in der Gefangenschaft haben. Die Indier, die wir unbedingt als die größten Elefantenkenner betrachten müssen, versichern, daß jede Familie durch ihre Ähnlichkeit sich auszeichnet, und die Engländer bestätigen, daß einzelne Hindus Familienangehörige einer Herde mit aller Sicherheit erkennen, die Familie mag zerstreut sein, wie sie will. »In einer Herde von einundzwanzig Elefanten«, sagt Tennent, »die 1844 gefangen wurden, zeigten die Rüssel von allen dieselbe eigentümliche Gestaltung, denn sie waren lang und von derselben Dicke, anstatt sich nach der Spitze hin zu verdünnen. In einer andern Herde von fünfunddreißig Stück zeigten alle dieselbe Stellung der Augen, dieselbe Wölbung des Rückens, dieselbe Bildung des Vorderkopfes.« Die Indier wissen, daß die Anzahl einer Herde, abgesehen von der natürlichen Vermehrung, immer gleich bleibt, wenn nicht besondere Unglücksfälle sie heimsuchen, und Jäger, die den edlen Tieren nachstellten, haben Jahre hindurch stets nur so viele von der Herde gefunden, als ihren tödlichen Geschossen entronnen waren. In allen Herden überwiegen die Weibchen; in manchen gibt es gar keine männlichen Elefanten, wahrscheinlich, weil sie der größeren Zähne wegen den Nachstellungen bereits zum Opfer gefallen waren. Durchschnittlich kann man annehmen, daß auf einen männlichen sechs bis acht weibliche Elefanten kommen.

Inwieweit diese Angaben auch für den afrikanischen Elefanten gelten dürfen, lasse ich unentschieden. Kirk und Heuglin melden übereinstimmend, daß die männlichen und weiblichen Tiere besondere Rudel bilden, die sich nur während der Paarzeit gesellen, und daß man auch in Afrika Einsiedler bemerkt, deren Wesen nie zu trauen ist, weil sie gelegentlich, ohne herausgefordert zu sein, einen Menschen angreifen sollen.

Der klügste Elefant pflegt der Herde vorzustehen. Sein Amt ist, die Herde zu führen, auf alle Gefahren zu achten, die Gegend zu untersuchen, kurz, für die Sicherheit derselben Sorge zu tragen. Alle wilden Elefanten sind, wie bemerkt, im höchsten Grade scheu und vorsichtig; der Leitelefant aber zeigt diese Eigenschaften gleichsam verzehnfacht. Sein Amt ist ein sehr mühevolles; er ist sozusagen ununterbrochen in Tätigkeit. Aber dafür lohnt ihn auch der unbedingteste Gehorsam seiner Untergebenen. Widerspruch gegen seine Anordnungen kommt niemals vor; er geht voran, und alle übrigen folgen ihm rücksichtslos nach und sei es in das Verderben. »In der Höhe der dürren Jahreszeit«, erzählt Major Skinner, »trocknen bekanntlich alle Ströme aus, und die Teiche und Lachen ebenso. Die indischen Tiere leiden dann des Wassers wegen bittere Not und sammeln sich massenhaft um diejenigen Teiche und Tümpel, die das ihnen so notwendige Element am längsten behalten. In der Nähe eines solchen Teiches hatte ich einmal Gelegenheit, die erstaunliche Vorsicht der Elefanten zu beobachten. An der einen Seite des Pfuhles und hart an seinem Ufer begann ein dichter Urwald, auf der andern umgab ihn offenes Land. Es war eine jener prachtvollen, klaren Mondscheinnächte, die fast ebenso hell sind als unser nordischer Tag, in der ich beschloß, die Elefanten zu beobachten. Die Örtlichkeit war meinem Zwecke günstig. Ein gewaltiger Baum, dessen Zweige über den Teich weg hingen, bot mir ein sicheres Unterkommen in seiner Höhe. Ich begab mich beizeiten an meinen Platz und achtete mit der gespanntesten Aufmerksamkeit auf alles, was vorging. Die Elefanten waren keine fünfhundert Schritte von mir entfernt; aber doch mußte ich zwei volle Stunden warten, bevor ich einen von ihnen zu sehen bekam. Endlich schlüpfte, etwa dreihundert Schritte vom Teich entfernt, ein großer Elefant aus dem dunklen Wald, ging mit größter Vorsicht beiläufig zweihundert Schritte vor und stand dann still, um zu lauschen. Er war so ruhig gekommen, daß nicht das leiseste Geräusch gehört werden konnte, und blieb mehrere Minuten stehen, bewegungslos wie ein Felsbock. Dann erst rückte er in drei Absätzen weiter und weiter vor, zwischen jedem Vorrücken mehrere Minuten lang anhaltend und die mächtigen Ohren nach vorwärts öffnend, um auch das leiseste Geräusch aufzufangen. So bewegte er sich langsam bis an das Wasserbecken. Er dachte nicht daran, seinen Durst zu löschen, obgleich er dem Wasser so nahe stand, daß seine gewaltige Gestalt sich in ihm widerspiegelte. Minutenlang verweilte er lauschend, ohne ein Glied zu rühren. Dann drehte er sich vorsichtig und leise um und ging nach derselben Stelle des Waldes zurück, von woher er gekommen war. Nach einer kleinen Weile zeigte er sich wieder nebst fünf andern, mit denen er wiederum ebenso vorsichtig, aber weniger lautlos als früher, auf das Wasser losging. Die fünf wurden als Wächter aufgestellt. Er kehrte in den Wald zurück und erschien nochmals, umgeben von der ganzen aus etwa achtzig bis hundert Stück bestehenden Herde, und führte diese über die Blöße mit solcher Stille, daß ich trotz der Nähe die Tiere nur sich bewegen sah, nicht aber auch bewegen hörte. In der Mitte der Blöße blieb die Herde stehen. Der Leitelefant ging von neuem vor, verkehrte mit den Wächtern, untersuchte alles, überzeugte sich von der vollständigen Sicherheit, kehrte zurück und gab nun Befehl zum Vorrücken. In demselben Augenblick stürzte die Herde gegen das Wasser los und warf sich ohne jede Scheu, und ohne an Gefahr zu denken, mit aller Wollust in die Fluten. Von ihrer Schüchternheit und Furchtsamkeit war keine Spur zu bemerken. Alle vertrauten ihrem Führer so vollkommen, daß sie sich um nichts mehr zu kümmern schienen. Nachdem die verschmachteten Tiere den Teich eingenommen hatten und als auch der letzte, der Leitelefant, eingetreten war, überließen sie sich gleichsam frohlockend der Wonne, ihren Durst zu stillen sowie der Wohltat des Badens. Niemals hatte ich solche Menge von tierischem Leben in einem so engen Raum gesehen. Es wollte mir erscheinen, als tränken die Elefanten den ganzen Teich trocken. Ich beobachtete sie mit der größten Teilnahme, bis sie sich mit Trinken und Baden Genüge getan hatten. Dann versuchte ich, welche Wirkung ein unbedeutendes Geräusch auf sie ausüben würde. Nur einen kleinen Zweig brauchte ich zu brechen, und die ganze feste Masse kam augenblicklich in Aufruhr und floh dahin wie eine Herde aufgescheuchten Wildes in toller Hast und Eile.«

Mit ähnlicher Vorsicht gehen die Elefanten auf Nahrung aus, geben sich aber, falls sie sich erst von ihrer Sicherheit überzeugt haben, um so behaglicher der Mahlzeit hin. Der Reichtum ihrer Waldungen ist so groß, daß sie eigentlich niemals Mangel leiden; sie erscheinen auch, weil sie beständig auf Örtlichkeiten leben, in denen es Nahrung in Hülle und Fülle gibt, weder gefräßig noch begierig. Sie brechen Zweige von den Bäumen, gleichsam als geschähe es zu ihrem Vergnügen, fächeln sich mit ihnen, vertreiben die so gehaßten Fliegen und verzehren sie dann allgemach, nachdem sie dieselben einigermaßen zusammengebrochen haben. Wenn aber auch gemächlich und behaglich, still und geräuschlos geht solche Mahlzeit nicht vonstatten, verursacht vielmehr, wie Heuglin malerisch schildert, einen wahren Höllenlärm. Das Knicken der Zweige, das Krachen der oft mit vereinigten Kräften niedergebrochenen Äste oder Stämme, das Kauen, Atmen, Misten, das dumpfe Rollen der Luft in den Eingeweiden, das Patschen der schweren Füße im Morast, das Überspritzen des Leibes mittels des Rüssels, das Klatschen der mächtigen Ohren, die oft wie Sonnenschirme ausgebreitet werden, das Reiben der massigen Leiber an dicken Baumstämmen und das dazwischen gellende tiefe, schmetternde Brüllen der Tiere vereinigt sich zu einem ohrbetäubenden Ganzen. Entsprechend solchem Lärm ist die jeder Beschreibung spottende Verwüstung, die eine Elefantenherde im Wald anrichtet. »Was der mächtige Fuß nicht tief in den Boden tritt«, sagt unser Gewährsmann, »wird umgeworfen, der stärkste Baum entwurzelt, sein Geäst herabgebrochen; das Unterholz liegt wild durcheinander, als hätte es ein rasender Wirbelwind niedergerissen; Stämme, die den Stürmen von mehr als einem Jahrhundert getrotzt, sind abgeknickt wie ein Rohr.« Äste von mehr als Armstärke werden von den Elefanten ohne Bedenken verschlungen; in der 50 Zentimeter langen und 12 Zentimeter dicken, 6 Kilogramm schweren wurstartigen Losung fand ich Aststücke von 10 bis 12 Zentimeter Länge und 4 bis 5 Zentimeter Dicke im Durchmesser. Niedrige Zweige, zumal solche, die in Mundhöhe stehen, schieben sie mit dem Rüssel bündel- oder buschweise ins Maul und beißen oder richtiger quetschen sie dann mit den Zähnen ab. Sehr starke Äste schälen sie ganz oder teilweise, lassen aber das Holz liegen. In jeder Gegend gibt es Lieblingsbäume der Elefanten, die vor allen andern heimgesucht werden; in Mittelafrika heißt ein Baum geradezu »Elefantenbaum«, weil er vor allen übrigen besucht, beweidet und verwüstet wird. Er ist dornig, aber die Dornen sind weich und deshalb kein Hindernis für den Gaumen des Elefanten, der den härteren Stacheln der Mimosenzweige nicht gewachsen zu sein scheint. Nächst diesem Elefantenbaume brandschatzt der Fihl übrigens noch viele andere, einzelne fast nur wegen der Früchte, die er durch Schütteln gewinnt und mit dem Rüssel zusammenliest, letztere der Zweige und Schale halber. Baumzweige werden von beiden Elefanten unter allen Umständen Gräsern vorgezogen, letztere jedoch auch nicht verschmäht. Kommt eine Elefantenherde auf einen mit saftigem Grase bewachsenen Platz, so werdet sie davon, packt mit dem Rüssel einen Busch, reißt ihn samt den Wurzeln aus dem Boden, klopft diese Wurzeln gegen einen Baum, um sie von der ihnen anhängenden Erde zu befreien, und steckt sich dann einen nach dem andern in den Schlund. Aus den nächtlichen Weidegängen wird wohl auch ab und zu einmal ein Feld besucht, und dann freilich tut die Herde in ihm großen Schaden. Aber schon die einfachste Scheuche oder die leichteste Umzäunung genügt, um unsere Dickhäuter von den Feldern abzuhalten. Die Indier lassen zwischen ihren Pflanzungen breite Stege für die zur Tränke gehenden Elefanten und umzäunen die Felder mit leichten Rohrstäben; ein einziger Schlag mit dem gewaltigen Rüssel würde eine ganze Wand dieser Pfähle niederwerfen, aber niemals kommt es vor, daß die Elefantenherde die Umzäunung durchbricht; nur die Gondahs tun dies zuweilen. Dieselbe Herde geht aber sofort auf die Felder, wenn die Türe dazu geöffnet ist. Nach der Ernte des Reises zum Beispiel überlassen die Indier den Elefanten das leere Stroh und halten deshalb die Umhegungen nicht mehr verschlossen. Sobald dies geschieht, dringen die Tiere ein und fressen alles Übriggebliebene auf. Einen ähnlichen Beweis von Klugheit liefern, falls die Erzählungen der Eingeborenen auf Wahrheit beruhen, auch die afrikanischen Elefanten. Nach Heuglin gewordenen Mitteilungen sollen sie die Zeit, in der vom Flachlande her nach den Gebirgen von Habesch Getreide befördert wird, genau kennen, plötzlich erscheinen, die Kamele der Karawane erschrecken, die von diesen würdigen Tieren unter solchen Umständen regelmäßig abgeworfenen Fruchtballen öffnen und sich an den so erbeuteten Schätzen gütlich tun. Ich meine, daß diese Erzählung ebensowenig begründet ist wie die Versicherung der Sudaner, daß der Fihl, und zwar aus edlem Gerechtigkeitssinne, niemals in die durch Schutzbriefe versicherten Felder einfalle. »Elefanten«, sagte mir ein Scheich am Blauen Flusse, »werden dir nichts zuleide tun, wenn du sie in Frieden läßt, wie sie mir und meinen Vorfahren nie etwas getan haben. Wenn die Zeit der Ernte herankommt, hänge ich an hohen Stangen Schutzbriefe auf, und diese genügen den gerechten Tieren; denn sie achten das Wort des Gottgesandten Mohammed ? über dem der Friede des Allbarmherzigen walten möge! Sie fürchten die Strafe, die den Gotteslästerer ereilen wird: sie sind eben gerechte Tiere!« Jedenfalls hindert diese Gerechtigkeitsliebe die Elefanten nicht, dann und wann ein Feld zu plündern und Büschelmais oder Kafferhirse zu fressen, gleichviel ob die Ähren reif sind oder nicht; ihr Edelmut hält sie nicht einmal ab, gelegentlich die riesigen Kürbisse, die auf den Hütten der im Walde wohnenden Neger reifen, abzupflücken oder das Dach einer solchen Hütte abzudecken, um nachzusehen, ob Getreide im Innern des Raumes aufgespeichert worden sei.

In den Gebirgen von Habesch zwingt der Wechsel der Jahreszeiten die Elefanten zu regelmäßigen Wanderungen. Im Bogoslande ziehen sie auf ziemlich streng eingehaltenen Wegen alljährlich zweimal auf und nieder, also viermal an einem Orte vorüber, so bei der Ortschaft Mensa. Wassermangel treibt sie in die tiefsten Flußtäler hinab; der Frühling, d. i. die Regenzeit, der gerade im Gebirge reiches Leben hervorzaubert, lockt sie wieder zur ergiebigen und unbehelligten Weide empor. Sie ziehen von den Gebirgskämmen bis in das Flußbett des Ain-Saba talwärts und von dort aus wieder nach ihren ersten Weideplätzen hinauf. Alle Wanderungen geschehen selbstverständlich nur des Nachts.

Wie die Nahrung, führt der Elefant auch seine Getränke mit Hilfe des Rüssels zum Munde: er saugt beide Röhren desselben voll und spritzt sich den Inhalt dann in das Maul. Sobald eine Herde an das Wasser kommt, ist dies ihr wichtigstes Geschäft, und erst wenn der Durst gestillt ist, denken die Tiere daran, in derselben Art und Weise auch ihren Körper zu nässen. Der Rüssel ist übrigens nicht bloß zum Aufsaugen des Wassers, sondern auch zur Aufnahme von Sand und Staub geeignet. Diese Stoffe werden angewendet, um die so lästigen Kerbtiere zu verscheuchen.

Wie leicht erklärlich, ist die Vermehrung unserer Landriesen eine geringe. Man erkennt den Zustand des brünstigen Elefanten zunächst daran, daß zwei Drüsen neben den Ohren eine übelriechende Flüssigkeit in reichlicher Menge ausschwitzen. Das Tier selbst ist sehr erregt; sogar das gezähmte wird oft furchtbar wild gegen seine Treiber, die es sonst vortrefflich behandelt. Früher glaubte man, daß die Elefanten im Freien, fern von allem menschlichen Treiben, sich paarten, und wollte deshalb von einer großen Schamhaftigkeit des Tieres reden; Corse aber beobachtete, daß zwei frisch gefangene Elefanten vor einer Menge Zuschauer sich begatteten. Vorher erwiesen sie sich mit ihren Rüsseln Liebkosungen; dann paarten sie sich in sechzehn Stunden viermal ganz nach Art der Pferde. Die Brunstzeit ist nicht bestimmt. Das eine Mal zeigte sie sich im Februar, das andere Mal im April, ein drittes Mal im Juni, ein viertes Mal im September und ein fünftes Mal im Oktober. Aufgeregt sind die paarungslustigen Tiere immer, und die kleinste Veranlassung kann sie in Zorn bringen. Drei Monate nach der Paarung bemerkte Corse die ersten Anzeichen der Trächtigkeit des Weibchens. Nach einer Tragzeit von zwanzig Monaten und achtzehn Tagen warf es ein Junges, das sofort nach seiner Geburt zu saugen anfing. Die Mutter stand dabei, das Junge legte den Rüssel zurück und ergriff das Euter mit seinem Maule. Fast alle Beobachter stimmen darin überein, daß die Liebe der Mutter zu ihrem eigenen Kinde nicht besonders groß ist; dagegen bemerkte man, daß sich alle weiblichen Elefanten eines jungen mit gleicher Zärtlichkeit annehmen. Die wilden sollen sämtlichen Kleinen ohne Ausnahme ihr Euter bieten. Letztere, die bei der Geburt etwa 90 Zentimeter hoch sind, nehmen rasch an Größe zu und sind bereits nach Ablauf des ersten Jahres 1,2, ein Jahr später 1,4, zu Ende des dritten Jahres 1,5 Meter hoch geworden. Sie erscheinen vom Anfang an verhältnismäßig weniger plump als andere junge Tiere, sogar als niedliche und drollige Geschöpfe, halten sich in der ersten Zeit ihres Lebens vorzugsweise unter dem Leibe und zwischen den Beinen ihrer Mutter auf und verlassen diesen sicheren Platz auch dann nicht, wenn letztere einen rascheren Gang einschlägt. Wie es scheint, stehen sie mehrere Jahre, jedenfalls bis zur Geburt eines Geschwisters, unter Obhut der Alten, die sie bald zum Fressen anleitet und ihnen nötigenfalls durch Abbrechen von Ästen oder Bäumen ihr Lieblingsfutter, laubige Zweige, verschafft.

Ein Elefant wächst zwanzig bis vierundzwanzig Jahre, ist aber wahrscheinlich schon im sechzehnten Jahre zur Fortpflanzung geeignet. Der erste Zahnwechsel findet im zweiten, der zweite im sechsten, der dritte im neunten Lebensjahre statt. Später dauern seine Zähne länger aus. Das Alter, das das Tier überhaupt erreichen kann, wird sehr verschieden angegeben. Tennent spricht von Elefanten, die über hundert Jahre in der Gefangenschaft gelebt haben sollen, stellt jedoch vorher eine beglaubigte Totenliste von denen auf, die durch die Regierung verwendet wurden, aus der hervorgeht, daß von hundertachtunddreißig Gefangenen nach Ablauf von zwanzig Jahren nur ein einziger noch lebte. Andere Beobachter nehmen an, daß wilde Elefanten hundertfünfzig Jahre alt werden können.

Der Elefant zählt leider ebenfalls zu denjenigen Tieren, die ihrem Untergange entgegengehen. Man jagt die edlen Geschöpfe nicht, um sich wegen des von ihnen verübten Schadens zu rächen, sondern des kostbaren Elfenbeins halber und hat deshalb von jeher einen Vernichtungskrieg gegen sie geführt. Der Schaden, den die Vielhufer anrichten, ließe sich ertragen, obgleich diese zuweilen durch sonderbare Gelüste unangenehm werden. So zogen sie den indischen Straßenbaumeistern wiederholt die Merkpfähle aus dem Boden, die die Leute mühsam zur Bezeichnung der anzulegenden Straßen gesetzt hatten, und andere fielen hartnäckig immer und immer wieder in eine und dieselbe Pflanzung ein, so daß der Besitzer genötigt war, die berüchtigtsten Jäger zu sich zu erbitten. Wenn ich die Jäger, anstatt berühmt, berüchtigt nenne, habe ich leider guten Grund dazu. Die meisten von ihnen betragen sich der Jagd, die sie betreiben, vollkommen unwürdig. Es sind hauptsächlich Engländer, die der Elefantenjagd obliegen, und dies sagt genug. Ich will einen von ihnen, den oft genannten Gordon Cumming, seine Art und Weise, Elefanten zu erlegen, selbst schildern lassen. »Am 31. August erblickte ich den größten und höchsten Elefanten, den ich jemals gesehen. Er stand, mit der Seite sich mir zuwendend, in einer Entfernung von ungefähr anderthalbhundert Schritten vor mir. Ich machte halt, schoß in die Schulter und bekam ihn durch diesen einzigen Schutz in meine Gewalt. Die Kugel hatte ihn hoch in das Schulterblatt getroffen und auf der Stelle gelähmt. Ich beschloß, eine kurze Zeit der Betrachtung dieses stattlichen Elefanten zu widmen, ehe ich ihm vollends den Rest gab. Es war in der Tat ein gewaltiger Anblick, den er mir bot. Ich fühlte mich als Herr der grenzenlosen Wälder, die eine unaussprechlich edle und ansprechende Jagd ermöglichen. Nachdem ich den Elefanten eine Zeitlang bewundert, beschloß ich, einige Versuche anzustellen, um die verwundbarsten Punkte des Tieres kennenzulernen. Ich näherte mich ihm auf ganz kurze Entfernung und feuerte mehrere Kugeln auf verschiedene Teile seines ungeheuren Schädels ab. Bei jedem Schusse neigte er gleichsam grüßend seinen Kopf nieder und berührte dann mit dem Rüssel seltsam und eigentümlich sanft die Wunde. Ich war verwundert und wurde wirklich von Mitleid ergriffen, als ich sah, daß das edle Tier sein Schicksal, seine Leiden mit so würdevoller Fassung ertrug, und beschloß, der Sache so schnell als möglich ein Ende zu machen. Deshalb eröffnete ich nun das Feuer auf ihn an einer geeigneteren Stelle. Ich gab ihm nacheinander sechs Schüsse aus meiner Doppelbüchse hinter die Schulter, die zuletzt tödlich sein mußten, im Anfange aber keine unmittelbare Wirkung zur Folge zu haben schienen. Hierauf feuerte ich drei Kugeln aus dem holländischen Sechspfünder auf dieselbe Stelle. Jetzt rannen ihm große Tränen aus den Augen; er öffnete diese langsam und schloß sie wieder. Sein gewaltiger Leib zitterte krampfhaft; er neigte sich auf die Seite und verendete.«

Nun entschuldigt sich zwar der Mann damit, daß er diese Versuche bloß angestellt habe, um künftighin die Leiden anderer Elefanten abzukürzen: wir aber können diese Entschuldigung unmöglich gelten lassen, weil ein Elefantenjäger im voraus wissen muß, wohin er seine Geschosse zu richten hat. Auch gibt Gordon Cumming in seinem Buche so unzählige Beweise eines wilden und zwecklosen Blutdurstes, daß wir jene Entschuldigung sicherlich nur als ein Anerkenntnis seiner Roheit ansehen können. Wie unendlich hoch stand jener Elefant über dem Menschen, wie erbärmlich, wie niederträchtig zeigte sich der elende, heimtückische Feind dem herrlichen Geschöpfe gegenüber! Bei Gelegenheit einer andern Elefantenjagd erzählt der Biedermann, daß er einem großen männlichen Tiere fünfunddreißig Schüsse gab, bevor es verendete. Die Jäger in Indien verfahren nicht besser: Tennent läßt dies deutlich genug merken. Sie sind ebenso schamlos, wie unsere Großen es früher waren, wenn sie Hunderte von edlen Tieren in einen engen Raum zusammentreiben ließen und sie dann von einem hohen Sitze aus niedermeuchelten. Die prahlenden Elefantenjäger Indiens haben einen guten Teil ihrer Beute in den Corrals oder Fangplätzen, die wir bald kennenlernen werden, erlegt. Sie haben die in einem engen Raume eingepferchten Tiere kaltblütig niedergeschossen und dann verfaulen lassen, aus dem einfachen Grunde, um in ihr schändliches Jagdregister einige Zahlen mehr eintragen zu können. Sie haben Alte und Junge zusammengeschossen, ohne die Leichname nützen zu können.

Grausam und unbarmherzig betreiben auch die Eingeborenen Innerafrikas die Jagd auf dieses edle Wild. Sie jagen noch heute, wie vor undenklichen Zeiten gejagt wurde. Schon Strabo erwähnt, daß die unfern Saba, also in den Steppen des Atbaragebietes, wohnenden »Elephantophagen« den riesigen Dickhäutern die Achillessehne mit dem Schwerte zerhauen, um sich ihrer zu bemächtigen; die Nomaden, die die genannten Steppen durchziehen, verfahren noch heutigentags genau so. Nackt auf dem Pferde sitzend, um möglichst wenig behindert zu sein, verfolgen sie die Elefanten einer Herde, versuchen diese zu sprengen, jagen, so schnell ihre Rosse laufen können, hinter dem auserkorenen Stücke her, gleichviel, ob dasselbe bergauf oder bergab, durch Schluchten, Wälder, Dornengestrüppe oder durch das Hochgras der Steppe seinen Weg nehme, ermüden es, greifen es mit der Lanze an und lenken es dadurch ab von dem Genossen, der die lähmenden Streiche ausführt. Baker, der längere Zeit in Gesellschaft dieser Leute jagte, vermeint, nicht Worte finden zu können, um die Gewandtheit und den Mut der Schwertjäger zu schildern. Ein von ihm auf einen Elefanten abgegebener Schuß hatte keine andere Wirkung gehabt, als das Tier in gesteigerter Eile zum Dickicht zu treiben. »In demselben Augenblick aber«, so erzählt er, »sprengten, wettlaufenden Windhunden vergleichbar, die Schwertjäger über die sandige Fläche, schnitten dem Elefanten den Rückzug ab, wandten sich gegen ihn und traten ihm mit dem Schwerte in der Hand entgegen. Sofort nahm das wütende Tier den Feind an, der nunmehr ebenso tapfer als töricht zu Werke ging. Anstatt den Elefanten durch einen vor ihm flüchtenden Reiter zu beschäftigen, wie es sonst die Gewohnheit ist, sprangen alle Schwertjäger in einem Augenblicke vom Pferde und griffen das riesige Tier zu Fuß und im tiefen Sande an. Vom Standpunkte des Jägers kann es kein prachtvolleres und ohne Not gefährlicheres Schauspiel geben als solches Gefecht, das mit jedem Gladiatorenkampfe zu wetteifern vermocht haben würde. Der Elefant war in höchster Wut und schien zu wissen, daß die Jäger auf seine Rückseite zu gelangen suchten, vermied daher mit großer Gewandtheit, sich eine Blöße zu geben, indem er sich mit äußerster Geschwindigkeit wie auf einem Zapfen drehte und einem seiner Angreifer nach dem andern mit gesenktem Kopfe entgegentrat, gleichzeitig vor Wut schreiend und mit dem Rüssel Wolken von Staub emporschleudernd. Die Schwertjäger wichen mit affenartiger Behendigkeit aus, obwohl die Tiefe des Sandes für den Elefanten günstig, für sie aber so hinderlich war, daß sie den Angriffen des Tieres nur mit der höchsten Anstrengung zu entgehen vermochten. Bloß dem entschlossenen Mute aller drei war es zu verdanken, daß sie einander abwechselnd retteten, indem sie, sobald der Elefant einen von ihnen angriff, selbander von der Seite hervorsprangen und dadurch ihren Gegner zwangen, gegen sie kehrtzumachen.« So treiben sie ihr Spiel, bis es einem von ihnen gelingt, mit einem Schwerthiebe die Achillessehne des Elefanten zu durchhauen, bringen diesen dadurch zu Fall und töten ihn nunmehr ohne Mühe mit weiteren Schwertstreichen.

Die Neger des oberen Nilgebietes legen, wie Heuglin und Schweinfurth uns schildern, auf den zur Tränke führenden Wechseln tiefe Gruben an, die sich nach unten kegelförmig verengen und zuweilen noch mit starken, spitzen Pfählen versehen werden, bedecken sie oben sehr sorgfältig, damit sie der vorsichtige Elefant womöglich nicht bemerke, werfen auch, um der Straße den Anschein größter Sicherheit zu verleihen, gesammelte Losung auf die dünne Decke, die die Grube trügerisch verbirgt, wie vorher auf den Wechsel, den sie durch Verhaue zu einem fast unvermeidlichen umzugestalten suchen. Wo die Gegend es gestattet, hebt man in engen Tälern solche Gruben aus und treibt sodann die Elefanten aus einem weiten Umkreise zusammen, so daß sie ihren Weg durch das gefährliche Tal nehmen und in die Fallgruben, die sie in der Eile der Flucht leicht übersehen, stürzen müssen. Ein anderes Verfahren besteht darin, an begangenen Wechseln auf Bäumen, deren Laub als Lieblingsnahrung der Tiere bekannt ist, anzustehen und dem unten vorübergehenden Elefanten eine meterlange, breite, scharfgeschliffene, am Ende des kurzen Schaftes mit einem Klumpen aus Ton beschwerte Lanze zwischen die Schultern zu schleudern. Die erdige Masse fällt bei der ersten Bewegung des verwundeten Wildes ab, die eingedrungene Lanze wühlt sich durch Reiben und die schwingende Bewegung des Schaftes tiefer in die Wunde ein und bewirkt bald das Verenden des Schlachtopfers, dessen Sterbebett binnen kurzem durch die in hoher Luft kreisenden Geier angezeigt wird. Im Westen Afrikas flechten die Neger, laut Du Chaillu, Schlingpflanzen netzartig zusammen, jagen dann die Elefanten nach den so eingezäunten Stellen des Waldes hin, verfolgen sie und schleudern, wenn die Tiere unschlüssig vor den verschlungenen Ranken stehenbleiben, Hunderte von Lanzen in den Leib der stärksten und größten, bis sie zusammenbrechen. Die Niamniam schonen einzelne mit vier bis fünf Meter hohem Grase bewachsene Stellen der Steppe vor dem vernichtenden Feuer, bis sich Elefanten zeigen, rufen durch weittönende, in jedem Dorfe wiederholte Schläge ihrer Kriegs- und Lärmtrommeln binnen wenigen Stunden Tausende von Jägern zusammen, umstellen Geviertmeilen und mehr, treiben die Elefanten in den Deckung versprechenden Grashorst, zünden diesen an und scheuchen die geängstigten Tiere, die irgendwo durchzubrechen versuchen, mittels Lanzenstichen und Feuerbränden wieder in das Grasdickicht, in dem ihnen die lodernde Flamme, der erstickende Rauch oder ein Gnadenstoß mit der Lanze unmittelbar Verderben und Tod bereiten. Herzerschütternd ist das Benehmen und Gebaren der edlen Geschöpfe in ihrer Todesnot. Heuglin erfuhr von den Schwarzen, daß die der tückischen Fallgrube glücklich entronnenen Elefanten sich nach Kräften bemühen, um einen in die Tiefe gestürzten Genossen zu befreien, indem sie mit ihren Stoßzähnen die Erde um die Grube aufwühlen und letztere nach und nach auszufüllen versuchen, ja selbst den Rüssel zu Hilfe nehmen, und dem Gefangenen bei seinen Bestrebungen, zu entrinnen, Unterstützung gewähren; Schweinfurth schildert nach eigenen Wahrnehmungen, wie die von den Flammen bedrohten edlen Tiere, wenn ihnen ein Entweichen nicht mehr möglich scheint, sich um die Jungen scharen, dieselben mit Gras bedecken, mit ihren Rüsseln Wasser auf sie pumpen, um wenigstens sie zu retten, bis die treuen Eltern endlich, selbst von Rauch und Hitze betäubt, infolge erlittener Brandwunden ohnmächtig zusammenbrechen und dem grausamsten Schicksale erliegen.

Elefantenjäger von Fach gehen ihrem Wilde im freien Walde nach und erlegen es, um das Elfenbein zu gewinnen. Eingeborene, die die Gewehre tragen, spüren die Elefanten aus. Der Jäger nähert sich soweit als möglich und feuert aus weitläufiger Büchse eine Kugel unmittelbar hinter dem Ohr in den Schädel. Gute Schützen brauchen selten noch den zweiten Lauf ihres Gewehres, und schon oft haben einzelne Jäger mit jedem Laufe der Büchse einen Elefanten erlegt. Die Gefahr ist nicht so groß, als sie scheinen mag. Allerdings kommt es vor, daß gereizte Elefanten sich auf ihre Verderber stürzen, und einzelne von diesen haben auch wirklich ihr Leben unter den Fußtritten der Waldriesen ausgehaucht; drei Viertel aber von denen, die angegriffen wurden, konnten sich noch retten, selbst wenn sie sozusagen schon zwischen den Füßen lagen. Die Furchtsamkeit des Dickhäuters siegt bald wieder über seine Erregung, und nur höchst selten geschieht es, daß ein verwundeter Elefant seinen Feind so weit verfolgt, wie nach Tennents Bericht einmal ein Rogues einen Inder, der bereits die Stadt erreicht hatte, aber auf dem Basare noch von dem wütenden Elefanten eingeholt und zerstampft wurde. Auch in Afrika kommt selten ein Unglück vor, obgleich die dort wirkenden Elefantenjäger meist erbärmliche Schützen sind und der gereizte Fihl durchaus nicht unterschätzt werden darf. Rasch und entschieden, jedes Hindernis verachtend, stürzt sich, laut Heuglin, das wütend gewordene Geschöpf zuweilen auf seinen Angreifer, verfolgt diesen jedoch selten weit, sondern begnügt sich, ihn in die Flucht geschlagen zu haben und Herr des Feldes geblieben zu sein. Ungeachtet solcher Mäßigung vermeidet jedermann soviel als möglich, es bis zu einem Angriffe seitens des Elefanten kommen zu lassen; denn dieser macht, wenn er wirklich in Zorn gerät, auch abgesehen von der Masse, unter der der Boden dröhnt, einen unauslöschlichen Eindruck auf den Menschen. Den Rüssel hochgehoben, die riesigen Ohren etwas gelüftet, den kurzen, borstigen Schweif in Kreisen schwingend, stürzt er sich bald wild brausend auf seinen Feind; sein Vorderteil scheint zu wachsen, jedenfalls viel mächtiger und höher zu sein als je; an seinem Hintergestelle treten die langen Hautfalten schlotternd heraus; die gewaltige Masse schiebt sich rasch und unaufhaltsam vor; Schnauben des Zornes wechselt mit Wutschreien, von denen ein Ohr, das solche Laute niemals vernommen, keine Vorstellung gewinnen kann. Wenn unter solchen Umständen der erboste Riese seinen Gegner erreicht, ist dieser verloren, gerechter Rache unrettbar verfallen.

Weit anziehender und menschlicher als alle Jagd ist die Art und Weise, wilde Elefanten lebend in seine Gewalt zu bekommen, um sie zu zähmen. Hier gilt es, sehr kluge Tiere doch noch zu überlisten, Wildlinge dem Dienste des Menschen zu unterwerfen. Die Indier sind gegenwärtig die Meister in dieser Kunst. Unter ihnen gibt es eine förmliche Zunft von Elefantenfängern, in der das Gewerbe vom Vater auf den Sohn forterbt. Die Kunstfertigkeit, List, Vorsicht und Kühnheit, mit der diese Leute zu Werke gehen, sind wahrhaft bewunderungswürdig. Ihrer zwei gehen in den Wald hinaus und fangen einen Elefanten aus seiner Familie heraus!

Die besten Elefantenjäger auf Ceylon, Panikis genannt, bewohnen die maurischen Dörfer im Norden und Nordwesten der Insel und stehen schon seit mehreren hundert Jahren in hohem Ansehen. Nach vererbter Gewohnheit folgen sie der Fährte eines Elefanten, wie ein guter Hund der Spur eines Hirsches folgt, bestimmen im voraus an gerechten und vollkommenen Jägerzeichen, wie stark die Herde, wie hoch die größten und wie niedrig die kleinsten Elefanten sind; für europäische Augen unmerkliche Spuren bilden für sie deutlich geschriebene Blätter eines ihnen verständlichen Buches. Ihr Mut steht mit ihrer Klugheit im Einklang; sie verstehen es, den Elefanten zu leiten, wie sie wollen, setzen ihn in Angst, in Wut, wie es ihnen eben erwünscht ist. Ihre einzige Waffe besteht in einer festen und dehnbaren Schlinge aus Hirsch- oder Büffelhaut, die sie, wenn sie allein zum Fange ausziehen, dem von ihnen bestimmten Elefanten um den Fuß werfen. Dies geschieht, indem sie ihm unhörbaren Schrittes auf seinem Wege folgen und im günstigen Augenblicke ihn fesseln oder selbst, wenn er ruhig steht, ihm die Schlinge zwischen beiden Beinen festlegen. Wie sie es anstellen, unbemerkt an das furchtsame Tier heranzukommen, ist und bleibt ein Rätsel. Und während der eine die Schlinge um den Fuß legt, befestigt sie der andere bereits an einem Baume; und sollte kein solcher in der Nähe sein, so erzürnt der eine den Elefanten und lockt ihn nach einer Baumgruppe hin, um deren stärksten Stamm dann der andere den Strick anbindet und dadurch die Verfolgung endet.

Der gefangene Elefant ist rasend; aber die Fänger wissen ihm zu begegnen. Sie kennen ihn genau und zähmen ihn in verhältnismäßig kurzer Zeit. Zuerst gebrauchen sie hellbrennendes Feuer, Rauch und andere Mittel, um ihn zu schrecken; hierauf lassen sie ihn hungern und dursten, gönnen ihm keine Ruhe, ängstigen und matten ihn ab; sodann ändern sie ihr Betragen und erweisen ihm nur Liebes und Gutes. So gelingt es ihnen nach wenigen Monaten, ihren anfangs tobenden Zögling zu einem ihrem Willen unterwürfigen Geschöpfe umzuwandeln. Ein Europäer ist, weil er alles verderben würde, nicht imstande, diesen Leuten auf derartigen Zügen zu folgen, muß sich also mit Hörensagen begnügen, kann dafür aber um so eher an den großartigen Treiben teilnehmen, die unter Umständen Hunderte von Elefanten auf einmal in die Gewalt des Menschen bringen. Einen solchen Elefantenfang hat Tennent in so anziehender und ausführlicher Weise beschrieben, daß ich nichts Besseres tun kann, als seine Erzählung, wenn auch teilweise im Auszuge, so doch möglichst mit seinen eigenen Worten hier wiederzugeben.

»An einer kühlen und angenehmen Stelle des Waldes fanden wir die luftigen Wohnungen, die für uns in der Nähe des Corral (Fangraumes) hergestellt worden waren. Man hatte Hütten aus Zweigen erbaut und mit Palmblättern und Gras bedeckt; man hatte einen hübschen Saal zum Speisezimmer errichtet, Küchen, Ställe erbaut und nach besten Kräften für unsere Bequemlichkeit gesorgt. Dies alles war von den Eingeborenen im Laufe weniger Tage ausgeführt worden.

Früher wurde die mit der Elefantenjagd notwendig verbundene Arbeit zwangsweise von den Eingeborenen verrichtet; denn dies gehörte mit zu den Frondiensten, die das Volk seinen Herrschern zu leisten hatte. Die Holländer und Portugiesen verlangten diese Dienste, ebenso die britische Regierung, bis die Fronen im Jahre 1832 abgeschafft wurden. Es wurden damals fünfzehnhundert bis zweitausend Männer unter der Leitung eines Oberen beschäftigt. Sie hatten den Corral zu bauen, die Elefanten zusammenzutreiben, die Kette von Wachfeuern und Wächtern zu unterhalten und überhaupt alle mühsamen Verrichtungen des Fanges auszuführen. Seit der Abschaffung der Fronen ist es nicht schwer gewesen, die freiwillige Mitwirkung der Eingeborenen bei diesen Unternehmungen zu erlangen. Die Regierung bezahlt denjenigen Teil der Vorbereitungen, der wirkliche Kosten mit sich bringt: die geschickte Arbeit, die auf die Errichtung des Corral und seines Zubehörs verwendet wird, die Anschaffung von Speeren, Seilen, Waffen, Flöten, Trommeln, Schießgewehren und andere notwendige Erfordernisse.

Zum Fange wählt man die Zeit des Jahres, die dem Anbau der Reisfelder am wenigsten Eintrag tut, die Zeit zwischen der Aussaat und der Ernte. Das Volk selbst hat, ganz abgesehen von der Aufregung und dem Genusse der Jagd, seinen eigenen Vorteil dabei, die Anzahl der Elefanten zu vermindern, da diese ihren Gärten und ihren aufwachsenden Ernten ernsten Schaden zufügen. Auch die Priester ermutigen zu dieser Jagd, weil die Elefanten einen heiligen Baum, dessen Blätter sie außerordentlich lieben, oft vernichten, und jene außerdem wünschen, auf leichte Weise Elefanten zum Tempeldienste zu erhalten. Die Häuptlinge endlich suchen ihren Stolz darin, die Menge ihrer Untergebenen im Felde zur Schau zu stellen wie auch die Leistungen der zahmen Elefanten, die sie für das Jagdgeschäft darleihen, zu zeigen. Eine große Anzahl von Bauern findet willkommene Arbeit auf viele Wochen; denn sie haben die Pfähle zu pflanzen, Pfade durch das Sumpfrohr auszuhauen und die Treiber abzulösen, von denen die Elefanten umringt und herangetrieben werden sollen.

Zur Jagd selbst wählt man einen Platz, der an einer alten und viel betretenen, zur Weide oder zur Tränke führenden Straße der Tiere liegt; namentlich die Nähe eines Stromes ist unerläßlich, nicht nur, um den Elefanten den nötigen Wasservorrat zu bieten, während man sie der Umzäunung zu nähern sucht, sondern auch, um ihnen nach dem Fange während des Zähmungsverfahrens eine Gelegenheit zum Baden und zum Abkühlen verschaffen zu können. Bei der Errichtung des Corrals vermeidet man es sorgfältig, die Bäume oder das Unterholz innerhalb des eingeschlossenen Raumes, insbesondere auf der Seite, von der die Elefanten kommen sollen, zu vernichten, da es ein wesentliches Erfordernis ist, ihnen die Einpfählung soviel als möglich durch das dichte Laub zu verbergen.

Die zum Baue verwendeten Stämme, die 20 bis 25 Zentimeter im Durchmesser haben, bringt man etwa einen Meter tief in die Erde, so daß noch vier bis fünf Meter über dem Boden sich erheben. Zwischen jedem Paar Pfählen bleibt Raum genug, daß ein Mann hindurchschlüpfen kann. An diese so aufgerichteten Säulen befestigt man mit biegsamen Schlingpflanzen oder mit Rohr Querbalken, und das Ganze wird dann noch durch Gabeln gestützt, die die Querbalken halten und verhindern, daß das Pfahlwerk durch einen Anprall der wilden Elefanten nach außen gedrängt werde. Der also eingeschlossene Platz, den ich im Sinne habe, war ungefähr anderthalbhundert Meter lang und halb so breit. An dem einen Ende hatte man einen Eingang offen gelassen, der jeden Augenblick durch Schiebebalken verschlossen werden konnte, und von jeder Ecke des Endes, wo die Elefanten herkommen sollten, zogen sich ebenfalls, sorgfältig von Bäumen verdeckt, zwei Linien derselben starken Einzäunung auf beiden Seiten hin. Wäre die Herde nicht durch den offen gelassenen Eingang hereingekommen, sondern rechts oder links abgeschweift, so würde sie hier ein Hindernis gefunden und sich genötigt gesehen haben, die alte Richtung nach dem Eingang zu wieder einzuschlagen. Endlich waren auf einer Gruppe von Bäumen für die Gesellschaft des Statthalters Schaubühnen errichtet worden, die die ganze Einfassung übersehen ließen, so daß man das Verfahren vom ersten Eintreten der Herde in die Einfassung bis zum Herausführen der gefangenen Elefanten bequem beobachten konnte.

Es scheint kaum nötig zu bemerken, daß das eben beschriebene Pfahlwerk, so stark es auch ist, blutwenig nützen würde, wenn ein Elefant mit aller Kraft sich darauf stürzen wollte, und es sind auch wirklich manche Unfälle vorgekommen, indem die Herden durchbrachen. Man verläßt sich aber nicht sowohl auf den Widerstand der Einpfählung als auf die Schüchternheit der Gefangenen, die ihre eigene Kraft nicht kennen oder nicht verwenden wollen, ebenso aber auch auf die Kühnheit und List der Fänger.

Wenn der Corral fertig ist, beginnen die Treiber ihr Werk. Sie haben oft einen Umfang von vielen Meilen zu umstellen, damit die Anzahl der Elefanten ansehnlich genug werde, und die anzuwendende Vorsicht verlangt viel Geduld. In keinem Falle darf man die Elefanten beunruhigen; sonst möchten sie leicht die entgegengesetzte Richtung einschlagen. Die Tiere sind äußerst friedlich und wünschen nur in Stille und Sicherheit zu weiden; vor der geringsten Störung weichen sie zurück; dies muß man nun so benutzen, daß man sie gerade nur so viel beunruhigt, daß sie langsam in der gewünschten Richtung vorgehen. Auf diese Weise werden verschiedene Herden zusammen und Tag für Tag langsam weiter vorwärts dem Corral zugetrieben. Wird ihr Argwohn rege, zeigen sie Unruhe und Befürchtung, so ergreift man schärfere Maßregeln, um ihr Entkommen zu verhindern. Alle zehn Schritte wird rings um den Plan, in dem man sie schon gesammelt hat, ein Feuer angezündet und Tag und Nacht unterhalten. Die Treiber steigen bis auf zwei- bis dreitausend; es werden Fußwege durch die Dschungeln hergestellt, um die ganze Linie in steter Verbindung zu erhalten. Die Führer üben eine ununterbrochene Aufsicht, damit ein jeder Treiber auf seinem Posten und aufmerksam ist; denn Nachlässigkeit an irgendeiner Stelle der Linie könnte die ganze Herde entkommen lassen und in einem Augenblick die mühevolle Arbeit von Wochen vernichten. Auf diese Weise wird jeder Versuch der Elefanten, rückwärts durchzubrechen, sogleich abgewiesen und, wo immer ein solcher droht, augenblicklich eine hinreichende Menge versammelt, um sie zurückzuscheuchen. Endlich werden die Tiere so dicht an die Einzäunung getrieben, daß sich der Treibergürtel an beiden Flügeln an das Ende des Corral anlehnt. Das Ganze bildet nun einen Umkreis von ziemlich einer Stunde, und man wartet nun bloß noch auf das Zeichen zum Schlußtreiben.

Diese Vorbereitungen hatten zwei volle Monate in Anspruch genommen und waren eben vollendet, als wir ankamen und unsern Platz auf der oben erwähnten Schaubühne einnahmen, von der wir den Eingang zum Corral übersehen konnten. Dicht neben uns im Schatten lagerte eine Gruppe zahmer Elefanten, die aus den Tempeln und von den Fürsten gesandt worden waren, um beim Fange der wilden zu helfen. Drei verschiedene Herden, zusammen vierzig bis fünfzig Elefanten, waren umzingelt und lagen im Dschungel unweit der Einpfählung verborgen. Jeder Laut wurde vermieden; man sprach nur flüsternd, und das Stillschweigen unter der ungeheuren Menge der Treiber war so streng, daß man hin und wieder die Zweige rascheln hörte, wenn einer der Elefanten die Blätter abstreifte.

Plötzlich wurde das Zeichen gegeben und die Stille des Waldes von den Rufen der Wachen, dem Rasseln der Trommeln und dem Knattern der Gewehre unterbrochen. Man begann an dem entferntesten Punkt und trieb so die Elefanten immer näher, dem Eingang des Corral zu. Die Treiber entlang der Linie waren nur so lange still, bis die Herde an ihnen vorüber war; dann stimmten auch sie in das allgemeine Geschrei der andern hinter ihnen nach Herzenslust ein. So wuchs das Getöse mit jedem Schritt der Herde. Diese suchte wiederholt die Linie zu durchbrechen, wurde aber durch Kreischen, Trommeln und Kleingewehrfeuer immer wieder zurückgeschlagen.

Endlich zeigte das Knacken der Zweige und das Prasseln des Unterholzes die Näherkunft der Elefanten an. Ihr Führer brach aus dem Dschungel heraus und stürzte vorwärts bis auf dreißig Ellen Entfernung vom Eingang des Corral. Die ganze Herde folgte ihm; noch einen Augenblick, und alle wären in die offene Tür hineingestürzt, als sie plötzlich rechts umschwenkten und, trotz der Jäger und Treiber, ihrem früheren Platz im Dschungel wieder zueilten. Der oberste der Treiberaufseher kam hervor und erklärte ihren Durchbruch dadurch, daß ein wildes Schwein plötzlich von seinem Lager aufgestanden und dem Leittier der Herde über den Weg gelaufen sei. Er fügte hinzu, daß bei dem aufgeregten Zustande der Herde es der Wunsch der Jäger wäre, ihre letzte Anstrengung bis zum Abend zu verschieben, wo ihnen die Dunkelheit, die Feuer und die Fackeln um so mächtigere Gehilfen sein würden.

Nach Sonnenuntergang wurde der Schauplatz außerordentlich fesselnd. Die niedrigen Feuer, die im Sonnenlichte offenbar nur gedampft hatten, glühten wieder düster rot in der Dunkelheit und warfen ihren Schein über die Gruppen. Wirbelnd stieg der Rauch durch das reiche Laubwerk der Bäume. Die Scharen der Zuschauer beobachteten tiefe Stille. Kein Laut war hörbar als das Summen der Kerbtiere. Auf einmal brach wiederum das Rasseln einer Trommel und gleich darauf Gewehrfeuer durch die Stille. Dies war das Zeichen für den erneuten Angriff. Rufend und lärmend betraten die Jäger den Kreis. Trockene Blätter und Reiser wurden auf die Wachtfeuer geworfen, bis sie emporloderten und ringsum eine Flammenlinie bildeten; nur nach dem Corral zu wußte man aufs sorgfältigste die Dunkelheit zu bewahren. Dorthin begaben sich, durch das Getöse und das Gellen ihrer Verfolger hinter sich erschreckt, die Elefanten. Sie näherten sich mit rasender Eile, das Unterholz niedertretend und die trockenen Zweige zerknickend. Das leitende Tier erschien dem Corral gegenüber, hielt einen Augenblick inne, starrte wild um sich, stürzte dann über Hals und Kopf durch das offene Tor, und die ganze Herde folgte ihm nach. Der gesamte Umfang des Corral, der bis zu diesem Augenblick in tiefste Dunkelheit gehüllt gewesen war, strahlte nun wie durch Zauberei plötzlich von tausend Lichtern wieder. Denn in dem Augenblick, als die Elefanten eingetreten waren, rannte jeder Jäger mit einer Fackel herbei, die er am nächsten Wachtfeuer angezündet hatte.

Zuerst stürmten die Elefanten bis zum äußersten Ende der Einpfählung, stießen hier auf Widerstand, prallten zurück, um das Tor zu erreichen, und fanden dasselbe verschlossen. Ihr Schrecken war entsetzlich. Sie eilten mit reißend schnellen Schritten rings im Corral umher, sahen ihn aber nunmehr von Feuer umringt. Sie versuchten das Pfahlwerk zu durchbrechen, wurden jedoch mit Speeren und Fackeln zurückgetrieben; überall, wo sie sich näherten, kam ihnen Geschrei und Gewehrfeuer entgegen. Jetzt sammelten sie sich in eine einzige Gruppe, standen einen Augenblick in offenbarer Bestürzung still und traten dann in einer andern Richtung auf, als ob ihnen plötzlich eine Stelle eingefallen wäre, die sie vorher übersehen gehabt hätten. Immer wieder abgewiesen, kehrten sie langsam zu ihrem einsamen Ruheplatz inmitten des Corral zurück.

Die Teilnahme an diesem außerordentlichen Schauspiel beschränkte sich nicht auf die Zuschauer, sondern erstreckte sich auch auf die außen aufgestellten zahmen Elefanten. Schon bei der ersten Annäherung der fliehenden Herde legten sie Achtsamkeit an den Tag; zwei besonders, die vorn angebunden waren, bekundeten die höchste Aufregung, und als endlich die Herde in den Corral hineingebraust war, riß einer von diesen beiden sich los und stürzte den wilden nach, wobei er einen ziemlich ansehnlichen Baum, der im Wege stand, umbrach.

Länger als eine Stunde durchtrabten die Elefanten den Corral und griffen mit unermüdlicher Kraft die Pfähle an. Nach jedem fehlgeschlagenen Versuch trompeteten und kreischten sie vor Wut. Wieder und wieder strebten sie, das Tor zu erstürmen, als ob sie wüßten, daß es einen Ausgang bieten müsse, da es ja doch zum Eingange gedient hatte; aber betäubt und verwirrt wichen sie immer zurück. Nach und nach wurden ihre Anstrengungen matter; nur noch einzelne Tiere rannten hier- und dorthin, kehrten jedoch bald bekümmert zu ihren Genossen zurück. Endlich bildete die ganze Herde, verdutzt und erschöpft, eine einzige Gruppe mit den Jungen in der Mitte, und so standen sie regungslos unter den düsteren Schatten der Bäume, mitten in dem Corral.

Es wurden nun Anstalten getroffen, während der Nacht Wache zu halten. Die Anzahl der Wächter rund um die Einfriedung wurde verstärkt und den Feuern frische Nahrung gegeben, damit sie bis Sonnenaufgang hoch emporflammten.

Ursprünglich waren von den Treibern draußen drei Herden umstellt worden; aber mit eigentümlicher Vorausahnung hatten die drei sich einander fern gehalten. Als das Schlußtreiben stattfand, war nur eine Herde in den Corral gekommen, weil die andern beiden sich noch zurückhielten. Da nun das Tor augenblicklich hinter der ersten Abteilung geschlossen werden mußte, so waren die beiden andern natürlich ausgesperrt und blieben noch im Dschungel verborgen. Um ihr Entkommen zu hindern, wurden die Wachen an ihre früheren Plätze zurückbefehligt und die Feuer neu genährt. Nachdem so alle Vorsichtsmaßregeln getroffen waren, kehrten wir zurück, um die Nacht in unsern Häusern am Flusse zu verbringen. Diese waren nur etwa dreißig Schritte vom Corral entfernt, und so wurden wir in unserm ersten Schlaf oft von dem Lärm der Menge geweckt, die im Walde lagerte, dann und wann auch von dem Geschrei, das die Elefanten von einem plötzlichen Angriff auf die Einfriedung zurückscheuchte. Bei Tagesanbruch aber fanden wir am Corral alles still und wachsam. Als die Sonne aufging, ließ man die Feuer ersterben. Die abgelösten Wächter schliefen nahe der großen Einzäunung; ringsum aber waren Männer und Knaben mit Speeren oder langen Ruten aufgestellt, während die Elefanten drinnen in einer dicht gedrängten Gruppe zusammenstanden, nicht mehr ungestüm und stürmisch, sondern erschöpft, ruhig, gänzlich gebrochen durch Furcht und vor Erstaunen über alles, was um sie herum vorgegangen war. Nur ihrer neun waren bis jetzt gefangen worden, darunter zwei sehr große und zwei kleine, höchstens ein Paar Monat alte. Einer der großen war ein »Landstreicher«, der in keiner Verbindung mit der übrigen Herde stand, daher auch nicht in deren Kreis aufgenommen wurde, sondern nur in ihrer Nähe sich aufstellte.

Draußen schickte man sich an, die zahmen Elefanten in den Corral zu führen, damit diese die Gefangenen fesseln möchten. Die hierzu erforderlichen Schlingen waren bereit. Behutsam zog man die Stämme weg, die den Eingang geschlossen, und zwei abgerichtete Elefanten gingen leise hinein, jeder von seinem Führer und einem Diener geritten und mit einem starken Halsband versehen, von dem herab auf beiden Seiten Stricke aus Antilopenhaut mit einer Schlinge hingen. Zugleich mit ihnen und hinter ihnen verborgen, kam der Führer der Schlingenmänner hereingekrochen, begierig, sich die Ehre zu sichern, den ersten Elefanten festzumachen. Es war ein behender, kleiner Mann, ungefähr siebzig Jahre alt, der sich in solchen Diensten bereits zwei silberne Spangen als Ehrenzeichen erworben hatte. Er wurde von einem wegen seines Mutes und seiner Geschicklichkeit gleich berühmten Sohne begleitet. Zwei der zehn gezähmten Elefanten waren das Eigentum eines nahen Tempels, vier gehörten benachbarten Häuptlingen; die übrigen waren aus den Ställen der Regierung, so auch die beiden, die jetzt den Corral betraten. Von den ersten beiden war einer erst das Jahr vorher gefangen worden und dennoch jetzt schon zum Fange anderer tauglich. Einer von den letzteren war von ungemeinem Alter und bereits im Dienste der holländischen und der englischen Regierung seit mehr denn einem Jahrhundert. Der andere, namens Siribeddi, war etwa fünfzig Jahre alt und durch sanftes und gelehriges Wesen ausgezeichnet. Siribeddi war eine vollendete Sirene und ein solcher Fang ganz und gar nach ihrem Geschmack. Geräuschlos betrat sie den Corral und ging mit schlauem Blick, aber anscheinend sehr gleichgültig, langsam vorwärts. Gemütlich schlenderte sie in der Richtung nach den Gefangenen hin und blieb hin und wieder stehen, um ein wenig Gras oder einige Blätter im Vorbeigehen zu pflücken. Als sie sich den eingeschlossenen wilden Elefanten näherte, kamen diese ihr entgegen, und ihr Anführer strich sie sanft mit seinem Rüssel über den Kopf, wandte sich dann um und ging langsam zu seinen niedergeschlagenen Gefährten zurück. Siribeddi folgte ihm mit demselben gleichgültigen Schritt und stellte sich dicht hinter ihm auf, so daß der alte Mann unter ihr hinkriechen und seine Schlinge um den Hinterfuß des wilden Elefanten gleiten lassen konnte. Derselbe bemerkte augenblicklich seine Gefahr, schüttelte das Seil ab und wandte sich zum Angriffe gegen den Mann. Dieser würde auch seine Keckheit schwer gebüßt haben, hätte nicht Siribeddi ihn mit ihrem Rüssel beschützt und den Angreifer in die Mitte der Herde getrieben. Der Alte war nur leicht verwundet und verließ den Corral, während sein Sohn Raughanie seine Stelle einnahm. Die Herde stellte sich wieder in einen Kreis, die Köpfe nach der Mitte gerichtet. Zwei zahme Elefanten drängten sich keck zwischen sie, und zwar so, daß sie das größte Männchen zwischen sich nahmen. Dieses leistete keinen Widerstand, zeigte aber doch sein Unbehagen dadurch an, daß es fortwährend einen Fuß um den andern hob. Raughanie kroch jetzt herbei, hielt die Schleife, deren anderes Ende an das Halsband Siribeddis befestigt war, mit beiden Händen offen und lauerte nun den Augenblick ab, in dem der wilde Elefant seinen Hinterfuß erhob; endlich gelang es ihm, die Schlinge über das Bein zu bringen, er zog sie an und floh rückwärts. Die beiden zahmen Elefanten wichen augenblicklich zurück. Siribeddi spannte das Seil zur vollen Länge an, und während sie den Gefangenen von der Herde abzog, stellte sich der andere zwischen sie und die Herde, um jede Einmischung zu verhindern.

Nun war aber der Gefangene an einen Baum zu fesseln und mußte deswegen dreißig oder vierzig Meter weit rückwärts gezogen werden, während er doch wütend widerstand, unablässig voll Entsetzen brüllte, nach allen Seiten sprang und die kleineren Bäume wie Schilf zertrat. Siribeddi zog ihn stetig nach sich und wand das Seil, das sie fortwährend in voller Spannung erhielt, um den geeigneten Baum. Schließlich schritt sie behutsam über das Seil hinweg, um es ein zweites Mal um den Stamm zu wickeln, wobei sie erklärlicherweise zwischen dem Baum und dem Elefanten durchzugehen hatte. Es war ihr aber nicht möglich gewesen, den Gefangenen dicht an den Baum zu fesseln, was doch nötig war. Der zweite zahme, der die Schwierigkeit bemerkte, kam ihr zu Hilfe, und Schulter an Schulter, Kopf an Kopf drängte er den Gefangenen rückwärts, während Siribeddi bei jedem seiner Schritte das schlaff gewordene Seil anzog, bis er richtig am Fuße des Baumes fest stand. Dann wurde er von dem Fänger festgemacht, hierauf eine zweite Schlinge um das andere Hinterbein gelegt und so wie die erste am Baum befestigt. Endlich wurden beide Beine mit geschmeidigeren Stricken zusammengefesselt, um Wunden und Eiterung möglichst zu verhüten.

Wiederum stellten sich nun die beiden Fängerelefanten wie zuvor neben den Wildling, so daß Raughanie unter ihrem Leibe hervor seine Schlinge auch um dessen beide Vorderfüße befestigen konnte. Nachdem der dann auch diese Seile an einen hervorstehenden Baum gebunden hatte, war der Fang vollständig, und die zahmen Elefanten wie die Wärter verließen ihr Opfer, um es mit einem andern Gliede der Herde zu versuchen. Solange die beiden zahmen neben ihm gestanden hatten, blieb der Gefangene verhältnismäßig ruhig und fast widerstandslos stehen: in dem Augenblicke, als sie weggingen und er ganz allein gelassen war, begann er die erstaunlichsten Anstrengungen, um sich freizumachen und wieder zu seinen Gefährten zu kommen. Er befühlte die Stricke mit seinem Rüssel und versuchte die unzähligen Knoten aufzuknüpfen; er zog nach hinten, um seine Vorderfüße zu befreien; er lehnte sich vorwärts, um die Hinterbeine loszubekommen, so daß jeder Ast des großen Baumes erzitterte; er kreischte in seiner Angst und erhob den Rüssel hoch in die Luft; er legte sich seitwärts mit dem Kopfe an den Boden und preßte seinen zusammengebogenen Rüssel, als ob er ihn in die Erde stoßen wollte; er sprang plötzlich wieder auf und erhob sich auf Kopf und Vorderbeinen frei in die Höhe. Dieses traurige Schauspiel währte mehrere Stunden. Er hielt mitunter, offenbar vor sich hinbrütend, inne, erneuerte dann plötzlich die Anstrengungen, gab sie aber zuletzt hoffnungslos auf und stand nun vollkommen regungslos, ein Bild der Erschöpfung und Verzweiflung. Unterdessen stellte sich Raughanie vor der Schaubühne des Statthalters auf, um die gewohnte Belohnung für das Fesseln des ersten Elefanten in Empfang zu nehmen. Ein Platzregen von Rupien belohnte ihn, und aufs neue ging er an sein gefährliches Amt.

Die Herde stand in einer gedrängten Masse mürrisch und unruhig. Mitunter trieb den einen oder andern die Ungeduld, ein paar Schritte zu tun und Umschau zu halten; dann folgten die andern, erst langsam, hierauf schneller, und zuletzt stürmte die ganze Herde wütend zum erneuten Angriff auf das Pfahlwerk. Diese erfolglosen Anläufe waren ebenso großartig wie erheiternd: die Anstrengung der riesigen Kraft ihrer gewaltigen Glieder, gepaart mit dem fast lächerlichen Wackeln ihres schwerfälligen Schrittes und der Wut ihrer anscheinend unwiderstehlichen Angriffe verwandelte sich einen Augenblick später in einen furchtsamen Rückzug. Sie stürzten wie toll längs der Einfriedung hinunter, den Rücken gekrümmt, den Schwanz gestelzt, die Ohren ausgebreitet, den Rüssel hoch über den Kopf erhoben, schrillend, trompetend und kreischend, und blieben, obgleich ein Schritt mehr das Pfahlwerk zu Trümmern zerschmettert haben würde, plötzlich vor einigen weißen Stäbchen stehen, die ihnen durch das Gitter entgegengestreckt wurden! Und wenn sie dann das verhöhnende Geschrei der Menge draußen vernahmen, verschwanden sie, vollständig aus der Fassung gebracht, durchkreisten den Corral ein- oder ein paarmal und gingen wieder langsam an ihren Standplatz im Schatten. Die Wächter, die namentlich aus Knaben und jungen Männern bestanden, legten aber auch wirklich eine erstaunliche Ausdauer und Unermüdlichkeit an den Tag. Immer wieder stürzten sie nach dem Punkte hin, der von den Elefanten bedroht schien, und hielten den Rüsseln ihre Stäbe entgegen, wobei ihr ununterbrochenes Geschrei: ?Huub, Huub? ertönte und die Tiere unabänderlich in die Flucht trieb.

Das zweite von der Herde getrennte Opfer, ein weiblicher Elefant, wurde auf dieselbe Weise festgemacht wie das erste. Als dieses Tier die Schlinge an dem Vorderfuße fühlte, ergriff es sie mit seinem Rüssel, und es gelang ihm, sie in den Mund zu bringen, wo sie sich schleunigst getrennt haben würde, hätte nicht ein zahmer Elefant seinen Fuß auf das Seil gesetzt und so die Schlinge niedergedrückt und seinen Kinnladen entrissen. Die Fänger wählten nun immer zunächst dasjenige Tier, das bei den nachfolgenden Angriffen auf die Einpfählung die Führerschaft übernommen hatte, und der Fang eines jeden erforderte durchschnittlich nicht mehr als dreiviertel Stunden.

Höchst merkwürdig war, daß die wilden Elefanten keinen Versuch wagten, die Leiter, die auf den zahmen Tieren ritten, anzugreifen oder herunterzuziehen. Diese ritten gerade mitten in die Herde hinein, aber kein Elefant machte auch nur Miene, sie zu belästigen. Major Skinner sagt: »Es scheint mir, daß man in einem Corral vollständig vor den Angriffen der wilden gesichert ist, sobald man auf einem zahmen Elefanten sitzt. Ich sah einst den alten Häuptling Mollegadde in eine Herde von Wildlingen hineinreiten, und zwar auf einem so kleinen Elefanten, daß der Kopf des Häuptlings in gleicher Höhe mit dem Rücken der wilden Tiere war. Ich war sehr besorgt um den Mann, dieser aber blieb ohne alle Belästigung.«

»Da der Herde«, fährt Tennent fort, »alle ihre Führer nacheinander weggefangen wurden, so wuchs die Aufregung der andern immer mehr. Wie groß aber auch ihre Teilnahme für die verlorenen Gefährten sein mochte, sie wagten doch nicht, zu den Bäumen zu folgen, an denen diese angebunden waren. Wenn sie an ihnen vorüberkamen, blieben sie manchmal stehen, umschlangen einander mit dem Rüssel, leckten sich an Hals und Gliedern und legten die rührendste Trauer über ihre Gefangenschaft an den Tag, machten aber keinen Versuch, die fesselnden Seile zu lösen. Die Verschiedenheit des Wesens der einzelnen Tiere bekundete sich deutlich in ihrem Benehmen. Einige ergaben sich mit verhältnismäßig geringem Widerstande, andere warfen sich in ihrer Wut mit solcher Gewalt zu Boden, daß jedes andere schwächere Tier dabei den Tod gefunden haben würde. Sie ließen ihren Zorn an jedem Baume, an jeder Pflanze aus, die sie erreichen konnten. War sie klein genug, um niedergerissen zu werden, so machten sie dieselbe mit ihrem Rüssel dem Boden gleich, streiften die Blätter und Zweige ab und streuten diese wild nach allen Seiten über ihre Köpfe hin. Einige gaben keinen Laut von sich, während andere wütend trompeteten und brüllten, dann wohl ein kurzes, krampfhaftes Gekreisch ausstießen und zuletzt erschöpft und hoffnungslos nur noch dumpf und kläglich stöhnten. Manche blieben nach einigen heftigen Versuchen regungslos auf dem Boden liegen, und nur die Tränen, die unaufhörlich aus ihren Augen flossen, sprachen aus, was sie duldeten; andere machten in der Kraft ihrer Wut die erstaunlichsten Windungen und Verrenkungen, und uns, die wir bei dem unbehilflichen Körper des Elefanten unbedingt an Steifheit denken, erschienen die Stellungen, in die sie sich drängten, geradezu unglaublich. Ich sah einen liegen, der die Wangen gegen die Erde drückte und die Vorderfüße vor sich hingestreckt hatte, während der Körper so herumgebogen war, daß die Hinterfüße nach der entgegengesetzten Seite hinausragten.

Es war höchst wunderbar, daß ihre Rüssel, die sie doch gewaltig nach allen Seiten schleuderten, nicht verletzt wurden. Einer wand den seinigen so, daß er einem gekrümmten riesigen Wurme ähnlich sah, zog ihn mit rastloser Schnelligkeit ein und stieß ihn aus, legte ihn wie eine Uhrfeder zusammen und schoß ihn dann plötzlich wieder in voller Länge vor; ein anderer, der sonst ganz regungslos dalag, schlug langsam den Boden mit der Spitze seines Rüssels, wie ein Mann in Verzweiflung wohl mit der flachen Hand auf sein Knie schlägt. Die Empfindlichkeit ihres Fußes war bei so plumpen Verhältnissen und einer solchen Dicke der Haut äußerst auffallend. Die Fänger konnten sie jeden Augenblick dazu zwingen, den Fuß zu heben, sobald sie nur mit einem Blatte oder Zweige kitzelten. Die Anlegung der Schlinge bemerkte das Tier augenblicklich, und wenn es dieselbe mit dem Rüssel erreichen konnte, näherte es den andern Fuß, um sie womöglich abzustreifen.

Eins war fast bei allen zu bemerken: sie zertrampelten den Boden mit ihren Vorderfüßen, nahmen mit einer Wendung des Rüssels die trockene Erde oder den Sand auf und bestreuten sich damit geschickt über und über. Dann führten sie die Spitze des Rüssels in den Mund und entnahmen diesem Wasser, das sie über ihren Rücken ausgossen; dies wiederholten sie so oft, bis der Staub gewöhnlich durchnäßt war. Ich verwunderte mich über die Menge Wasser, die sie dazu verwendeten; denn sie bekleideten sich förmlich mit einem dünnen Schlammantel und hatten nun doch seit vierundzwanzig Stunden keinen Zugang zur Tränke gehabt, waren außerdem auch von Kampf und Schrecken erschöpft.

Wirklich bewundernswert war das Benehmen der zahmen Elefanten. Sie bewiesen das vollkommenste Verständnis jeder Bewegung, des erstrebten Zieles und der Mittel, es zu erreichen. Offenbar bereitete ihnen der Fang Vergnügen. Es war keine böse Stimmung, kein Übelwollen in ihnen, sie schienen die ganze Sache als einen angenehmen Zeitvertreib zu betrachten. Ebenso merkwürdig wie ihre Klugheit war aber auch ihre Vorsicht. Übereilung oder Verwirrung war niemals zu bemerken. Nie verwickelten sie sich in die Seile, nie kamen sie den gefesselten in den Weg, und mitten in den heftigsten Kämpfen, wenn sie über die gefangenen wegzusteigen hatten, traten sie weder auf diese, noch fügten sie ihnen das geringste Leid zu, suchten vielmehr aus freien Stücken jede Schwierigkeit oder Gefahr für dieselben zu beseitigen. Mehr als einmal, wenn ein wilder seinen Rüssel ausstreckte, um das Seil aufzufangen, das um sein Bein gewickelt werden sollte, schob Siribeddi den Rüssel schnell beiseite. Ein Elefant, der schon an einem Fuße gefesselt war, setzte den andern immer weislich fest aus den Boden, sooft man versuchte, die Schlinge darumzulegen. Da lauerte Siribeddi die Gelegenheit ab, als jener den Fuß wieder erhob, schob geschwind ihr eigenes Bein darunter und hielt es in die Höhe, bis die Schlinge angelegt und zugezogen war. Es schien fast, als ob die zahmen mit der Furcht der wilden ihr Spiel trieben und ihren Widerstand verspotteten. Drängten die wilden sich rückwärts, so schoben sie dieselben vorwärts: wollten jene erzürnt eine andere Richtung einschlagen, so trieben die zahmen sie zurück. Warfen sie sich nieder, so stemmte sich ein zahmer mit Kopf und Schulter dagegen und zwang sie wieder in die Höhe. War es aber nötig, sie niederzuhalten, so kniete er auf sie und hielt sie nieder, bis die Seile festgemacht waren. Nur der Fänger, der besonders gute Dienste leistete und vor dem sich die wilde Herde ganz vorzüglich zu fürchten schien, hatte Stoßzähne, brauchte sie aber durchaus nicht zum Verwunden, sondern bahnte sich mit ihnen zwischen zwei Elefanten, wo er den Kopf nicht hätte hineinbringen können, einen Weg und benutzte seine Zähne außerdem, die Gefallenen oder Widerspenstigen mit größerer Bequemlichkeit aufzuheben. Mehrere Male, als die Vermittlung der andern zahmen Elefanten nicht genügte, um einen wilden zur Ordnung zu bringen, schien die bloße Annäherung dieses Stoßzahnträgers Furcht einzuflößen und Unterwürfigkeit zu erzwingen.

Vielleicht wurde der Mut und die Geschicklichkeit der Menschen durch die überraschenden Eigenschaften der zahmen Elefanten in den Schatten gestellt. Gewiß besaßen die ersteren ein schnelles Auge, das die geringste Bewegung des Elefanten erlauerte, und großes Geschick, die Schlingen überzuwerfen und rasch zu befestigen; jedoch genossen sie dabei stets den Schutz der zahmen Elefanten, ohne den auch die kühnsten und geschicktesten Jäger in einem Corral nichts ausrichten würden.

Von den beiden jungen Elefanten war der eine etwa zehn Monate alt, der andere etwas älter. Der kleinere mit seinem klobigen Kopfe und wolligen, braunen Haaren war die belustigendste und anziehendste Taschenausgabe eines Elefanten, die man sich denken kann. Bei jedem Angriff auf die Einfriedigung trabten beide Jungen der Herde nach. Standen die andern ruhig, so liefen sie den älteren zwischen den Beinen umher. Als die Mutter des jüngsten gefangen wurde, hielt sich das kleine Geschöpf neben ihr, bis sie dicht an den verhängnisvollen Baum gezogen worden war. Anfangs waren die Fänger von seinem Ärger mehr belustigt; bald aber fanden sie, daß es durchaus nicht zugab, wie seiner Mutter die zweite Schlinge angelegt werden sollte. Es lief herbei, griff nach dem Seile, stieß und schlug die Männer mit seinem Rüssel und mußte endlich zur Herde zurückgetrieben werden. Langsam, fortwährend brüllend und bei jedem Schritte sich umsehend, zog es sich zurück, gesellte sich sodann zu dem größten Weibchen, das noch unter der Herde war, und stellte sich zwischen dessen Vorderfüße, während dieses es mit seinem Rüssel liebkoste und ihm zuzureden schien. Hier blieb es stöhnend und wehklagend, bis die Fänger seine gefesselte Mutter sich selbst überlassen hatten. Dann kehrte es augenblicklich zu dieser zurück. Da es aber wieder störend auftrat und jeden Vorbeigehenden angriff, wurde es endlich nebst dem andern Jungen an einen nahen Baum gebunden. Letzteres hatte sich übrigens beim Fange seiner Mutter ganz ebenso benommen. Die beiden Jungen waren die lustigsten der ganzen Gesellschaft. Ihr Geschrei nahm kein Ende, und jeden, der in ihre Nähe kam, suchten sie zu packen. Ihre Wendungen erregten wegen der Geschmeidigkeit ihres Körpers besonderes Erstaunen. Das Belustigendste war, daß die kleinen Burschen mitten in all ihrer Not und Betrübnis doch alles Eßbare, was ihnen vorgeworfen wurde, schleunigst ergriffen und dann gleichzeitig brüllten und fraßen.

Unter den letzten, die eingefangen wurden, befand sich auch der Landstreicher. Obgleich er viel wilder war als die andern, verband er sich doch nicht mit ihnen zum Angriff gegen die Einfriedigung, da sie ihn einmütig von sich trieben und ihn nicht in ihren Kreis aufnahmen. Als er neben einem seiner Unglücksgefährten vorbeigeschleppt wurde, stürzte er auf ihn zu und suchte ihn mit seinen Zähnen zu durchbohren. Dies war auch das einzige Beispiel von Böswilligkeit, das sich während dieses Vorfalls im Corral zeigte. Als er überwältigt war, zeigte er sich erst lärmend und ungestüm, legte sich aber bald friedlich nieder, ein Zeichen, wie die Jäger sagten, daß sein Ende nahe war. Etwa zwölf Stunden lang deckte er sich noch ununterbrochen mit Staub wie die andern und befeuchtete diesen mit Wasser aus seinem Rüssel; endlich aber lag er erschöpft da und starb so ruhig, daß der Eintritt des Todes nur durch das Heer von schwarzen Fliegen bemerklich wurde, von dem sein Körper fast augenblicklich bedeckt wurde, obschon wenige Minuten vorher nicht eine sichtbar gewesen. Der Leichnam wurde losgebunden, und zwei zahme Elefanten zogen ihn hinaus.

Als endlich sämtliche Elefanten gefesselt waren, vernahm man aus der Entfernung die Töne einer Flöte. Sie wirkten wundersam auf mehr als einen. Die Tiere wandten den Kopf nach der Richtung, woher die Musik kam, und spannten ihre breiten Ohren; der klägliche Laut besänftigte sie offenbar. Nur die Jungen brüllten noch nach Freiheit, stampften mit den Füßen, bliesen Staubwolken über ihre Schultern, schwangen ihre kleinen Rüssel hoch empor und griffen jeden an, den sie erreichen konnten.

Anfangs verschmähten die älteren Tiere jedes angebotene Futter, traten es unter die Füße und wandten sich verächtlich ab. Einige konnten, als sie ruhiger wurden, der Versuchung eines saftigen Bäumchens nicht mehr widerstehen, sondern rollten ihn unter den Füßen, bis sie die zarten Zweige abgelöst hatten, hoben sie dann wieder mit ihrem Rüssel auf und kauten sie sorglos.

Wenn die Klugheit, die Ruhe und die Gelehrigkeit der Locktiere lebhaftes Erstaunen erregte, so mußte man anderseits auch das würdige Benehmen der Gefangenen bewundern. Ihr Betragen stand durchaus im Widerspruch mit den Schilderungen mancher Jäger, die sie als falsch, wild und rachsüchtig darstellen. Wenn die Tiere von den Waffen ihrer Verfolger gequält werden, wenden sie freilich ihre Stärke und ihre Klugheit dazu an, daß sie zu entkommen oder zu vergelten suchen; hier im Corral aber zeugte jede ihrer Bewegungen von Unschuld und Schüchternheit. Nach einem Kampfe, in dem sie keine Neigung zur Gewalttätigkeit oder Rache sehen ließen, unterwarfen sie sich endlich mit der Ruhe der Verzweiflung. Erbarmend war ihre Stellung, rührend ihr Schmerz, zum Herzen gehend ihr dumpfes Stöhnen. Wären sie mit unnötiger Quälerei gefangen worden oder wären sie einer übeln Behandlung entgegengegangen, es wäre geradezu unerträglich gewesen.

In ähnlicher Weise wie die erste Herde wurden dann auch die andern nach und nach eingetrieben, bald mit vollerem, bald mit geringerem Erfolge. Der Eintritt der neuen Gäste in den Corral beunruhigte natürlich die bereits gefangenen nicht wenig. Die zweite Herde kam nun aber bei Tageslicht hinein, und ihre Angriffe waren daher noch viel entschiedener als die der ersten. Sie wurde von einem weiblichen Elefanten, der ziemlich neun Fuß hoch war, angeführt, und dieses mutige Tier konnte bei einem Angriff auf die Umfriedigung, da alle weißen Stäbe nichts mehr halfen, nur dadurch zurückgetrieben werden, daß ihm ein Jäger eine lodernde Fackel an den Kopf warf. Um die bereits gefangenen kümmerten sich die später gekommenen nicht, stürzten vielmehr öfters wie toll über deren Körper dahin. Die oben erwähnte weibliche Führerin wurde zuerst erkoren. Als sie die Schlinge am Hinterfuße hatte, zeigte es sich, daß sie für Siribeddi zu stark war. Da diese fühlte, daß ihre Kraft nicht hinreichte, die widerstrebende Beute an den bestimmten Ort zu bringen, so kniete sie nieder, um ihr Ziehen durch das volle Gewicht ihres Körpers zu verstärken. Der Stoßzähner aber, der wohl sah, wie sauer sie es sich werden ließ, stellte sich vor die Gefangene und trieb sie Schritt für Schritt rückwärts, bis sie glücklich an den Baum gebracht und festgebunden worden war.

Die letzte Arbeit bestand darin, die Seile, die die Beine der Gefangenen fesselten, ein wenig zu lockern; dann führte man jeden zum Flusse. Zwei zahme mit starken Halsbändern traten ihm zur Seite; dem Neugefangenen legte man ein gleich starkes Halsband aus Kokosnußfäden an, band dann alle drei zusammen, wobei der zahme Elefant mitunter seinen Rüssel brauchte, um den Arm seines Reiters vor dem Rüssel des Gefangenen zu schützen, weil dieser sich das Seil natürlich nicht gern um den Hals legen ließ. Nachdem dies geschehen war, wurden die Schlingen von seinen Beinen abgenommen und er zum Flusse geleitet, wo er sich baden durfte, ein Genuß, den alle begierig ergriffen. Dann wurde jeder an einen Baum im Walde festgebunden und ihm seine Wärter zugewiesen, die ihn reichlich mit seinem Lieblingsfutter versorgten.

Die Zähmung des Elefanten ist ziemlich einfach. Nach etwa drei Tagen beginnt er ordentlich zu fressen und bekommt dann in der Regel einen zahmen zum Gesellschafter. Zwei Männer streicheln ihm den Rücken und reden ihm in sanften Tönen zu. Anfangs ist er wütend und schlägt mit seinem Rüssel nach allen Seiten, vorn aber stehen andere Männer, die alle seine Schläge mit der Spitze ihrer Eisenstangen auffangen, bis das Vorderende des Rüssels so wund wird, daß das Tier ihn endlich einzieht und dann selten wieder zum Angriff benutzt. So lernt er zuerst die Macht des Menschen fürchten. Später helfen die zahmen Elefanten seine Erziehung weiterführen. In etwa drei Wochen bringt man das Tier so weit, daß es sich im Wasser niederlegt, sobald die Spitze der eisernen Rute, die ihn vorher öfter am Rücken verwundet hatte, ihm droht.

Sehr schwierig ist es, die Wunden zu heilen, die auch die weichsten Seile an den Beinen hervorbringen. Diese Wunden eitern oft viele Monate lang, und manchmal vergehen Jahre, ehe der Elefant bei einer Berührung der Füße ruhig bleibt.

Während ihre Größe keinen besonderen Einfluß auf die Dauer ihrer Abrichtung zu haben scheint, sind die Männchen gewöhnlich minder leicht zu behandeln als die Weibchen. Die, die anfangs die heftigsten und widerspenstigsten sind, werden am schnellsten und wirksamsten gezähmt und bleiben gewöhnlich gehorsam unterworfen; die mürrischen oder tückischen aber langsamer, und es ist ihnen selten zu trauen, überhaupt darf man einem gefangenen Elefanten nie mit unbegrenztem Vertrauen begegnen. Auch die zahmsten und sanftesten bekommen mitunter Anfälle von Halsstarrigkeit, und selbst nach jahrelangem Gehorsam macht sich ihre Reizbarkeit und Rachsucht bemerklich.

Im allgemeinen kann die Gegenwart der zahmen Elefanten nach zwei Monaten entbehrt und der eingefangene vom Kornak allein geritten werden; nach drei bis vier Monaten läßt er sich zur Arbeit verwenden; nur darf man ihn nicht zeitig dazu bringen, da es oft vorgekommen ist, daß ein wertvolles Tier beim erstenmal Anschirren sich niedergelegt hat und, wie die Einwohner sagen, ?am gebrochenen Herzen gestorben ist?, jedenfalls verendet ist, ohne daß irgendeine Ursache nachgewiesen werden konnte. Gewöhnlich läßt man den Elefanten Lasten tragen oder in Gemeinschaft mit einem zahmen einen Wagen ziehen. Am schätzbarsten wird er durch Herbeischaffung schwerer Baustoffe, Balken oder Steine, wobei er Einsicht und Geschick in hohem Grade beweist und stundenlang ohne einen Wink seines Aufsehers arbeitet; indes läßt sein Eifer nach, wenn er sich unbeobachtet glaubt.«

Wie Melchior mitteilt, schätzt und wertet man in Indien männliche Elefanten aus dem Grunde höher als weibliche, weil letztere wegen der ihnen mangelnden Stoßzähne nur zum Ziehen, erstere dagegen auch zum Heben und Fortstoßen schwerer Lasten gebraucht werden können. Außerdem schwankt der Preis je nach der Erziehung, die das Tier genossen, beziehentlich nach der Leistungsfähigkeit, die es erlangt hat.

Was man von der Vorliebe des Elefanten für eine einmal angenommene Ordnung der Zeit oder seiner Arbeitsweise oft behauptet hat, ist nach Tennents Beobachtungen ungenau. Er zeigt sich auch in dieser Beziehung so gefügig wie etwa ein Pferd. Sein Gehorsam gegen seinen Treiber gründet sich sowohl auf Furcht als auf Liebe, und obschon er dem einen oft sehr zugetan ist, gewöhnt er sich doch auch leicht an einen andern, falls dieser ihn ebenso freundlich behandelt wie der frühere. Die Stimme des Führers reicht hin, ihn bei seinen Verrichtungen zu leiten. Wenn zwei eine gemeinsame Arbeit verrichten sollen, lassen sich ihre Bewegungen leicht durch eine Art Gesang in Einklang bringen. Die schwerste Probe seines Gehorsams legt der Elefant ab, wenn er auf Geheiß seines Wärters die ekelhaften Arzneien der Elefantenärzte verschluckt oder wenn er schmerzvolle wundärztliche Verrichtungen an sich vornehmen lassen muß.

Als Lasttier muß der Elefant zart behandelt werden; denn seine Haut ist äußerst empfindlich und Eiterungen in hohem Grade ausgesetzt. Ebenso bekommt er leicht böse Füße und ist dann monatelang nicht zu gebrauchen. Auch von Augenentzündungen wird er häufig heimgesucht, und gerade in dieser Beziehung leisten die Elefantenärzte wirklich so viel, daß sie seit den Zeiten der alten Griechen berühmt geworden sind. An der Viehseuche leiden wilde und zahme Elefanten gleich stark.

Die alte Angabe, daß der Elefant ein Alter von zwei- bis dreihundert Jahren erreiche, wird durch einzelne Beispiele auf Ceylon allerdings bestätigt, wo einzelne in der Gefangenschaft länger als hundertvierzig Jahre zugebracht haben. Indes glaubt man jetzt, daß ihre eigentliche Lebensdauer etwa siebzig Jahre betrage. Der Glaube an ihr fast unbegrenztes Alter kommt jedenfalls daher, daß der Leichnam selten oder nie in den Wäldern gefunden wird. Nur nach einer verheerenden Seuche finden sich solche vor. Ein Europäer, der sechsunddreißig Jahre lang ununterbrochen in dem Dschungel gelebt und die Elefanten fleißig beobachtet hat, pflegte oft seine Verwunderung auszusprechen, daß er, der doch viele Tausende lebendiger Elefanten gesehen, noch nie das Gerippe eines einzigen toten gefunden habe, ausgenommen solche, die durch eine Krankheit gefallen waren. Diese Bemerkung gilt übrigens nur von den Elefanten aus Ceylon; denn in Afrika werden die Gebeine der in den Waldungen gestorbenen Elefanten häufig gefunden. Der Eingeborene in Ceylon glaubt, daß jeder Elefantentrupp seine Toten begrabe. Außerdem behauptet er auch, daß der Elefant, der seinen Tod herannahen fühle, stets ein einsames Tal zu seinem Sterbeplatz erwähle, das zwischen den Bergen östlich von Adams Peak liegt und einen klaren See umschließt.

Gegenüber den regelrechten Fanganstalten der Inder und deren verständnisvoller, auf die sorgsamste Beobachtung begründeter Behandlungsweise des Elefanten verfahren die afrikanischen Stämme, die sich mit dem Fange des Fihl befassen, unendlich roh und ungeschickt. Soviel mir bekannt, betreiben nur die Nomadenstämme der zwischen dem oberen Nil und dem Roten Meer sich ausdehnenden Steppen, also der Atbaraländer, einen mehr oder weniger regelmäßigen Fang, seitdem der nunmehr verstorbene Tierhändler Casanova sie hierzu angeregt und eine Verbindung mit ihnen angebahnt hat, die von andern Händlern noch gegenwärtig unterhalten wird. Casanova brachte anfangs der sechziger Jahre zuerst einige, später fast alljährlich viele lebende afrikanische Elefanten nach Europa, woselbst sie seit Jahrhunderten nicht gesehen worden waren. Marno, der Casanova auf einer seiner Reisen nach Kassala (der am Sudit, einem Zufluß des Atbara, gelegenen Hauptstadt des Steppenlandes Taka) begleitete, berichtet, daß die Steppenbewohner einzig und allein auf Säuglinge jagen und auch diese nur erbeuten, indem sie deren Mütter in der oben geschilderten Weise verfolgen und töten. Während die kühnsten Jäger sich mit den Alten beschäftigen, versuchen andere sich des Jungen zu bemächtigen, werfen ihm Schlingen über, reißen es zu Boden und fesseln es sodann an allen Vieren. Die Jäger selbst kehren von ihren wilden Ritten durch dornige Dickichte zerkratzt und zerschunden, die Pferde krumm und lahm nach dem Dorfe zurück, und beide bedürfen nach jeder Jagd längerer Erholung. Nach Marnos Versicherung verursachen selbst die jüngsten Elefanten oft bedeutende Schwierigkeiten, ebensowohl durch ihr Widerstreben bei und nach dem Fange selbst wie durch die mit der Ernährung und Fortschaffung verbundene Mühwaltung. Daß ein junger Elefant dem Jäger, der etwas von seinem eigenen Schweiße an die Rüsselspitze des kleinen Dickhäuters gebracht hat, beständig nachfolgen soll, wie Heuglin behauptet, scheint man in den Atbaraländern nicht zu wissen, braucht hier vielmehr stets Gewalt. Mehrere Männer sind erforderlich, um die kleinen Wildlinge auf kurzen Märschen bis zum Aufenthaltsort des Händlers zu geleiten, und eine stetig mitwandernde Ziegenherde ist nötig, sie unterwegs mit Milch zu versorgen. Infolge der rohen Behandlung, die sie erlitten, bekunden die jungen Tiere einen glühenden Haß gegen alle Eingeborenen, erheben ihre mächtigen Ohren, sobald sie einen solchen gewahren, schreien und werden wild und ungebärdig, falls ein solcher sich naht, wogegen sie sich mit dem Europäer um so eher befreunden, je sanfter und liebevoller dieser mit ihnen verkehrt. Anfänglich versuchen sie auch ihn zu stoßen oder mit dem Rüssel zu schlagen, gewöhnen sich jedoch verhältnismäßig erstaunlich schnell an jeden verständigen Pfleger und werden dann zu wirklich liebenswürdigen Geschöpfen, deren gutmütig drolliges Wesen jedes Herz gewinnen muß. Verdiente oder doch für notwendig erachtete Schläge fruchten zwar, machen sie jedoch ängstlich und furchtsam, erschweren deshalb auch ihre Zähmung mehr, als sie dieselbe fördern. Bei harter Behandlung vergießen sie Tränen wie ein gequälter Mensch. Nicht wenige verenden in den ersten Tagen ihrer Gefangenschaft infolge der rohen Behandlung, der Beschwerden des Weges, der ungewohnten Nahrung und endlich der Wunden, die die Fesseln verursachen, in manchen Fällen auch ohne erklärliche Ursache, wahrscheinlich aus Kummer über den Verlust ihrer Mutter und ihrer Freiheit. Schweinfurth schildert das Betragen eines jungen Elefanten dieser Art, der in der üblichen Weise erbeutet und ihm geschenkt worden war: »Einen rührenden Anblick gewährte die vererbte Wohlerzogenheit des jungen Elefantenkindes. Bei jeder Pfütze und bei jedem Brunnen, den der Weg berührte, pflegte es den Rüssel voll Wasser zu pumpen, um sich vom Staube der Wanderung oder vom Schmutze des sumpfigen Pfades zu säubern. Indem es sich des Rüssels gleich eines Wasserschlauches bediente, begann es alsdann immer wieder von neuem sich den Körper zu berieseln und zu bespritzen.« Ungeachtet der ihm gewordenen Sorgfalt und Pflege erlag auch dieser Elefant nach wenigen Tagen den Folgen des anstrengenden Marsches. »Es hatte für mich«, sagt Schweinfurth, »etwas unendlich Wehmutvolles, das bereits riesige und doch noch so hilflose Geschöpf unter schweren Atemzügen verenden zu sehen. Wer das Auge des Elefanten beobachtet, wird finden, daß trotz seiner Kleinheit und bei aller Kurzsichtigkeit, die diesen Tieren angeboren ist, doch ein so seelenvoller Blick von demselben ausgeht wie bei keinem zweiten Vierfüßler.«

Casanovas Gefangene wurden, wie Marno fernerhin mitteilt, unter schattigen Bäumen aufgestellt oder durch aufgespannte Matten gegen die Hitze geschützt, bekamen dreimal täglich ein Gemisch von Milch und Wasser, die größeren nur Wasser zu trinken und außer Durrhamehlbrei junge Durrhakolben und Zweige verschiedener Bäume zu fressen. Beim Trinken bekundeten auch sie, daß Wasser ihnen durchaus unentbehrlich ist. Sie tranken nicht allein eine erhebliche Menge desselben, sondern verbrauchten stets auch einen ansehnlichen Teil davon, um sich zu überspritzen und die ihnen ersichtlich sehr schmerzlichen Wunden zu kühlen.

Auf der Reise von Kassala nach Suakin, die mehrere Wochen in Anspruch nahm, wurden die größten und verständigsten unter den jungen Elefanten von je drei Männern geleitet, derart, daß ein Mann das Tier führte und zwei die an den Hinterbeinen befestigten Stricke hielten, um ein etwaiges Entrinnen zu verhindern. Hieran dachten die folgsamen Geschöpfe jedoch nicht, liefen vielmehr, wie Schafe ihrem Hirten, dem Führer nach, solange sie nicht erschreckt wurden. Noch immer hatten sie ihre Abneigung gegen die Araber nicht aufgegeben, griffen auch einmal einen dieser Leute an und würden ihn wahrscheinlich übel zugerichtet haben, wäre dem Bedrohten nicht rechtzeitig ein Europäer zu Hilfe geeilt. Diesem gegenüber zeigte sich das soeben in Wut geratene Tier zahm und gehorsam wie immer. Weit mehr Unannehmlichkeiten verursachten die jüngeren Genossen der leitenden Elefanten. Sie hatten sich vom Anfange an gewöhnt, in dicht gedrängtem Haufen nebeneinander zu gehen, stießen und drückten sich infolgedessen, schrien, wollten sich auch auf dem Lagerplatze, wo sie, um das Verwickeln ihrer Fesseln zu verhüten, einzeln angebunden werden mußten, nicht trennen, ergriffen ärgerlich die Flucht und zerrten dann nicht allein ihre Führer durch Dick und Dünn, Gestrüpp und Dornen, sondern verleiteten auch die übrigen zur Flucht, da einer dem andern nachzulaufen pflegte. Mehrmals rissen einzelne sich los, liefen jedoch niemals davon, sondern blieben stets in der Nähe ihrer Schicksalsgenossen. Ein kleines Weibchen, das ohne alle Fesseln umherlaufen durfte, ging naschend von einem Kameraden zum andern, wurde auch von den kleineren geduldet, von den größeren dagegen stets vertrieben, weil diese futterneidischer waren als jene. Nur mit einem größeren Weibchen hatte es innige Freundschaft geschlossen, fraß und trank mit ihm und hielt sich fast beständig in seiner Nähe auf, schlief auch stets dicht an seiner Seite. Fast alle kleinen hatten die Gewohnheit, an den Ohren ihrer Nachbarn oder an den Kleidern und Händen ihrer Führer zu saugen. Gewöhnlich wurde täglich morgens und abends je fünf bis sieben Stunden lang weiter gezogen und dazwischen gerastet, die langnasige Herde gefüttert, getränkt, mit Wasser begossen und, nachdem Leute und Tiere geruht und geschlafen, die Wanderung fortgesetzt. An heißen Tagen fächelten sich die Elefanten während des Gehens mit den großen Ohren Kühlung zu und bespritzten sich mit dem früher getrunkenen Wasser, das sie vom Magen aus in das Maul stießen und dann mittels des Rüssels hervorholten. Letzterer war in beständiger Bewegung; spritzten die Tiere nicht Wasser, so bestreuten sie sich mit Sand oder hüllten sich in dicke Staubwolken ein. Durch die Hitze litten sie fast ebenso wie durch die weiten Wege über dürren und steinigen Boden, infolge deren ihre dicken Sohlen sehr angegriffen wurden. Viele Mühe verursachte das Ein- und Ausladen in und aus Booten, Schiffen und Güterwagen auf den Eisenbahnen: doch gewöhnten sie sich, so erschreckt sie anfänglich sich zeigten, in kürzester Frist auch an diese ihnen vollkommen neuen Verhältnisse.

Aus Marnos Mitteilungen wie aus den von mir und andern in Tiergärten gesammelten Beobachtungen geht hervor, daß auch der Fihl wie sein indischer Verwandter gezähmt und in seiner an geeigneten Nutztieren so armen Heimat gewiß mit großem Vorteile dem Menschen dienstbar gemacht werden könnte. Ob er ebensoviel leisten würde, wie der indische Elefant, steht dahin; die Angaben der Alten sprechen dagegen, und der Eindruck, den das Tier auf den Beobachter macht, straft jene Angaben nicht Lügen. Wie Plinius, Livius, Strabo und andere römische Schriftsteller berichten, waren die indischen Elefanten den afrikanischen an Stärke und Mut entschieden überlegen; in der von Ptolemäus Philopator im Jahre 217 v. Chr. gegen Antiochus geschlagenen Schlacht von Raphia zogen, wie Hartmann hervorhebt, die dreiundsiebzig afrikanischen Elefanten des ägyptischen Königs gegen die hundertundzwei des syrischen Gegners in kläglicher Weise den kürzeren. Doch wissen wir auch, durch die Römer sowohl wie durch unsere Tierbändiger, daß der Fihl jeder für ihn überhaupt möglichen Abrichtung fähig ist. Allerdings vermissen wir an ihm den Ausdruck der geistigen Vollkommenheit, der den indischen Verwandten in so hohem Grade auszeichnet, würden ihm jedoch entschieden Unrecht tun, wenn wir deshalb folgern wollten, daß er der Erziehung und Abrichtung unfähig wäre. Er dürfte nichts so Erstaunliches wie sein Verwandter, sicherlich aber noch immer außerordentlich viel leisten, wollte man ihn nur in derselben Weise behandeln, wie die Indier mit der in ihrer Heimat lebenden Art verkehren.

In unsern Tiergärten hält sich der afrikanische Elefant ebenso gut wie der indische, auch unter Umständen, die seinen natürlichen Bedürfnissen wenig entsprechen; so beispielsweise da, wo ihm ein größerer Raum zu freier Bewegung oder ein hinreichend weites und tiefes Badebecken fehlt und er genötigt wird, durch Hin- und Hergehen oder Aufheben und Niederlassen der Beine für erstere, durch zeitweiliges Überspritzen mit Hilfe des Rüssels für die ihm so notwendige Suhle Ersatz sich zu verschaffen. In der Regel höchst gutmütig und folgsam, kann der eine wie der andere zuweilen doch alle Rücksichten gegen den sonst warm geliebten Wärter vergessen und dann sehr gefährlich werden. Die Brunstzeit erregt ihn stets im hohen Grade und macht äußerste Vorsicht des ihn bedienenden Mannes zur gebieterischen Notwendigkeit. Nach den bisher gesammelten Erfahrungen sind Männchen stets mehr zu fürchten als Weibchen, obgleich auch sie sehr zornig und angriffslustig werden können. Freundliche Behandlung erkennt jeder Elefant an und erweist sich derselben gegenüber dankbar; Unfreundlichkeit und Ungerechtigkeit vergibt er in den meisten, aber keineswegs in allen Fällen. Gleichwohl richtet er nur selten Unglück an und ist deshalb weniger zu fürchten als jeder bösartige Wiederkäuer, als jeder Wildstier, jeder größere Hirsch, jede stärkere Antilope. Seine vortrefflichen Sinne, sein scharfer Verstand, sein mildes Wesen machen sich jedem Beobachter in ersichtlicher Weise bemerkbar. Er lernt spielend leicht und »arbeitet« willig und gern, bildet deshalb auch eines der hervorragendsten Zugtiere jeder Tierbude, wie er bald zum erklärten Liebling der Besucher eines Tiergartens wird. Die Menge der Nahrung, deren er bedarf, ist sehr bedeutend: laut Schmidt erhält der im Frankfurter Tiergarten lebende, etwa fünfzehn Jahre alte Elefant täglich acht Kilogramm Weizenkleie, fünf Kilogramm Brot, achtzehn Kilogramm Heu und einen Tag um den andern je drei Kilogramm gekochten Reis, abgesehen von den ihm seitens der Besucher zugesteckten Leckerbissen, in Gestalt von Weiß- und Schwarzbrot, Rüben, Obst und ähnlichen Dingen. Dasselbe Tier leert, je nach der Jahreszeit, täglich vier bis achtzehn mit Wasser gefüllte Stalleimer. ? Paarweise zusammenlebende Elefanten begatten sich nicht selten, jedoch, soweit bisher beobachtet werden konnte, ohne Erfolg. Mancherlei Krankheiten und ebenso zufällige Unfälle raffen unsere Gefangenen oft plötzlich weg; ersteren stehen die Tierärzte meist ratlos gegenüber, letztere sind in den seltensten Fällen zu vermeiden. Mit gewöhnlichen Arzneigaben richtet man, wie folgendes Beispiel beweist, bei den kranken Riesen wenig aus. Einem Elefanten, der an Verstopfung litt, wurden im Laufe von zehn Tagen eingegeben: vier Pfund Aloë, ein Pfund fünf Unzen Kalomel, fünf Pfund Rizinusöl, zwölf Pfund Butter und fünf Pfund Leinöl, worauf endlich die erwünschte Wirkung eintrat.

Als Unfälle bezeichne ich z.B., wenn ein Elefant an einer von ihm selbst aufgenommenen Rübe erstickt, oder wenn ein Tierhändler, wie dies Hagenbeck erfahren mußte, drei junge Elefanten dadurch verliert, daß die Ratten ihnen die Fußsohlen bei lebendigem Leibe abgenagt haben.

Elefantenfleisch hat den Geschmack von Ochsenfleisch, ist aber viel zäher und grobfaseriger; Elefantenfett ist von graulichweißer Farbe, etwas grobkörnig und rauh und dabei so leicht gerinnbar, daß es schon bei 20 Grad Reaumur zu einer ziemlich festen Masse verdickt. So berichtet Heuglin, der ersteres frisch und im getrockneten Zustande genossen und schmackhaft gefunden hat. Das Stück eines Vorderfußes lieferte, nachdem es vierundzwanzig Stunden lang über dem Feuer gestanden hatte, wohlschmeckende Fleischbrühe in Menge und außerdem schmackhaftes Fleisch. Tennent rühmt die Zunge, Corse läßt dem in Asche gebratenen Rüssel Gerechtigkeit widerfahren. Die Neger schneiden alle Muskeln in lange Streifen, trocknen diese an der Sonne oder über dem Feuer und zerreiben sie vor der Verwendung zu einem groben Pulver, das ihren einfachen Gerichten beigemischt wird. Bei den Jagden, die die Niamniam anstellen, vernichtet man zuweilen so viele Elefanten, daß der Fleischbedarf mehrerer Dörfer auf Monate gedeckt ist. »Oft«, sagt Schweinfurth, »sah ich Leute, die ich mit einem großen Bündel Brennholz ihren Hütten zuzuschreiten glaubte: sie trugen ihren Anteil an Elefantenfleisch, das, in lange Striemen geschnitten und über dem Feuer gedörrt, ganz das Ansehen von Holz und Reisig angenommen hatte.«

Von dem Elfenbein, das wir gegenwärtig bei uns verarbeiten, stammt ein guter Teil aus Afrika, kaum weniger aus Sibirien, von den vorweltlichen Arten nämlich, und der geringste Teil endlich aus Indien. Die Negerländer im oberen Nilgebiete führen alljährlich eine bedeutende Menge des kostbaren und von Jahr zu Jahr im Preise steigenden Stoffes aus; eine der größten Handelsstädte des innern Afrikas, Chartum, die Hauptstadt Kordofâns, Obëid, und die Hafenstadt Massaua am Roten Meere sind zurzeit wichtige Stapelplätze für dieses, den höchsten Gewinn bringende Erzeugnis des inneren Afrika. In den achtziger Jahren hat sich auch Sansibar zum Stapelplatze für Elfenbein aufgeschwungen, und seitdem beginnt die Verfolgung des Elefanten seiner Zähne wegen längs der ganzen Westküste. Noch durchziehen zahlreiche Herden der stattlichen Tiere die Wälder Afrikas; aber mehr und mehr lichtet sie der verfolgende Mensch. Wie im Norden und Süden, steht ihnen auch in den Küstenländern des Ostens und Westens und selbst im Innern von Afrika das Schicksal bevor: ausgestrichen zu werden in der Liste der Lebendigen.

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Als die den Rüsseltieren zunächst stehende Unterordnung betrachten wir die Gruppe der Unpaarhufer ( Anisodactyla), zu der wir die beiden jetzt lebenden Familien der Tapire und Nashörner rechnen. Die Tapire ( Tapirina), verhältnismäßig kleine, plump gebaute Tiere, die zwischen den Elefanten und Schweinen ungefähr die Mitte zu halten scheinen, kennzeichnen sich durch noch immer wohlgebildeten Leib, mit verlängertem, schmächtigem Kopfe, schlankem Halse, kurzem, stummelhaftem Schwanze und mittelhohen, kräftigen Beinen. Die Oberlippe verlängert sich rüsselförmig und hängt weit über die Unterlippe herab. Die kräftigen Füße haben vorn vier, hinten drei Zehen. Das starke Fell liegt überall glatt auf. Die Behaarung ist kurz, aber dicht, bei den amerikanischen Arten von der Mitte des Hauptes an bis zum Widerrist mähnenartig verlängert. Das Gebiß besteht aus sechs Schneidezähnen und einem Eckzahn in jedem Kiefer, sieben Backenzähnen in der oberen und sechs in der unteren Kinnlade. Das Gerippe, das mit dem anderer Dickhäuter entschiedene Ähnlichkeit hat, zeichnet sich durch verhältnismäßig leichte Formen aus. Am Schädel überwiegt der lange, schmale Antlitzteil den sehr zusammengedrückten Hirnkasten beträchtlich. Endlich bekundet sich hinsichtlich der Tapire dasselbe Verhältnis, das wir fast regelmäßig beobachten können, wenn eine Familie in der Alten und in der Neuen Welt vertreten ist: die altweltlichen Arten sind edler gestaltete, falls man so sagen darf, vollkommenere Tiere als die in der Neuen Welt lebenden.

siehe

Schabrackentapir ( Tapirus indicus)

Der Schabrackentapir ( Tapirus indicus) zeichnet sich vor seinen Verwandten aus durch beträchtlichere Größe, den verhältnismäßig schlankeren Leibesbau und endlich durch die Färbung. Besonders wichtig für die Kennzeichnung des Tieres scheint mir der Bau des Rüssels zu sein. Während dieser bei den amerikanischen Tapiren sich deutlich von der Schnauze absetzt und röhrenförmig gerundet erscheint, geht die obere Schnauzenhälfte des Schabrackentapirs unmerklich in den Rüssel über, der einen ähnlichen Querschnitt hat wie der Elefantenrüssel, d.h. auf der Oberseite gerundet, auf der Unterseite hingegen gerade abgeschnitten ist. Außerdem zeigt dieser Rüssel viel deutlicher als der seiner amerikanischen Verwandten den fingerförmigen Fortsatz, ? wiederum eine Andeutung an den Elefantenrüssel. Sehr bezeichnend ist die Färbung des höchst gleichmäßigen Haarkleides. Kopf, Hals und Vorderteil des Leibes bis hinter die Schulterblätter, nebst den Beinen, ein breiter Streifen, der längs der Brust- und Bauchmitte verläuft, die Hinterbeine, einschließlich der Oberschenkel, sowie endlich der Schwanz sind tief schwarz, alles übrige hingegen ist graulichweiß. Im Jahre 1820 trafen der erste Balg, ein Gerippe und verschiedene Eingeweide des bis dahin noch immer sehr wenig bekannten Geschöpfes in Europa ein. Seitdem haben wir manches vom Schabrackentapir erfahren, ohne uns jedoch rühmen zu können, über ihn vollständig unterrichtet zu sein.

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Eine kurze Nackenmähne und ein einfarbiges Haarkleid kennzeichnen den Tapir, in Brasilien Anta genannt ( Tapirus americanus). Er ist diejenige Art seiner Familie, mit der wir am frühesten bekannt wurden. Ein ziemlich gleichmäßiges Haarkleid, das sich nur von der Mitte des Oberkopfes längs des Nackens bis zu den Schultern steifmähnig, jedoch nicht bedeutend verlängert, bedeckt den Leib. Die Färbung desselben ist ein schwärzliches Graubraun, das an den Seiten des Kopfes, besonders aber am Halse und an der Brust, sich etwas lichtet. Verschiedene Abweichungen kommen vor: es gibt fahle, graue, gelbliche, bräunliche Spielarten. Nach Tschudis Messungen kann der Tapir bis 2 Meter Länge und 1,7 Meter Höhe erreichen. Auffallenderweise kommen diese Maße nicht dem männlichen, sondern dem weiblichen Tiere zu, das regelmäßig größer zu sein pflegt.

Nach den neueren Untersuchungen scheint sich das Vaterland des Tapirs auf den Süden und Osten Südamerikas zu beschränken und im Norden und Westen der Südhälfte sowie in der Mitte Amerikas durch ihm zwar innig verwandte, jedoch wohl unterschiedene Arten ersetzt zu werden, auf die wir nicht näher eingehen wollen.

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Alle Tapire halten sich im Walde auf und vermeiden ängstlich Blößen oder offene Stellen desselben. Sie sind es daher auch, die dem vordringenden Menschen am ersten weichen und sich vor ihm tiefer in die Wälder zurückziehen, während, wie Hensel von Südamerika sagt, die übrige Tierwelt der Wendekreise sich im Gegenteil nach den urbar gemachten Stellen des Waldes hindrängt. In den Dickichten der südamerikanischen Waldungen treten die Tapire regelmäßige Pfade aus, die sich von den Wegen der Indianer schwer unterscheiden lassen und den Ungeübten leicht verlocken, ihnen zu seinem Schaden zu folgen. Diese Wildbahnen benutzen die Tiere, solange sie nicht gestört werden; geängstigt dagegen brechen sie ohne irgendwie bemerkliche Anstrengung durch das verschlungenste Dickicht.

Die Tapire sind Dämmerungstiere. »Wir haben«, sagt Tschudi, »monatelang die dichten Urwälder, in denen Scharen von Tapiren leben, durchstrichen, ohne je einen im Laufe des Tages zu sehen. Sie scheinen sich dann nur im dichten Gebüsch, an den kühlen, schattigen Plätzen aufzuhalten, am liebsten in der Nähe von stehendem Wasser, in dem sie sich gern wälzen.« In gänzlich ungestörten und sehr dunkeln Wäldern hingegen streifen sie, wie Prinz von Wied versichert, auch bei Tage umher, und diese Angabe findet Unterstützung in der Beobachtung des Betragens der Gefangenen, die ebenfalls nicht selten in den Tagesstunden sich erheben und eine Zeitlang in ihrem Gehege umherlaufen. Im Sonnenscheine freilich bewegen sie sich höchst ungern, und während der eigentlichen Mittagsstunden suchen sie stets im Schatten des Dickichts Schutz gegen die erschlaffende Hitze und noch mehr gegen die sie im hohen Grade peinigenden Mücken. Gegen Abend gehen die Tapire ihrer Nahrung nach, und wahrscheinlich sind sie während der Nacht fortwährend in Bewegung. Sie bekunden in ihrer Lebensweise Ähnlichkeit mit unserem Wildschwein, halten sich jedoch nicht in so starken Rudeln wie dieses, sondern leben, nach Art des Nashorns, mehr einzeln. Namentlich die Männchen sollen ein einsiedlerisches Leben führen und sich bloß zur Paarungszeit zu dem Weibchen gesellen. Familien trifft man höchst selten an, und Gesellschaften von mehr als drei Stück sind bis jetzt nur da beobachtet worden, wo eine besonders gute, fette Weide zufällig verschiedene Tapire vereinigt hat. Doch bemerkt Tschudi, daß sie haufenweise an die Ufer der Flüsse kommen, um hier zu trinken und sich zu baden.

In ihren Bewegungen erinnern die Tapire an die Schweine. Der Gang ist langsam und bedächtig: ein Bein wird gemächlich vor das andere gesetzt, der Kopf dabei zur Erde herabgebogen, und nur der beständig sich hin- und herdrehende, schnüffelnde Rüssel sowie die fortwährend spielenden Ohren beleben die sonst äußerst träge erscheinende Gestalt. So geht der Tapir ruhig seines Weges dahin. Der geringste Verdacht aber macht ihn stutzen, Rüssel und Ohren drehen und bewegen sich kurze Zeit fieberisch schnell, und plötzlich fällt das Tier in eilige Flucht. Es beugt den Kopf tief zur Erde herab und stürzt in gerader Richtung blindlings vorwärts, durch das Dickicht ebenso rasch wie durch Sumpf oder Wasser. »Begegnet man«, sagt der Prinz, »zufällig einem solchen Tiere im Walde, so pflegt es heftig zu erschrecken und schnell mit großem Geräusche zu entfliehen. Auf kurze Entfernung ist es ziemlich flüchtig; doch kann es einem raschen Hunde nicht entgehen und pflegt sich bald vor diesem zu stellen.« Der Tapir ist ein vortrefflicher Schwimmer und ein noch vorzüglicherer Taucher, der ohne Besinnen über die breitesten Flüsse setzt, solches auch nicht allein auf der Flucht, sondern bei jeder Gelegenheit tut. Wahrscheinlich läuft der Tapir, wie das Flußpferd, auch längere Zeit auf dem Grunde der Gewässer hin; wenigstens beobachtete man dies an dem gefangenen Schabrackentapir zu Barakpur, den man oft in dieser Weise sein Wasserbecken durchschreiten sah, während er hier niemals wirklich schwamm.

Unter den Sinnen des Tapirs stehen Geruch und Gehör entschieden obenan und wahrscheinlich auf gleicher Stufe; das Gesicht hingegen ist schwach. Über den Geschmack ist schwer ein Urteil zu fällen; doch habe ich an Gefangenen beobachtet, daß sie zwischen den Nahrungsmitteln sehr scharf zu unterscheiden wissen und besondere Leckerbissen wohl zu würdigen verstehen. Das Gefühl bekundet sich als Tastsinn und als Empfindung. Der Rüssel ist ein sehr feines Tastwerkzeug und findet als solches vielfache Verwendung. Gefühl beweist der Tapir nicht bloß durch seine Furcht vor den Sonnenstrahlen und Mücken, sondern auch durch Kundgeben einer ersichtlichen Behaglichkeit, wenn seine Dickhaut an irgendeiner Stelle des Leibes gekraut wird. Meine Gefangenen legten sich, wenn sie gebürstet oder abgerieben wurden, sofort nieder und zeigten sich dabei willig wie ein Kind, ließen sich nach allen Seiten hin drehen und wenden, ja auch zum Aufstehen bringen, je nachdem man die Bürste an dieser oder jener Stelle des Leibes in Anwendung brachte.

Alle Tapire scheinen gutmütige, furchtsame und friedliche Gesellen zu sein, die nur im höchsten Notfall von ihren Waffen Gebrauch machen. Sie fliehen vor jedem Feinde, auch vor dem kleinsten Hunde, am ängstlichsten aber vor dem Menschen, dessen Übermacht sie wohl erkannt haben. Dies geht schon daraus hervor, daß sie in der Nähe von Pflanzungen viel vorsichtiger und scheuer sind als im unbetretenen Walde. Doch erleidet diese Regel Ausnahmen. Unter Umständen stellen sie sich zur Wehr und sind dann immerhin beachtenswerte Gegner. Sie stürzen sich blindwütend auf ihren Feind, versuchen ihn umzurennen und gebrauchen auch wohl die Zähne nach Art unserer Bache. In dieser Weise verteidigen die Mütter ihre Jungen, wenn sie diese vom Jäger bedroht sehen. Sie setzen sich dann ohne Bedenken jeder Gefahr aus und achten keine Verwundung. Im übrigen ist die geistige Begabung der Tapire freilich gering, obwohl die Tiere auf den ersten Anblick hin noch viel stumpfsinniger erscheinen, als sie wirklich sind. Wer längere Zeit gefangene Tapire behandelt hat, erkennt, daß sie immer noch hoch über Nashorn und Nilpferd und ungefähr mit dem Schwein auf gleicher Höhe stehen. Die von mir gepflegten Gefangenen waren höchst gutmütige Geschöpfe. Sie waren ganz zahm, friedlich gesinnt gegen jedes Tier, höchst verträglich unter sich und ihren Bekannten zugetan. Wenn ich zu ihnen ging, kamen sie herbei und beschnupperten mir Gesicht und Hände, wobei sie die wunderbare Beweglichkeit ihres Rüssels betätigten. Andere Tiere, die zufällig in ihre Nähe kamen, wurden neugierig dumm längere Zeit beschnüffelt. Die Anta hatte mit einem neben ihm stehenden Wasserschwein sogar innige Freundschaft geschlossen und leckte es zuweilen minutenlang äußerst zärtlich. Beider Trägheit ist sehr groß; sie schlafen viel, zumal an heißen Sommertagen, und ruhen auch des Nachts mehrere Stunden. Am lebendigsten sind sie gegen Sonnenuntergang; dann können sie zuweilen ausgelassen lustig sein, in dem ihnen gewährten Raume auf- und niederjagen und sich mit Wollust im Wasser umhertummeln. In letzterem pflegen sie auch, solange sie sich frei bewegen können, ihre Losung abzusetzen. Ihre Stimme lassen sie nur höchst selten vernehmen; manchmal schweigen sie monatelang. Auf den Ruf folgen sie nicht, überhaupt tun sie nur das, was ihnen eben behagt, und es kostet sie immer eine gewisse Überwindung, bevor sie sich aus ihrer Trägheit aufraffen. Bei geeigneter Pflege halten Tapire auch bei uns jahrelang in der Gefangenschaft aus. Ein warmer Stall ist ihnen Bedürfnis; namentlich im Winter muß man sie gegen die Unbill des Wetters bestmöglichst zu schützen suchen. In den meisten Fällen verenden sie an Lungenkrankheiten, die sie, wie alle Tiere der Wendekreisländer, in dem kalten Europa leicht heimzusuchen pflegen.

Die freilebenden Tapire nähren sich nur von Pflanzen und namentlich von Baumblättern. In Brasilien bevorzugen sie die jungen Palmenblätter; nicht selten aber fallen sie auch in die Pflanzungen ein und beweisen dann, daß ihnen Zuckerrohr, Mango, Melonen und andere Gemüse ebenfalls behagen. In den Kakaopflanzungen richten sie, wie Tschudi versichert, manchmal in einer Nacht durch Niedertreten der zarten Pflanzen und das Abfressen der jungen Blätter einen Schaden von vielen tausend Mark an. Im freien, großen Walde leben sie oft monatelang von den abgefallenen Baumfrüchten oder in den Brüchen von den saftigen Sumpf- und Wasserpflanzen. Besonders erpicht sind sie auf Salz; es ist ihnen, wie den Wiederkäuern, Bedürfnis. »In allen tiefliegenden Ländern Paraguays,« sagt Rengger, »wo das Erdreich schwefelsaures und salzsaures Natron enthält, findet man die Tapire in Menge. Sie belecken hier die mit Salz geschwängerte Erde.« Auch die Gefangenen zeigen eine große Vorliebe für Salz. Im übrigen nehmen diese alles an, was Schweine fressen, erkennen aber dankbar jede schmackhafte Gabe, die ihnen gereicht wird. Baumblätter und Früchte, Zwieback und Zucker gehören zu ihren besonderen Leckerbissen.

Die Brunst der freilebenden Tapire fällt in die Monate, die der Regenzeit vorausgehen. Etwa vier Monate später wirft das Weibchen ein kleines, niedliches Junges, das nach Art der Wildschweine gestreift ist. Beim Schabrackentapir ist das Jugendkleid schwarz, oben fahl, unten weiß gefleckt und gestreift, bei der Anta die Grundfarbe ein helles Grau, die Flecken und Streifenzeichnung aber in ähnlicher Weise darüber verbreitet. Vom vierten Monat an beginnt die Färbung sich zu ändern, und im sechsten Monat zeigen die Jungen die Färbung der Alten.

Alle Tapirarten werden von den Menschen eifrig verfolgt, weil man ihr Fleisch und Fell benutzt. Von amerikanischen Forschern erfahren wir, daß das Fell seiner Dicke und Stärke wegen geschätzt wird. Man gerbt es und schneidet meterlange, dicke Riemen aus ihm, die abgerundet, durch wiederholtes Einreiben mit heißem Fett geschmeidig gemacht und sodann zu Peitschen oder Zügeln verwendet werden. Die Ansiedler jagen den Tapir regelmäßig, entweder mit Hunden, die ihn aus dem Walde ins Freie und den Reitern zutreiben, oder indem sie in der Nähe seiner Wechsel auf ihn anstehen, oder endlich, indem sie ihn im Wasser verfolgen. Hierüber gibt Prinz von Wied Auskunft. »Die Brasilianer«, sagt er, »betreiben die Jagd des Tapirs so unzweckmäßig als möglich. Um ein so großes Tier zu erlegen, bedienen sie sich nicht der Kugeln, sondern schießen es mit Schrot, gewöhnlich, wenn sie es schwimmend in den Flüssen am frühen Morgen oder gegen Abend überraschen. Der Tapir sucht durch dieses Mittel seinen Verfolgern im Wasser zu entrinnen. Allein die Brasilianer rudern mit ihren Booten äußerst schnell heran und pflegen das Tier einzuschließen. Dieses taucht dann sehr geschickt und häufig unter, selbst unter den Booten hindurch, bleibt lange unter Wasser und kommt bloß zuweilen mit dem Kopfe an die Oberfläche, um Luft zu schöpfen. Dann zielen sogleich alle Rohre nach diesem Teil, besonders nach der Ohrgegend, und ein Tapir erhält auf diese Art zwölf bis zwanzig Schüsse, bevor er getötet wird. Häufig entkommt er dennoch, wenn nicht ein Jagdhund bei der Hand ist. Mit einer Kugel würde man das ermüdete Tier in einer kleinen Entfernung sehr sicher erlegen können; allein die Brasilianer bedienen sich niemals dieses Geschosses, weil sie im vorkommenden Fall mit ihren groben, schweren Schroten ebensowohl einen Tapir als ein Wildhuhn erlegen können.«

Schlimmere Feinde noch, als die Menschen es sind, mögen die Tapire in den großen Katzen haben, die mit ihnen dieselbe Heimat bewohnen. Daß die amerikanischen Arten vom Jaguar hart verfolgt werden, versichern alle Reisenden; das gleiche wird wohl vom Schabrackentapir hinsichtlich des Tigers anzunehmen sein. Es wird erzählt, daß der Tapir, wenn der Jaguar ihm auf den Nacken springe, so eiligst als möglich in das verschlungenste Dickicht sich stürze, um den bösen Feind von sich abzustreifen, und daß er, da seine Haut die Krallen des Raubtieres kaum durchdringen lasse, oft auch glücklich davonkäme. Die Angabe dürfte nicht so unglaublich sein, als sie scheint; Schomburgk versichert wenigstens, daß er viele Tapire erlegt habe, die bedeutende, von ihrem Zusammentreffen mit den Katzen herrührende Narben an sich trugen.

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Die Nashörner ( Nasicornia) sind plump gebaute, ungeschlachte Dickhäuter von ziemlich bedeutender Größe, ausgezeichnet durch auffallend gestreckten Kopf, dessen vorderer Gesichtsteil ein Horn oder zwei hintereinanderstehende Hörner trägt, kurzen Hals, kräftigen, in eine panzerartige Haut gehüllten, fast gänzlich oder größtenteils unbehaarten Leib, kurzen Schwanz und kurze, stämmige, jedoch keineswegs plumpe Beine, deren Füße vorn wie hinten drei mit Hufen umkleidete Zehen haben. Jeder einzelne Leibesteil erscheint, auch wenn man ihn mit dem entsprechenden anderer Dickhäuter vergleicht, eigentümlich und absonderlich. Der Kopf ist schmal und sehr gestreckt, zumal der Antlitzteil ungewöhnlich verlängert und vorgezogen, der Schädelteil dagegen von vorn nach hinten stark zusammengedrückt, so daß die Stirn ungemein steil abfällt und zwischen ihr und dem merklich erhöhten Nasenteil ein in der Mitte tief eingebuchteter, seitlich scharf gewölbter Sattel entsteht; der Winkel des Unterkiefers deutlich hervortretend, dieser im übrigen mit mehr oder minder starker Wölbung gegen das Maul zu aufwärtssteigend; das Maul unverhältnismäßig klein, die Oberlippe in ihrer Mitte in Gestalt eines finger- oder rüsselartigen Fortsatzes vorgezogen, die Unterlippe gerundet oder vorn gerade abgeschnitten; das länglich eiförmige, hinten spaltartige Nasenloch fast wagerecht gestellt und von dem andern durch einen weiten Zwischenraum getrennt; das Auge auffallend klein, sein länglichrunder Stern quergestellt, sein oberes Lid dicht, aber kurz bewimpert: das nicht ungewöhnlich gestaltete Ohr eher groß als klein, sein äußerer Rand gerundet, sein innerer Rand bis zur Hälfte der Länge umgestülpt. Der kurze, stets faltige Hals übertrifft den Kopf an Dicke und geht ohne merklichen Absatz in den massigen Leib über, der sich ebenso durch die schneidige, in der Mitte eingesenkte Rückenfirste und den allseitig gerundeten und hängenden Bauch wie dadurch auszeichnet, daß der Widerrist das Kreuz an Höhe um etwas überragt; der kurze Schwanz ist entweder gegen die Spitze hin seitlich stark zusammengedrückt und dann bis zu seinem Ende beinahe gleich breit oder gestreckt kegelförmig. Die Beine, die sehr starke und breite Schultern und Oberschenkel, aber ziemlich schmächtige Oberarme und Unterschenkel sowie noch mehr verdünnte Hand- und Fußwurzeln haben, krümmen sich wie bei einem Dachshunde von außen nach innen und strecken sich erst von der Handwurzel oder Ferse an senkrecht nach unten; die Füße verbreitern sich vorn wie hinten gleichmäßig zu dem Fußballen, dessen Sohlenfläche rundlich eiförmig ist; unter den nicht unzierlichen Hufen ist der mittlere etwa doppelt so breit als die beiden seitlichen. Die stets sehr dicke, bei den meisten Arten panzerartige Haut schließt sich dem Leibe entweder bis auf wenige und nicht stark hervortretende Falten an oder zerfällt in mehrere durch tiefe Falten bestimmt getrennte Schilder, die einzig und allein durch jene Falten eine gewisse Beweglichkeit erlangen, indem sie sich an den mit dünnerer und schmiegsamerer Haut ausgekleideten Faltenfurchen übereinander wegschieben lassen. Tiefe Runzeln umgeben Auge und Maul und ermöglichen das Öffnen oder Schließen der Lider und eine unerwartete Schmiegsamkeit der obschon fast hornigen, doch sehr beweglichen Lippen. Netzartige Riefen durchkreuzen sich auf der Haut, begaben sie mit einer bemerkbaren Zeichnung und buckelartigen Erhebungen von sehr regelmäßiger Gestalt und verleihen ihr, zumal den Schildern, einen ebenso absonderlichen wie gefälligen Schmuck. Die Behaarung beschränkt sich auf eine mehr oder weniger lange Umsäumung der Ohren und der breitgedrückten Schwanzspitze, sowie bei einzelnen Arten auf einige Stellen des Rückens, woselbst dann spärlich dicke und kurze Borsten stehen. Die Hörner, Gebilde der Oberhaut, bestehen aus gleichlaufenden, äußerst seinen, runden oder kantigen, innen hohlen Fasern von Hornmasse und ruhen mit ihrer breiten, rundlichen Wurzelfläche auf der dicken Haut, die den vorderen Teil des Gesichts bekleidet. Nicht selten, obschon immer nur bei einzelnen Stücken, zeigt die Oberhaut an verschiedenen Stellen, zumeist aber am Kopfe, hornartige, bis zu mehreren Zentimetern sich erhebende Wucherungen.

Plumpe und kräftige Formen kennzeichnen auch das Gerippe. Der Schädel erscheint sehr lang und viel niedriger als bei den übrigen Dickhäutern; die Stirnbeine nehmen den vierten oder dritten Teil der Schädellänge ein und verbinden sich unmittelbar mit den breiten und starken Nasenbeinen, die die Nasenhöhle überwölben oder von einer mittleren Scheidewand noch gestützt werden. Da, wo das Horn ruht, ist dieser Knochen uneben, rauh, höckerig und wird dies um so mehr, je größer die Hörner sind. Der Zwischenkiefer ist bloß bei den Arten, die bleibende Schneidezähne haben, ansehnlich; bei jenen dagegen, die diese Zähne in frühester Jugend verlieren, verkümmert. Die Wirbelsäule wird von starken, mit langen Dornen besetzten Wirbelkörpern gebildet; achtzehn bis zwanzig von ihnen tragen stark gekrümmte, dicke und breite Rippen; das Zwerchfell setzt sich aber schon am vierzehnten bis siebzehnten Wirbel an. Bereits in früher Jugend verwachsen die fünf Wirbel, die das Kreuzbein bilden, zu einem Ganzen. Der Schwanz besteht aus zweiundzwanzig bis dreiundzwanzig Wirbeln. An allen übrigen Knochen ist ihre Stärke und Plumpheit das auffallendste. Dem Gebiß fehlen regelmäßig die Eckzähne und gewöhnlich auch die vier Schneidezähne in beiden Kiefern; letztere sind in der Jugend zwar vorhanden, fallen aber so bald aus, daß man sie nur bei sehr jungen Stücken wahrnimmt. Das übrige Gebiß besteht aus sieben Backenzähnen in jedem Kiefer, von denen jeder einzelne aus mehreren Hügeln und Pfeilern zusammengeschmolzen zu sein scheint und deren Kauflächen sich mit der Zeit so abnutzen, daß verschiedenartige Zeichnungen entstehen.

Auch die Weichteile verdienen mit einigen Worten beschrieben zu werden. Die Haut der Oberlippe ist sehr dünn, gefäß- und nervenreich, die Zunge groß und empfindlich. Die Speiseröhre hat eine Weite von 8 Zentimeter und eine Länge von 1,6 Meter; der Magen ist einfach länglich, im Längsdurchmesser 1,3 Meter und im größten Querdurchmesser 60 Zentimeter; die kleinen Gedärme messen 15 bis 18 Meter; der Blinddarm ist 1 Meter, der Dickdarm 6 bis 8 Meter, der Mastdarm 1 bis 1,6 Meter lang. Unter den Sinneswerkzeugen fallen die Augen durch ihre geringe Größe auf.

Die Nashörner, die gegenwärtig Südasien, die Sundainseln und alle Gleicherländer Afrikas bewohnen und deren Verbreitung insofern bemerkenswert ist, als in Asien das Festland sowohl wie jede einzelne der drei großen Sundainseln bestimmte, wohl unterschiedene Arten beherbergt, wogegen in Afrika wahrscheinlich nur zwei Arten leben, waren in der Vorzeit weiter verbreitet und kamen ebenso im südlichen Deutschland, in Frankreich und England wie in Rußland und Sibirien vor. Unter den bis jetzt bekanntgewordenen ausgestorbenen Arten verdient namentlich eine der Erwähnung: das zweihörnige Vorweltsnashorn mit knöcherner Nasenscheidewand ( Rinoceros trichorhinus) nämlich, weil es nicht bloß in einzelnen Knochen, sondern mit Haut und Haaren bis auf unsere Tage gekommen ist. Im nördlichen Asien vom Don an bis zur Behringstraße gibt es keinen Fluß im ebenen Lande, an dessen Ufer nicht Knochen von vorweltlichen Tieren, namentlich solcher von Elefanten, Büffeln und Nashörnern, gefunden würden; auch habe ich schon erwähnt, daß man hier alljährlich beim Auftauen Massen von vorweltlichem Elfenbein gewinnt und damit einen sehr bedeutenden Handel treibt. »Als ich«, so berichtet Pallas, »im März 1772 nach Jakutzk kam, zeigte mir der Statthalter des östlichen Sibirien den Vorder- und Hinterfuß eines Nashorns, der noch mit Haut überzogen war. Das Tier wurde im sandigen Ufer eines Flusses gefunden. Den Rumpf und die Füße ließ man liegen.« Nun bemühte sich Pallas, mehr zu erfahren, und brachte zunächst den Kopf und den Fuß nach Petersburg. Später hat Brandt die Reste untersucht, und so erfahren wir, daß dieses vorweltliche Nashorn, das während der Schwemmzeit das mittlere und nördliche Europa und den Norden Asiens bewohnte, neben dem Mammut einer der gemeinsten Dickhäuter unseres Weltteils war. Außer in Sibirien fand man seine Knochen auch noch in Rußland, Polen, Deutschland, England und Frankreich, und zwar an manchen Orten in erstaunlicher Menge. Das hauptsächlichste Artkennzeichen dieses Tieres besteht darin, daß die bei allen andern Nashörnern knorpelige Nasenscheidewand bei ihm verknöchert ist, wahrscheinlich bedingt durch die auffallende Verlängerung der Nasenbeine. Ebenso weicht das Tier hinsichtlich seines Kleides von den andern Nashörnern ab. Die getrocknete Haut hat eine schmutzig-gelbliche Farbe und keine Falten, ist aber dick, an den Lippen gekörnelt und überall mit netzförmigen, rundlichen Poren dicht besetzt. Die Haare, straffe Grannen und weiches Wollhaar, stehen in den Poren büschelförmig beisammen; im übrigen ähnelt das Tier den jetzt lebenden außerordentlich.

Die Alten haben das Nashorn sehr wohl gekannt. Auf den altägyptischen Denkmälern kommt es, laut Dümichen, als erklärendes Bild hinter dem Worte »Ab« vor. »Die Zeichnung stellt außer Zweifel, daß nur dieses Tier dort gemeint sein kann, und führte es wohl wegen seiner an die Stoßzähne erinnernden, ebenfalls nach oben gebogenen Hörner bei den alten Ägyptern denselben Namen wie der Elefant.« Für mich steht fest, daß es das Einhorn der Bibel ist, von dem Hiob sagt: »Meinest du, das Einhorn werde dir dienen und werde bleiben an deiner Krippe? Kannst du ihm dein Joch anknüpfen, die Furchen zu machen, daß es hinter dir brache in Gründen? Magst du dich darauf verlassen, da es so stark ist, und wirst es dir lassen arbeiten? Magst du ihm trauen, daß es deinen Samen dir wiederbringe und in deine Scheunen sammle?« Der Urtext nennt dieses Tier Rêm und schreibt ihm bald ein Horn, bald zwei Hörner zu. Die Römer, die das einhörnige ebensowohl wie das doppelhörnige kannten, ließen beide auf ihren Kampfplätzen arbeiten. Nach Plinius brachte Pompejus neben dem Luchs aus Gallien und dem Pavian aus Äthiopien das erste einhörnige Nashorn im Jahre 61 v. Chr. zu den Spielen nach Rom. »Das Nashorn«, erzählt Plinius, »ist der geborene Feind des Elefanten. Es wetzt das Horn an einem Steine und zielt im Kampfe vorzüglich nach dem Bauche, wohl wissend, daß er weicher ist, und so erlegt es den Elefanten.« Dem fügt er hinzu, daß man schon bei Meroe Nashörner finde, und dies ist ganz richtig; denn dort gibt es deren heutzutage noch. »In der Stadt Aduleton, dem größten Handelsplatze der Troglodyten und Äthyopier, fünf Tagereisen zu Schiffe von Ptolemais, werden Elfenbein, Hörner des Nashorns, Leder vom Flußpferde und andere derartige Handelsgegenstände verkauft.« Der erste, der von diesen Tieren spricht, ist Agatharchides; auf ihn folgt Strabo, der in Alexandrien ein Nashorn gesehen hat. Pausanias führt es unter dem Namen »äthiopischer Ochse« auf. Martial besingt beide Arten:

»Auf dem geräumigen Plan, o Cäsar, führet das Nashorn
Solcherlei Kämpfe dir aus, als es sie nimmer verhieß.
Wie in erbittertem Rasen erglühete stürmend das Untier!
Wie gewaltig durchs Horn, welchem ein Ball war der Stier!«

sagt er von dem einhörnigen und

»Während bekümmerte Hetzer zum Kampfe aufreizten das Nashorn
Und lange sammelnd den Zorn dieses gewaltigen Tieres,
Schwindet dem Volke die Hoffnung des Kampfes vor großer Erwartung,
Aber dem Untier kehrt wieder die eigene Wut;
Denn es erhebt mit doppeltem Horn den gewaltigen Bären,
Leicht, wie die Doggen der Stier wirft zu den Sternen empor.«

von dem zweihörnigen.


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