Brehms Tierleben. Vögel. Band 17: Sperlingsvögel III. Fortsetzung und Schluß

----------





Hopfe. Kletterhopfe. Baumsteiger. Tyrannen. Fruchtvögel. Ameisenvögel. Leierschwänze

Unser Wiedehopf ( Upupa epops), das Urbild der Familie der Hopfe ( Upupidae), kennzeichnet sich durch gestreckten Leib, sehr langen, schwachgebogenen, schlanken, seitlich zusammengedrückten spitzigen Schnabel, am Ende gerade abgestutzten Schwanz und weiches, lockeres Gefieder, das sich auf dem Kopfe zu einem Federbusche verlängert. Das Gefieder ist auf der Oberseite lehmfarbig, auf dem Mittelrücken, den Schultern und den Flügeln schwarz und gelblichweiß in die Quere gestreift, der Federbusch dunkel rostlehmgelb, jede einzelne Feder schwarz an der Spitze, die Unterseite hoch lehmgelb, an den Bauchseiten schwarz in die Länge gefleckt, der Schwanz schwarz, etwa in der Mitte seiner Länge weiß gebändert. Beim Weibchen sind die Farben etwas schmutziger als beim Männchen; bei den Jungen ist der Federbusch kürzer. Das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel hornschwarz, der Fuß bleigrau. Die Länge beträgt neunundzwanzig, die Breite fünfundvierzig, die Fittichlänge vierzehn, die Schwanzlänge zehn Zentimeter.

siehe

Wiedehopf ( Upupa epops)

Der Wiedehopf bewohnt Mittel- und Südeuropa, ganz Sibirien und China, Westasien und Nordafrika, ist in Deutschlands Ebenen häufig, in England ein seltener Gast, verirrt sich aber zuweilen bis nach Nordskandinavien und Spitzbergen. In Deutschland ist er Zugvogel, der in den letzten Tagen des März einzeln oder paarweise ankommt und Ende August und Anfang September familienweise langsam wieder nach Süden reist; schon in Nordafrika aber wandert er nicht mehr, sondern streicht höchstens im Lande auf und nieder. Doch trifft man ihn im Winter in ganz Afrika an, und ebenso gehört er unter die regelmäßigen Wintergäste Indiens. Bei uns bevorzugt er Ebenen, die mehr oder weniger dicht mit Bäumen bestanden sind. Gegenden, in denen Felder und Wiesen mit kleinen Wäldchen abwechseln, oder solche, wo alte Bäume einzeln inmitten der Feldmarken stehen, sagen ihm besonders zu. In Südeuropa treibt er sich vorzugsweise in den Weinbergen herum; in Afrika ist er in jedem Dorfe, ja selbst inmitten der Städte zu finden. Hier findet er alles, was sein Herz sich wünscht. Nicht das Vieh ist es, das dort für die Nahrung des schmutzigen Gesellen sorgt, sondern der Mensch. So fleißig auch die Geier sind: allen Unrat können sie doch nicht abräumen, und genug bleibt übrig für diejenigen Vögel, die wie der allbekannte, durch mancherlei Sagen verherrlichte »Hudhud« Kothaufen als höchst erquickliche Gegenstände betrachten. Die schamlose Ungezwungenheit der Eingeborenen richtet ihm jeden Winkel zu einem vielversprechenden Nahrungsfelde her, und die Gutmütigkeit oder, wohl richtiger, die Gleichgültigkeit der Leute erlaubt ihm, sein Geschäft ungestört zu betreiben. Unbekümmert um den Menschen, der sich gerade anschickt, Mistkäfer und Aasfliege auch etwas verdienen zu lassen, treibt sich der Vogel auf der ihm wohlbekannten Unratstätte umher; ja, er kennt das Wesen seines hauptsächlichsten Ernährers so genau, daß er geradezu in dessen Wohnung sich ansiedelt und in irgendeinem Mauerloche seine stinkende Kinderschar heranzieht. Man braucht bloß aus dem Fenster seines Hauses hinab in den Hof oder in den Garten zu sehen oder durch das Dorf zu gehen: das »Hudhud« tönt einem überall entgegen, von den Häusern, aus den Baumkronen, von der halb zerrissenen Lehmmauer oder von einem widerlich duftenden Erdhügel herab, hinter einer nicht allen Blicken ausgesetzten Mauer her.

Das Betragen des Wiedehopfes ist eigentümlich, aber ansprechend. Bei uns zulande vorsichtig und scheu, weicht er dem Menschen oft weit aus und vertraut eigentlich nur dem Kuhhirten, dessen Herde für seinen Unterhalt sorgt; im Süden hat er sich auf das innigste mit dem Menschen befreundet und treibt seine Possen unmittelbar vor dessen Augen. Aber auch hier wird vorkommendenfalls der Grundzug seines Wesens, grenzenlose Furcht, bemerklich. Der Vogel ist klug genug, um sich vollkommen sicher zu fühlen, wenn er einen Menschen oder ein Haustier gewöhnlichen Schlages gewahr wird; aber schon ein Hund macht ihn bedenklich, eine Katze fordert seine Vorsicht heraus, eine vorüberfliegende Krähe erregt Besorgnis, einer der überall gegenwärtigen Schmarotzermilane oder ein harmloser Schmutzgeier ruft namenlosen Schrecken hervor. Er stürzt sich dann augenblicklich auf den Boden nieder, breitet den Schwanz und die Flügel kreisförmig aus, biegt den Kopf zurück, streckt den Schnabel in die Höhe und verharrt in dieser Stellung, welche Täuschung des Räubers bezweckt, bis alle Gefahr vorüber scheint. Naumann behauptet, daß ihn jede nahe und schnell über ihn hinwegfliegende Schwalbe erschrecke, daß er zusammenfahre und schnell den Federbusch entfalte: in Ägypten habe ich so große Ängstlichkeit nie von ihm beobachtet, obwohl er sich im übrigen auch hier ganz wie in Deutschland beträgt.

Sein Gang auf dem Boden ist gut, schrittweise, nicht hüpfend; im Gezweige dagegen bewegt er sich wenig und geht höchstens auf stärkeren, wagerechten Ästen auf und nieder. Fliegend werden die Schwingen abwechselnd bald schnell, bald langsam geschwungen; der Flug erhält dadurch ein ängstliches Aussehen und geht zuckend vorwärts. Vor dem Niedersitzen schwebt er einige Augenblicke, und entfaltet dabei seinen Federbusch. Die Lockstimme ist ein heiser schnarchendes »Chrr«, das zuweilen wie »Schwär« klingt; bei guter Laune läßt er ein dumpfes »Queg queg« vernehmen; der Paarungsruf ist das hohl klingende »Hup hup«. Im Frühjahr stößt diesen das Männchen ununterbrochen aus, aber schon gegen Ende Juli hin ruft es nicht mehr.

Obwohl an günstigen Orten ein Wiedehopfpaar dicht neben dem anderen wohnt, hält doch bloß die Familie im eigentlichen Sinne des Wortes treu zusammen; die Nachbarn streiten sich fortwährend. Es kommt zwar selten zu Tätlichkeiten zwischen ihnen; wohl aber jagen sie sich sehr ärgerlich hin und her und gebärden sich so, daß ihr Unwille nicht zu verkennen ist. Mit anderen Vögeln geht der Wiedehopf keinen Freundschaftsbund ein. Die einen fürchtet er, die anderen scheinen ihm gleichgültig zu sein. Aber dieser, der Zuneigung scheinbar so wenig zugängliche Vogel, schließt sich, wenn er von Jugend auf freundlich behandelt wird, seinem Pfleger mit außerordentlicher Zärtlichkeit an, und deshalb gehört ein zahmer Wiedehopf zu den unterhaltendsten und liebenswürdigsten Hausgenossen, die man sich denken kann. Sein Gebärdenspiel belustigt, seine Zahmheit und Zutraulichkeit entzücken. Er wird zahm wie ein Hund, kommt auf den Ruf, nimmt seinem Gebieter das Futter aus der Hand, folgt ihm durch alle Zimmer des Hauses, in den Hof, in den Garten, ins Freie, ohne ans Wegfliegen zu denken. Je mehr man sich mit ihm beschäftigt, um so umgänglicher wird er, geht schließlich selbst auf Scherze ein, die ihm anfangs entschieden unbehaglich zu sein scheinen. Bei geeigneter Pflege schreitet er im Käfige auch zur Fortpflanzung.

Kerbtiere mancherlei Art, die der Wiedehopf vom Erdboden aufliest oder mit seinem langen Schnabel aus Löchern hervorzieht und bezüglich herausbohrt, bilden seine Nahrung. Mist- und Aaskäfer, Schmeißfliegen, Larven und andere kotliebende Kerfe scheint er zu bevorzugen, verschmäht aber auch Mai-, Brach-, Rosenkäfer, Heuschrecken, Heimchen, Ameisenpuppen, Raupen usw. nicht. Seine Beute zieht er mit viel Geschicklichkeit aus den verborgensten Schlupfwinkeln hervor und erschließt sich solche oft mit großer Anstrengung, indem er wie ein Specht hämmert und meißelt. Der Schnabel ist gut zum Ergreifen; um aber die erfaßte Beute hinabzuwürgen ist es unbedingt nötig, sie vorher in die Höhe zu schleudern und dann aufzufangen. Junge Wiedehopfe, die man heranziehen will, muß man stopfen; im entgegengesetzten Falle verhungern sie, weil sie buchstäblich nicht imstande sind, das mit dem Schnabel Erfaßte auch zu verschlingen. Letzteres lernen sie erst mit der Zeit.

In Europa erwählt sich der Wiedehopf am liebsten Baumhöhlungen zur Anlage seines Nestes, ohne jedoch ein Mauerloch oder eine Felsenspalte, die ihm passend erscheint, unbeachtet zu lassen. In Ägypten nistet er fast ausschließlich in Mauerlöchern und sehr häufig in passenden Höhlungen bewohnter Gebäude. Er ist überhaupt um die Wahl seines Nistplatzes nicht verlegen. Bei uns begnügt er sich im Notfalle mit einem einigermaßen versteckten Plätzchen auf dem flachen Boden; in den Steppengegenden legt er sein Nest sogar zwischen den Knochen eines Aases an: Pallas fand einmal ein Nest mit sieben Jungen in dem Brustkorbe eines Menschengerippes. Baumhöhlen werden gewöhnlich gar nicht, zuweilen aber mit einigen Hälmchen und Würzelchen, auch wohl mit etwas Kuhmist ausgebaut, die auf dem Boden stehenden Nester durch allerlei trockene Halme, feine Wurzeln und Genist gebildet und ebenfalls mit Kuhmist ausgeziert. Das Gelege besteht aus vier bis sieben verhältnismäßig kleinen, ungefähr fünfundzwanzig Millimeter langen, siebzehn Millimeter dicken, sehr länglichen Eiern, die auf schmutzig weißgrünem oder gelblichgrauem Grunde mit äußerst feinen, weißen Pünktchen übersät oder auch fleckenlos sind, überhaupt sehr abändern. Selten findet man sie vor Anfang Mai vollzählig; denn der Wiedehopf nistet nur einmal im Jahre. Die Eier werden vom Weibchen allein sechzehn Tage lang mit der größten Hingebung bebrütet, die Jungen von beiden Eltern sorgfältig gepflegt, mit Maden und Käfern großgefüttert und noch lange nach dem Ausfliegen geführt, geleitet, unterrichtet und gewarnt. Während der Brutzeit macht der Wiedehopf das Sprichwort wahr; denn er und seine Jungen stinken dann wirklich in unerträglicher Weise. Die Eltern sind nicht imstande, den Kot der Jungen wegzuschaffen; diese sitzen daher, wie Naumann sagt, »bis an die Hälse im eigenen Unrate«, und der letztere verbreitet, wenn er in Fäulnis übergeht, einen überaus ekelhaften Geruch. Schon das brütende Weibchen nimmt sich selten die Mühe, den eigenen Unrat wegzutragen; das Kinderzimmer aber wird nie gereinigt. Der Gestank zieht Fliegen herbei, die ihre Brut in dem Miste absetzen, und so kommt es, daß das Nest schließlich auch noch von Maden wimmelt. Die Jungen stinken selbstverständlich am meisten; die Alten geben ihnen zuletzt wenig nach, und erst viele Wochen nach dem Ausfliegen verlieren die einen wie die andern den ihnen anhängenden Gestank. Wenn die Jungen vollständig erwachsen sind, merkt man so wenig mehr davon, daß man sie wie ihre Eltern ohne Ekel verspeisen kann. Sie sind dann sehr fett und ungemein schmackhaft.

*

Die Kletterhopfe ( Irrisoridae), auf Afrika beschränkte Waldvögel, sind gestreckt gebaut, langschnäbelig, kurzfüßig, kurzflügelig und langschwänzig. Der Schnabel ist seicht gebogen. Unter den Arten, die ich kennengelernt habe, ist der Baumhopf ( Irrisor erythrorhynchus) unzweifelhaft der anziehendste. Die Hautfärbung ist ein schönes, metallisch glänzendes Blau, das bald dunkelgrün, bald purpurn schillert; auf den Innenfahnen der drei ersten Schwingen steht ein weißer Fleck, auf den sechs folgenden befinden sich deren zwei, einer auf der Außen-, der andere tiefer auf der Innenfahne; ähnlich sind die drei ersten Schwanzfedern gezeichnet: auch sie zeigen nahe den Spitzen weiße Kreuzflecken. Das Auge ist braun, der Schnabel und Fuß sind korallenrot. Das Weibchen ist kleiner und sein Gefieder weniger glänzend. Die Jungen sind dunkelgrün, fast schwarz und beinahe glanzlos; ihr Schnabel ist rötlichschwarz. Die Länge beträgt fünfundvierzig bis siebenundvierzig, die Breite achtundvierzig, die Fittichlänge sechzehn, die Schwanzlänge vierundzwanzig Zentimeter.

Nach meinen Erfahrungen findet sich der Baumhopf in Nordostafrika nicht nördlich des sechzehnten Breitengrades, von hier an nach Süden aber überall. Er ist ein Waldbewohner und kommt höchstens auf die Blößen heraus, ohne jedoch die Bäume zu verlassen. Auf baumfreien Ebenen sieht man ihn nie; denn auf dem Boden macht er sich nur selten zu schaffen. Schreiend und lärmend huscht und fliegt und klettert eine Gesellschaft dieses schönen Vogels, die selten aus weniger als vier, selten aus mehr als zehn Stück besteht, durch den Wald. Der Flug hält stets aufs innigste zusammen. Was der eine beginnt, tun die anderen nach. Beim Wegfliegen schreit die ganze Gesellschaft wirr durcheinander, so daß man die einzelnen Laute nicht mehr unterscheiden kann. Levaillant versucht, die Kehltöne, die mit bewunderungswürdiger Schnelligkeit hervorgestoßen werden, durch »Gra ga ga ga ga« wiederzugeben, und ich will ihm nicht widersprechen, so wenig auch seine Buchstabenzeichen das wirkliche Geschrei ausdrücken können. Solange die Gesellschaft ungestört ist, fliegt sie von einem Baume oder von einem Busche zum anderen. Einer hängt sich unten an der rauhen Borke eines Stammes fest und klettert an demselben nach aufwärts, einer nach dem anderen folgt, und so hängt bald der ganze Flug an demselben Stamme. An schief stehenden Stämmen klettert der Baumhopf, wenn auch nicht mit der Gewandtheit eines Spechtes, so doch mit der Mühelosigkeit vieler Steigvögel empor, am senkrechten hält er sich wenigstens zeitweilig an der Borke fest und untersucht nun, den feinen, zierlichen Schnabel in jede Ritze steckend, die tief gelegenen Schlupfwinkel der Kerbtiere. Der Schwanz wird nicht als Kletterwerkzeug gebraucht, aber doch infolge des Abstreifens bald sehr abgenutzt; daher sehen auch die Fahnen der Federn selten glatt aus. Dem Wiedehopf ähnelt unser Vogel darin, daß er sehr häufig stinkende Käfer aufnimmt, dem Spechte deshalb, weil er die Ameisenarten besonders berücksichtigt. Gurney fand, daß er namentlich Wanzen frißt; Monteiro gibt Raupen und kleine Käfer als Nahrung an; ich habe beobachtet, daß er sich zeitweilig fast ausschließlich von Ameisen, und namentlich von den fliegenden, ernährt. Von seinem Futter nimmt er einen höchst unangenehmen Geruch an; dieser ist aber, je nach der zeitweiligen Nahrung, ein verschiedener. Gewöhnlich stinkt er nach Ameisen, gar nicht selten aber auch, wie der Wiedehopf, nach Dünger und zuweilen ganz abscheulich nach Moschus. Die Bewegungen sind verhältnismäßig geschickt. Trotz der kurzen Beine läuft der Vogel gar nicht so schlecht, wie man wohl vermuten sollte, und im Klettern leistet er für seine Ausrüstung Erkleckliches. Der Flug besteht aus einigen raschen Flügelschlägen und darauffolgendem Gleiten; nicht selten werden auch Bogenschwingungen ausgeführt.

Wenig andere Vögel habe ich kennengelernt, die so treuinnig zusammenhalten wie die Baumhopfe. Der Jäger, der es geschickt anfängt, kann eine ganze Gesellschaft nacheinander niederschießen. Sobald einmal der erste gefallen, fliegen alle Mitglieder des Trupps herbei, setzen oder hängen sich auf Äste oder Stämme der nahe stehenden Bäume über dem verendeten auf, schreien kläglich, schlagen mit den Flügeln und schauen entsetzt auf ihn hinab. Ein zweiter Schuß und dessen Wirkung macht sie nicht etwa ängstlich oder scheu, sondern nur noch beharrlicher in ihrer Totenklage. Höchstens teilt sich dann der Trupp, und während die einen bei der ersten Leiche verharren, umschwärmen die übrigen die zweite. So mögen sich ihre Reihen lichten, wie sie wollen, auch der letzte noch hält bei den getöteten Gefährten aus.

Hinsichtlich des Brutgeschäftes berichtet Levaillant, daß das Weibchen in einem Baumloche auf dem Mulm sechs bis acht bläulichgrüne Eier legt, sie abwechselnd mit dem Männchen bebrütet und zu demselben Loche noch längere Zeit mit den ausgeflogenen Jungen zurückkehrt. Folgt man abends ihrem lauten Geschreie, so belauscht man leicht die neugierigen und wenig scheuen Vögel und kann dann erfahren, wie die ganze Familie sich in ihre Nachtherberge zurückzieht. Levaillant verstopfte das Baumloch und holte die so gefangene Gesellschaft am anderen Morgen hervor. Sobald etwas Licht hineinfiel, kam einer nach dem anderen zur Öffnung und wurde rasch am Schnabel erfaßt. Auf diese Weise erlangte unser Forscher zweiundsechzig Männchen, fünfundvierzig Weibchen und elf Junge von verschiedenem Alter.

*

Die Töpfervögel ( Furnarius) gehören zur Familie der Baumsteiger ( Anabatidae) und erinnern an manche Drosselvögel, können aber, wie Darwin bemerkt, mit keinem europäischen Vogel verglichen werden. »Wenn man«, sagt Burmeister, »die hohen Bergketten Brasiliens, die das waldreiche Küstengebiet von den inneren Grasfluren der Campos trennt, überschritten hat und nunmehr in das hügelige Tal des Rio dos Velhas hinabreitet, so trifft man überall an der Straße auf hohen, einzelnstehenden Bäumen neben den Wohnungen der Ansiedler große, melonenförmige Lehmklumpen, die auf wagerechten, armdicken Ästen stehen und mit regelmäßigen Wölbungen nach beiden Seiten und oben sich ausbreiten. Der erste Anblick dieser Lehmklumpen hat etwas höchst Überraschendes. Man hält sie etwa für Termitennester, bevor man den offenen Zugang auf der einen Seite bemerkt hat. Aber die auffallend gleiche Form und Größe spricht doch dagegen; denn die Termitennester sind sehr ungleich gestaltet und auch nie schwebend gebaut, sondern vorsichtig in einem Astwinkel angelegt. Hat man also die regelmäßige Form dieser Lehmklumpen einmal bemerkt, so ist man auch bald in der Lage, ihre Bedeutung zu ergründen. Man wird das große, eiförmige Flugloch nicht übersehen, auch, wenn man achtsam genug ist, bisweilen einen kleinen, rotgelben Vogel durch dasselbe aus- und einschlüpfen gewahren und daran leicht das wunderliche Gebäude als ein Vogelnest erkennen. Das ist es in der Tat, und zwar das Nest des Töpfervogels, den jeder Mineiro unter dem Namen Lehmhans, Joao de Barro, kennt und mit besonderen Gefühlen des Wohlwollens betrachtet.«

Der Töpfer- oder Ofenvogel, Lehmhans usw. ( Furnarius rufus), ist oberseits rostzimmetbraunrot, auf Kopf und Mantel matter, aus den Schwingen braun, auf der Unterseite lichter, auf der Kehlmitte reiner weiß gefärbt; vom Auge verläuft ein lebhaft gefärbter rostgelber Streifen nach hinten; die Schwingen sind grau, die Handschwingen an ihrer Wurzel auf eine Strecke hin blaßgelb gesäumt, die Steuerfedern rostgelbrot. Das Auge ist gelbbraun, der Schnabel braun, der Unterkiefer am Grunde weißlich, der Fuß braun. Die Länge beträgt neunzehn, die Breite siebenundzwanzig, die Fittichlänge zehn, die Schwanzlänge sieben Zentimeter.

Nach Orbignys Angaben lebt der Töpfervogel ungefähr nach Art unserer Drosseln, ebensowohl auf den Zweigen wie an dem Boden. Im Gezweige ist er sehr lebhaft und heiter, und namentlich die wunderbare Stimme läßt er häufig ertönen. Man findet ihn immer paarweise und meist für sich allein; doch kommt es vor, daß einer der beiden Gatten sich auch einmal mit anderen Vögeln vereinigt, und dann kann es, wie Orbigny sagt, nichts Erheiternderes geben, als das vorsichtige Gebaren des Männchens, obgleich es nicht immer zu Tätlichkeiten kommt. Die Nahrung besteht aus Kerbtieren und Sämereien, laut Burmeister nur aus ersteren, die vom Boden aufgenommen werden; denn an den Zweigen sieht man den Töpfervogel nie nach solchen jagen und noch weniger fliegende Kerfe verfolgen. Auf dem Boden bewegt er sich sehr gewandt, indem er mit großen Sprüngen dahinhüpft; der Flug dagegen ist, den kurzen Flügeln entsprechend, nicht eben rasch und wird auch niemals weit ausgedehnt. Die Stimme muß höchst eigentümlich sein, weil alle Beschreiber ihrer ausdrücklich gedenken, die einen mit Wohlwollen, die anderen in minder günstiger Weise. »Seine laute, weit vernehmliche Stimme«, sagt Burmeister, »ist gellend und kreischend, und gewöhnlich schreien beide Gatten, irgendwo auf einem Haufe oder Baume sitzend, zugleich, aber in verschiedenen Tönen und Tonleitern, das Männchen schneller, das Weibchen bedeutend langsamer und eine Terz tiefer.« Überraschend ist die Art und Weise allerdings, wenn man sie das erstemal hört, aber angenehm gewiß nicht, zumal da das Vogelpaar einem stets in die Rede fällt, das heißt zu schreien beginnt, wenn man irgendwo stehenbleibt und laut sprechend sich unterhält. Im Garten des Herrn Dr. Lund geschah mir dies täglich, und oft äußerte mein freundlicher Wirt, wenn die Vögel ihre Einsprache begannen: »Lassen Sie die nur erst ausreden; wir werden doch daneben nicht zu Worte kommen.«

»Das Nest«, bemerkt Burmeister, »ist für die kleinen Vögel wirklich ein staunenswürdiges Werk. Die Stelle, wo sie dasselbe anlegen, ist gewöhnlich ein völlig wagerechter oder mitunter selbst schwach ansteigender Teil eines acht Zentimeter oder darüber starken Baumzweiges. Sehr selten gewahrt man das Nest an andern Punkten, auf Dächern, hohen Balken, Kreuzen der Kirchen usw. Beide Gatten bauen gemeinschaftlich. Zuerst legen sie einen wagerechten Grund aus dem in jedem Dorfe häufigen Lehm der Fahrwege, der nach den ersten Regengüssen, die um die Zeit ihrer Brut sich einstellen, als Straßenkot zu entstehen pflegt. Die Vögel bilden aus demselben runde Klumpen, wie Flintenkugeln, und tragen sie auf den Baum, hier mit den Schnäbeln und Füßen sie ausbreitend. Gewöhnlich sind auch zerfahrene Pflanzenteile mit eingeknetet. Hat die Grundlage eine Länge von zwanzig bis zweiundzwanzig Zentimeter erreicht, so baut das Paar an jedes Ende derselben einen aufwärts stehenden, seitwärts sanft nach außen geneigten Rand, der am Ende am höchsten (bis fünf Zentimeter hoch) ist und gegen die Mitte der Seiten sich erniedrigt, so daß die Ränder von beiden Enden her einen hohlen Bogen bilden. Ist dieser Rand fertig und gehörig getrocknet, so wird darauf ein zweiter, ähnlicher gesetzt, der sich schon etwas mehr nach innen zu überbiegt. Auch diesen läßt der Vogel zuvörderst wieder trocknen und baut später in derselben Weise fort, sich von beiden Seiten zu einer Kuppel zusammenschließend. An der einen Langseite bleibt eine runde Öffnung, die anfangs kreisförmig erscheint, später aber durch Anbauen von der einen Seite her zu einem senkrecht stehenden Halbkreise verlängert wird. Sie ist das Flugloch. Das fertige Nest gleicht einem kleinen Backofen, pflegt fünfzehn bis achtzehn Zentimeter hoch, zwanzig bis zweiundzwanzig Zentimeter lang und zehn bis zwölf Zentimeter tief zu sein. Seine Lehmwand hat eine Stärke von fünfundzwanzig bis vierzig Millimeter, die innere Höhle umfaßt also einen Raum von zehn bis zwölf Zentimeter Höhe, zwölf bis fünfzehn Zentimeter Länge und sieben bis zehn Zentimeter Breite. Ein der Vollendung nahes Nest, das ich mitnahm, wiegt vier und ein halbes Kilogramm. In dieser Höhle erst baut der Vogel das eigentliche Nest. Dasselbe wird sorgfältig mit herumgelegten trockenen Grashalmen und nach innen mit eingeflochtenen Hühnerfedern, Baumwollbüscheln usw. ausgekleidet. Dann ist die Wohnung des Lehmhauses fertig. Der Vogel legt seine zwei bis vier weißen Eier hinein, und beide Gatten bebrüten sie und füttern ihre Jungen. Der erste Bau wird Ende August ausgeführt; die Brut fällt in den Anfang des September. Eine zweite Brut wiederholt sich später im Jahre.«

*

Wesen und Eigenart der Würger und Fliegenfänger vereinigen in sich die Tyrannen oder Königswürger ( Tyrannidae), eine für Amerika bezeichnende, auf beiden Hälften des Festlandes vertretene Familie. Wilson, Audubon, der Prinz von Wied und andere Forscher haben uns so ausführliche Mitteilungen über eine der berühmtesten Arten dieser Familie gemacht, daß wir uns einer genaueren Lebenskenntnis derselben rühmen dürfen. Der » Königsvogel« oder Tyrann ( Tyrannus carolinensis) zählt zu den mittelgroßen Arten der Sippe: seine Länge beträgt einundzwanzig, die Breite sechsunddreißig, die Fittichlänge zwölf, die Schwanzlänge neun Zentimeter. Das weiche und glänzende Gefieder, das sich auf dem Kopf zu einer Haube verlängert, ist auf der Oberseite dunkel blaugrau, auf den Kopfseiten am dunkelsten, während die schmalen Haubenfedern prachtvoll feuerfarbig und gelb gerandet sind; die Unterseite ist graulichweiß, auf der Brust aschgrau überflogen, an Hals und Kehle reinweiß; die Schwingen und Steuerfedern sind bräunlichschwarz, letztere dunkler gegen das Ende hin und wie die Flügeldeckfedern an der Spitze weiß. Das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel schwarz, der Fuß graulichblau. Beim Weibchen sind alle Farben unscheinbarer und düsterer.

»Der Königsvogel«, erzählt Audubon, »ist einer von den anziehendsten Sommergästen der Vereinigten Staaten. Er erscheint in Louisiana ungefähr Mitte März. Viele verweilen hier bis Mitte September; aber die größere Anzahl zieht sich allgemach nordwärts und verbreitet sich über jeden Teil des Reiches. Die ersten Tage nach seiner Ankunft scheint der Vogel ermüdet und traurig zu sein; wenigstens verhält er sich vollkommen still. Sobald er aber seine natürliche Lebendigkeit wieder erlangt hat, hört man seinen scharfen, trillernden Schrei über jedem Feld und längs der Säume aller unserer Wälder. Im Innern der Waldungen findet er sich selten; er bevorzugt vielmehr Baumgärten, Felder, die Ufer der Flüsse und die Gärten, die das Haus des Pflanzers umgeben. Hier läßt er sich am leichtesten beobachten.«

Wenn die Brutzeit herannaht, nimmt der Flug dieser Vögel ein anderes Gepräge an. Man sieht die Gatten eines Paares in einer Höhe von zwanzig oder dreißig Meter über dem Grunde unter fortwährenden flatternden Bewegungen der Flügel dahinstreichen und vernimmt dabei fast ohne Aufhören seinen lauten Schrei. Das Weibchen folgt der Spur des Männchens, und beide scheinen sich nach einem geeigneten Platz für ihr Nest umzusehen. Währenddem haben sie aber auch auf verschiedene Kerbtiere wohl acht, lassen sich durch sie ab und zu aus ihrem Wege lenken und nehmen die erspähten mit einer geschickten Schwenkung auf. Dieses Spiel wird dadurch unterbrochen, daß beide sich dicht nebeneinander aus einen Baumzweig setzen, um auszuruhen. Die Wahl des Nistplatzes wird beendet, und nunmehr sucht sich das glückliche Pärchen trockene Zweige vom Boden auf, erhebt sich mit ihnen zu einem wagerechten Ast und legt hier den Grund zur Wiege seiner Kinder. Flocken von Baumwolle, Wolle oder Werg und ähnliche Stoffe, die dem Nest eine bedeutende Größe, aber auch ziemliche Festigkeit verleihen, werden auf diesem Grund aufgebaut, die Innenränder mit seinen Würzelchen und Roßhaaren ziemlich dick ausgepolstert. Nun legt das Weibchen seine vier bis sechs fünfundzwanzig Millimeter langen, neunzehn Millimeter dicken, auf rötlichweißem Grund unregelmäßig braun getüpfelten Eier und beginnt zu brüten. Jetzt zeigt sich das Männchen voller Mut und Eifer. In der Nähe der Gattin sitzt es auf einem Zweig und scheint keinen andern Gedanken zu hegen, als sie vor jeder Gefahr zu schützen. Die erhobenen und ausgebreiteten Federn des Hauptes glänzen im Strahle der Sonne; die weiße Brust leuchtet auf weithin. So sitzt es auf seinem Stand und läßt sein wachsames Auge rundum schweifen. Sollte es eine Krähe, einen Geier, einen Adler erspähen, gleichviel ob in der Nähe oder in der Ferne, so erhebt es sich jählings, wirft sich auf den gefährlichen Gegner, nähert sich ihm und beginnt nun, ihn mit Wut anzugreifen. Es stürzt sich auf seinen Feind hernieder, läßt seinen Schlachtruf ertönen, fällt wiederholt auf den Rücken des Gewaltigen herab und versucht, sich hier festzusetzen. In dieser Weise, den minder gewandten Gegner fortwährend durch wiederholte Schnabelstöße behelligend, folgt es ihm vielleicht eine (englische) Meile weit, bis es seine Pflicht getan zu haben glaubt. Dann verläßt es ihn und eilt, wie gewöhnlich mit den Flügeln zitternd und beständig trillernd, zu dem Nest zurück. Es gibt wenige Falken, die sich dem Nistplatz des Königsvogels nähern; selbst die Katze hält sich soviel wie möglich zu Hause, und wenn sie wirklich erscheinen sollte, stürzt sich der kleine Krieger, der ebenso furchtlos ist wie der kühnste Adler, mit so schneller und kräftiger Bewegung auf sie und bringt sie durch wiederholte Angriffe von allen Seiten derart außer Fassung, daß Hinz, in die Flucht geschlagen und beschämt, nach Hause zieht.

Der Königsvogel verdient die vollste Freundschaft und Begünstigung des Menschen. Die vielen Eier des Hühnerhofes, die er vor der plündernden Krähe beschützt, die große Kükenzahl, die, dank seiner Fürsorge, vor der räuberischen Klaue des Falken gesichert ist, die Menge von Kerbtieren, die er vernichtet, wiegen reichlich die wenigen Beeren und Feigen auf, die er frißt. Sein Fleisch ist zart und wohlschmeckend; es werden deshalb auch viele der nützlichen Tiere erlegt ? nicht deshalb, weil sie Bienen fressen, sondern weil die Louisianer sehr gern die »Bienenfresser« verzehren.

*

Die Fruchtvögel ( Cotingidae) leben ebenfalls ausschließlich in Amerika, insbesondere im Süden dieses Erdteiles. Die Gesamtheit zerfällt in mehrere Unterfamilien, unter denen die der Klippenvögel ( Rupicolinae) die erste Stelle erhalten mag. Diese gehören zu den größeren Arten der Familie. Die bekannteste Art ist der Klippenvogel ( Rupicola crocea). Das reiche Gefieder des Männchens ist lebhaft orangerot; die Federn des Scheitelkammes sind dunkel purpurrot, die großen Flügeldeckfedern, die Schwingen und die Schwanzfedern, deren Grundfarbe braun ist, am Ende weißlich gerandet, alle Schwingen und Schwanzfedern außerdem am Grunde breit weiß gefleckt. Die Weibchen und die jungen Vögel sind einfarbig braun, die unteren Flügeldeckfedern orangerot, die Bürzel- und Schwanzfedern lichtrot gelbbraun; der Stirnkamm ist kleiner. Das Auge ist orangerot, der Schnabel blaß horngelb, der Fuß gelblich fleischfarben. Die Länge des Männchens beträgt einunddreißig, die Fittichlänge achtzehn, die Schwanzlänge zehn Zentimeter. Das Weibchen ist erheblich kleiner.

Gebirgsgegenden Guayanas und des nordöstlichen Teiles von Brasilien, die von Flüssen durchschnitten werden, sind die Heimat des Klippenvogels; Bergwälder und Gebirgstäler, die reich an Felsen sind, bilden seinen Aufenthalt. In der Ebene findet er sich nie. Besonders gern hält er sich in der Nähe von Wasserfällen auf, und je zerklüfteter ein Flußtal ist, um so mehr scheint es ihm zu behagen. Im Juni und Juli kommt er von seinen Felsenzinnen herunter in den Wald, um sich an den jetzt gereiften Früchten gewisser Waldbäume zu sättigen.

Viele Reisende haben über die Lebensweise dieses sonderbaren Vogels berichtet. Humboldt beobachtete ihn an den Usern des Orinoco, die Gebrüder Schomburgk fanden ihn an zwei Örtlichkeiten von Britisch-Guayaua, auf dem felsenreichen Kanukugebirge und an den Sandsteinfelsen des Wenamu, an beiden Orten häufig und gesellig lebend, aber nähere Verbindung mit andern Vögeln entschieden meidend. »Nachdem wir abermals eine steile Anhöhe erstiegen hatten«, sagt Richard Schomburgk, »die durch die riesigen, mit Moos und Farnkräutern überwachsenen Granitblöcke fast unwegsam gemacht wurde, trafen wir auf einen kleinen, fast ganz ebenen, von Gras und Gebüsche leeren Platz. Ein Zeichen der Indianer hieß mich schweigen und mich in das angrenzende Gebüsch verstecken, wie auch sie sich vollkommen geräuschlos dort verbargen. Kaum hatten wir einige Minuten hier ruhig gelegen, als ich aus ziemlicher Entfernung her eine Stimme vernahm, die dem Geschrei einer jungen Katze ähnelte, was mich auch zu der Annahme verleitete, daß es hier auf den Fang eines Vierfüßlers abgesehen sei. Eben war der Ton verklungen, als ich ihn unmittelbar neben mir von einem meiner Indianer täuschend wiederholen hörte. Der ans der Ferne antwortende kam immer näher, bis endlich der Ruf von allen Seiten her erwidert wurde. Obgleich mir die Indianer bemerklich gemacht, daß ich im Anschlag liegen bleiben möchte, überraschte mich der erste Klippenvogel doch so unerwartet, daß ich wirklich zu schießen vergaß. Mit der Schnelligkeit unserer Waldschnepfe kamen die reizenden Vögel durch das Gebüsch herbeigeflogen, setzten sich einen Augenblick nieder, um sich nach dem lockenden Genossen umzusehen, und verschwanden ebenso schnell wieder, als sie ihren Irrtum erkannt. Wir waren so glücklich gewesen, sieben Stück zu erlegen. Aber hatte ich auch die Vögel in meinen Besitz bekommen, noch war ich nicht Augenzeuge ihrer Tänze gewesen, von denen mir sowohl der Bruder wie auch die mich begleitenden Indianer schon so viel erzählt hatten.

Nach mehreren mühevollen, aber reich lohnenden Tagereisen erreichten wir endlich eine Gegend, in der uns dieses Schauspiel werden sollte. Während einer Pause zum Atemschöpfen hörten wir seitwärts von uns Töne mehrerer lockenden Klippenvögel, denen augenblicklich zwei der Indianer mit den Gewehren zuschlichen. Bald darauf kehrte einer derselben zurück und gab mir durch Zeichen zu verstehen, daß ich ihm folgen möchte. Nachdem wir etwa einige tausend Schritte mit der größten Vorsicht und von meiner Seite zugleich unter der gespanntesten Neugier durch das Gebüsch gekrochen, sah ich den andern platt auf dem Boden liegen und zugleich das glänzend orangene Gefieder des Klippenvogels durch das Gebüsch leuchten. Vorsichtig legte ich mich neben dem Indianer nieder und wurde nun Zeuge eines der anziehendsten Schauspiele. Eine ganze Gesellschaft jener herrlichen Vögel hielt eben auf der glatten und platten Oberfläche eines gewaltigen Felsblockes ihren Tanz. Auf dem den Block umgebenden Gebüsch saßen offenbar einige zwanzig bewundernde Zuschauer, Männchen und Weibchen, während die ebene Platte des Blockes von einem der Männchen unter den sonderbarsten Schritten und Bewegungen nach allen Seiten hin überschritten wurde. Bald breitete der neckische Vogel seine Flügel halb aus, warf dabei den Kopf nach allen Seiten hin, kratzte mit den Füßen den harten Stein, hüpfte mit größerer oder minderer Geschwindigkeit immer von einem Punkte aus in die Höhe, um bald darauf mit seinem Schwanz ein Rad zu schlagen und in gefallsüchtiger Haltung wieder auf der Platte herumzuschreiten, bis er endlich ermüdet zu sein schien, einen von der gewöhnlichen Stimme abweichenden Ton ausstieß, auf den nächsten Zweig flog und ein anderes Männchen seine Stelle einnahm, das ebenfalls seine Tanzfertigkeit und Anmut zeigte, um ermüdet nach einiger Zeit einem neuen Tänzer Platz zu machen.« Robert Schomburgk erwähnt noch außerdem, daß die Weibchen diesem Schauspiel unverdrossen zusehen und bei der Rückkehr des ermatteten Männchens ein Beifall bezeichnendes Geschrei ausstoßen. »Hingerissen von dem eigentümlichen Zauber«, fährt Richard Schomburgk fort, »hatte ich die störenden Absichten der neben mir liegenden Indianer nicht bemerkt, bis mich plötzlich zwei Schüsse aufschreckten. In verwirrter Flucht zerstob die harmlose Gesellschaft nach allen Seiten hin und ließ vier getötete Genossen auf dem Platz ihres Vergnügens zurück.«

Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieser Tanz nur mit der Balze unsers Hahnes verglichen werden kann und zu Ehren des Weibchens ausgeführt wird. Doch scheint das Brutgeschäft nicht an einen bestimmten Jahresabschnitt gebunden zu sein, da Schomburgk ebensowohl im April und Mai wie auch im Dezember die jungen Vögel sah, die die Indianer eben erst aus den Nestern genommen haben konnten; weil aber das Gefieder im Monat März am schönsten und vollkommensten ist, dürfte wenigstens die Mehrzahl in den erstgenannten Monaten brüten. Das Nest steht an Felsenwänden, nach Humboldt gewöhnlich in den Höhlungen kleiner Granitfelsen, wie sie sich so häufig durch den Orinoco ziehen und so zahlreiche Wasserfälle bilden, nach Schomburgk in Spalten und Vertiefungen, wo es wie das Nest der Schwalbe befestigt und zwar mit Harz angeklebt wird. Es scheint, daß ein und dasselbe Nest mehrere Jahre nacheinander benutzt und nach jeder Brutzeit nur durch einige Wurzeln, Fasern und Flaumenfedern ausgebessert und außen mit jener harzigen Masse überzogen wird. In einzelnen Spalten findet man mehrere Nester nebeneinander, ein Zeichen für große Verträglichkeit dieser Vögel. Das Gelege besteht aus zwei weißen, mit schwärzlichen Punkten gesprenkelten Eiern, die etwas größer sind als die unserer Tauben. Die Jungen werden wahrscheinlich nur mit Früchten großgezogen, die wohl auch das ausschließliche Futter der Alten bilden.

Gefangene Klippenvögel scheinen zu den Lieblingen der Indianer zu gehören. In Pararuma wurden solche Humboldt angeboten. Sie staken in kleinen, niedlichen Bauern, die aus Palmblattstielen verfertigt waren.

*

In der zweiten Unterfamilie vereinigt man die Kropfvögel ( Gymnoderinae), die größten, zwischen Krähen- und Drosselgröße schwankenden Arten der Familie. Genauer sind wir über die Glockenvögel ( Chasmarhynchus) unterrichtet. Sie gehören zu den kleineren Mitgliedern der Unterfamilie und kommen höchstens einer Taube an Größe gleich. Bezeichnend sind Hautwucherungen in der Schnabelgegend, die wie bei unsern Truthähnen sich bald verlängern, bald verkürzen.

Der Glockenvogel oder Schmied ( Chasmarhynchus nudicollis) ist schneeweiß; die nackten Zügel und die nackte Kehle sind lebhaft spangrün. Das Auge ist silberweiß, der Schnabel schwarz, der Fuß fleischfarben. Das etwas kleinere Weibchen ist am Scheitel und an der Kehle schwarz, auf der Oberseite zeisiggrün, auf der Unterseite gelb, schwarz in die Länge gefleckt, am Hals weißlich und gelblich gestrichelt. Das junge Männchen ähnelt im ersten Jahre dem Weibchen, wird dann weiß gefleckt und erhält im dritten Jahr sein ausgefärbtes Kleid. Die Länge beträgt sechsundzwanzig, die Breite fünfzig, die Fittichlänge sechzehn, die Schwanzlänge sieben Zentimeter.

Von dieser zuerst beschriebenen Art der Sippe unterscheidet sich der Glöckner ( Chasmarhynchus carunculatus) dadurch, daß das ebenfalls reinweiße Männchen auf der Schnabelwurzel einen hohlen, schwarzen, muskeligen Zipfel trägt, der mit einigen weißen Federchen besetzt ist, willkürlich ausgedehnt und eingezogen werden kann, und in ersterem Falle wie ein Horn nach oben, im letzteren wie die sogenannte Nase des Truthahnes an der Seite des Schnabels herabhängt. Bei einer dritten Art, der wir den in Südamerika üblichen Namen Araponga lassen wollen ( Chasmarhynchus variegatus), ist das nackte Kehlfeld mit Hautröhrchen bündelartig besetzt; bei dem Hämmerling ( Chasmarhynchus tricarunculatus) endlich zieren die Stirnmitte und die Schnabelwurzel jederseits je ein fünf bis sieben Zentimeter langer Hautkegel.

Die Glockenvögel sind in Südamerika heimisch. Der Schmied bewohnt Brasilien und ist hier in den Waldungen sehr häufig; der Glöckner herbergt in Guayana, die Araponga im nördlichen Südamerika, der Hämmerling in Costarica. Aus den bisher bekanntgewordenen Mitteilungen der reisenden Forscher scheint hervorzugehen, daß sich die Lebensweise dieser Vögel im wesentlichen ähnelt.

»Dieser merkwürdige Vogel«, sagt der Prinz von Wied vom Glockenvogel, »ist sowohl durch sein blendendweißes Gefieder sowie durch seine laute, hellklingende Stimme eine Eigenheit der prachtvollen brasilischen Waldungen und fällt dem Fremdling gewöhnlich sogleich und zuerst auf. Er ist überall verbreitet, wo Urwaldungen sind, in deren dunkelsten Verflechtungen er sich am meisten zu gefallen scheint. Doch kommt er nicht überall in gleicher Häufigkeit vor, scheint vielmehr gebirgigen Urwald besonders zu lieben. Seine Stimme ähnelt dem Tone einer hellklingenden Glocke, wird einzeln ausgestoßen, eine Zeitlang ausgehalten und auch öfters kurz hintereinander wiederholt. Dann gleicht sie den Lauten, die der Schmied hervorbringt, wenn er mit dem Hammer wiederholt auf den Amboß schlägt. Man vernimmt diese Stimme zu allen Stunden des Tages sehr häufig und auf weithin. Gewöhnlich halten sich mehrere der Vögel in einer und derselben Gegend auf und reizen sich wechselseitig. Der eine schallt laut und hell mit einem einfachen Tone; der andere läßt das oft wiederholte, klingende Getön hören, und so entsteht an Stellen, wo viele dieser Vögel vereinigt sind, ein höchst sonderbares Konzert. Gewöhnlich wählt der Schmied seinen Stand auf einem der oberen dürren Äste eines gewaltigen Waldstammes und läßt von dort oben seine klingende, metallische Stimme erschallen. Man sieht alsdann den blendendweißen Vogel gegen den dunkelblauen Himmel gemalt, kann ihn aber von jener Höhe nicht herabschießen. Auch fliegt er gewöhnlich sogleich ab, sobald er etwas Fremdartiges bemerkt. An Stellen, wo der Wald niedriger ist, sitzen diese Vögel in einer dichten, dunklen Laubmasse, wo man ihre Stimme vernimmt, ohne das schneeweiße Ziel erspähen zu können.«

»Inmitten der ausgedehnten Wildnisse«, schildert Waterton, »gewöhnlich auf dem dürren Wipfel einer alten Mora und fast immer außer aller Schußhöhe wird man den Glöckner bemerken. Kein Laut oder Gesang von irgendeinem geflügelten Bewohner der Wälder, nicht einmal das deutlich ausgesprochene ? Whip-poor-vill? des Ziegenmelkers kann so in Erstaunen setzen wie das Geläute des Glöckners. Wie so viele der gefiederten Klasse, bezahlt er dem Morgen und dem Abend durch Gesang seinen Zoll; aber auch, wenn die Mittagssonne Stillschweigen geboten und den Mund der belebten Natur geschlossen, ruft er noch sein heiteres Getön in den Wald hinaus. Man hört das Geläute, dann tritt eine minutenlange Pause ein, hierauf folgt wieder ein Glockenschlag und wiederum eine Pause, und so wechselt es zum dritten Male ab. Dann schweigt er sechs oder acht Minuten lang, und hierauf beginnt er von neuem. Aktäon würde seine eifrigste Jagd unterbrechen, Maria ihr Abendlied verzögern, Orpheus selbst seinen Gesang aufgeben, um diesen Vogel zu belauschen, so süß, so neu, so romantisch ist der Klang seiner Stimme.« »Ich vernahm«, sagt Schomburgk, wohl Waterton benutzend, »aus dem nahen Walde wunderbare Töne, wie ich sie noch nie gehört. Es war, als schlüge man zugleich an mehrere harmonisch gestimmte Glasglocken. Jetzt hörte ich sie wieder und nach einer minutenlangen Pause wieder und wieder. Dann trat ein etwas längerer Zwischenraum von etwa sechs bis acht Minuten ein, und von neuem erschallten die vollen harmonischen Töne. Eine ganze Zeit stand ich, vor Erstaunen gefesselt, und lauschte, ob sich die fabelhaften Klänge nicht abermals hören lassen würden; sie schwiegen, und voller Begierde wandte ich mich mit meinen Fragen an meinen Bruder, von dem ich nun erfuhr, daß dies die Stimme des Glöckners sei. Kein Gesang, keine Stimme irgendeines der befiederten Bewohner der Wälder Guayanas, selbst nicht die so deutlich ausgesprochenen Worte der Ziegenmelker, hatten mich in gleiches Erstaunen versetzt, wie die Glockentöne des Hämmerlings. Daß die Vögel in Guayana die Gabe der Sprache besaßen, hatte ich ja bei meinem ersten Schritt auf diesem merkwürdigen Erdteil schon erfahren; solche Töne aber waren mir bisher noch gänzlich unbekannt geblieben, und meine Aufmerksamkeit konnte jetzt auf nichts anderes gerichtet, durch nichts anderes von diesem wunderbaren Sänger abgezogen werden.

In der Nähe der Küste gehört der Glöckner zu den Strichvögeln; die unmittelbare Küste besucht er nie. Hohe Gebirgswaldungen scheint er am meisten zu lieben, jedoch nur bis zu einer Meereshöhe von vier- bis fünfhundert Meter emporzusteigen.«

Ich habe Gelegenheit gehabt, einen gefangenen Glockenvogel längere Zeit zu beobachten und bin daher imstande, Vorstehendes zu ergänzen. Das allerdings laute und metallische, in der Nähe gehört aber sehr rauhe, etwas kratzende und wenig wohllautende, eher unangenehme Geschrei erinnert am meisten an die Stimmlaute der Froschlurche. Der Laut, den man am häufigsten und nach oftmaliger Zählung in Zwischenräumen einer halben Sekunde sieben- bis fünfundzwanzigmal nacheinander vernimmt, klingt in der Nähe wie »Garrëi«, wobei der erste Selbstlauter nur angedeutet wird, die letzten beiden dagegen hell und vernehmlich, dem Schlage eines Hammers auf dem Amboß ähnlich klingen. Zuweilen hört man auch piepende Laute, die so schwach sind, daß sie schon in geringer Entfernung verklingen. Manchmal vertönt er seinen Hauptruf in ungewöhnlicher Weise, indem er ein heiseres »Grrr« als Vorschlag ausstößt und diesem ein lautes, helles, langgezogenes »Iii« anhängt. Wenn er einmal schreit, stößt er die Hauptlaute in Absätzen von zehn bis fünfzehn Sekunden Dauer aus, unterbricht sich jedoch manchmal, um mit verschiedenen Lauten abzuwechseln. Er bringt dann mehrere Male den Hauptlaut hervor, schweigt hierauf ein Weilchen, ruft nunmehr eine halbe Minute lang fast ununterbrochen in gewöhnlicher Weise, schweigt wiederum ein wenig und läßt endlich die Laute mit dem heiseren Vorschlage vernehmen. Die piependen Laute hört man nur, wenn er zusammengekauert auf einem Aste hockt und tiefster Ruhe pflegt, die lauten, gellenden dagegen, wenn er aufgerichtet sitzt oder sich bewegt. Je länger er schreit, um so erregter scheint er zu werden, so daß man nicht verkennen kann, daß er sich währenddem in einem Liebesrausche befindet oder balzt. Mit Beginn des gellenden Geschreies hebt er den Kopf hoch empor, sperrt den Schnabel so weit auf, daß der Oberteil fast senkrecht, der Unterteil beinahe wagerecht steht, stößt, ohne den Schnabel zu schließen, die einzelnen Töne tief aus der Brust heraus, springt mit weitgespreizten Beinen rasch auf dem Zweige hin und her, hebt den Schwanz gestelzt über die Flügel, zittert auch auf Augenblicke mit letzteren und klappt erst mit dem letzten Laute die Kiefer wieder zusammen. Bei jedem Laute bewegt sich der Schnabel zuckend ein wenig, Hals, Brust und Unterleib aber erheblich; die Kehle wird gebläht, und das nackte Kehlfeld schwingt ersichtlich; die Brust hebt und senkt sich jählings, und die Erschütterung des ganzen Körpers ist so groß, daß man glauben möchte, die Brust müsse zerspringen. Erhöht sich die Erregung, so neigt er sich schief nach unten, bewegt schüttelnd den Kopf, insbesondere aber die Kehle, stelzt den Schwanz höher als je, streckt ein Bein aus, so weit er kann, krampft den Fuß des andern zusammen, verdreht beide, wendet sich abwechselnd zur linken und rechten Seite und schnellt unter gleichzeitigem Ausstoßen des letzten, durch eine kurze Pause von den übrigen getrennten Hauptlautes zurück oder springt mit einem seitlichen Satze jählings auf eine andere Sitzstelle oder dreht sich auf einer und derselben Stelle mehrmals um sich selbst. Nach Verlauf von einer bis zwei Stunden ermattet er endlich und hockt dann schweigend auf einem Aste nieder, um zu ruhen.

Beeren und Früchte scheinen die gewöhnliche Nahrung der Glockenvögel zu bilden.

Gefangene Glockenvögel gelangen in der Neuzeit nicht allzuselten lebend in unsere Käfige, halten sich auch bei einfachem, aus gekochtem Reis, Möhren und Kartoffeln bestehendem Futter mehrere Jahre.

*

»Unsere im gleichen Schritt fortschreitende Reihe mußte an der Spitze ein unerwartetes Hindernis gefunden haben: die Bewegung stockte. Voll Befürchtung eilte ich dorthin; die ersten des Zuges standen vor einem braunen, vier bis fünf Meter breiten Bande; denn so und nicht anders sah der dichtgedrängte Heerzug der Wanderameise aus, der eben unseren Pfad kreuzte. Zu warten, bis dieser vorüber war, hätte uns zu lange aufgehalten, der Durchbruch dieses Heeres mußte im raschen Laufe unter gewaltigen Sprüngen erzwungen werden. Bis an die Knie mit den wütendgewordenen Kerfen bedeckt, durchbrachen wir die dichte Reihe, ohne uns jedoch, trotzdem wir sie mit den Händen zerquetschten und mit den Füßen zerstampften, ganz vor den schmerzhaften Bissen der gereizten Tiere retten zu können. Greift ein solches Heer, von dem niemand weiß, woher es kommt, noch wohin es zieht, auch alles an, das sich ihm auf seinem Wege entgegenstellt, so hat es doch ebenfalls seine Feinde, namentlich unter den Vögeln, die es stets in großer Anzahl begleiten.« So schildert Schomburgk und berichtet sodann einiges über die Lebensweise jener Vögel, die ich nun zunächst leiblich beschreiben will.

Die Ameisenvögel ( Formicariidae), eine reiche, auf Südamerika beschränkte Familie bildend, erinnern ebenso an unsere Drosseln wie an die Sänger und Würger. Bezeichnend für die Gesamtheit ist, laut Prinz von Wied, »daß die Füße auf Unkosten der Flügel ausgebildet sind«. Die Ameisenvögel bewohnen die ausgedehnten Waldungen der Ebenen oder die buschigen Strecken der Steppengegenden, meiden aber das Gebirge. Je ausgedehnter, je feuchter und heißer der Wald, um so häufiger finden sie sich. Einige Arten kommen in der Nähe bewohnter Ortschaften vor; die große Mehrzahl dagegen hält sich verborgen im Innern der Dickichte und scheint auf den Boden angewiesen zu sein. Das Fliegen wird allen Ameisenvögeln schwer, und man ficht sie nur im äußersten Notfall ihre Flügel gebrauchen; ja einzelne von ihnen erheben sich kaum jemals fliegend über den Boden, sondern suchen auch in der ärgsten Not ihr Heil in der Kraft ihrer Füße, indem sie mit verdoppelter Eile dahinrennen, falls sie es nicht vorziehen, sich platt auf den Boden zu drücken. Im Laufen wetteifern sie mit jedem andern Vogel; denn sie rennen nicht bloß sprungweise über den Boden dahin, mit einer Schnelligkeit, daß es einem Hunde Mühe macht, sie einzuholen, sondern sie springen auch mit gewaltigen Sätzen hoch vom Boden auf erhabene Gegenstände oder von diesen wieder herab. Laufend oder hüpfend durchmessen sie ungeheure Strecken der Wälder, wie Orbigny sagt, »das ganze Gebiet ihres Verbreitungskreises«. Sie ziehen nicht regelmäßig; aber sie sind beständig auf der Wanderung. Nur während der Nistzeit fesselt sie die Sorge um ihre Brut an eine und dieselbe Örtlichkeit. Ihre Stimme ist höchst verschieden. Einige lassen brummende Laute vernehmen, andere stoßen einen wiederholten Pfiff aus, andere wiederum zwitschern, einzelne geben einen kurzen, aber laut tönenden Gesang zum besten, mehrere sind im höchsten Grade schweigsam.

Kerbtiere bilden die hauptsächlichste Nahrung der Ameisenvögel; doch verschmähen einige auch Pflanzenstoffe nicht. Erstere sammeln sie hauptsächlich vom Boden auf, indem sie die abgefallenen Blätter mit dem Schnabel umwälzen; einzelne scharren aber auch wie die Hühner, wenn sie rascher zum Ziele kommen wollen. Sie lieben die Ameisen, ohne daß man jedoch sagen kann, daß diese ihre bevorzugte Speise wären.

 

Einer der bekanntesten Ameisenvögel ist das Feuerauge ( Pyriglena domicella), Vertreter einer gleichnamigen Sippe. Bei dem männlichen Feuerauge sind Schnabel, Füße und der größte Teil des Gefieders schwarz, die Flügeldeckfedern am Bug weiß und die großen Deckfedern weiß gerandet. Das Auge ist, dem Namen entsprechend, dunkel feuerrot. Das Weibchen ist olivenbraun, an der Kehle und auf dem Nacken blaßgelb. Die Länge beträgt achtzehn, die Breite dreiundzwanzig, die Fittichlänge acht, die Schwanzlänge sieben Zentimeter.

Das Feuerauge ist in allen Waldungen Brasiliens nicht selten und kriecht überall in den dichten und dunklen Gebüschen der großen Wälder umher. Sein feurigrotes Auge sticht lebhaft ab von dem kohlschwarzen Gefieder, und der Vogel wird schon deshalb leicht bemerklich. Die Stimme ist ein pfeifendes Gezwitscher.

Daß dieser nette Vogel ein eifriger Ameisenjäger ist, erfahren wir durch Kittlitz. »Ich begegnete«, erzählt er, »in einem Dickicht des Waldes einem ungeheuren Schwarm großer, schwarzer Ameisen, die um die Trümmer starker Bambusstengel her gerade sehr beschäftigt waren, während sowohl männliche als weibliche Feueraugen ihnen mit großer Gier und Behendigkeit nachstellten. So schüchtern sich die Vögel auch zeigten und so gewandt sie einem Schuß auszuweichen wußten, war doch ihre Begierde nach den Ameisen so groß, daß selbst das Schießen sie nur augenblicklich verscheuchte. Ich konnte, am Boden lauernd und immer wieder ladend, bald sechsmal nacheinander Feuer geben. Überraschend war es für mich, in dem Magen der geschossenen fast nur Überreste von Heuschrecken und andern Geradflüglern zu finden. Es scheint also, daß die Ameisen mehr Leckerbissen als regelmäßige Nahrung dieser Vögel bilden.« Andere Forscher versichern ebenfalls, daß in der Nähe eines wandernden Ameisenheeres die Jagd auf diese sonst so vorsichtigen Vögel überaus leicht ist. Schwerer aber hält es, die geschossenen aus der Mitte des wandernden Heeres hervorzuholen, ohne von hundert erbitterten Kerfen gebissen zu werden. Auch Kittlitz hebt hervor, daß er von den Ameisen fürchterlich gebissen wurde, obgleich sie zum Glück zu eilig waren, als daß sie sich in Massen aus ihn geworfen hätten.

*

Die Leierschwänze ( Menuridae), zwei in Australien heimische Sperlingsvögel, bilden die letzte Familie der Ordnung. Ihre Gestalt ist eine so eigenartige, daß man sie wohl mit andern Sperlingsvögeln vergleichen, nicht aber vereinigen kann. Sehr groß, fasanähnlich gebaut, hochläufig, kurzflügelig und langschwänzig, stellen sie eine der absonderlichsten aller Vogelgestalten dar. Der sehr lange Schwanz wird aus verschiedenartig gebildeten Federn zusammengesetzt. Diejenigen, die man als die eigentlichen Steuerfedern bezeichnen möchte, zwölf an der Zahl, können kaum mehr Federn genannt werden, weil die Fahnenstrahlen nicht zusammenhängen, sondern weit voneinander stehen, so daß sie den zerschlissenen Schmuckfedern mancher Reiherarten ähneln; die beiden mittleren und die beiden äußeren Steuerfedern dagegen sind mit zusammenhängenden Fahnen besetzt, erstere mit sehr schmalen, letztere, die außerdem S-förmig gekrümmt sind, mit schmalen Außen- und sehr breiten Innenfahnen. Diese Schwanzbildung, der schönste Schmuck des Vogels, kommt übrigens bloß dem Männchen zu; denn der Schwanz des Weibchens besteht nur aus zwölf abgestuften Steuerfedern von gewöhnlicher Form. Das Gefieder ist reich und locker, auf Rumpf und Rücken fast haarartig, auf dem Kopfe hollenartig verlängert, um die Schnabelwurzel herum in Borsten verwandelt.

Die Färbung des Leierschwanzes ( Menura superba) ist der Hauptsache nach ein dunkles Braungrau, das auf dem Bürzel rötlichen Anflug zeigt; die Kehle und Gurgelgegend sind rot, die Unterteile bräunlich aschgrau, blasser am Bauche, die Armschwingen und die Außenfahne der übrigen rotbraun; der Schwanz ist auf der Oberseite schwärzlichbraun, auf der Unterseite silbergrau; die Außenfahnen der beiden leierförmigen Federn sind dunkelgrau, ihre Spitzen samtschwarz, weiß gefranst, ihre Innenfahnen abwechselnd schwarzbraun und rostrot gebändert, die mittleren Schwanzfedern grau, die übrigen schwarz. Die Länge des Männchens beträgt einhundertdreißig, die Fittichlänge neunundzwanzig, die Schwanzlänge siebzig Zentimeter. Das Weibchen ist bedeutend kleiner, die Färbung seines Gefieders ein schmutziges Braun, das auf dem Bauche ins Graue übergeht. Ihm ähneln die jungen Männchen bis zur ersten Mauser.

siehe

Leierschwanz ( Menura superba)

Wir verdanken Gould die ausführlichsten Beobachtungen über die Lebensweise der Leierschwänze und sind durch Becker und Ramsay auch über das Fortpflanzungsgeschäft unterrichtet worden. Das Vaterland des Vogels ist Neusüdwales, östlich bis zur Moritonbay, südwestlich bis gegen Port Philipp hin; seine Aufenthaltsorte sind dichte Buschwaldungen auf hügeligem oder felsigem Grunde. »Das Umherklettern in diesen Bergen«, schildert ein Leierschwanzjäger, »ist nicht bloß beschwerlich, sondern auch höchst gefährlich. Die Spalten und Klüfte sind mit ungeheuren Massen halbverwester Pflanzenstoffe bedeckt, in denen man wie in Schnee knietief watet. Ein falscher Tritt, und der Mann verschwindet oder bleibt wie ein Keil in den Felsspalten stecken. Ein Glück, wenn er seine Waffe noch gebrauchen, wenn er sich vermittels eines Schusses durch den Kopf vom langsamen Verschmachten befreien kann; denn Hilfe ist unmöglich.« An solchen Orten hört man den Leierschwanz überall, aber man hört ihn eben nur. Gould verweilte tagelang in den Gebüschen, war von Vögeln umgeben, hörte ihre laute, helle Stimme, vermochte aber nicht, einen von ihnen zu Gesicht zu bekommen, und nur die rücksichtsloseste Ausdauer und die äußerste Vorsicht belohnten später seine Bemühungen.

Diese Schwierigkeit, sich dem vorsichtigen Geschöpf zu nähern und sozusagen mit ihm zu verkehren, läßt es begreiflich erscheinen, daß wir trotz aller Jagdgeschichten, die die Reisenden uns mitgeteilt haben, ein klares Bild der Lebensweise, des Betragens, der Gewohnheiten und Sitten des Leierschwanzes noch nicht haben gewinnen können. Alle Beobachter stimmen in dem einen überein, daß der Vogel den größten Teil seines Lebens auf dem Boden zubringt und nur höchst selten zum Fliegen sich bequemt. Laufend durchmißt er die ungeheuren Waldungen, eilt er über liegende Baumstämme oder selbst durch das Gezweig derselben weg, klimmt er an den starren und rauhen Felswänden empor; springend erhebt er sich plötzlich bis zu drei Meter und mehr über den vorher eingenommenen Stand, senkt er sich von der Höhe der Felswände zur Tiefe herab, und nur wenn er den Grund einer Felsspalte besuchen will, nimmt er zu den Schwingen seine Zuflucht. Bartlett, der einen Leierschwanz pflegte, nennt ihn einen der unruhigsten und beweglichsten aller Vögel und die Schnelligkeit seines Laufes geradezu erstaunlich, um so mehr, als er unglaublich weite Entfernungen mit unvergleichlicher Hurtigkeit und Gewandtheit überspringt. Bei eiligem Laufe trägt er sich wie ein Fasan, den Leib sehr gestreckt, den Kopf vornübergebeugt, den langen Schwanz wagerecht und zusammengelegt gehalten, weil dies die einzige Möglichkeit ist, das Buschdickicht zu durchmessen, ohne seinen prächtigsten Schmuck zu beschädigen. Morgens und abends ist er am tätigsten, während der Brutzeit aber treibt er sich auch in den Mittagsstunden auf besonders vorgerichteten Plätzen umher. Jedes Männchen wirft scharrend kleine Hügel auf und bewegt sich auf ihnen nach Art balzender Hühner, indem es unablässig auf jenen Hügeln umhertritt, dabei den Schwanz emporhält, ihn äußerst zierlich ausbreitet und seinen Gefühlen außerdem durch die verschiedensten Laute Ausdruck gibt. Die Stimme ist, den entwickelten Singmuskeln durchaus entsprechend, außerordentlich biegsam, der gewöhnliche Lockton laut, weitschallend und schrillend, der Gesang je nach der Örtlichkeit verschieden, weil ein Gemisch von eigenen und von erborgten oder gestohlenen Lauten. Der eigentümliche Gesang scheint eine sonderbare Bauchrednerei zu sein, die man nur hören kann, wenn man dem Sänger selbst bis auf einige Meter nahe ist. Die Strophen desselben sind lebhaft, aber verworren, brechen oft ab und werden dann mit einem tiefen, hohlen und knackenden Laute geschlossen. »Dieser Vogel«, sagt Becker in vollkommenster Übereinstimmung mit andern Beobachtern, »besitzt wohl die größte Gabe, Töne aller Art nachzuahmen. Um einen Begriff zu geben, wie weit diese Fähigkeit geht, führe ich folgendes an. In Gippsland steht nahe dem südlichen Abhange der australischen Alpen eine Holzschneidemaschine. Dort hört man an stillen Sonntagen fern im Walde das Bellen eines Hundes, menschliches Lachen, Gesang und Gekreisch von vielen Vögeln, Kindergeheul und dazwischen das ohrenzerreißende Geräusch, das das Schärfen einer Säge hervorruft. Alle diese Laute und Töne bringt ein und derselbe Leierschwanz hervor, der unweit der Schneidemaschine seinen Ruhesitz hat.« Gegen die Brutzeit hin verdoppelt sich diese Redseligkeit noch bedeutend; er ersetzt dann, wie die Spottdrossel Amerikas, ein ganzes Heer von singenden Vögeln. Fremden Geschöpfen gegenüber bekundet der Leierschwanz die äußerste Vorsicht; es scheint aber, daß er den Menschen noch ängstlicher flieht als die Tiere. Mit seinesgleichen vereinigt er sich niemals, denn man trifft ihn immer paarweise an und beobachtet, daß zwei Männchen, die sich begegnen, augenblicklich miteinander in den heftigsten Streit geraten und sich erbittert umherjagen.

Die Nahrung besteht größtenteils in Kerbtieren und Würmern. Gould fand besonders Tausendfüße, Käfer und Schnecken in dem Magen der von ihm oder seinen Jägern erlegten Stücke. Einen beträchtlichen Teil seines Futters gewinnt der Vogel durch Scharren. Hierbei betätigt er ebensoviel Kraft wie Geschick; denn er wälzt, obgleich er seitlich, nicht nach hinten scharrt, Erdklumpen oder Steine bis zu vier Kilogramm Gewicht zur Seite, um etwa darunter verborgene Tiere zu erlangen. Sämereien verzehrt er ebenfalls, obschon vielleicht nur zu gewissen Zeiten. Unverdauliche Reste speit er in Gewöllen aus.

Nach Beckers Erfahrungen fällt die Brutzeit in den August; nach Ramsay dagegen beginnt der Vogel bereits im Mai am Nest zu arbeiten und legt sein Ei schon im Juni, spätestens im Juli. Der zum Nisten gewählte Lieblingsplatz ist das dichte Gestrüpp an Abhängen der tiefen und schroffen Klüfte, an denen die Gebirge so reich sind, oder aus den kleinen Ebenen, die zwischen den Flußwindungen am Fuße der Gebirge liegen. Hier sucht der Vogel junge Bäume aus, die dicht nebeneinander stehen und deren Stämmchen eine Art von Trichter bilden; zwischen diesen Stämmchen, zuweilen auch auf einem ausgehöhlten Baumstamme oder in einem nicht allzu hohen Farnstrauche, einer Felsennische, einem vom Feuer teilweise zerstörten Baumstamm, meist nicht hoch, ausnahmsweise auch in beträchtlicher Höhe über begehbarem Boden, steht das Nest, ein je nach dem Standort und den am leichtesten zu beschaffenden Stoffen verschieden zusammengesetzter, immer aber großer, länglich eiförmiger und überdachter Bau von etwa sechzig Zentimeter Länge und dreißig Zentimeter Höhe. Der Unterbau besteht in der Regel aus einer Lage von groben Reisern, Holzstücken und dergleichen, das eigentliche, kugelförmige Nest aus feinen, biegsamen Wurzeln, die innere Ausfütterung aus den zartesten Federn des Weibchens. Die obere Hälfte ist nicht dicht mit der unteren verbunden, läßt sich leicht von ihr trennen, bildet also das Dach des ganzen Baus und besteht wie der untere Teil aus grobem Gehölz, Gras, Moos, Farnblättern und ähnlichen Stoffen. Von weitem sieht ein solches Nest aus, als wäre es weiter nichts als ein Bündel trockenen Reisigs. Eine seitliche Öffnung dient als Eingang in das Innere des anscheinend so liederlichen, in Wirklichkeit aber sehr haltbaren, oft für mehrere Jahre dienenden Baus. Der Leierschwanz brütet nur einmal im Jahre und legt bloß ein einziges Ei, das dem einer Ente an Größe etwa gleichkommt, ungefähr sechzig Millimeter lang, vierzig Millimeter dick und auf hell aschgrauem Grunde schwach mit dunkelbräunlichen Flecken gezeichnet ist. Das Weibchen brütet allein, wird währenddem vom Männchen nicht geatzt, anscheinend nicht einmal besucht, verläßt daher in den Mittagsstunden oft auf längere Zeit das Nest und zeitigt das Ei kaum vor Ablauf eines Monats. Nach einem Ausflug zum Nest zurückkehrend, kriecht es durch den Eingang ins Innere, dreht sich dann um und nutzt dabei die Schwanzfedern in so erheblicher Weise ab, daß man an ihnen erkennen kann, ob es bereits längere oder kürzere Zeit gebrütet hat. Das Junge verläßt das Nest nicht, bevor es acht bis zehn Wochen alt geworden ist. Eins, das Becker beobachtete, war fast unbefiedert und zeigte nur hier und da schwarze, Pferdehaaren ähnliche Federgebilde. Die Mitte des Kopfes und des Rückgrats waren die am dichtesten, die Flügel und die Beine die am spärlichsten bedeckten Teile. Die Haut zeigte gelblichgraue Färbung: der Schnabel war schwarz, der Fuß dunkel gelblichgrau. Das Junge kam mit geschlossenen Augen aus dem Ei; doch waren die Lider schon vollständig getrennt. Ein anderes Junge, das später aus dem Nest genommen wurde, war schon ziemlich groß und auf Kopf und Rücken mit Daunen bekleidet. Als man es ergriff, stieß es einen lauten Schrei aus, der sofort die Mutter herbeizog. Sie näherte sich, ihre sonstige Scheu gänzlich vergessend, den Fängern bis auf wenige Meter, schlug mit den Flügeln und bewegte sich jählings nach verschiedenen Seiten hin, in der Absicht, ihr Junges zu befreien. Ein Schuß streckte sie zu Boden, und fortan schwieg das Junge. Im Verhältnis zu seiner Größe benahm es sich ungemein hilflos; sein Gang hatte, obgleich die Beine schon sehr entwickelt waren, etwas äußerst Ungeschicktes; es erhob sich schwerfällig, rannte zwar, fiel aber öfter zu Boden. Wohl durch die Wärme angelockt, strebte es beständig, sich dem Lagerfeuer zu nähern, und erforderte deshalb stete Aufsicht. Sein Schrei, ein lautes »Tsching, tsching«, wurde oft gehört; antwortete sein Pfleger mit »Bullan, bullan«, dem Lockton des Alten, so kam es herbeigelaufen und konnte mit diesen Lauten förmlich geleitet werden. Nach kurzer Zeit war es sehr zahm geworden. Ameisenpuppen fraß es mit Begierde, verschmähte aber auch Brotkrumen und Fleischstückchen nicht. Zuweilen las es sich selbst Ameisenpuppen vom Boden auf, mühte sich dann aber vergeblich, sie zu verschlingen. Wasser trank es selten. Zum Ruhen richtete man ihm ein Nest aus Moos her und kleidete es innen mit einem Phalangistenfell aus; in diesem Nest schien es sich sehr behaglich zu fühlen. Während des Schlafes verbarg es den Kopf unter einen Flügel; rief man »Bullan bullan«, so erwachte es zwar, sah sich auch wohl einige Augenblicke um, nahm aber die beschriebene Lage bald wieder an und bekümmerte sich dann um kein Rufen mehr. Leider starb es am achten Tage nach seiner Gefangennahme. Verschiedene Versuche, jung dem Nest entnommene Leierschwänze aufzuziehen, gelangen besser; aber erst im Jahre 1867 kam der erste lebende Vogel dieser Art im Tiergarten zu Regents Park an. Wie lange er hier gelebt hat, vermag ich nicht zu sagen.

Gould und andere Beobachter nennen den Leierschwanz den scheuesten Vogel der Erde. Das Knacken eines Zweiges, das Rollen eines kleinen Steines, das geringste Geräusch treibt ihn augenblicklich in die Flucht und vereitelt alle Anstrengung des Jägers.


Akzeptieren

Diese Website benutzt Google Analytics um seinen Nutzen zu messen. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren