Brehms Tierleben. Vögel. Band 14: Raubvögel I

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Adler

Die größten Raubvögel, die selbst erworbene Beute genießen und nur ausnahmsweise Aas angehen, werden Adler ( Aquilidae) genannt. Sie sind Vögel von gedrungenem Leibesbau mit mittelgroßem, durchaus befiedertem Kopfe und starkem, an der Wurzel geradem, erst gegen die Spitze gekrümmtem Schnabel, dessen Oberkiefer keinen Zahn besitzt, dafür aber an der betreffenden Stelle ausgebuchtet ist, und dessen Wachshaut nicht vom Gefieder verdeckt wird. Die Fußwurzeln sind mittellang, stets kraftvoll, oft nur wenig, oft wiederum bis zu den Zehen herab befiedert, diese selbst stark, von mittelmäßiger oder bedeutender Länge und immer mit großen, sehr gekrümmten, spitzigen Nägeln bewehrt. Die Flügel, die bei einigen das Ende des Schwanzes, bei andern nur dessen Wurzelteil erreichen, erscheinen stets abgerundet, weil die vierten oder fünften Schwingen fast ohne Ausnahme die längsten sind. Der Schwanz ist groß, lang und breit, entweder gerade abgeschnitten oder zugerundet. Das Gefieder besteht aus großen, gewöhnlich zugespitzten Federn, ist immer reich, zuweilen sehr weich, ausnahmsweise derb und hart. Bezeichnend für den Adler ist, daß die Federn des Hinterkopfes und Nackens sich entweder zuspitzen oder zu einer Holle verlängern. Das große, feurige Auge erhält einen sehr kühnen Ausdruck dadurch, daß das Augenbrauenbein weit hervortritt.

Die Adler bewohnen die ganze Erde. Die Verschiedenheit der Gestalt läßt erwarten, daß nicht alle Arten dieselben Wohnorte wählen. Auch die Mehrzahl der Adler lebt und jagt im Walde; einzelne Arten aber sind Gebirgs- und Felsenbewohner, andere an das Wasser, entweder an die Küste des Meeres oder an Seen und Flüsse gebunden; einige finden selbst in freien Steppen ihre Heimat. In der Nähe des Menschen siedeln sich Adler selten an; ihr eigentlicher Wohnsitz muß möglichst unbehelligt sein. Von ihm aus unternehmen sie weite Ausflüge, und gelegentlich dieser kommen sie oft genug in unmittelbare Nähe der Dorfschaften und rauben hier, wenn sie sich nicht verfolgt sehen, zuweilen vor den Augen ihres gefährlichsten Gegners. Die nordischen Arten sind größtenteils Wandervögel, alle wenigstens Strichvögel, die außer der Brutzeit im Lande umherschweifen und während ihrer langen Jugendzeit unter Umständen ganz andere Gegenden oder Länder bewohnen als die alten, gepaarten und horstenden Vögel ihrer Art. Auch die Adler lieben Gesellschaften ihresgleichen nicht, dulden wenigstens während des Sommers in ihrem Gebiete kein zweites Paar. Die Gatten eines Paares halten außerordentlich treu zusammen, und es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß eine unter Adlern geschlossene Ehe für die ganze Lebenszeit währt. Im allgemeinen machen die Adler ihrem Namen Ehre: sie sind wirklich edle Vögel. Unter den gefiederten Räubern gibt es wenige, die höher begabt sind als sie; nur die Edelfalken dürfen ihnen vielleicht vorausgestellt werden. Leibliche und geistige Begabungen sind ihnen in gleicher Weise zuteil geworden. Ihr Flug ist ausgezeichnet schön. Die Flügel werden, wenn es sich darum handelt vom Boden aufzusteigen, gewaltig, obschon verhältnismäßig langsam bewegt, sobald aber einmal eine gewisse Höhe gewonnen wurde, einfach ausgebreitet, und dennoch schweben die Adler ungemein rasch dahin. Man sieht von ihnen oft minutenlang nicht einen einzigen Flügelschlag, und doch entschwinden sie bald dem Auge. An dem kreisenden Adler bemerkt man, wie er durch Drehen und Wenden, durch Heben und Senken des Schwanzes steuert, wie er sich hebt, wenn er dem Winde entgegenschwebt, und wie er sich senkt, wenn das Gegenteil stattfindet. Beim Angriff auf lebende Beute stürzt der gewaltige Räuber mit außerordentlicher Schnelligkeit unter lautem, weit hörbarem Rauschen hernieder, allerdings nicht so schnell, daß er einen gewandt fliegenden Vogel zu ergreifen vermöchte, aber immer noch rasch genug, um eine fliegende Taube einzuholen. Der Gang auf dem Boden ist ungeschickt und besteht aus sonderbaren Sprungschritten, bei denen, unter Zuhilfenahme der Flügel, ein Bein um das andere bewegt wird. Der Adler erscheint in laufender Stellung am unedelsten. Viel schöner nimmt er sich aus, wenn er aufgebäumt hat. Dann hält er sich senkrecht wie ein sitzender Mann, und übt einen wirklich erhabenen Eindruck auf den Beschauer. Die stolze Ruhe seines ganzen Wesens prägt sich am deutlichsten im Sitzen aus.

Unter den Sinnen steht zweifellos das Gesicht obenan, wie schon das herrliche Auge bekundet. Nächstdem dürfte das Gehör am entwickeltsten sein. Der Adler vernimmt außerordentlich fein und gibt gegen grelle Töne entschiedenen Widerwillen zu erkennen. Über den Geruch ist viel gesprochen, aber, wie ich meine, auch viel gefabelt worden. Er ist gewiß nicht wegzuleugnen; doch glaube ich, daß er keineswegs so hoch ausgebildet ist, als man behauptet hat. Das Gefühl, Empfindungsvermögen sowohl wie Tragfähigkeit, steht auf hoher Stufe, und Geschmack beweist jeder gefangene Adler, dem verschiedene Nahrung vorgeworfen wird, in nicht verkennbarer Weise. Im Freileben zeigt sich der Adler außerordentlich vorsichtig und scheu da, wo er Gefahr vermutet, dreist und frech dort, wo er früher ungestraft raubte, richtet also sein Betragen nach den Umständen ein. Andern Tieren gegenüber legt auch er zuweilen eine gewisse List an den Tag, und bei seinen Räubereien bekundet er beachtenswerte Berechnung. In der Gefangenschaft schließt er sich nach kurzer Zeit dem Menschen an, den er früher ängstlich mied, tritt mit ihm in ein Freundschaftsverhältnis, das sehr innig werden kann.

Der freilebende Adler nährt sich, wie im Eingange bemerkt, vorzugsweise von selbst erbeuteten Tieren, namentlich von Wirbeltieren; keine einzige Art aber von denen, die ich kenne, verschmäht Aas, und gänzlich unbegründet ist es, wenn man behauptet hat, daß nur der Hunger den Adler zu solcher Speise zwinge. Er bevorzugt das lebende Tier, findet es aber bequem, an einem bereits gedeckten Tische zu schmausen. Ein Kostverächter ist er überhaupt nicht und mit wenigen Ausnahmen jedes höhere Wirbeltier ihm genehm. Fische gehören, wie es scheint, zu einem beliebten Beigericht, wogegen Lurche nur in wenigen Arten Liebhaber finden dürften. Der Adler raubt im Sitzen wie im Laufen und selbst im Fliegen, erhebt die Beute, die er ergriff, und trägt sie, falls er dies vermag, einem bestimmten Futterplatze zu, um sie dort zu verzehren. Bei dem Angriff entfaltet er seine ganze Kraft und beweist dabei außerordentliche Erregung, die in förmliche Wut übergehen kann. Durch Widerstand läßt er sich selten oder nicht von dem einmal gefaßten Vorsatze abbringen: was er einmal ins Auge gefaßt hat, sucht er mit Hartnäckigkeit festzuhalten. Er greift mutig starke und große Tiere an und begnügt sich mit sehr kleinen und schwachen. Sein Erscheinen bedeutet, wie Naumann sehr richtig sagt, den Tod aller Tiere, die ihm nicht zu schwer oder zu schnell sind. Die stärksten Arten erheben den bissigen Fuchs vom Boden oder nehmen den wehrhaften Marder vom Aste weg. Unter den Säugetieren sind bloß die kräftigsten, größten und schwersten, unter den Vögeln die gewandtesten vor ihm gesichert. Ein abgerichteter Adler würde sich ohne Besinnen auf den Strauß stürzen und diesen unzweifelhaft umbringen: fällt doch selbst der freilebende Menschen an.

Die Fortpflanzung unserer nordischen Adlerarten findet in den ersten Monaten des Jahres statt. Die Standvögel unter ihnen horsten selbstverständlich früher als die Zugvögel, die erst gegen den Mai hin bei uns eintreffen. Der Horst ist im Verhältnis zur Größe des Vogels ein gewaltiger Bau, von sehr übereinstimmendem Gepräge, regelmäßig niedrig, aber sehr breit und seine Nestmulde flach. Starke Reiser, bei den größten Arten armdicke Knüppel, bilden den Unterbau, feinere Reiser den oberen, Reiser, die zuweilen mit weichen Stoffen ausgekleidet werden, die Nestmulde. Ein und derselbe Horst dient dem einen Adlerpaare mehrere Jahre nacheinander, wird aber alljährlich neu ausgebessert und dabei vergrößert, so daß er zuweilen auch zu bedeutender Höhe anwachsen kann. In den meisten Fällen steht er auf Bäumen, sonst auf einem möglichst unersteiglichen Felsvorsprung, im Notfalle auf dem flachen Boden. Das Gelege enthält ein einziges oder zwei, selten drei Eier, die vom Weibchen allein bebrütet werden. Vor der Paarungszeit vergnügen sich auch die Adler durch prachtvolle Spiele in der Luft und diese setzt das Männchen noch fort, während das Weibchen brütet. Die Jungen werden von beiden Eltern groß gefüttert. Sie leiden keinen Mangel; denn unter Umständen tragen ihnen die Alten von meilenweit her Futter zu. Nach dem Ausfliegen genießen sie eine Zeitlang sorgfältigen Unterricht; dann aber werden sie im eigentlichen Sinne des Wortes in die Welt hinausgestoßen und führen nun mehrere Jahre lang ein unstetes Wanderleben, bis auch sie sich einen Gatten und später einen Horstplatz erwerben.

Außer dem Menschen haben die Adler keinen Feind, der ihnen gefährlich werden könnte, wohl aber viele Gegner. Alle kleinen Falken, Würger, Raben, Schwalben, Bachstelzen hassen sie und betätigen dieses Gefühl durch Angriffe, die zwar machtlos sind, die stolzen Räuber aber doch so arg behelligen, daß sie gewöhnlich das Weite suchen, um die lästige Rotte loszuwerden. Der Mensch muß dem Adler feindselig entgegentreten, denn die meisten Arten fügen ihm nur Schaden zu; doch gibt es auch unter ihnen einzelne, die sich nützlich erweisen und Schutz verdienen.

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Zwei große, in Gestalt und Wesen nahe verwandte Adlerarten verdienen an erster Stelle aufgeführt zu werden, weil sie in unserm heimatlichen Erdteile leben, sogar in unserm Vaterlande vorkommen und dem Begriffe, den wir mit dem Worte Adler verbinden, am besten entsprechen.

Die Sippe der Edeladler ( Aquila), die sie mit einigen andern bilden, kennzeichnet sich durch kräftigeren Leib, großen, wohlgeformten Kopf, breite und lange Flügel, unter deren Schwingen die vierte die längste ist, und die bis zum Schwanzende herabreichen, durch einen geraden abgeschnittenen, mittellangen und breiten Schwanz und sehr starke, mittelhohe Ständer. Der Schnabel ist kräftig und lang, sein Oberkiefer schon auf der Wachshaut, besonders aber vor ihr stark gebogen, an der Schneide ziemlich ausgebuchtet. Das große Auge liegt tief unter dem weit hervorspringenden Augenbrauenbein. Die mittellangen Zehen sind kräftig, die Krallen groß, spitzig und stark gekrümmt. Die Federn sind zugespitzt, namentlich am Hinterkopfe und im Nacken verschmälert und verlängert; die Fußwurzeln bis zu den Zehen herab bekleidet.

 

Der Stein- oder Goldadler ( Aquila chrysaëtos) ist der größte und stärkste, auch am gedrungensten gebaute unter den zunächst verwandten Arten, der »Adler« ohne weitere Nebenbezeichnung, der Beizvogel aller innerasiatischen Reitervölker, der Held der Fabel und das Urbild des Wappentieres, das Sinnbild der Kraft und Stärke. Seine Länge beträgt achtzig bis fünfundneunzig Zentimeter, die Breite zwei Meter und darüber, die Fittichlänge achtundfünfzig bis vierundsechzig, die Schwanzlänge einunddreißig bis sechsunddreißig Zentimeter. Erstere Maße gelten für das Männchen, letztere für das größere Weibchen. Beim alten Vogel ist der Nacken, einschließlich des Hinterhalses, rostbraungelb, das übrige Gefieder in den ersten beiden Wurzeldritteilen weiß, an der Spitze sehr gleichmäßig dunkelbraun, der Schwanz in seinem Wurzeldritteil weiß, sodann schwarz gebändert oder gefleckt, in der Endhälfte schwarz. Die Hosen sind braun, die Unterschwanzdeckfedern weiß. Im Jugendkleide ist das Gefieder durchgehend lichter, das Lichtbraun des Nackens viel weiter, bis auf den Scheitel und die Halsseiten, verbreitert, der Flügel durch einen großen weißen Spiegel ausgezeichnet, der Schwanz nur im Enddritteil schwarz, übrigens grauweiß, die Hose sehr licht, oft ebenfalls weiß. Mit vorstehenden Worten ist nur die am häufigsten vorkommende Färbung beschrieben, demgemäß hinzuzufügen, daß das Kleid dieses Adlers außerordentlich abändert. Einzelne alte Vögel sind gleichmäßig dunkelbraun, andere goldbraun, andere in der Kropfgegend und am Bauche goldbraun, übrigens dunkelbraun gefärbt; einige behalten den Flügelspiegel bis ins höhere Alter, andere zeigen schön gebänderte Schwingen usw.

Der Steinadler bewohnt die Hochgebirge und sehr ausgedehnte Waldungen Europas und Asiens, streift auch, laut Heuglin, gelegentlich, immer aber selten, nach Nordostafrika hinüber. In unserm Vaterlande horstet er, so viel mir bekannt, gegenwärtig regelmäßig einzig und allein im bayerischen Hochgebirge sowie in den ausgedehnten Staatswaldungen des südöstlichen Teils der Provinz Ostpreußen; das übrige Deutschland besucht er wohl einzeln dann und wann als Strichvogel, siedelt sich jedoch nur äußerst selten bleibend an. Noch vor einigen Jahrzehnten war dies anders: in den dreißiger, selbst in den vierziger Jahren durfte man den Steinadler noch mit Bestimmtheit zu den Brutvögeln Ost-, Süd- und Mitteldeutschlands zählen. Weit häufiger als innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches lebt der stolze Vogel in Österreich-Ungarn, insbesondere in den Alpen Steiermarks, Tirols, Kärntens und Krains, woselbst ich ihn wiederholt beobachtet habe, ebenso und keineswegs selten in den Karpathen und Siebenbürger Alpen, außerdem im größten Teile Ungarns und im ganzen Süden dieser Länder. Außerdem verbreitet sich der Vogel über die Schweiz, Südeuropa, die Atlasländer, Skandinavien, ganz Rußland, soweit es bewaldet oder felsig ist, Kleinasien, Nordpersien und Mittelasien, vom Ural an bis nach China und vom Waldgürtel Sibiriens an bis zum Himalaja. In Westeuropa, zumal Frankreich und Belgien, tritt er viel seltener auf als im Osten und Süden; in Großbritannien erscheint er wohl nur noch als Strichvogel; in der Schweiz ist er zwar nicht gerade selten, aber doch auch nicht häufig, im Süden Rußlands eine regelmäßige, in den Gebirgen Mittelasiens eine alltägliche Erscheinung.

siehe

Steinadler (Aquila chrysaëtos)

Ohne größere Waldungen zu meiden, siedelt sich der Adler, wie ich der Kürze halber fortan sagen werde, doch mit entschiedener Vorliebe im Hochgebirge und an einer mehr oder minder schwer zu ersteigenden, am liebsten gänzlich unzugänglichen Felsenwand an. Das einmal erwählte Gebiet hält das vereinte Paar mit Zähigkeit fest, verläßt es, wenn der Wildreichtum der Gegend es gestattet, auch im Winter nicht, besucht um diese Zeit sogar regelmäßig die Horste, gleichsam als wolle es seine Anrechte auf dieselben wahren. Ungezwungen wandern oder streichen wohl nur junge Vögel, und sie sind es daher auch, die bei uns zulande erlegt werden. Denn der Adler braucht viele, vielleicht sechs, möglicherweise zehn Jahre und darüber, bevor er im eigentlichen Sinne des Wortes erwachsen, das heißt fortpflanzungsfähig ist und durchstreift bis dahin die weite Welt, wahrscheinlich viel ausgedehntere Strecken als wir glauben. Seßhaft wird er erst, wenn er sich gepaart hat und an die Errichtung des eigenen Horstes denkt. Auch dann noch ist sein Gebiet ein sehr ausgedehntes, wie es der bedeutende Nahrungsbedarf des Vogels erfordert. Von dem Nistorte aus unternimmt das Paar tagtäglich Streifzüge, häufig in derselben Richtung. Es verläßt den Ort der Nachtruhe erst längere Zeit nach Sonnenuntergang und streicht nun in ziemlich bedeutender Höhe kreisend durch das Gebiet. Bergzüge werden in gewissem Sinne zur Straße, über die der Adler meist verhältnismäßig niedrig dahinstreicht, wenn die Berge hoch sind, oft in kaum Flintenschußnähe über dem Boden. »Ich habe«, berichtet Girtanner, »den Steinadler und sein Weib oft ganze Alpengebiete so regelmäßig absuchen sehen, daß ich in der Tat nicht begreifen konnte, wie diesen vier Adleraugen bei so überlegtem Vorgehen auch nur eine Feder hätte entgehen mögen. Von der Felsenkante in der Nähe des Horstes gleichzeitig abfliegend, senkt sich das Räuberpaar rasch in die Tiefe hinab, überfliegt die Talmulde und zieht nun an dem untern Teil der Gehänge des gegenüberliegenden Höhenzuges langsam in wagerechter Richtung dahin, der eine Gatte stets in einiger Entfernung vom andern, doch in gleicher Höhe, so daß, was dem ersten entgangen, dem nachfolgenden um so sicherer zu Gesicht, und was etwa von jenem aufgescheucht, diesem um so bestimmter in die Krallen kommen muß. Auf diese Weise am Ende des Gebietes angelangt, erheben sich beide, um hundert Meter und darüber aufsteigend, ziehen in dieser Höhe in entgegengesetzter Richtung zurück, erheben sich sodann wieder und suchen so in weiten Zickzacklinien den ganzen Gebirgsstock aufs sorgfältigste ab.« Wehe dem nicht allzu schnellen Wilde, das eines der vier scharfen Augen erspäht: es ist verloren, wenn nicht ein Zufall es rettet. Ebenso wie beide Adler gemeinschaftlich jagen, verzehren sie auch gemeinsam die erlegte Beute; bei der Mahlzeit geht es jedoch keineswegs immer friedlich her: ein leckeres Gericht kann selbst unter den zärtlichsten Adlergatten Streit hervorrufen. Die Jagd währt bis gegen Mittag; dann kehrt der Räuber in die Nähe des Horstes zurück oder wählt sich einen andern sicheren Punkt, um auszuruhen. Regelmäßig geschieht dies, wenn er im Fange glücklich war. Er sitzt dann mit gefülltem Kropfe und lässig getragenem Gefieder längere Zeit auf einer und derselben Stelle und gibt sich der Ruhe und der Verdauung hin, ohne jedoch auch jetzt seine Sicherheit aus den Augen zu verlieren. Nachdem diese Ruhe vorüber, fliegt der Adler regelmäßig zur Tränke. Es ist behauptet worden, daß ihm das Blut seiner Schlachtopfer genüge; jeder gefangene Adler beweist das Gegenteil. Er trinkt viel und bedarf des Wassers noch außerdem, um sich zu baden. Bei warmem Wetter geht selten ein Tag hin, an dem er letzteres nicht tut. Nachdem er getrunken und sich gereinigt, tritt er einen nochmaligen Raubzug an; gegen Abend pflegt er sich in der Luft zu vergnügen; mit dem Einbruch der Dämmerung erscheint er vorsichtig und ohne jedes Geschrei auf dem Schlafplatze, der stets mit größter Vorsicht gewählt wird. Dies ist, mit kurzen Worten geschildert, das tägliche Leben des Vogels.

Der Adler ist nur im Sitzen und im Fliegen schön und majestätisch, im Laufen dagegen so unbehilflich und ungeschickt, daß er zum Lachen reizt. Wenn er sich sehr langsam auf dem Boden fortbewegt, trägt er sich fast wagerecht und setzt dann gemächlich ein Bein um das andere vor; wenn er sich aber beeilt, sei es, daß er flugunfähig entrinnen will oder sonst in Erregung gerät, hüpft er, unter Zuhilfenahme seiner Flügel in großen, wundersamen Sprüngen dahin, keineswegs langsam zwar, im Gegenteil so rasch, daß man sich anstrengen muß, um ihn einzuholen, aber so unregelmäßig und täppisch, daß man den stolzen Vogel bedauern möchte. Um vom flachen Boden aufzufliegen, nimmt er, in ähnlicher Weise hüpfend, stets einen Anlauf und schlägt langsam und kräftig mit den Flügeln; hat er sich jedoch erst in eine gewisse Höhe aufgeschwungen, so schwebt er oft Viertelstunden lang, ohne einen einzigen Flügelschlag zu tun und nur wenig sich senkend, rasch dahin, steigt, indem er sich gegen den Wind dreht, wieder zu der etwa verlorenen Höhe empor und hilft nur ausnahmsweise durch einige langsame Flügelschläge nach. Wie von dem fliegenden Geier werden die Fittiche so weit gebreitet, daß die Spitzen der einzelnen Schwungfedern sich nicht mehr berühren, wogegen die Schwanzfedern einander stets überdecken. Das Flugbild des Vogels erhält durch den gerade abgeschnittenen Schwanz etwas so Bezeichnendes, daß man den Steinadler niemals mit einem Geier verwechseln kann. Beim Herabstürzen und Ergreifen des Raubes verfährt der Adler verschieden. Der in hoher Luft kreisende Räuber, der eine Beute erspäht, senkt sich gewöhnlich erst in Schraubenlinien hernieder, um den Gegenstand genauer ins Auge zu fassen, legt, wenn dies geschehen, plötzlich seine Flügel an, stürzt mit weit vorgestreckten, geöffneten Fängen vernehmlich sausend, schief zum Boden herab, auf das betreffende Tier los und schlägt ihm beide Fänge in den Leib. Ist das Opfer wehrlos, so greift er ohne weiteres zu; ist es fähig, ihn zu gefährden, verfehlt er nie, einen Fang um den Kopf zu schlagen, um so gleichzeitig zu blenden und zu entwaffnen. Mein Vater hat an seinem gefangenen Goldadler die Art und Weise des Angriffes oft gesehen und ausgezeichnet beschrieben; seine Schilderung will ich daher, wenn auch nur im Auszuge, wiedergeben. »Beim Ergreifen der Beute«, sagt er, »schlägt er die Nägel so heftig ein, daß man es deutlich hört und die Zehen wie krampfhaft zusammengezogen aussehen. Katzen schlägt er den einen Fang um den Hals, benimmt ihnen so alle Luft und frißt sie an, noch ehe sie tot sind. Gewöhnlich greift er so, daß die Zehen des einen Fanges den Kopf einschließen. Bei einer Katze, die ich ihm bot, hatte er mit einem Nagel das Auge durchbohrt, und die Vorderzehen lagen so um die untere Kinnlade, daß die Katze den Rachen keine Linie breit öffnen konnte. Die Nägel des anderen Fußes waren tief in die Brust eingedrückt. Um sich im Gleichgewicht zu halten, breitete der Adler die Flügel weit aus und gebrauchte sie und den Schwanz als Stützen; dabei waren seine Augen blutrot und größer als gewöhnlich, alle Federn am ganzen Körper glatt angelegt, der Rachen geöffnet und die Zunge vorgestreckt. Man bemerkte bei ihm aber nicht nur auffallende Wut, sondern auch ungewöhnliche Kraftanstrengung, bei der Katze das ohnmächtige Streben, ihren überlegenen Feind loszuwerden. Sie wand sich wie ein Wurm, streckte aber alle vier Füße von sich und konnte weder die Nägel noch die Zähne gebrauchen. Wenn sie zu schreien anfing, faßte der Adler mit dem einen Fange weiter und schlug ihn an einer andern Stelle der Brust ein, den zweiten Fang hielt er beinahe unbeweglich um den Rachen geschlagen. Den Schnabel gebrauchte er gar nicht, und so kam es, daß die Katze erst nach Verlauf von dreiviertel Stunden tot war. So lange hatte der Adler mit eingeschlagenen Nägeln und ausgebreiteten Flügeln auf ihr gestanden. Jetzt ließ er sie liegen und schwang sich auf die Sitzstange. Dieses lange Leiden der Katze machte auf mich einen solchen Eindruck, daß ich ihm nie wieder eine lebend gab.« Andere Opfer hauchen unter der gewaltigen Kralle des Räubers viel eher ihr Leben aus, weil sie weit weniger als die Katze fähig sind, Widerstand zu leisten. Aber der Adler wagt sich auch an noch stärkere Tiere; man hat beobachtet, daß er selbst den bissigen Fuchs nicht verschont. Daß solcher Kampf überhaupt stattfindet, beweist schlagend den Mut, das Selbstbewußtsein des mächtigen Vogels. Man übertreibt nicht, wenn man behauptet, daß sich letzteres deutlich ausdrückt, wenn der Adler mit kühn blitzendem Auge, gesträubten Nackenfedern und halb gelüfteten Schwingen auf seiner Beute steht und, wie gewöhnlich, ein förmliches Siegesgeschrei ausstößt. Er ist in solcher Stellung ein überwältigendes Bild stolzer Schönheit und markiger Kraft, dessen Eindruck sich niemand entziehen kann. Vollbewußtsein seiner Stärke verleitet ihn zuweilen, sogar an dem Herrn der Erde sich zu vergreifen. Es ist keine Fabel, wenn erzählt wird, daß er auf kleine Kinder gestoßen und sie, falls er es vermochte, davongetragen hat; man kennt sogar verbürgte Fälle, daß er, ohne durch gerechtfertigte Abwehr oder Verteidigung seines Horstes gezwungen zu sein, erwachsene Menschen anfiel.

Viel zu weitläufig würde es sein, wenn ich alle die Tiere aufzählen wollte, auf die der Adler jagt. Unter unseren deutschen Vögeln sind nur die Raubvögel, die Schwalben und die schnellen Singvögel vor ihm sicher, unter den Säugern, abgesehen von den großen Raubtieren, nur Wiederkäuer, Ein- und Vielhufer. Daß er aber auch die Jungen nicht verschont und kleine Tiere nicht verschmäht, ist durch hinlängliche Beobachtung festgestellt worden. Viele Tiere, die durch ihren Aufenthalt Schutz genießen, werden ihm dennoch zur Beute, weil er sie so lange jagt, bis sie ermattet sich ihm hingeben. So ängstigt er Schwimmvögel, die sich bei seinem Erscheinen durch Tauchen zu retten suchen, bis sie nicht mehr tauchen können und nimmt sie dann ohne Umstände weg. Ungeachtet des nicht wegzuleugnenden Stolzes, der ihn bei allen seinen Handlungen beseelt, verschmäht er nicht, zu schmarotzen, läßt andere Räuber, beispielsweise den Wanderfalken, für sich arbeiten und zwingt sie, die eben gewonnene Beute ihm abzulassen. Zuweilen nimmt er selbst dem Jäger erlegtes Wild vor den Augen weg. Auch auf dem Aase stellt er sich regelmäßig ein. Allerdings bevorzugt er erst vor kurzem verendete Tiere solchen, die bereits in Fäulnis übergegangen sind, darf jedoch in dieser Beziehung durchaus nicht als Kostverächter bezeichnet werden. Unter besonderen Umständen, vielleicht bei großem Hunger, verschlingt er sogar Pflanzenstoffe: Reichenow hat Kartoffeln in seinem Magen gefunden.

Die gefangene und getötete oder wenigstens halb erwürgte Beute wird vor dem Verzehren von dem Adler erst oberflächlich gerupft; nachdem dies geschehen, fängt er beim Kopfe zu fressen an, zertrümmert die Knochen desselben und verspeist auch sie mit, falls ihm ersteres gelang. Bei größeren Vögeln läßt er nur den Schnabel liegen. Nach dem Kopf wird der Hals verzehrt, sodann der übrige Körper. Die mit Unrat gefüllten Gedärme verschmäht er, alles übrige, das er zerbeißen kann, verschluckt und verdaut er. Da er wie Habichte und Edelfalken nur kleine Stücke verschlingt, bringt er mit dem Kröpfen einer halben Krähe etwa zwanzig Minuten zu. Er frißt mit größter Vorsicht, sieht sich von Zeit zu Zeit um und lauscht nach allen Seiten hin. Bei dem geringsten Geräusch hält er inne, blickt lange nach der Gegend, von der es herkam, und fängt erst dann wieder zu fressen an, wenn alles ruhig geworden ist. Nach der Mahlzeit putzt er sich den Schnabel sehr sorgfältig. Haare und Federn sind auch ihm dringendes Bedürfnis; sie scheinen zur Reinigung seines Magens unentbehrlich zu sein. Nach vollendeter Verdauung ballen sie sich zu einem Klumpen zusammen, und diesen, das Gewölle, speit er aus, gewöhnlich alle fünf bis acht Tage einmal. Entzieht man ihm Haare oder Federn, so würgt er Heu oder Stroh hinab. Knochen, die er sehr gern mit verschlingt, werden vollständig verdaut.

Der Adler horstet frühzeitig im Jahre, gewöhnlich schon Mitte oder Ende März. Sein Horst steht im Gebirge, wenn auch nicht ausnahmslos so doch vorzugsweise in großen, oben gedeckten Nischen oder auf breiten Gesimsen an möglichst unersteiglichen Felswänden, in ausgedehnten Waldungen dagegen auf den Wipfelzweigen der höchsten Bäume, ist daher je nach dem Standorte verschieden. Wenn er auf einem Baume angelegt wurde, besteht er regelmäßig aus einem massigen Unterbau von starken Knüppeln, die der Adler entweder vom Boden aufhebt oder, indem er sich aus großer Höhe herab auf dürre Äste stürzt und sie im rechten Augenblick mit den Fängen packt, von den Bäumen abbricht. Dünnere Zweige bilden den Oberbau, feinere Reiser und Flechten die Ausfütterung der sehr flachen Mulde. Ein solcher Horst hat 1,30 bis 2 Meter, die Mulde 70 bis 80 Zentimeter im Durchmesser, wächst aber, da er lange Zeit nacheinander benutzt wird, von Jahr zu Jahr, wenn auch nicht an Umfang, so doch an Höhe, und stellt so bisweilen ein wahrhaft riesiges Bauwerk dar. Auf einer sichern Unterlage, wie sie Felsnischen darbieten, macht der Adler weniger Umstände. Zwar trägt er auch hier in der Regel große Knüppel zusammen, um aus ihnen den Unterbau zu bilden, und stellt dann den Oberbau in ähnlicher Weise her; unter Umständen aber genügen ihm auch schwache Reiser. Die Eier sind verhältnismäßig klein, sehr rundlich, rauhschalig und auf weißlichem oder grünlichgrauem Grunde unregelmäßig mit größeren und kleineren graulichen und bräunlichen Flecken und Punkten, die oft zusammenlaufen, gezeichnet. Man findet ihrer zwei bis drei im Horste, selten aber mehr als zwei Junge, oft nur ein einziges. Das Weibchen brütet ungefähr fünf Wochen. Die aus dem Ei geschlüpften Jungen, die bereits in den ersten Tagen des Mai das Licht der Welt erblicken, sind wie andere Raubvögel dicht mit graulichweißem Wollflaum bedeckt, wachsen ziemlich langsam heran und werden kaum vor der Mitte, meist erst zu Ende des Juli flugfähig. Beide Eltern widmen sich ihnen mit hingebender Zärtlichkeit, und namentlich die Mutter zeigt sich treu besorgt, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Solange sie noch klein sind, verläßt sie kaum das Nest, hudert sie, um sie zu erwärmen, trägt, wie Girtanner selbst gesehen hat, tagtäglich frische Lärchenzweige in das Nest, um die vom Kot der Jungen beschmutzten und benetzten, die vorher weggeschafft wurden, zu ersetzen und so den Kleinen stets ein trockenes Lager zu bereiten, und schleppt endlich mit dem Männchen im Übermaß Beute herbei, um sich vor jedem Mangel zu schützen. In der frühesten Jugend erhalten sie nur solche Atzung, die bereits im Kropfe der Mutter vorverdaut ist; später zerlegt ihnen diese die gefangene Beute; endlich tragen beide Eltern unzerfleischten Raub in den Horst und überlassen es den Jungen, ihre Mahlzeit zu halten, so gut sie vermögen, um sie allgemach an Selbständigkeit zu gewöhnen. Damit hängt zusammen, daß beide Eltern eines Adlerpaares, mindestens das Weibchen, anfänglich sehr viel im Horste sich aufhalten, wogegen sie später, im Einklang mit der zunehmenden Entwicklung ihrer Jungen, länger und auf weiterhin sich entfernen und zuletzt, wenn sie die Brut mit Nahrung versorgt wissen, sich oft tagelang nicht mehr zu Hause sehen lassen. Gegen das Ende der Brutzeit hin ähnelt der Adlerhorst einer Schlachtbank oder einer förmlichen Luderstätte. Denn so sorgfältig die Alten auch auf Erneuerung der Niststoffe bedacht sind, so gleichgültig lassen sie die Nestvögel zwischen den faulenden, im Horste liegenden Fleischüberresten und dem in Masse herbeigezogenen und dort entstehenden Ungeziefer sitzen. Wie groß die Anzahl der Opfer ist, die ihr Leben lassen müssen, um das zweier junger Adler zu erhalten, geht aus einer Angabe Bechsteins hervor, laut der man in der Nähe des Horstes die Überbleibsel von vierzig Hasen und dreihundert Enten gefunden haben soll. Diese Schätzung ist vielleicht übertrieben, schlimm genug aber haust das Adlerpaar unter den Tieren der Umgegend, und zwar einer Umgegend im weiteren Sinn des Wortes; denn man hat beobachtet, daß es Reiher zwanzig bis dreißig Kilometer weit dem Horste zuschleppte. In einem Horst, zu dem sich der Jäger Ragg am 2. Juli 1877 hinabseilen ließ, lagen ein noch unberührtes und ein zu drei Vierteilen verzehrtes Gemskitz, die Reste eines Fuchses, eines Murmeltieres und von nicht weniger als fünf Alpenhasen. Dem kleineren Herdenvieh wird der Adler während der Brutzeit zu einer wahren Geisel, dem Hirten zur schlimmsten Plage; kein Wunder daher, daß der Herdenbesitzer alles aufbietet, des so furchtbaren Räubers sich zu erwehren.

Die Jagd des Steinadlers verlangt in den meisten Fällen einen guten Bergsteiger und sehr sicheren Büchsenschützen; denn der Vogel ist einzig und allein da, wo er noch niemals Nachstellungen erfuhr, so vertrauensselig, daß er unterlaufen und ohne sonderliche Anstrengungen beschlichen werden kann, weitaus in den meisten Fällen dagegen, und zwar schon in früher Jugend, ungemein vorsichtig und scheu. Mit zunehmendem Alter steigert sich sein Mißtrauen sehr. Selbst am Horste setzt er die ihm eigene Vorsicht selten aus den Augen, und wenn er vollends erfahren mußte, daß sein Gatte dem mörderischen Blei erlag, ist ihm gar nicht mehr beizukommen. Am leichtesten gelingt es, auf ausgelegtem Luder seiner habhaft zu werden; doch darf man sich längeres Warten in der benachbarten, wohl verdeckten Hütte nicht verdrießen lassen. Gefallenes Wild bevorzugt er allem übrigen Aase, und wenn man in der Nähe eines solchen einen lebenden Uhu aufstellt und sich nebenbei in einen wohl verdeckten Hinterhalt legt, darf man mit ziemlicher Sicherheit auf günstige Jagd rechnen. So erzählte mir Kronprinz Rudolf von Österreich, einer der eifrigsten und glücklichsten Steinadlerjäger. Leichter als von dem Jäger läßt sich der Adler durch Fallen berücken; ein richtig geköderter Schwanenhals führt ziemlich sicher zum Ziele; auch ein Schlaggarn leistet gute Dienste. Die Chinesen zum Beispiel gebrauchen nur das letztere, um sich unseres Vogels zu bemächtigen.

Jung aufgezogene Adler werden bald zahm und menschenfreundlich, gewöhnen sich so an ihren Gebieter, daß sie ihn vermissen, wenn er längere Zeit nicht bei ihnen war, ihn mit fröhlichem Geschrei begrüßen, wenn er wieder zu ihnen kommt, und ihm nie gefährlich werden. Mit ihresgleichen, auch mit anderen großen Raubvögeln, vertragen sie sich in der Regel gut, aber doch wohl nur dann, wenn sie sich überzeugt haben, daß sie ihren Mitgefangenen nichts anhaben können. Zu trauen ist ihnen ebensowenig wie allen übrigen Raubvögeln. Die für sie geeignetsten Genossen sind offenbar die Geier, deren Tölpelhaftigkeit ihnen gestattet, sich stets rechtzeitig eines Futterbrockens zu bemächtigen, und deren achtunggebietende Stärke sie von Hause aus vor Übergriffen bewahrt. Wind und Wetter fechten sie wenig an; doch verlangen auch sie, wenn sie sich auf die Dauer Wohlbefinden sollen, einen geschützten Raum, nach dem sie sich zurückziehen können, wenn es ihnen beliebt. An die Nahrung stellen sie geringe Ansprüche. Jede Fleischsorte ist ihnen recht. Dagegen verlangen sie unter allen Umständen viel und reines Wasser, um nach Belieben trinken, und noch mehr, um sich baden zu können. Denn sie sind sehr reinlich, dulden ebensowenig an ihrem Gefieder wie an ihrem Schnabel irgendwelchen Schmutz und putzen sich fortwährend. Bei einigermaßen genügender Pflege halten sie viele Jahre in der Gefangenschaft aus.

Schon Pallas und nach ihm Eversmann haben uns berichtet, daß Steinadler von den Baschkiren und anderen innerasiatischen Völkerschaften zur Jagd abgetragen werden. Alle kirgisischen Jäger, die sich des Steinadlers als Beizvogel bedienen, entnehmen denselben so jung als möglich dem Horste und ziehen ihn mit größter Sorgfalt auf. Der junge Adler wird nur aus und auf der Hand des Falkners gekröpft, um sich von frühester Kindheit auf an seinen Pfleger zu gewöhnen, später, jedoch nicht bevor er vollständig ausgefiedert, nach dem Kröpfen auch jedesmal sorgfältig behäubt. Eine besondere Abtragung hält der Kirgise nicht für notwendig, begnügt sich vielmehr, den Vogel auf die Faust und an den Anruf zu gewöhnen; vererbte Gewohnheit muß das Fehlende ergänzen. Nachdem der Adler vollkommen flugbar geworden, zieht der Falkner mit ihm in die Steppe hinaus, um ihn zunächst auf schwaches Wild, namentlich Bobaks und Zisel, zu werfen. Da der schwere Vogel die durch einen starken Handschuh geschützte Faust bald ermüdet, hat der Reiter entweder vorn am Sattelknopfe oder im Steigbügel eine Stütze angebracht, auf der er seinen Vorderarm ruhen läßt. Dank der Fertigkeit aller Kirgisen, auch auf den schwierigsten Wegen zu reiten, erklimmt der berittene Falkner mit seinem Beizvogel stets eine Höhe, die weitere Umschau gewährt, enthäubt den Vogel, wenn er für ihn geeignetes Wild erspäht hat, und wirft ihn in die Luft. Der Adler stellt sich im Anfange meist ziemlich ungeschickt an, erwirbt sich aber bald die nötige Fertigkeit, um ein Steppenmurmeltier zu schlagen, bevor es seinen Bau erreicht. Versteht er solche Jagd, so wird er nunmehr auf den Fuchs verwendet. Letzteren scheuchen die Gehilfen des Jägers aus seinem Verstecke, verfolgen ihn zu Pferde und versuchen, ihn so zu treiben, daß er in der Nähe des Falkners vorüber kommen muß. Im geeigneten Augenblick wirft letzterer seinen Beizvogel. Dieser erhebt sich, beschreibt einen oder zwei Kreise, stürzt sich dann in schiefer Richtung von oben auf den Fuchs herab und schlägt ihm die Fänge in den Hinterleib. Der Fuchs duckt sich augenblicklich nieder, um seinem Gegner einen tätlichen Biß zu versetzen; dieser aber nimmt den Augenblick wahr und greift jenen im Gesicht an, seine Fänge womöglich in die Augen schlagend. Reineke versucht auch jetzt noch, sich seiner Haut zu wehren, und vereitelt, indem er sich mit dem Adler plötzlich zu Boden wirft und auf dem Rücken wälzt, auch wohl noch einen zweiten oder dritten Angriff; die Reiter aber sind ihm stets auf den Fersen und lähmen, wenn nicht seine Kraft so doch seinen Mut. Auch erkennt der Adler sehr bald, mit welchem gefährlichen Gegner er es zu tun hat, löst in demselben Augenblick, in dem der Fuchs sich auf den Rücken drehen will, seine Fänge, erhebt sich in die Luft und schwebt als drohende Gewitterwolke wiederum über dem armen Schelm, bereit, den furchtbaren Fang nochmals um sein Haupt zu schlagen. So wiederholt angegriffen und fortwährend bedroht, ermattet der Fuchs schneller als man annehmen möchte und läßt sich endlich ziemlich widerstandslos festhalten, bis die nacheilenden, durch jauchzenden Zuruf den Adler anfeuernden Jäger herbeikommen und jenen durch einen geschickten Schlag mit der Keule von seinen Leiden befreien. Wenn der Adler auch die Fuchsjagd genügend versteht, wirft ihn der Falkner auf den Wolf, der ebenso wie sein Verwandter aufgescheucht wurde. Nicht jeder Adler wagt es, dieses unverhältnismäßig stärkere Raubtier anzugreifen; ein in der Fuchsjagd wohlerfahrener Beizvogel aber tut dies unabänderlich, obwohl stets mit der größten Vorsicht, so genau auch die Art und Weise seines Angriffes der bisher geübten entspricht. Den Wolf ernstlich zu gefährden, wie es hinsichtlich des Fuchses sehr oft der Fall ist, würde für den Adler unmöglich sein; die nachjagenden Reiter aber beeifern sich jetzt mehr als je, rechtzeitig zu Hilfe zu kommen, und daher ist auch der von einem Adler angegriffene Wolf regelmäßig verloren. Ein Adler, der Isegrim, den verhaßten, schlägt, und dann ohne weiteres auch auf Antilopen und anderes Wild verwendet werden kann, ist den Kirgisen nicht feil; schon ein Beizvogel, der mäßigen Ansprüchen genügt, hat in seinen Augen den Wert von drei bis vier Stuten. Mit zwei Adlern zugleich kann man nicht jagen, weil die Eifersucht beide so erregt, daß sie sich gegeneinander kehren und auf Leben und Tod bekämpfen.

Viel allgemeiner als der lebende, findet der tote Adler Verwendung. Schon unter unsern Tirolern und den mit ihnen demselben Volksstamm angehörenden Oberbayern gelten einzelne Teile des Adlers als kostbarer Schmuck. Obenan stehen die »Adlerflaumen« oder Unterschwanzdeckfedern, die gerne mit zwei bis fünf Gulden bezahlt werden; nächstdem werden die Krallen geschätzt. Man liebt es, an der meist aus Silber bestehenden Uhrkette die Haken des Edelhirsches, die Fangzähne des Fuchses, die Krallen des Habichtes und Uhus, als höchste Zierde aber die Klauen des Adlers zu tragen. Die Indianer Amerikas nehmen, so erzählt der Prinz von Wied, den großen Adler gern aus dem Horste, um ihn aufzuziehen, und sammeln alsdann seine Schwanzfedern, die bei ihnen einen hohen Wert haben. Die Federn sind bei allen indianischen Völkerschaften von Nordamerika Zeichen ihrer Heldentaten, und bei den meisten derselben steckt man eine solche Feder für die Erlegung eines Feindes auf. Mit Zinnober rotgefärbte Adlerfedern, an deren Spitze die Schwanzklapper einer Klapperschlange befestigt wird, haben eine Bedeutung, die nur in indianischen Augen ehrenvoll ist: sie bezeichnen nämlich die höchst ausgezeichnete und verdienstvolle Tat eines Pferdediebstahls. Die Indianer verzieren ferner ihre großen Federhauben damit, indem die Federn aufrecht in einer langen Reihe auf einem roten Tuchstreifen befestigt werden, an dem oben eine Federmütze angebracht ist. Hat man diese Mütze aufgesetzt, so hängt der rote Tuchstreifen mit den kammartig aufrechtstehenden Adlerfedern bis zur Erde über den Rücken hinab. Auch an ihren Waffen befestigen die Indianer öfters Adlerfedern, oder sie tragen sie in den Haaren, und der Flügel dient ihnen als Fächer.

 

Häufiger als irgendeiner der großen Adler, lebt in Deutschland der Schrei- oder Entenadler ( Aquila naevia). Seine Länge beträgt fünfundsechzig bis siebzig, die Breite einhundertachtundsechzig bis einhundertfünfundachtzig, die Fittichlänge achtundvierzig bis zweiundfünfzig, die Schwanzlänge vierundzwanzig bis sechsundzwanzig Zentimeter. Ein sehr gleichmäßiges, schwach glänzendes Kaffeebraun, das im Frühjahre und Sommer bis zu glanzlosem Erdbraun verblaßt und im Nacken sich ein wenig lichtet, ist die vorherrschende Färbung. Die Iris ist gelb mit einzelnen braunen, die des Weibchens goldgelb mit roten Punkten an der Unterseite des Auges, die Wachshaut gelb, der Schnabel hornblau, an der Spitze schwarz, der Fuß, soweit er unbefiedert, gelb. Junge Vögel sind stets merklich dunkler als alte. So viel gegenwärtig mit Sicherheit bekannt, bewohnt der Schreiadler als Brutvogel außer Norddeutschland nur noch Polen, Westrußland, Ungarn, Galizien, die europäische Türkei und Griechenland, besucht auf dem Zuge einzeln wohl auch Westdeutschland, Frankreich, die Schweiz und Italien, vielleicht Nordostafrika, fliegt ebenso ein wie das andere Mal nach Holland und Großbritannien hinüber oder nach Schweden hinauf, fehlt aber schon in Spanien gänzlich und wird im Osten Europas durch zwei verwandte Arten, Schell- und Steppenadler ( Aquila clanga und nipalensis) vertreten.

Der Schreiadler, auf den ich die nachfolgende Darstellung beschränke, liebt feuchte und bezüglich sumpfige Gegenden, siedelt sich deshalb vorzugsweise in Au- und Laubhölzern an. In der Mark, in Braunschweig, Hannover und Mecklenburg ist er nicht selten, in Pommern gemein, kommt aber keineswegs in allen Waldungen vor, sondern wählt sich seine Aufenthaltsorte, wie es scheinen will, ebensooft nach Laune wie nach Bedürfnis. Doch steht für Deutschland so viel fest, daß er Buchenwaldungen allen übrigen bevorzugt, in reinen Kiefernwäldern dagegen nur äußerst selten sich seßhaft macht. Das Gebiet eines Paares ist verhältnismäßig klein, wird aber um so treuer festgehalten. Ein Schreiadler, der sich einmal bleibend angesiedelt hat, läßt sich so leicht nicht vertreiben, kehrt sogar dann wieder zu seinem Horst zurück, wenn ihm seine Eier oder Brut geraubt wurden, obwohl er es in der Regel vorzieht, einen neuen zu beziehen, meist wenige hundert Schritte von dem Baume, auf dem der erste stand. Er erscheint frühzeitig im Jahre, gewöhnlich im April, auch wohl schon zu Ende März, und verweilt bis Ende September im Lande; seine Zugzeit beginnt jedoch bereits im August und währt bis zur angegebenen Zeit fort. Einzelne hat man freilich auch im Winter angetroffen.

Hinsichtlich seines Wesens steht er weit hinter seinen Verwandten zurück. Er ist der feigste und harmloseste Adler, den ich kenne. Sein Wesen ist sanft, viel mehr bussard- als adlerartig; schon sein Aussehen, sein Blick bekunden dies. Im Sitzen sieht er unedel aus, im Fluge hingegen zeigt er sich als echter Adler. Auch er erhebt sich hoch in die Lüfte und schwebt namentlich bei schönem Wetter in wundervollen Kreisen stundenlang umher. Die Stimme ist ein weit schallendes Geschrei, das man durch die Silben »Jef jef« wiedergegeben hat. Sein Wohlbehagen drückt er durch angenehme Töne aus, welche Naumann mit einem sanften Geklingel vergleicht. Einzelne gefangene schreien viel, ebensoviel wie die frei lebenden; andere schweigen gänzlich.

Seine Nahrung besteht aus kleinen Wirbeltieren. Bei uns zulande bilden Frösche und vielleicht noch andere Lurche, Kriechtiere und kleine Nager seine bevorzugte Beute. Frösche bleiben wohl unter allen Umständen die Hauptnahrung, und daraus erklärt sich sein häufigeres oder spärlicheres Auftreten, beziehentlich gänzliches Fehlen in dieser oder jener Gegend zur Genüge. Eugen von Homeyer hat auch die Reste eines Hechtes in seinem Magen gefunden, woraus wenigstens das eine hervorgeht, daß er Fische frißt, wenn er sich derselben, ob tot oder lebendig lasse ich dahingestellt, bemächtigen kann. Viel häufiger als auf letztere jagt er auf Kriechtiere: Eidechsen, Nattern und vielleicht auch Vipern. Zu einem höhere Tiere gefährdenden Vogel wird er wohl nur gegen das Ende der Brutzeit hin. Denn wenn seine Jungen heranwachsen und viel Nahrung verlangen, raubt er, was er erbeuten kann, und dann fallen ihm nicht allein junge Drosseln und Stare, sondern auch wohl junge Hasen zur Beute. Nach Art des Bussards sieht man ihn auf einzeln stehenden Bäumen, auf Steinen oder Pfählen sitzen und hier auf seine Beute lauern. Hat er etwas erzielt, so schwingt er sich behend zu Boden und sucht das betreffende Tier zu ergreifen, im Notfalle auch durch schnelles Nachhüpfen oder rasches Gehen mit großen Schritten, nach Art einer Krähe, wie meines Wissens sonst kein anderer Edeladler verfährt. Auf das Aas fällt er ohne Umstände, fast wie ein echter Geier.

Unter allen deutschen Adlern ist der Schreiadler derjenige, der am treuesten am Walde hängt und, wie es scheint, nur gezwungen unbewaldete Gegenden besucht. Innerhalb des Waldes bevorzugt er bestimmte Stellen mit Entschiedenheit; zum Stande seines Horstes wählt er namentlich, wie Eugen von Homeyer mir mitzuteilen die Güte hatte, regelmäßig die Nähe einer kleinen Waldblöße, um vom Horste durch Äste und dergleichen möglichst unbehindert abfliegen zu können. Ist der Wald hügelig, so steht der Horst gewöhnlich hier, jedoch immer wieder so, daß der Adler nach dem Abfliegen bald wieder ins Freie kommt. Zur Anlage des Horstes verlangt er alte, starke Bäume. Buchen und Eichen scheinen allen übrigen bevorzugt zu werden; mit einem Nadelbaume nimmt er nur in den seltensten Fällen vorlieb; viel häufiger als auf diesen kann man den Horst auf einer Birke oder Erle finden. Er selbst baut wohl nur im äußersten Notfalle, sucht sich aber einen passenden Bussard- oder Habichthorst aus, wechselt auch gern mit einem zweiten, so daß er in dem einen Jahr auf diesem, in dem andern auf jenem brütend gefunden wird. Vor dem Legen trägt er stets einige Reiser auf, und während des Brütens schmückt er, wie andere Adler auch, den Horst unwandelbar mit grünen Zweigen, sei es in der Absicht, sich oder die Jungen durch diese zu verdecken, sei es, um den Horst besser rein halten zu können. Durch dieses Auftragen wächst ein vom Schreiadler regelmäßig besetzter Horst im Laufe der Jahre zu bedeutender Höhe empor. In den ersten Tagen des Mai, ausnahmsweise vielleicht auch schon Ende April, legt das Weibchen im Laufe von etwa drei oder vier Tagen die beiden Eier, aus denen der Satz zu bestehen pflegt. Ein Ei findet man wohl nur dann im Horste, wenn das Paar vorher gestört worden ist; drei Einer zählen zu den größten Seltenheiten. Ihre Gestalt ändert ab: es gibt eiförmige, rundliche und längliche; auch Färbung und Zeichnung sind verschieden: die blaß bläulichgrauen Flecke, die auf weißem Grunde stehen, sind bald mehr, bald weniger sichtbar oder spielen bei diesen in das Gelbe, bei jenen in das Braunrötliche; einzelne Eier zeigen einen schönen Fleckenkranz um die Mitte usw. Beide Gatten des Paares beteiligen sich am Brüten, sitzen außerordentlich fest auf den Eiern, lieben ihre Brut ungemein und zeigen sich daher angesichts eines Menschen selten scheu, vorausgesetzt, daß ihnen vorher nicht nachgestellt worden ist. Vom Horste verscheucht, kehrt der brütende Schreiadler in der Regel sehr bald wieder zurück. Kommt man zur Brutstelle, so richtet er sich langsam im Horste auf und sieht einen oft geraume Zeit an, bevor er sich zum Fortfliegen entschließt. Zuweilen sitzt er so fest, daß er den Horst erst nach wiederholtem Klopfen verläßt. Tut er dies, so geschieht es stets in absonderlicher Weise. Er wirft sich nämlich anfänglich eigentümlich schwankend von einer Seite zur andern, bis er imstande ist, seine Schwingen zu vollständiger Breite zu entfalten, wird daher auch beim Abfliegen selbst von tüchtigen Schützen oft gefehlt. Nach einigen Kreisen, die er über den Wipfeln der Bäume beschreibt, kehrt er in die Nähe des Horstes zurück, setzt sich zuweilen auf den nächsten Baum und beginnt kläglich zu schreien. Raubt man ihm die Eier, so verläßt er den Horst zwar in der Regel, aber doch nicht in allen Fällen. Den Jungen schleppen beide Eltern so viel Futter zu, als sie vermögen, aber auch jetzt noch bilden Lurche die Hauptnahrung der Eltern und Kinder.

Jung aufgezogene Schreiadler werden ebenso zahm als irgend ein anderer Raubvogel; selbst alt erbeutete gewöhnen sich bald an die Gefangenschaft. Eugen von Homeyer pflegte einen von ihnen fünf Jahre und hatte denselben so gezähmt, daß er ihn aus dem Gebauer befreien und nach Belieben umherfliegen lassen konnte. Wenn ihm Futter gereicht werden sollte, wurde sein Käfig geöffnet und Homeyer zeigte sich auf dem Hofe, trat an ein für den Adler bereitetes Sitzgestell und ließ den Vogel zu sich heranfliegen, damit er sein Futter aus des Pflegers eigener Hand empfange. Einmal hatte der Adler sich bis auf das Scheunendach erhoben und mußte mit Hilfe einer Leiter herabgeholt werden, versuchte aber auch jetzt noch nicht zu entfliehen. Er unterschied seinen Pfleger genau von anderen Leuten, zeigt sich diesen gegenüber mißtrauisch und wich solchen, die er noch nicht gesehen hatte, förmlich aus. Nach fünfjähriger Gefangenschaft hatten sich die Flecke des Jugendkleides noch kaum verändert, Beweis genug, daß auch der Schreiadler mehrere Jahre braucht, bevor er erwachsen und fortpflanzungsfähig ist.

Abgesehen von stärkeren Raubvögeln, die den Horst in Beschlag nehmen, Schmarotzern, die Haut und Eingeweide bewohnen, und Raben und Krähen, die ihn schreiend verfolgen, hat unser Adler keine Feinde unter den Tieren, leider aber noch viele unter den Schießjägern und Eiersammlern, unter letzteren die schlimmsten, weil unbarmherzigsten. Der Nutzen einer wissenschaftlich angelegten reichhaltigen Eiersammlung wird von mir niemals in Abrede gestellt werden, der Schaden aber, den ein rücksichtsloser Eiersammler unter der Vogelwelt einer von ihm heimgesuchten Gegend anrichtet, ist noch bei weitem größer als der Gewinn, den sein Sammeleifer für die Vogelkunde haben kann. Unter der Maske der Wissenschaft durchstreift der Eiersammler gewöhnlichen Schlages die ganze Gegend, und jedes Nest, das er auffindet, verfällt seiner Habgier. Kein Raubtier haust ärger als ein solcher Sammler, dem es nicht um Wissenschaft, sondern um schnöden Geldgewinn, um den Erlös aus den geraubten Eiern zu tun ist. Der Schreiadler nun ist, weil sein Horst leicht aufgefunden werden kann, solchen Raubgesellen aufs ärgste ausgesetzt und durch sie buchstäblich schon aus vielen Waldungen vertrieben worden, zum Kummer aller, denen der große, harmlose und fast unschädliche Raubvogel Freude und Genuß bereitete. Der Schreiadler bringt weit mehr Nutzen als Schaden. Es mag sein, daß er ab und zu auch einen älteren Hasen oder ein Rebhuhn wegnimmt; diesen geringen Schaden vergütet er aber durch seine Mäuse- und Schlangenjagd mehr als reichlich.

siehe

Zwergadler (Aquila pennata)

Der Zwerg- oder Stiefeladler ( Aquila pennata) ist vielleicht das anmutigste Glied der ganzen Gruppe. Die Länge des Männchens beträgt siebenundvierzig, die Breite einhundertunddreizehn, die Fittichlänge sechsunddreißig, die Schwanzlänge neunzehn Zentimeter. Das Weibchen ist um vier Zentimeter länger und um acht Zentimeter breiter als das Männchen. In der Färbung, die sehr variiert, herrscht ein dunkles Braun vor. Der Zwergadler verbreitet sich über einen großen Teil Südwest- wie Südosteuropas und Asiens. Bei uns erscheint er nur gelegentlich, in Niederösterreich ist er schon häufiger. Mit Ausnahme Indiens und, wie es scheint, auch Algeriens, ist er überall Sommervogel, der in den ersten bis letzten Tagen des April am Horste erscheint und Ende September das Land wieder verläßt. Gelegentlich dieser Reise durchstreift er buchstäblich ganz Afrika, bis endlich das Meer seinem Wanderdrange Halt gebietet. Nach Art anderer Wandervögel schart er sich auf den eigentlichen Heerstraßen, beispielsweise längs des Bosporus und im Niltale, zu förmlichen Flügen, wogegen er, in der Winterherberge angelangt, wiederum einigermaßen sich vereinzelt. So wenigstens habe ich in Ägypten und im Innern Afrikas beobachtet.

Der Zwergadler ist ein echter Edeladler in Geist und Wesen. Er unterscheidet sich von seinen größeren Verwandten nach meinem Dafürhalten nur durch zwei Eigentümlichkeiten: durch größere Gewandtheit und geringere Vorsicht. Sein Flug ist schnell, kräftig und leicht, auf lange Zeit hin schwebend, beim Angriffe auf die Beute pfeilschnell. Zu eigener Belustigung kreist der Zwergadler in höchst anmutiger Weise lange Zeit über ein und derselben Stelle umher, liebt es auch, in bedeutende Höhen emporzusteigen; bei seiner Jagd hingegen schwebt er ziemlich niedrig über dem Boden dahin, nach Lázárs Beobachtungen rüttelt er nicht selten nach Art des Turmfalken. Zum Aufbäumen wählt er seltener die höchsten Spitzen der Bäume, vielmehr niedere Äste derselben. Hier sitzt er aufrecht, oft lange Zeit, ohne ein Glied zu bewegen, achtet jedoch auf alles, was um ihn vorgeht, und am allermeisten auf ein sich ihm etwa bietendes Wild. Männchen und Weibchen halten sich stets zusammen, auch auf dem Zuge. Niemals habe ich in Afrika einen einzelnen Zwergadler gesehen; immer waren es Paare oder Gesellschaften, die sich zusammenhielten. Dieser treuen Anhänglichkeit der Gatten entspricht das Betragen am Horste in allen Stücken.

Die Stimme ist verschieden, Wodzicki gibt sie durch die Silben »Koch koch kei kei«, Lázár durch »Wüd wüd« wieder und vergleicht diese Laute mit einem helltönenden Pfeifen.

Der Zwergadler ist ein sehr tüchtiger Räuber; denn kleine Vögel bilden das bevorzugte Wild, dem er nachstellt. Lázár gibt als Nahrung Ammer, Lerchen, Pieper, Finken, Wachteln und Rebhühner, Wodzicki außerdem noch Stare und Meisen an; ich habe Turteltauben in seinem Kropfe gefunden. Neben seinem Lieblingswilde jagt der Zwergadler auch auf kleine Säugetiere, namentlich Mäuse, mit denen Goebel die Kröpfe der von ihm untersuchten angefüllt fand, und ebenso verschmäht er Kriechtiere nicht; in Spanien bildet nach den Beobachtungen meines Bruders die Perleidechse geradezu einen wesentlichen Bestandteil seiner Mahlzeiten. Wahrscheinlich steht er dem Habicht nicht im geringsten nach und fängt im Fluge und im Sitzen mit gleicher Geschicklichkeit. »Auf einem Moraste«, erzählt Wodzicki, »beschäftigten sich große Scharen von Staren mit Aufsuchung ihrer Nahrung und lockten, wie es schien, einen Zwergadler aus dem benachbarten Walde herbei. Er kreiste in schönen Schwenkungen über den Staren, die alle Augenblicke einmal aufflogen und sich wieder setzten. Dieses Spiel war dem Zwergadler zu langweilig, er wollte sie also zum Aufstehen bringen, um schneller sein Frühstück zu bekommen. Mit Blitzesschnelligkeit flog er in gerader Linie auf die Stare zur Erde herab. Die Schar erschrak und wollte in den Bäumen, unter denen ich ruhte, Zuflucht suchen. Trotz der geringen Entfernung, und obwohl die Vögel den Weiden zuflogen, wurde es dem Adler möglich, einen von ihnen zu fangen. Als er herabstieß, verursachte sein unbegreiflich schneller Flug lautes Brausen. Nach glücklichem Fange flog der Räuber auf eine nahestehende Bude, setzte sich hier auf das Dach, ohne auf die Jäger und Hunde zu achten, besah die Umgegend mit großer Vorsicht längere Zeit und fing dann an, den Star zu rupfen. Diese Zubereitung der Mahlzeit dauerte über eine Viertelstunde, und als ich dann den Adler schoß, war der Star so schön gerupft, als wenn er vom besten Koch zubereitet gewesen wäre.« Am liebsten jagt der Zwergadler im Walde.

Über die Fortpflanzungen liegen gegenwärtig verschiedene, unter sich im wesentlichen übereinstimmende Beobachtungen vor; insbesondere haben Holtz und Goebel in dieser Beziehung unsere Kunde wesentlich erweitert. Am liebsten horstet der Zwergadler in Laubwäldern, wenn es möglich, in der Nähe größerer Flüsse, ohne jedoch Nadelwaldungen gänzlich zu verschmähen. Wie der Schreiadler benutzt er alle passenden Horste seines Gebietes, nach den Beobachtungen von Holtz solche des Seeadlers, des Bussards, Milans und Kolkraben, nach Goebels Erfahrungen unter Umständen sogar den Horst eines Reihers, und begnügt sich damit, höchstens ein wenig nachzubessern. Die untersuchten Horste waren regelmäßig mit grünen Blättern ausgeputzt. Im Anfang des Mai pflegt das aus zwei Eiern bestehende Gelege vollständig zu sein. Die Eier haben einen Längsdurchmesser von durchschnittlich sechsundfünfzig, höchstens neunundfünfzig, mindestens zweiundfünfzig, und einen Querdurchmesser von durchschnittlich fünfundvierzig, höchstens siebenundvierzig, mindestens dreiundvierzig Millimeter; ihre Gestalt schwankt von der reinen Ei- bis zur spitzbirnenförmigen und sehr rundlichen Form; die Schale ist bald stärker, bald schwächer, das Korn gröber oder feiner, die Zeichnung ebenfalls verschieden. Gewöhnlich sind sie auf gelblichem oder weißgrünlichem Grunde mit kleinen rostgelben oder rostroten Punkten und Flecken unregelmäßig gezeichnet. Alle Beobachter, die den Zwergadler während seines Brutgeschäftes kennen lernten, sind seines Lobes voll. Das Paar ist außerordentlich zärtlich: Wodzicki sah eines auf dem Horste stehen und sich nach Taubenart schnäbeln. Während das Weibchen brütet, sitzt das Männchen stundenlang auf demselben Baume, ja, es löst die Gattin auch einigemal des Tages, das heißt nicht bloß in den Mittagstunden, im Brüten ab. Nach Wodzicki ist es bezeichnend für den Zwergadler, wie er seinen Horst besteigt. Er setzt sich weit von demselben auf den Ast, bückt den Kopf hernieder, bläst den Kropf auf und schreitet langsam wie eine Taube gegen den Horst zu, bis er endlich auf dessen Rand kommt. Dabei läßt er ein wohltönendes, flötenartiges »Kei kei kei« hören. Angesichts des den Horst bedrohenden Menschen benimmt er sich verschieden. In der Regel sitzt er sehr fest und läßt sich erst durch längeres Klopfen aufscheuchen, kommt auch, wenn er endlich abgeflogen war, während der Wegnahme der Eier öfters besorgt heran, setzt sich hin und wieder in die Wipfel benachbarter Bäume und vergißt dann oft seine Sicherheit; manchmal bricht er auch in klägliches Geschrei aus, niemals aber wagt er, so viel bis jetzt beobachtet worden, einen Angriff auf den Menschen. Anders beträgt er sich, sobald ein fremdartiger Raubvogel in Sicht kommt, gleichviel, ob es sich um einen Adler oder um einen Falken handelt. Seinen Verwandten gegenüber ist er immer kühn; während der Brutzeit aber greift er mit bewunderungswürdigem Mute und ersichtlichem Ingrimm alle größeren Raubvögel an, die in der Nähe seines Horstes vorüberfliegen. Ebenso wie beide Zwergadler sich in das Brutgeschäft teilen, tragen sie auch den Jungen gemeinschaftlich Nahrung zu. Letztere entschlüpfen nach etwa vierwöchentlicher Brutzeit, gewöhnlich in der zweiten Hälfte des Juni, dem Ei und zwar in einem aus langem, seidenweichen Flaume von lichter, auf dem Kopfe gelblicher Färbung bestehenden Kleide, erhalten aber bald das beschriebene Nestgefieder. Doch geht auch ihre Entwickelung verhältnismäßig langsam vor sich, so daß sie kaum vor Ende August den Horst verlassen können.

Gegen den Uhu zeigt der Zwergadler tätlichen Haß. »Ich wollte«, schreibt mir Lázár, »Schreiadler schießen, stellte meinen Uhu deshalb auf einer abgemähten Wiese auf und zog mich wartend hinter einen Heuhaufen zurück. Da sah ich einen kleinen, braunen Raubvogel heranziehen mit solcher Eile, daß ich kaum Zeit hatte, mein Gewehr zu ergreifen. Der Zwergadler, als den ich den Raubvogel bald erkannte, stieß mit voller Gewalt auf den Uhu. Das Gewehr knallte, aber mein Vogel flog unbeschädigt davon. Doch entfernte er sich nicht, sondern erhob sich nur in eine Höhe von etwa anderthalbhundert Meter und kreiste hier wohl über eine halbe Stunde über dem Uhu. Endlich stieß er abermals herunter und kam in vollkommen gerechte Schußnähe; mich aber hatte das Jagdfieber ergriffen; ich feuerte und ? schoß zum zweiten Male vorbei. Als sich jetzt der Adler entfernte, hatte ich alle Hoffnung verloren; allein nach zehn Minuten kam er nochmals zurück, kreiste wiederum und stieß zum dritten Male nieder. Jetzt streckte ich ihn zu Boden.«

Jung dem Neste entnommene Zwergadler werden bei geeigneter Pflege ebenso zahm wie andere Adler auch.

In Spanien wird der Zwergadler zuweilen in eigentümlicher Weise abgerichtet. Ein geistreicher Kopf ist auf den Gedanken verfallen, die Vögel als Glücksbringer zu benutzen. Zu diesem Zwecke stellt er sich mit einem durch Raubvögel herausgeputzten Kasten auf einem belebten Platze auf und ladet die Vorübergehenden ein, sich durch die Vögel Glücksnummern zum Lottospiel offenbaren zu lassen. Die Raubvögel, unter ihnen auch unsere Zwergadler, sind abgerichtet, aus einem Haufen Nummern, die der betreffende Glücksritter ihnen vorhält, einzelne mit dem Schnabel herauszulesen und diese somit zu wählen. Man scheint der Ansicht zu sein, daß durch solches Verfahren das Glück im eigentlichen Sinne des Wortes vom Himmel herniedergebracht werde.

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Schlanker Leib, verhältnismäßig kurze Flügel, deren Spitzen das Ende des sehr langen Schwanzes nicht erreichen, lange, bis zu den Zehen befiederte Füße, hohe Fußwurzeln und große, kräftige Fänge mit langen, flach gebogenen Nägeln, sowie endlich der langgestreckte, aber doch starke Schnabel kennzeichnen die Sippe der Habichtsadler ( Nisaëtus), die im Süden Europas durch ein gleichnamiges Mitglied vertreten wird ( Nisaëtus fasciatus). Seine Länge beträgt siebzig, die Breite einhundertfünfundvierzig, die Fittichlänge fünfundvierzig, die Schwanzlänge sechsundzwanzig Zentimeter. Das Weibchen ist um acht Zentimeter länger und um reichlich zehn Zentimeter breiter. Im ausgefärbten Kleide sind Stirn und ein Streifen über dem Auge weiß, Scheitel und Nacken auf braunem Grunde dunkler gestreift, Unterhals und Oberrücken weiß, mit schwarzbraunen Flecken an den Federkanten, die Mantelfedern einfarbig dunkelbraun, die des Unterrückens schwarzbraun, die Oberschwanzdecken weißlich und braun gemarmelt, Kehle, Brust und Bauchmitte auf weißem Grunde durch schwarze Schaftflecke, die Hosen aber durch breite, dunkle, zackige Bandflecke gezeichnet, die inneren Schenkel wie die Laufbefiederung rostbräunlich und grau gewellt, mit schwarzen Längsflecken, die Schwingen schwarzbraun, leicht purpurn scheinend, die Steuerfedern auf der Oberseite graubraun, auf der Unterseite weißgelblich überlaufen und braungrau getüpfelt. Das Auge ist erzgelb, der Schnabel hornblau, die Wachshaut schmutzig-, der Fuß graugelb.

Der Habichtsadler, der ebenfalls schon in Deutschland erlegt worden ist, bewohnt ziemlich häufig Südfrankreich, Spanien, Portugal, Süditalien, Griechenland und die Türkei, Nordwestafrika, ebenso wahrscheinlich Turkestan und ganz Indien, vom Himalaja an bis zum äußersten Süden. In Griechenland und Süditalien ist er nicht selten, in Spanien, und Algier der häufigste Adler. Waldlose Gebirge mit steilen Felsenwänden bilden hier seine Wohnsitze; in Indien haust er vorzugsweise in hügeligen, mit Dschungeln bewachsenen Gegenden. Er wandert nicht, streicht aber während der Brutzeit im Lande umher und vereinigt sich dabei oft in Gesellschaften von ziemlich bedeutender Anzahl; mein Bruder sah einmal ihrer zwanzig über dem königlichen Lustgarten Pardo bei Madrid dahinziehen. Am Horstplatze duldet auch dieses Adlerpaar selbstverständlich kein anderes oder überhaupt keine anderen Raubvögel.

Der Habichtsadler ist ein außerordentlich gewandter, mutiger, kühner, ja ein dreister, frecher Vogel, der geistig dem Habicht vollkommen ähnelt, ihn aber durch leibliche Begabungen vielfach übertrifft. Sein Flug ähnelt mehr dem eines Edelfalken als dem eines Adlers, und die schlanke Gestalt des Vogels trägt noch wesentlich dazu bei, eine derartige Meinung aufkommen zu lassen.

Er kreist zwar auch nach Adlerart, fliegt aber mit viel rascherem Flügelschlag und deshalb auch weit schneller als alle übrigen mir bekannten Mitglieder seiner Familie. Im Stoßen saust er wie ein Pfeil vom Bogen durch die Luft. Nur im Sitzen trägt er sich weniger edel als andere Adler, nämlich mehr wagerecht, vorn niedergebeugt; doch nimmt auch er oft eine sehr aufrechte Stellung an. Sein Blick ist nicht bloß lebhaft, sondern brennend. Wut und Wildheit leuchten aus seinem Auge heraus, und sein Gebahren widerspricht diesem Ausdrucke nicht. Er vereinigt die Schnelligkeit des Falken mit der Gewandtheit des Sperbers, den Mut des Adlers mit der Mordsucht des Habichts, fürchtet sich vor keinem anderen Vogel und greift jeden an, der in seine Nähe kommt, sei es, um ihn zu vertreiben, oder sei es, um sich seiner zu bemächtigen.

Seine Jagd gilt, wie ich glaube, ebenso vielen Tieren wie die Jagd des Steinadlers. In Spanien ist er der gefürchtetste Feind der Haushühner, erhebt sie unmittelbar vor den Augen des Menschen, und verfolgt sie mit einer Hartnäckigkeit, daß er den Hühnerbestand mancher einsam gelegenen Bauernhöfe buchstäblich vernichtet. Den Tauben stellt er nicht minder eifrig nach. Säugetiere bis zur Größe eines Hasen werden von ihm ohne Unterlaß bedroht. Alle Tiere, denen der Habichtsadler nachstellt, kennen seine Furchtbarkeit wohl und suchen dem Räuber deshalb so schleunig als möglich zu entgehen. »Wenn ich«, erzählt Powys, »gut im Riede verborgen an den Seen Albaniens auf Enten und Wasserhühner lauerte, habe ich oft bemerkt, welchen Eindruck das Erscheinen eines Habichtsadlers hervorbrachte. Alle Wasservögel bekümmerten sich kaum um die Rohrweihen, die über ihnen dahinschwebten, und erhoben kaum ihr Haupt, wenn sich ein Schreiadler zeigte; sobald aber ein Habichtsadler sichtbar wurde, rannten die Wasserhühner in der bekannten Weise dem Riede zu; die Enten drückten sich mit wagerecht niedergebeugtem Halse platt auf das Wasser, und Warnungs- und Angstrufe wurden laut von allen Seiten, bis der Tyrann vorüber war. Ich habe zweimal gesehen, daß diese Raubvögel sich auf Vögel stürzten, die ich verwundet hatte, bin aber niemals imstande gewesen, einen Schuß auf sie anzubringen.«

Der Horst steht, wie es scheint, stets in Höhlungen steiler Felsenwände, an möglichst gesicherten Stellen. Krüper untersuchte einen, der in der Felsenhöhle eines griechischen Gebirges stand und zwei Eier enthielt. Das Bauwerk war aus kleinen Zweigen des wilden Ölbaumes, aus einigen Blättern der Stecheiche zusammengetragen und die Nestmulde mit den Daunen des Vogels belegt. Die beiden Eier waren in Färbung und Korn verschieden, denn das eine war fleckenlos und schmutzigweiß, das andere reinweiß mit kleinen deutlichen Flecken. Als auffallend hebt Krüper hervor, daß der betreffende Horst den Strahlen der Mittagssonne ausgesetzt und die Höhle deshalb ungemein erwärmt war. Mit dem Bau des Horstes geben sich die Habichtsadler wenig Mühe, versäumen aber nie, den oberen Teil wiederholt mit frischen, grünen Olivenzweigen zu belegen. Mit der Ausbesserung beschäftigen sie sich in der Regel schon von Weihnachten an, obgleich das Weibchen erst frühestens Anfang Februar zu legen beginnt. Die Jungen entschlüpfen nach vierzehntägiger Bebrütung. Beide Gatten des Paares brüten abwechselnd, sitzen auch oft gleichzeitig auf dem Horste. Die Eier drehen sie mit dem Schnabel um, und daher rühren eingekratzte Striche, die man an länger bebrüteten Eiern sehen kann. Diese sind wundervoll mit roten Strichen und Punkten gezeichnet.

Während meines Aufenthalts in Spanien erhielten wir zweimal lebende Habichtsadler. Der eine, ein alter Vogel, war auf einem mit Leimruten zum Sperlingsfange hergerichteten Baume gefangen worden, nachdem er sich sein ganzes Gefieder mit dem Leime zusammengekleistert hatte; sein Fänger hatte ihn jedoch so mißhandelt, daß er nach wenigen Stunden, die er in unserer Pflege verlebt hatte, seinen Geist aufgab. Der andere, ein junger Vogel, den der Fänger, wie er sagte, ausgehoben hatte, war bereits vollständig befiedert und schien schon alle Eigenschaften alter Vögel zu besitzen. Wir brachten ihn in einen Käfig, der bisher einen Steinadler, einen schmutzigen Aasgeier, einen Bartgeieradler und eine Dohle beherbergt hatte. Unter dieser eigentümlichen Genossenschaft hatte bisher die größte Einigkeit geherrscht, sie wurde aber durch den Habichtsadler augenblicklich gestört. Dieser gebärdete sich wie rasend, tobte im Käfig umher, versuchte mit allen Genossen anzubinden, warf sich, wenn diese ihm auf den Leib rückten, auf den Rücken und hieb mit den Klauen nach jedem seiner Kameraden. Die kecke, muntere Dohle wurde das erste Opfer des Wüterichs: eine Stunde nach seiner Ankunft hatte er sie bereits im Magen. Gegen uns benahm er sich ebenso ungestüm wie gegen seine Gefährten und griff uns ebenfalls ohne Besinnen an. Auch sein Betragen im Käfig erinnerte an das des Habichts.

Jerdon meint, daß dieser Adler wahrscheinlich leicht zur Jagd von Antilopen, Hasen, Trappen und ähnlichem großen Wild abgerichtet werden könnte, und hat wahrscheinlich recht; denn derselbe gefangene, von dem ich oben sprach, zeigte sich später im Frankfurter Tiergarten als liebenswürdiges und zutrauliches Geschöpf.

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Der gewaltigste aller Adler, der im Süden Amerikas lebt, ist der Harpyie ( Harpyia destructor), Vertreter einer eigenen Sippe ( Harpyia). Er ist der Habichtsadler in seiner Vollendung. Der Leib ist sehr kräftig, der Kopf groß, die Bewaffnung auffallend stark, der Schnabel ungemein hoch und kräftig, mit stark gerundeter Kuppe und geschärftem Rande, der unter dem Nasenloch eine Ausbiegung und davor einen stumpfen Zahn bildet, der Fuß stärker als bei jedem andern Raubvogel, der Fang sehr lang und jede der langen Zehen noch mit einer außerordentlich großen, dicken und stark gebogenen Kralle bewehrt, der Lauf hinten bis zur Ferse nackt, vorn bis zur Mitte herab befiedert, an den nackten Stellen mit großen Tafelschuppen bekleidet, der Flügel, der, zusammengelegt, noch nicht bis zur Mitte des Schwanzes reicht, kurz, der Fittich, in dem die fünfte Schwinge alle andern überragt, wie der Schwanz zugerundet, das Gefieder reich und weich, fast wie bei den Eulen, im Nacken zu einer langen und breiten, aufrichtbaren Holle verlängert. Kopf und Hals sind grau, die verlängerten Nackenfedern, der ganze Rücken, die Flügel, der Schwanz, die Oberbrust und die Rumpfseiten schieferschwarz, die Steuerfedern dreimal weißlich gebändert, Unterbrust und Steiß weiß, die übrigen Unterteile auf weißem Grunde schwarz getüpfelt, die Schenkel auf gleichfarbigem Grunde schwarz gewellt. Der Schnabel und die Krallen sind schwarz, die Beine gelb; das Auge ist rotgelb. In der Jugend ist die allgemeine Färbung trüber; die Rückenfedern sind grau gebändert, die Brust- und Bauchfedern schwarz gefleckt. Je reiner die Farben, um so älter sind die Vögel. Nach Tschudi beträgt die Länge der Harpyie einen Meter, die Fittichlänge fünfundfünfzig, die Schwanzlänge vierunddreißig Zentimeter. Die Mittelzehe ist acht, die Hinterzehe vier Zentimeter lang; diese aber trägt noch eine Kralle, die der Krümmung nach acht, und jene eine solche, die in gleicher Weise gemessen, vier Zentimeter ergibt. Von Mexiko an bis zur Mitte Brasiliens und vom Atlantischen bis zum Stillen Weltmeere scheint die Harpyie in keinem größeren Walde Südamerikas zu fehlen. Im Gebirge bewohnt sie jedoch nur die tieferen, heißeren Täler; in die Höhe hinauf versteigt sie sich nicht. Sie ist, wo sie vorkommt, ein wohlbekannter, seit altersgrauer Zeit in hoher Achtung stehender Raubvogel, über dessen Leben und Treiben von jeher allerlei Fabeln in Umlauf gesetzt worden sind.

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Harpyie (Harpyia destructor)

Die Harpyie bewohnt die feuchten, wasserreichen Waldungen Südamerikas und hier vorzugsweise die Flußufer, die, wie überall, das Leben vereinigen. DOrbigny versichert, im Innern der Wälder, das heißt fernab von den Flüssen, niemals eine Harpyie gesehen zu haben. Sie kommt überall vor, ist jedoch nirgends häufig, wahrscheinlich nur deshalb, weil ihre Federn seit uralter Zeit einen überaus geschätzten Schmuck der Indianer bilden und sie deswegen hart verfolgt wird. Außer der Paarungszeit beobachtet man sie stets einzeln, gleichsam als fürchte sie, selbst durch den Gatten in ihrem Gewerbe beeinträchtigt zu werden. Nach Art des Habichts sieht man sie selten auf hohen Bäumen, vielmehr regelmäßig auf den untern Ästen sitzen. Von hier aus erhebt sie sich mit kurzem, stoßweisem, aber pfeilschnellem Fluge zunächst senkrecht in die Höhe, kreist wenige Minuten und stürzt sich, wenn sie so glücklich war, Beute zu erspähen, mit Gewalt auf diese herab. Sie soll durchaus nicht scheu sein und den Menschen sehr nahe an sich herankommen lassen; doch gilt dies wahrscheinlich nur für diejenigen Waldungen, in denen sie wenig Gelegenheit hat, die Bekanntschaft ihres furchtbarsten, wenn nicht alleinigen Feindes zu machen.

Soviel aus den verschiedenen Angaben hervorgeht, verschmäht die Harpyie kein höheres Wirbeltier, vorausgesetzt, daß dasselbe durch seine Größe oder Wehrhaftigkeit nicht vor ihr geschützt ist. Einige Beobachter sind geneigt zu glauben, daß sie nur Säugetiere und zwar vorzugsweise Affen und Faultiere angreift; Tschudi aber beobachtete, daß sie auch Vögeln eifrig nachjagt. »Kein Raubvogel«, sagt er, »wird von den Indianern so sehr gefürchtet wie die Harpyie. Ihre Größe, ihr Mut und ihre Verwegenheit machen sie in der Tat zu einem der gefährlichsten Feinde der Pflanzungen Perus, und sie wird deshalb, wo sie sich nur blicken läßt, mit der größten Wut verfolgt. In vielen Waldgegenden ist es den Indianern ganz unmöglich, Federvieh oder kleine Hunde zu halten, da dieser unersättliche Raubvogel dieselben mit bewunderungswürdiger Kühnheit entführt. Wir haben gesehen, daß eine Harpyie neben einem Indianer, der kaum drei Schritte von seinen Hennen entfernt stand, auf eine derselben herunterstürzte und sie mit sich forttrug. In den Wäldern findet sie reichliche Nahrung an den zahlreichen Penelope- und Steißhühnern, richtet aber auch unter den Eichhörnchen, Beutelratten und Affen bedeutende Verwüstungen an.«

Der Horst steht, nach Schomburgk, auf den höchsten Bäumen, hat die Größe eines Riesenstorchnestes, und wird, nach Aussage der Indianer, jahrelang benutzt. Eine verläßliche Beschreibung der Eier kenne ich nicht.

DOrbigny erzählt, daß die Harpyie von den Indianern sehr häufig aus dem Neste genommen, aufgezogen und gefangen gehalten werde, einzig und allein, um die geschätzten Federn auf leichtere Weise zu gewinnen, als dies durch Erlegung des alten Vogels möglich. Derjenige Indianer, der eine lebende Harpyie besitzt, ist ein angesehener Mann in den Augen der andern und deshalb sehr glücklich. Den Frauen fällt die Last zu, die Vögel zu füttern und bei den Wanderungen durch die Wälder zu tragen. Sobald die gefangenen Harpyien ausgefärbt sind, beginnt ihre Qual; denn der Eigentümer reißt zweimal im Jahre jeder die Federn des Schwanzes und der Flügel aus, um seine Pfeile damit zu verzieren oder sich einen Kopfputz zu bereiten. Die Federn sind einer der wichtigsten Tauschgegenstände der Indianer, und gewisse Stämme, die als geschickte Jäger der Harpyie bekannt sind, gewinnen damit alles, auf was ein Indianer überhaupt Wert legt. In Peru wird dem glücklichen Jäger noch eine besondere Belohnung zuteil. »Gelingt es einem Indianer«, sagt Tschudi, »eine Harpyie zu erlegen, so geht er mit derselben von Hütte zu Hütte und sammelt seinen Zoll an Eiern, Hühnern, Mais und dergleichen Dingen ein.« Bei den Wilden und Europäern am Amazonenstrom gelten nach Pourlamaque Fleisch, Fett und Kot des Vogels als geschätztes Heilmittel. Gefangene Harpyien sind schon wiederholt nach Europa, namentlich London, Amsterdam und Berlin gekommen. Sie sind, wie ich aus eigner Anschauung versichern darf, wirklich stolze, majestätische Vögel.

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Weißkopfseeadler (Haliaëtus Ieucocephalus)

Eine weit verbreitete, scharf abgeschlossene Gruppe der Unterfamilie umfaßt die Seeadler (Haliaëtus). Die hierher zu zählenden Adler sind große, meist sogar sehr große Raubvögel mit sehr starkem und langem, auf und vor der Wachshaut wenig aufgeschwungenem, vor ihr nach der scharf gekrümmten Spitze abwärts gebogenem Schnabel und kräftigen, nur zur Hälfte befiederten Fußwurzeln, gewaltigen Fängen, getrennten Zehen, langen, spitzigen und sehr gekrümmten Nägeln, großen Schwebeflügeln, in denen die dritte Schwungfeder die andern überragt, und die, zusammengelegt, beinahe das Ende des gewöhnlich mittellangen, breiten, mehr oder weniger abgerundeten Schwanzes erreichen sowie endlich ziemlich reichem Gefieder. Die Federn des Kopfes und Nackens sind nicht sehr verlängert, aber scharf zugespitzt. Ein mehr oder minder dunkles, lebhaftes oder düsteres Grau bildet die Grundfärbung; der Schwanz ist gewöhnlich, der Kopf oft weiß.

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Seeadler (HaIiaëtus albicilla)

An allen Seeküsten Europas lebt häufig der See- oder Meeradler ( Haliaëtus albicilla), ein gewaltiger, je nach der Gegend in der Größe, weniger in der Färbung erheblich abändernder Adler von fünfundachtzig bis fünfundneunzig Zentimeter Länge, fast zwei und einem halben Meter Breite, fünfundsechzig bis siebzig Zentimeter Fittich- und dreißig bis zweiunddreißig Zentimeter Schwanzlänge. Der ausgefärbte Vogel ist auf Kopf, Nacken, Kehle und Oberhals licht fahlgraugelb, durch die düster braune Färbung der Federwurzeln und die dunklen Schaftstriche undeutlich in die Länge gezeichnet; Oberrücken und Mantel sind düster erdbraun, Unterrücken und Unterseite einfarbig düster erdbraun, nach dem Schwanze zu etwas dunkler, die Schwingen schwarzbraun, die Federn des etwas abgerundeten Schwanzes endlich rein weiß. Augenring, Schnabel, Wachshaut und Füße sind erbsengelb. Ihr Augenstern ist braungelb, der Schnabel hornbläulich, der Fuß grünlichgelb.

Das Verbreitungsgebiet des Seeadlers fällt mit dem des Steinadlers fast zusammen. Der mächtige Vogel bewohnt ganz Europa, als Brutvogel erwiesenermaßen Deutschland, insbesondere Ost- und Westpreußen, Pommern, vielleicht auch einzelne Teile der Mark sowie Mecklenburg, außerdem Schottland, Skandinavien, Nord- und Südrußland, Ungarn, Siebenbürgen, die Donautiefländer, die Türkei und Griechenland, Italien, Kleinasien, Palästina und Ägypten, nach Osten hin endlich ganz Nord- und Mittelsibirien.

 

Der nordamerikanische Weißkopfseeadler ( Haliaëtus leucocephalus) vertritt unsere europäische Art im Westen, hat sich wiederholt nach Europa verflogen und soll sogar im Innern Deutschlands, in Thüringen, erlegt worden sein. Er ist etwas kleiner als der Seeadler. Bei dem alten Vogel ist das Rumpfgefieder sehr gleichmäßig dunkelbraun, jede einzelne Feder lichter gerandet; Kopf, Oberhals und Schwanz aber sind blendend weiß, die Schwingen schwarz, Auge, Wachshaut, Schnabel und Füße etwas lichter gefärbt als bei dem europäischen Verwandten.

 

Hinsichtlich ihrer Lebensweise und ihres Betragens ähneln sich alle mir bekannten großen Seeadler. Sie sind träge, aber kräftige, ausdauernde und beharrliche Raubvögel, dabei Räuber der gefährlichsten Art. Alle Seeadler verdienen ihren Namen. Sie sind vorzugsweise Küstenvögel, verlassen wenigstens bloß ausnahmsweise die Nähe des Wassers. Im Innern des Landes kommen alte Seeadler fast nur an großen Strömen oder großen Seen vor; die jüngeren hingegen werden oft fern vom Meere gesehen: sie wandern in der Zeit, die zwischen ihrem Ausfliegen und der Paarung liegt, das heißt mehrere Jahre, ziel- und regellos durch die weite Welt, und gelegentlich solcher Reisen erscheinen sie auch tief im Binnenlande, großen Strömen oder wenigstens Flüssen folgend. Solche Reisen geschehen größtenteils unbeachtet, weil die wandernden Seeadler gewöhnlich in sehr hoher Luft dahinziehen und sich nur da, wo Waldungen ihre Heerstraßen begrenzen, in die Tiefe hinabsenken mögen. Namentlich im Spätherbste und Frühjahre müssen viele durch Deutschland wandern, weil sich sonst ihr massenhaftes Auftreten an Beute versprechenden Plätzen nicht erklären ließe. Von unsern deutschen Küsten werden die Seeadler allerdings nicht in jedem Winter vertrieben; diejenigen aber, die östlich vom Warangerfjord am Eismeere, in Lappland oder Nordrußland horsten, müssen notgedrungen auswandern, wenn ihr Jagdgebiet sich mit Eis oder ungewöhnlich hoch mit Schnee bedeckt, und sie sind es auch dann, die einesteils längs der offenen Küsten, andernteils mitten durch das Land längs der Flüsse nach Süden hin fliegen und sich in Südeuropa oder Nordafrika während des Winters denjenigen gesellen, die hier wie da jahraus, jahrein an den Küsten leben. Aufmerksame Beobachtung ergibt wenigstens für Griechenland und Nordägypten, daß während des Winters die Seeadler weit häufiger sind als im Sommer. Alte Seeadler entschließen sich ungleich seltener als junge zum Wandern, einmal, weil sie ihren Stand ungern verlassen, und ebenso, weil sie sich in ihrem Räubergewerbe besser ausgebildet haben als jene. Sie wandern selbst nicht immer in Rußland oder andern nordischen Binnenländern aus, sondern nähern sich im Winter einfach den Ortschaften, lungern und hungern in deren Nähe, bis ihnen Beute wird, sei es das Aas eines Haustieres oder ein Hund oder eine Katze, ein Ferkel, ein Böcklein oder Zicklein, Huhn oder Truthuhn, eine Gans oder Ente. Bei uns zulande verweilen sie, wenn sie die Küstenwälder wirklich verlassen, an großen Landseen und beschäftigen sich fleißig mit Fisch- und Wassergeflügeljagd, bis die Seen zufrieren, kehren hierauf vielleicht nochmals an die See zurück und treten erst dann eine weitere Reise an, wenn keines ihrer gewohnten Jagdgebiete mehr Beute gewähren will. Wie übrigens ein Seeadler auch wandern möge: eine Wasserstraße verläßt er wohl nur im ärgsten Notfalle. Soviel mir bekannt, wird der alte wie der junge Vogel bloß ausnahmsweise einmal auch in wasserärmeren Gegenden, namentlich in Gebirgen, erlegt, obgleich es keinem Zweifel unterliegen kann, daß er solche überfliegt. Noch viel seltener dürfte es vorkommen, daß im Binnenlande, fern von Gewässern, ein Seeadlerpaar wohnen bleibt, das heißt seinen Horst auf einem der höchsten Bäume des Waldes gründet. Er meidet die Steppe nicht, entschließt sich im südlichen Rußland sogar, in ihr zu horsten, siedelt sich aber nur in der Nähe eines Stromes an.

Außer der Brutzeit lebt der Seeadler ziemlich gesellig, mehr nach Geier- als nach Adlerart. Ein günstig gelegener Wald oder Felsen wird zum Vereinigungs- oder Schlafplatze. Im Hochsommer übernachtet er gern auf kleinen Inseln, namentlich auf den Schären, im Küsten- oder Binnenwalde auch auf hohen Bäumen und dann regelmäßig auf den unteren Wipfelästen, so daß er in dichteren Baumkronen fast verdeckt sitzt. Fesselt ihn reichliche Beute in der Nähe, so hält er an solchen Schlafplätzen beinahe mit derselben Zähigkeit fest wie am Horste, findet sich allabendlich ein und läßt sich auch durch wiederholte Störungen nicht vertreiben. Er geht sehr spät zur Ruhe und fliegt früh am Morgen, meist schon vor Aufgang der Sonne, davon, um sein Jagdgebiet zu durchstreifen. Findet er bald Beute, so kröpft er in den Vormittagsstunden und ruht, nachdem er den Schnabel geputzt und getrunken, über Mittag einige Stunden aus, nestelt im Gefieder, schläft auch wohl ein wenig und tritt des Nachmittags einen zweiten Jagdzug an, bis die Zeit zum Schlafen herangekommen ist.

Wie der Steinadler jagt auch der Seeadler auf alles Wild, das er überwältigen kann, und macht außerdem von seinen unbefiederten, das Fischen erleichternden Fängen umfassenden Gebrauch. Den Igel schützt sein Stachelkleid ebensowenig wie den Fuchs sein Gebiß, der Wildgans nützt ihre Vorsicht nicht mehr als dem Tauchvogel seine Fertigkeit, unter den Wellen zu verschwinden. An der Seeküste stellt er verschiedenen Meeresvögeln, namentlich Enten und Alken sowie Fischen oder Meersäugetieren, nach. Die Taucher sind, nach Wallengrens Bericht, mehr gefährdet als die nicht tauchenden Vögel. Diese erheben sich beim Anblick des allgefürchteten Räubers so schnell sie können, und entweichen, jene vertrauen oft zu viel auf die Wassertiefe, warten den Adler ruhig ab, tauchen und glauben sich gesichert, während der böse Feind doch nur darauf lauert, daß sie wieder zum Vorschein kommen müssen. Sie entrinnen vielleicht zwei-, dreimal der verderbenden Klaue ? beim vierten Auftauchen, wenn sie dem Ersticken nahe einen Augenblick länger verweilen als sonst, sind sie gefaßt und wenige Sekunden später erwürgt. Am Mensalehsee in Ägypten, in Ungarn und in Norwegen habe ich den Seeadler oft beobachtet und immer gesehen, daß groß und klein, selbst andere Raubvögel, seine Nähe fürchteten; ich zweifle auch nicht daran, daß er den Fluß- oder Fischadler, seinen nächsten Verwandten, dem er oft seine Beute abjagt, ebenso ruhig verzehren würde wie jedes andere Wild. Mit der Kühnheit und dem Bewußtsein der Kraft dieses Vogels vereinigt sich die größte Hartnäckigkeit. Alexander von Homeyer beobachtete, daß ein Seeadler sich wiederholt auf Meister Reineke stürzte, der, wie bekannt, seiner Haut sich wohl zu wehren weiß, und derselbe Forscher erfuhr von glaubwürdigen Augenzeugen, daß ein Adler bei einer derartigen Jagd den von ihm erspähten Fuchs beinahe umbrachte, indem er fortwährend auf ihn stieß, den Bissen des Vierfüßlers geschickt auszuweichen und alle Versuche des letzteren, den nahen, deckenden Wald zu erreichen, zu vereiteln wußte. Daß die kleineren Herdentiere aufs höchste durch diesen Adler gefährdet sind, ist eine bekannte Tatsache, daß er Kinder angreift, keinem Zweifel unterworfen; erzählt doch Nordmann, daß einer in Lappland sogar auf einen kahlköpfigen Fischer herabstieß und ihm den Skalp vom Schädel nahm, ebenso wie ein anderer aus einem Fischerboote einen eben gefangenen Hecht erhob, während der daneben sitzende Fischer beschäftigt war, das Netz in Ordnung zu bringen. An den Vogelbergen des Nordens findet auch er sich regelmäßig ein und zieht mit aller Gelassenheit die Bergvögel aus ihren Nestern hervor. Die Eidergänse fängt er wie oben beschrieben, die jungen Seehunde nimmt er dicht neben ihren Müttern weg, die Fische verfolgt er bis in die Tiefe des Wassers. Zuweilen mißglücken solche Versuche. Lenz erzählt folgendes: »Ein Seeadler schwebte Beute suchend über der Havel und entdeckte einen Stör, auf den er sogleich herabschoß; allein der kühne Adler hatte seiner Kraft zu viel zugetraut: der Stör war ihm zu schwer, und es war ihm unmöglich, denselben aus dem Wasser emporzuheben; jedoch war auch der Fisch nicht stark genug, den Adler in die Tiefe hinabzuziehen. Er schoß wie ein Pfeil an der Oberfläche des Wassers dahin; auf ihm saß der Adler mit ausgebreiteten Flügeln, so daß beide wie ein Schiff mit Segeln anzusehen waren. Einige Leute bemerkten dies seltene Schauspiel, bestiegen einen Nachen und fingen sowohl den Stör als den Adler, der sich so fest in den Fisch eingekrallt hatte, daß er seine Krallen nicht befreien konnte.« Derartige Fälle mögen wohl noch öfter vorkommen, als man annimmt. In den Steppen Südrußlands muß sich der Seeadler oft mit erbärmlichem Wilde begnügen. Hier bilden, laut Nordmann, wenn er seine Jagd fern von den Flüssen betreibt, kleine Steppensäugetiere und Vögel die hauptsächlichste Beute. Auf den Werstpfählen oder den zur Bezeichnung der Wege errichteten Erdhügeln, im Winter oft in unmittelbarer Nähe menschlicher Wohnungen, sitzend, lauert er auf Zisel und Eidechsen, und ebenso weiß er sich des unterirdisch wühlenden Blindmolls zu bemächtigen, indem er diesen mit größter Gewandtheit in dem Augenblick ergreift, in dem derselbe seine Haufen aufstößt. In den Magen von mehr als einem Dutzend Seeadlern, die Nordmann in den Steppen erlegt und untersucht hat, fanden sich niemals die Überreste von Fischen, sondern unabänderlich solche von Säugetieren, Vögeln und, obschon seltener, auch Eidechsen. Als Aasfresser steht der Seeadler den Geiern kaum nach. Selbst an der Küste nährt er sich nicht zum geringsten Teile von toten, an das Ufer gespülten Fischen; im Binnenlande verfehlt er nie, an einem gefundenen Aase sich einzustellen. Ungeachtet aller Übergriffe und Verirrungen, die der stattliche Raubvogel sich zuschulden kommen läßt, sind und bleiben Fische seine Hauptnahrung; sie bilden daher das Wild, dem er in erster Reihe nachstellt. An der Seeküste sowohl wie an Süßgewässern verweilt und horstet er nur der Fische halber. Niemals verfehlt er in der Nähe von Fischereistellen, die liederlich bewirtschaftet werden, sich einzufinden, wird hier auch, wenn er keine Nachstellung erfährt, zuletzt so dreist, daß er wenige Schritte von den Fischerhütten entfernt aufbäumt und lungernd späht, ob etwas für ihn abfalle.

In ihren Begabungen stehen alle Seeadler hinter den Edeladlern zurück. Sie bewegen sich auf dem Boden vielleicht geschickter als diese und beherrschen, wie bemerkt, in gewissem Grade das Wasser; ihr Flug aber ermangelt der Gewandtheit und Zierlichkeit, die den aller Edeladler in so hohem Grade auszeichnet. Ihr Flugbild ist ein von dem letztgenannten Adler verschiedenes: der kurze Hals und der kurze, stark zugerundete Schwanz im Verhältnisse zu den sehr langen aber wenig und fast gleichmäßig breiten Schwingen sind so bezeichnend, daß man sie kaum mit ihren edleren Verwandten verwechseln kann. Auch fliegen sie mit viel schwerfälligeren Schwingenschlägen und weit langsamer als diese, obwohl noch immer sehr rasch, auch wenn sie ohne Flügelschlag gleitend oder kreisend dahinschweben. Dagegen übertreffen sie die Edeladler in einer Fertigkeit, die nur wenigen Raubvögeln eigen ist, in der Gewandtheit nämlich, mit der sie das Wasser beherrschen. Auch der Seeadler ist ein Stoßtaucher wie der Fischadler und der Fischgeier und wetteifert in dieser Beziehung mit jeder Möve oder Seeschwalbe. Nach einer dem schwedischen Naturforscher Nilsson gewordenen Mitteilung eines trefflichen Beobachters legt er sich zuweilen, um auszuruhen, geradezu auf die Meeresfläche, als ob er ein Schwimmvogel wäre, bleibt solange es ihm gefällt, auf den Wellen liegen, richtet, wenn er auffliegen will, die Schwingen fast senkrecht empor und erhebt sich mit einem einzigen Flügelschlage vom Wasser. Die Sinne stehen mit denen der Edeladler ungefähr auf gleicher Höhe.

Im März schreitet der Seeadler zur Fortpflanzung. Es ist wahrscheinlich, daß auch er mit seinem Weibchen in treuer Ehe auf Lebenszeit lebt, demungeachtet hat er mit jedem vorüberziehenden Männchen schwere Kämpfe zu bestehen, und ein ungünstiger Ausgang desselben kann ihm möglicherweise die Gattin kosten. Zwei ineinander verkrallte Männchen stürzten einmal, angesichts meines Gewährsmannes, des Försters Ruzsovitz, in die Donau und trieben, ein wirrer Federknäuel, geraume Zeit mit dem Strome dahin. Der Stand des Horstes richtet sich nach den Umständen. Überall da, wo steile Klippen unmittelbar an das Meer herantreten, sucht sich der Seeadler hier eine geeignete Niststelle; da, wo Waldungen die Küste oder die Ufer breiter Flüsse besäumen, wählt er hierzu in ihnen einen hohen Baum; da, wo an einem fischreichen Gewässer höhere Bäume fehlen, begnügt er sich oft mit erbärmlichen Büschen, die den schweren Bau kaum zu tragen vermögen, oder sogar mit Röhricht, indem er in den hohen, dichtesten und undurchdringlichsten Beständen auf einer weiten Fläche die Rohrstengel zusammenknickt, bis sie eine genügend feste Unterlage für den kaum meterhoch über der Wasserfläche stehenden Horst bilden; in der Steppe endlich hilft er sich, so gut er kann, an den Steppenseen wahrscheinlich ebenfalls mit Röhricht, und im Notfalle kommt es ihm auch nicht darauf an, sein Genist auf dem Boden zu ordnen. Längs der ganzen Küste der Ostsee, wo er noch regelmäßig horstet, wählt er, laut Holtz, stets hohe Bäume, die ihm freie Aussicht auf die angrenzenden Waldstrecken, Wiesen und Gewässer gestatten, insbesondere Kiefern, außerdem Buchen und Eichen. Der Horst selbst ist unter allen Umständen ein gewaltiger Bau von anderthalb bis zwei Meter Durchmesser und dreißig Zentimeter bis ein Meter Höhe und darüber; denn auch er wird von einem Paar wiederholt benutzt und durch jährliche Aufbesserung im Verlaufe der Zeit bedeutend erhöht. Armdicke Knüppel bilden den Unter-, dünne Äste den Oberbau; die sehr flache Nestmulde ist mit zarten Zweigen bedeckt und mit trockenen Gräsern, Flechten, Moosen und dergleichen ausgekleidet.

Gegen Ende des März, selten früher, meist noch etwas später, findet man das vollständige Gelege, das aus zwei, höchstens drei, verhältnismäßig kleinen, nur siebenundsechzig bis dreiundsiebenzig Millimeter langen, dreiundfünfzig bis siebenundfünfzig Millimeter dicken, vielfach abändernden Eiern besteht. Die Schale ist dick, rauh und großkörnig, die Färbung verschieden; es gibt kalkweiße Eier ohne alle Flecke und solche, die aus ähnlichem Grunde mehr oder weniger mit rötlichen, braunen und dunkelbraunen Flecken bedeckt sind. Wie lange die Brutzeit währt, ist zurzeit noch nicht mit Sicherheit bestimmt; wohl aber weiß ich, daß der männliche Adler dem Weibchen beim Brüten hilft, zur Ruhe stets in einer gewissen Entfernung vom Horste auf einem bestimmten, weite Umschau gestattenden Felsen oder dürren Zacken bäumt, und bei dem geringsten Anscheine von Gefahr sofort herbeieilt, um die Gattin zu unterstützen. Ein Vorfall, den ich beobachtete, läßt mich glauben, daß er der letzteren auch tätliche Hilfe leistet oder doch zu leisten sucht. Ich hatte in der Fruschkagora einen weiblichen Seeadler schwer angeschossen und gab dem mich begleitenden Jäger den Auftrag, in der Tiefe des Tales, zu der er hinabgeflattert war, nach ihm zu suchen. Da vernehme ich ein gewaltiges Brausen über, neben und unter mir, als ob eine rasende Windsbraut im Anzuge sei, sehe einen mächtigen Vogel an meiner Hütte vorbeisausen und erfahre später von dem Jäger, daß ein Seeadler auf ihn gestoßen und sich ihm mit weit vorgestreckten Fängen bis auf halbe Flintenschußweite genähert, er aber für das Beste erachtet habe, hinter einem Baumstamme Schutz gegen den Raubvogel zu suchen. Da sich nur ein Seeadlerpaar in der Nähe befand, dürfte der Schluß gestattet sein, daß es das Männchen gewesen war, das an dem Menschen, dessen Tücke sein Weibchen zum Opfer gefallen, Rache zu nehmen versuchte. Am Horste selbst sind ähnliche Angriffe meines Wissens nicht beobachtet worden; der Seeadler zeigt sich hier im Gegenteil sehr vorsichtig, scheu und ängstlich. Das brütende Weibchen sitzt nicht besonders fest auf den Eiern, verläßt diese meist nach dem ersten Anklopfen, kehrt nicht immer bald zurück und kreist gewöhnlich erst lange über dem Nistbaume, bevor es wieder zu Horste geht. Für die ausgeschlüpften Jungen schleppen beide Eltern, nach anderer Adler Art, Nahrung in Hülle und Fülle herbei, zeigen sich um so dreister, je mehr die Sprößlinge heranwachsen und wandeln den Horst nach und nach zu einer wahren Schlachtbank um, auf der man die Reste der allerverschiedensten Tiere, namentlich von Fischen und Wassergeflügel, findet. Sobald sie Beute erhoben haben, eilen sie schnurstracks dem Horste zu und durchfliegen dabei Strecken von vier bis fünf Kilometer so rasch, daß sie mit noch zappelnden Fischen bei ihren hungernden Kindern anlangen. Wenn sie mit Beute beladen sind, vergessen sie auch alle sonst üblichen Vorsichtsmaßregeln, kreisen nicht über dem Horst, sondern stürzen sich wie ein fallender Stein so schnell in schiefer Richtung in denselben, daß selbst ein fertiger Jäger nicht zu Schusse gelangt. Fällt, was nicht allzuselten geschieht, ein Junges aus dem Horste, ohne dem Sturze zu erliegen, so atzen sie es unten weiter, als ob es noch im Horste säße. Wird das Weibchen getötet, so füttert das Männchen allein die Jungen auf. Unter günstigen Umständen brauchen letztere zehn bis vierzehn Wochen, bevor sie den Horst verlassen, kehren aber nach dem Ausfliegen noch oft zu ihm zurück. Erst gegen den Herbst hin trennen sie sich von ihren Eltern.

Raubt man einem Seeadlerpaare das erste Gelege, so entschließt es sich zuweilen, jedoch nicht immer, zu einer zweiten Brut. Das Weibchen legt dann aber selten mehr als ein Ei, gewöhnlich in denselben Horst. An letzterem hängt das Paar überhaupt mit der den Adlern insgemein eigenen Zähigkeit fest. Selbst nach wiederholten Störungen verläßt es die Gegend nicht, und wenn der Winter einigermaßen günstig ist, verweilt es auch in der kalten Jahreszeit in der Nähe des Horstes, der so recht eigentlich zum Mittelpunkt seines Gebietes wird.

Der Seeadler erweist sich nur aus dem Grunde minder schädlich als der Steinadler, als er einen großen Teil seiner Nahrung aus der See erhebt. In Ungarn wissen die Jäger von seiner Schädlichkeit nicht viel zu berichten. Man gönnt ihm die Fische, die er aus der reichen Donau und ihren Altwässern erhebt, und rechnet ihm Übergriffe nicht eben hoch an. Nicht anders ist es in Rußland und Sibirien. Überall aber, wo er in der Nähe von Ortschaften horstet und die Felder ringsum, zuweilen sogar die Gehöfte selbst, auf seinen Raubzügen heimsucht, steht er dem Steinadler nicht nur nicht nach, sondern übertrifft ihn womöglich noch hinsichtlich seiner Eingriffe in menschliches Besitztum. Von unserem Hausgeflügel ist höchstens die fluggewandte Taube vor ihm gesichert; unter kleineren oder jungen Haussäugetieren erwählt er sich gar nicht selten ein Opfer; in der Wildbahn endlich richtet er erheblichen Schaden an. Kein Wunder daher, daß jedermanns Hand über ihm ist. Doch weiß er die meisten Nachstellungen geschickt zu vereiteln. Er ist immer scheu, läßt sich weder unterlaufen, noch leicht beschleichen, erhebt sich, gleichviel ob er gebäumt hat oder auf dem Boden sitzt, schon in mehr als Büchsenschußweite, und wird, wenn er mehrfach Nachstellungen erfahren hat, so vorsichtig, daß ihm in der Tat kaum beizukommen ist. Am leichtesten erlegt man ihn vor der Krähenhütte, da auch er den Haß der übrigen Tagraubvögel gegen den Uhu betätigt.

Im Käfig benimmt sich der Seeadler anfänglich ungestüm, geht selbst seinem Wärter zu Leibe, wird aber bald zahm und tritt dann mit dem Menschen in ein wahres Freundschaftsverhältnis. Den Vorstehern aller Tiergärten sind Seeadler aus diesem Grunde lieb und wert. Sie begrüßen ihren Gebieter, sooft sie ihn sehen, mit hellem, frohem Geschrei und erfreuen ihn besonders dadurch, daß sie ihn genau von allen übrigen Menschen zu unterscheiden wissen. Mit der Zeit gewöhnen sie sich so an die Gefangenschaft, daß sie glücklich wieder erlangte Freiheit kaum mehr zu schätzen wissen. Ein von mir gepflegter Seeadler trieb sich tagelang in der Umgegend umher, kehrte täglich, wahrscheinlich wohl angelockt durch den Ruf seiner Genossen, zurück und wurde schließlich auf deren Gebauer wieder eingefangen.

siehe

Fischadler (Pandion haliaëtus)

Das letzte Mitglied der Adlergruppe, das wir hier erwähnen wollen, ist der durch Gestalt und Lebensweise gleich auffallende Fluß- oder Fischadler ( Pandion haliaëtus), Vertreter der Sippe der Flußadler ( Pandion). Er wird noch allgemein zu den Adlern gezählt, unterscheidet sich aber doch in vieler Hinsicht wesentlich von ihnen, und darf vielleicht im gewissen Sinne auch als Verbindungsglied der Adler und Weihen betrachtet werden. Bezeichnend für den Flußadler ist sein glatt anliegendes fettiges Gefieder. Kopf und Nacken sind auf gelblichweißem Grunde schwarzbraun in die Länge gestreift und alle Federn hier scharf zugespitzt, die übrigen Oberteile braun, alle Federn lichter gerandet, die Schwanzfedern braun und schwarz gebändert, die Unterteile dagegen weiß oder gelblichweiß. Auf der Brust bilden braune Federn ein Schild oder Halsband, das zuweilen sehr deutlich hervortritt, zuweilen auch wiederum kaum merklich ist; vom Auge zur Halsmitte herab läuft ein dunkles Band. Das Auge ist hochgelb, die Wachs- und Fußhaut sind bleigrau, der Schnabel und die Krallen glänzend schwarz. Die Länge beträgt dreiundfünfzig bis sechsundfünfzig, die Breite einhundertsechsundfünfzig bis einhundertvierundsechzig, die Fittichlänge fünfzig bis zweiundfünfzig, die Schwanzlänge achtzehn bis neunzehn Zentimeter.

Der Fischadler ist einer der wenigen Vögel, die buchstäblich auf der ganzen Erde gefunden werden. Allerdings hat man versucht, die amerikanischen, asiatischen und australischen Flußadler von dem unsrigen zu trennen; bei Vergleichung einer zahlreichen Reihe von Bälgen ergibt sich jedoch, daß eine solche Trennung nach unserer heutigen Auffassung als ungerechtfertigt erscheinen muß. Die den verschiedenen Ländern entstammenden Fischadler zeigen alle Übergänge, und die Arteinheit wird nicht minder bestätigt durch ihre unter allen Verhältnissen gleiche Lebensweise. In Europa bewohnt der Fischadler als Brutvogel während des Sommers alle Länder von Lappland, Finnland und Nordrußland an bis zum äußersten Süden, einzeln auch Inseln und selbst kleine Eilande des Meeres. In Asien lebt er an allen größeren Strömen und Seen des Nordens wie des Südens, hier wie in einzelnen Teilen Afrikas jahraus, jahrein. Im letzteren Erdteile zeigt er sich mindestens zeitweise an geeigneten Orten überall, so weit das Land bis jetzt durchforscht wurde. In Amerika hat man ihn so weit nördlich beobachtet, als die süßen Gewässer genügend lange Zeit offen bleiben, und von hier aus bis Südbrasilien nirgends vermißt. In Australien endlich findet er sich geeigneten Ortes ebenfalls im ganzen Lande. Im Norden ist unser Fischadler Sommervogel, im Süden, wie es scheint, Strichvogel. Seine einseitige Jagdweise bestimmt sein Leben. Er nährt sich fast ausschließlich von Fischen, nur im äußersten Notfalle von Lurchen, und verschmäht jede andere Beute.

In unserem Vaterlande siedelt sich der mit Recht gehaßte und eifrig verfolgte Raubvogel selbstverständlich nur in wasserreichen Gegenden bleibend an, erscheint während seines Zuges aber überall und findet selbst den kleinsten Teich noch immer seiner Beachtung wert. Unmittelbar nach seiner Ankunft, die erst ziemlich spät im Frühjahre, das heißt nicht vor Ende März, erfolgt, beginnt er sein Sommerleben und gleichzeitig die Ausbesserung seines alten oder den Aufbau eines neuen Horstes, der fortan förmlich zu seiner Behausung wird. Zur Anlage desselben wählt er regelmäßig Bäume, die ihre Umgebung überragen, womöglich solche, die freie Umschau auf ein Gewässer, mindestens auf freies Feld, nahe gelegene Waldblößen und Wiesen gestatten. Dem entsprechend steht der Horst fast immer in bedeutender Höhe, fünfzehn bis zwanzig Meter über dem Boden, und ebenso regelmäßig in den obersten Wipfelzweigen, nicht auf einem Seitenaste. Da er selbst baut und den größten Teil der Baustoffe aus dem Wasser fischt, unterscheidet sich der Horst schon durch letztere von denen aller übrigen Adler. Zum Unterbaue nämlich verwendet er stets dicke, morsche Prügel von drei bis vier Centimeter Durchmesser, zum Oberbaue schwächere Zweige, zur Ausfütterung der flachen Mulde Riedgras, Stroh, Moos und Baumflechten. Die Prügel pflegt er im Wasser aufzufischen; das Moos reißt er in großen Klumpen von Baumästen ab. Durch die Stellung aus den höchsten Baumspitzen sowie durch die sanft zugerundete Unterfläche läßt sich der Horst von weitem als der eines Flußadlers erkennen. Der Durchmesser der Nestmulde beträgt annähernd einen Meter, wogegen die Höhe desselben, je nach seinem Alter, zwischen einem und dritthalb Meter schwankt. In jedem Jahre nämlich trägt das Fischadlerpaar neue Baustoffe herbei und türmt so im Laufe der Jahre einen derartigen Riesenbau auf. Zwei Fischadlerhorste auf einem Baume wurden bei uns zulande zwar nur in äußerst seltenen Fällen, aber doch dann und wann beobachtet. Je nach der Witterung beginnt das Weibchen früher oder später, in der Regel zwischen dem vierundzwanzigsten und dreißigsten April zu legen, und fährt damit, an jedem zweiten Tage ein Ei zur Welt bringend, fort, bis das Gelege vollzählig ist. Letzteres besteht aus drei, selten vier, zuweilen auch nur zwei, länglichen, festschaligen, fast glanzlosen Eiern von neunundfünfzig bis siebzig Millimeter Länge und vierundvierzig bis zweiundfünfzig Millimeter Querdurchmesser an der dicksten Stelle, und ebenso veränderlicher Färbung und Zeichnung. Die Grundfärbung ist, nach Päßler, ein klares Weiß; die Zeichnung besteht aus matt schieferblaugrauen und rostfarbenen Flecken. Die schönsten Eier sind diejenigen, die blutrote, entweder am stumpfen oder am spitzigen Ende zusammenfließende, oft noch von schwarzen Adern durchzogene Flecke zeigen. Nach zweiundzwanzig bis sechsundzwanzigtägiger Brutzeit, die nach dem Legen des ersten Eies beginnt, und an der beide Eltern sich zu beteiligen scheinen, entschlüpfen die Jungen, in seltenen Fällen jedoch mehr als ihrer zwei. Sie sind, wie alle Adler, an Gefräßigkeit wahrhafte Ungeheuer, die jedoch so überreichlich mit Nahrung versorgt werden, daß der Horst mit kaum zur Hälfte aufgezehrten und immer nur in der Vorderhälfte angefressenen frischen und der Boden unter ihnen mit verfaulenden Fischen förmlich bedeckt ist, falls nicht ein Milanpaar die günstige Gelegenheit wahrnimmt, in der Nähe des Fischadlerhorstes den seinigen aufbaut und seine Jungen größtenteils mit den Überresten von der Tafel des Reichen auffüttert. Mindestens acht, vielleicht zehn Wochen bedürfen die Jungen, bevor sie flugfähig geworden sind; dann verlassen sie unter Führung der Eltern den Horst, lernen unter ihrer Anleitung fischen und treten endlich im September, Oktober, spätestens im November, ihre Reise nach südlichen Gegenden an.

Wird der Horst durch Stürme oder Fällen des Baumes zerstört, so verläßt der Fischadler nicht selten den Wald, in dem er gestanden, gänzlich; raubt man ihm nur die Eier, so kehrt er trotzdem alljährlich zu demselben Brutplatze zurück. Findet sich in der Nähe eines hochstämmigen Waldes ein größeres fischreiches Gewässer, so siedelt sich zuweilen ein Fischadler unweit des anderen an; in der Regel aber beherrscht jedes einzelne Paar ein weit ausgedehntes Gebiet, womöglich ein solches, das nicht unmittelbar an der Seeküste liegt.

Das tägliche Leben des Fischadlers verläuft in sehr geregelter Weise. Ziemlich spät am Tage verläßt das Paar, einer der Gatten nach dem andern, seinen Horst und fliegt nun, eine bestimmte Straße mit großer Genauigkeit innehaltend, dem oft entfernten Gewässer zu, um hier Fischfang zu treiben. Die langen Schwingen setzen unseren Fischadler in den Stand, weite Strecken mit Leichtigkeit zu durchfliegen. Er schwebt zuerst in beträchtlicher Höhe dahin, senkt sich dann über den Wasserspiegel tiefer herab und beginnt nun seine Fischjagd. Solange die Gewässer dampfen, erscheint er nicht über ihnen, weil er durch den aufsteigenden Dunst im Sehen behindert wird; daher sieht man ihn erst in den Vormittagsstunden mit seiner Jagd beschäftigt. Er kommt kreisend an, versichert sich durch sorgfältiges Spähen von der Gefahrlosigkeit, senkt sich hernieder und streicht nun in einer Höhe von ungefähr zwanzig Meter über dem Wasser auf und nieder, hält auch wohl zeitweilig still, rüttelt wie ein Turmfalke über einer Stelle, um einen etwa erspähten Fisch fester ins Auge zu fassen, und stürzt dann mit weit vorgestreckten Fängen in etwas schiefer Richtung mit großer Schnelligkeit und Gewandtheit auf das Wasser nieder, verschwindet unter den Wellen, arbeitet sich aber rasch wieder empor, erhebt sich durch einige federnde Flügelschläge auf die Oberfläche des Wassers, schüttelt die Tropfen durch zuckende Bewegungen bestmöglichst ab und verläßt hierauf ein kleineres Gewässer, gleichviel ob er glücklich oder unglücklich war. Seine eigentümliche Jagd erklärt, daß er in vielen Fällen fehlstößt; deshalb leidet er aber durchaus keinen Mangel; denn er läßt sich durch wiederholtes Mißgeschick keineswegs abschrecken. Im glücklichsten Falle schlägt er beide Fänge mit solcher Gewalt in den Rücken eines Fisches, daß er nicht imstande ist, die Klauen augenblicklich wieder auszulösen: die Baschkiren nennen ihn deshalb bezeichnend »eiserne Kralle«. Nicht allzuselten gerät er in Lebensgefahr oder findet wirklich seinen Untergang, indem ihn ein zu schwerer Fisch mit sich in die Tiefe zieht und ertränkt. An den ihm abgejagten Fischen hat man beobachtet, daß er stets zwei Zehen auf der einen, zwei Zehen auf der anderen Seite des Rückens einschlägt. Die gefangene Beute erhebt er, falls er sie mit Leichtigkeit tragen kann, und schleppt sie weit mit sich fort, am liebsten dem Walde zu, um sie hier mit aller Sicherheit zu verspeisen. Schwerere Fische schleift er wenigstens bis an das Ufer, oft mit solcher Mühe, daß er ab und zu den Wasserspiegel mit dem Opfer und seinen Fängen berührt. Von der glücklich gefangenen Beute verzehrt er nur die besten Stücke, alles übrige läßt er liegen; von den Schuppen verschlingt er einige, niemals aber auch die Eingeweide. Nur im größten Notfalle entschließt er sich, auf anderes Wild zu jagen. So teilt mir Freund Liebe mit, daß er Teichfrösche fängt, wenn er, durch wiederholte Verfolgungen scheu geworden, sich nicht mehr getraut, ein fischreiches Gewässer abzusuchen.

Mit anderen seiner Art lebt der Fischadler höchst verträglich. Um fremdartige Vögel bekümmert er sich seinerseits niemals und ist sicherlich herzlich froh, wenn diese ihn nur in Ruhe lassen. Kleinen Vögeln gestattet er ohne Mißgunst, in seinem großen Horste sich anzusiedeln, und diese Mietleute sind ihrerseits seiner Gutmütigkeit so vollkommen sicher, daß sie auch Nester zu bauen wagen, die durch einen so starken Raubvogel entschieden gefährdet werden könnten, wenn letzterer daran dächte, seine Gastfreunde zu belästigen. Bei uns zulande siedeln sich nur ausnahmsweise kleinere Vögel in dem Horste eines Fischadlers an; schon auf dem Roten Meere aber werden die großen Gebäude von solchen, insbesondere einer Würgerart, gern zur Anlage des Nestes benutzt, und in Amerika flechten und weben die Hängenestler, vornehmlich die Purpurgrakeln ( Quiscalus purpureus), ihre luftigen und schwankenden Nestbeutel so regelmäßig an den Unterbau eines Fischadlerhorstes, daß dieser gerade dadurch schon von weitem kenntlich wird. Wilson fand nicht weniger als vier solcher Beutelnester an einem einzigen Fischadlerhorste befestigt. Wenn schon dies für die Gutmütigkeit des Fischadlers oder, richtiger ausgedrückt, dafür spricht, daß er sich niemals an Geflügel vergreift, so wird der Beweis für letztere Annahme überzeugend doch erst durch die Schwimmvögel geliefert. Sie alle kennen den Fischadler so genau, daß sie sich nicht im geringsten vor ihm fürchten, betrachten ihn gewissermaßen als ihresgleichen und dulden ihn deshalb ohne Bedenken in ihrer Nähe. Am Mensalehsee in Ägypten, wo jeden Winter hunderte von Fischadlern Herberge nehmen und ein sehr bequemes Leben führen, habe ich wiederholt gesehen, daß sie mitten unter den Enten saßen, ohne von ihnen auch nur beachtet zu werden. Dagegen hat der Fischadler von anderen Raubvögeln viel auszustehen. Bei uns verfolgen ihn Schwalben und Bachstelzen wohl mehr in der Absicht, um ihn zu necken, als ihm zu schaden; da aber, wo Seeadler leben, muß er oft für diese arbeiten, und namentlich der Weißkopfseeadler soll in beständigem Kriege mit ihm liegen, sich auf ihn stürzen, sobald er eine Beute erhoben hat, und ihn so lange peinigen, bis er diese ihm zuwirft. Auch schmarotzende Milane, Kolkraben, Nebel- und Rabenkrähen jagen ihm oft den glücklich gefangenen Fisch wieder ab. Die größten und ältesten Horste endlich geben mitunter dem Baummarder Herberge, und er mag es wohl sein, der sich dann der Eier bemächtigt hat, deren geleerte Schalen man zuweilen am Fuße der Horstbäume findet.

Nächst dem Fischotter ist der Fischadler der größte Feind einer geordneten Teichwirtschaft und allen Fischereibesitzern aus diesem Grunde verhaßter als jeder andere Raubvogel. Infolge der unablässigen Nachstellungen, die der Vogel bei uns zu erleiden hat, ist er hier zulande vorsichtig und scheu, und setzt nur am Horste ausnahmsweise einmal seine Sicherheit mutwillig aufs Spiel, bewahrt sich daher schon hierdurch, noch mehr aber durch seine Jagd über weite Wasserflächen vor mancher ihm zugedachten Büchsenkugel und erschwert unter allen Umständen die Jagd; in südlichen Ländern dagegen, wo seine Räubereien keineswegs mit schelem Auge betrachtet werden, hält es nicht schwer, ihn, wenn er aufgebäumt hat, zu unterlaufen oder bei seinen regelmäßigen Hin- und Herflügen aus der Luft herabzuschießen. Leichter erbeutet man ihn mit Hilfe eines Tellereisens, das mit einem Fische geködert und unter Wasser aufgestellt wurde. In dieser Weise werden in Norddeutschland alljährlich mehrere Fischadler gefangen, und einer oder der andere gelangt dann wohl auch lebend in unsere Käfige. Doch gehört der Vogel hier, die größten Tiergärten nicht ausgenommen, immer zu den Seltenheiten. Ich habe alte wie jung aus dem Nest gehobene gepflegt, mich aber nicht mit ihnen befreunden können. Die alt eingefangenen gewöhnen sich im Käfige niemals ein, sitzen tagelang auf einer und derselben Stelle, gebärden sich, wenn jemand ihren Käfig betritt, geradezu sinnlos, Furcht und Schrecken in jeder Weise an den Tag legend, treten mit ihrem Wärter niemals in ein erträgliches Verhältnis, welken sichtlich dahin, magern mehr und mehr ab und liegen eines Morgens tot im Käfige, ohne daß man den Grund ihres Hinscheidens zu erkennen vermag. Auch jung eingefangene, aus dem Neste gehobene Vögel halten sich schlecht, gewöhnen sich schwer daran, selbst zu fressen und verkümmern früher oder später selbst bei bestem Futter.


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